Kombinierte mechano-chemische und thermische Aktivierung von Tonen
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur kombinierten thermischen und mechanochemischen Aktivierung von Tonen.
Insbesondere im Bereich der Zementindustrie haben sich aktivierte Tone als Zusatzstoff etabliert. Der derzeit übliche Weg ist die Trocknung und Calcinierung der Tone, also eine thermische Aktivierung. Hierbei wird zum einen Energie für die Erwärmung und Trocknung benötigt, zum anderen kann die hohe Temperatur auch weitere Stoffveränderungen bewirken, die gegebenenfalls unerwünscht sind. Ferner erfordert der thermische Prozess eine Rauchgasreinigung zur Abscheidung der entstehenden Stickoxid- und Schwefeloxid-Emissionen. Außerdem erfordert der thermische Prozess künftig den Einsatz von Verfahren zur Abscheidung und gegebenenfalls Reinigung des erzeugten beziehungsweise freigesetzten Kohlendioxids.
Aus der WO 2017 / 008 863 A1 ist ein Verfahren und eine Anlagenanordnung zum Aufbereiten und Aktivieren eines Rohstoffes bekannt.
Aus der EP 3 909 682 A1 ist ein Verfahren und eine Wälzmühle zum thermomechanischen Aktivieren eines Tongemisches bekannt.
Aus der DE 10 2015 106 109 A1 ist ein Verfahren zur tribochemischen Aktivierung von Bindemitteln und Zusatzstoffen bekannt.
Aus der Rll 2 209 824 C2 ist ein Verfahren zur Herstellung von Schlammpulvern bekannt.
Aus der US 2011/233314 A1 ist ein Mahlverfahren bekannt.
Da es sich bei Tonen um ein komplexes System handelt (insbesondere im Vergleich zum Brennen von Kalkstein) führen unterschiedliche Aktivierungsverfahren zu unterschiedlichen Produkten (aktivierten Tonen) mit unterschiedlichen Eigenschaften.
Ebenso führt die Unterschiedlichkeit der verwendbaren Tone dazu, dass nicht jedes Verfahren für jeden Ton verwendbar ist.
Aufgabe der Erfindung ist es, ein alternatives Aktivierungsverfahren bereitzustellen, um andere Tonqualitäten einsetzen zu können als sie derzeit als geeignet für eine Kalzinierung von Ton angesehen werden oder andere Produkteigenschaften erzielen zu können. Insbesondere soll eine Erweiterung der möglichen Rohmaterialbasis auf insbesondere muskovitische, illitische oder chloritische Tone möglich sein.
Gelöst wird diese Aufgabe durch das Verfahren mit den in Anspruch 1 angegebenen Merkmalen. Vorteilhafte Weiterbildungen ergeben sich aus den Unteransprüchen, der nachfolgenden Beschreibung sowie den Zeichnungen.
Das erfindungsgemäße Verfahren dient zur kombinierten thermischen und mechanochemischen Aktivierung von mineralischem Material. Das Verfahren weist die folgenden Schritte auf: a) Trocknen und Grobzerkleinern des mineralischen Materials, b) Trockenes Mahlen und mechano-chemische Aktivierung in einer ersten Hochenergiemühle c) thermische Aktivierung in einer thermischen Behandlungsvorrichtung.
Der Schritt b) wird vor dem Schritt c) oder der Schritt c) wird vor dem Schritt b) durchgeführt.
In Schritt a) erfolgt zunächst ein erstes Trocknen und Grobzerkleinern. Hierbei kann die Reihenfolge von Trocknen und Grobzerkleinern beliebig sein, diese können auch (partiell) gleichzeitig erfolgen. Dieses ist dem Fachmann aus dem Stand der Technik gut bekannt. Feinstmühlen, also Mühlen, welche eine besonders geringe Partikelgröße erzeugen können, können meist mit zu grobem Material nicht betrieben werden. Zum anderen sind Feinstmühlen auf die Feinstvermahlung optimiert und daher für eine Grobzerkleinerung ungeeignet und unwirtschaftlich. Daher ist es üblich und sinnvoll, eine Grobzerkleinerung vor der Zuführung zu einer Feinstmühle durchzuführen. Des Weiteren ist eine Hauptanwendung die Aktivierung von Tonen, aber auch beispielsweise von auf
Halden gelagerten Schlacken. Daher weisen die Edukte meistens eine zu hohe Ausgangsfeuchte auf, sodass eine Trocknung notwendig ist. Beides ist auch vor einer konventionellen thermischen Aktivierung üblich und kann in analoger Weise erfolgen.
Hierbei erfolgt das Mahlen ohne Wasserzugabe, also nicht nass beziehungsweise in einem Schlamm, sondern entsprechend der Trocknung in Schritt a) als trockenes Vermahlen ohne Feuchtigkeitszugabe, wodurch es sich von den klassischen Nassmahlverfahren unterscheidet.
Beim Vermahlen eines Materials stellt man in Abhängigkeit vom Energieeintrag drei Stadien fest. Im ersten Stadium sinkt die Partikelgröße (mehr oder weniger linear) zum Energieeintrag. Vereinfacht ausgedrückt, je mehr man mahlt, um so feiner wird das Produkt. Hierfür gibt es jedoch eine Grenze, eine Partikelgröße, die kaum mehr zu unterschreiten ist (Rittinger-Zone). Ab diesem Punkt kommt man in eine zweite Stufe, wo die Partikelgröße sich mit weiterem Energieeintrag nicht ändert. Aus wirtschaftlichen Gründen vermeidet man daher bei der normalen Mahlung den Übergang von der ersten Stufe zur zweiten Stufe, da für mehr Aufwand eben kein weiterer Zerkleinerungseffekt zu verzeichnen ist (Aggregations-Zone). Erhöht man die Energiezufuhr noch weiter, so kann man zu einer dritten Stufe kommen, wo sogar wieder ein Ansteigen der Partikelgröße feststellbar ist (Agglomerations-Zone). Diesen Bereich wird man bei einer normalen Vermahlung daher noch viel mehr vermeiden, da mit weniger Aufwand ein besseres Ergebnis zu erzielen ist.
Es hat sich jedoch herausgestellt, dass bei hohen Energieeinträgen, also in der zweiten Stufe, es zu Veränderungen des Materials selbst kommt, die beispielsweise bei Tonen, ebenso wie eine thermische Aktivierung, zu einer Aktivierung führt, also zu einer Reaktivität, die die Verwendung als Bindemittel (und damit als Klinkerersatz) ermöglicht. Daher kann bei derart hohen Energieeinträgen auf eine anschließende thermische Behandlung weitestgehend verzichtet werden.
Hierbei hat sich jedoch herausgestellt, dass der Energiebedarf für eine reine mechanochemische Aktivierung höher sein kann als für eine thermische Aktivierung. Daher
erscheint das erfindungsgemäße Verfahren zunächst einmal nachteilig gegenüber der konventionellen reinen thermischen Aktivierung. Es hat sich jedoch gezeigt, dass das erfindungsgemäße Verfahren, trotz des vergleichsweise möglicherweise hohen Energiebedarfs, insbesondere für die Aktivierung von Tonen vorteilhaft ist. Hierbei besteht jedoch ein Unterschied im fertigen Produkt zwischen der mechano-chemischen Aktivierung und der thermischen Aktivierung, was sich jedoch aufgrund des sehr komplexen Materials und der sehr lokalen Modifikation bei der Aktivierung nur schwer erfassen lässt, sich aber beispielsweise in gewissen Unterschieden beim Abbindeverhalten äußert. Es kann somit davon ausgegangen werden, dass die beiden unterschiedlichen Aktivierungsverfahren entweder verschiedene Zentren aktivieren oder in verschiedener Weise aktivieren. Durch die Kombination lässt sich somit ein neues Bindemittel erhalten. Daher werden erfindungsgemäß beide Aktivierungsverfahren miteinander kombiniert. Wesentlich ist hierbei, dass es sich bei der mechano-chemischen Aktivierung in Schritt b) nicht nur um einen Mahlvorgang zur Verringerung der Partikelgröße handelt, sondern es zu einer tatsächlichen Aktivierung des Materials kommt. Wesentlich ist weiterhin, dass bei der Kombination der mechano-chemischen mit der thermischen Aktivierung der Teilschritt der thermischen Aktivierung bei deutlich niedrigeren Temperaturen erfolgen kann, als dies bei der reinen thermischen Aktivierung der Fall ist.
In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung wird die thermische Aktivierung bei einer Temperatur von weniger als 600 °C, bevorzugt weniger als 500 °C durchgeführt. Bei einer rein thermischen Aktivierung sind Temperaturen von 850 °C oder mehr üblich. Somit kann zum einen Energie eingespart werden und so wenigstens teilweise der Energiebedarf für die mechano-chemische Aktivierung eingespart werden. Zum anderen hat aber auch die Reduktion der Höchsttemperatur weitere positive Auswirkungen, beispielswiese eine Reduktion der thermischen Bildung von Stickoxiden oder die Vermeidung von ungewollten Produktveränderungen, beispielsweise Farbveränderungen durch Aufoxidation farbgebender Bestandteile.
In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung bewirkt das mechano-chemische Aktivieren des mineralischen Materials in Schritt b) eine Erhöhung des R3-Wertes (7d)
nach ASTM C1897-20 um wenigstens 150 J/g, bevorzugt um wenigstens 250 J/g. Die Aktivierung ist somit entsprechend hoch, um die so aktivierten Materialien als Zementersatzstoffe (Supplementary Cementitious Materials, SCM) zu verwenden. Bei dem Standard ASTM C1897-20 handelt es sich um den für die Zementindustrie gebräuchlichen Standard zur Untersuchung der Reaktivität beziehungswiese des Abbindeverhaltens.
In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung bewirkt das mechano-chemische Aktivieren des mineralischen Materials in Schritt b) eine Erhöhung des R3-Wertes (7d) nach ASTM C1897-20 um mindestens 25 %, bevorzugt mindestens 33 %, der gesamten Aktivierung der Schritte b) und c). Das bedeutet, dass wenigstens 1/4, bevorzugt wenigstens 1/3 der gesamten Aktivierung (gesteigerten Reaktivität) auf die mechanochemische Aktivierung zurückzuführen sind. Wäre beispielsweise die gesamte Erhöhung der Aktivität über mechano-chemische und thermische Aktivierung 400 J/g und davon der Anteil, der auf die mechano-chemische Aktivierung entfällt 200 J/g, so wäre der Anteil bei 50 %. Dieser Wert kann einfach ermittelt werden, indem ein erster Messwert des R3- Wertes zwischen Schritt b) und c) (unabhängig von der Reihenfolge) und ein zweiter Messwert des R3-Wertes nach Schritt b) und c) (also nach vollständiger Aktivierung) erfasst wird.
In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung wird zunächst die thermische Aktivierung in Schritt c) und anschließend die mechano-chemische Aktivierung in Schritt b) durchgeführt. Dieses ermöglicht, dass bei der mechano-chemischen Aktivierung in Schritt b) eine Farboptimierung durchgeführt wird, um eine durch die thermische Aktivierung in Schritt c) erzeugte ungewünschte Verfärbung entgegenzuwirken. Hierzu erfolgt das Mahlen und mechano-chemische Aktivieren in Schritt b) derart, dass das mineralische Material mit einem Reduktionsmittel gemeinsam in der ersten Hochenergiemühle vermahlen wird. Als Reduktionsmittel kann beispielsweise ein Metall mit einer Elektronegativität von kleiner 1 ,8, bevorzugt kleiner 1 ,7, ausgewählt werden. Alternativ kann auch ein Kohlenwasserstoff, bevorzugt ein gasförmiger Kohlenwasserstoff, ganz bevorzugt Propan, als Reduktionsmittel ausgewählt werden.
In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung wird die mechano-chemische Aktivierung in Schritt b) mit einem Energieeintrag pro Mahlraumvolumen von wenigstens 100 kW / m3, bevorzugt von wenigstens 200 kW / m3, durchgeführt. Ein üblicher Wert für eine Kugelmühle als Beispiel einer Feinstmühle liegt üblicherweise eher bei 20 kW / m3 und somit deutlich niedriger (und energetisch günstiger). Hierbei ist als das Mahlraumvolumen das im Inneren der ersten Hochenergiemühle zur Verfügung stehende Volumen zu verstehen, also das freie Volumen, wenn kein Material und beispielsweise auch keine Kugeln in der ersten Hochenergiemühle sind. Zur Mühle gehörende Bauteile, zum Beispiel eine Welle, die im Inneren beispielsweise beweglich angeordnet ist, zählt somit nicht zum Mahlraumvolumen, da dieses Volumen eben nicht durch Material einnehmbar ist.
In einer ersten Ausführungsform der Erfindung erfolgt die mechano-chemische Aktivierung in Schritt b) vor der thermischen Aktivierung in Schritt c). Vorteil hierbei ist, dass durch die mechano-chemische Aktivierung, die eben über ein einfaches Vermahlen und damit eine Reduktion der Partikelgröße hinausgeht, bereits eine Aktivierung und damit eine Veränderung auf lokaler Ebene des Materials erreicht ist. Dies vereinfacht wiederum eine anschließende thermische Aktivierung deutlich. Es kann beispielsweise angenommen werden, dass in der mechano-chemischen Aktivierung „Sollbruchstellen“ im Material erzeugt werden, sodass die thermische Aktivierung mit wesentlich weniger Aufwand, insbesondere bei deutlich geringerer Temperatur durchgeführt werden kann.
In einer zweiten Ausführungsform der Erfindung erfolgt die mechano-chemische Aktivierung in Schritt b) nach der thermischen Aktivierung in Schritt c). Vorteil hierbei ist, dass durch die vorangehende thermische Aktivierung und insbesondere durch die dabei entstehenden gasförmigen Produkte ein leichter mahlbares Material erzeugt wird, welches wiederum dann einfacher in die zweite Stufe (Aktivierung beim Mahlvorgang) gebracht werden kann, sodass die Verweilzeit und damit der Energieeintrag pro Menge Produkt geringer ausfällt. Gleichzeitig entspricht dieses Produkt von seinen Bindemitteleigenschaften stärker dem rein mechano-chemisch aktivierten Bindemittel, da keine weitere Veränderung nach der mechano-chemischen Aktivierung mehr erfolgt.
In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung wird die erste Hochenergiemühle kontinuierlich betrieben. Dieses bedeutet, dass sowohl mineralisches Material kontinuierlich in die erste Hochenergiemühle eingetragen wird und gleichzeitig kontinuierlich aktiviertes mineralisches Material entnommen wird. Bevorzugt wird die erste Hochenergiemühle daher als Durchlaufmühle mit einer Eingangsseite und einer Ausgangsseite betrieben.
In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung ist die erste Hochenergiemühle ausgewählt aus der Gruppe umfassend Schwingmühle, Planetenkugelmühle und Rührwerkskugelmühle. Bevorzugt ist die erste Hochenergiemühle ausgewählt aus der Gruppe umfassend Planetenkugelmühle und Rührwerkskugelmühle. Diese Mühlentypen haben sich für die mechano-chemische Aktivierung als besonders geeignet herausgestellt, da mit diesen Mühlentypen besonders hohe Energiedichten einbringbar sind. Besonders bevorzugt ist als erste Hochenergiemühle eine trocken betriebene Rührwerkskugelmühle.
In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung wird eine Rührwerkskugelmühle mit einem Länge-zu-Durchmesser-Verhältnis von 2,5 bis 5 ausgewählt.
In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung wird die erste Hochenergiemühle mit einem Mahlkörper-Füllungsgrad von 50 Vol.-% bis 95 Vol.-%, bevorzugt von 60 Vol.-% bis 70 Vol.-%, gefüllt. Hierbei wird das Schüttvolumen der Mahlkörper auf das Volumen der ersten Hochenergiemühle bezogen wird. Da bei einer einfachen Schüttung der Füllgrad um 64 % und bei einer dichtesten Kugelpackung um 74 % liegt, ergibt sich selbst bei einem theoretischen Mahlkörper-Füllungsgrad von 100 % ein entsprechender Freiraum, welcher beispielsweise von dem zu aktivierenden mineralischen Material eingenommen werden kann. Da der Füllgrad einer Mahlkörperschüttung aber sehr von der Form und Gleichförmigkeit der Mahlkörper abhängt, ist es praktisch einfacher hier den Mahlkörper-Füllungsgrad eben auf das Schüttvolumen und nicht auf das eigentliche (gefüllte) Volumen zu beziehen.
In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung werden Mahlkörper aus Eisen oder einer Eisenlegierung oder aus Aluminium oder einer Aluminiumlegierung ausgewählt. Bevorzugt werden Mahlkörper aus Eisen oder einer Eisenlegierung ausgewählt. Insbesondere werden Mahlkörper aus Stahl ausgewählt.
In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung werden keramische Mahlkörper ausgewählt.
In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung werden Mahlkörper mit einem Durchmesser von 1 mm bis 10 mm ausgewählt.
In einerweiteren Ausführungsform der Erfindung wird die Rührwerkskugelmühle mit einer Umfangsgeschwindigkeit von 2 m/s bis 6 m/s, bevorzugt von 3 m/s bis 5 m/s, besonders bevorzugt von 3,5 m/s bis 4,5 m/s, betrieben.
In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung wird die Rührwerkskugelmühle mit einem Gasvolumenstrom und einem Materialstrom betrieben. Das Verhältnis von Gasvolumenstrom zu Materialstrom wird derart eingestellt, dass das Verhältnis von Gasvolumenstrom zu Materialstrom zwischen 0,0001 m3/kg und 5 m3/kg, vorzugsweise zwischen 0,1 m3/kg und 2 m3/kg liegt.
In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung erfolgt das Trocknen und Zerkleinern in Schritt a) auf eine Restfeuchte kleiner 1 Gew.-% und eine Korngröße kleiner 2 mm.
In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung wird das mineralische Material ausgewählt aus der Gruppe umfassend Ton, Asche, insbesondere Flugasche, Belitzementklinker, Altbetonfeinanteile, Schlacke, Schichtsilikate und Gerüstsilikate. Besonders bevorzugt wird als mineralische Material Ton oder eine Mischung aus Ton und einem weiteren Material oder mehreren weiteren Materialien ausgewählt aus der Gruppe umfassend Asche, insbesondere Flugasche, Belitzementklinker, Altbetonfeinanteile, Schlacke, Schichtsilikate und Gerüstsilikate.
In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung wird das mineralische Material zusammen mit 0,1 -50 Gew.-% Quarz oder Korund mechano-chemisch aktiviert.
In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung wird nach dem Entnehmen des aktivierten mineralischen Materials das aktivierte Material zur Ermittlung der Aktivierung untersucht. Dieses kann entweder nach nur einem Aktivierungsschritt (mechanochemisch oder thermisch) oder nach beiden Aktivierungsschritten erfolgen. Bevorzugt erfolgt es zu beiden Punkten, sodass die Aktivierung in beiden aufeinander folgenden Schritten ermittelt werden kann. Hierdurch wird eine Optimierung beider Aktivierungsschritte möglich. Zur Untersuchung wird oder werden ein Verfahren oder mehrere Verfahren ausgewählt aus der Gruppe umfassend IR-Spektroskopie, RAMAN- Spektroskopie, Röntgenbeugungsanalyse, Wärmeflusskalorimetrie, Thermo-gravimetrie, Rasterelektronenmikroskopie, Partikelgrößen- und/oder Partikelform-analyse, NMR- Spektroskopie. Besonders bevorzugt wird zur Untersuchung ein Verfahren oder mehrere Verfahren ausgewählt aus der Gruppe umfassend IR-Spektroskopie, RAMAN- Spektroskopie, Röntgenbeugungsanalyse, Wärmeflusskalorimetrie.
In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung wird als Gas für den Gasstrom durch die erste Hochenergiemühle ein Gas ausgewählt und verwendet, welches ein Gas oder mehrere Gase ausgewählt ist aus der Gruppe umfassend Stickstoff, Argon, Kohlendioxid, Wasserdampf, Kohlenmonoxid, Wasserstoff, Kohlenwasserstoff, insbesondere Methan, Ethan, Propan und Butan. Besonders bevorzugt weist das Gas hauptsächlich (mehr als 50 Vol.-%) Stickstoff, Kohlendioxid oder Wasserdampf auf. Besonders bevorzugt weist das Gas weniger als 1 Vol.-%, bevorzugt weniger als 0,1 Vol.-%, Sauerstoff auf.
In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung wird das mineralische Material in Schritt b) mit einem flüssigen oder festen Reduktionsmittel vermahlen. Beispielsweise kann Kohle beziehungsweise Kohlenstaub als festes Reduktionsmittel verwendet werden. Beispielsweise kann ein flüssiger Kohlenwasserstoff als flüssiges Reduktionsmittel verwendet werden. Die Zugabe dient beispielsweise zum einen dazu, eine Aufoxidation, beispielsweise von Eisen, zu verhindern. Gleichzeitig kann dieses genutzt werden, um einen gewünschten neutralen Grauton des fertigen Produkts einzustellen.
In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung erfolgt das Mahlen in Schritt b) bei 100 °C bis 250 °C Materialtemperatur. Diese erhöhte Temperatur ist vorteilhaft, um eine Kondensation von Wasser zu vermeiden und gegebenenfalls weiteres Wasser austragen zu können. Insbesondere wenn die thermische Aktivierung in Schritt c) vor der mechanochemischen Aktivierung in Schritt b) erfolgt, kann dieses bereits durch die Temperatur, mit der das Material eingebracht wird, erreicht werden.
In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung erfolgt nach dem mechano-chemischen Aktivieren in Schritt b) eine Trennung des aktivierten mineralischen Materials in eine erste Fraktion und eine zweite Fraktion, wobei die erste Fraktion zur weiteren mechanochemischen Aktivierung in Schritt b) zurückgeführt wird. Die zweite Fraktion wird als Produkt entnommen (wenn die thermische Aktivierung in Schritt c) vor der mechanochemischen Aktivierung in Schritt b) durchgeführt wurde) oder der thermischen Aktivierung in Schritt c) zugeführt (wenn die thermische Aktivierung in Schritt c) nach der mechano-chemischen Aktivierung in Schritt b) durchgeführt wurde).
In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung wird die thermische Aktivierung in Schritt c) in einem Flugstromreaktor oder einem Drehrohrofen durchgeführt. Bevorzugt wird ein Flugstromreaktor verwendet.
In einem weiteren Aspekt betrifft die Erfindung ein Bindemittel, welches nach dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellt ist.
Nachfolgend ist das erfindungsgemäße Verfahren anhand von in den Zeichnungen dargestellten Ausführungsbeispielen näher erläutert.
Fig. 1 erstes beispielhaftes Ablaufdiagramm
Fig. 2 zweites beispielhaftes Ablaufdiagramm
In Fig. 1 ist ein erstes Verfahren anhand eines ersten beispielhaften Ablaufdiagrammes stark schematisch dargestellt. Beispielsweise wird ein Ton in die Hammermühle 10
eingebracht, dort zerkleinert und über einen Steigrohrtrockner 20 in ein Eduktsilo 30 gefördert. Der so vorzerkleinerte und getrocknete Ton wird in eine erste Hochenergiemühle 40 (eine trocken betriebene Rührwerkskugelmühle mit Mahlkörper- Füllungsgrad von 65 %, wobei als Mahlkörper Stahl-Kugeln mit einem Durchmesser von 4 mm verwendet werden) überführt. Der Energieeintrag beträgt 350 kW/ m3 Die Rührwerkskugelmühle hat ein Länge-zu-Durchmesser-Verhältnis von 4 und wird mit einer Umfangsgeschwindigkeit von 4 m/s betrieben. Das Verhältnis von Gasvolumenstrom zu Materialstrom beträgt 0,01 m3/kg. Das aus der ersten Hochenergiemühle 40 entnommene Material wird in einem Sichter 50 getrennt. Das feine Material wird zum Eingang der ersten Hochenergiemühle 40 zurück transportiert und das grobe aktivierte Material wird in eine thermische Behandlungsvorrichtung 90, bevorzugt ein Flugstromreaktor, überführt und dort bei beispielsweise 450 °C thermisch aktiviert. Das fertige Produkt kann dann der thermischen Behandlungsvorrichtung 90 entnommen und in ein Produktsilo 60 überführt werden.
Fig. 2 zeigt ein alternatives zweites Verfahren anhand eines ersten beispielhaften Ablaufdiagramms. Der Unterschied zu dem in Fig. 1 gezeigten ersten Verfahren ist, dass die thermische Aktivierung vor der mechano-chemischen Aktivierung erfolgt. Beispielsweise wird ein Ton in die Hammermühle 10 eingebracht, dort zerkleinert und über einen Steigrohrtrockner 20 in ein Eduktsilo 30 gefördert. Der so vorzerkleinerte und getrocknete Ton wird in eine thermische Behandlungsvorrichtung 90, bevorzugt ein Flugstromreaktor, überführt und beispielsweise bei 450 °C thermisch aktiviert. Anschließend wird der teilaktivierte Ton in eine erste Hochenergiemühle 40 (eine trocken betriebene Rührwerkskugelmühle mit Mahlkörper-Füllungsgrad von 65 %, wobei als Mahlkörper Stahl-Kugeln mit einem Durchmesser von 4 mm verwendet werden) überführt. Der Energieeintrag beträgt 350 kW/ m3 Die Rührwerkskugelmühle hat ein Länge-zu-Durchmesser-Verhältnis von 4 und wird mit einer Umfangsgeschwindigkeit von 4 m/s betrieben. Das Verhältnis von Gasvolumenstrom zu Materialstrom beträgt 0,01 m3/kg. Das aus der ersten Hochenergiemühle 40 entnommene Material wird in einem Sichter 50 getrennt. Das feine Material wird zum Eingang der ersten Hochenergiemühle 40 zurück transportiert und das grobe aktivierte Material wird in ein Produktsilo 60 überführt.
Bezugszeichen
10 Hammermühle
20 Steigrohrtrockner 30 Eduktsilo
40 erste Hochenergiemühle
50 Sichter
60 Produktsilo
90 thermische Behandlungsvorrichtung