DE3825541C2 - Verfahren zur Bewertung der Reststandzeit von wärmebeständigem Stahl - Google Patents
Verfahren zur Bewertung der Reststandzeit von wärmebeständigem StahlInfo
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Description
Die Erfindung betrifft Verfahren zur
Bewertung der Reststandzeit eines Bauteils aus hitze- oder wärmebeständigem
legiertem Stahl, das unter erschwerten Betriebsbedingungen
bei hohen Temperaturen eingesetzt wird.
Überhitzerröhren von Kesseln in Kraftwerken unterliegen
beispielsweise einer Verschlechterung der Werkstoffeigenschaften
nach längerem Betrieb, weil sie unter erschwerten
Bedingungen bei hohen Temperaturen und Drücken eingesetzt
werden. Wenn die Betriebslebensdauer bzw. Standzeit des
Werkstoffs voll erschöpft ist, können Unfälle, z. B. durch
Brüche, auftreten. Zur Vermeidung solcher Unfälle sind
bereits verschiedene Verfahren zur Bewertung der Reststandzeit
von wärmebeständigen Stählen angewandt worden,
beispielsweise ein Dauerstandversuch am Werkstoff, ein
Verfahren, das auf der Untersuchung der Änderung der mechanischen
Festigkeit, wie Härte, oder des Gefüges beruht,
oder ein zerstörungsfrei arbeitendes Prüfverfahren für
die Feststellung etwaiger Risse.
Zerstörende Prüfverfahren, z. B. der Dauerstandversuch,
erfordern jedoch aufwendige Arbeitsgänge, wie Probennahme
durch Zerschneiden von tatsächlich benutzten Teilen
und Langzeituntersuchung oder -prüfung, die über einen
langen Zeitraum entsprechend einem Mehrfachen von tausend
Stunden durchgeführt werden muß. Mittels eines solchen
Verfahrens ist es mithin unmöglich, die Reststandzeit
in kurzer Zeit und in zerstörungsfreier Weise zu bestimmen.
Das auf der Feststellung der Änderung in den
mechanischen Eigenschaften, wie Härte, beruhende Verfahren
vermag keine genaue Information bezüglich der Reststandzeit
über einen langen Zeitraum vom Beginn bis zum Ende
des Einsatzes des betreffenden Teils zu liefern; dies beruht
zum Teil darauf, daß die Änderung in den mechanischen
Eigenschaften hauptsächlich in der Endphase der Standzeit
oder Betriebslebensdauer auftritt, und zum Teil
darauf, daß die sich ändernden Eigenschaften stark
variieren. Es ist auch bekannt, daß eine Änderung im Gefüge
oder in der Struktur im Langzeitbetrieb einen der
kritischsten Faktoren bezüglich der Eigenschaftsverschlechterung
des Werkstoffs darstellt.
Eine zerstörungsfreie
Untersuchung bzw. Prüfung zur Feststellung von
Rissen in wärmebeständigen Stählen, die bei hoher Temperatur
und unter hoher Beanspruchung eingesetzt werden,
ist zwar für die Bewertung der Reststandzeit sehr wirksam,
doch liefert diese Methode keine Information bezüglich
des Werkstoffzustands, bevor tatsächlich ein Riß
auftritt.
Aus der US 4 287 417 ist ein Verfahren zur Bestimmung des
zeitabhängigen Ausmaßes der Verschlechterung bzw. der
Veränderung eines wärmebeständigen ferritischen Bauteils aus
Cr-Mo-V-Stahl durch die Erwärmung im Einsatz, beispielsweise
in Dampfturbinen, bekannt, bei dem mindestens einer der
Faktoren Teilchenabstand, Teilchengröße und
Kristallisationsdichte einer V₄C₃ Karbidausscheidung des
Stahls gemessen und unter Vergleich mit im Labor ermittelten
Bewertungsbezugskurven ausgewertet wird.
Des weiteren beschreibt die JP 56-55854 A auch ein Verfahren zur
Bestimmung des Ausmaßes der Verschlechterung eines
wärmebeständigen Stahls, bei dem eine Teilchendurchmesser-
Verteilungskurve von in CrMoVW-Stahl ausgeschiedenem M₂₃C₆-
Karbonat mittels eines Elektronenmikroskops sowohl bei einem
zu untersuchenden Bauteil als auch bei einer Vergleichsprobe
zur Ermittlung eines Referenzdiagrammes bestimmt und
miteinander verglichen werden.
Schließlich beschreibt noch die JP 55-101857 A ein Verfahren
zum Messen der Reststandzeit von Stahlbauteilen, die hohen
Temperaturen ausgesetzt waren. Dieses Verfahren beruht
darauf, daß die Konzentration der Legierungselemente in den
M₂₃C₆-Karbid-Ausscheidungen im Stahl eines Bauteils
quantitativ bestimmt werden und darauf basierend die
Bewertung vorgenommen wird.
Aufgabe der Erfindung ist die Schaffung von Verfahren zur
Bewertung der Reststandzeit eines Bauteils aus
wärmebeständigem, legiertem Stahl, das während längerer
Zeitdauer hohen Temperaturen und hohen mechanischen
Belastungen ausgesetzt war, das eine sichere zerstörungsfreie
Bewertung der Reststandzeit ermöglicht.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch Verfahren gemäß den
Ansprüchen 1, 4 oder 6 gelöst. Bevorzugte Ausgestaltungen der
Verfahren gemäß den Ansprüchen 1 und 4 sind in
Unteransprüchen angegeben.
Ausgedehnte Untersuchungen
an wärmebeständigen Stählen, die bei hoher Temperatur und
hohem Druck eingesetzt werden, haben gezeigt, daß eine
sehr enge Beziehung zwischen der Reststandzeit solcher
Stähle und dem Zustand der Konzentration (Häufigkeit) von Stahl-Legierungselementen
sowie dem Verschlechterungszustand des metallurgischen
Gefüges der Stähle und/oder dem Fällungs- bzw. Ausscheidungszustand
besteht.
Die Erfindung beruht nun auf dieser Feststellung. Erfindungsgemäß
werden die Konzentrationen eines Legierungselementes
in winzigen bzw. kleinsten Bereichen auf der Oberfläche
des wärmebeständigen Stahls an einer Vielzahl von Stellen
gemessen, wahlweise wird der Verschlechterungszustand
des metallurgischen Gefüges und/oder
der Ausscheidungszustand an einem Abdruck bestimmt,
der von der Oberfläche des wärmebeständigen Stahls entnommen
worden ist. Gleichzeitig werden Beziehungen zwischen
diesen Faktoren und der Standzeitabnahmerate
im voraus mittels einer zerstörenden
Prüfung oder einer Kräftebestimmung bestimmt, und die dabei
gewonnenen Daten werden in Form eines Reststandzeit-
Bewertungsbezugsdiagramms gespeichert. Die Reststandzeit
oder -lebensdauer des wärmebeständigen Stahls kann damit
unter Bezugnahme auf dieses Diagramm bewertet werden.
Somit ist eine genaue Bewertung in kurzer
Zeit und ohne die Notwendigkeit für eine zerstörende
Prüfung möglich. Zudem vermögen die erfindungsgemäßen Verfahren
Informationen bezüglich der Reststandzeit
von wärmebeständigem Stahl über einen langen Zeitraum
vom Einsatzbeginn bis zum Betriebsende zu liefern.
Im folgenden werden die erfindungsgemäßen Verfahren bzw. bevorzugte Ausführungsbeispiele
anhand der Zeichnung näher erläutert. Es zeigen:
Fig. 1 eine graphische Darstellung der Mo-Konzentrationsverteilung,
ermittelt unter Verwendung eines unbenutzten
ferritischen wärmebeständigen Stahls und
eines ferritischen wärmebeständigen Stahls nach
Langzeiteinsatz, für ein erstes Ausführungsbeispiel
der Erfindung,
Fig. 2 ein Reststandzeit-Bewertungsbezugsdiagramm zur
Darstellung der Beziehungen zwischen der größten
Häufigkeit (Flächenfaktor) der Mo-Konzentrationsverteilung und der
Dauerstandfestigkeitsabnahme bei einem ferritischen
wärmebeständigen Stahl,
Fig. 3 ein Reststandzeit-Bewertungsbezugsdiagramm zur
Darstellung der Beziehung zwischen der Halbwertsbreite
der Mo-Konzentration eines ferritischen wärmebeständigen
Stahls und der Dauerstandfestigkeitsabnahme,
Fig. 4 eine schematische Darstellung der Bestimmung oder
Definition des Flächenfaktors als
eingeführter Begriff, bei einem
zweiten Ausführungsbeispiel der Erfindung,
Fig. 5 eine graphische Darstellung der Definition des
Einheitsdichtebereichs
ebenfalls als eingeführter Begriff,
Fig. 6 eine graphische Darstellung des Cr- und Mo-Konzentrationsspektrums
in einem ferritischen wärmebeständigen
Stahl nach 140 000stündigem Betrieb als wärme-
und druckbeständiger Bauteil eines Kessels in
einem Kraftwerk,
Fig. 7 ein Reststandzeit-Bewertungsbezugsdiagramm zur
Darstellung der Beziehung oder Korrelation zwischen
logarithmischen Dämpfungsfaktoren von Cr-
und Mo-Konzentrationsspektren bei einem unter verschiedenen
Bedingungen eingesetzten wärmebeständigen
Stahl und dem Standzeitabnahmefaktor, anhand
eines Bruchversuchs bestimmt,
Fig. 8 eine für ein drittes Ausführungsbeispiel der Erfindung
geltende Darstellung einer Elektronenmikroskop-
Gefügeaufnahme zur Messung des Kugeligkeitsfaktors
von Korngrenzenkarbiden,
Fig. 9 ein Reststandzeit-Bewertungsbezugsdiagramm zur
Darstellung der Beziehung zwischen dem Kugeligkeitsfaktor
von Korngrenzenkarbiden und der
Dauerstandfestigkeitsabnahme,
Fig. 10 ein Fließdiagramm eines Verfahrens gemäß einem
vierten Ausführungsbeispiel der Erfindung,
Fig. 11 eine für ein fünftes Ausführungsbeispiel der
Erfindung geltende Darstellung einer elektronenmikroskopischen
Übertragungs- oder Durchlaß-Gefügeaufnahme
einer Probe,
die von der Oberfläche eines temperatur- und
druckbeständigen Bauteils eines über einen langen
Zeitraum in einem Kraftwerk eingesetzten Kessels
entnommen wurde, und
Fig. 12 ein Reststandzeit-Bewertungsdiagramm zur Darstellung
der Beziehung zwischen der M₆C-Karbidfällung
und der Standzeitabnahme bei einem
ferritischen wärmebeständigen Stahl.
Im folgenden ist die Erfindung anhand eines ersten Ausführungsbeispiels
erläutert.
Es wurden ausgedehnte Untersuchungen an
ferritischen und austenitischen wärmebeständigen Stählen
durchgeführt, die im Langzeitbetrieb bei hohen Temperaturen
eingesetzt waren. Als Ergebnis von ferritischen
wärmebeständigen Stählen die Eigenschafts-Verschlechterung
des Stahls eng mit der Kugelbildung von
Mo₂C-Karbiden im Ferritkorn unter Fällungs- oder Ausscheidungsvergröberung
von M₆C-Karbiden in der Korngrenze,
die im Langzeitgebrauch des Stahls auftreten, verbunden ist.
Im Fall von austenitischem wärmebeständigen Stahl hat es
sich außerdem gezeigt, daß die Verschlechterung eng mit
der Fällung oder Ausscheidung der δ-Phase
zu den Korngrenzen und der resultierenden Entstehung
einer chromarmen Schicht verbunden ist.
Es hat sich weiterhin gezeigt, daß diese strukturellen
Änderungen der jeweiligen wärmebeständigen Stahlsorten
dadurch festgestellt werden können, daß eine Änderung in
der Konzentration von Molybdän und Chrom, die Legierungselemente
solcher Stähle darstellen, festgestellt oder gemessen
wird.
Das erste Ausführungsbeispiel der Erfindung beruht auf
diesen Feststellungen. Dabei wird somit die Änderung im
Verteilungszustand der Elementkonzentration eines wärmebeständigen
Stahls quantitativ gemessen, und die Reststandzeit
oder -lebensdauer dieses Stahls wird anhand der Meßdaten
unter Bezugnahme auf ein Reststandzeit-Bewertungsbezugsdiagramm
bewertet, welches die Beziehung zwischen
der quantitativen Größe der Konzentrationsverteilung und der
Standzeitabnahmerate angibt; dieses Diagramm wird durch
tatsächliche Messung mittels zerstörender Prüfung oder
Spannungsanalyse bzw. Kräftebestimmung aufgestellt.
Für einen ferritischen wärmebeständigen 2 1/4Cr-1Mo-Stahl
und einen anderen ferritischen wärmebeständigen Stahl, die über
einen langen Zeitraum hinweg in Überhitzerröhren und
Hauptdampfröhren eines Kraftwerk-Kessels eingesetzt waren, werden
die Konzentrationen von Mo als Legierungselement eines solchen
wärmebeständigen Stahls gemessen und mittels eines Röntgen-
Analysiergeräts an einer großen Vielzahl von 1×1 mm
großen Stellen (1000×1000 Stellen) analysiert bzw.
aufgestellt.
Über den gesamten Konzentrationsbereich hinweg wurde eine Abstufung
oder Skala in Einheiten von 0,2% aufgestellt. Das
Verhältnis der Zahl der in jedem Konzentrationsbereich liegenden
Untersuchungsstellen zur Gesamtzahl der Untersuchungsstellen
wurde längs des Konzentrationspegels aufgetragen. Fig. 1
veranschaulicht die Mo-Konzentrationsverteilung 1 in einem nicht
benutzt Werkstoff und die Mo-Konzentrationsverteilung 2 eines über
einen längeren Zeitraum hinweg benutzten Werkstoffs. Der
von Langzeitbenutzung herrührende Grad der Streuung
der Mo-Konzentration wurde anhand des
Höchstwerts 3 des Flächenfaktors (relative Häufigkeitsdichte) der Mo-Konzentrationsverteilung
und der Halbwertsbreite 4 des Verteilungsspektrums ausgewertet.
Für jeden der verschiedenen Stahlwerkstoffe wurde
ein Reststandzeit-Bewertungsbezugsdiagramm gezeichnet,
welches die Beziehung zwischen der Dauerstandfestigkeitsabnahme
und dem Höchstwert des Flächenfaktors
oder der Halbwertsbreite des Verteilungsspektrums
angibt. Fig. 2 veranschaulicht ein solches Reststandzeit-
Bewertungsbezugsdiagramm, das in Übereinstimmung mit dem
maximalen oder größten Flächenfaktor (relative Häufigkeitsdichte) der Mo-Konzentrationsverteilung
von 2 1/4Cr-1 Mo-Stahl aufgetragen wurde, während
Fig. 3 ein ähnliches, auf der Grundlage der Halbwertsbreite
festgelegtes Diagramm veranschaulicht.
Sodann wurde die Mo-Konzentrationsverteilung nach der vorstehend
beschriebenen Methode im Oberflächenbereich von Überhitzerröhren,
die im Langzeitbetrieb in einem Kraftwerk-
Kessel benutzt worden waren, gemessen, und die Dauerstandfestigkeitsabnahme
wurde anhand dieses Bezugsdiagramms unter Heranziehung
des gemessenen größten Flächenfaktors und der Halbwertsbreite
vorausbestimmt. Der auf der Grundlage des größten
Flächenfaktors vorausbestimmte Wert der Standzeitabnahme
betrug 53%, während die auf der Grundlage der Halbwertsbreite
vorausbestimmte Standzeitabnahme 56% betrug. Andererseits
wurde die Dauerstandfestigkeitsabnahme der Überhitzerröhre
mittels eines Dauerstandversuchs gemessen.
Dieser Versuch ergab einen Wert von 51,4%, die somit mit
den nach dem erfindungsgemäßen Verfahren vorausbestimmten
Werten gut übereinstimmt.
Außerdem wurde ein Reststandzeit-Bewertungsbezugsdiagramm
auch für austenitischen Stahl auf der Grundlage der Cr-
Konzentrationsverteilung aufgestellt, und zwar nach einer Methode,
die im wesentlichen der für ferritischen Stahl benutzten
Methode entspricht. Die Reststandzeit wurde anhand des
größten Flächenfaktors und der Halbwertsbreite der Cr-
Konzentrationsverteilung, an einem Langzeitbetrieb ausgesetzten
Werkstoffproben gemessen, bewertet. Das Bewertungsergebnis
stimmte dabei gut mit dem Ergebnis der Bestimmung der
Standzeitabnahme mittels des Dauerstandversuchs überein.
Nachstehend ist ein zweites Ausführungsbeispiel der Erfindung
beschrieben. Es hat sich auch
herausgestellt, daß die Reststandzeit oder -lebensdauer
eines ferritischen, bei hoher Temperatur und hohen Belastungspegeln
verwendeten wärmebeständigen Stahls von
der Art und der Form der Karbide abhängt, die im Gebrauch
des Stahls ausfallen bzw. ausscheiden. Ein Prüfling
a1 (Fig. 4) zeigt eine gleichmäßige Verteilung feiner
Karbide. Bei diesem Prüfling wird ein im wesentlichen
gleichmäßiges Verhältnis von Karbiden über eine Vielzahl
von Untersuchungsstellen hinweg festgestellt. Dies bedeutet,
daß die Konzentrationen der die Karbide darstellenden
Elemente, d. h. Cr und Mo im Fall von ferritischen Stählen,
unabhängig von der Lage der Untersuchungsstelle im wesentlichen
konstant sind. Wie aus Fig. 4(b1) hervorgeht,
zeigt daher das Konzentrationsspektrum einen scharfen Peak im Bereich
um die mittlere Konzentration herum.
Im Gegensatz dazu variiert bei einem Prüfling (Fig. 4(a2))
bei dem Karbide kondensiert und vergröbert sind,
das Verhältnis der Karbide im Untersuchungsbereich im
großen Maße in Abhängigkeit von der Lage der Untersuchungsstelle,
mit dem Ergebnis, daß unterschiedliche
Untersuchungsstellen verschiedene Konzentrationen von Karbidbildnern
zeigen. Demzufolge enthält das Spektrum
lediglich einen niedrigen und breiten Peak (vgl. Fig. 4(b2)).
Erfindungsgemäß wurde nun eine Methode entwickelt, die
eine quantitative Erfassung oder Messung der Änderung
in der Konzentrationsverteilung von Chrom (Cr) und Molybdän (Mo)
als Karbidbildner ermöglicht. Dabei wurden insbesondere
die Konzentrationen von Cr und Mo in winzigen oder kleinsten Bereichen
an einer Vielzahl von Untersuchungsstellen auf
der Oberfläche eines ferritischen wärmebeständigen Stahls
gemessen, wobei für jeden Einheits-Konzentrationsabschnitt oder
-bereich das Verhältnis der in jedem Konzentrationsbereich liegenden
Untersuchungsstelle zur Gesamtzahl der Untersuchungsstellen
als Flächenfaktor berechnet wurde. Die Größe der
Flächenfaktoren der jeweiligen Einheits-Konzentrationsbereiche
wurde jeweils für Cr und Mo längs der Konzentration
aufgetragen. Als Ergebnis hat es sich gezeigt, daß
das Flächenfaktordämpfungsverhältnis an der Seite der
höheren Konzentration des Flächenfaktors des Konzentrationsspektrums
in Abhängigkeit von Faktoren variiert, z. B. der Art der
ausgefällten Karbide und dem Verteilungszustand dieser
ausgefällten Stoffe.
Im folgenden ist die Definition des Einheits-Konzentrationsbereichs
erläutert.
Gemäß Fig. 5 wird der Konzentrationsbereich zwischen der Mindest-
Konzentration (Cmin) und der Höchstkonzentration (Cmax) für jeweils Cr
und Mo, an einer Vielzahl von Untersuchungsstellen gemessen,
in n Teile der Konzentration (ΔC, z. B. 0,1 Gew.-%) unterteilt.
Jeder derartige Teil oder Bereich wird als Einheits-
Konzentrationsbereich (C bis C+ΔC) bezeichnet:
ΔC = (Cmax - Cmin)/n (n = Teiler)
Der Flächenfaktor (relative Häufigkeitsdichte) X(c) wird wie folgt definiert: Der
Flächenfaktor X(c) ist, genauer gesagt, das Verhältnis
der Zahl der in jedem Einheits-Konzentrationsbereich (C bis C+ΔC)
liegenden Untersuchungsstellen (nc) zur Gesamtzahl (N)
der Untersuchungsstellen. Der Flächenfaktor X(c) bestimmt
sich somit nach folgender Gleichung:
mit
Cmax
Σ X(c) = 100
C = Cmin, ΔC
Cmax
Σ X(c) = 100
C = Cmin, ΔC
Fig. 6 zeigt Cr- und Mo-Konzentrationsspektren von durch Ausschneiden
bis zu einer Tiefe von mehreren Millimetern
von der Oberfläche her gewonnenen Prüflingen eines
ferritischen wärmebeständigen Stahls, der 140 000 Stunden
lang als Werkstoff eines temperatur- und druckbeständigen
Bauteils eines Kraftwerk-Kessels eingesetzt war. In
Fig. 6 stehen die einzelnen Symbole für die folgenden
Faktoren:
Dabei bedeuten: N = Gesamtzahl der Untersuchungsstellen
n(Cr) = Zahl der Untersuchungsstellen mit Cr-Konzentration im
Bereich zwischen Ccr und CCr+ΔCCr,
n(Mo) = Zahl der Untersuchungsstellen mit Mo-Konzentration im
Bereich zwischen CMo und CMo+ΔCMo.
Der Flächenfaktor wird als natürlicher Logarithmus längs
der Ordinate aufgetragen. Ersichtlicherweise verkleinert
sich der natürliche Logarithmus des Flächenfaktors linear
in bezug auf die Konzentration bzw. in Abhängigkeit von dieser,
insbesondere im Bereich höherer Konzentration, und zwar sowohl
im Cr- als auch im Mo-Konzentrationsspektrum. Der Gradient dieser
linearen Änderung, d. h. die Dämpfungsfaktoren λCCr und λCMo,
wurde nach der Methode des kleinsten Quadrats berechnet.
Fig. 7 ist eine Reststandzeit-Bewertungsbezugsdiagramm
zur Darstellung der Beziehung zwischen der Dauerstandfestigkeitsabnahme
und den mit verschiedenen Werkstoffen
nach Langzeitbenutzung ermittelten logarithmischen
Cr- und Mo-Dämpfungsfaktoren. Die auf der Grundlage des
Cr-Konzentrationsspektrums und des Mo-Konzentrationsspektrums des wärmebeständigen
Stahls bewerteten oder ermittelten Werte der
Reststandzeit betrugen 73% bzw. 68%. Andererseits betrug
die nach dem Dauerstandversuch an diesem Stahl gemessene
Reststandzeit 65%. Dies bedeutet, daß die Differenz zwischen
der nach dem erfindungsgemäßen Verfahren bestimmten
Reststandzeitgröße und der nach dem Dauerstandversuch ermittelte
Reststandzeitwert nicht mehr als 10% beträgt.
Das Reststandzeit-Bewertungsverfahren gemäß der Erfindung
ist mithin sehr wirksam bzw. zuverlässig.
Im folgenden ist ein drittes Ausführungsbeispiel der Erfindung
erläutert.
Es wurde eine gründliche Untersuchung eines
ferritischen wärmebeständigen Stahls nach langem Betriebseinsatz
durchgeführt. Dabei zeigte es sich, daß diese
Art des wärmebeständigen Stahls eine Tendenz dahingehend
zeigt, daß Korngrenzenausfällungen oder -ausscheidungen
kugelig werden, wenn der Stahl über einen
langen Zeitraum hinweg bei hoher Temperatur eingesetzt
wird, wobei der Grad der Kugeligkeit
von den Werten der Temperatur und der Spannung bzw. Beanspruchung
im Gebrauch abhängt. Als Maß für den Grad der
Kugeligkeit in ferritischem wärmebeständigen Stahl nach
Langzeiteinsatz bei hoher Temperatur wurde ein Konzept
eines Kugeligkeitsfaktors als Verhältnis
zwischen dem Mindestwert und dem Höchstwert des
Durchmessers der Kugel oder Sphäre der ausgefällten
Karbide eingeführt. Der Kugeligkeitsfaktor bestimmt sich
damit nach folgender Formel:
Es wurde festgestellt, daß dieses neuartige
Konzept des Kugeligkeitsfaktors eine gute Beziehung zur
Standzeitabnahme auf der Grundlage der Kräftebestimmung
aufweist, so daß die Reststandzeit durch Messung des
Kugeligkeitsfaktors einfach und genau bewertet werden
kann.
Nach dem dritten Ausführungsbeispiel kann somit die Reststandzeit
von ferritischem wärmebeständigen Stahl nach
Langzeiteinsatz bei hoher Temperatur dadurch bewertet werden,
daß der Kugeligkeitsfaktor von in den Korngrenzen
ausgefällten oder ausgeschiedenen Karbiden gemessen und
der so gemessene Kugeligkeitsfaktor auf einem Reststandzeit-
Bewertungsbezugsdiagramm aufgetragene wird, das die
Beziehung zwischen dem erwähnten Kugeligkeitsfaktor und
der Standzeitabnahme zeigt, wobei diese Beziehung im voraus
mittels zerstörender Prüfung oder Kräftebestimmung ermittelt
worden ist.
Ferritischer wärmebeständiger 2 1/4Cr-1Mo-Stahl und
andere ferritische wärmebeständige Stähle, die einem Langzeiteinsatz
als Werkstoff von temperatur- und druckbeständigen
Kesselbauteilen unterworfen waren, wurden mittels
eines Elektronenmikroskops untersucht.
Fig. 8 ist eine schaubildliche Darstellung der Struktur
dieser, mittels des Elektronenmikroskops untersuchten
Stähle. Die maximale Größe la und die kleinste Größe lb
der Korngrenzenkarbide 42 an der Korngrenze 41 wurden bei
jedem dieser Werkstoffe gemessen, wobei der Kugeligkeitsfaktor
als Verhältnis lb/la berechnet wurde.
Anschließend wurden ein Dauerstandversuch durchgeführt
und die Betriebslebensdauer- oder Standzeitabnahme als
Verhältnis der Dauerstandzeit zwischen bereits benutztem
Werkstoff und nicht benutztem Werkstoff berechnet, wobei
ein Reststandzeit-Bewertungsbezugsdiagramm gemäß Fig. 11
erhalten wurde, das die Beziehung zwischen dem Kugeligkeitsfaktor
und der Dauerstandfestigkeitsabnahme veranschaulicht.
Anschließend wurden Abdrücke
von der Oberfläche von Überhitzteröhren eines Kraftwerk-Kessels
nach Langzeitbetrieb entnommen, und die Kugeligkeitsfaktoren
der Korngrenzenkarbide wurden nach der
oben beschriebenen Methode gemessen. Durch Auftragen dieser
Größe des Kugeligkeitsfaktors auf der Kurve des genannten
Bezugsdiagramms wurde die Dauerstandfestigkeitsabnahme
zu 50% vorausbestimmt bzw. vorausgesagt.
Es wurde ein Dauerstandversuch an denselben Überhitzerröhrenwerkstoffen
und unbenutzten Werkstoffen bei einer
Temperatur von 600°C und Spannungswerten von 10 kg/mm²
durchgeführt. Die Bruchzeit betrug 1110 Stunden beim bereits
benutzten Werkstoff und 2140 Stunden beim unbenutzten
Werkstoff. Die Standzeitabnahme des benutzten
Werkstoffs beträgt somit 51,4%. Dieser Wert entspricht
sehr gut dem nach dem Verfahren gemäß diesem Ausführungsbeispiel
vorausbestimmten Wert.
Mit dem vorstehend beschriebenen Verfahren kann somit
die Reststandzeit von ferritischem wärmebeständigen Stahl
nach Langzeiteinsatz bei hoher Temperatur ohne weiteres
bestimmt werden.
Im folgenden ist ein viertes Ausführungsbeispiel der Erfindung
beschrieben.
Bei diesem Verfahren zur Bewertung der Reststandzeit von
wärmebeständigem Stahl werden Abdrücke und
Ausziehabdrücke von der Oberfläche des
Stahls gewonnen bzw. entnommen und die Beziehung zwischen
der Defekt- oder Fehlerverteilung im wärmebeständigen
Stahl und der Reststandzeit anhand dieser Proben bestimmt.
Weiterhin wird der Verschlechterungszustand des metallurgischen
Gefüges des wärmebeständigen Stahls auf der Grundlage
der Probe bestimmt, und die Verteilung von Ausfällungen
wird anhand der Ausschnittprobe bestimmt. Sodann
werden die Beziehungen oder Korrelationen zwischen den
Ergebnissen und dem Standzeitabschnitt oder Standzeitbereich
des wärmebeständigen Stahls bestimmt. Dieses Ausführungsbeispiel
benutzt somit die Beziehung oder Korrelation
zwischen der Fehlerverteilung und der Reststandzeit sowie
die Beziehung zwischen dem Verschlechterungszustand und
der Ausfällungsverteilung und dem Standzeitabschnitt.
Mittels dieser Beziehungen oder Korrelationen
ist es möglich, die Reststandzeit des wärmebeständigen
Stahls in zerstörungsfreier Weise und in kurzer Zeit vom
Beginn bis zum Ende der Einsatzperiode zu bestimmen.
Eine praktische Ausführungsform dieses Ausführungsbeispiels
ist im folgenden anhand von Fig. 10 beschrieben.
Ein Abdruck 51 und ein Ausziehabdruck
57 werden von der Oberfläche eines
wärmebeständigen Stahlelements gewonnen bzw. abgenommen,
das bei hoher Temperatur unter einem hohen Beanspruchungsgrad
benutzt worden ist. Der Abdruck 51 wird auf ein optisches
Mikroskop aufgebracht, um etwaige Risse und mikroskopische
Risse festzustellen und den Zustand der Verschlechterung
des metallurgischen Gefüges, z. B. Gleichachsigkeit von
Nebenkorn aufgrund von Umorientierung oder Versetzung,
zu bestimmen. Das Ergebnis dieser Untersuchung wird mit
einem Standardgefüge verglichen, dessen Standzeitabnahme
aufgrund z. B. eines Dauerstandversuchs festgestellt worden
ist, so daß auf diese Weise der Standzeitabschnitt oder -bereich
dieses wärmebeständigen Stahlelements beurteilt
wird.
Der unmittelbar auf den Korngrenzenbruch (Bruch aufgrund
der Erzeugung und Fortsetzung oder Ausdehnung von Dehnporen
an der Korngrenze) bezogene Faktor ist die Ausfällung
von M₆C-Karbiden (hauptsächlich aus Mo bestehenden
Karbiden) und die erwähnte Gleichachsigkeit des
Nebenkorns. Nach dem beschriebenen Verfahren wird der
Änderungsgrad der Form der M₆C-Ausfällungen durch Vergleich
mit demjenigen des Standardgefüges eingeordnet.
Die Probe wird in ein Abtastelektronenmikroskop 55 eingebracht,
um das Vorhandensein und die Verteilung von Dehnporen
56 zu untersuchen. Das Ergebnis wird
mit dem Standardgefüge 54 verglichen, dessen Standzeitabschnitte
bekannt sind, so daß die Reststandzeit des untersuchten
Stahls als Standzeitabschnitt bestimmt wird. Der
von derselben Stelle wie der Abdruck 51 gewonnene Ausziehabdruck
57 wird mittels eines Transmissions- oder
Durchlaßelektronenmikroskops 58 untersucht, um den Verteilungszustand
der Ausfällungen zu bestimmen. Das Ergebnis
wird mit demjenigen des Standardwerkstoffs mit bekannten
Standzeitabschnitten verglichen, so daß die Reststandzeit
des untersuchten Stahls als Standzeitabschnitt
bestimmt wird.
Die Standzeitabschnitte werden somit mittels verschiedener
Untersuchungen des wärmebeständigen Stahls bestimmt, z. B.
Untersuchung des Verteilungszustandes von Rissen und
mikroskopischen Rissen, Untersuchung der Verteilung von
Dehnporen, Untersuchung auf der Grundlage von Änderung
des metallurgischen Gefüges und Untersuchung der Verteilung
von Ausfällungen oder Ausscheidungen. Anhand des
genannten Standzeitabschnitts oder -bereichs wird die
Reststandzeit des untersuchten Stahls bewertet.
Nach dem Verfahren gemäß diesem Ausführungsbeispiel wird
ein Reststandzeit-Bewertungsversuch mit 2 1/4Cr-Mo-Stahlproben
A, B und C durchgeführt, die von Überhitzerröhren
entnommen wurden, welche sich im Langzeitbetrieb
in einem Kraftwerk-Kessel befanden. Die Ergebnisse sind
in der folgenden Tabelle 2 zusammengefaßt.
Tabelle 2 zeigt auch das Ergebnis der nach einer herkömmlichen
Methode, d. h. einem Dauerstandsversuch durchgeführten
Reststandzeitbewertung. Der unmittelbar auf den
oben genannten Korngrenzenbruch bezogene Faktor ist, wie
erwähnt, die oben genannte Ausfällung von M₆C-Karbiden
und die vorher erwähnte Gleichachsigkeit des Nebenkorns.
Nach dem beschriebenen Verfahren wird der Änderungsgrad
der Form der M₆C-Ausfällungen durch Vergleich zu dem das
Standardgefüges eingeordnet.
Aus Tabelle 2 geht hervor, daß das beschriebene Verfahren
die Bewertung der Reststandzeit oder -lebensdauer von
wärmebeständigem Stahl in kurzer Zeit und im Vergleich
zum herkömmlichen Verfahren mit höherem Genauigkeitsgrad
in zerstörungsfreier Weise ermöglicht.
Nachstehend ist ein fünftes Ausführungsbeispiel der Erfindung
beschrieben.
Es hat sich gezeigt, daß die Arten der
Ausfällungen oder Ausscheidungen in einem bei hoher
Temperatur und unter hoher Beanspruchung eingesetzten
wärmebeständigen Stahl zeitabhängig variieren, so daß
sich das Verhältnis der Menge einer jeden Ausfällung
zur Gesamtmenge aller Ausfällungen, d. h. die Relativmenge,
(ebenfalls) zeitabhängig ändert. Dies bedeutet, daß die
Relativmenge eine Beziehung zur Abnahme der Dauerstandfestigkeit
aufweist.
Nach dem Verfahren gemäß dem fünften Ausführungsbeispiel
wird die Relativmenge einer Ausfällung in einer aus einem
wärmebeständigen Stahl entnommenen Probe gemessen und die
Reststandzeit durch Auftragen der gemessenen relativen
Menge auf ein Diagramm vorausbestimmt, das im voraus aufgestellt
worden ist und das die Beziehung zwischen der
Relativmenge und der Standzeitabnahme darstellt.
Ein praktisches Beispiel für dieses Verfahren ist nachstehend
anhand von Fig. 11 erläutert, die eine schematische
oder schaubildliche Darstellung einer Durchlaßelektronenmikroskop-
Gefügeaufnahme einer Ausschnittprobe
ist, die in zerstörungsfreier Weise von der Oberfläche
eines druckbeständigen Abschnitts eines Kraftwerk-Kessels
gewonnen wurde. Mittels eines mit diesem Elektronenmikroskop
verbunden quantitativen Elementkonzentrations-
Analysators wird eine Elementdichtenanalyse an 100 Einheiten
von Ausfällungen 61 in der Ausschnittprobe
durchgeführt, um damit die Ausfällungen oder Ausscheidungen
zu identifizieren; das Ergebnis erscheint in der
nachstehenden Tabelle 3.
Art der Ausfällung | |
Menge an Ausfällung | |
M₂₃C₆|5% | |
M₇C₃ | 32% |
M₆C | 63% |
Das Verhältnis der hauptsächlich aus Mo und Fe bestehendenb
Karbide des Typs M₆C als Ausfällungsmenge von M₆C
betrug 63%. Fig. 12 veranschaulicht ein im voraus ermitteltes
Reststandzeit-Bewertungsdiagramm zur Darstellung
der Beziehung zwischen der M₆C-Ausfällungsmenge
und der Dauerstandfestigkeitsabnahme bei einem wärmebeständigen
Stahl, der im Langzeitbetrieb mit Verringerung
seiner Dauerstandfestigkeit eingesetzt worden war. Die
Dauerstandfestigkeitsabnahme des Prüfwerkstoffs wird zu
48% vorausbestimmt, indem die Meßgröße der M₆C-Ausfällung
entsprechend auf das Diagramm gemäß Fig. 12 aufgetragen
wird. Der gleiche druckbeständige Werkstoff
wurde in Stücke geschnitten und einem Dauerstandversuch
unterworfen, um die Abnahme der Dauerstandfestigkeit
gegenüber dem unbenutzten Werkstoff nach der Larson-
Miller-Parametermethode zu bestimmen. Die damit zu 53%
ermittelte Dauerstandfestigkeitsabnahme entspricht
praktisch der nach dem beschriebenen Verfahren gemäß
der Erfindung vorausbestimmten Dauerstandfestigkeitsabnahme,
wodurch die Gültigkeit des erfindungsgemäßen Verfahrens
für die zerstörungsfreie Vorausbestimmung der
Reststandzeit bestätigt wird.
Mit dem vorstehend beschriebenen Verfahren gemäß der Erfindung
kann somit die Reststandzeit eines wärmebeständigen
Stahls im Betrieb bei hoher Temperatur und
unter hoher Beanspruchung in kurzer Zeit und mit einem
hohen Genauigkeitsgrad zerstörungsfrei bewertet werden.
Die Erfindung ermöglicht damit die Aufstellung eines
Vorsorgewartungsplans mit dem Ziel der Verbesserung
der Zuverlässigkeit eines den betreffenden wärmebeständigen
Stahl verwendenden Geräts im Zuge eines zuverlässigen
zerstörungsfreien Prüfverfahrens.
Claims (6)
1. Verfahren zur Bewertung der Reststandzeit eines Bauteils
aus wärmebeständigem, legiertem Stahl, das während längerer
Zeitdauer hohen Temperaturen und hohen mechanischen
Belastungen ausgesetzt war,
wobei quantitative Werte aus einer an einem Oberflächenbereich des Stahls gemessenen Häufigkeitsverteilungskurve mit entsprechenden Werten verglichen werden, die zuvor auf die gleiche Weise bei Testproben der gleichen Stahlsorte im Labor während und nach Zeitstandversuchen zur Aufstellung eines Reststandzeit- Bewertungsbezugsdiagramms ermittelt wurden, und
wobei die Reststandzeit des Bauteils durch diesen Vergleich aus dem zuvor aufgestellten Diagramm abgeleitet wird,
wobei Konzentrationen eines Legierungselementes in dem Stahl an zahlreichen Stellen des Oberflächenbereichs des Stahls gemessen werden unabhängig davon, ob sich an der jeweiligen Stelle die Matrix oder eine Ausscheidung befindet, und
wobei die Häufigkeitsverteilungskurve mit den gemessenen Konzentrationen aufgestellt wird.
wobei quantitative Werte aus einer an einem Oberflächenbereich des Stahls gemessenen Häufigkeitsverteilungskurve mit entsprechenden Werten verglichen werden, die zuvor auf die gleiche Weise bei Testproben der gleichen Stahlsorte im Labor während und nach Zeitstandversuchen zur Aufstellung eines Reststandzeit- Bewertungsbezugsdiagramms ermittelt wurden, und
wobei die Reststandzeit des Bauteils durch diesen Vergleich aus dem zuvor aufgestellten Diagramm abgeleitet wird,
wobei Konzentrationen eines Legierungselementes in dem Stahl an zahlreichen Stellen des Oberflächenbereichs des Stahls gemessen werden unabhängig davon, ob sich an der jeweiligen Stelle die Matrix oder eine Ausscheidung befindet, und
wobei die Häufigkeitsverteilungskurve mit den gemessenen Konzentrationen aufgestellt wird.
2. Verfahren gemäß Anspruch 1, wobei das jeweilige
Reststandzeit-Bewertungsbezugsdiagramm der Konzentrationen
des jeweiligen Legierungselements auf der Grundlage des
Maximalwerts der Häufigkeitsverteilungskurve der
Konzentrationen und/oder auf der Grundlage der
Halbwertsbreite der Häufigkeitsverteilungskurve der
Konzentrationen des jeweiligen Legierungselements erstellt
wird.
3. Verfahren gemäß Anspruch 1, wobei das Reststandzeit-
Bewertungsbezugsdiagramm der Konzentrationen des jeweiligen
Legierungselements auf der Grundlage des Gradienten des
Logarithmus der relativen Häufigkeit(sdichte) als Funktion
der Konzentration erstellt wird.
4. Verfahren zur Bewertung der Reststandzeit eines Bauteils
aus wärmebeständigem, legiertem Stahl, das während längerer
Zeitdauer hohen Temperaturen und hohen mechanischen
Belastungen ausgesetzt war,
wobei ein Abdruck von einem Oberflächensegment des Bauteils hergestellt wird,
wobei anhand des Abdrucks mit Hilfe eines optischen Mikroskops eine Gefügeuntersuchung nach Rissen und Mikrorissen sowie nach Formänderung der M₆C-Karbide durchgeführt wird und das Ergebnis mit einem Standardgefüge verglichen wird, dessen Standzeitabnahme anhand entsprechender Untersuc hungen im Labor während und nach Zeitstandversuchen bestimmt wurde, wobei aufgrund dieses Vergleichs eine erste Beurteilung der Standzeitsituation erfolgt,
wobei der Abdruck mittels eines Abtastelektronenmikroskops auf das Vorhandensein und die Verteilung von Dehnporen untersucht und mit einem Standardgefüge verglichen wird, dessen Standzeitsituation in Bezug auf das Vorhandensein und die Verteilung von Dehnporen bekannt ist, wobei aufgrund dieses Vergleichs eine zweite Beurteilung der Standzeitsituation erfolgt,
wobei ein Ausziehabdruck des Oberflächensegments des Bauteils unter einem Durchstrahlungs-Elektronenmikroskop auf die Verteilung von Ausscheidungen untersucht wird und mit einem Standardgefüge verglichen wird, dessen Standzeitsituation in Bezug auf die Verteilung der Aussscheidungen bekannt ist, wobei aufgrund dieses Vergleichs eine dritte Beurteilung der Standzeitsituation erfolgt, und
wobei basierend auf der ersten, zweiten und dritten Beurteilung eine Reststandzeitbewertung erfolgt.
wobei ein Abdruck von einem Oberflächensegment des Bauteils hergestellt wird,
wobei anhand des Abdrucks mit Hilfe eines optischen Mikroskops eine Gefügeuntersuchung nach Rissen und Mikrorissen sowie nach Formänderung der M₆C-Karbide durchgeführt wird und das Ergebnis mit einem Standardgefüge verglichen wird, dessen Standzeitabnahme anhand entsprechender Untersuc hungen im Labor während und nach Zeitstandversuchen bestimmt wurde, wobei aufgrund dieses Vergleichs eine erste Beurteilung der Standzeitsituation erfolgt,
wobei der Abdruck mittels eines Abtastelektronenmikroskops auf das Vorhandensein und die Verteilung von Dehnporen untersucht und mit einem Standardgefüge verglichen wird, dessen Standzeitsituation in Bezug auf das Vorhandensein und die Verteilung von Dehnporen bekannt ist, wobei aufgrund dieses Vergleichs eine zweite Beurteilung der Standzeitsituation erfolgt,
wobei ein Ausziehabdruck des Oberflächensegments des Bauteils unter einem Durchstrahlungs-Elektronenmikroskop auf die Verteilung von Ausscheidungen untersucht wird und mit einem Standardgefüge verglichen wird, dessen Standzeitsituation in Bezug auf die Verteilung der Aussscheidungen bekannt ist, wobei aufgrund dieses Vergleichs eine dritte Beurteilung der Standzeitsituation erfolgt, und
wobei basierend auf der ersten, zweiten und dritten Beurteilung eine Reststandzeitbewertung erfolgt.
5. Verfahren gemäß Anspruch 4,
wobei der Ausziehabdruck bei der Untersuchung der Verteilung der Ausscheidungen unter dem Durchstrahlungs-Elektronenmikroskop untersucht wird und die Arten von Ausscheidungen identifiziert werden,
wobei mit den identifizierten Ausscheidungen das Verhältnis der Anzahl von Ausscheidungen des M₆C-Typs zur Gesamtzahl aller Ausscheidungen ermittelt wird,
wobei bei Testproben der gleichen Stahlsorte im Labor während und nach Zeitstandversuchen auf gleiche Weise das Verhältnis der Karbide vom M₆C-Typ zur Gesamtzahl aller Ausscheidungen zur Aufstellung eines Reststandzeit- Bewertungsbezugsdiagramms ermittelt wird.
wobei der Ausziehabdruck bei der Untersuchung der Verteilung der Ausscheidungen unter dem Durchstrahlungs-Elektronenmikroskop untersucht wird und die Arten von Ausscheidungen identifiziert werden,
wobei mit den identifizierten Ausscheidungen das Verhältnis der Anzahl von Ausscheidungen des M₆C-Typs zur Gesamtzahl aller Ausscheidungen ermittelt wird,
wobei bei Testproben der gleichen Stahlsorte im Labor während und nach Zeitstandversuchen auf gleiche Weise das Verhältnis der Karbide vom M₆C-Typ zur Gesamtzahl aller Ausscheidungen zur Aufstellung eines Reststandzeit- Bewertungsbezugsdiagramms ermittelt wird.
6. Verfahren zur Bewertung der Reststandzeit eines Bauteils
aus wärmebeständigem, legiertem Stahl, das während längerer
Zeitdauer hohen Temperaturen und hohen mechanischen
Belastungen ausgesetzt war,
wobei ein Abdruck von einem Oberflächensegment des Bauteils hergestellt wird,
wobei der Abdruck mittels eines Elektronenmikroskops untersucht wird und ein Kugeligkeitsfaktor als Verhältnis zwischen einem kleinsten Durchmesser und einem größten Durchmesser einer kugeligen Sphäre von ausgeschiedenen Karbiden an Korngrenzen ermittelt wird,
wobei anhand von Testproben der gleichen Stahlsorte im Labor aus Zeitstandversuchen auf gleiche Weise Kugeligkeitsfaktoren zur Aufstellung eines Reststandzeit- Bewertungsbezugsdiagramms ermittelt werden und
die Reststandzeit des Bauteils anhand des am Bauteil ermittelten Kugeligkeitsfaktors aus dem Reststandzeit- Bewertungsbezugsdiagramm abgeleitet wird.
wobei ein Abdruck von einem Oberflächensegment des Bauteils hergestellt wird,
wobei der Abdruck mittels eines Elektronenmikroskops untersucht wird und ein Kugeligkeitsfaktor als Verhältnis zwischen einem kleinsten Durchmesser und einem größten Durchmesser einer kugeligen Sphäre von ausgeschiedenen Karbiden an Korngrenzen ermittelt wird,
wobei anhand von Testproben der gleichen Stahlsorte im Labor aus Zeitstandversuchen auf gleiche Weise Kugeligkeitsfaktoren zur Aufstellung eines Reststandzeit- Bewertungsbezugsdiagramms ermittelt werden und
die Reststandzeit des Bauteils anhand des am Bauteil ermittelten Kugeligkeitsfaktors aus dem Reststandzeit- Bewertungsbezugsdiagramm abgeleitet wird.
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GB8817548D0 (en) | 1988-08-24 |
GB2208000B (en) | 1991-07-31 |
GB2208000A (en) | 1989-02-15 |
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