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Verfahren zur Herstellung von Kunststeinen aus Kalk.
Es ist allgemein bekannt, dass von Kalkhydraten ein absolut reinweisser Kunststein deshalb nicht herzustellen ist, weil der zum Brennen verwendete Kalkstein (auch reiner Marmor) Einschlüsse, wie Lehm, Ton, Quarz oder Eisenoxyde usw., enthalt, welche beim Brennen eine blaue, gelbe, rote oder sonstige Farbe bekommen. Wenn diese Mineralien auch noch so fein vermahlen sind, verunreinigen sie doch den weissen Kalk. Ferner werden zum Mahlen des Kalkes Kugelmühlen verwendet, von denen immer einige Stahl-und Eisensplitter in das Mahlgut übergehen, was eine weitere Verunreinigung des Kalkes hervorruft.
Wenn der Kalk mit wenig Wasser hydratisiert wird, muss das mit Hilfe desselben hergestellte Gemenge oft wochenlang abgelagert werden, ehe man daraus Platten pressen kann. Da ferner bei Verwendung eines durch wenig Wasserzusatz hydratisierten Kalkes der Farbstoff immer nur im trockenen Zustande beigemischt werden kann, ist es unmöglich, eine gleichmässige Färbung der erzeugten Steine zu erreichen. Durch derartiges Hydratisieren des Kalkes ist es selbst bei langwierigem Mahlen und Sieben desselben niemals möglich, eine Mahlfeinheit von 8000 Maschen pro Quadratzentimeter zu erreichen.
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absolut reinweisser künstlicher Steine sowie vollständig gleichfarbiger Sorten zu ermöglichen.
Die Erfindung besteht zunächst darin, den Kalk zwecks Erzeugung von Kunststeinen nicht mit einer beschränkten Wassermenge zu hydratisieren, sondern ihn mit viel Wasser, etwa der dreifachen Menge, zu löschen, sodann vorzugsweise noch im warmen Zustande mit etwa der zehnfachen Wassermenge zu verdünnen und hierauf solange zu schlämmen, bis die Aufschlämmung durch ein 8000-Maschen-Sieb durchläuft. Die spezifisch schwereren Verunreinigungen des Kalkes, wie Quarz, Eisen usw., bleiben hiebei zurück, und nur die reinen Kalkteilchen fliessen mit dem Wasser durch das Sieb ab. Der gelöscht Kalk wird samt dem Wasser in einem Behälter gesammelt, wo sich innerhalb einiger Tage ein Teil des Wassers absondert.
Nach Ablassen des Wassers bleibt der reine Kalk mit 70-80% Wasser imBehälter zurück.
Zu diesem Kalkbrei werden Zuschlags-oder Füllmittel und gegebenenfalls Farbstoffe zugesetzt. Aus dieser Masse können dann in bekannter Weise in Formen Steine gepresst werden.
Soll aber die Feinheit der Mischung noch erhöht werden, so erfolgt dies dadurch, dass man das Wasser in der Masse zum plötzlichen Verdampfen bringt. Zu diesem Behufe wird das Gemisch mit einem Wassergehalt von etwa 60 bis 70% auf eine stark erhitzte Unterlage (Platte) aufgegossen. Das sowohl im Kalk als auch in den Zuschlagstoffen (einschliesslich Farbstoffe) befindliche Wasser wird hiebei plötzlich in Dampf verwandelt ; der im Innern der einzelnen Teilchen sich entwickelnde Dampf zerreisst diese noch in mehrere Bruchstücke, wodurch insbesondere der Kalk, aber auch die Zuschlagstoffe noch feiner zerteilt werden.
Um eine gleichmässige Masse zu erreichen, geht das so vorbereitete trockene Gemisch noch durch eine einfache Mühle und wird sodann je nach Bedarf mit 5-50% Wasser angerührt und durch Pressen oder Giessen geformt. Die so hergestellten Steine erhärten auf bekannte Weise durch Anziehen von Kohlensäure aus der Luft, doch kann erstere auch künstlich zugeführt werden. Die Erhärtung setzt sofort nach dem Pressen ein und nimmt an der Luft täglich mehr und mehr zu, so dass nach etwa 28 Tagen eine Druckfestigkeit von 600 bis 1200 kg pro Quadratzentimeter erreicht wird. Es werden auf diese Art Steine von hoher Festigkeit und feinem Korn gewonnen.
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Das auf die beschriebene Art aufbereitete Gemisch ist von einer Feinheit, wie sie durch keinen mechanischen Apparat zu erzielen ist. Mikroskopische Messungen haben ergeben, dass derart zerkleinerte Kalkteilchen ein Fünfhundertstel der Grösse der Teilchen von bloss gemahlenem und hydratisiertem Kalk besitzen. Bei mikroskopischer Untersuchung des Fertigproduktes zeigt sich, dass die feinen Kalkteilchen den Zuschlagstoff umhüllen, wodurch eine vollständige Verbindung erreicht wird, wogegen bei aus Kalkhydrat auf dem Trockenweg hergestellten Steinen der Zuschlagstoff neben den Kalkteilchen ganz frei liegt, also nicht von Kalkteilchen umhüllt ist, da das hydratisierte Kalkteilchen dieselbe Grösse besitzt wie die Teilchen des Zuschlagstoffes, so dass die beiden Stoffe ohne eine innige Vermischung nebeneinanderliegen.
Durch die vorliegende Aufbereitung des Kalkes war es möglich, von einer Kalksorte, die sonst stark volumenunbeständige Formlinge ergab und stark mit Eisen verunreinigt war, eine dünne, bis 2 mm. starke, reinweisse Platte von sehr grosser Härte, mit Wasserundurchlässigkeit, vollständig volumenbeständig, herzustellen. Eine Erprobung der Isolierfähigkeit des Materials gegen elektrischen Strom ergab, dass es nur bei 50. 000 Volt Spannung durchzuschlagen war, wobei es sich nur auf 21 C erwärmte.
PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Verfahren zur Herstellung von Kunststeinen aus Kalk, dadurch gekennzeichnet, dass mit einer grossen Wassermenge gelöschter Kalk, vorzugsweise noch in warmem Zustande mit viel Wasser verdünnt und von den Unreinigkeiten durch Schlämmen und Durchtretenlassen durch Siebe befreit wird, worauf nach Zusatz von Zuschlagstoffen und allenfalls von Farbstoffen in an sich bekannterweise das Gemisch durch Giessen oder Pressen verformt und durch Kohlensäure gehärtet wird.