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Relais zum Schutz überlastbarer Einrichtungen, insbesondere elektrischer Maschinen und Leitungen gegen schädliche Überlast.
Viele Einrichtungen, wie Dampfturbinen, Diesel, elektrische Maschinen, Gleichrichter, Kabel usw. können vorübergehend mit einer grösseren Leistung arbeiten, als dies dauernd zulässig ist. Das neue Relais ist dazu bestimmt, schädliche Überlastungen durch Warnung oder selbsttätige Entlastung zu verhindern bzw. ein Bild des Belastungsgrades der geschützen Einrichtung zu geben.
Es ist bereits ein Überlastrelais in Verwendung, welches aus einem J2-Zähler, einem Planetengetriebe und einem Zeitzähler (Synchronmotor) besteht (s. R. Bauch Überlastrelais"in den VDEFachberichten 1928). Dieses Überlastrelais berücksichtigt die Vorbelastung der Maschine in keiner Weise. Die direkte Temperaturmessung am blanken Kupfer oder an der Isolation (letztere versagt bei grösseren Überlastungen) konnte sich aus Sicherheits-und wirtschaftlichen Gründen nicht durchsetzen.
Thermische Relais arbeiten sehr ungenau (nach VDE Auslösung zwischen 105 und 120% Normalstrom) und lösen bei 50% Überlast meist schon nach zirka 20 Sekunden aus, während kalte Transformatoren 1 bis 4 Stunden mit dieser Überlast betrieben werden können, bis die Grenztemperatur erreicht ist. Die ferner bekannten thermischen Abbilder lassen sich niemals genau einstellen und versagen bei grösseren Überlastungen.
Ein richtig arbeitendes Relais muss die jeweilige Übertemperatur des Wickelkupfers erfassen, ohne dass eine andere Verbindung mit der geschützten Einrichtung als über die Strom-und Spannungswandler erfolgt.
Dieser Bedingung wird durch ein Relais entsprochen, welches messtechnisch die jeweilige Differenz zwischen der vorher in der Maschine entwickelten und der abgeführten Wärmemenge bestimmt. Diese Differenz stellt die Wärmemenge dar, welche auf der Maschine verbleibt und somit eine Temperaturerhöhung gegenüber der Umgebung hervorruft. Die Grösse der Temperaturerhöhung hängt ausser von der Wärmemenge noch von der konstanten Wärmekapazität K der zu schützenden Maschine ab, so dass ein funktioneller Zusammenhang zwischen der Differenz der zugeführten und abgeführten Wärmemenge Wd = Wz-Wa und der Übertemperatur T besteht.
Wird Wd durch ein Relais kontrolliert, so kann auch T einen bestimmten Wert nicht überschreiten. Vorstehende Gesetzmässigkeit trifft selbstverständlich nur dann exakt zu, wenn die Wärme in der Maschine gleichmässig oder stets nach demselben Gesetz verteilt ist. Auf die bei ungleichmässiger Verteilung der Wärme in der Maschine eintretenden Verhältnisse wird später gesondert eingegangen.
Wz hängt von den Eisen-und Kupferverlusten der geschützten Maschine ab und lässt sich messend
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flächenübertemperatur der Maschine abhängt, die ihrerseits mit der Durchschnittstemperaturerhöhung T (Übertemperatur) und wie oben erwähnt mit Wd zusammenhängt. Es genügt also, in einem entsprechend konstruierten Relais die Verluste einer Maschine messend zu verfolgen, um die Übertemperatur kontrollieren zu können. Ein solches Relais wird in Fig. 1 dargestellt und nachstehend dessen Funktion mit den Vorgängen in der Maschine verglichen.
Auf einer Relaisachse sitzt ein J2-Zähler 1, der die Kupferverluste und ein E2-Zähler 2, der die Eisenverluste summiert. Die Achse treibt über ein Kegelrad die Kreuzwelle 3 eines Planetengetriebes in einer bestimmten Richtung an. Der Verdrehungswinkel entspricht also der Summe der aufgespeicherten Wärmemenge, wenn keine Wärmeabgabe der Maschine an ihre Umgebung erfolgen würde (wenn die Kreuzwelle. 3 vom zweiten Kegelrad des Planetengetriebes nicht beeinflusst würde).
Die Maschine gibt
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entsprechend muss die Kreuzwelle in der Zeiteinheit um einen Betrag gegen die Anfangsstellung hin zurückgedreht werden, welcher mit der jeweiligen Grösse des Verdrehungswinkels (also der aufgespeicherten Wärmemenge) ebenfalls in dem vorerwähnten funktionellen Zusammenhang steht. Um das zu erreichen, verstellt die Welle 3 einen Gleitkontakt 4 auf einem Widerstand 5 zwischen den Kontaktpunkten a und b. Bei der angeführten Schaltung ist die Drehzahl des Spezialzählers 6 genau dem Widerstand proportional, der zwischen den Kontaktpunkten a und 4 liegt, jedoch von Spannungsschwankungen der Hilfswecliselstromquelle 7 völlig unabhängig.
Durch entsprechende Abstufung des Widerstandes 5 wird die gewünschte Abhängigkeit zwischen Verlustwärme, Wärmeabgabe und Übertemperatur erzielt.
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Die Wärmekapazität der zu schützenden Maschine wird durch Wahl einer geeigneten Übersetzung zwischen den beiden Zählern und dem Differentialgetriebe berücksichtigt.
Bezüglich der Theorie des Spezialzählers 6, der für Fernmesszwecke entwickelt wurde, wird auf die Arbeit von W. Geyger im Archiv für Elektrotechnik, XXVI. Band (1932), S. 94, verwiesen. Auch ältere Schaltungen sind aus der Fernmesstechnik bekannt, die dasselbe Problem der Spannungsunempfind- lichkeit lösen, z. B. nach W. Geyger im Archiv für Elektrotechnik, XXV. Band (1931), S. 767, ferner
G. H. Gibson Amerik. Patent Nr. 1267757, Fig. 9 u. a. Da durch die Grösse des Verdrehungswinkels der Kreuzwelle 3 die jeweils in der Maschine aufgespeicherte Wärmemenge dargestellt ist, wird die Tem- peraturskala abweichend von der Darstellung in Fig. 1 nicht linear sein.
Das Relais trägt auf der Achse. 3 noch einen Kontakthebel, der in vorliegendem Fall bei einer Übertemperatur von 55'0 durch Schliessung des Kontaktes 10 die Wicklung 11 an die Hilfsstromquelle 7 legt und eine Warnung oder Entlastung der geschützten Maschine bewirkt. Bei Ausführung eines Vorkontaktes kann auch beides nacheinander erfolgen. Ausser den erwähnten Teilen des Relais ist in Fig. 1 noch der zu schützende Einphasentransformator 12, ein Stromwandler 13 und bei jedem Zähler ein permanenter Bremsmagnet 14 und 15 dargestellt.
Das beschriebene Relais arbeitet wie folgt : Der zu schützende Transformator 12 sei abgeschaltet und vollständig kalt. Der Verlustzähler 1 + 2 steht still, der gesteuerte Abwärmezähler 6 ebenso, da sich der Gleitkontakt 4 bei a befindet. (Der Widerstandspunkt, bei welchem der Zähler 6 still steht, kann auch beliebig zwischen a und b eingestellt werden. ) Der Übertemperaturzeiger 8 steht auf 0 C.
Wird die Maschine in Betrieb genommen, so läuft sofort der Verlustzähler 1 + 2 an, der Zähler 6 beginnt dann gleichfalls ausserordentlich langsam zu laufen. (In der Maschine wird schon Wärme aufgespeichert, es wird jedoch keine Wärme abgegeben, da die Maschine noch kalt ist.) Durch den Lauf des Zählers 1 + 2 wird die Kreuzwelle verstellt, der Kontakt 4 wandert in der Richtung von a nach b. Der Temperaturzeiger rückt anfangs unter dem alleinigen Einfluss des Zählers 1 + 2 rasch vor. Inzwischen ist. ebenso wie die Maschine warm wird, der Zähler 6 in immer rascheren Lauf gekommen und verlangsamt die Drehung der Kreuzwelle 3 und somit die Bewegungsgeschwindigkeit des Temperaturzeigers 8 und des Gleitkontakts 4 immer mehr, bis die Kreuzwelle endlich ganz zum Stillstand kommt.
Die beiden Zähler laufen dann gleich schnell ; die Maschine hat die Endtemperatur bei der betreffenden Belastung erreicht. Wird der Transformator jetzt abgeschaltet, so bleibt der Zähler 1 + 2 stehen und nur der Zähler 6 läuft weiter. Entsprechend der Widerstandsverminderung zwischen a und 4 bei Bewegung des Gleitkontakts 4 in der Richtung von b nach a. geht die Drehzahl des Zählers 6 zurück. um schliesslich 0 zu werden, wenn auch der Übertemperaturzeiger auf 0 zurückgegangen ist. Auf die Unterschiede bei der Abkühlung rotierender Maschinen zwischen Stillstand und Lauf wird später eingegangen.
Sind Dampfturbinen, Diesel usw. mit Stromerzeugern gekuppelt, so genügt der Einbau eines Kilowattstundenzählers, der die Leistung des Generators erfasst an Stelle des Zählers 1 + 2, wenn ein Schutz der Antriebsmaschine erzielt werden soll, da der Zusammenhang zwischen Leistung und Verlust bei vielen Antriebsmaschinen durch eine Gerade angenähert dargestellt werden kann. Da der Kilowattstundenzähler eine kleinere Leistung erfasst. als der Antriebsmaschine zugeführt wird. ist dies bei der Relaiseinstellung zu berücksichtigen. An Stelle des XIW/t-Zälers kann aber auch ein Dampfverbrauchszähler oder ein Kontrollorgan für den Ölverbrauch treten, da auch aus diesen Werten die Verluste laufend ermittelt werden können.
Durch Hilfsmittel, die aus dem Zählerbau bekannt sind. können auch beliebige Zusammenhänge V = fN oder V = fJ erzielt werden. In Spezialfällen kann ein Regler zwischen Mess- stelle und Zähler geschaltet werden, dessen Sekundärkreis mit dem Primärkreis in dem gewünschten Zusammenhang steht.
In Fig. 2 ist eine Schaltung wiedergegeben, welche auch die Änderung der Abkülhlungsverhältnisse, z. B. bei rotierenden Maschinen und die Änderung der Kupferverluste mit der Temperatur berücksichtigt.
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die Konstante von 21 so zu wählen ist, dass die dreifachen Eisenverluste einer Phase berücksichtigt werden, während 22 und 23 je die 1-5fachen Kupferverluste bei warmer Maschine einer Phase messen. (In 22
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als Bremse.
Ausserdem ist eine Strombremse 25 vorgesehen, deren Fluss von der Stellung der Kreuzwelle 26 abhängt, u. zw. ist die Auslegung und Schaltung derselben derart vorgenommen, dass das maximale
Bremsmoment auftritt, wenn der Temperaturzeiger 27 auf 0'steht. Die Grösse des Bremsmomentes ist derart zu bemessen, dass bei Vollast und kalter Maschine die Drehzahl des Zählers 21 + 22 + 23 den wahren Verlusten entspricht. Je höher die Temperatur der Maschine steigt, um so mehr geht die
Wirkung der Strombremse zurück (quadratisch), so dass bei warmer Maschine der Zählerfaktor nur noch vom permanenten Magneten beeinflusst wird. Mit Hilfe der Sättigung lassen sich verschiedene Zusammen- hänge zwischen Erregerstrom und Bremsfluss erzielen.
Der Erregerstrom hängt von der Grösse des Wider- standes zwischen b und dem Quecksilbertropfen 31 ab.
Um die Unterschiede in der Abkühlungsgeschwindigkeit bei laufender und stehender Maschine zu berücksichtigen, wird der Zähler 28 (der im übrigen völlig dem Zähler 6 der Fig. 1 entspricht) mit der
Differentialstrombremse 29 versehen. Sie erhält zwei entgegengesetzt geschaltete Wicklungen, deren
Wirkung sich aufhebt, solange der Schalter 30 geschlossen bleibt. Wird der Schalter geöffnet, so bleibt nur eine der beiden Wicklungen an Spannung und es tritt ein zusätzliches Bremsmoment auf, dessen
Grösse die Drehzahl des Zählers 28 im selben Verhältnis reduziert, wie die Kühlwirkung bei stehender
Maschine zurückgeht. Bei der angegebenen Schaltung sind keine Hilfskontakt erforderlich, sie kann auch bei Transformatoren mit künstlicher Kühlung Verwendung finden.
Die Leitungen der Differential- strombremse sind dann nicht an die zu schützende Maschine, sondern an den Hilfsmotor anzuschliessen, der die zusätzliche Kühlung bewirkt. Statt dieser Anordnung kann auch eine einfache Strombremse treten, die vom Hauptschalter 30 mittels Hilfskontakt an die Hilfswechselstromquelle 32 angeschlossen wird. An Stelle des Hilfskontaktes kann ein Relais Verwendung finden, welches an die Klemmen von 20 angeschlossen wird, da der Spannungszustand der Klemmen (auch bei Generatoren) ein Kriterium dafür bildet, ob die Maschine läuft oder steht.
Das Steuerorgan in Fig. 2 ist folgendermassen ausgebildet : Die Kreuzwelle 26 trägt ein Glasringrohr 33, in welches zahlreiche Kontakte eingeschmolzen sind. Zwischen je zwei eingeschmolzenen Kontakten sind justierbare Widerstände angeordnet, welche gleichfalls von der Achse 26 getragen werden.
Das Glasrohr 33 ist luftleer oder mit neutralem Gas gefüllt und enthält ausserdem den Quecksilbertropfen 31 und einen durchlaufenden Kontaktdraht 34. Je nach der Stellung der Kreuzwelle wird der zwischen a und 31 befindliche Widerstand ebenso verändert, wie der Widerstand in Fig. 1 zwischen den Punkten a und 4. Zwecks Erzielung feinerer Abstufung können die Kontaktenden im Glasrohr mittels eines Widerstandsdrahtes verbunden sein. An Stelle des Ringrohres kann ein Spiralrohr mit einem Sehaltwinkel grösser als 3600 treten. Die Zuführungen zu den Kontaktpunkten a, bund c auf der Welle 26 können mittels Schleifringen oder mittels Federn (wie bei Instrumenten) erfolgen, deren Drehmoment in jeder
Stellung zusammen 0 ergibt.
Mit der in Fig. 1 dargestellten Anordnung wird die auf der Maschine befindliche Wärmemenge exakt ermittelt, wobei jedoch Wärmestauung bei Stossbelastung ausgenommen ist. Ist die Wärmekapazität der Maschine bekannt und ebenso die Wärmeverteilung in der Maschine, so kann exakt auf die maximale Übertemperatur geschlossen werden. Dies ist insbesondere bei nichtelektrischen Kraftmaschinen der Fall, bei welchen Überlastungen keine Wärmestauungen verursachen.
Bei elektrischen Maschinen wird der grösste Teil der Verlustenergie im Wickelkupfer erzeugt und ruft dort bei Überlastungen eine Wärmestauung hervor, ehe die Wärme sich auf die ganze Maschine gleichmässig aufzuteilen vermag. Beträgt die auf der Maschine befindliche Wärmemenge nach dauerndem Vollastbetrieb Wdv ; so kann durch Multiplikation dieses Wertes mit den Faktoren c Pv die Übertemperatur des Wickelkupfers errechnet werden, welche nicht über 50 C betragen soll. Im Faktor c sind Umrechnungskoeffizienten und Wärmekapazität berücksichtigt, im Faktor p die Wärmeverteilung.
Dieser Faktor p steigt nun, wenn dieselbe Übertemperatur des Wiekelkupfers durch Überlasung der kalten Maschine erzielt werden soll, mit der Grösse der Überlastung rasch an, u. zw. erst mit der zweiten Potenz der Last, dann mit immer höheren Potenzen. In den meisten Fällen ist die Grösse der möglichen Überlastung bekannt, insbesondere wenn Maximalrelais vorhanden sind. Dann gilt ein bestimmter Faktor Pm. r.
Das Relais darf hiefür nicht auf eine Wärmemenge Wd, sondern muss auf eine Wärmemenge WMKMax = = W v*-eingestellt werden. Durch diese Einstellung wird bewirkt, dass das Relais bei Auftreten Pt ; icix des maximal zulässigen Überstromes richtig arbeitet und bei kleineren Stromwerten vorzeitig den Temperaturendwert anzeigt, welchen die Maschine bei unveränderter Last später wirklich annimmt. Die Anzeige eines höheren als dieses Endwertes ist ebenso ausgeschlossen, als die Anzeige einer zu niedrigen Temperatur des Wickelkupfers. Es ist daher möglich, auf eine beliebige maximale Wärmemenge einzustellen, ohne den Endwert der Temperatur zu fälschen.
Dies ist bei den bekannten thermischen Abbildern unmöglich und der Grund, weshalb sie sich nicht einstellen lassen.
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Meistens wird diese Art der Einstellung bei elektrischen Maschinen entsprechen. In manchen Fällen (Spitzendeckungsmaschinen, Kabeln usw. ) ist die restlose Ausnutzung der Wärmekapazität erwünscht, besonders dann, wenn bei Überlastung durch das Relais eine Abschaltung vorgenommen wird.
Eine Einrichtung, die auch den äussersten Anforderungen entspricht, ist in Fig. 3 dargestellt.
Der zu schützende Einphasentransformator 50 wird durch ein Doppelrelais kontrolliert, welches aus zwei Relais mit Aufbau nach Fig. 1 besteht. Seine Wirkungsweise erklärt sich aus folgender Überlegung : Die Wärme, welche durch die Kupferverluste entwickelt wird, entsteht nur im Wickelkupfer, also in relativ kleinem Raum. Die grosse Wärmeleitfähigkeit des Kupfers bewirkt eine rasche Ableitung der entwickelten Wärme an die Oberfläche, wo der Wärmestrom vom Isoliermaterial weitergeleitet werden muss. Die Wärmeleitfähigkeit des Isoliermaterials beträgt nur einen kleinen Bruchteil von der des Kupfers, was zur Ausbildung eines Temperatursprunges an der Oberfläche des Kupfers führt. Dieser Temperatursprung ist bei Überlastungen von besonderer Bedeutung, weil sich seine Grösse mit der Last sehr rasch ändert.
Sein Aufbau erfolgt auf dem Niveau, welches durch die maximale Übertemperatur des Eisens und des Öles gegeben ist, die sich mit dem beschriebenen Relais (Fig. 3, Teil A) ermitteln lässt.
Die jeweilige Grösse des Temperatursprunges an der Oberfläche des Kupfers wird aber streng nach derselben Methode ermittelt, die für die Durchschnittsübertemperatur des ganzen Transformators entwickelt wurde, da die Wärmeverteilung im Kupfer als gleichmässig angenommen werden kann und die Übertemperatur wiederum nur von der Differenz der dem Kupfer zu-und abgeführten Wärme bzw. der Wärmekapazität des Wieklungsteiles abhängt. Dementsprechend wird die Grösse dieses Temperatursprunges in einem Relais kontrolliert, dessen Aufbau (Fig. 3, Teil B) nur durch Weglassen des Zählergliedes für die Eisenverluste von Teil A verschieden ist. In dem verbleibenden Zählerglied für die Kupferverluste werden die Werte des wärmeren Wicklungsteiles, also zumeist der Unterspannungswicklung, berücksichtigt.
Allgemein betrachtet wird ein einwandfreier Schutz elektrischer Maschinen gegen schädliche Überlast erzielt, indem für einen oder mehrere Wärmeflüsse, deren Gesamtgefälle in der Maschine ein Maximum annehmen kann, für jene Stellen Relais nach obigen Prinzipien angeordnet werden, deren Temperaturgefälle pro Längeneinheit des Wärmeflusses sich ändert, und sich dabei nicht von einem zur Kontrolle eines Temperatursprunges ohnedies vorhandenen Relais mitberücksichtigen lässt. Letzteres ist z. B. für das Temperaturgefälle im Öl der Fall, welches einfach bei der Auslegung des Relais für den Temperatursprung an der Oberfläche des Transformatorkessels mitberücksichtigt wird, derart, dass vom Relais nicht die niedrigste, sondern die höchste Ölübertemperatur angezeigt wird.
In einem Einphasentransformator, dessen Schutzanordnung in Fig. 3 dargestellt ist, geht je ein Wärmestrom von den beiden Teilen der Wicklung und vom Eisen aus. Die drei Wärmeströme fliessen im Öl ineinander und werden von der Oberfläche des Transformatorkessels an die Raumluft abgeführt.
Eine der beiden Transformatorwicklungen wird entsprechend der Auslegung des Transformators bei Überlastungen stets die höhere Übertemperatur annehmen, weshalb die andere unberücksichtigt bleiben kann. Für die Kupferverluste dieser Wicklung und für deren Masse wird der Relaisteil B in Fig. 3 eingestellt. Da das Eisen im Transformator ein relativ guter Wärmeleiter ist, findet ein rascher Wärmeaustausch zwischen Öl und Eisen statt, es kann daher bei Auslegung des Relaisteils A die Wärmekapazität von Eisen und Öl zusammengezogen werden. Die Auffüllung dieses Wärmespeichers erfolgt durch die Gesamtverluste des Transformators. Im Fall eines Einphasentransformators mit nur einem Wärmefluss, dessen Gefälle Maximalwerte annehmen kann, sind die beiden Anzeigen der Relais si und B zu addieren.
Sind mehrere derartige Flüsse vorhanden, so ist die mechanische oder elektrische (System Telewatt, Ringeisenquotientenmesser usw. ) Summierung für die verschiedenen Gefällstufen jedes einzelnen Wärmeflusses durchzuführen. Dementsprechend wird für einen Drehstromtransformator mit zwei Wicklungen und natürlicher Kühlung ohne herausgeführten Nullpunkt bei asymmetrischer Belastung ein zwei-oder dreiphasiges Relais vorzusehen sein, welches die Gesamtverluste des Transformator misst und für die Wärmekapazität von Eisen und Öl eingestellt wird. Links und rechts von diesem werden je ein Relais mit der Schaltung nach Fig. 3, Teil B, angeordnet, deren Kreuzwellen bei Belastung sich in der dem Mittelrelais entgegengesetzten Sinn drehen und deren Einstellung entsprechend den Kupferverlusten und der Wärmekapazität zweier Phasen des wärmeren Wicklungsteiles erfolgt.
Bei Mehrwieldungstransformatoren ist zu berücksichtigen, dass mehrere Wärmeflüsse mit maximalen Werten des Gefälles auftreten können, doch lässt sich dieser Fall durch vereinfachende Annahmen meist auf den eines Zweiwieldungstransformators zurückführen. In Spezialfällen können Eisen und Öl getrennte Relais erhalten. Die Durchsehnittstemperatur des Öles kann auch durch ein Thermometer ermittelt werden, welches dann in Fig. 3, Teil A, vertritt und mit Teil B entsprechend kombiniert wird.
In Fig. 3 verdreht der Teil A bei Belastung den Temperaturzeiger 53 (der mit Hilfskontakt versehen ist) durch die Kreuzwelle 51 über die strichpunktierte Welle im Sinne des Uhrzeigers. Der Teil B verdreht bei Belastung die Skala 54 (mit Hilfskontakt) entgegen dem Uhrzeigersinn mittels der Kreuzwelle 52. Der Teil B besitzt genau denselben Aufbau wie der Teil A, jedoch ganz andere Konstanten und es fehlt beim Zähler 55 der E2-Trieb. Wird die Übertemperatur zu gross. so werden die Kontaktteile
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kann die Relaisstellung ferniibertragen werden, ohne die Funktion des Relais zu stören.
In Fig. 3 wird der Teil B den Temperatursprung an der Oberfläche des Kupfers erfassen. Seine charakteristischen Daten sind daher : Zugeführte Energie = Kupferverluste, Wärmespeicher == Kupfer- masse. Der Teil A erfasst den verbleibenden Temperatursprung. Seine Daten sind daher : Zugeführte
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Die Zeitkonstanten der beiden Relaisteile sind entsprechend diesen Daten sehr verschieden. Die jeweilige Summe der Temperatursprünge ergibt aber stets die gesamte Übertemperatur.
Entsprechend der Schaltung des unteren Relaisteiles B wird angenommen, dass die Grösse der
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Wicklung und Umgebung abhängig ist. Will man auch dem Niveau, auf welchem sich dieser Ausgleich abspielt, Rechnung tragen, so muss Zähler 60 eine zusätzliche Strombremse erhalten, welche ebenso an die Kontaktpunkte a und b des Steuerwiderstandes 59 angeschlossen ist, wie dies in Fig. 2 mit Strombremse 25 dargestellt ist, so dass eine Beeinflussung des Zählers 60 von der Durchschnittsübertemperatur erfolgt. Die Grösse des Bremsmomentes und die Art des Anschlusses der Bremse an den Steuerwiderstand müssen dem erwähnten Zweck entsprechen.
Die Funktion des Relais ergibt sich aus dem Vorstehenden. Bei Vollast und einer zugelassenen Übertemperatur von 50 C beträgt die Übertemperatur der Wicklung gegenüber ihrer Umgebung (Öl, Eisen) zirka 10-15 C, der Rest verteilt sich auf den übrigen Transformator. Die Unterteilung des Relais ermöglicht eine besonders genau abgestufte Einstellung, da der Relaisteil A Übertemperaturen anzeigt, die für längere Zeit, der Relaisteil B dagegen Übertemperaturen anzeigt, die ganz kurzzeitig auftreten.
Bei dem beschriebenen Relais kann die Überlastbarkeit der geschützten Maschine bis aufs Äusserste ausgenutzt werden, ohne dass die Wicklung gefährdet wird.
An Stelle des mehrfach erwähnten EI-Triebes kann auch ein Frequenzwerk treten, dessen Drehzahl dem J2-Trieb überlagert wird. Die beschriebenen Relais können auch zum selbsttätigen Einschalten parallel arbeitender Maschinen angewendet werden. Zu diesem Zweck erhält jede Maschine ein Temperaturrelais. Ist nur ein Teil der Maschinen in Betrieb und spricht eines der Relais an, so wird über eine allen Temperaturrelais gemeinsame Leitung das Anlassrelais der nächsten, noch nicht in Betrieb befindliehen Maschine Ma ; eingeschaltet. Beim Parallelschalten der Maschine Mx zum Netz veranlasst ein Olschalterkontakt, dass das Anlassrelais Ax ausgeschaltet und das Anlassrelais der nächsten Maschine A, r+l zur Disposition gestellt wird.
Die Einschaltung kann auch von den Überlastrelais mittels eines allen gemeinsamen Linienwählers vorgenommen werden, welcher eine der noch,. freien'' Maschinen zum Anlaufen bringt.
Das Abschalten erfolgt mittels eines Relais, das wie bei Fig. l ausgebildet ist. Es kontrolliert aber die Summenleistung sämtlicher Maschinen und hat statt des Hilfskontaktes einen Gleitkontakt, der mehrere Segmente der Reihe nach berührt. An die Segmente sind die Selbsthaltekontakte der Anlassrelais angeschlossen, die der Reihe nach zu-und abgeschaltet werden. Tritt ein Anlassvorgang ein, so wird das Abschaltrelais mittels separaten Zeitrelais für eine bestimmte Zeit ausser Funktion gesetzt.
Bei den beschriebenen Relais kann der Einfluss der Reibung (Lager, Kontakte usw. ) mittels derselben Verfahren ausgeglichen werden, wie dies bei Zählern geschieht.
Teil B des in Fig. 3 dargestellten Relais lässt sich als selbständiges Maximalrelais verwenden und weist auch bei dieser Bestimmung gegenüber den gebräuchlichen Ausführungen grosse Vorzüge auf.
Bei dieser Verwendungsart kann auch eine kombinierte Momentauslösung vorgesehen sein.
Die Messung der Verluste kann bei Transformatoren auch mittels einer Zählereinrichtung erfolgen, die nach Art von Differentialrelais geschaltet ist, oder bei welcher die volle transformierte Energie von der zugeführten laufend abgezogen wird. Diese Schaltungen ergeben jedoch ungenauere Messresultate als die vorstehend verwendete.
In manchen Fällen wird bei dem beschriebenen Apparat der Signalkontakt wegbleiben können.
Er findet dann als reines Temperaturkontrollgerät Verwendung.
**WARNUNG** Ende DESC Feld kannt Anfang CLMS uberlappen**.