Beschreibung
Flexible Struktur
Die Erfindung betrifft eine Struktur mit Elementen, die untereinander eine Verbindung aufweisen und beweglich zueinander angeordnet sind.
Eine solche Struktur mit Elementen kann beispielsweise die Aufgabe einer Gleitring dichtung übernehmen. Eine Gleitringdichtung ist eine Dichtung, die bspw. eine rotie rende Pumpenwelle gegen ein feststehendes Pumpengehäuse so abdichtet, dass der Leckageverlust auf ein Mindestmaß reduziert und ein etwaiger Verschleiß der Dichtflä chen so gering wie möglich gehalten wird. Kennzeichen einer Gleitringdichtung sind zwei aufeinander gleitende Flächen, die durch axiale Kräfte gegeneinander gedrückt werden. Zwischen den Gleitflächen befindet sich ein flüssiger oder gasförmiger Schmierfilm.
Gleitringdichtungen weisen einen Dichtspalt auf, der rechtwinklig zur Wellenachse steht. Wellendichtungen dieser Bauart werden auch als axiale oder hydrodynamische Gleitringdichtungen (GLRD) bezeichnet. Solche Gleitringdichtungen benötigen gegen über anderen Dichtungssystemen einen kleineren Raum und eine geringere Wartung. Sie bewähren sich sowohl bei niedrigen als auch bei hohen abzudichtenden Drücken und Umfangsgeschwindigkeiten.
Im Betrieb gleiten zwei Dichtflächen aufeinander, die durch hydraulische und mechani sche Kräfte aufeinandergedrückt werden. Zwischen diesen beiden feinst bearbeiteten Gleitflächen befindet sich der Dichtspalt mit einem meist flüssigen Schmierfilm.
Eine Gleitringdichtung bei einer Kreiselpumpe dient zur Abdichtung einer durch das Ge häuse laufenden Welle. Gleitringdichtungen sind bei Kreiselpumpen in verschiedenen Ausführungen vorzusehen, wobei immer der Arbeitsbereich der Kreiselpumpe hinsicht lich der Materialauswahl zu berücksichtigen ist.
In der DE 102018208574 A1 ist eine Wellendichtungsanordnung mit einer Gleitring dichtung und einer Nebendichtung beschrieben, die mindestens einen O-Ring aufweist, der axial verschieblich angeordnet ist.
Weiterhin ist denkbar, dass eine Struktur mit Elementen außer als Dichtung auch als Strömungswiderstand in Rohrleitungen Verwendung findet. Der Strömungswiderstand ist die physikalische Größe, die in der Fluiddynamik die Kraft bezeichnet, die das Fluid als Medium einer Bewegung entgegensetzt. Ein Körper, der sich relativ zu einem gas förmigen oder flüssigen Medium bewegt, erfährt einen Strömungswiderstand in Form einer der Relativgeschwindigkeit entgegengesetzt wirkenden Kraft.
Erwünschte Strömungswiderstände in Rohrleitungen können beispielsweise von Arma turen dargestellt werden. Eine Armatur bezeichnet ein Bauteil zum Verändern und Steu ern von Fluidströmen, das insbesondere in Rohrleitungen verwendet wird. Die Wahl des Armaturentyps unterliegt Anforderungen bzgl. Dichtheit, Drosselung und Richtung des Fluidstromes, sowie des Mediums selbst. Ein Strömungswiderstand, der einen äußerst großen Wert aufweist, entspricht demnach nahezu einer Dichtung.
Die DE 102020003756 A1 beschreibt eine Armaturenanordnung bestehend aus ei nem Gehäuse mit zwei Öffnungen sowie einem Kanal, der einen Drosselabschnitt auf weist, dessen Querschnitt flexibel begrenzt werden kann. Der Drosselabschnitt ist als Strömungswiderstand in einer Rohrleitung ausgebildet.
Die bisher bekannten Lösungen sind meist statisch und dynamisch wenig variabel. Eine Beeinflussung einer Fluidströmung, bis hin zu einer Abdichtung, ist neben den bekann ten Lösungen von Armaturen bzw. Gleitringdichtungen nicht bekannt.
Aufgabe der Erfindung ist es, eine Struktur zur Beeinflussung von Fluidströmungen an zugeben. Dabei soll die Struktur individuell und kundenorientiert gestaltbar sein. Die Struktur soll zudem einfach, schnell und kostengünstig realisiert werden können.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch eine Struktur mit Elementen gelöst. Bevor zugte Varianten sind den Unteransprüchen, der Beschreibung und der Zeichnung zu entnehmen.
Erfindungsgemäß ist die Struktur mit Elementen in einem Fluid zur Änderung des Strö mungswiderstands angeordnet. Eine solche Anordnung kann vorzugsweise anstatt ei ner Gleitringdichtung und/oder als variabler Strömungswiderstand in einer Fluidströ mung zum Einsatz kommen.
Ein Element ist ein Grundbestandteil einer Struktur und kann nicht weiter zerlegt wer den, ohne seine Eigenschaften zu verlieren. Das Element kann gemäß der Erfindung als Ring und/oder Glied, als Flülse und/oder löchriges Plättchen und/oder konischer Hohlkörper ausgeführt sein.
Vorteilhafterweise weisen die Elemente untereinander eine Verbindung auf und sind dennoch beweglich zueinander angeordnet. Eine solche Verbindung ist vorzugsweise unmittelbar ausgeführt, beispielsweise als ineinander verflochtene Ringe. Eine derartig verbundene Anordnung von Elementen bildet ein flächiges Gebilde, das vorzugweise zu einer Trichterform formiert ist.
In einerweiteren Variante der Erfindung sind die Elemente mittelbar mit einem Hilfsele ment verbunden und zu einer Kette und/oder Schar und/oder einem Strang und/oder zu einer Reihe ausgebildet. Ein solches Hilfselement kann als strangartiges, volles Rund material oder als kurze Schlaufen realisiert sein. Die Elemente bilden als einzelne Glie der ein Band, das vorzugsweise spiralförmig angeordnet ist.
Vorteilhafterweise ist die Verbindung der Elemente flexibel ausgebildet, so dass die Ele mente zueinander beweglich sind. In Abhängigkeit von äußeren Kräften, insbesondere in Form von Bewegung, kann aufgrund der flexiblen Verbindung die Anordnung der Ele mente zueinander beeinflusst werden. Idealerweise ist der Strömungswiderstand, der von der Struktur mit Elementen in Fluiden bzw. Fluidströmungen gebildet wird, variabel ausgestaltbar und einstellbar. Je nach Ausführungsvariante der Erfindung ist die Bewe gung der Elemente zueinander in mindestens einer Dimension, vorzugsweise in zwei Dimensionen, insbesondere in drei Dimensionen, realisierbar.
Gemäß der Erfindung ist die Struktur mit Elementen mit einem Rotationsantrieb verbun den. Die Verbindung ist vorzugsweise über eine Welle ausgeführt. Wird die Welle von dem Rotationsantrieb in Bewegung gesetzt, fächert sich die Struktur mit Elementen auf grund der beweglichen Anordnung auf und verändert den Strömungswiderstand in einer Fluidströmung.
Idealerweise ist die Verbindung der Struktur mit Elementen und der Welle durch ein Aufpressen und/oder Aufschweißen oder Aufschrumpfen auf der Welle ausgeführt.
In einer bevorzugten Variante der Erfindung ist die Struktur mit Elementen als variabler Strömungswiderstand in einer Rohrleitung ausgeführt. Die Bewegung des Rotationsan triebs sowie die Ausgestaltung der Elemente führen zu einem Strömungswiderstand, der variabel und schnell angepasst werden kann.
In einerweiteren, vorteilhaften Variante bildet die Struktur mit Elementen einen Strö mungswiderstand an einer Pumpenwelle vergleichbar mit einer Gleitringdichtung. In Ab hängigkeit der Wellenrotation fließt gerade noch genügend Fluid zur Schmierung der Welle.
Idealerweise kann die Struktur mit Elementen unter Rotation der Welle zunehmend dichtend wirken. Dies lässt sich beispielsweise durch die Ausgestaltung der Elemente und durch das Auffächern der Struktur unter Rotation realisieren. In einer besonders be vorzugten Variante der Erfindung weist die Struktur mit Elementen eine Gummilippe
auf. Diese Gummilippe ist vorzugsweise am äußeren Rand der Struktur und bevorzugt auf der ström ungsabgewandten Seite angeordnet. Mit zunehmender Rotation kann die Gummilippe mit einer Rohrleitungswand oder einer Wellendurchführung in Kontakt tre ten und dichtend wirken. Bei einer vorteilhaften Variante der Erfindung kann die Gummi lippe durch eine Gummikappe ersetzt werden, die bei entsprechender Rotation als eine Art Deckel wirkt, wobei die Gummikappe mit einer Rohrleitungswand oder einer Wellen durchführung in Kontakt tritt und den Strömungsquerschnitt vollständig verschließt, so dass eine komplette Abdichtung erzielt wird.
Idealerweise ist die Struktur mit Elementen als flächiges Gebilde trichterförmig ausgebil det. Diese Ausgestaltung der Struktur unterstützt besonders das Auffächern des Trich ters unter Rotation und somit die Ausbildung als variabler Strömungswiderstand. In ei ner alternativen Variante der Erfindung sind die Elemente der Struktur beispielsweise mittelbar zu einer Spirale ausgebildet.
Vorteilhafterweise weist die Struktur mit Elementen Hohlräume auf, durch die die Flu idströmung fließen kann. Je nach Ausgestaltung der Elemente sind die Hohlräume grö ßer oder kleiner und somit an eine geforderte Fluidströmung ausgestaltbar.
Erfindungsgemäß ist die Struktur mit Elementen additiv gefertigt. Nur aufgrund dieser besonderen Fertigungstechnik ist die Struktur flexibel sowie mit äußerst geringem Mate rialeinsatz und sehr schnell zu erzeugen. Insbesondere die Verbindung der Elemente untereinander, die gleichzeitig beweglich zueinander angeordnet sind, kann nur durch die additive Fertigungstechnik erzielt werden.
Eine additiv gefertigte Struktur ist mit einem additiven Fertigungsverfahren erzeugt wor den. Die Bezeichnung additive Fertigungsverfahren umfasst alle Fertigungsverfahren, bei denen Material Schicht für Schicht aufgetragen wird und somit dreidimensionale Elemente erzeugt werden. Dabei erfolgt der schichtweise Aufbau computergesteuert aus einem oder mehreren flüssigen oder festen Werkstoffen nach vorgegebenen Ma ßen und Formen. Beim Aufbau finden physikalische oder chemische Härtungs- oder
Schmelzprozesse statt. Typische Werkstoffe für das 3D-Drucken sind Kunststoffe, Kunstharze, Keramiken, Metalle, Carbon- und Graphitmaterialien.
Unter generativen bzw. additiven Fertigungsverfahren versteht man Verfahren, bei de nen Material Schicht für Schicht aufgetragen wird, um eine dreidimensionale Struktur aus Elementen zu erzeugen. Gemäß der Erfindung ist der variable Strömungswider stand als additiv gefertigte Struktur ausgebildet. Für die Ausbildung der Struktur mit Ele menten werden insbesondere das selektive Laserschmelzen und das Cladding, auch bekannt als Auftragsschweißen, angewandt. In einer alternativen Variante der Erfindung ist auch das Extrudieren in Kombination mit dem Aufträgen von schmelzfähigem Kunst stoff ein anwendbares Verfahren.
Beim selektiven Laserschmelzen wird ein Element der Struktur nach einem Verfahren hergestellt, bei dem zunächst eine Schicht eines Aufbaumaterials auf eine Unterlage aufgebracht wird. Vorzugsweise handelt es sich bei dem Aufbaumaterial zur Herstellung des Elements der Struktur um metallische Pulverteilchen. Bei einer Variante der Erfin dung werden dazu eisenhaltige und/oder kobalthaltige Pulverpartikel eingesetzt. Diese können Zusätze wie Chrom, Molybdän oder Nickel enthalten. Der metallische Aufbau werkstoff wird in Pulverform in einer dünnen Schicht auf eine Platte aufgebracht. Dann wird der pulverförmige Werkstoff mittels einer Strahlung an den jeweils gewünschten Stellen lokal vollständig aufgeschmolzen und es bildet sich nach der Erstarrung eine feste Materialschicht. Anschließend wird die Unterlage um den Betrag einer Schichtdi cke abgesenkt und es wird erneut Pulver aufgetragen. Dieser Zyklus wird so lange wie derholt, bis alle Schichten hergestellt sind und die fertige Struktur mit Elementen ent standen ist. Erfindungsgemäß wird dabei eine Struktur erzeugt, die besonders filigran und optimiert als Strömungswiderstand ausgebildet ist. Die Struktur mit Elementen kann durch konventionelle Verfahren technisch nicht erzeugt werden.
Als Strahlung kann beispielsweise ein Laserstrahl zum Einsatz kommen, welcher das Element aus den einzelnen Pulverschichten generiert. Die Daten zur Führung des La-
serstrahls werden auf der Grundlage eines 3D-CAD-Körpers mittels einer Software er zeugt. Alternativ zu einem selektiven Laserschmelzen kann auch ein Elektronenstrahl (EBN) zum Einsatz kommen.
Beim Auftragsschweißen oder Cladding wird das Element nach einem Verfahren herge stellt, das ein Anfangsstück durch Schweißen beschichtet. Das Auftragsschweißen baut dabei durch einen Schweißzusatzwerkstoff in Form von einem Draht oder einem Pulver ein Volumen auf, das eine besonders filigrane und optimierte Form des Elements reali siert.
Gemäß der Erfindung wird eine Struktur mit Elementen, die untereinander eine Verbin dung aufweisen und beweglich zueinander angeordnet sind, in einem Fluid zur Ände rung des Strömungswiderstands verwendet. Die Struktur mit Elementen findet somit ei nen Einsatz als flexible Dichtstruktur, die zunächst offen für eine Fluidströmung ausge bildet ist und durch eine Rotationsbewegung in eine dynamische Dichtung überführt werden kann.
Weitere Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der Beschreibung von Ausführungsbeispielen anhand der Zeichnungen und aus den Zeichnungen selbst.
Dabei zeigt:
Fig. 1 eine Struktur mit Elementen in einer Rohrleitung.
Fig. 1 zeigt beispielhaft eine Rohrleitung 1 , in die eine Struktur 2 mit Elementen 3 imple mentiert ist. In dieser Ausführungsvariante ist die Struktur 2 mit Elementen 3 als variab ler Strömungswiderstand ausgeführt, der über eine Welle 5 mit einem Rotationsantrieb verbunden ist. Vorzugsweise strömt ein Fluid von der Wellenseite kommend über den variablen Strömungswiderstand hinweg und/oder durch die Flohlräume 6 des variablen Strömungswiderstands hindurch. Der variable Strömungswiderstand wird durch die Be wegung des Rotationsantriebs aufgefächert, wodurch die untereinander verbundenen
Elemente 3 aufgrund ihrer Beweglichkeit und aufgrund der wirkenden Zentrifugalkräfte gemäß ihrer Verbindung auseinanderdriften.
Der variable Strömungswiderstand weist am äußeren Rand seiner Struktur 2 auf der wellenabgewandten Seite eine Gummilippe 4 auf, die sich in Abhängigkeit der Rotati onsgeschwindigkeit bis zur Rohrleitung 1 erstrecken und dabei abdichtend wirken kann. Somit kann der variable Strömungswiderstand bei maximaler Rotationsgeschwindigkeit auch als Dichtung fungieren. Der in Fig. 1 dargestellte variable Strömungswiderstand entfaltet seine Widerstandswir kung mit zunehmender Rotationsgeschwindigkeit. Die generativ gefertigten Elemente 3 sind beweglich untereinanderzu einer Trichterform verbunden. Dabei können die Ele mente 3 vorzugsweise als Ringe ausgebildet sein, deren Materialdicke in Abhängigkeit des auszubildenden Strömungswiderstandes realisiert ist.