DE179882C - - Google Patents
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Classifications
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
PATENTSCHRIFT
- M 179882 KLASSE 12 A GRUPPE
KRISTIAN BIRKELAND in CHRISTIANIA.
Die chemischen Wirkungen elektrischer Entladungen auf Gase sind schon längst beobachtet
worden. Es ist bekannt, daß dunkle Entladungen. den Sauerstoff in Ozon überführen
und daß Funkenentladungen in Luft eine Oxydation des Stickstoffes bewirken. Nur
die erstere dieser Erscheinungen hat indessen bisher industrielle Verwertung gefunden; die
Anv/endung elektrischer Energie in der Form
ίο von Funkenentladungen" zur Hervorrufung
chemischer Reaktion in Gasen (z. B. Herstellung von Stickstoffverbindungen aus der
Luft) ist bisher in ökonomischer Weise nicht gelungen. Versuche, die elektrischen Lichtbogen
zu diesem Zwecke zu verwenden, haben bisher auch nicht zu brauchbaren'Erfolgen geführt.
Neuere Untersuchungen haben ergeben, daß die chemischen Wirkungen der elektrischen
Entladungen auf Gase in vielen Fällen hauptsächlich eine Wirkung der Wärme sind; man
hat nachgewiesen, daß eine Reihe von wertvollen Produkten, unter denen die Salpetersäure
in erster Linie zu nennen ist, dadurch gewonnen werden kann, daß man Gase auf Temperaturen . von 20000 bis 30000 erhitzt.
Diese Tatsache gibt eine Erklärung für das schlechte Ergebnis, welches durch Funkenentladungen
erreicht wird, denn solche Entladungen sind als eigentliche Wärmequelle selbstverständlich nicht geeignet.
Andererseits ist der als Wärmequelle sehr geeignete elektrische Lichtbogen für Gasreaktionen der hier erwähnten Art auch nicht
ohne weiteres verwendbar. Der Wirkungskreis desselben ist zu klein und die Elektroden
werden,. wenn sie nicht aus gewissen, sehr teuren Materialien hergestellt sind, einer zu
großen Abnutzung preisgegeben, wobei event, durch ihre Verbrennung der Prozeß gestört
und die Produkte verunreinigt werden können. Man hat zwar den elektrischen Lichtbogen
in der Weise, z. B. zur Oxydation des Stickstoffes der Luft, auszunutzen gesucht, daß man
größere Energiemengen auf eine größere Anzahl dünner Lichtbögen verteilte. Man ging
dabei von dem an sich richtigen Gedanken aus, daß es zur Erreichung eines großen Nutzeffektes
zweckmäßig sei, das Gasgemisch mit Lichtbögen von geringer Energie jedoch mit einer möglichst großen Flammenoberfläche in
Berührung zu bringen. Der Erfinder hat aber gefunden, daß der Nutzeffekt mit der auf
jeden Lichtbogen fallenden Energiemenge steigt, und daß ζ. B. in Öfen mit Lichtbögen
von 5 Kilowatt, 50 Kilowatt und 200 Kilowatt die bezüglichen Nutzeffekte sich wie die Zahlen
45, 60 und 80 verhalten. Hieraus ergibt sich, daß die Verteilung der Energie auf eine große
Menge Lichtbögen nicht vorteilhaft ist, daß es dagegen vor allen Dingen nötig ist, ein
Mittel anzuwenden, durch welches es gelingt, große Energiemengen zwar in einem einzigen
Lichtbogen, aber unter Darbietung einer großen Oberfläche auf die Gase einwirken zu
lassen. Dies wird dadurch erreicht, daß man die Elektroden in ein sehr starkes, magnetisches
Feld stellt. Es ist zwar schon lange
bekannt, daß das magnetische Feld die Eigenschaft besitzt, auf elektrische Entladungen eine
ablenkende Kraft auszuüben und leuchtende Enladungen zu . verbreitern, und P 1 ü c k e r
hat auch bereits nach Pogg. Annalen, Bd. 113, 1861, S. 268, Nr. 238, die Einwirkung eines
derartig verbreiterten Lichtbogens auf Luft beobachtet. Er hat nämlich dien verbreiterten
Lichtbogen im luftverdünnten Raum auf kleine Mengen Luft einwirken lassen, die er nach und
nach in den Raum eingelassen hat und dabei das Auftreten von braunen Dämpfen bemerkt,
woraus auf die stattgehabte Bildung nitroser Gase zu schließen, war. Es läßt sich nun durch
die Wirkung eines kräftigem' Magnetfeldes auf einen Lichtbogen eine elektrische Flamme
herstellen, deren Volum das der von. einem Magneten nicht beeinflußten, Flamme um
mehrere hundert Male übertrifft, indem bei geeigneter Wahl der Verhältnisse der Lichtbogen
derart verbreitert wird, daß statt einer Emission lediglich zwischen den Spitzen der
Elektroden eine fast über die ganze im magnetischen Felde befindliche Länge der Elektroden
verteilte Emission stattfindet.
Das Wesen der vorliegenden Erfindung besteht nun darin, daß die einem solchen verbreiterten
Lichtbogen auszusetzenden Gase durch einen Raum hindurchgeführt werden, welcher von einem derart verbreiterten Lichtbogen
erfüllt ist. Eine derartige Flamme ist sehr stabil und man kann daher einen kräftigen
Strom von Luft durch die Flamme oder an derselben dicht vorbei blasen, ohne die
Flamme zu stören; es entsteht hierdurch ein konstanter Strom nitroser Gase. Hierin liegt
ein Unterschied gegenüber den Versuchen von P 1 ü c k e r, bei welchen die Luft nicht beständig
und außerdem noch. bei Unterdruck durch den verbreiterten Lichtbogen hindurchgeführt
und demnach auch nicht nitrose Gase in konstantem Strom abgeführt werden. Es soll noch bemerkt werden, daß —was äußerst
wichtig ist — die Elektroden bei dieser Entladungsweise keine derartige Erhitzung erleiden,
daß deren Erhaltung auf Schwierigkeiten stößt.
Es gelingt ohne Schwierigkeit, Lichtbogenscheiben dieser Art von 1 m Durchmesser
herzustellen, welche eine sehr große Energie aufnehmen können. Da bei den endothermisch
verlaufenden Reaktionen in Gasen die Ausbeute eine Funktion ist des Verhältnisses des
- Volumens der Flamme zur Temperatur (siehe Muthmann und Hof er, Ber. der deutschen
Chem. Ges., Jahrgang 36, S. 447), so liegt der Vorteil des Verfahrens auf der Hand.
Die zur Ausübung des Verfahrens gebrauchten Apparate sind, wie aus folgender
Beschreibung ersichtlich, einfach und wenig umfangreich. Fig. 1 der beiliegenden Zeichnung ist Ansicht, Fig. 2 Querschnitt einer
solchen Vorrichtung.
Sie besteht aus einem Ofen α aus Schamottesteinen, welcher zweckmäßig einen inneren
Raum b von 1,2 m Höhe, 1,2 m Breite und 0,05 m Tiefe besitzt. Dieser Schamotteofen
kann mit einer schützenden Hülle von Metallblech umgeben sein. Die Elektroden bestehen
zweckmäßig aus Kupfer oder einem anderen passenden Material und sind z. B. wagerecht
der Länge nach in den Ofen isoliert eingebaut. Die Entfernung der Elektroden im Ofen
beträgt 1 bis 2 cm und hängt von den Stromverhältnissen
in den Elektroden und im Elektromagneten und von der Gasgeschwindigkeit
ab. Der Ofen steht zwischen den Schenkeln eines großen Elektromagneten d, wie aus der
Zeichnung ersichtlich; auf den Schenkeln sind zwei Polschuhe e,f derart angeordnet, daß die
Kraftlinien senkrecht zu den großen Seitenflächen
des Ofens verlaufen. Der Elektromagnet wird mit einer Energie von etwa 0,5 Kilowatt betrieben.
Bei den angegebenen Dimensionen des Ofens kann ein Strom von. 2000 bis 8000 Volt und
30 bis 10 Amp. verwendet, es können somit 40 bis 50 Kilowatt oder mehr in einer einzigen
'Hochspannungsflamme zum Ausgleich gebracht werden. Man verwendet vorteilhaft
Drehstrom oder Wechselstrom. Bei Anwendung von Gleichstrom ist die Isolation schwieriger,
und die Stabilität der Flamme läßt zu wünschen übrig. Findet der Ausgleich statt,
ohne daß der Elektromagnet einwirkt, so schmelzen, wenn man mit großen Energiemengen
arbeitet, die Elektroden natürlich sofort zusammen; läßt man den Magneten wirken,
■ so entsteht eine intensiv leuchtende Aureole von glühendem Gase, welche einen
Durchmesser von 0,7 bis 1 m besitzt. Die Elektroden kommen dann nicht mehr zum
Schmelzen.
Die Gaszufuhr erfolgt durch geeignete Kanäle, die zweckmäßig in den Wandungen des
Ofens so verlaufen, daß die Gase in dem durch die Flamme erhitzten Material vorgewärmt
werden.
Die Gasmenge, welche durch den Ofen durchgeblasen werden kann, beträgt 1 bis
3 cbm in der Minute, ohne daß die Flamme in ihrer Form irgendwie verändert wird oder
unruhig brennt. Diese Stabilität der Flamme bietet einen unschätzbaren Vorteil gegenüber
allen bisher angewendeten Verfahren, bei denen meistens statt einer kräftigen Flamme
sehr viele kleine, leicht abreißende und unbe-. ständige Flämmen en zur Verwendung kommen.
Die Verwendung der Elektromagnete gestattet die Anwendung einer sehr hohen
Stromstärke und verhältnismäßig geringer Spannung von weit unter 10000 Volt; die
besten Resultate wurden sogar bis jetzt bei nur 2000 bis 3000 Volt und 30 bis 20 Amp.
erzielt; der Vorteil gegenüber den bisher beschriebenen Methoden, z, B. . der mit einer
Spannung von 50000 Volt arbeitendien Methode von Kowalski, ist in die Augen
fallend. -
Die Gase verlassen den Ofen mit einem Gehalt
von 2 bis 4 Prozent Stickoxyd, dessen Umwandlung in Salpetersäure und Absorption
in Plattentürmen erfolgt, wie solche die Tech-
. nik bereits zur Verarbeitung von nitrosen Gasen verwendet.
Die Gasgeschwindigkeit im Ofen ist natürlich regelbar; bei den Versuchen waren Zufluß- und
Abflußöffnungen so groß, und es waren die Exhaustoren so eingestellt, daß im Ofen Atmosphärendruck
oder ein geringer Unterdruck herrschte.
Schließlich soll erwähnt werden, daß man auch Ströme von niedrigerer Spannung, beispielsweise
600 Volt, zur Verwendung bringen kann; in diesem Falle sind die Elektroden
zweckmäßig derart anzuordnen, . daß deren Spitzen in schneller Folge in Berührung miteinander
gebracht werden können und nur um einen geringen Abstand, beispielsweise einem
Bruchteil eines Millimeters, voneinander entfernt werden. Bei dieser Anordnung entstehen
ähnliche Lichtscheiben, wie die oben erwähnten.
Claims (2)
1. Verfahren zur Durchführung endothermisch verlaufender Reaktionen in ■-Gasen
und Gasgemischen unter Anwendung des verbreiterten elektrischen Lichtbogens
zur Hervorbringung der hohen Temperatur, dadurch gekennzeichnet, daß
die Gase oder Gasgemische durch einen Raum hindurchgeführt werden, welcher von einem Lichtbogen erfüllt ist, der mittels
eines starken magnetischen Feldes scheibenförmig ausgebreitet ist.
2. Ofen zur Ausführung des Verfahrens nach Anspruch 1, gekennzeichnet durch
einen zwischen . den Polen eines starken Elektromagneten angeordneten flachen Reaktionsraumes,
der sich in einer Ebene . senkrecht zur Achse des Magnetfeldes gleichmäßig erstreckt, derart, daß fast der
ganze Raum, der von den zu behandelnden Gasen durchstrichen wird, von der an; den
im Magnetfelde angeordneten Elektroden gebildeten Flamme ausgefüllt wird.
Hierzu 1 Blatt Zeichnungen.
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
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Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
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Country Status (1)
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|---|---|
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