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Vorrichtung zur Versickerung von vorgereinigtem Abwasser
Hauskläranlagen sind ein notwendiges Übel.
Trotzdem sie nicht erwünscht sind, können sie nicht entbehrt werden. Wenn keine Kanalisation vorhanden ist, wenn eine genügend leistungsfähige Vorflut fehlt und auch landwirtschaftlich die Verwertung des Abwassers nicht möglich ist, dann müssen sie eben angeordnet werden.
Dies ist bei isoliert gelegenen Wohnhäusern und Villen, bei Gasthöfen, Hotels, Krankenhäusern, Erholungsheimen auf dem Lande und Bahnhöfen in der Regel der Fall.
Sickerschächte zum Versickern des Abwassers in den Untergrund werden häufig als noch grösseres Übel angesehen. Wenn aber in flachem Gelände das in Hauskläranlagen mechanisch oder auch biologisch gereinigte Abwasser mangels Vorflut in eine solche nicht eingeleitet werden kann, oder das Gefälle nicht vorhanden ist, oder die Vorflut nur durch sehr lange und teure Kanalleitungen erreicht werden kann und auch landwirtschaftliche Verwertung nicht möglich ist, dann bleibt einfach nichts anderes übrig, als das Abwasser in den Untergrund versickern zu lassen. Voraussetzung ist natürlich, dass Sickergrund vorhanden ist und keine Trinkwasserversorgungsanlagen gefährdet werden.
Sickeranlagen haben sich bisher deshalb wenig bewährt, weil sie unsachgemäss gebaut werden.
Die Hauptfehler, die bisher gemacht wurden, bestehen darin, dass die Sickerfläche viel zu klein gewählt wurde und dass das Abwasser ungefiltert zur Versickerung gebracht wird. Die
Folge ist sehr rasches Verschlammen der Sicker- fläche. Da sich der Schlamm in den Sickergrund tief hineinzieht, nützt auch die Beseitigung des
Schlammes nichts. Man baut daher einen neuen
Sickerschacht und, wenn dieser verschlammt ist, wieder einen neuen usw. Das verschlingt auf die Dauer ungeheuer viel Geld und führt nie zu einem endgültigen Erfolg.
Wenn man eine Grube gräbt (Fig. 1), welche die wasserundurchlässige Deckschicht a durch- stösst und in die wasseraufnahmefähige Schicht b hineinreicht, dann ist die nutzbare Sickerfläche der Grube die angeschnittene Fläche des natürlich gewachsenen, wasseraufnahmefähigen Bodens, u. zw. sowohl die horizontale als auch die vertikale Fläche c. Denn wenn das zu ver- sickernde Abwasser die honzostale Fläche, also den Boden der Grube mit der Zeit verschlammt hat, dann wird sich das Wasser wie in einer Wanne in der Grube sammeln und in den lotrechten Seitenflächen der Grube zu versickern beginnen. Verschlammen die Seitenflächen auch allmählich, dann wird das Wasser immer höher steigen, bis die wasserundurchlässige Schicht a erreicht ist.
Wenn dies der Fall ist, dann ist die Sickergrube erschöpft.
Die Wirkungsdauer einer Sickergrube ist also abhängig von der Grösse der Sickerfläche c.
An diesen Verhältnissen wird nichts geändert (Fig. 2), wenn man die Grube mit grobem Schotter d anfüllt, den man mit einer Feinsandschicht e abdeckt. Das Wasser sickert durch den Sand e, fällt durch den Schotter d und gelangt in gleicher Weise an der Filterfläche c zur Versickerung. Der Vorteil besteht nur darin, dass durch den Sandfilter e die durch die Hauskläranlage durchgerutschten Schlammteilchen abgefiltert werden und nicht zur Filterfläche c gelangen können. Der mit der Zeit an der Sandoberfläche angesammelte Schlamm kann mühelos von Hand aus beseitigt werden und auch der schlammdurchsetzte Sand kann entfernt und durch neuen ersetzt werden. Die nicht regenerierungsfähige Sickerfläche c bleibt jedoch unverschlammt.
Die Wirkungsdauer einer Sickergrube ist also auch davon abhängig, dass das Abwasser möglichst schlammfrei zur Sickerfläche c gelangt.
In der Baupraxis werden aber diese grundsätzlichen Erkenntnisse missachtet, und das ist die Ursache des Versagens der Sickerschächte.
In Fig. 3 ist die übliche Ausführung eines
Sickerschachtes dargestellt. Man mauert die
Grube f aus und lässt nur die Sohle c offen. Die Sickerfläche c schrumpft damit auf einen Bruch- teil der ursprünglichen Grösse (Fig. 1 und 2) zusammen. Bestenfalls führt man die Schacht- wandungen im unteren Teil in Trockenmauer- werk (ohne Fugenmörtel) aus oder man lässt
Mauerschlitze offen. Das vergrössert die Sicker- fläche nur geringfügig, da diese dünnen Ritze und Schlitze bqld verschlam-. Pen. Der grösste
Teil der Sickerfläche wird durch die Schacht wandung abgeschirmt.
Füllt man einen solchen
Schacht (Fig. 3) mit Schotter (d nach Fig. 2) aus, den man mit einem Sandfilter (e in Fig. 2) abdeckt, dann verlängert man die Wirkungs- dauer wohl, da man den Schlamm zurückhält,
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die zu kleine Sickerfläche c bleibt jedoch bestehen.
Die vorliegende Erfindung geht nun davon aus, eine grosse Sickerfläche c zu schaffen, ohne die Baukosten zu erhöhen, da nur so eine lange Wirkungsdauer des Sickerschachtes erreicht werden kann und der teure Neubau neuer Sickerschächte später entfällt. Erfindungsgemäss wird daher versucht mit Mauerwerk möglichst zu sparen (Fig. 4). Die Sickergrube wird also so gross ausgehoben, dass man die gewünschte Sickerfläche c gewinnt. Man braucht aber nicht die ganze Grube auszumauern, denn das würde sehr viel Geld kosten und die Sickerfläche nur verkleinern. Man füllt vielmehr die Grube auf Höhe des Sickergrundes b bzw. bis unterhalb des Wassereinlaufes g mit Schotter d an und deckt diesen mit Sand e ab. Sodann setzt man den Sickerschacht f auf den Schotter darauf.
Man hat auf diese Weise das teure Mauerwerk auf ein Minimum reduziert und die grosse Sickerfläche erhalten, damit aber auch die lange Wirkungsdauer des Sickerschachtes gewonnen.
Man kann erfindungsgemäss die Sickerfläche ohne Mehrkosten noch dadurch vergrössern, dass man die Baugrube der Kläranlage in die Sickergrube einbezieht. Fig. 5 und 6 zeigen ein solches Beispiel mit zwei Faulbrunnen h und einem Sickerschacht i in der Mitte. Die zwei Faulbrunnen h bilden eine dreikammerige
Faulgrube. Um diese beiden Brunnen in die
Erde versenken zu können, braucht man eine
Baugrube, welche man mit der Sickergrube vereinigt und gleichzeitig aushebt. Sodann werden die beiden Faulbrunnen h in der Bau- grube hergestellt. Die Grube wird mit Schotter d in der erforderlichen Höhe aufgefüllt und dieser im Bereich des Sickerschachtes i mit Sand e abgedeckt. Sodann wird der Sickerschacht i aufgesetzt und der restliche Grubenhohlraum mit Erdmaterial k ausgefüllt. Auf diese Weise hat man ohne irgendwelche Mehrkosten eine besonders grosse Sickerfläche c gewonnen.
Es können keine Zweifel bestehen, dass tatsächlich die ganze Sickerfläche c mit der Zeit wirksam wird. Denn wenn irgendwo im Schotter d oder an der Sickerfläche c Verschlammungserscheinungen auftreten, dann fliesst das Wasser seitlich vorbei oder darüber hinweg, bis es an irgendeiner Stelle die Sickerfläche c erreicht und in den natürlich gewachsenen Boden eindringt. Das Wasser sucht sich immer, der Schwere folgend, einen Weg und die Sickerwirkung hört erst auf, bis die gesamte Sickerfläche c durch Schlamm verstopft ist. Der Sandfilter e verhindert aber den Durchtritt grober Schlammteilchen und der aus den durchtretenden gelösten und konoidgelösten Stoffen entstehende Schlamm ist mengenmässig gering.
Es steht also ausser Zweifel, dass durch den Erfindungsgedanken die längstmögliche Wirkungsdauer der Sickeranlage ohne Mehrkosten erreicht wird, als bei den bisher bekannten Vorrichtungen.
Die Wartung dieser Anlage beschränkt sich auf die periodische Räumung des verschlammten Sandfilters e und dessen Erneuerung. Wird das Abwasser durch die Hauskläranlage h gut mechanisch gereinigt, dann bleibt die Filterschicht lange wirksam. Wird die Anlage dagegen vernachlässigt, dann verschlammt nicht die Sickerfläche c sondern der Sandfilter e und es gibt einen Rückstau in der Hauskanalisation, der die Hausbewohner zwingt, die versäumte Reinigung vorzunehmen.
In gleicher Weise kann man auch grössere Hauskläranlagen durchbilden (Hotels us v. ). Man braucht dann grössere Kläranlagen, die man durch Anordnung von drei, vier, fünf usw. Faul- brunnen h bilden kann. Damit wird auch die gemeinsame Baugrube immer grösser und damit auch die Sickerfläche c. Dazwischen ange- ordnete Sickerschächte sorgen für die Verteilung und Versickerung des mechanisch gereinigten
Abwassers.
PATENTANSPRÜCHE :
1. Vorrichtung zur Versickerung von vor- gereinigtem Abwasser, dadurch gekennzeichnet, dass zur Gewinnung grosser Sickerflächen (c) die Sickergrube in grösserem Ausmasse als dem Sickerschacht entspricht, ausgehoben und mit Schotter ausgefüllt ist und der Sickerschacht (f) auf den Schotterkörper (d) aufgemauert oder aufbetoniert ist.