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Verfahren zur Herstellung eines Heilmittels aus den Beeren der Eberesche.
Die Verwendung der Beeren der Eberesche als Heilmittel ist schon bekannt und ist beispielsweise in Haagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis Band II, 1902, Seite 909, erwähnt. Nach dieser Veröffentlichung wird ein aus den Beeren dargestelltes Fluidextrakt in Gaben bis zu einem Esslöffel als mildes Abführmittel empfohlen.
Gegenstand der Erfindung bildet nun ein Verfahren zur Herstellung eines Heilmittels gegen infekti- öse Erkrankungen, welches aus einem Pulver besteht, das aus gedörrten Beeren der Eberesche oder des Vogelbeerbaumes (Sorbus aucuparia L) gewonnen werden kann.
Es wurde gefunden, dass die Beeren der Eberesche einen Bestandteil enthalten, der bei einer grossen Anzahl von Erkrankungen entzündlicher Natur, wie Darmkatarrhen, Bronchitis, Lungenentzündung, Tuberkulose, Furunkulose od. dgl. die besten Heilerfolg zeitigt. Die Ursache, warum die Heilkraft dieser Beere trotz der allgemeinen Verbreitung der Pflanze bisher unbekannt geblieben ist, kann darin erblickt werden, dass die Beere für die Allgemeinheit nicht konsumfähig ist, da die frischen Beeren nicht immer erhältlich sein können, gedörrte Beeren aber so hart sind, dass ein Zerkauen derselben in der Regel nicht möglich ist.
Ein Pulverisieren der gedörrten Beeren war bisher nicht möglich, weil sie der Zerkleinerung einen ganz ausserordentlichen Widerstand entgegensetzten, so dass vielfach die Meinung verbreitet ist, dass die getrockneten Beeren, die auch als beliebtes Kaffeesurogat bekannt sind, wohl verbrannt, aber nicht gemahlen werden können.
Gemäss vorliegender Erfindung erfolgt die Bereitung des Pulvers in der nachstehend beschriebenen Weise : Die möglichst gut gereiften Beeren werden abgepflückt und im Luftzug in möglichst dünner Schichtung so weit trocknen gelassen, dass sie in grösseren Mengen an die Verarbeitungsstellen transportiert werden können, ohne dass sie zerquetscht werden und in Gährung übergehen. Der erforderliche Grad von Trockenheit wird allerdings erst in zwei, drei Monaten erreicht, weil zur Zeit der vollständigen Reife die Tage schon kurz und die Temperaturen niedrig sind. Die auf solche Weise getrockneten Beeren werden nun mit einer Zerkleinerungsvorrichtung beliebiger Art so weit zerkleinert, dass die Zellulosehülle der Beeren aufgerissen wird. Darauf erfolgt dann die Volldörrung auf Trockenherden oder in beliebigen Trockenvorrichtungen unter Anwendung künstlicher Wärme.
Hiebei erweist sich eine Temperatur von 70 bis 80 C als zweckmässig und es ist darauf zu achten, dass das Material nicht verkohlt. Eine leichte Bräunung schadet nicht. Die Dauer des Dörrvorganges lässt sich nicht eindeutig angeben und kann bloss durch die Erfahrung festgestellt werden, da keinerlei äusserliche Zeichen erkennen lassen, ob die Dörrung eine vollständige ist oder nicht. Beeren, die nicht vollständig durchgedörrt sind, lassen sich nicht fein vermahlen und auch die vollständig durchgedörrten Beeren können bloss bei einer Temperatur von höchstens 10 C fein vermahlen werden und auch da bleiben sie kaum länger als 3-4 Stunden mahlfähig, wenn sie . nach vollständiger Abkühlung auf Vermahlungstemperatur dem freien Zutritt der kalten Luft ausgesetzt bleiben, während die Mahlfähigkeit bei Luftabschluss später aufhört.
Zu der ersten Grundbedingung für die Vermahlbarkeit des Materials, der vollständigen Durchdörrung, gesellt sich also noch eine zweite Bedingung, die niedrige Temperatur, unter der die Vermahlung überhaupt erst möglich wird, und welche 10 C nicht übersehreiten darf. Es ist unter ganz besonderen Umständen noch möglich, eine Vermahlung bei 120 C durchzuführen, doch müsste in diesem Falle die Vermahlung in wenigen Minuten erfolgt sein, was aus praktischen Gründen schwer möglich ist. In der Regel wird es notwendig sein, das Mahlgut auf eine Temperatur unter 50 C abzukühlen, da erst bei dieser
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nichts nützt.
Eine leichte Erwärmung schadet nichts, jedoch muss insbesondere dann, wenn das Material beginnt, seine Mahlfähigkeit zu verlieren, jede Erwärmung vermieden werden, da sonst die Mühle verklebt wird und nicht mehr im Gang erhalten werden kann.
Das so erhaltene Pulver wird entweder als solches gegeben, u. zw. eineinhalbstündig ein gehäufter Kaffeelöffel voll beispielsweise bei Ruhr oder andern mit Fieber verbundenen Erkrankungen. In schweren Fällen, besonders bei Influenza und Grippe kann auch eine grössere Dosis gegeben werden. Da Schwerkranke das Mittel in Pulverform schwer nehmen können, kann das Medikament in diesem Falle wie folgt bereitet werden :
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und abkühlen gelassen, bis sich die Flüssigkeit klärt. Diese kann dann vom Bodensatz getrennt, mit Syrup vermengt und mit Pfefferminzwasser versetzt werden. Von dieser Abkochung kann dann eine Menge von stündlich wenigstens 1-2 Esslöffeln voll eingenommen werden.
PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Verfahren zur Herstellung eines Heilmittels aus den Beeren der Eberesche (Vogelbeerbaum, Sorbus aucuparia L), dadurch gekennzeichnet, dass diese Beeren getrocknet, gedörrt und pulverisiert werden.