Vorrichtung zum temporären Speichern und Ausgeben von Wasser
Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum temporären
Speichern und Ausgeben von Wasser, insbesondere in Form von Luftfeuchtigkeit und/oder Niederschlagswasser, umfassend
- wenigstens ein zur reversiblen Absorption von Wasser
geeignetes, komprimierbares Speichermaterial und
- wenigstens eine Tragstruktur, in welche das Speicher
material eingebettet ist.
Die ausreichende Versorgung mit Wasser, insbesondere in Form von Trinkwasser, stellt nicht zuletzt vor dem Hinter grund einer wachsenden Weltbevölkerung und des Klimawandels ein zunehmendes Problem in zahlreichen Regionen der Welt dar. So ist beispielsweise zu befürchten, dass mit global steigenden Temperaturen in vielen ariden oder halbariden Regionen die Niederschlagsmenge weiter abnimmt. Darüber hinaus kommt es zunehmend auch in Gebieten, welche gegen wärtig über im Grunde noch ausreichende Wasservorräte ver fügen, aufgrund steigender Bevölkerungs zahlen, fortschrei tender Industrialisierung oder auch dem Ausbau der land wirtschaftlich genutzten Flächen zu einer ernsthaften Was serknappheit. Erwärmt sich die Erde dabei bis zum Ende des Jahrhunderts um etwa 2°C, so könnte dies dazu führen, dass ein großer Anteil der Weltbevölkerung nicht mehr ausrei chend mit (Trink) wasser versorgt werden kann.
Die Gewinnung von Trink- und Nutzwasser in Regionen mit nicht ausreichenden Grund- und Oberflächenwasserreserven erfolgt gegenwärtig vornehmlich durch Meerwasserentsalzung mittels Umkehrosmose. Die hierfür erforderlichen Anlagen bedürfen allerdings neben hohen Investitionskosten und ei-
BESTATIGUNGSKOPIE
ner dauerhaften Wartung relativ hohen Energiemengen von mehr als 3 kWh pro m3 entsalztem Wasser, was ihren Einsatz auf wenige, eher höherentwickelte Industrieländer ein schränkt .
In vielen Regionen der Erde, wie beispielsweise in Küsten regionen, auf Inseln mit wenigen Regentagen, in Wüsten, Steppen und (Trocken) Savannen besteht ein deutlicher Tempe ratur- und Luftfeuchteunterschied zwischen Tag- und Nacht zeiten, wobei tagsüber sehr hohe Temperaturen bei sehr ge ringer Luftfeuchtigkeit auftreten, während in Nachtzeiten eine deutliche Abkühlung um typischerweise zwischen etwa 15°C bis 30°C stattfindet, was mit einem deutlichen Anstieg der relativen Luftfeuchte einhergeht.
Zum Auffangen von Luftfeuchtigkeit sind in der Praxis soge nannte Nebelfänger bekannt, welche durch Kondensation der Luftfeuchte an Textiloberflächen eine direkte Gewinnung von Wasser aus der Atmosphäre ermöglichen. Die hierdurch er hältlichen Wassermengen sind allerdings sehr begrenzt, wo bei für die Gewinnung von Wasser Luftfeuchtigkeiten von na hezu 100% erforderlich sind. Zudem gestaltet sich die Samm lung des Kondensates aufgrund des schlechten AbtropfVerhal tens der eingesetzten Textilien als aufwändig und wenig er giebig. Eine Vorrichtung zur Gewinnung von Wasser aus einem Aerosol, wie insbesondere Nebel, mittels eines textilen Ab scheideelementes zum Abscheiden der in dem Aerosol enthal tenen Flüssigkeit ist beispielsweise aus der DE 10 2008 042 069 Al bekannt, wobei das Abscheideelement aus einer drei dimensionalen Textilstruktur gebildet ist.
Darüber hinaus sind Vorrichtungen zur Gewinnung von Wasser aus Luftfeuchtigkeit bekannt, welche ein Austreiben des
mittels eines Sorptionsmittels gespeicherten, abgeschiede nen Wassers über den Zwischenschritt der Gasphase aus dem Sorptionsmittel vorsehen (DE 10 2004 026 334 Al, DE 44 30 901 CI, DE 101 07 981 Al) . Indes erweist sich dies sowohl in konstruktiver Hinsicht als aufwändig und teuer und er fordert zudem einen erheblichen verfahrenstechnischen Auf wand, weshalb sich derartige Vorrichtungen in der Praxis bislang nicht durchsetzen konnten.
Die JP 06-322798 A beschreibt eine geschlossene Vorrichtung zur Gewinnung von Wasser durch Aufnahme von Luftfeuchtig keit an einem Sorptionsmittel in Form eines polymeren Hyd rogels, wobei das Hydrogel die Eigenschaft besitzt, bis zu einer bestimmten Schalttemperatur Feuchtigkeit aufzunehmen und ab Erreichen dieser Schalttemperatur Wasser in konden sierter Form abzugeben.
Schließlich ist der DE 10 2010 047 788 B4 eine Vorrichtung zur Gewinnung von Trinkwasser durch Aufnahme von Luftfeuch tigkeit aus Umgebungsluft zu entnehmen, welche ein auf bzw. in einem Trägersubstrat immobilisiertes Sorptionsmittel enthält. Während es sich bei dem Trägersubstrat um ein tex tiles Gewebe oder ein Vlies handelt, ist als Sorptionsmit tel ein polymeres Hydrogel vorgesehen. Die Wasserabgabe des Hydrogels ist durch eine Änderung der Umgebungstemperatur schaltbar, wobei die Wasserabgabe aus dem Hydrogel nach Er reichen bzw. Überschreiten einer Schalttemperatur des Hyd rogels in kondensierter Form erfolgt und das Trägersubstrat eine abgedunkelte, insbesondere schwarze, Oberfläche auf weist, um das Hydrogel unter Sonneneinstrahlung zu erwär men. Die bekannte Vorrichtung besitzt einen einfachen Auf bau und ermöglicht insbesondere aufgrund der Schalteigen schaften des Hydrogels eine Gewinnung von Wasser in relativ
großen Mengen, ohne dass hierzu externe Energie zugeführt werden muss.
Hiervon ausgehend, liegt der Erfindung die Aufgabe zugrun¬ de, eine Vorrichtung zum temporären Speichern und Ausgeben von Wasser der eingangs genannten Art auf einfache und kos¬ tengünstige Weise dahingehend weiterzubilden, dass sie ohne die Notwendigkeit einer Energiezufuhr ein gegenüber dem Stand der Technik erhöhtes Speicher- und insbesondere Aus gabevermögen an Wasser aufweist.
Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe bei einer Vorrichtung der eingangs genannten Art dadurch gelöst, dass die Trag struktur wenigstens ein Zweiwege-Formgedächtnispolymer ent hält oder gänzlich hieraus gebildet ist, wobei das wenigs tens eine Zweiwege-Formgedächtnispolymer der Tragstruktur zumindest zwischen
- einer ersten Form, in welcher die Tragstruktur das
Speichermaterial im Wesentlichen drucklos aufnimmt, und
- einer zweiten Form, in welcher die Tragstruktur das
Speichermaterial komprimiert, um hieran absorbiertes Wasser aus dem Speichermaterial auszupressen,
reversibel hin und her schaltbar ist, wobei das wenigstens eine Zweiwege-Formgedächtnispolymer zumindest
- eine erste Schalttemperatur, in welcher es aus seiner
ersten Form in die zweite Form überführt wird, und
- eine gegenüber der ersten Schalttemperatur geringere,
zweite Schalttemperatur, in welcher es aus seiner
zweiten Form in die erste Form überführt wird,
aufweist .
Bei Formgedächtnispolymeren handelt es sich um Polymere, welche üblicherweise aus wenigstens zwei Polymerkomponenten
oder insbesondere aus einer Polymerkomponente mit verschie denen Segmenten bestehen. Dabei handelt es sich einerseits um "harte" Segmente, welche auch als Netzpunkte fungieren. Andererseits handelt es sich um "weiche" Segmente, welche die Netzpunkte miteinander verbinden und auch als Schalt segmente bezeichnet werden und bei erhöhten Temperaturen amorph bzw. elastisch sind, während sie bei niedrigeren Temperaturen starr sind (sie liegen in diesem Fall in teil kristalliner oder verglaster Form vor) . Derartige Polymere lassen sich hinsichtlich ihrer Formgebung programmieren, indem sie auf eine Temperatur erwärmt werden, welche we nigstens der sogenannten Schalttemperatur entspricht, bei welcher der Phasenübergang (Glasübergang bzw. Schmelzüber gang) der Weich- bzw. SchaltSegmente stattfindet. Bei einer solchen Temperatur kann das Polymer dann unter Einwirkung einer Verformungskraft mechanisch verformt werden, wonach es unter Aufrechterhaltung der Verformung auf seine soge nannte Formfixierungstemperatur abgekühlt werden kann, wel che der Kristallisationstemperatur bzw. Glasübergangstempe ratur der Weich- oder SchaltSegmente entspricht und im Be reich der Schalttemperatur liegen kann, aber demgegenüber üblicherweise zumindest etwas geringer ist. Die Weich- bzw. Schaltsegmente liegen dann wieder in teilkristalliner bzw. verglaster Form vor, so dass die Formgebung erhalten bleibt. Diese Formgebung ist indes insoweit nur temporär, als wenn ein solchermaßen "programmiert" mechanisch ver formtes Formgedächtnispolymer auf eine bestimmte Tempera tur, nämlich auf seine Schalttemperatur, erwärmt wird, die weichen Segmente ( Schaltsegmente ) wieder in ihre amorphe Form überführt werden, so dass sie dem durch die harte Kom ponente (Netzpunkte) induzierte Rückstellkraft nicht mehr entgegenwirken können und das Formgedächtnispolymer wieder seine ursprüngliche Form einnimmt, die mechanische Verfor-
mung also "rückgängig" gemacht wird, ohne dass hierzu eine neuerliche Krafteinwirkung erforderlich wäre. Ferner be steht oft auch die Möglichkeit einer Programmierung durch Kaltverformung, indem die Polymere bei einer Temperatur un¬ terhalb ihrer Schalttemperatur, z.B. bei Umgebungstempera tur, verformt werden können und gegebenenfalls, sofern die Formfixierungstemperatur demgegenüber geringer ist, auf ih re Formfixierungstemperatur abgekühlt werden. Auch in die sem Fall findet insoweit eine nur temporäre Verformung statt, als bei einer abermaligen Erwärmung zumindest auf die Schalttemperatur, um die weichen Segmente (Schaltseg mente) in die amorphe Phase zu überführen und dabei die an lässlich der Kaltverformung induzierten mechanischen Span nungen zu relaxieren, eine Rückverformung stattfindet, ohne erneut eine Verformungskraft aufbringen zu müssen.
Neben einem solchen Formgedächtnis weisen thermoresponsive Polymere in der Regel auch ein Temperaturgedächtnis auf. Hierunter wird verstanden, dass bei einem Auslösen des Formgedächtniseffektes die Formrückstellung etwa bei derje nigen Temperatur einsetzt, bei welcher zuvor die mechani sche Verformung in das Material eingebracht worden ist. Ein derartiges Materialverhalten weisen beispielsweise Polymere mit semikristallinen Netzwerkstrukturen auf, wie thermo plastische Polyurethan-Elastomere (N. Fritzsche, T. Pretsch in Macromolecules 47_, 2014, 5952-5959; N. Mirtschin, T.
Pretsch in RSC Advances 5, 2015, 46307-46315) .
Darüber hinaus sind Polymere mit Formgedächtniseigenschaf ten bekannt, welche Zweiwege-Formgedächtniseigenschaften aufweisen und folglich thermoreversibel geschaltet werden können, wobei die SchaltSegmente solcher Zweiwege-Form- gedächtnispolymere beim Übergang zwischen ihrem vornehmlich
kristallinen Zustand und ihrem vornehmlich amorphem Zustand eine Formänderung derart erfahren, dass sie einerseits mit tels Abkühlen des Polymers unter die Kristallisationstempe ratur, welche im Rahmen der vorliegenden Offenbarung als "zweite Schalttemperatur" bezeichnet wird, andererseits mittels Erwärmen des Polymers in den Schalttemperaturbe reich, welcher im Rahmen der vorliegenden Offenbarung als "erste Schalttemperatur" bezeichnet wird, reversibel zwi schen ihrer permanenten Form und ihrer temporären Form hin und her geschaltet werden können, d.h. das entsprechend programmierte Polymer verformt sich bei entsprechender Tem peraturführung selbsttätig hin und her. Derartige Polymere sind z.B. aus T. Pretsch, M. Bothe: "Bidirectional actua- tion of a thermoplastic polyurethane elastomer", Journal of Materials Chemistry A, 2_0 (2013), 14.491-14.497 bekannt.
Die Hin- und Herverformung solcher Zweiwege-Formgedächtnis- polymere kann einerseits mehr oder minder rein temperatur induziert vonstatten gehen, ohne dass hierzu Verformungs kräfte aufgebracht werden müssen. Wie weiter unten noch nä her erläutert, sind darüber hinaus Zweiwege-Formgedächtnis- polymere bekannt, welche ihre Zweiwege-Formgedächtniseigen- schaften insbesondere unter Einwirkung einer permanenten mechanischen Vorbelastung, wie infolge eines permanenten Druckes, entfalten, so dass sie unter einer permanenten Spannung stehen, um die Kristallisation der Weichsegmente während der Abkühlung zu begünstigen, wie es beispielsweise aus dem Aufsatz von M. Bothe, T. Pretsch: "Two-Way Shape Changes of a Shape Memory Poly(ester urethane) " in Macro- mol . Chem. Phys . 213 (2012), 213, 2378-2385 bekannt ist.
Die Erfindung sieht nun vor, dass die Tragstruktur wenigs tens ein solches Zweiwege-Formgedächtnispolymer enthält
oder im Wesentlichen gänzlich hieraus gebildet ist, wobei das Zweiwege-Formgedächtnispoly er der Tragstruktur derart programmiert ist, dass es zumindest zwischen
- einer ersten Form, in welcher die Tragstruktur das
Speichermaterial im Wesentlichen drucklos aufnimmt, und
- einer zweiten Form, in welcher die Tragstruktur das
Speichermaterial komprimiert, um hierin absorbiertes Wasser aus dem Speichermaterial auszupressen,
reversibel und insbesondere ohne Aufbringen äußerer Kräfte hin und her schaltbar ist. Das wenigstens eine Formgedächt nispolymer der Tragstruktur besitzt hierbei zumindest
- eine erste Schalttemperatur, in welcher es aus seiner
ersten Form, in welcher die Tragstruktur das Speicher material im Wesentlichen drucklos aufnimmt, in die zweite Form überführt wird, und
- eine gegenüber der ersten Schalttemperatur geringere,
zweite Schalttemperatur, in welcher es aus seiner zweiten Form, in welcher die Tragstruktur das Speichermaterial komprimiert, um hieran absorbiertes Wasser aus dem Spei chermaterial auszupressen, in die erste Form überführt wird .
Auf diese Weise ist in das wenigstens eine Zweiwege-Form gedächtnispolymer der Tragstruktur eine rein temperaturab hängige, reversible Formänderung zwischen seiner ersten Form und seiner zweiten Form einprogrammiert, welche dem in der Tragstruktur aufgenommenen Speichermaterial bei niedri gen Temperaturen (z.B. nachts) unterhalb der zweiten
Schalttemperatur, bei welcher sich das Zweiwege-Formge dächtnispolymer in seiner ersten Form befindet, hinreichend Platz zur Aufnahme von Wasser, wie Niederschlagswasser oder insbesondere Luftfeuchtigkeit, bietet, während bei demge genüber höheren Temperaturen (z.B. tagsüber) oberhalb der ersten Schalttemperatur, bei welcher sich das Zweiwege-
Formgedächtnispolymer in seiner zweiten Form befindet, das in dem Speichermaterial aufgenommene Wasser in wirksamer Weise ausgepresst und folglich die Wasserausbeute erhöht wird.
Das aus der Tragstruktur mit dem wenigstens einen, sich in seiner zweiten Form befindlichen Zweiwege-Formgedächtnis- polymer ausgepresste Wasser kann sodann in als solcher be kannter Weise, beispielsweise mittels in oder an der Trag struktur vorgesehenen Auslässen oder dergleichen, aus der Tragstruktur abgeleitet und aufgefangen und z.B. in ein ge eignetes ( Trink) Wasserreservoir überführt werden. Sobald das wenigstens eine Zweiwege-Formgedächtnispolymer der Tragstruktur dann wieder infolge Unterschreitens der zwei ten Schalttemperatur in seine erste Form überführt worden ist, in welcher die Tragstruktur das Speichermaterial im Wesentlichen drucklos aufnimmt, vermag dieses wieder große Mengen an Niederschlagswasser und/oder Luftfeuchtigkeit aufzunehmen etc. Das Volumenverhältnis des wenigstens einen Zweiwege-Formgedächtnispolymers der Tragstruktur und des hierin eingebetteten Speichermaterials kann zweckmäßiger weise z.B. zwischen bis zu etwa 100:1 und etwa 1:100 betra gen, je nachdem, in welcher - ersten oder zweiten - Form sich das Zweiwege-Formgedächtnispolymer der Tragstruktur gerade befindet.
Die erfindungsgemäße Vorrichtung zum temporären Speichern und Ausgeben von Wasser kann - wie bereits erwähnt - insbe sondere zur energieautarken (Trink) wassergewinnung, aber auch für andere Anwendungsgebiete, wie beispielsweise zur energieautarken Trocknung von Gebäuden oder anderen Ein richtungen, wie industriellen Anlagen, technischen Geräten, Land-, Wasser-, Luft- und Raumfahrzeugen etc., eingesetzt
werden, wobei das Speichermaterial (siehe hierzu auch wei¬ ter unten) an den jeweiligen Verwendungszweck angepasst werden kann. Sie kann in jedem Fall in Form eines mobilen, vorzugsweise tragbaren, Systems oder auch in Form einer stationären Anlage ausgestaltet sein.
Wie bereits angedeutet, kann das wenigstens eine Zweiwege- Formgedächtnispolymer der Tragstruktur im Wesentlichen nicht mechanisch vorbelastet sein, wobei in das wenigstens eine Zweiwege-Formgedächtnispolymer der Tragstruktur eine rein temperaturabhängige und ohne Einwirkung von äußeren Kräften vonstatten gehende, reversible Formänderung zwi schen seiner ersten Form und seiner zweiten Form einpro grammiert ist. Eine solche Ausgestaltung bietet sich insbe sondere für portable Vorrichtungen mit möglichst geringem Gewicht an. Stattdessen kann je nach Art des für die Trag struktur eingesetzten Zweiwege-Formgedächtnispolymers auch vorgesehen sein, dass das wenigstens eine Zweiwege-Form gedächtnispolymer der Tragstruktur mechanisch unter einer permanenten Spannung steht, wobei zur Erzeugung einer sol chen permanenten Spannung insbesondere die Gravitation we nigstens einer auf die Tragstruktur einwirkenden Flächen last dienen kann, so dass die permanente mechanische Vorbe lastung zur Begünstigung des Zweiwege-Formgedächtnis- effektes gleichfalls keinerlei äußere Energiezufuhr erfor dert .
Im Hinblick auf einen in konstruktiver Hinsicht einfachen, aber gleichwohl wirksamen Aufbau der erfindungsgemäßen Vor richtung kann in vorteilhafter Ausgestaltung vorgesehen sein, dass die Tragstruktur aus dem wenigstens einen Zwei wege-Formgedächtnispolymer wenigstens eine Kammer aufweist, in welche das Speichermaterial eingebettet ist, wobei das
Hohlraumvolumen der Kammer in der ersten Form des wenigs tens einen Zweiwege-Formgedächtnispolymers der Tragstruk tur, in welcher die Tragstruktur das Speichermaterial im Wesentlichen drucklos aufnimmt, größer ist als in der zwei ten Form des wenigstens einen Zweiwege-Formgedächtnis- polymers der Tragstruktur, in welcher letztere das Spei chermaterial komprimiert, um hieran absorbiertes Wasser aus dem Speichermaterial auszupressen.
In diesem Fall kann die Tragstruktur aus dem wenigstens ei nen Zweiwege-Formgedächtnispolymer insbesondere eine Mehr zahl an Kammern aufweisen, welche jeweils das Speichermate rial aufnehmen, wobei die Kammern insbesondere miteinander kommunizieren, so dass die die Vorrichtung umgebende Feuch tigkeit infolge Diffusion einfach und schnell in das Spei chermaterial jeder Kammer einzudringen bzw. hieraus ausge presst und abgeführt zu werden vermag. Die Kammer (n) kann bzw. können hierbei grundsätzlich praktisch beliebige For men besitzen, welche zweckmäßigerweise eine Anordnung der Kammern dicht an dicht neben und/oder übereinander erlau ben, wobei die wenigstens eine Kammer im Wesentlichen bei spielsweise zylindrisch, guader- oder wabenförmig sein kann .
Während die Tragstruktur - wie bereits erwähnt - mit ent sprechenden Auslässen ausgebildet sein und im Falle eines mehrere Kammern umfassenden Aufbaus insbesondere auch zwi schen benachbarten Kammern angeordnete Durchlässe aufweisen kann (das wenigstens eine Zweiwege-Formgedächtnispolymer kann in diesem Fall beispielsweise kompakt sein und im We sentlichen plattenförmige Tragelemente umfassen, welche die Wandungen einer jeweiligen Kammer bilden), kann alternativ oder zusätzlich vorzugsweise vorgesehen sein, dass die
Tragstruktur zumindest teilweise offenporig ausgebildet ist, wobei das wenigstens eine Zweiwege-Formgedächtnis- polymer der Tragstruktur insbesondere in Form eines vor¬ nehmlich offenzelligen Schaumstoffes vorliegen kann, wel¬ cher beispielsweise durch den Einsatz von Treibmitteln in dem Zweiwege-Formgedächtnispolymer während dessen Formge bung erzeugt werden kann. Auf diese Weise ist ein sehr großflächiger Stoff- bzw. Wasseraustauch zwischen der Umge bung und dem in der Tragstruktur aufgenommenen Speicherma terial sowie im Falle eines Aufbaus der Tragstruktur mit mehreren Kammern ferner sichergestellt, dass Luftfeuchtig keit einfach und schnell das Speichermaterial aller Kammern eindringen und hieraus ausgepresst werden kann.
Die Tragstruktur aus dem wenigstens einen Zweiwege-Form gedächtnispolymer kann ferner vorzugsweise einen im Wesent lichen sandwichartigen Aufbau besitzen, wobei eine jede La ge eines solchen sandwichartigen Aufbaus beispielsweise ei ne Mehrzahl an Kammern der oben beschriebenen Art umfassen kann, oder eine jede Lage weist eine im Wesentlichen plat tenförmige Erstreckung auf, wobei das Speichermaterial zwi schen solchen etwa plattenförmigen Trageiementen der Trag struktur aufgenommen ist. Die im Wesentlichen plattenförmi gen Tragelemente können wiederum z.B. aus dem wenigstens einen Zweiwege-Formgedächtnispolymer in kompakter Form aus gebildet und mit einer Mehrzahl an zum Stoffaustausch die nenden Durchlässen ausgebildet sein, oder das wenigstens eine Zweiwege-Formgedächtnispolymer kann beispielsweise in Form eines vornehmlich offenporigen Schaumstoffes vorlie gen .
Darüber hinaus ist es insbesondere denkbar, dass die Trag struktur aus dem wenigstens einen Zweiwege-Formgedächtnis-
polymer im Wesentlichen gitter- und/oder netzförmige Trag elemente umfasst, welche einen sehr hohen Stoffaustausch durch die Öffnungen des Gitters oder Netzes hindurch ge¬ währleisten, wobei solche etwa gitter- und/oder netzförmi gen Tragelemente der Tragstruktur wiederum sandwichartig über- und/oder nebeneinander angeordnet sein können, um das Speichermaterial zwischen sich aufzunehmen, oder die etwa gitter- und/oder netzförmigen Tragelemente der Tragstruktur können wiederum beispielsweise eine Mehrzahl an Kammern bilden, welche das Speichermaterial aufnehmen. Das wenigs tens eine Zweiwege-Formgedächtnispolymer der Tragstruktur kann in diesem Fall gleichfalls kompakt oder auch geschäumt sein .
Die erste und zweite Schalttemperatur des wenigstens einen Zweiwege-Formgedächtnispolymers der Tragstruktur lässt sich insbesondere durch entsprechende Auswahl und Kettenlänge seiner SchaltSegmente an den jeweiligen Verwendungszweck anpassen, wobei insbesondere im Falle eines Einsatzes der erfindungsgemäßen Vorrichtung zum temporären Speichern und Ausgeben von Wasser zur (Trink) wassergewinnung in ariden oder halbariden Trockengebieten beispielsweise vorgesehen sein kann, dass
- die erste Schalttemperatur, in welcher das wenigstens
eine Zweiwege-Formgedächtnispolymer der Tragstruktur aus seiner ersten Form, in welcher die Tragstruktur das Speichermaterial im Wesentlichen drucklos aufnimmt, in die zweite Form, in welcher die Tragstruktur das Spei chermaterial komprimiert, um hieran absorbiertes Wasser aus dem Speichermaterial auszupressen, überführt wird, zwischen etwa 10°C und etwa 70°C, insbesondere zwischen etwa 15°C und etwa 60°C, vorzugsweise zwischen etwa
20°C und etwa 50°C, z.B. zwischen etwa 20°C und etwa
40°C, und/oder
- die zweite Schalttemperatur, in welcher das wenigstens eine Zweiwege-Formgedächtnispolymer der Tragstruktur aus seiner zweiten Form in die erste Form überführt wird, zwischen etwa -20°C und etwa 35°C, insbesondere zwischen etwa —10 °C und etwa 30°C, vorzugsweise zwischen etwa 0°C und etwa 25°C, z.B. zwischen etwa 10°C und etwa 20°C, beträgt. Je nach Schmelztemperatur ("erste Schalttempera tur") und Kristallisationstemperatur ("zweite Schalttempe ratur") der Schaltsegmente des wenigstens einen Zweiwege- Formgedächtnispolymers der Tragstruktur, bei welchen der Übergang zwischen einem vornehmlich amorphen und einem vor nehmlich kristallinen Zustand der SchaltSegmente stattfin det, können die erste und zweite Schalttemperatur sehr na he, beispielsweise um etwa 1°C oder wenige °C, auseinander liegen, oder die erste und zweite Schalttemperatur können auch um mehrere °C, z.B. bis zu etwa 30°C oder bis zu etwa 35°C, auseinanderliegen .
Während für die Tragstruktur grundsätzlich beliebige be kannte Zweiwege-Formgedächtnispolymere zum Einsatz gelangen können, deren Schalttemperaturen in einem für den jeweili gen Einsatzzweck der erfindungsgemäßen Vorrichtung zum tem porären Speichern und Ausgeben von Wasser geeigneten Be reich liegen, Verwendung finden können, kann es sich bei dem wenigstens einen Zweiwege-Formgedächtnispolymer der Tragstruktur z.B. vorzugsweise um ein, insbesondere thermo plastisches, Polyurethanelastomer handeln.
Beispiele solcher Zweiwege-Formgedächtnispolymere sind bei spielsweise aus dem Aufsatz von T. Pretsch, M. Bothe :
"Bidirectional actuation of a thermoplastic polyurethane elastomer", Journal of Materials Chemistry A, 2_0 (2013),
14.491-14.497 bekannt, wobei exemplarisch ein thermoplasti sches Polyurethanelastomer mit HartSegmenten bzw. Netzpunk ten auf der Basis von Methylendiphenylisocyanat (MDI) und 1 , 4-Butandiol (kristallin/amorph) und mit Schalt- bzw.
Weichsegmenten auf der Basis von Polybutylen-1, 4-adipat , welches durch Reaktion von 1 , 4-Butandiol mit Adipinsäure erhalten werden kann, erwähnt sei. Wird dieses Polymer erstmalig auf eine Verformungstemperatur von etwa 60 °C er wärmt, so lässt es sich zwecks seiner Programmierung, vor zugsweise mit einer langsamen Verformungsrate von bei spielsweise etwa 1%/s, z.B. mit einer Dehnung von insgesamt bis zu etwa 1000% verformen, woraufhin es auf etwa 0°C ab gekühlt wird, um eine Längenausdehnung des Materials zu er¬ zielen. Wird das Polymer sodann bis in den Schalttempera turbereich ("erste Schalttemperatur") von etwa 30 °C bis 55 °C erwärmt, so werden die SchaltSegmente aufgeschmolzen und von ihrem vornehmlich kristallinen Zustand in ihren vornehmlich amorphen Zustand überführt, so dass das Polymer wieder zurück geschaltet wird bzw. sich zusammenzieht, ohne dass hierzu abermals eine Verformungskraft aufgebracht wer den muss. Wird es anschließend wieder auf seine Kristalli sationstemperatur ("zweite Schalttemperatur") im Bereich von unterhalb etwa 20°C abgekühlt, so kristallisieren die Schaltsegmente erneut und das Polymer wird abermals ge schaltet bzw. verformt, etc.
Beispiele für Zweiwege-Formgedächtnispolymere , deren Zwei- wege-Formgedächtniseigenschaften insbesondere durch Einwir kung einer permanenten Druckbelastung begünstigt werden können, so dass das Zweiwege-Formgedächtnispolymer unter einer permanenten mechanischen Spannung steht, sind bei spielsweise aus dem Aufsatz von M. Bothe, T. Pretsch: "Two- Way Shape Changes of a Shape Memory Poly (ester urethane) "
in Macromol. Chem. Phys . 213 (2012), 213, 2378-2385 be kannt, wobei exemplarisch ein Polyesterurethan mit Weich segmenten aus kristallisierbarem Poly ( 1 , 4 -butylenadipat ) (PBA) erwähnt sei, welches im entsprechend programmierten Zustand Zweiwege-Formgedächtniseigenschaften aufweist, um sich bei Abkühlung unter die Kristallisationstemperatur ("zweite Schalttemperatur" ) auszudehnen und sich bei Erwär mung über den Schalttemperaturbereich ("erste Schalttempe ratur") zusammenzuziehen. Um insbesondere den Übergang zwi schen einem amorphen Zustand des PBA bei hohen Temperaturen in einen kristallinen Zustand des PBA bei tiefen Temperatu ren zu begünstigen und einen sehr hohen Anteil an Kristal- linität des PBA - einhergehend mit einer sehr starken Ver formung - zu erzielen, kann ein solches Zweiwege-Form- gedächtnispolymere mit einer mechanischen Spannung, z.B. im Bereich von etwa 1,5 MPa, beaufschlagt werden. Darüber hin aus sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass durch Va riation einer solchen mechanischen Spannung insbesondere auch die Kristallisationstemperatur ("zweite Schalttempera tur") der Weichsegmente des Zweiwege-Formgedächtnispolymers und hiermit einhergehend deren Schmelztemperatur ("erste Schalttemperatur") gezielt an den jeweiligen Verwendungs zweck der erfindungsgemäßen Vorrichtung bzw. an die örtli chen Gegebenheiten ihres Einsatzortes angepasst werden kann. Ferner kann das wenigstens eine Zweiwege-Formgedächt nispolymer der Tragstruktur beispielsweise auch nur be reichsweise unter einer permanenten mechanischen Spannung stehen, wie z.B. infolge der Gravitation einer nur be reichsweise auf die Tragstruktur einwirkenden Flächenlast.
Gemäß einer vorteilhaften Weiterbildung kann vorgesehen sein, dass das wenigstens eine Zweiwege-Formgedächtnis polymer der Tragstruktur mit einem elektromagnetische
Strahlung im infraroten und/oder ultravioletten Spektrum absorbierenden Medium versetzt und/oder beschichtet ist, so dass es insbesondere bei steigender Außentemperatur
und/oder unter Sonneneinstrahlung schnell erwärmt und in¬ folge Überschreitens der ersten Schalttemperatur des we nigstens einen Zweiwege-Formgedächtnispolymers zuverlässig aus seiner ersten Form in seine zweite Form überführt wer den kann, um das zuvor in dem Speichermaterial aufgenommene Wasser auszupressen. Weitgehend entsprechend der oben zi tierten DE 10 2010 047 788 B4 kann die Tragstruktur zu die sem Zweck im einfachsten Falle beispielsweise mit einer zu mindest außenseitig aufgebrachten Beschichtung oder Lackie rung mit dunkler, vorzugsweise schwarzer, Farbe versehen sein. Alternativ oder zusätzlich ist es vorzugsweise eben falls denkbar, dass dem wenigstens einen Zweiwege- Formgedächtnispolymer der Tragstruktur wenigstens ein, ins besondere pulver- oder partikelförmiges, Additiv mit Infra rot- und/oder UltraviolettStrahlung absorbierenden Eigen schaften zugesetzt ist, wie beispielsweise Füll- und/oder Verstärkungsstoffe auf der Basis von Kohlenstoff, z.B. in Form von Graphit oder expandiertem Graphit, Ruß, Kohlen stoffnanoröhrchen (carbon nano tubes, CNT) , Graphen-Flocken oder dergleichen, Metallen und Metallverbindungen ein schließlich deren Legierungen und Oxiden etc., wobei selbstverständlich auch Kombinationen mehrerer verschiede ner Füllstoffmaterialien verwendet werden können. Darüber hinaus können dem wenigstens einen Polymer mit Zweiwege- Formgedächtniseigenschaften beispielsweise, insbesondere dunkle, Farbstoffe oder Pigmente oder grundsätzlich auch weitere, als solche weitgehend aus dem Stand der Technik bekannte, insbesondere biokompatible und physiologisch un bedenkliche Additive zugesetzt sein, wie Gleitmittel,
Weichmacher, Antioxidantien, UV-Stabilisatoren, Verstär-
kungsstoffe , Flammschutzmittel, Antistatika, Hydrolysesta bilisatoren, Schlagzähmodifikatoren, Biostatika (siehe hierzu auch weiter unten) etc.
Während für das kompressible Speichermaterial der erfin¬ dungsgemäßen Vorrichtung zum temporären Speichern und Aus geben von Wasser grundsätzlich beliebige bekannte, zur re versiblen Aufnahme von Wasser und insbesondere hygroskopi sche Speichermaterialien in Betracht kommen, kann es sich bei dem Speichermaterial vorzugsweise um einen Superabsor ber, insbesondere in Form eines Hydrogels oder Aerogels, handeln. Bei letzteren handelt es sich um hochporöse Fest stoffe mit einem Porenvolumenanteil bis zu etwa 99,99%, be zogen auf das Gesamtvolumen des Aerogels, welches bei spielsweise auf Silicatbasis, aber z.B. auch auf Kunst stoff-, Kohlenstoffbasis oder dergleichen zum Einsatz ge langen kann.
In vorteilhafter Ausgestaltung kann es sich bei dem Spei chermaterial z.B. um ein polymeres Hydrogel, insbesondere auf der Basis von Polyacrylsäure einschließlich deren Ami den, Stärke einschließlich deren Copolymeren, Cellulose einschließlich deren Copolymeren und/oder Baumwolle, han deln .
In diesem Fall kann das Speichermaterial insbesondere eine Volumenphasenübergangstemperatur aufweisen, bei welcher es eine Volumenänderung erfährt, wobei die Volumenphasenüber gangstemperatur insbesondere zwischen etwa 5°C und etwa 50°C, vorzugsweise zwischen etwa 10°C und etwa 45°C, bei spielsweise zwischen etwa 15°C und etwa 40°C oder zwischen etwa 15°C und etwa 35°C, beträgt. Derartige superabsorbie rende Hydrogele weisen quellfähige, vernetzte Strukturen
auf, welche in Gegenwart von Wasser einen Volumenphasen übergang des sogenannten LCST-Typs ("lower critical Soluti on temperature") erfahren, wobei sie mit Wasser unterhalb der kritischen Temperatur ("Volumenphasenübergangstempera tur") Gele bilden, während sie oberhalb der kritischen Tem peratur ( "Volumenphasenübergangstemperatur" ) das Wasser aus der dann hydrophoberen Struktur verdrängen, so dass in Ver bindung mit der erfindungsgemäßen Tragstruktur auf der Ba sis von Zweiwege-Formgedächtnispolymeren ein größtmögliches Wasseraufnahme- und -abgabevermögen der Vorrichtung sicher gestellt werden kann. Beispiele geeigneter polymerer Hydro gele sind der weiter oben zitierten DE 10 2010 047 788 B4 zu entnehmen, welche hiermit explizit zum Gegenstand der vorliegenden Offenbarung gemacht wird.
Darüber hinaus kann bzw. können die Tragstruktur und/oder das Speichermaterial insbesondere - wenngleich nicht aus schließlich - für den Fall, dass die erfindungsgemäße Vor richtung zum temporären Speichern und Ausgeben von Trink wasser vorgesehen ist, mit einer antimikrobiellen Ausrüs tung versehen sein, um eine unerwünschte Keim- oder Pilz- bildung zu vermeiden. Die antimikrobielle Ausrüstung sollte dabei gesundheitlich unbedenklich sein, wobei sie bei spielsweise Füllstoffe, Fasern oder Fäden auf der Basis von Silber und dessen schwer bzw. unlöslichen Salzen umfassen kann. Darüber hinaus können selbstverständlich entsprechen de Filter, beispielsweise in Form von Aktivkohlefiltern, vorgesehen sein, welche in die Auslässe der Tragstruktur eingesetzt sind, um das gewonnene und aus dem Speichermate rial ausgepresste Wasser zu filtern.
Weitere Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung eines Ausführungsbei spiels unter Bezugnahme auf die Zeichnungen. Dabei zeigen:
Fig. 1 eine stark schematisierte Querschnittsansicht
einer Ausführungsform einer erfindungsgemäßen Vorrichtung zum temporären Speichern und Ausgeben von Wasser mit einem zur reversiblen Absorption von Wasser geeigneten, komprimierbaren Speicher material und einer Tragstruktur, in welche das Speichermaterial eingebettet ist, wobei sich das Zweiwege-Formgedächtnispolymer der Tragstruktur in seiner ersten Form befindet, in welcher die Tragstruktur das Speichermaterial im Wesentlichen drucklos aufnimmt; und
Fig. 2 eine der Fig. 1 entsprechende, stark schemati
sierte Querschnittsansicht der Vorrichtung zum temporären Speichern und Ausgeben von Wasser ge mäß Fig. 1, wobei sich das Zweiwege-Formgedächt nispolymer der Tragstruktur in seiner zweiten Form befindet, in welcher die Tragstruktur das Speichermaterial komprimiert, um hieran absor biertes Wasser aus dem Speichermaterial auszu pressen .
In den Fig. 1 und 2 ist jeweils eine schematische Quer schnittsansicht einer Ausführungsform einer insgesamt mit dem Bezugszeichen 1 versehenen Vorrichtung zum temporären Speichern und Ausgeben von Wasser, insbesondere in Form von Luftfeuchtigkeit und/oder Niederschlagswasser, wiedergege ben. Die Vorrichtung 1 umfasst einerseits ein zur reversib len Absorption von Wasser geeignetes, komprimierbares Spei-
chermaterial 2, z.B. in Form eines polymeren Hydrogels, an dererseits eine Tragstruktur 3, in welche das Speichermate rial 2 eingebettet ist. Die Tragstruktur 2 ist aus wenigs tens einem Zweiwege-Formgedächtnispolymer, wie beispiels weise einem solchen der weiter oben beschriebenen Art, ge bildet und umfasst im vorliegenden Fall einen etwa sand wichartigen Aufbau mit einer Mehrzahl an nebeneinander und übereinander angeordneten Kammern 4, in welchen das Spei chermaterial· 2 jeweils eingebettet ist. Die Kammern 4 sind im vorliegenden Fall z.B. im Wesentlichen quaderförmig aus gestaltet und stehen fluidisch miteinander in Verbindung, wobei jeweils benachbarte Kammern 4 beispielsweise über nicht zeichnerisch dargestellte Durchlässe miteinander kom munizieren (das Zweiwege-Formgedächtnispolymer der Trags truktur 2 kann in diesem Fall z.B. kompakt sein), und/oder die Tragstruktur 3 ist offenporig ausgebildet, wobei das Zweiwege-Formgedächtnispolymer der Tragstruktur 3 in Form eines vornehmlich offenzelligen Schaumstoffes vorliegt.
Darüber hinaus können die die Kammern 4 begrenzenden Trag elemente der Tragstruktur 3 z.B. einen etwa gitter- oder netzförmigen Aufbau besitzen, so dass zwischen benachbarten Kammern 4 gleichfalls ein guter Stoffaustausch - oder ge nauer: Feuchtigkeits- bzw. Wasseraustausch - stattfinden kann. Das Zweiwege-Formgedächtnispolymer der Tragstruktur 3 kann ferner mit einem elektromagnetische Strahlung im inf raroten und/oder ultravioletten Spektrum absorbierenden Me dium versetzt und/oder beschichtet sein, wobei es bei spielsweise, insbesondere dunkle, Farbstoffe, Pigmente oder Füllstoffpartikel , z.B. auf der Basis von Kohlenstoff oder Metallen, enthalten kann. Darüber hinaus kann das Zweiwege- Formgedächtnispolymer der Tragstruktur 3 und/oder das Spei chermaterial 2 mit einer antimikrobiellen Ausrüstung verse hen sein, um eine Keim- oder Pilzbildung zu verhindern. Wie
in der Fig. 2 erkennbar, umfasst die Vorrichtung 1 ferner eine unterhalb der Tragstruktur 3 angeordnete Sammelein¬ richtung 5, welche zum Auffangen des ausgegebenen Wassers 6 dient, welches wiederum mittels zumindest an der Unterseite der Tragstruktur 3 vorgesehener Auslässe (nicht gezeigt) und/oder durch die offenporige Schaumstruktur des Zweiwege- Formgedächtnispolymers der Tragstruktur 3 hindurch abgege ben werden kann.
Wie weiterhin den Fig. 1 und 2 zu entnehmen ist, ist das Zweiwege-Formgedächtnispolymer der Tragstruktur 3 derart programmiert, dass es zwischen
- einer ersten Form gemäß der Fig. 1, in welcher die Trag struktur 3 das Speichermaterial 2 im Wesentlichen druck los aufnimmt (das Hohlraumvolumen der Kammern 4 ist hin reichend groß, um das Speichermaterial 2 praktisch nicht zu komprimieren) , und
- einer zweiten Form gemäß der Fig. 2, in welcher die Trag struktur 3 das Speichermaterial 2 komprimiert, um hieran absorbiertes Wasser 6 aus dem Speichermaterial 5 auszu pressen (das Hohlraumvolumen der Kammern 4 ist aufgrund Verformung der Kammern 4 deutlich kleiner)
reversibel und ohne Einwirkung von äußeren Kräften hin und her schaltbar ist, wobei die Hin- und Herschaltung des Zweiwege-Formgedächtnispolymers der Tragstruktur 3 zwischen seiner ersten und zweiten Form ausschließlich temperaturbe dingt ist, weil das Zweiwege-Formgedächtnispolymer
- eine erste Schalttemperatur, in welcher es aus seiner
ersten Form gemäß der Fig. 1 in die zweite Form gemäß der Fig. 2 überführt wird, und
- eine gegenüber der ersten Schalttemperatur geringere,
zweite Schalttemperatur, in welcher es aus seiner zweiten Form gemäß der Fig. 2 in die erste Form gemäß der Fig. 1
überführt wird,
besitzt. Die erste bzw. zweite Schalttemperatur, welche - wie weiter oben beschrieben - relativ nahe beieinander liegen können, können dabei je nach Anwendungszweck bzw. -ort der Vorrichtung beispielsweise zwischen etwa 15°C und etwa 50°C bzw. zwischen etwa 0°C und etwa 20°C betragen.
Auf diese Weise lässt sich die Vorrichtung 1, welche einen nur sehr geringen apparatetechnischen Aufwand erfordert und von einfachem Aufbau ist, in einfacher Weise und ohne jed weden äußeren Energiebedarf insbesondere zur Trinkwasserge winnung aus Luftfeuchtigkeit in ariden oder halbariden Re gionen der Erde nutzen, indem die Luftfeuchtigkeit in den kalten Nachtstunden von dem Speichermaterial 2 absorbiert wird, wenn sich die Tragstruktur 3 in ihre ersten Form be findet (vgl. die Fig. 1) . Erwärmt sich die Tragstruktur 3 bei zunehmenden Tagtemperaturen und/oder unter Sonnenein strahlung, so wird die Tragstruktur 3 in ihre zweite Form geschaltet (vgl. die Fig. 2), in welcher das Speichermedium 2 komprimiert und das hierin aufgenommene Wasser 6 in sei nem sehr hohen Anteil und in kurzer Zeit ausgepresst wird. Sobald die Umgebungstemperaturen in den Abend- oder Nacht stunden wieder sinken, wird die Tragstruktur 3 in ihre ers te Form (Fig. 1) zurückgeschaltet und der vorerwähnte Ab sorptionsvorgang von Luftfeuchte beginnt von neuem.