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Die Erfindung betrifft die Verwendung von Kombucha.
Kombucha ist ein Teegetränk, bei dem Kohlehydrate zunächst durch den Zusatz von Zygosaccharomyces und Acetobacter vergoren werden. Nach Pasteurisieren und Zentrifugieren wird eine weitere bakterielle Kultur, nämlich Lactobacillus casel zugesetzt und das Produkt schliesslich, nach vollendeter Gärung, unter CO2-Zugabe abgefüllt.
Die gesundheitsfördernden Wirkungen von Kombucha sind im Wesentlichen auf die zugesetzten Mikroorganismen sowie auf ihre Stoffwechselprodukte zurückzuführen. Insbesondere Lactoba-
EMI1.1
;(1999a))
Die bei der Vergärung entstehenden Stoffwechselprodukte sind Insbesondere die in grösserer
Menge vorliegenden freien Fettsäuren. Insgesamt enthält Kombucha 3, 5 g titrierbare Säuren je
Liter, darunter vor allem Milchsäure (1, 5 g/1), Essigsäure (0, 9 g/l) und Glukonsäure (1, 0 g/l) sowie
Glukuronsäure (0, 15 g/l). Vor allem über Essigsäure liegen tierexperimentelle Untersuchungen uber die Bedeutung für den gesunden Stoffwechsel vor (Saiminen et al. (1998)).
Durch die freien organischen Säuren sind sowohl direkte Wirkungen auf das Milieu im Darm und damit auf das Gleichgewicht der Darmflora denkbar als auch mittelbare, die über die Wirkungen auf die Zeilproli- feration der Darmschleimhaut gehen. Organische Säuren als Stoffwechselprodukte plaquebildender Bakterien sind aber auch ursächlich für die Entstehung von Karies. In vitro-Versuche, bei denen intakte isolierte Zähne in ein angesäuertes Gel gesteckt wurden, zeigen das hohe schmelzschädigende Potential schwacher organischer Säuren wie Milchsäure und Essigsaure (Shellis (1984), Feagin & Graves (1988)).
Karies ist eine infektiöse und übertragbare Erkrankung. Neben dem Vorhandensein cariogener Bakterien spielt die Zusammensetzung der Ernährung als Substrat dieser Organismen als auch eventuelle hemmende Faktoren in der Nahrung eine wesentliche Rolle (Marsh (1995))
Die Bakterien befinden sich in einem von ihnen produzierten Biofilm (Plaque). Die Haftung an den Zähnen ist abhängig von extrazellulärer Synthese von Polysacchariden, die in erster Linie durch die Zufuhr von Saccharose (Sucrose) begünstigt werden, wie tierexperimentell und durch epidemiologische Studien beim Menschen nachgewiesen wurde. (Sheiham (1987), Bowden & LI (1997)). Die Plaque-bildenden Bakterien metabolisieren Kohlehydrate ferner zu kurzkettigen Fettsäuren, die den pH-Wert des Biofilms herabsetzen und zu einer Entkalkung des Zahnschmelzes führen.
Dieser Abfall des pH-Wertes ist bei aller kohlehydrathältiger Nahrung nachweisbar, doch besteht keine direkte Korrelation zwischen Säurebildung und Schmelzschädigung (Krasse (1985)). So sind die stärkehaltigen Nahrungsmittel Reis und Bohnen kaum cariogen, während reiner Zucker die stärkste Auswirkung zeigt.
Parodontopathien ist ein Sammelbegriff für alle Erkrankungen des Zahnhalteapparates, wobei man nach dem primären Entstehungsort zwischen marginalen und apikalen Parodontopathien unterscheidet. Apikale Parodontopathien sind entzündliche Prozesse im Bereich der Wurzelspitze eines Zahnes, der auf die Wurzelhaut (Periodontum) und die knöcherne Umgebung übergreift. Ursache ist meist infektiös durch Pulpits oder abgestorbene (gangränöse) Pulpa. Marginale Parodontopathien sind entzündliche, durch bakterielle Beläge verursachte Erkrankungen aller Anteile des marginalen Parodontiums (Gingiva, Desmodont, Wurzelelement und Alveolarknochen) mit fortschreitendem Verlust von Stützgewebe.
Die marginale Parodontitis kann einzelne, mehrere oder alle Zähne betreffen, wobei unterschiedliche Stadien der Krankheit vorliegen können. Man unterscheidet die superficial Form (Verlust des Stützgewebes bis zu einem Drittel der Wurzellänge) und die profunde Form (Verlust von mehr als einem Drittel der Wurzellänge) der marginalen Parodontitis.
In vitro-Versuche mit säurehaltige Gelen können helfen, z. B. die Schutzfunktion verschiedener chemischer Verbindungen gegenuber der Entkalkungsaktivität zu prüfen. Sie können jedoch nicht ohne weiteres zur klinischen Bewertung herangezogen werden, da damit nicht die Komplexität des oralen Ökosystems simulierbar ist. So werden weder die Pufferfunktion des Speichels berücksichtigt noch die Nährstoffbedingungen, die zur Plaquebildung nötig sind.
Deshalb wurden verschiedene Tiermodell entwickelt, die üblicherweise aus einer Kombination
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von cariogenen Keimen und einer zu prüfenden Diät oder Nahrungskomponente bestehen. Als
Positivkontrollen werden bekannt cariogene Diäten (meist durch Sucrosezusatz) eingesetzt. Die in erster Linie für diese Versuche zum Einsatz kommenden Spezies sind Ratte und Maus. Sie unter- scheiden sich in der Anzahl und zum Teil auch in der Anatomie der Zähne vom Menschen. Die
Incisivi sind als Nagezähne ausgebildet, die zeitlebens nachwachsen. Dagegen sind die je drei
Molaren (Backenzähne) im Ober- und Unterkiefer schmelzfaltige, zusammengesetzte Zähne mit zwei Wurzeln und unterliegen altersbedingten Abnutzungserscheinungen (Habermehl (1980)).
Diese waren in der Auswertung zu berücksichtigen.
Unter bestimmten Umständen können Nager sowohl spontan als auch induziert Karies an den
Molaren entwickeln und die Ergebnisse korrelieren gut mit den epidemiologischen Studien am
Menschen. Wie beim Menschen ist die Anwesenheit cariogener Baktenen eine Voraussetzung. Bel
Ratten werden im Tierversuch v. a. Streptococcus mutans und Str. sobrinus eingesetzt. Cariogen ist auch der bei Mäusen vorkommende Enterococcus faecahs (Nakano (1989)).
Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht darin, eine Präparation zur Verhinderung oder
Behandlung von Zahnerkrankungen zur Verfügung zu stellen, welche einfach herstellbar ist und vorzugsweise als einfaches Lebensmittel, insbesondere in flüssiger Form, zur Verfügung gestellt werden kann. Diese Präparation sollte die gängigen Zahnerkrankungen, wie Karies oder Parodon- tose, wirksam verhindern oder behandeln können.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäss gelöst durch die Verwendung von Kombucha zur Her- stellung einer Präparation zur Verhinderung oder Behandlung von Zahnerkrankungen.
Obgleich für Kombucha zwar eine Reihe von positiven Wirkungen beschrieben ist, war die Eig- nung von Kombucha zur effektiven Prophylaxe und Therapie von Zahnerkrankungen bislang Im Stand der Technik weder beschrieben noch nahegelegt worden. Diese Eignung ist auch aufgrund der Inhaltsstoffe (speziell Kohlehydrate und organische Säuren) vollig überraschend, da gerade die aufgezählten Inhaltsstoffe eher als Förderer von Zahnerkrankungen, insbesondere von Karies und
Parodontose, angesehen werden.
Bevorzugterweise wird aber die vorliegende Erfindung gerade zur Behandlung oder Prophylaxe von Parodontopathien, insbesondere marginalen Parodontopathien, und Zahnkaries eingesetzt, da sie sich bei diesen Zahnerkrankungen besonders bewährt hat.
Es zeigte sich, dass mit der vorliegenden Erfindung vor allem Zahnerkrankungen im Bereich des Zahnschmelzes, des Zahnfleisches, des Zements, im Bereich des Alveolenknochens, insbesondere am Alveolar-Fortsatz, sowie des Parodontiums wirksam behandelt oder verhindert werden können.
Kombucha kann erfindungsgemäss vor allem auch gezielt zur Verhinderung der Anhaftung von infektiösen Keimen an Zähne und Zahnfleisch eingesetzt werden. Es zeigte sich, dass erfindungsgemäss auch schwere Formen der Karies bzw. Parodontose, bei weichen sogar der Knochen substantiell angegriffen wurde (in der Kontrollgruppe), verhindert werden konnten.
Überraschenderweise stellte sich Kombucha als Mittel zur Verhinderung oder Behandlung von Zahnerkrankungen, insbesondere als Mittel mit anticanogener oder canostatlscher Wirkung, heraus, obgleich In Kombucha doch erhebliche Mengen an Kohlehydraten und schwach dissoziierender organischer Säuren, wie Milchsaure oder Essigsäure, vorhanden sind. Es musste daher prima facie angenommen werden, dass eine Dauerverabreichung von Kombucha als alleinige Flüssig- keitszufuhr einen Karies verursachenden oder Karies fördernden Effekt aufweist.
Im Zuge von Untersuchungen, die sich mit dieser Frage beschäftigen, stellte sich aber überraschenderwelse heraus, dass Kombucha gerade den gegenteiligen Effekt zeigt und eine anticariogene bzw. canostatische Wirkung aufweist, wie im zuvor erwähnten gut korrelierenden Tiermodell mit den üblichen anticariogenen oder cariostatischen Mitteln.
Ein Beispiel für ein derartiges zum Stand der Technik gehörendes anticariogenes oder cariostatisches Mittel ist angesäuertes Trinkwasser. Ein mit Salzsäure oder mit Schwefelsaure angesauertes Tnnkwasser im Bereich von pH 2, 5 bis 3, 0 wird seit etwa 30 Jahren routinemässig in der Versuchstierhaltung eingesetzt, um Keimwachstum in Tränkflaschen zu minimieren bzw. die Verschleppung von Keimen uber automatischen Tränken zu verhindern (Thunert und Heine (1975) ; Tober-Meyer & Bienik (1981), Tober-Meyer et al. (1981). In diesem pH-Bereich sind keine Zahnschäden zu befürchten (Tolo und Enchsen (1969)) während tiefere pH-Werte (2, 2 und weniger) zu Schmelzschädigung führt (Karle et al. (1980)) sowie Auswirkungen auf physiologische Parameter
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hat (Hall et al.
(1980), Hermann et al. (1982)). Erwartungsgemäss zeigten sich in der Kontrollgruppe auch nach mehr als einem Jahr keine Kaneszeichen. Kombucha hat einen pH-Wert von ca. 3, 5 und liegt also deutlich über dem kritischen Wert. Trotzdem ware eine Zahnschmelzschadlgung denkbar, da sich in vitro schwach dissoziierende organische Sauren bei gleichem pH-Wert als schädigender erweisen als anorganische (McClure & Rucicka (1946) zit. in Toto & Erichsen (1969)), und in der Plague mit Milchsäure und Essigsäure die gleichen Stoffwechselprodukte entstehen wie in Kombucha enthalten sind.
Die In Kombucha enthaltenen Säuremenge sind etwas geringer als die bei in vitro-Versuchen verwendeten (17 mM Milchsäure und 15 mM Essig- säure gegenüber 75 mM und 25 mM bei Feagan und Graves, (1988)). Ein derartiges angesäuertes Trinkwasser wurde auch bei den vorliegenden erfindungsgemässen Versuchen als Kontrolle heran- gezogen. Es zeigte sich dabei, dass Kombucha eine anticariogene bzw. cariostatische Wirkung aufweist, die zumindest derjenigen von angesäuertem Trinkwasser entspncht. Damit kann gezeigt werden, dass sich Kombucha hervorragend zur Verhinderung oder Behandlung von Karies eignet
Vorzugsweise wird erfindungsgemäss eine wässenge Kombucha-Lösung hergestellt. Demgemäss können kommerziell erhältliche Kombucha-Präparate, die bereits im Lebensmittelhandel weit verbreitet sind, für den erfindungsgemässen Zweck eingesetzt werden.
Vorzugsweise wird demge- mäss Kombucha In filtrierter oder zentrifugierter Form zur Verfugung gestellt, ohne dass dabei noch wesentliche Gehalte an Mikroorganismen enthalten sind.
Vorzugsweise wird erfindungsgemäss Kombucha eingesetzt, worin 0, 5 bis 1, 5 g/l Essigsäure, 0, 5 bis 3 g/l Milchsäure und 0, 2 bis 2 g/i Glukonsäure enthalten sind Ebenfalls bevorzugt wird
Kombucha eingesetzt, worin 3 bis 15 g, insbesondere 5 bis 20 g, Kohlehydrate pro 100 mi enthalten sind. Trotz dieses Gehaltes an organischen Säuren bzw. Kohlehydraten tritt überraschenderweise die erfindungsgemässe Wirkung ein. Für die unerwartet fehlende Canogenität von Kombucha konnten zwei Ursachen denkbar sein : Erstens könnten die enthaltenen organischen Säuren canostatische Wirkungen haben. Diese ist aber bisher nur für MonolaurinsÅaure und Nonanoische Saure beschrieben worden (Wllliams et al. (1982)), nicht für die In Kombucha enthaltenen Sauren.
Wahrscheinlicher ist, dass die immunstimulierende Wirkung von Kombucha das orale Ökosystem beeinflusst. In einer früheren Untersuchung wurde eine deutliche Erhöhung der gA im Stuhl von mit Kombucha gerankten Tieren Im Vergleich zu Kontrollen nachgewiesen [185 mg/l 35 mg gegenüber 71 mg/l : 41 (p < 0, 001), Höger (1999a) ]. IgA werden auch über den Speichel ausge- schieden. In Immunisierungsversuchen mit Str. mutans wurden trotz gleicher oraler Baktenenzahl geringere Zahnschmelzläsionen bei immunisierten Ratten gefunden. Das dürfte auf eine durch Speichel-là bedingte geringere Adhesion der Keime an den Zahnen zurückzuführen sein (Fontana et al. (1999)).
Ein ähnlicher Mechanismus ist auch für E. faecalis und durch Kombucha erhohte IgA-Werte denkbar.
Weiters gibt es auch epidemiologische Hinweise, dass nicht Säuren wie Essigsäure oder Milchsaure selbst an sich cariogen wirken, da im Speichel von Personen ohne Kanes höhere Mengen an Essigsäure gefunden wurden als bei Personen mit Karies. Das Essigsaure-Acetat-System wirkt mit seiner Pufferfunktion als Schutzmechanismus gegen die Milchsäurewirkung im Blofilm (Coogan und Motlekar, (1996)) Andere Untersuchungen geben sogar Hinweise, dass bestimmte organische Säuren (längerkettige Fettsäuren) cariostatisch wirken (Williams et al. (1982)). Der Kontakt der Zähne mit den organischen Säuren während des Trinkvorganges Ist nur ein vorübergehender und durch die Spül- und Pufferfunktion des Speichels dürfte eine rasche Neutralisierung erreicht werden.
Um diesen Effekt auszuschalten wird In manchen Tierversuchen die Speichelproduktion durch "desalivation"unterbunden (Madison et al. (1991)), was zwar zu höheren Kaneslnzidenzen, aber auch zu einem unphysiologischen Ausgangszustand fuhrt und die Rückschlüsse auf die Verhältnisse beim Menschen eher erschwert als fördert.
Um eine positive Kontrolle im Rahmen der vorliegenden Erfindung zu haben und, da In den vorliegenden Untersuchungen ein flüssiges Nahrungsmittel getestet werden sollte, wurde das bekannt cariogene zucker-und saurehaltige Getränk Coca-Cola (Malwald et al (1979)) mitgefuhrt
Auch im cariogenen Getränk Coca-Cola scheint nicht der niednge pH-Wert (ca. 2, 5), sondern der Zuckergehalt die ausschlaggebende Rolle zu spielen, da eine Senkung des Zuckergehaltes auch zu einer Verminderung der induzierten Karies führt (Maiwald et al. (1979)). In Kombucha Ist ein Tell der ursprünglich vorhandenen Saccharide vergoren.
Der Restgehalt an Kohlehydraten beträgt 8, 5 g/100 ml verglichen mit 11, 4 g/100 ml bel Coca-Cola. Daher ware auch bei den mit
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Kombucha getränkten Mäusen zumindest eine verstärkte Abnutzung zu erwarten gewesen. Dass die geringen Unterschiede In den Scores der mandibulären Molaren nach 6 Monaten zwischen
Kombucha- und Kontrolltieren statistisch signifikant waren, liegt v. a. in der fehlenden Varianz der Scores der Kontrolltiere. Wie der weitere Verlauf zeigt, ist das nicht von praktischer Bedeutung, da die altersbedingten Erscheinungen einer gewissen (zeitlichen) Variabilität unterliegen und nach der mehr als doppelten Versuchsdauer von dann 15 Monaten Verabreichung keine Auswirkung des
Kombucha-Konsums mehr feststellbar ist.
Demgegenüber kommt es bei der Verabreichung von Cola zu einem progressiven Prozess, der mit starker Schädigung der Zahne einhergeht und bei weiterer Versuchsdauer zu einem weitgehenden Verlust der Zähne geführt hatte
Es war daher umsomehr überraschend, dass Kombucha - bei vergleichbaren Kohlehydratbzw. pH-Wert (Säuregehalt)-im Gegensatz zu Coca-Cola keine canogene Wirkung aufweist, sondern im Gegenteil sogar anticariogene oder cariostatische Wirkungen mit sich bringt
Die Erfindung wird an Hand der nachfolgenden Beispiele, auf die sie selbstverständlich nicht beschränkt sein soll, näher erläutert.
Beispiele :
Material und Methode
Insgesamt je 175 Mäuse des Stammes Him : OF1 (SPF) wurden für unterschiedliche Versuchsziele mit Kombucha (Hersteller : STOCK Vital Ges. m. b. H., Fuschl am See, AT) bzw. mit durch HCI- Zugabe auf pH 2, 5 bis 3 angesäuertem Trinkwasser in Flaschen (Kontrollgruppe) versorgt. Als weitere Vergleichsgruppe dienten Tiere, denen ein stark zuckerhaltiger Softdrink (Coca-Cola) verabreicht wurde. Die Tiere waren zu Beginn der Studie 5 Wochen alt. Sie wurden in Gruppen zu 5 Tieren in Makrolon Typ 2-Käfigen auf Fichtenholz-Einstreu mit wöchentlichem Wechsel gehalten.
Der Licht-Dunkel-Rhythmus war 10 : 14 h mit 200 lux in 2 m Höhe, der Luftwechsel war 15-fach je Stunde. Die Tiere hatten freien Zugang zu Futter (Alleinfutter Altromin 1324 ff autoklaviert). Mit Kombucha getränkte Tiere hatten einen ca. 10% geringeren Flüssigkeitsverbrauch und einen ca.
15% geringeren Futterverbrauch, der durch den Energiegehalt von Kombucha erklärbar ist. Die Gewichtsentwicklung war bis zur 30. Lebenswoche gleich. Danach nahmen die Kontrolltiere geringfügig mehr zu, was alleine auf einen stärkeren Depotfettansatz der Tiere zurückzuführen ist.
Das Verhalten der Mäuse in Kombucha- und Kontrollgruppe unterschied sich am Ende der Studie nicht. Ebenso gab es keine Unterschiede in der Spontanmortalitätsrate. Aus diesem Versuchsansatz wurden zu unterschiedlichen Zeitpunkten Tiere zur Klärung verschiedener Fragestellungen entnommen
Nach Alter von ca. 7 Monaten (nach ca. 6 Monaten Versuchsdauer) wurden von je 15 Kontrollund Kombucha-Tieren sowie von 6 Cola-Tieren gleichen Alters, die aus anderen Gründen zur Sektion kamen, die Kiefer präpariert und die Zähne beurteilt, Im Alter von ca. 16 Monaten (nach ca 15 Monaten Versuchsdauer) wurden die Zähne von je 10 weiteren Tieren aus diesen drei Gruppen beurteilt.
Die Tiere wurden durch cervikale Dislokation getötet. Die Schädel wurden vom Rumpf getrennt und das Gehirn zur histologische Untersuchung entnommen. Anschliessend wurde die Muskulatur durch Erhitzen in der Mikrowelle denaturiert. Nach Entfernen der Haut über den Kiefern und Teilen der Muskulatur wurden die Schädel über Nacht in 0, 1 % Papainlösung (Merck 7144) bei 37 C inkubiert Durch Entfernen der Muskeln, Sehnen und Mundschleimhaut wurden die Mandibel und Maxillen präpariert, anschliessend mit 3 % H202 zur Lagerung desinfiziert. Die Beurteilung erfolgte unter einem Stereomikroskop (Leitz Elvar) bei 20facher Vergrösserung.
Während die Incisivi (Nage- oder Schneidezähne) bei Mäusen zeitlebens wachsen, nutzen sich die Backenzähne im Laufe des Lebens ab und die stark gefaltete Schmelzoberfläche wird schiess- lich zu einer ebenen MahlflÅache. Folgender Score wurde benutzt um einerseits die physiologische Abnutzung und andererseits pathologische Prozesse zu bewerten :
EMI4.1
<tb>
<tb> 0 <SEP> Schmelzfaltigkeit <SEP> völlig <SEP> erhalten <SEP>
<tb> 1 <SEP> Schmelzfalten <SEP> einseitig <SEP> (lingual) <SEP> mehr <SEP> oder <SEP> weniger <SEP> horizontal
<tb> angeschliffen
<tb>
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<tb>
<tb> 2 <SEP> Schmeizfalten <SEP> einseitig <SEP> (lingual) <SEP> mehr <SEP> oder <SEP> weniger <SEP> horizontal
<tb> flachgeschliffen, <SEP> buccal <SEP> erhalten <SEP> oder <SEP> angeschliffen
<tb> 3 <SEP> unphysiologischer <SEP> (schräger <SEP> bis <SEP> vertikaler) <SEP> Abschliff <SEP> der
<tb> Mahlflächen
<tb> durch <SEP> übermässige <SEP> Abnutzung <SEP> und/oder <SEP> kariöse <SEP> Prozesse <SEP> Defekte
<tb> 4 <SEP> der <SEP> Zahnstruktur, <SEP> u. <SEP> U.
<SEP> mit <SEP> Eröffnung <SEP> des <SEP> Wurzelkanals <SEP> von <SEP> der
<tb> Mahlfläche <SEP> der
<tb> Defekte <SEP> des <SEP> Zahnes, <SEP> die <SEP> nicht <SEP> von <SEP> einer <SEP> übermässigen <SEP> Abnutzung
<tb> 5 <SEP> der <SEP> Mahlfläche <SEP> ausgehen, <SEP> sondern <SEP> durch <SEP> kariöse <SEP> Prozesse <SEP> am
<tb> Zahnhals <SEP> entstehen
<tb>
Nur die Molaren (Backenzähne) wurden in die Bewertung einbezogen und die Scores für die je 6 Molaren des Oberkiefers und des Unterkiefers getrennt summiert. Die Ergebnisse wurden mit einem nicht-parametrischen Test (Mann-Whitney U-Test für den paarweisen Vergleich von Gruppen) auf signifikante Unterschiede geprüft.
Ergebnisse
Die Ergebnisse sind Tabelle 1 zusammengestellt.
Tabelle 1-Scores nach ca. 6 bzw. ca. 15 Monaten Versuchsdauer :
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<tb>
<tb> OK <SEP> nach <SEP> 6 <SEP> Mo <SEP> UK <SEP> nach <SEP> 6 <SEP> Mo <SEP> OK <SEP> nach <SEP> 15 <SEP> Mo <SEP> UK <SEP> nach <SEP> 15 <SEP> Mo
<tb> Kontrolle0 <SEP> 0 <SEP> 6, <SEP> 80 <SEP> + <SEP> 1, <SEP> 75 <SEP> 6, <SEP> 30 <SEP> + <SEP> 0, <SEP> 67 <SEP>
<tb> Kombucha <SEP> 0 <SEP> 1, <SEP> 330, <SEP> 90" <SEP> 5, <SEP> 800, <SEP> 63 <SEP> 6, <SEP> 801, <SEP> 03 <SEP>
<tb> Cola <SEP> 0 <SEP> 5, <SEP> 33 <SEP> : <SEP> t <SEP> 2, <SEP> 07 <SEP> b <SEP> 9, <SEP> 40 <SEP> : <SEP> t <SEP> 1, <SEP> 78 <SEP> c, <SEP> d <SEP> 17, <SEP> 10 <SEP> : <SEP> t2, <SEP> 92b <SEP>
<tb>
Die Zahlen geben die Mittelwerte der Summen der Scores der Molaren je Maus und die Standardabweichung an.
OK = Oberkiefer (Maxilla), UK = Unterkiefer (Mandibel) a signifikante Unterschied zu Kontrolle p < 0, 001 b signifikanter Unterschied zu Kontrolle und Kombuchagruppe p < 0, 001 csignifikanter Unterschied zu Kontrolle p < 0, 01 d signifikante Unterschied zu Kombuchagruppe p < 0, 001
Im Bereich der Incisivi trat lediglich bei einem 16 Monate alten Tier der Cola-Gruppe eine verstärkte Abnutzung des rechten Incisivus im Unterkiefer mit Eröffnung des Wurzel kanals auf. Sonst war in keiner Gruppe zu keinem Zeitpunkt eine Abweichung von der physiologischen (altersent- sprechenden) Abnutzung feststellbar. Die in den Mandibeln sitzenden Molaren zeigten deutlich stärkere (physiologische) Abnutzungserscheinungen verglichen mit den maxillären Molaren.
Entsprechend schneller ging auch der pathologische Abbauprozess voran, womit sich generell höhere Scores im Unterkiefer ergaben. Während in der Kombuchagruppe nach sechs Monaten an den mandibulären Molaren kleine Schliffflächen zu sehen waren, traten diese in der Kontrollgruppe erst zu einem späteren Zeitpunkt auf. Nach 15 Monaten Versuchsdauer hatten sich diese Unterschiede jedoch praktisch gegeben, und die Scorewerte für die maxillären Molaren waren sogar geringfügig besser, allerdings statistisch auch ohne Bedeutung.
In der Cola-Gruppe trat an den Molaren bereits mit 7 Monaten bei 4 von 6 Tieren eine verstärkte Abnutzung, aber ohne Anzeichen von Karies auf. Mit 16 Monaten konnten in der Cola-Gruppe noch bei 2 von 10 Tieren die Zähne des Oberkiefers als im Normalbereich liegend beurteilt werden, während die des Unterkiefers generell einen übermässigen Substanzverlust aufwiesen, der z. T. bis in den Zahnhalsbereich ging und in einem Fall zur Eröffnung des Wurzelkanals am ersten Molaren (M1) links führte. Bel einem Tier kam es ebenfalls am M1 rechts zu einem weitgehenden Freilegen
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der Zahnwurzel als einem Zeichen von Parodontose.
Die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung bestätigen frühere Studien, die in erster Linie Kohlehydrate als bakterielles Nährsubstrat und die daraus in der Plaque gebildeten Säuren für die Schädigung des Zahnschmelzes und Entstehung von Karies verantwortlich machen und extern zugeführte Säuren über einem pH-Wert von 2, 5 bis 3 als unbedenklich einstufen. Durch die Dauerverabreichung von Kombucha anstelle von Trinkwasser über einen Zeitraum von 15 Monaten kommt es trotz hoher Kohlehydratwerte im Getränk zu keiner signifikanten Erhöhung der Kanesinzidenz bei Mausen. Das konnte auf die Immunstimulierende Wirkung von Kombucha und dadurch verursachte hohere IgA-Werte Im Speichel zurückzuführen sein.
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1. Verwendung von Kombucha zur Herstellung eines Mittels zur Vorbeugung oder Behand- lung von Zahnerkrankungen.