DE4405829A1 - Verfahren zur Rückgewinnung von Schneidkorn - Google Patents
Verfahren zur Rückgewinnung von SchneidkornInfo
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Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Rückgewinnung von
Schneidkorn aus einem gebrauchten, bei der mechanischen Be
arbeitung von Halbleitermaterial verwendeten Schleifmittel,
bestehend aus einer Schneidflüssigkeit, in der das Schneid
korn und vom Halbleitermaterial stammender Abrieb disper
giert sind.
Schleifmittel mit dispergiertem, losem Schneidkorn werden
hauptsächlich zum Trennläppen von poly- oder monokristalli
nem Halbleitermaterial, beispielsweise block- oder stabför
migen Halbleiterkristallen, gebraucht. Ein anderes Einsatz
gebiet für derartige Schleifmittel ist das Läppen der Ober
flächen von Halbleiterscheiben aus poly- oder monokristalli
nem Halbleitermaterial. Diese Schleifmittel bestehen aus
einer Schneidflüssigkeit, in der das Schneidkorn dispergiert
ist. Während der mechanischen Bearbeitung des Halbleiter
materials wird das im Schleifmittel enthaltene Schneidkorn
mit Hilfe von Bearbeitungswerkzeugen, beispielsweise Band-
oder Drahtsägen oder Läppscheiben, an den Ort transportiert
und gedrückt, an dem es seine zerspanende Wirkung entfalten
soll.
Mit zunehmender Gebrauchsdauer nimmt die Wirksamkeit des
Schleifmittels ab, so daß es schließlich ausgetauscht werden
muß, weil das gestellte Bearbeitungsziel mit dem gebrauchten
Schleifmittel nicht mehr zu erreichen ist.
Da die Kosten für das Schneidkorn einen großen Teil der Ge
samtkosten der mechanischen Bearbeitung des Halbleitermate
rials bilden, ist die verbreitete Praxis, gebrauchtes
Schleifmittel als Abfall zu entsorgen, sobald seine Wirksam
keit unter eine bestimmte Zielvorgabe abgesunken ist, un
wirtschaftlich. Ein Rückgewinnungs-Verfahren für Schneid
korn, das auf alle gebräuchlichen Schleifmittel erfolgreich
anwendbar ist, ist nicht bekannt.
Es bestand daher die Aufgabe, nach einem möglichst einfachen
Weg zu suchen, der einen verlängerten Einsatz des Schneid
korns zur mechanischen Bearbeitung von Halbleitermaterial
ermöglicht.
Gelöst wird die Aufgabe durch ein Verfahren zur Rückgewin
nung von Schneidkorn aus einem gebrauchten, bei der mechani
schen Bearbeitung von Halbleitermaterial verwendeten
Schleifmittel, bestehend aus einer Schneidflüssigkeit, in
der das Schneidkorn und vom Halbleitermaterial stammender
Abrieb dispergiert sind, das dadurch gekennzeichnet ist, daß
in einem ersten Verfahrens schritt das Schleifmittel zentri
fugiert wird und in einem zweiten Verfahrensschritt der beim
Zentrifugieren abgeschiedene Feststoff in frischer Schneid
flüssigkeit zu einem aufbereiteten Schleifmittel redisper
giert wird.
Untersuchungen der Erfinder zufolge hängt die Gebrauchs
dauer, während der das Schleifmittel noch nutzbringend zur
mechanischen Bearbeitung von Halbleitermaterial einzusetzen
ist, davon ab, in welchem Maß vom Halbleitermaterial stam
mender Abrieb in das Schleifmittel gelangt. Mit zunehmender
Gebrauchsdauer lagern sich immer mehr Teilchen aus dem Ab
rieb an das Schneidkorn an und bilden mit diesem Agglome
rate. Da sich diese Agglomerate im Gegensatz zum freien
Schneidkorn nicht mehr als materialabtragende Komponente des
Schleifmittels eignen, ist es sinnvoll, gebrauchtes Schleif
mittel auszutauschen, sobald eine bestimmte Menge an Abrieb
in das Schleifmittel (nachfolgend "kritische Menge" genannt)
gelangt ist.
Durch das nachfolgend näher beschriebene Verfahren gelingt
es, Schneidkorn aus einem Schleifmittel, das zur Bearbeitung
von Halbleitermaterial nicht mehr nutzbringend verwendet
werden kann, größtenteils zurückzugewinnen und als Bestand
teil des Verfahrensproduktes des zweiten Verfahrensschrittes
(dieses Verfahrensprodukt wird nachfolgend "aufbereitetes
Schleifmittel" genannt) zur mechanischen Bearbeitung von
Halbleitermaterial wiederzuverwenden.
Zur Herstellung des aufbereiteten Schleifmittels wird zu
nächst gebrauchtes Schleifmittel, welches im Gegensatz zu
ungebrauchtem Schleifmittel eine bestimmte Menge an vom
Halbleitermaterial stammenden Abrieb enthält, in einer han
delsüblichen Zentrifuge zentrifugiert. Ziel dieses ersten
Verfahrensschrittes ist es, aus dem Schleifmittel das grob
körnige Material abzutrennen. Das grobkörnige Material be
steht aus dem Schneidkorn, das mehr oder weniger stark mit
vom Halbleitermaterial stammenden Abrieb belegt ist. Die
Teilchen des Abriebs haben einen mittleren Korndurchmesser,
der in der Regel unter 1 µm liegt, und bilden im wesent
lichen das feinkörnige Material im Schleifmittel. Während
ein Teil des feinkörnigen Materials in der Schneidflüssig
keit dispergiert vorliegt, haftet der andere Teil unter Aus
bildung der erwähnten Agglomerate am Schneidkorn.
Beim Zentrifugieren scheidet sich ein Feststoff ab, der An
teile von grobkörnigem und von feinkörnigem Material ent
hält. Die Verteilung von grob- und feinkörnigem Material im
abgeschiedenen Feststoff wird wesentlich von der Dauer des
Zentrifugierens und der dabei wirkenden Zentrifugalbeschleu
nigung beeinflußt. Es ist daher notwendig, in Vorversuchen
diese Verfahrensparameter systematisch auszutesten, so daß
das Ergebnis des Zentrifugierens dem oben definierten Ziel,
das grobkörnige Material abzutrennen, sehr nahe kommt und
der Verlust an Schneidkornmasse durch den Trennschritt tole
rierbar ist.
Vorzugsweise sollten sich im abgeschiedenen Feststoff 60 bis
95 Gew.-%, besonders bevorzugt 85 bis 95 Gew.-% des ur
sprünglich im gebrauchten Schleifmittel vorhandenen Schneid
korns befinden. Der Anteil an vom Halbleitermaterial stam
menden Abrieb im abgeschiedenen Feststoff soll vorzugsweise
höchstens 2 bis 8 Gew.-%, besonders bevorzugt 3 bis 5 Gew.-%
des ursprünglich im gebrauchten Schleifmittel enthaltenen
Abriebs betragen. In der Regel genügt es zum Erreichen die
ser Vorgaben, im ersten Verfahrensschritt für die Dauer von
30 bis 320 s, bevorzugt 60 bis 100 s zu zentrifugieren und
dabei eine Zentrifugalbeschleunigung im Bereich von 2000 bis
8000 g, besonders bevorzugt 4000 bis 6000 g einzustellen.
Im zweiten Verfahrensschritt wird der durch Zentrifugieren
abgeschiedene Feststoff in frischer Schneidflüssigkeit unter
starkem Rühren redispergiert. Liegen die Mengenverhältnisse
im abgeschiedenen Feststoff bezüglich der Anteile von
Schneidkorn und Abrieb in der oben angegebenen Bandbreite,
erhält man als Produkt des zweiten Verfahrensschrittes ein
aufbereitetes Schleifmittel, welches unverzüglich zur mecha
nischen Bearbeitung von weiterem Halbleitermaterial einge
setzt werden kann. Wenn der Anteil an vom Halbleitermaterial
stammenden Abrieb im abgeschiedenen Feststoff über den ange
gebenen 8 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht an Abrieb im
gebrauchten Schleifmittel liegt, ist es zweckmäßig, das be
schriebene Verfahren mit dem aufbereiteten Schleifmittel zu
wiederholen, auch wenn durch diese Maßnahme weiteres
Schneidkorn verloren geht.
Überraschenderweise ist die als Qualitätsmerkmal angesehene
Parallelität der Seitenflächen von Siliciumscheiben, die
durch Trennläppen eines stabförmigen Einkristalls herge
stellt werden, dann verbessert, wenn zum Abtrennen der
Scheiben statt ungebrauchtem Schleifmittel aufbereitetes
Schleifmittel eingesetzt wird.
Die Erfinder haben ungebrauchtes und gebrauchtes Schleifmit
tel untersucht und festgestellt, daß sich während der mecha
nischen Behandlung von Halbleitermaterial der mittlere Korn
durchmesser des Schneidkorns um etwa 10 bis 12% zu niedri
geren Werten verschiebt. Diese Verschiebung resultiert über
wiegend aus der Zerkleinerung von Schneidkorn, dessen Durch
messer über dem mittleren Korndurchmesser gelegen hat. Die
Korngrößenverteilung beim Schneidkorn im Bereich der Durch
messer unter dem ursprünglich festgestellten mittleren Korn
durchmesser wird durch den Gebrauch des Schleifmittels kaum
verändert. Da großes Schneidkorn den Schneidspalt zwischen
einem Halbleiterkristall und einer von diesem zu trennenden
Halbleiterscheibe beim Eintritt erweitert, erklärt die ge
fundene Änderung der Korngrößenverteilung die erwähnte ver
besserte Parallelität der Seitenflächen der Halbleiterschei
ben, wenn beim Abtrennen der Scheiben statt ungebrauchtem
Schleifmittel aufbereitetes Schleifmittel verwendet wird.
Es ist ferner überraschend, daß gebrauchtes Schleifmittel
durch aufbereitetes Schleifmittel vollständig ersetzt wer
den kann, ohne daß sich der Zeitpunkt, zu dem ein neuer
licher Austausch des Schleifmittels angezeigt ist, früher
einstellt, als dies bei Verwendung von ungebrauchtem
Schleifmittel der Fall wäre. Dem Anwender stehen mehrere
Möglichkeiten offen, das vorgestellte Verfahren zu nutzen.
Enthält das Schleifmittel nach einiger Zeit der Bean
spruchung eine kritische Menge an vom Halbleitermaterial
stammenden Abrieb, kann es vollständig durch aufbereitetes
Schleifmittel ersetzt werden. Selbstverständlich kann auch
aufbereitetes Schleifmittel, das während seines Einsatzes
soviel vom Halbleitermaterial stammenden Abrieb aufgenommen
hat, daß es ausgetauscht werden muß, einem erneuten Aufbe
reitungs-Zyklus zugeführt und wiedereingesetzt werden.
Allerdings ist es zweckmäßig, dann von einer weiteren Aufbe
reitung von gebrauchtem Schleifmittel abzusehen, wenn dieses
bereits mehr als 10 Aufbereitungs-Zyklen durchlaufen hat.
Der Ersatz von gebrauchtem Schleifmittel durch aufbereitetes
Schleifmittel kann auch kontinuierlich erfolgen und gegebe
nenfalls bereits zu einem Zeitpunkt eingeleitet werden, zu
dem die kritische Menge an Abrieb im auszutauschenden
Schleifmittel noch nicht erreicht ist. Beim kontinuierlichen
Austausch von Schleifmittel hat es sich als besonders vor
teilhaft herausgestellt, wenn dem Prozeß der mechanischen
Bearbeitung von Halbleitermaterial in einem Kreislauf ge
brauchtes Schleifmittel kontinuierlich entzogen und in auf
bereiteter Form wieder zurückgeführt wird. In diesem Kreis
lauf wird das gebrauchte Schleifmittel nach dem beschriebe
nen Verfahren aufbereitet und gegebenenfalls der dabei ent
standene Verlust an Schneidkorn durch die Zugabe von abrieb
freiem Schneidkorn in das aufbereitete Schleifmittel ausge
glichen.
Das erfindungsgemäße Verfahren läßt sich auf alle bekannten
Schleifmittel zur mechanischen Bearbeitung von Halbleiter
material anwenden, in denen das Schneidkorn in einer
Schneidflüssigkeit dispergiert vorliegt. Als Schneidflüssig
keiten kommen insbesondere Öle oder wässerige Lösungen in
Frage, wobei diese jeweils Hilfsstoffe wie Tenside oder
Polymere enthalten können. Als Schneidkorn werden vorzugs
weise Hartstoff-Partikel, beispielsweise aus Aluminiumoxid,
Silicium- oder Borcarbid verwendet, deren mittlere Korn
durchmesser vorzugsweise im Bereich von 6 bis 20 µm liegen.
Das beschriebene Verfahren zur Rückgewinnung von Schneidkorn
ist mit besonders gutem Ergebnis durchführbar, wenn das Ge
wichtsverhältnis von Schneidflüssigkeit zu Schneidkorn im
ungebrauchten Schleifmittel 1 : 1 bis 1 : 2, vorzugsweise 1 : 1,25
bis 1 : 1,7 beträgt. Obwohl die Rückgewinnung von Schneidkorn
aus einem gebrauchten Schleifmittel am Beispiel von Schleif
mitteln zur mechanischen Bearbeitung von Halbleitermaterial
beschrieben wurde, ist dieses Verfahren auch auf Schleifmit
tel anwendbar, die zur mechanischen Bearbeitung von anderem
sprödharten Material, beispielsweise Glas oder Keramik, ver
wendet werden.
Nachfolgend wird das erfindungsgemäße Verfahren an einem
Beispiel dargestellt.
Es wurde zunächst ein Schleifmittel bereitet, indem 25 kg
Siliciumcarbid-Körner mit einem mittleren Korndurchmesser
von 10 µm in 20 kg eines als Schneidflüssigkeit verwendeten
Schneidöls dispergiert wurden. Unter Verwendung dieses
Schleifmittels konnten anschließend ca. 2000 Scheiben mit
einem Durchmesser von 100 mm von einem monokristallinen
Siliciumkristall durch Trennläppen abgetrennt werden. Bis zu
diesem Zeitpunkt hatte sich im gebrauchten Schleifmittel ein
Siliciumabrieb von 1 kg (bezogen auf 5 kg abriebfreies
Schleifmittel) angereichert.
Das gebrauchte Schleifmittel wurde daraufhin in einem han
delsüblichen Dekanter (Zentrifuge) über einen Zeitraum von
70 s und bei einer Zentrifugalbeschleunigung von ca. 5000 g
zentrifugiert. Der dabei abgeschiedene Feststoff wurde in 16
kg frischem Schneidöl unter starkem Rühren redispergiert und
anschließend zum Abtrennen weiterer Siliciumscheiben verwen
det. Bevor ein erneuter Aufbereitungs-Zyklus angezeigt war,
konnten mit dem aufbereiteten Schleifmittel weitere 2000
Siliciumscheiben erzeugt werden.
Claims (4)
1. Verfahren zur Rückgewinnung von Schneidkorn aus einem
gebrauchten, bei der mechanischen Bearbeitung von Halb
leitermaterial verwendeten Schleifmittel, bestehend aus
einer Schneidflüssigkeit, in der das Schneidkorn und vom
Halbleitermaterial stammender Abrieb dispergiert sind,
dadurch gekennzeichnet, daß
in einem ersten Verfahrensschritt das Schleifmittel zen
trifugiert wird und in einem zweiten Verfahrensschritt
der beim Zentrifugieren abgeschiedene Feststoff in
frischer Schneidflüssigkeit zu einem aufbereiteten
Schleifmittel redispergiert wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß
das Schleifmittel bei einer Zentrifugalbeschleunigung
von mindestens 2000 bis 8000 g, vorzugsweise 4000 bis
6000 g zentrifugiert wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeich
net, daß das Schleifmittel für die Dauer von 30 bis
320 s, vorzugsweise 60 bis 100 s zentrifugiert wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch ge
kennzeichnet, daß der abgeschiedene Feststoff 60 bis 95
Gew.-% Schneidkorn, bezogen auf die Menge an Schneidkorn
im gebrauchten Schleifmittel, und 2 bis 8 Gew.-% an vom
Halbleitermaterial stammenden Abrieb, bezogen auf die
Menge an Abrieb im gebrauchten Schleifmittel, enthält.
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