DE2201875C3 - Verfahren und Vorrichtung zur Vermehrung von Algen - Google Patents
Verfahren und Vorrichtung zur Vermehrung von AlgenInfo
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Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Vermehrung von Algen als Zusatzfutter für Nutzvieh, wobei Exkremente
in Anwesenheit von Sauerstoff zersetzt und anschließend den Algen zugeführt werden, und eine Vorrichtung
zur Durchführung dieses Verfahrens.
Aus der US-PS 35 46 812 ist ein derartiges Verfahren
bekannt, bei dem Exkremente von einem Vorratsbehälter über ein Trommelsieb einem Belüfter zugeführt
werden, wo bei einer Temperatur von 35 bis 39°C Luft unter Rühren der Exkremente eingeblasen wird. Anschließend
wird der Inhalt dieses Behälters einem Sterilisierungstank, einem Ausfäl'apparat und einem Filter
zugeführt; im Anschluß daran wird die verbleibende, teilweise zersetzte Flüssigkeit Behältern zur aeroben
Zersetzung zugeführt. Dann werden die vermehrten aeroben Bakterien abgezogen und die Flüssigkeit
einem offenen Algenvermehrungsbecken zugeführt. In einer nachgeschalteten Zentrifuge werden Abwasser
und die vermehrten Algen getrennt. Diese bekannte Großanlage weist den Nachteil auf, daß sie für einen
Einsatz als Kleinanlage beim Tierhalter viel zu aufwendig ist.
Bei der Massenfütterung, insbesondere von Stallvieh, hat sich gezeigt, daß das verwendete Futter auf Grund
oft langer Lager- bzw. Transportzeiten Veränderungen im mikrobiologischen Bereich aufweist, die dazu führen
können, daß das Vieh unter Mangelerschemungen leidet.
Des weiteren besteht seit iängerer Zeit bereits das Bedürfnis, den Stallmist so aufzubereiten, daß er gcruchfrei
wird. Diesbezügliche Aufbereitungsverfahren sind schon bekanntgeworden.
Der Erfindung liegt die Aulgabe zugrunde, ein Verfahren der eingangs beschriebenen Art so weiterzubilden,
daß es bei geringem baulichen Aufwand der zu seiner Durchführung bestimmten Anlage und geringem
Energieaufwand auch in gemäßigten Zonen direkt beim Tierhalter eingesetzt werden kann.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß als Exkremente Schwemmist verwendet wird,
der durch die aerobe Oxydation auf 60 bis 700C erwärmt wird, und daß die erzeugte Wärmeenergie zur
Temperierung des Algenmediums verwendet wird. Mit der Erfindung wird daher ermöglicht, daß praktisch
im Kreislauf die Exkremente der Tiere zu einem hochwertigen Zusatzfutter aufbereitet werden können.
Es ist hiermit möglich, unmittelbar bei der Stallung den Schwemmist so aufzubereiten, daß er zum einen geruchfrei
wird, wodurch die sonst auftretende Geruchbelästigung der Umwelt unterbunden wird, und daß zum
anderen Abtransportprobleme des aufbereiteten Schwenmistes weilgehend entfallen, wobei gleichzeitig
noch ein wertvolles Zusatzfutter entsteht, das den Tieren zum Ausgleich von Mangelerscheinungen und als
hochwertiges Eiweißfutter zugeführt werden kann. Es hat sich gezeigt, daß bei Verwendung von Schwemmist,
der ständig eine weitgehend gleichartige Zusammensetzung hat, die nach der Vermehrung der Algen vorhandene
Algentränke ohne weitere Aufbereitung direkt den Tieren wieder als Futter zugeführt werden
kann. Durch die Erwärmung des Schwemmistes bei der aeroben Oxydation tritt außer einer optimalen Beschleunigung
des Oxydationsprozesses, der zu einer minimalen Verweilzeit des Schwemmistes und damit einer
minimalen Größe der erforderlichen Behälter führt, eine Abtötung praktisch aller pathogener Keime und
Wurmeier ein, so daß eine nachfolgende Sterilisation nicht notwendig ist. Außerdem ist in den gemäßigten
Zonen selbst im Winter im allgemeinen eine Zuführung von teuerer Heizenergie in den Kreislauf nicht notwendig.
Vorteilhafterweise wird bei der Zersetzung entstehendes CO2 den Algen gasförmig zugeführt, wodurch
die Vermehrung der Algen erheblich angeregt wird.
Gemäß der Erfindung sind bei einer Anlage zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens in
oder an einem Behälter zur Zersetzung des Schwemmistes und in oder an einem Algenvermehrungsbecken
miteinander zu einem Wärmekreislauf gekoppelte Wärmetauscher angeordnet, wobei zur Regelung der
Temperatur im Algenvermehrungsb,ecken und damit zur Steuerung des Wärmeflusses vom Behälter zum Algenvermehrungsbecken
ein Thermostat vorgesehen ist, und ist der Behälter mit einer Wärmeisolierung vcrsehen.
Diese Maßnahmen dienen zur Erzielung der oben angegebenen Vorteile des erfindungsgemäßen Verfahrens.
Vorteilhafterweise ist auch das Algenvermehrungsbecken wärmeisoliert. Weiterhin ist es von Vorteil,
wenn der Behälter abgedeckt ist und eine Leitung zur Überführung des bei der Zersetzung entstehenden CO2
zum Algenvermehrungsbecken vorgesehen ist. Weiterhin kann es von Vorteil sein, wenn dem Al-
22 Oi
genvermehrungsbecken cine Einrichtung /um Ausscheiden
nicht von den Algen aufgenommener Stoffe
aus der Algentranke nachgeschaltet ist, wo/u beispielsweise
ein Zentrifuge geeignet ist. Wit- Versuche sezeisn
haben, ist die*· i'1 der Regel aber nicht erforderlich. \
Weitere Vorteile und Merkma.e der Erfindung ergeben sich aus der Beschreibung eines Ausführungsbeispiels
an Hand der Zeichnung. In der Zeichnung zeigt
F i g. 1 eine schematische Darstellung einer vollständigen
A"Jage zur Vermehrung von Algen und
F i g. 2 eine solche Anlage im Längsschnitt.
Aus einem Stall 1 werden die dort anfallenden Exkremente der Tiere unter Wasser/usatz durch ein oder
mehrere Schv.emmistkanäle 2 als Schwemmist einem Sammelbecken 3. das regelmäßig außerhalb des Stalles
I angeordnet ist und im Boden versenkt sein kann, zugeführt. Die Stalluft wird aus dem Stall abgesaugt und
in einer Abluftwäsche 4 ebenfalls mittels Wasser gereinigt,
wobei die in der Stalluft enthaltenen Schwebestoffe vom Wasser aufgenommen werden. Die gereinigte
Luft wird an die Atmosphäre entlassen und das Reinigungswasser kann über eine Leitung 5 ebenfalls dem
Sammelbecken 3 zugeführt werden.
Aus dem geschlossenen Sammelbecken 3 wird der Sehw emmist mittels einer Pumpe 6 über eine Leitung 7
zu einem Behälter 8 gepumpt. Dieser Behälter 8 ist im wesentlichen allseitig geschlossen und weist ein Rührwerk
9 auf. mittels dessen durch eine Belüftung 10 im Behälterdeckel angesaugte Luft in den Schwemmist
eingerührt wird. Die Luftzufuhr erfolgt zweckmäßigerweise durch eine hohl ausgebildete WVMIe 11 des Rührwerks
9. so daß die angesaugte Luft direkt dem Schwemmist zugeführt wird, ohne daß sie zuvor in den
freien Raum oberhalb des Schwemmistspiegels kommt.
Durch den Luftsauerstoff und die in der Luft enthaltenen aeroben Bakterien wird der Schwemmist zersetzt,
wobei im wesentlichen CO:. H2O. NOj, SO·) und
PO4 entstehen. Außerdem wird Wärme erzeugt und es
tritt eine Vermehrung der aeroben Bakterien ein.
Dem Behälter 8 ist ein Algenvermehrungsbecken 12 nachgeschaltet. In diesem Algenvermehrungsbecken
wird die nach der aeroben Zersetzung des Schwemtnistes entstehende praktisch geruchfreie Flüssigkeit über
eine Leitung 13 zugeführt. Des weiteren wird das bei der Zersetzung entstehende CO2, das gasförmig in den
Raum oberhalb des Schwemmistspiegtls im Behälter 8 sich sammelt, über eine Leitung 14 dem Algenvermehrungsbecken
zugeführt, wobei diese Leitung 14 zweckmäßigerweise sich längs des Bodens des Algenvermehrungsbeckens
erstreckt, so daß das CO2 durch zahlreiehe Bohrungen in dieser Leitung sich gleichmäßig in
dem im Algenvermehrungsbecken befindlichen Algenmedium verteilen kann.
Im Behälter 8 ist weiterhin innerhalb des mit zu zersetzendem
Schwemmet gefüllten Raumes ein Wärmetauscher 15 angeordnet, in dem die bei der Zersetzung
des Schwemmistes entstehende Wärme auf cin«_n Wärmeträger,
beispielsweise Wasser, übertragen wird. Im oder am Algenvermehrungsbecken ist ein zweiter, mit
dem ersten Wärmetauscher 15 über ein Leitungspaar 16 gekoppelter Wärmetauscher 17 angeordnet, der die
Flüssigkeit im Algenvermehrungsbecken auf einer für die Vermehrung der jeweiligen Algensorte optimalen
Temperatur hält. Die Steuerung des Wärmekreislaufes erfolgt über einen im Algenvermehrungsbecken angebrachten
Thermostaten 18. Der Thermostat 18 wird zur Steuerung eines Dreiwegeventils 19 verwendet, durch
das je nach der Temperatur im Algenvermehrungsbekken der Warmetransport vorn Behälter 8 /um Algenvermehrungsbeckeri
12 oder /.u einem B\paß 20 gesteuert
wird
Oamii auch in der kalten Jahreszeit ein ausreichender
Wärrnetrap.sport vom Behälter 8 /um Algenvermehrungsbecken 12 gewährleistet ist. sind der Behälter
8 und das Algenvei mehrungsbeeken 12 zweekmaßigerweise
wärmeisoliert. Außerdem ist hierdurch gewährleistet, daß sich im Behälter 8 eine genügend hohe
Temperatur einstellen kann, da die Aktivität der Bakterien bei Temperaturen von etwa 60 bis 70 am höchsten
ist, was gleichzeitig zur Folge hat. daß der Zersct /ungsprozeß bei diesen Temperaturen am günstigsten
verläuft.
In dem Algenvermehrungsbecken 12 befinden sich in
dem flüssigen Algenmedium Algenstämme, wobei si^h
Grünalgen der Gattung Chlorella und Scenedomus aN besonders geeignet erwiesen haben, da sie besonders
resistent gegenüber den hiesigen klimatischen Bedingungen sind. Die Algen vermehren sich unter Aufnahme
eines großen Teils der in dem aufbereiteten Schwemmist enthaltenen Stoffe, und /war insbesondere
der Mineralstoffe, wobei die zusätzliche Zufuhr je·«
CO: zu einer erheblich verstärkten Vermehrung fuhr1..
Zusätzlich können Beleuchtungseinrichtungen im Dekkel
des Algenvermehrungsbeckens vorgesehen sein, um an Tagen nicht ausreichender Lichtintensität cmc au·*·
reichende Beleuchtung vornehmen /u könne!'.. Unter
normalen Verhältnissen wird es ausreichen, wenn das Algenvermehrungsbecken oben offen oder lichtdurchlässig
abgedeckt ist. Der Betrieb des Algemerinehrungsbcckens
12 kann kontinuierlich erfolgen, wenn das Becken so groß ist, daß eine ausreichende Verweilzeit
gewährleistet ist. Bei kleineren Becken ist ein semi kontinuierlicher Betrieb empfehlenswert.
Im Anschluß an das Algenvermehrungsbecken kann
eine nicht dargestellte Zentrifugieranlage vorgesehen sein, um eventuell von den Algen nicht aufgenommene
Stoffe aus dem Algentnedium abzuzentrifugieren. Dies geschieht durch Abzentrifugieren eines Teiles des Wassers
der Algentränke, in dem die nicht von den Algen aufgenommenen Stoffe gelöst sind. Bei diesen Stoffen
handelt es sich im wesentlichen um Raliunicarbonate.
Sulfate und Phosphate. Die Zusammensetzung der nicht von den Algen aufgenommenen Stoffe hängt im
wesentlichen ab von der Art des Schwcmmisies — also
von welchen Tieren der Mist kommt und mit welchem Futter diese Tiere gefüttert werden — und von dem
Grad der Zersetzung im Behälter 8.
Des weiteren wird durch das Abzentrifugieren eines Teils des Wassers eine für die Verwendung als Futter
wünschenswerte Verdickung der Algentränke herbeigeführt.
Die Algentränke wird im übrigen anschließend mittels einer Pumpe 21 über eine Leitung 22 zum Stall 1
gepumpt und dort als hochwertiges Zusatzfutter in die Futterkrippen 23 eingeleitet.
Schweinegülle wurde mit 4 Teilen Wasser verdünnt und einem thermisch gut isolierten Oxydationsbehälter
zugeführt. Dort wurde die verdünnte Schweinegülle drei Tage lang unter ständigem Rühren mit 0,5 v/v/m
Luft (Volumen Luft pro Volumengülle pro Minute) beaufschlagt. Um ein zu starkes Schäumen der Gülle zu
verhindern, wurde gelegentlich als Antischaummittel eine Cm- bis Cie-Alcan-Lösung zugegeben. Es stellte
sieh eine Temperatur von 65UC ein. Nachträgliche Proben
ergaben, daß alle pathogenen Keime und Wurmcicr
abgelötet waren.
Das oxydierte Substrat wurde anschließend in ein Algenvermchrungsbccken
geleitet, wo sich ein Chlorella-Schlamm befand. Die Vermehrungs/.eil der Algen be
trug vier Tage. Anschließend wurde die durch die Vermehrung hinzugekommene Algcnmas.se zusammen mit
Flüssigkeit ohne Zwischenseparation abgezogen und als Viehfutter in der Tränke verwertet.
Hierzu 2 Blatt Zeichnungen
Claims (6)
1. Verfahren zur Vermehrung von Algen als Zusatzfutter für Nutzvieh, wobei Exkremente in Anwesenheit
von Sauerstoff zersetzt und anschließend den Algen zugeführt werden, dadurch gekennzeichnet,
daß als Exkremente Schwemmmist verwendet wird, der durch die aerobe Oxydation
auf 60 bis 700C erwärmt wird, und daß die erzeugte Wärmeenergie zur Temperierung des Algenmediums
verwendet wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß bei der Zersetzung entstehendes CO?
den Algen gasförmig zugeführt wird.
3. Anlage zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß in
oder an einem Behälter (8) zur Zersetzung des Schwemmistes und in oder an einem Algenvermehrungsbecken
(12) miteinander zu einem Wärmekreislauf gekoppelte Wärmetauscher (15, 17) angeordnet
sind, wobei zur Regelung der Temperatur im Algenvermehrungsbecken und damit zur Steuerung
des Wärmeflusses vom Behälter zum Algenvermehrungsbecken ein Thermostat (18) vorgesehen
ist, und daß der Behälter mit einer Wärmeisolierung versehen ist.
4. Anlage nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß das Algenvermehrungsbecken (12) wärmeisoliert
ist.
5. Anlage nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, daß der Behälter (8) abgedeckt ist
und eine Leitung (14) zur Überführung des bei der Zersetzung entstehenden CCh zum Algenvermehrungsbecken
(12) vorgesehen ist.
6. Anlage nach einem der Ansprüche 3 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß dem Algenvermehrungsbecken
(12) eine Einricntung zum Ausscheiden nicht von den Algen aufgenommener Stoffe aus der Algenlränke
nachgeschaltet ist.
Priority Applications (3)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE19722201875 DE2201875C3 (de) | 1972-01-15 | Verfahren und Vorrichtung zur Vermehrung von Algen | |
| FR7301294A FR2168363A1 (en) | 1972-01-15 | 1973-01-15 | Algae culturing system - for supplementary cattle fodder utilizing decomposed cattle sewerage,its heat and carbon dioxide |
| JP666573A JPS5621390B2 (de) | 1972-01-15 | 1973-01-16 |
Applications Claiming Priority (1)
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|---|---|---|---|
| DE19722201875 DE2201875C3 (de) | 1972-01-15 | Verfahren und Vorrichtung zur Vermehrung von Algen |
Publications (3)
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|---|---|
| DE2201875A1 DE2201875A1 (de) | 1973-07-26 |
| DE2201875B2 DE2201875B2 (de) | 1975-06-19 |
| DE2201875C3 true DE2201875C3 (de) | 1976-02-05 |
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