Beschreibung
Kaffeesatz als Additiv für Kunststoffmatenalien
Die Erfindung betrifft Kunststoffmatenalien, die Kaffeesatz als Additiv enthalten, insbesondere Kunststoffschichten, die für mehrschichtige Verbundmaterialien geeignet sind, Verfahren zur Herstellung solcher Kunststoffmatenalien, dafür geeignete Kaffeesatz-Vormischungen und deren Verwendung.
Kunststoffmatenalien enthalten gewöhnlich eine Reihe von Additiven, die notwendig sind, um dem Material bestimmte Eigenschaften zu verleihen. Die üblicherweise eingesetzten Additive basieren in der Regel auf konventionellen Chemieprodukten oder primären Rohstoffen. Es besteht ein stetig wachsendes Interesse an einem Ersatz solcher konventionellen Additive durch nachhaltige Produkte und/oder Abfallprodukten, die so einer Wiederverwertung zugeführt werden sollen.
Pulverförmiger Kaffeesatz fällt in vielen Haushalten, Gaststätten und Firmen großvolumig an und wird größtenteils einfach entsorgt. Es sind aber auch Ansätze für eine Wiederverwertung bekannt. Beispielsweise wird Kaffeesatzpulver mit Epoxidklebern zu Gegenständen gepresst, welche im Haushalt Verwendung finden können, beispielsweise als Tassen oder Teller.
Kaffee besteht aus gerösteten Kaffeebohnen. Durch den Röstprozess kommt es zur Oxidation der Kaffeebohne und zur vermehrten Bildung von Carboxylgruppen an der Oberfläche sowie Carboxylgruppen enthaltende migrationsfähige, meist braun eingefärbte Moleküle wie Kaffeeölen.
Der pulverförmige Kaffeesatz kann z.B. etwa 5 bis 20 Gew.-%, bevorzugt 10 bis 15 Gew.-% Kaffeeöle, enthalten. Diese Kaffeeöle sind in hydrophilen wie auch hydrophoben Medien löslich und können als Grenzflächenvermittler gesehen werden. Dabei können diese bei Einverleibung in ein Kunststoffmatenal auch in die Polymermatrix migrieren und schließlich an der Oberfläche des Kunststoffmaterials austreten, was auch als Ausschwitzen bezeichnet wird. Aufgrund der gewöhnlich braunen Farbe des carboxylhaltigen Kaffeeöls und
anderer anionischer Komponenten wie organischer Phosphate kann dies zu Anschmutzung des Kunststoffmatenals führen, was meist unerwünscht ist und den Einsatz von Kaffeesatz in solchen Anwendungen unmöglich machen kann.
Die Aufgabe der Erfindung bestand daher insbesondere darin, Kunststoffmaterialien bereitzustellen, in denen das Nachhaltigkeitsprodukt Kaffeesatzpulver als Zusatzmittel aufgenommen werden kann, ohne dass dies zu einer Anschmutzung des Kunststoffmaterials durch den enthaltenen Kaffeesatz führt.
Die Erfinder haben überraschenderweise festgestellt, dass bei Aufnahme von Kaffeesatz in Kunststoffen eine Migration von braunem und Carboxylgruppen enthaltendem Kaffeeöl in die Kunststoffmatrix und insbesondere ein Ausschwitzen des Kaffeeöls aus dem Kunststoffmatenal durch die Komplexierung mit zweiwertigen Ionen wie Calcium oder dreiwertigen Ionen weitgehend oder vollständig verhindert werden kann. Dadurch kann eine Anschmutzung der Kunststoffmaterialien, z.B. der Kunststoffschichten, vermieden werden.
Die Erfindung betrifft somit ein Kunststoffmatenal, welches mindestens ein Polymer als Matrix, Carboxylgruppen enthaltendes Kaffeesatzpulver und mindestens eine zweiwertiges oder dreiwertiges Metallkation enthaltende Metallverbindung umfasst, wobei das molare Verhältnis von Carboxylgruppen des Kaffeesatzpulvers zu den zweiwertigen oder dreiwertigen Metallkationen der mindestens einen Metallverbindung im Bereich von 1 :0,1 bis 1 :20 liegt.
Wie vorstehend erörtert, wird durch die vorliegende Erfindung eine Verschmutzung der Polymermatrix durch den einverleibten Kaffeesatz vermieden, indem eine Migration der Kaffeeöle und insbesondere ein Ausschwitzen dieser Öle durch die Komplexierung der darin enthaltenen Carboxylgruppen mit den zweiwertigen oder dreiwertigen Metallkationen zumindest teilweise oder vollständig verhindert werden kann. Insbesondere ist es bevorzugt, dass keine Anschmutzung des Kunststoffmaterials bzw. der Materialoberfläche durch Migration von Komponenten des Kaffeesatzpulvers, wie z.B. Kaffeeöle und Röstprodukte, erfolgt.
Im Rahmen der Erfindung wurde außerdem gefunden, dass das Kaffeesatzpulver nicht nur als farbgebendes Mittel oder Füllstoff fungieren kann, sondern die gebildeten Komplex- oder Chelatverbindungen aus Kaffeeöl und zweiwertigen oder dreiwertigen Metallionen sich beispielsweise auch als Prozesshilfsmittel und Stabilisatoren eignen. Zum Beispiel können durch Zink-, Barium- und Calciumsalze Calcium-, Barium- bzw. Zink-Kaffeeöle generiert werden, deren Struktur den Metallseifen sehr ähnlich sind, die beispielsweise gewöhnlich zur PVC-Stabilisierung eingesetzt werden.
Kaffeeöl-Zink-Komplexe wirken zudem antibakteriell, wie es bereits für die normalen Zinkseifen wie Zinklaurat und Zinkstearat bekannt ist.
Nachfolgend wird die Erfindung ausführlich erläutert.
Das erfindungsgemäße Kunststoffmatenal umfasst mindestens ein Polymer als Matrix, Carboxylgruppen enthaltendes Kaffeesatzpulver und mindestens eine zweiwertiges oder dreiwertiges Metallkation enthaltende Metallverbindung. Eine zweiwertiges Metallkation enthaltende Metallverbindung ist besonders bevorzugt. Dreiwertige Metallionen, wie Fe3+ oder Al3+, z.B. Aluminiumseifen, können ebenfalls verwendet werden, jedoch ist die ionische Bindung von Kaffeeöl und Aluminiumion deutlich schwächer (siehe weiter unten).
Das mindestens eine Polymer, das in dem Kunststoffmatenal enthalten ist, bildet die Matrix des Kunststoffmatenals. Das Kunststoffmaterial kann ein Polymer oder eine Kombination von zwei oder mehr Polymeren als Matrix enthalten. Das mindestens eine Polymer ist bevorzugt ein organisches Polymer. Das mindestens eine Polymer ist besonders bevorzugt ein thermoplastisches Polymer oder ein thermoplastisches Elastomer. Dementsprechend ist es auch bevorzugt, dass das Kunststoffmaterial ein thermoplastisches Kunststoffmatenal ist.
In einer bevorzugten Ausführungsform ist das mindestens eine Polymer ausgewählt aus Polyvinylchlorid (PVC), thermoplastischen Elastomeren (TPE), Polyurethan, Polyolefin, Silikon, Polylactid, Polyamid, Polyhydroxybuttersäure, Polyester oder einer Kombination davon. Beispiele für geeignete thermoplastische
Elastomere sind thermoplastische Elastomere auf Urethanbasis (TPU), thermoplastische Copolyesterelastomere (TPE), thermoplastische Styrol- Blockcopolymere (TPS) und thermoplastische Elastomere auf Olefinbasis (TPO), z.B. Polypropylen/ Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk (PP/EPDM).
Das mindestens eine Polymer ist besonders bevorzugt PVC, insbesondere Weich- PVC. Das Kunststoffmatenal ist somit besonders bevorzugt ein PVC-Artikel, insbesondere eine PVC-Schicht bzw. ein PVC-Film, insbesondere aus Weich- PVC. Der Weichmacher in der Mischung erlaubt die schnelle Verteilung der Kaffeeöle in der Masse. Dadurch ergibt sich eine schnellere Migration der Farbstoffe in die Polymerphase. Weitere bevorzugte Polymere sind TPU- und TPE-Polymere welche ein deutliches Expressionsverhalten gegenüber den Kaffeeölen aufweisen. Das Expressionsverhalten bedeutet hier eine Migration dieser Öle an die Matenaloberfläche.
Der Anteil des mindestens eines Polymers als Matrix im Kunststoffmatenal kann in weiten Bereichen variieren, er kann z.B. im Bereich von 20 bis 80 Gew.-%, bevorzugt 20 bis 60 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht des Kunststoffmatenals, liegen, z.B. für PVC, insbesondere Weich-PVC. Für TPE- und TPU-Polymere liegt der Bereich aber z.B. im Bereich von 20 Gew.-% bis 99 Gew.- %, bevorzugt im Bereich von 20 bis 50 Gew.-%.
Das erfindungsgemäße Kunststoffmatenal enthält ferner Carboxylgruppen enthaltendes Kaffeesatzpulver. Wie bereits erläutert, enthält der Kaffeesatz insbesondere Carboxylgruppen in Form von Carboxylgruppen enthaltenden Kaffeeölen. Als Kaffeesatzpulver kann das als Abfallprodukt erhaltene Kaffeesatzpulver wie es ist eingesetzt werden. Eine vorherige Aufbereitung kann aber gegebenenfalls zweckmäßig sein, um z.B. ein einheitlicheres Ausgangsprodukt im Hinblick auf die gewünschte Teilchengröße und den gewünschten Feuchtigkeitsgrad zu erhalten. Bei Verwendung des Kaffeesatzpulvers zur Färbung des Kunststoffmaterials ist gewöhnlich zweckmäßig, Fraktionen mit enger Größenverteilung einzusetzen.
Kaffeesatzpulver kann z.B. in stark unterschiedlichen Feinheiten und Körnungen vorliegen und einen unterschiedlich hohen Wassergehalt aufweisen. Die Aufbereitung zur Bereitstellung eines Kaffeesatzpulvers mit gewünschten Parametern und/oder zur Vereinheitlichung kann z.B. eine Trocknung auf den gewünschten Wassergehalt und/oder Mahl- und Siebvorgänge und gegebenenfalls Aufteilung in geeignete Größenfraktionen einschließen. Eine Vermahlung und gegebenenfalls Klassierung wird gewöhnlich nach der Trocknung durchgeführt.
Der Wassergehalt des Kaffeesatzpulvers kann z.B. im Bereich von 0 bis
20 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht des Kaffeesatzpulvers, liegen. Ein zu hoher Wassergehalt kann bei der Herstellung des Kunststoffmatenals stören. Andererseits ist ein gewisser Anteil an Wasser im Kaffeesatz bevorzugt, da er die Lösung der Ionen der Metallverbindung unterstützen kann, was wiederum die Komplexbildung zwischen den Carboxylgruppen im Kaffeesatz und den zweiwertigen oder dreiwertigen Metallkationen fördert. In dieser Hinsicht ist es bevorzugt, wenn der Wassergehalt des Kaffeesatzpulvers im Bereich von 0,5 bis 4 Gew.-%, bevorzugt 1 bis 2 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht des Kaffeesatzpulvers, liegt.
Die Teilchengröße des Kaffeesatzpulvers kann z.B. in einem Bereich von 0,1 bis 2000 pm, bevorzugt 0,5 bis 600 pm, liegen. Bei Bedarf kann das Kaffeesatzpulver auch auf eine Teilchengröße im Bereich von 0,1 und 100 pm pulverisiert werden.
Die Teilchengröße bezieht sich dabei auf die mittlere Teilchengröße (dso-Wert), bezogen auf den volumetrischen Durchmesser oder auf den numerischen Durchmesser und kann z.B. durch Lichtstreuung oder Laserbeugung bestimmt werden. Monomodale und multimodale Partikelgrößenverteilungen sind möglich.
Der Anteil des Kaffeesatzpulvers im Kunststoffmaterial kann z.B. von der verwendeten Polymermatrix, dem Auftragsverfahren und dem Verwendungszweck abhängen. Der Gehalt an Kaffeesatzpulver, bezogen auf das Trockengewicht des Kaffeesatzes, kann z.B. im Bereich von 0,01 bis 70 Gew.-%, bevorzugt 0,1 bis 50 Gew.-%, besonders bevorzugt 2 bis 50 Gew.-%, bezogen auf das
Gesamtgewicht des Kunststoffmaterials, liegen. Sofern das Kunststoffmatenal mit einem Streichverfahren, wie z.B. mit einer Rakel oder mit einem Rollcoater, aufgetragen wird, kann der Gehalt an Kaffeesatzpulver, bezogen auf das Trockengewicht des Kaffeesatzes, z.B. im Bereich von 0,01 bis 20 Gew.-%, bevorzugt 0,1 bis 12 Gew.-%, besonders bevorzugt 2 bis 12 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht des Kunststoffmatenals, liegen. Sofern das Kunststoffmatenal mittels Extrusion oder Kalander aufgebracht wird, kann der Gehalt an Kaffeesatzpulver, bezogen auf das Trockengewicht des Kaffeesatzes, z.B. im Bereich von 0,1 bis 70 Gew.-%, bevorzugt 0,1 bis 50 Gew.-%, besonders bevorzugt 10 bis 50 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht des Kunststoffmaterials, liegen.
Das Kaffeesatzpulver kann als solches zur Kunststoffzusammensetzung für die Herstellung des Kunststoffmaterials gegeben werden. Es kann auch in Form einer Vormischung zugesetzt werden. Einzelheiten werden nachstehend im Zusammenhang mit dem erfindungsgemäßen Verfahren beschrieben.
Das erfindungsgemäße Kunststoffmatenal enthält ferner mindestens eine Metallverbindung, die ein zweiwertiges oder dreiwertiges Metallkation enthält, wobei ein zweiwertiges Metallkation bevorzugt ist. Die zweiwertiges oder dreiwertiges Metallkation enthaltende Metallverbindung ist bevorzugt ein Metallsalz, bevorzugt ein anorganisches Metallsalz, wobei hier auch die Metallhydroxide zu den Salzen gerechnet werden. Das Metallsalz ist bevorzugt ein alkalisches Metallsalz, insbesondere ein alkalisches anorganisches Metallsalz. Es kann eine zweiwertiges oder dreiwertiges Metallkation enthaltende Metallverbindung oder eine Kombination von zwei oder mehr solcher Metallverbindungen eingesetzt werden. In der Regel ist aber der Einsatz einer solchen Metallverbindung zweckmäßig.
Das zweiwertige Metallkation der mindestens einen Metallverbindung ist z.B. ausgewählt aus Ca2+, Mg2+, Fe2+, Ba2+, Zn2+ oder einer Kombination davon, wobei Ca2+, Ba2+, Mg2+, Zn2+ oder einer Kombination davon bevorzugter sind. Besonders bevorzugt ist Ca2+ und/oder Mg2+, insbesondere Ca2+. Das dreiwertige Metallkation der mindestens einen Metallverbindung ist z.B. Fe3+ oder Al3+. Das
Gegenion zu dem zweiwertigen oder dreiwertigen Kation, bevorzugt zweiwertigen Kation, in der Metallverbindung bzw. dem Metallsalz ist bevorzugt ausgewählt aus Carbonat, Hydroxid, Halogenid, wie Chlorid, Bromid oder lodid, Nitrat, Nitrit, Perchlorat, Chlorat, Oxid und Sulfat oder einer Kombination davon. Diese Gegenionen weisen eine hohe Affinität zu den Kaffeeölen auf.
Die mindestens eine zweiwertiges Metallkation enthaltende Metallverbindung ist bevorzugt ausgewählt aus Calciumcarbonat, Calciumhydroxid, Magnesiumsulfat, Bariumchlorid, wobei Calciumcarbonat und Calciumhydroxid besonders bevorzugt ist. Ein Beispiel für eine mindestens ein dreiwertiges Metallkation enthaltende Metallverbindung ist eine Aluminiumseife oder Aluminiumhydroxid. Insbesondere der niedrige pH-Wert von Kaffeeröstprodukten und Kaffeeölen und Kaffeeölsäuren erlauben eine bessere Bindung zu alkalischen Metallsalzen, wie z.B.
Calciumcarbonat.
Die mindestens eine zweiwertiges oder dreiwertiges Metallkation enthaltende Metallverbindung wird nicht als Füllstoffanteil, sondern als funktionaler Anteil zur Anbindung der Kaffeeöle oder Ölsäuren wie auch Röstprodukte eingesetzt. Die kann sowohl abhängig sein vom Anteil der Kaffeesatzmenge, dem Röstgrad und der Kaffeesorte als auch von der Zugänglichkeit der migrationssensitiven Substanzen in die Matrix, bestimmt durch den Feinheitsgrad der Partikel.
Die Metallverbindung kann in dem Kunststoffmaterial zumindest teilweise in dissoziierter Form vorliegen. Wie bereits ausgeführt, bilden die Carboxylgruppen des Kaffeesatzpulvers bzw. des darin enthaltenen Kaffeeöls mit den zweiwertigen oder dreiwertigen Metallkationen der mindestens einen Metallverbindung eine Komplexverbindung, wobei sich die Carboxylgruppen an die Metallkationen koordinieren. Die sich bildenden Komplexe können Chelat-Verbindungen sein.
Es hat sich gezeigt, dass einwertige Metallionen demgegenüber keine besondere Affinität zu Kaffeeölen aufweisen. Dreiwertige Ionen wie Aluminium-basierte Verbindungen weisen ebenfalls nur eine geringe Affinität auf. Beispielsweise zeigte Aluminiumhydroxid eine deutlich geringere Affinität im Vergleich zu Systemen auf Basis von Calcium.
Der Mengenanteil an Carboxylgruppen enthaltendem Kaffeesatzpulver und der mindestens einen zweiwertiges oder dreiwertiges Metallkation enthaltenden Metallverbindung in dem Kunststoffmatenal ist so, dass das molare Verhältnis von Carboxylgruppen des Kaffeesatzpulvers zu den zweiwertigen oder dreiwertigen Metallkationen der mindestens einen Metallverbindung im Bereich von 1 :0,1 bis 1 :20 liegt. Das molare Verhältnis von Carboxylgruppen des Kaffeesatzpulvers zu den zweiwertigen oder dreiwertigen, bevorzugt zweiwertigen, Metallkationen der mindestens einen Metallverbindung liegt bevorzugt im Bereich von 1 :0,5 bis 1 :10, bevorzugter 1 :0,7 bis 1 :5, besonders bevorzugt 1 :0,7 bis 1:4.
Ein zweiwertiges Metallkation kann an zwei Carboxylgruppen koordinieren. Das molare Verhältnis von Carboxylgruppen zu den zweiwertigen oder dreiwertigen Metallkationen beträgt daher bevorzugt mindestens 1 :0,5, um eine weitgehende Komplexierung der Carboxylgruppen zu erreichen. Um eine sichere möglichst vollständige Komplexierung der Carboxylgruppen zu erreichen, ist es bevorzugter, einen Überschuss an zweiwertigen oder dreiwertigen Metallkationen bereitzustellen. Ein zu hoher Überschuss an zweiwertigen oder dreiwertigen Metallkationen ist andererseits nicht zweckmäßig, da dadurch keine weitere Verbesserung hinsichtlich des Komplexierungsgrades erreicht werden kann.
Das Kunststoffmaterial kann ferner ein oder mehrere weitere Additive enthalten, die auf dem Gebiet üblich sind. Beispiele für geeignete weitere Additive sind Farbstoffe, Pigmente, Mattierungsmittel, Quantumdots, Weichmacher, Füllstoffe, Verlaufshilfsmittel, Entschäumer, Gleitmittel, Rheologiehilfsmittel, Verdicker, Vernetzer, Lichtschutzmittel, Oberflächenmodifikatoren, Stabilisatoren, Verstärkungsmittel, wie z.B. Fasern, Flammschutzmittel, Treibmittel, chemisch wie auch physikalisch, grenzflächenaktive Substanzen und/oder Biozide. Der Fachmann kann geeignete weitere Additive je nach Einsatzzweck auswählen.
In einer bevorzugten Ausführungsform kann das Kunststoffmaterial mindestens einen Weichmacher enthalten. Beispiele für geeignete Weichmacher sind nachstehend bei der Beschreibung des erfindungsgemäßen Verfahrens genannt.
Das Kunststoffmaterial kann jeder beliebige Kunststoffkörper sein. In einer bevorzugten Ausführungsform ist das Kunststoffmaterial eine Kunststoffschicht, insbesondere eine filmähnliche Kunststoffschicht (Kunststofffilm), welche z.B. zum Auftrag auf ein Substrat gestrichen, kalandriert, gegossen oder extrudiert und dann gegebenenfalls vernetzt und/oder geliert werden kann. Im Folgenden werden die Ausdrücke Kunststoffschicht und Kunststofffilm miteinander austauschbar verwendet. Die Kunststoffschicht kann als Monoschicht, z.B. als Folie oder Bahn, verwendet werden. In einer besonders bevorzugten Ausführungsform ist die Kunststoffschicht Bestandteil eines mehrschichtigen Verbundmaterials, in der sie mit weiteren Schichten kombiniert ist. Das mehrschichtige Verbundmaterial kann eine oder mehrere erfindungsgemäße Kunststoffschichten enthalten.
Das Kunststoffmaterial, insbesondere die Kunststoffschicht, kann gefärbt, transluzent oder transparent sein. Bei einem transluzenten oder transparenten Kunststoffmaterial ist der Anteil an Kaffeesatzpulver darin relativ niedrig. Das Kunststoffmaterial, insbesondere die Kunststoffschicht, kann ein kompaktes oder geschäumtes Kunststoffmaterial sein, wobei kompakte bzw. nicht geschäumte Materialien in der Regel bevorzugt sind.
Für ein mehrschichtiges Verbundmaterial kann die erfindungsgemäße Kunststoffschicht in Form eines Kunststofffilms oder einer Kunststofffolie mit weiteren Schichten des Verbundmaterials laminiert werden, z.B. durch Verkleben oder durch sequenzielles Aufstreichen, Trocknen, Gelieren, Vernetzen und erneutes Aufstreichen. Die erfindungsgemäße Kunststoffschicht kann auch während der Herstellung des mehrschichtigen Verbundmaterials gebildet werden, in dem eine entsprechende Kunststoffzusammensetzung durch ein Beschichtungsverfahren auf ein Substrat, das in der Regel Teil des Verbundmaterials ist, aufgebracht und gegebenenfalls gehärtet wird, um die Kunststoffschicht zu bilden.
Das erfindungsgemäße Kunststoffmaterial, insbesondere in Form einer Kunststoffschicht, z.B. als eigenständige Schicht oder als mehrschichtiges Verbundmaterial, in dem mindestens eine erfindungsgemäße Kunststoffschicht enthalten ist, kann z.B. Kunstleder, ein Film, eine Folie, ein Bodenbelag oder ein
Wandbelag sein, z.B. für Innen- und Außenanwendungen, Möbel sowie Anwendungen im Bereich von Fahrzeugen, insbesondere Automobile. Das Kunststoffmaterial, insbesondere die Kunststoffschicht, eignet sich insbesondere für Anwendungen im Bereich Automotive oder allgemein der Industrie, wie z.B. bei Möbelfolien, Bodenbeläge, Wandbeläge, Automobildachhimmelanwendungen, Automobilinnenraumanwendungen und/oder Sitzmaterialen Diese Anwendungen können im Bereich Interieur, Exterieur, Mobility oder Contract, wie beispielsweise Hotelketten, Kinos, Heimanwendungen, Flugzeuge, Bus und Bahn, Kreuzfahrtschiffe (nautische Anwendung) finden.
In einer besonders bevorzugten Ausführungsform ist die erfindungsgemäße Kunststoffschicht in einem Kunstleder enthalten bzw. Bestandteil eines Kunstleders. Kunstleder ist ein mehrschichtiges Verbundmaterial, dass in dieser Reihenfolge eine Deckschicht, welche meist als farbgebende Schicht eingefärbt ist, eine Zwischenschicht, die meist als geschäumte Schicht vorliegt, um die Haptik zu verbessern, eine Kaschierschicht und einen textilen Träger umfasst, wobei die Kaschierschicht zur Anbindung des textilen Trägers dient.
Gegebenenfalls kann auf der Deckschicht noch eine Lackschicht aufgebracht werden, die z.B. als Schutzschicht dient. Die Lackschicht ist häufig transparent oder transluzent. Deckschicht, Zwischenschicht, und Kaschierschicht werden oft auch als Deckstrich, Zwischenstrich bzw. Kaschierstrich bezeichnet.
Die erfindungsgemäße Kunststoffschicht wird in dem Kunstleder als Deckschicht eingesetzt, wobei die Kunststoffschicht bevorzugt eine Weich-PVC-Schicht ist, d.h. das mindestens eine Polymer als Matrix umfasst bzw. ist Weich-PVC. Beim Einsatz der erfindungsgemäßen Kunststoffschicht als Deckschicht in einem Kunstleder kann das Kaffeesatzpulver insbesondere zur Färbung der Deckschicht dienen. Die Deckschicht kann zusätzlich zum Kaffeesatzpulver weitere Farbstoffe und/oder Pigmente enthalten.
Das als Kunstleder eingesetzte mehrschichtige Verbundmaterial wird gewöhnlich durch ein herkömmliches narbgebendes Verfahren mit einer Ledernarbung, Textilnarbung oder einer technischen Oberfläche versehen. Ein Vorteil des mit der
erfindungsgemäßen Kunststoffschicht als Deckschicht versehenen Kunstleders ist beispielsweise, dass mit dem enthaltenen Kaffeesatz eine weitgehend natürliche wirkende Lederoptik erzielt werden kann.
Die Erfindung betrifft somit auch ein mehrschichtiges Verbundmaterial, das mindestens eine erfindungsgemäße Kunststoffschicht umfasst, wobei das mehrschichtige Verbundmaterial bevorzugt ein Kunstleder ist.
Das erfindungsgemäße Kunststoffmaterial ist bevorzugt gemäß dem nachstehend beschriebenen erfindungsgemäßen Verfahren erhältlich.
Die Erfindung betrifft ferner ein Verfahren zur Herstellung eines erfindungsgemäßen Kunststoffmaterials wie vorstehend beschrieben, wobei das Verfahren die folgenden Schritte umfasst a) Bilden einer Kunststoffzusammensetzung durch Mischen ihrer Bestandteile, die mindestens ein Polymer als Matrixbildner, Carboxylgruppen enthaltendes Kaffeesatzpulver und mindestens eine zweiwertiges oder dreiwertiges Metallkation enthaltende Metallverbindung umfassen, wobei das molare Verhältnis von Carboxylgruppen des Kaffeesatzpulvers zu den zweiwertigen oder dreiwertigen Metallkationen der mindestens einen Metallverbindung im Bereich von 1 :0,1 bis
1 :20, bevorzugt 1 :0,5 bis 1 : 10, liegt, b) Aufbringen der gebildeten Kunststoffzusammensetzung auf ein Substrat oder Formen der gebildeten Kunststoffzusammensetzung und c) gegebenenfalls Härten der aufgebrachten oder geformten Kunststoffzusammensetzung unter Bildung des Kunststoffmaterials.
Alternativ kann das Verfahren folgende Schritte umfassen:
A) Ansetzen und Mischen der Masse (wie oben unter a))
B) (Vor-)Batcherstellung aus Polymer, Additiven und Zuschlagstoffen und Kaffeesatzmaterial
C) Filmerstellung mittels Kalander oder Extruder
D) Vernetzung mittels internem oder externem, physikalischem oder chemischen System (chemische Vernetzer wie Isocyanate oder physikalische Vernetzung wie Elektronenstrahlvernetzung)
Alle vorstehenden Angaben zu dem erfindungsgemäßen Kunststoffmatenal, wie die Beispielen und bevorzugte Ausführungsformen, gelten selbstredend entsprechend für das erfindungsgemäße Verfahren, insbesondere hinsichtlich des mindestens einen Polymers, des Carboxylgruppen enthaltendes Kaffeesatzpulvers, der mindestens einen zweiwertiges oder dreiwertiges Metallkation enthaltenden Metallverbindung, des molaren Verhältnis von Carboxylgruppen des Kaffeesatzpulvers zu den zweiwertigen oder dreiwertigen Metallkationen der mindestens einen Metallverbindung, der optionalen zusätzlichen Additive und der Ausbildung des Kunststoffmaterials, etwa als Kunststoffschicht oder in einem mehrschichtigen Verbundsystem. Es wird daher auf diese Angaben verwiesen.
Gemäß Schritt a) des erfindungsgemäßen Verfahrens wird eine Kunststoffzusammensetzung durch Mischen ihrer Bestandteile gebildet. Die Bestandteile der Kunststoffzusammensetzung umfassen das mindestens eine Polymer als Matrixbildner, das Carboxylgruppen enthaltende Kaffeesatzpulver und die mindestens eine zweiwertiges oder dreiwertiges Metallkation enthaltende Metallverbindung. Die Kunststoffzusammensetzung kann ferner als weitere Bestandteile ein oder mehrere weitere Additive enthalten. Die Kunststoffzusammensetzung kann gegebenenfalls auch eine oder mehrere Lösungsmittel, z.B. Wasser und/oder ein organisches Lösungsmittel, enthalten. In einer bevorzugten Ausführungsform kann die Kunststoffzusammensetzung mindestens einen Weichmacher enthalten.
Der Weichmacher kann je nach eingesetztem Polymer in der Kunststoffzusammensetzung und Einsatzzweck variieren. Entsprechende Weichmacher sind im Handel erhältlich und dem Fachmann bekannt. Beispiele für geeignete Weichmacher sind Phthalsäureester, Ester aliphatischer Dicarbonsäuren, epoxydierte Öle, z.B. epoxidiertes Sojabohnenöl,
Citronensäurester, Trimellitate, Polyester, Phosphorsäureester, Fettsäureester und Terephthalsäureester.
Die Bestandteile der Kunststoffzusammensetzung können in fachüblichen Mischvorrichtungen gemischt werden. Die Mischung kann bei Umgebungstemperatur erfolgen. Es kann aber gegebenenfalls zweckmäßig sein, die Mischvorrichtung und/oder einzelne Bestandteile der Kunststoffzusammensetzung vorzuwärmen, um den Mischvorgang zu unterstützen. Die Reihenfolge der Zugabe der Bestandteile ist beliebig. Bei Einsatz von Weichmachern ist es häufig zweckmäßig, den Weichmacher in der Mischvorrichtung vorzulegen und dann die anderen Bestandteile zuzumischen.
Das Kaffeesatzpulver kann als solches oder in Form einer Vormischung zu der herzustellenden Kunststoffzusammensetzung zugegeben werden. Der Einsatz als Vormischung kann vorteilhaft sein, um das Kaffeesatzpulver zu schützen bzw. die Lagerfähigkeit zu verbessern, um eine bessere Vermischung in der Kunststoffzusammensetzung zu erreichen und/oder um eine geeignete Dosierungsform zu erhalten.
Zur Bildung einer Vormischung kann das Kaffeesatzpulver z.B. mit einem Weichmacher und gegebenenfalls einem Lösungsmittel vorgemischt werden. Je nach Anteil an Weichmacher können nach Bedarf "feuchte", pastenförmige oder fließfähige bzw. pumpfähige Vormischungen gebildet werden. Beispiele für geeignete Weichmacher und Lösungsmittel sind vorstehend genannt. Dabei verhindert der Weichmacher die Degradation des Kaffeesatzes durch Pilz- und Bakterienbefall sowie andere mikrobielle Zersetzungsvorgänge.
Alternativ kann zur Bildung einer Vormischung das Kaffeesatzpulver z.B. mit einem Polymer vermischt werden, wobei bevorzugt Pellets oder ein Granulat erhalten wird, bei dem das Kaffeesatzpulver in der Polymermatrix enthalten ist. Beispiele für geeignete Polymere sind die vorstehend als Matrixbildner für das Kunststoffmaterial genannten Polymere. Das Polymer kann dem mindestens einen Polymer für das Kunststoffmaterial entsprechen oder davon verschieden sein.
Bevorzugt sind thermoplastische Polymere oder thermoplastische Elastomere, z.B. TPU.
In einer besonders bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens werden das Carboxylgruppen enthaltende Kaffeesatzpulver und die mindestens eine zweiwertiges oder dreiwertiges Metallkation enthaltende Metallverbindung vor Zugabe zur Kunststoffzusammensetzung miteinander vermischt, gegebenenfalls unter weiterer Zugabe eines Weichmachers und/oder weiterer Bestandteile, um eine Kaffeesatz-Vormischung zu bilden. Die so erhaltene Kaffeesatz-Vormischung kann anschließend mit den anderen Bestandteilen der Kunststoffzusammensetzung zur Bildung der Kunststoffzusammensetzung gemischt werden.
Die Kaffeesatz-Vormischung wird nachstehend im Einzelnen erläutert. Ein besonderer Vorteil der Verwendung einer solchen Kaffeesatz-Vormischung besteht darin, dass durch eine Vormischung der beiden Komponenten und anschließender gemeinsamer Zugabe statt separater Zugabe der beiden Komponenten zur Kunststoffzusammensetzung eine innigere Mischung von Carboxylgruppen enthaltendem Kaffeesatzpulver und der mindestens einen zweiwertiges oder dreiwertiges Metallkation enthaltenden Metallverbindung erhalten wird, wodurch die Komplexierung von Carboxylgruppen an die zweiwertigen oder dreiwertigen Metallkationen vereinfacht und ein erhöhter Komplexierungsgrad erreicht werden kann.
Gemäß Schritt b) des erfindungsgemäßen Verfahrens wird die gebildete Kunststoffzusammensetzung auf ein Substrat aufgebracht oder durch ein Formverfahren in die gewünschte Form gebracht.
Das Aufbringen oder Formen der Kunststoffzusammensetzung kann nach gängigen Verfahren durchgeführt werden, z.B. durch Kalandrieren, Streichen, Sprühen, Drucken, Gießen oder Extrudieren. Beispielsweise kann die Kunststoffzusammensetzung durch Kalandrieren mit einem Kalander zu einer Kunststoffschicht in Form einer Kunststofffolie geformt werden oder es kann durch Anwendung eines Transfer-Coating-Verfahrens ein Kunststofffilm erzeugt werden.
Die aufgebrachte oder geformte Kunststoffzusammensetzung kann bereits eine genügende Festigkeit besitzen, um das Kunststoffmatenal zu bilden. In einem optionalen Schritt c) kann gegebenenfalls noch eine Härtung der aufgebrachten oder geformten Kunststoffzusammensetzung erfolgen, um das fertige Kunststoffmaterial zu bilden. Eine solche Härtung kann während des Aufbringens oder der Formgebung der Kunststoffzusammensetzung oder danach oder teilweise während des Aufbringens oder der Formgebung und teilweise danach erfolgen.
Eine solche Härtung kann eine bloße Verfestigung durch Trocknen und/oder Abkühlen darstellen. Eine Trocknung kann z.B. durch Erwärmen der Kunststoffzusammensetzung gefördert werden. Möglich ist auch eine Härtung durch Vernetzungsreaktionen in der Kunststoffzusammensetzung, wofür in der Regel ein geeigneter Vernetzer in der Kunststoffzusammensetzung enthalten ist. Diese Verfestigungs- bzw. Härtungsverfahren sind üblich und dem Fachmann bekannt.
Sofern die erfindungsgemäße Kunststoffschicht die Deckschicht eines Kunstleders bildet, wird das Kunstleder in der Regel in einem nachträglichen Schritt durch ein narbgebendes Verfahren mit einer Ledernarbung versehen. Es können übliche narbgebende Verfahren verwendet werden, z.B. Stahlprägen, Vakuumprägen oder Silikonprägen.
Die Erfindung betrifft ferner eine Kaffeesatz-Vormischung, die in dem erfindungsgemäßen Verfahren eingesetzt werden kann, wie vorstehend beschrieben. Das erfindungsgemäß eingesetzte Kaffeesatzpulver bezieht sich auf Röstprodukte der Kaffeeverarbeitung, welche durch Kaffeeherstellung als Abfallprodukt anfallen und somit als Kaffeesatz mit Anteilen von Kaffeeölen und Kaffeeölsäuren vorliegen. Die erfindungsgemäße Kaffeesatz-Vormischung umfasst dementsprechend Carboxylgruppen enthaltendes Kaffeesatzpulver und mindestens eine zweiwertiges oder dreiwertiges Metallkation enthaltende Metallverbindung, wobei das molare Verhältnis von Carboxylgruppen des Kaffeesatzpulvers zu den zweiwertigen oder dreiwertigen Metallkationen der mindestens einen Metallverbindung im Bereich von 1 :0,1 bis 1 :20 liegt.
Alle vorstehend gemachten Angaben zum Kaffeesatzpulver und zur mindestens einen zweiwertiges oder dreiwertigen Metallkation enthaltenden Metallverbindung und dem molaren Verhältnis von Carboxylgruppen zu zweiwertigen oder dreiwertigen Metallkationen gelten entsprechend.
Insbesondere liegt das molare Verhältnis von Carboxylgruppen des Kaffeesatzpulvers zu den zweiwertigen oder dreiwertigen Metallkationen der mindestens einen Metallverbindung in der Kaffeesatz-Vormischung bevorzugt im Bereich von 1 :0,5 bis 1 :10, bevorzugter 1 :0,7 bis 1 :5, besonders bevorzugt 1 :0,7 bis 1 :4.
Ferner ist es für die Kaffeesatz-Vormischung insbesondere bevorzugt, dass das zweiwertige oder dreiwertige Metallkation der mindestens einen Metallverbindung ausgewählt ist aus Ca2+, Mg2+, Fe2+, Ba2+, Zn2+, Fe3+, Al3+ oder einer Kombination davon, bevorzugt Ca2+, Ba2+, Mg2+, Zn2+ oder einer Kombination davon, und/oder die mindestens eine Metallverbindung als Gegenion ein Anion ausgewählt aus Carbonat, Hydroxid, Halogenid, z.B. Chlorid, Bromid oder lodid, Nitrat, Nitrit, Perchlorat, Chlorat, Oxid und Sulfat enthält, wobei die mindestens eine Metallverbindung bevorzugt Calciumcarbonat oder Calciumhydroxid ist. Weitere beispielhafte Verbindungen sind Magnesiumcarbonat oder Bariumchlorid. Ein Beispiel für eine mindestens ein dreiwertiges Metallkation enthaltende Metallverbindung ist eine Aluminiumseife oder Aluminiumhydroxid.
Die Kaffeesatz-Vormischung kann neben dem Kaffeesatzpulver und der mindestens einen zweiwertiges oder dreiwertiges Metallkation enthaltenden Metallverbindung gegebenenfalls ein oder mehr weitere Zusatzmittel enthalten, z.B. mindestens einen Weichmacher und/oder mindestens ein Polymer, bevorzugt mindestens einen Weichmacher. Solche Kaffeesatzpulver-Vormischungen mit mindestens einem Weichmacher und/oder mindestens einem Polymer entsprechen den Kaffeesatzpulver enthaltenden Vormischungen, die vorstehend beschrieben wurden, außer dass die mindestens eine zweiwertiges oder dreiwertiges Metallkation enthaltende Metallverbindung zusätzlich enthalten ist. Die Angaben dort gelten entsprechend. Insbesondere gelten auch die dort genannten Beispiele für Weichmacher und Polymere.
Der Gesamtmenge an Kaffeesatzpulver (Trockengewicht) und der mindestens einen zweiwertiges oder dreiwertiges Metallkation enthaltenden Metallverbindung in der Kaffeesatz-Vormischung kann z.B. im Bereich von 5 bis 100 Gew.-%, bevorzugt 25 bis 98 Gew.-%, besonders bevorzugt 50 bis 98 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der Kaffeesatz-Vormischung, liegen. Die Menge kann sich je nach Anwendung, z.B. mittels Streichen oder mittels Extruder, unterscheiden. Es kann ebenfalls ein Großteil des Weichmachers über die Vormischung für das finale Produkt beigefügt werden. Diesbezüglich können die prozentualen Anteile an Kaffeesatzpulver und der mindestens einen zweiwertiges oder dreiwertiges Metallkation enthaltenden Metallverbindung insgesamt auch relativ gering ausfallen, z.B. 5 Gew.-%.
Sofern die Kaffeesatz-Vormischung zusätzlich mindestens einen Weichmacher enthält, kann die Gesamtmenge an Kaffeesatzpulver (Trockengewicht), der mindestens einen zweiwertiges oder dreiwertiges Metallkation enthaltenden Metallverbindung und des mindestens einen Weichmachers in der Kaffeesatz- Vormischung z.B. im Bereich von 80 bis 100 Gew.-%, bevorzugt 90 bis 100 Gew.- %, bezogen auf das Gesamtgewicht der Kaffeesatz-Vormischung, liegen.
Die Mischung von Kaffeesatzpulver und der mindestens einen zweiwertiges oder dreiwertiges Metallkation enthaltenden Metallverbindung und gegebenenfalls eines oder mehrerer weiterer Zusatzmittel, wie mindestens einem Weichmacher, zur Bildung der Kaffeesatz-Vormischung kann in üblichen Mischvorrichtungen erfolgen.
Es kann zweckmäßig sein, das Kaffeesatzpulver und die mindestens eine zweiwertiges oder dreiwertiges Metallkation enthaltende Metallverbindung und gegebenenfalls weiterer Zusatzstoffe, wie Weichmacher, miteinander zu verreiben oder zu vermahlen, z.B. in einer Mörser- oder Scheibenmühle oder einem Walzstuhl, um eine möglichst innige Vermischung zu erhalten. Gegebenenfalls sind Rheologieadditive und Dispergieradditive hinzuzufügen, um eine bessere Stabilität der Paste zu erhalten.
Wie bereits vorstehend ausgeführt, bilden in der erfindungsgemäßen Kaffeesatz- Vormischung die Carboxylgruppen des Kaffeesatzpulvers mit dem oder den zweiwertigen oder dreiwertigen Metallkationen der mindestens einen Metallverbindung eine Komplexverbindung.
Die Erfindung betrifft des Weiteren die Verwendung der erfindungsgemäßen Kaffeesatz-Vormischung wie vorstehend beschrieben als Additiv für ein Kunststoffmaterial. Die Kaffeesatz-Vormischung eignet sich insbesondere als farbgebendes Mittel, Prozesshilfsmittel, Stabilisator und/oder Füllstoff für ein Kunststoffmaterial. Die Kaffeesatz-Vormischung kann sich auch als Bakterizid für ein Kunststoffmatenal eignen, insbesondere wenn die mindestens eine zweiwertiges Metallkation enthaltende Metallverbindung eine Zinkverbindung ist.
Die Erfindung betrifft ferner die Verwendung einer Metallverbindung, die ein zweiwertiges oder dreiwertiges Metallkation enthält, in einem Kunststoffmaterial, umfassend mindestens ein Polymer als Matrix und Carboxylgruppen enthaltendes Kaffeesatzpulver, zur Vermeidung der Anschmutzung des Kunststoffmaterials bzw. der Matenaloberfläche durch Migration von Komponenten des Kaffeesatzpulvers, z.B. Kaffeeölen oder Röstprodukten, wobei das molare Verhältnis von Carboxylgruppen des Kaffeesatzpulvers zu den zweiwertigen oder dreiwertigen Metallkationen der mindestens einen Metallverbindung im Bereich von 1 :0,1 bis 1 :20 eingestellt wird.
Alle vorstehenden Angaben zu dem Kunststoffmaterial, insbesondere hinsichtlich des mindestens einen Polymers, des Carboxylgruppen enthaltendes Kaffeesatzpulvers, der mindestens einen zweiwertiges oder dreiwertiges Metallkation enthaltenden Metallverbindung, des molaren Verhältnis von Carboxylgruppen des Kaffeesatzpulvers zu den zweiwertigen oder dreiwertigen Metallkationen der mindestens einen Metallverbindung sowie möglicher Additive gelten für die erfindungsgemäße Verwendung entsprechend, so dass darauf verwiesen wird.
Die Erfindung wird nun anhand von Beispielen weiter erläutert.
Beispiele
Beispiel 1
Die Zusammensetzung von Kaffeesatzpulver hinsichtlich Anteil an Kaffeeöl und Zusammensetzung des Kaffeeöls ist innerhalb eines gewissen Schwankungsbereichs recht ähnlich und bekannt. Die Zusammensetzung kann durch übliche Verfahren bestimmt werden. Der Anteil des Kaffeeöls kann z.B. über dessen Extraktion aus dem Kaffeesatz bestimmt werden. Geeignete Verfahren zur Analyse der Zusammensetzung des Kaffeeöls sind z.B. die Durchführung einer Head Space Gaschromatographie. Der Anteil von Kaffeeöl der gerösteten Kaffeebohnen kann z.B. zwischen 10-30 Gew.-% liegen.
Der molare Anteil an Carboxylgruppen im Kaffeesatz ergibt sich insbesondere aus der Menge und Zusammensetzung des darin enthaltenen Kaffeeöls. Die Zusammensetzung des Kaffeeöls kann z.B. gemäß folgender Tabelle sein.
mittleres Molgewicht (Kaffeeöl) 275 Das Molgewicht von Calciumcarbonat beträgt 100 g/mol. Bei einem mittleren
Molgewicht des Kaffeeöls von 275 g/mol benötigt man für ein stöchiometrisches Verhältnis von Kaffeeöl zu Calciumcarbonat (molares Verhältnis von
Carboxylgruppen zu Ca2+ = 1 :0,5) gemäß folgender Formel: (100/2)/275 (in Prozent) 18,2% Calciumcarbonat pro 100% Kaffeeöl.
Beispielsweise können 100 g Kaffeesatz (trocken) ca. 15 g Kaffeeöl enthalten. Um dieses Kaffeeöl zu komplexieren benötigt man ca. 2,73 g Calciumcarbonat (stöchiometrisches Verhältnis). Um eine sichere Komplexierung zu erhalten, wird ein dreifacher Anteil von Calciumcarbonat verwendet. Final würde man zu 100 g Kaffeesatz ca. 8,2 g Calciumcarbonat zugeben.
Die Menge an Kaffeeöl in einem Kaffeesatz kann von den Prozessen und Verfahren der Kaffeeherstellung, z.B. Röstung, variieren. Ferner hat die Brühtemperatur und der Druck der Kaffeeextraktion währen der Kaffeeherstellung, z.B. 60-80 °C oder Siebdruck oder Cold brew-Verfahren, deutlichen Einfluss auf den Kaffeeölanteil im Kaffeesatz.
Beispiel 2
Zur Herstellung einer Kaffeesatz-Vormischung gemäß Variante 1 und Variante 2 wird Kaffeesatzpulver mit Calciumcarbonat und weiteren Additiven gemäß den Mengenangaben in folgender Tabelle vermischt. Der gewünschte Anteil von Calciumcarbonat kann durch den Anteil an Kaffeeöl im Kaffeesatzpulver und der Zusammensetzung des Kaffeebohnenöls errechnet werden (vgl. Beispiel 1 ).
Kaffeesatz-Vorm ischungen
Mit den Kaffeesatz-Vormischungen können Kunststoffformulierungen gemäß Variante 1 und Variante 2 aus Weich-PVC gemäß der folgenden Tabelle hergestellt werden.
In einem Produkt mit Kaffeesatz ohne die Zugabe von Calciumcarbonat wurde eine verstärkte Migration von Kaffeeölen über einen Zeitraum von mindestens 3 Wochen festgestellt. Durch die Zugabe von Calcium ionen in Form von Calciumcarbonat wurde diese Migration deutlich verringert. Es konnte keine Migration an die Oberfläche in dieser Zeit festgestellt werden.