Radarmessgerät mit einer Anordnung kaskadierbarer Radarelemente Gebiet der Erfindung
Die Erfindung betrifft das technische Gebiet der Radarmesstechnik, insbesondere im Bereich der Prozessautomatisierung im industriellen und privaten Umfeld. Insbesondere betrifft die Erfindung ein Radarmessgerät und eine bestimmte Verwendung eines derartigen Messgeräts.
Technischer Hintergrund
In der Füllstandmessung können mehrdimensional messende, d. h. zwei- oder dreidimensional messende Radarsysteme verwendet werden. Insbesondere im Bereich der Prozessautomatisierung und der Fabrikautomatisierung haben sich hier neue, vorteilhafte Anwendungen herausgebildet. So können dreidimensional messende Radarsysteme für die Vermessung von Schüttguthalden oder für Mikrowellenschranken verwendet werden.
Bekannt sind weiterhin integrierte Radarchips (RSoC’s), welche eine Vielzahl an Digital- und Analogkomponenten zur Umsetzung von mehreren Radarsendekanälen (Tx) und/oder Radarempfangskanälen (Rx) aufweisen. Auf Basis dieser RSoC’s, welche eingerichtet sind zum externen Anschließen mehrerer Sendeantennen und/oder Empfangsantennen, lassen sich durch geschickte Positionierung der Einzelantennen größere virtuelle Arrayantennen synthetisieren, deren Signale wiederum Grundlage für die Durchführung einer digitalen Strahlformung sind.
Frequenzen oberhalb von 80 Ghz stellen dabei hinsichtlich der Positioniergenauigkeit und Synchronisierung eine große Herausforderung dar.
Zusammenfassung
Es ist eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Radarmessgerät mit großer Apertur zu realisieren.
Diese Aufgabe wird durch die Merkmale des unabhängigen Anspruchs gelöst. Weiterbildungen der Erfindung ergeben sich aus den abhängigen Ansprüchen und der folgenden Beschreibung von Ausführungsformen.
Ein erster Aspekt der vorliegenden Offenbarung betrifft ein Radarmessgerät, insbesondere ein Radarmessgerät der Prozessautomatisierung im industriellen oder privaten Umfeld, welches einen Träger, beispielsweise eine Leiterplatte, aufweist, sowie eine auf dem Träger angeordnete Anordnung kaskadierbarer Radarelemente.
„Kaskadierbar“ bedeutet im Rahmen der vorliegenden Offenbarung, dass die einzelnen Radarelemente miteinander verschaltet bzw. verkettet werden können, um ein Array auszubilden, welches eine Vielzahl an Sende- und/oder Empfangsantennen aufweist. Durch die Verschaltung der Radarelemente miteinander kann eine zwei- oder dreidimensionale Strahlsteuerung mit hoher Auflösung erfolgen.
Die einzelnen Radarelemente weisen jeweils einen Radarchip und zumindest eine Sendeantenne und/oder zumindest eine Empfangsantenne auf. Die zumindest eine Sendeantenne und/oder die zumindest eine Empfangsantenne ist derart nahe am Rand des entsprechenden Radarelements angeordnet (zumindest die äußeren Antennen), dass alle zueinander benachbarten Sendeantennen zumindest zweier nebeneinander angeordneter Radarelemente denselben Abstand zueinander aufweisen und/oder alle zueinander benachbarten Empfangsantennen zumindest zwei nebeneinander angeordneter Radarelemente denselben Abstand zueinander aufweisen.
Diese Eigenschaft könnte auch als Translationsperiodizität bezeichnet werden. Gemäß einer Ausführungsform bilden die Sendeantennen der Radarelemente zusammen mit
den Empfangsantennen in zumindest einer ersten Richtung ein vollbesetztes virtuelles Array von n virtuellen Antennenpositionen aus, wobei n eine natürliche Zahl ist.
Ein Kernaspekt der vorliegenden Offenbarung kann darin gesehen werden, ein neuartiges Radarelement mit integrierten Antennen vorzuschlagen, welches geeignet ist, nach Zusammenschaltung mit einer vorgebbaren Anzahl gleichartiger Radarelemente ein Gesamtsystem bereitzustellen, das es ermöglicht, eine Vielzahl an Signalen zu erfassen, um daraus eine größere virtuelle Gesamtarrayantenne ohne Aperturlücken zu bilden, und auf Basis dieser ein Strahlformungsverfahren mit einer hohen Winkelauflösung durchführen zu können.
Bedingt durch die beschriebene Anordnung/Positionierung der Radarelemente mit integrierten Antennen auf einem Trägermaterial, bspw. einer Leiterplatte, kann auf den Aufbau eines zusätzlichen Antennensystems verzichtet werden. Dies ermöglicht die preisgünstige Realisierung komplexer bildgebender Radarsysteme insbesondere bei Frequenzen oberhalb von 80 GHz bspw. 140 GHz bzw. 240 GHz.
Gemäß einer Ausführungsform weist die Anordnung kaskadierbare Radarelemente mit mindestens einer Sende- und mindestens einer Empfangsantenne auf, welche im Chip bzw. Package angeordnet sind (AoC bzw. AiP), deren virtuelle Einzelarrays, zumindest in einer ersten Dimension aus n virtuellen Antennenpositionen bestehen und einen Abstand von d„ <
aufweisen, zumindest in einer zweiten Dimension aus m virtuellen Antennenpositionen bestehen und einen Abstand von dm <
aufweisen, wobei die äußere Dimension des Radarelementes zumindest in einer ersten Dimension < n dn ist, - zumindest in einer zweiten Dimension < m dm ist,
und welche zur Erfassung von Daten zur Durchführung eines digitalen Strahlformungsverfahrens eingerichtet sind, wobei zumindest zwei benachbarte Radarelemente - zumindest entlang einer ersten Dimension einen Abstand bzw. lateralen Versatz von n d„ aufweisen. zumindest entlang einer zweiten Dimension einen Abstand bzw. lateralen Versatz von m dm aufweisen. Gemäß einer weiterer Ausführungsform bilden die Sendeantennen der Radarelemente zusammen mit den Empfangsantennen in zumindest einer zweiten Richtung, die typischerweise senkrecht zur ersten Richtung verläuft, ein vollbesetztes virtuelles Array von m virtuellen Antennenpositionen aus, wobei m eine natürliche Zahl ist. Die einzelnen Radarelemente sind derart relativ zueinander angeordnet, dass ein vollständiges virtuelles Array erzeugt wird, dessen Ausdehnung typischerweise größer ist als die physikalische Ausdehnung der Anordnung kaskadierbarer Radarelemente.
Gemäß einer weiteren Ausführungsform der vorliegenden Offenbarung sind die Abstände der Empfangsantennen der Radarelemente zueinander in einer ersten Richtung und/oder einer zweiten Richtung kleiner oder gleich der halben Wellenlänge des abzustrahlenden Radarmesssignals.
Gemäß einer weiteren Ausführungsform sind die Abstände der Sendeantennen der Radarelemente zueinander in der ersten Richtung und/oder der zweiten Richtung kleiner oder gleich der halben Wellenlänge des abzustrahlenden Radarmesssignals.
Gemäß einer weiteren Ausführungsform der vorliegenden Offenbarung weisen die Radarelemente jeweils eine Länge und eine Breite auf, welche typischerweise durch den Abstand der virtuellen Antennenpositionen vorgegeben ist und somit die jeweilige Ausdehnung des Trägers bestimmt. Die Breite der Radarelemente ist hierbei kleiner oder gleich dem n-fachen Abstand der virtuellen Antennenpositionen zueinander (n x dn).
Gemäß einer weiteren Ausführungsform ist die Länge der Radarelemente kleiner oder gleich dem m-fachen Abstand der virtuellen Antennenpositionen zueinander (m x dm).
Gemäß einer weiteren Ausführungsform weist der Träger eine quadratische oder rechteckige Form auf.
Gemäß einerweiteren Ausführungsform sind die zumindest eine Sendeantenne und die zumindest eine Empfangsantenne Teil eines Chips oder Packages des entsprechenden Radarelements.
Gemäß einer weiteren Ausführungsform ist das Radarmessgerät ein Füllstandradarmessgerät, das eingerichtet ist zur Bestimmung des Füllstands in einem Behälter. Gemäß einer weiteren Ausführungsform ist das Radarmessgerät ein Distanz- oder Grenzstandradarmessgerät, eingerichtet zur Prozessautomatisierung im industriellen oder privaten Umfeld.
Ein weiterer Aspekt der vorliegenden Offenbarung betrifft die Verwendung eines oben und im Folgenden beschriebenen Radarmessgeräts zur Füllstandmessung oder
Grenzstandmessung.
Ein weiterer Aspekt der vorliegenden Offenbarung betrifft die Verwendung eines oben und im Folgenden beschriebenen Radarmessgeräts zur Bereichsüberwachung, beispielsweise im Gefahrenbereich einer Maschine oder eines Abschnitts eines
Förderbands.
Unter dem Begriff „Prozessautomatisierung im industriellen Umfeld“ kann ein Teilgebiet der Technik verstanden werden, welches Maßnahmen zum Betrieb von Maschinen und Anlagen ohne Mitwirkung des Menschen beinhaltet. Ein Ziel der Prozessautomatisierung ist es, das Zusammenspiel einzelner Komponenten einer Werksanlage in den Bereichen Chemie, Lebensmittel, Pharma, Erdöl, Papier, Zement, Schifffahrt oder Bergbau zu automatisieren. Hierzu können eine Vielzahl an Sensoren eingesetzt werden, welche insbesondere an die spezifischen Anforderungen der
Prozessindustrie, wie bspw. mechanische Stabilität, Unempfindlichkeit gegenüber Verschmutzung, extremen Temperaturen und extremen Drücken, angepasst sind. Messwerte dieser Sensoren werden üblicherweise an eine Leitwarte übermittelt, in welcher Prozessparameter wie Füllstand, Grenzstand, Durchfluss, Druck oder Dichte überwacht und Einstellungen für die gesamte Werksanlage manuell oder automatisiert verändert werden können.
Ein Teilgebiet der Prozessautomatisierung im industriellen Umfeld betrifft die Logistikautomation von Anlagen und die Logistikautomation von Lieferketten. Mit Hilfe von Distanz- und Winkelsensoren werden im Bereich der Logistikautomation Abläufe innerhalb oder außerhalb eines Gebäudes oder innerhalb einer einzelnen Logistikanlage automatisiert. Typische Anwendungen finden z.B. Systeme zur Logistikautomation im Bereich der Gepäck- und Frachtabfertigung an Flughäfen, im Bereich der Verkehrsüberwachung (Mautsysteme), im Handel, der Paketdistribution oder aber auch im Bereich der Gebäudesicherung (Zutrittskontrolle). Gemein ist den zuvor aufgezählten Beispielen, dass eine Präsenzerkennung in Kombination mit einer genauen Vermessung der Größe und der Lage eines Objektes von der jeweiligen Anwendungsseite gefordert wird. Hierfür können Sensoren auf Basis optischer Messverfahren mittels Laser, LED, 2D-Kameras oder 3D-Kameras, die nach dem Laufzeitprinzip (time of flight, ToF) Abstände erfassen, verwendet werden.
Ein weiteres Teilgebiet der Prozessautomatisierung im industriellen Umfeld betrifft die Fabrik-/Fertigungsautomation. Anwendungsfälle hierzu finden sich in den unterschiedlichsten Branchen wie Automobilherstellung, Nahrungsmittelherstellung, Pharmaindustrie oder allgemein im Bereich der Verpackung. Ziel der Fabrikautomation ist, die Herstellung von Gütern durch Maschinen, Fertigungslinien und/oder Roboter zu automatisieren, d. h. ohne Mitwirkung des Menschen ablaufen zu lassen. Die hierbei verwendeten Sensoren und spezifischen Anforderungen im Hinblick auf die Messgenauigkeit bei der Erfassung der Lage und Größe eines Objektes sind mit denen der im vorigen Beispiel der Logistikautomation vergleichbar.
Im Folgenden werden mit Verweis auf die Figuren Ausführungsformen der vorliegenden Offenbarung beschrieben. Werden in der folgenden Figurenbeschreibung die gleichen
Bezugszeichen verwendet, so bezeichnen diese gleiche oder ähnliche Elemente. Die Darstellungen in den Figuren sind schematisch und nicht maßstäblich.
Kurze Beschreibung der Figuren
Fig. 1 zeigt ein kaskadierbares Radarelement gemäß einer Ausführungsform.
Fig. 2 zeigt die Anordnung von zwei kaskadierbaren Radarelementen auf einer Leiterplatte (Träger).
Fig. 3 zeigt ein kaskadierbares Radarelement gemäß einerweiteren Ausführungsform.
Fig. 4 zeigt ein Elektronikbauteil eines Radarmessgeräts gemäß einer Ausführungsform. Fig. 5 zeigt ein kaskadierbares Radarelement gemäß eine weiteren Ausführungsform.
Fig. 6 zeigt die Zusammenschaltung von zwei kaskadierbaren Radarelementen gemäß einer Ausführungsform. Fig. 7 zeigt die Zusammenschaltung von drei kaskadierbaren Radarelementen gemäß einer Ausführungsform.
Fig. 8 zeigt die Zusammenschaltung von drei Radarelementen gemäß einer weiteren Ausführungsform.
Fig. 9 zeigt die Zusammenschaltung von drei Radarelementen gemäß einer weiteren Ausführungsform.
Fig. 10 zeigt die Zusammenschaltung von vier Radarelementen gemäß einer weiteren Ausführungsform.
Fig. 11 zeigt ein kaskadierbares Radarelement gemäß einerweiteren Ausführungsform.
Fig. 12 zeigt die Zusammenschaltung von drei kaskadierbaren Radarelementen gemäß einer Ausführungsform.
Fig. 13 zeigt die Zusammenschaltung von drei kaskadierbaren Radarelementen gemäß einer weiteren Ausführungsform.
Fig. 14 zeigt die Zusammenschaltung von acht kaskadierbaren Radarelementen gemäß einer Ausführungsform. Fig. 15 zeigt die Zusammenschaltung von 16 kaskadierbaren Radarelementen gemäß einerweiteren Ausführungsform.
Fig. 16 zeigt ein Radarmessgerät mit einem Elektronikbauteil gemäß einer Ausführungsform.
Detaillierte Beschreibung von Ausführungsformen
Figur 1 zeigt eine erste Ausführungsform 101 eines kaskadierbaren Radarelements. Bei dem Radarelement 101 kann es sich in einer ersten Ausführungsform um ein Elektronikbauteil 101 handeln, welches ein Gehäuse (Package) 102 umfasst, in welchem zumindest ein Halbleiterchip 103 integriert ist. Der Halbleiterchip kann verschiedene Schaltungsteile zur Erzeugung und/oder Verarbeitung von
Hochfrequenzsignalen beinhalten. Bei dem Halbleiterchip 103 kann es sich insbesondere um einen Galliumarsenid Halbleiter, einen Silizium-Germanium Halbleiter oder einen BiCMOS oder HF-CMOS Halbleiter handeln, welcher geeignet ist, Schaltungen zur Verarbeitung hochfrequenter Signale zu realisieren. Das Package 102 kann beispielsweise auf Basis eines Kunststoffmaterials oder einer anderweitigen dielektrischen Moldingmasse realisiert sein. Der Halbleiterchip 103 ist über elektrisch leitende Verbindungen 108, beispielsweise Bondverbindungen 108 mit zumindest einer ebenfalls im Gehäuse 102 integrierten Antenne 104, 105 (AIP, Antenna in Package) verbunden, die wiederum zum Abstrahlen 106 und/oder Erfassen 107 von Radarsignalen geeignet ist.
Der Halbleiterchip 103 ist über weitere elektrisch leitende Verbindungen 109, beispielsweise Bonddrähte 109, mit an der Außenseite des Radarelements 101 angebrachten Kontaktierungspunkten 110, beispielsweise den Balls 110 eines BGA- Gehäuses, verbunden. Um mehrere Radarelemente 101 kaskadieren zu können, weist der Baustein 101 zumindest eine Kontaktierungsmöglichkeit 111 zum Einbringen eines externen Synchronisationssignals sowie zumindest eine weitere Kontaktierungsmöglichkeit 112 zum Ausgeben eines internen Synchronisationssignals auf. Bei den Synchronisationssignalen kann es sich beispielsweise um Lokaloszillatorsignale LO_IN, LO_OUT mit einer Frequenz oberhalb 1GHz handeln. Es können jedoch auch anderweitige Synchronisationssignale verwendet werden.
Die Ausführungsform 101 kann insbesondere für Radarfrequenzen im Bereich bis zu 120GHz, insbesondere auch für Radarfrequenzen im Bereich um 80GHz vorteilhaft verwendet werden.
Eine Kaskadierung mehrerer solcher Radarelemente kann durch eine Montage, beispielsweise ein Auflöten auf einem Leiterplattenmaterial, erfolgen.
Figur 2 zeigt eine entsprechende Anordnung auf einem Leiterplattenmaterial 201. Die Elektronikbauteile 203, 204, welche beide vom Typ des Radarelementes 101 sind, werden in einer Weiterbildung auf einem geeigneten Trägermaterial 201 , beispielsweise einem Leiterkartenmaterial, zu einem kaskadierten Radarsystem 200 zusammengeschaltet. Charakteristisch ist hierbei, dass die beiden Radarchips in einer Betriebsphase gemeinsam betrieben werden. Hierbei ist insbesondere vorgesehen, Radarsignale mit einem ersten Element 203 abzustrahlen und mit einem zweiten Element 204 wieder zu empfangen. Die hierzu erforderliche Synchronisation der beiden Einheiten 203, 204 erfolgt durch Weiterleiten eines im ersten Radarchip 203 verwendeten Synchronisationssignals, welches über einen Ausgabekontakt LO_OUT 112 des ersten Bauteils 203 und eine Leiterbahn 202, welche auf der Leiterkarte 201 aufgebracht sein kann, an einen Eingabepunkt LO_IN 111 des zweiten Bauelements 204 weitergeleitet werden kann.
Figur 3 zeigt eine weitere Ausführungsform 301 eines kaskadierbaren Radarelements. Bei der dargestellten zweiten Ausführungsform 301 kann es sich um einen
Halbleiterchip 301 handeln, welcher neben den Schaltkreisen zur Erzeugung und/oder Verarbeitung von Radarsignalen auch Antennen oder Primärstrahler 302, 303 (AoC, Antenna on Chip) zum Abstrahlen 304 und/oder Erfassen 305 von Radarsignalen aufweist. Bei dem Halbleiterchip 301 kann es sich insbesondere um einen Galliumarsenid Halbleiter, einen Silizium-Germanium Halbleiter oder einen BiCMOS oder HF-CMOS Halbleiter handeln, welcher geeignet ist, Schaltungen zur Verarbeitung hochfrequenter Signale zu realisieren. Der Halbleiterchip 301 ist ausgeführt, über elektrisch leitende Kontaktierungsflächen 306, 307, 308, beispielsweise metallisierte, mit Bondverbindungen kontaktierbare Flächen 306, 307, 308, mit anderen leitenden Flächen oder Halbleiterchips verbunden zu werden. Um mehrere Radarelemente 301 kaskadieren zu können, weist der Chip 301 zumindest eine Kontaktierungsmöglichkeit 306 zum Einbringen eines externen Synchronisationssignals LO_IN, beispielsweise mit einer Frequenz oberhalb 1GHz auf, sowie zumindest eine weitere
Kontaktierungsmöglichkeit 308 zum Ausgeben eines internen Synchronisationssignals LO_OUT, dessen Frequenz in einem Beispiel ebenfalls oberhalb von 1GHz liegen kann, auf.
Diese Ausführungsform kann insbesondere für Radarfrequenzen im Bereich oberhalb von 120GHz, insbesondere auch für Radarfrequenzen im Bereich um 180GHz oder im Bereich um 240GHz vorteilhaft verwendet werden.
Eine Kaskadierung mehrerer solcher Radarelemente kann durch eine Montage mehrerer solcher Halbleiterchips in einem Package erfolgen. Figur 4 zeigt einen entsprechenden Aufbau. Die Halbleiterchips 402, 403, welche beide vom Typ des Halbleiterchips 301 sind, werden in einer Weiterbildung in einem Chipgehäuse 401 , beispielsweise einem BGA-Gehäuse, einem QFN-Gehäuse oder anderen bekannten Gehäuseformen, zu einem Elektronikbauteil 400 in Form eines kaskadierten Radarsystems zusammengeschaltet. Charakteristisch ist hierbei, dass die beiden Radarchips 402, 403 in einer Betriebsphase gemeinsam betrieben werden. Hierbei ist insbesondere vorgesehen, Radarsignale 410 mit einem ersten Chip 402 über ein Antenna on Chip (AoC) Element 409 abzustrahlen und mit einem zweiten Chip 403 über eine darauf integrierte Antenne 412 wieder zu empfangen 411. Die hierzu erforderliche Synchronisation der beiden Halbleiterchips 402, 403 erfolgt durch Weiterleiten eines im ersten Radarchip 402 verwendeten Lokaloszillatorsignals, welches über einen
Ausgabekontakt LO_OUT 308 des ersten Chips 402 über eine Bonddrahtverbindung 404 an einen Eingabepunkt LO_IN 306 des zweiten Halbleiterchips 403 weitergeleitet werden kann. Das sich gemäß dem Schema der Figur 4 realisierte Elektronikbauteil 400 kann somit alle Antennenelemente für ein Strahlformen aufweisen, und direkt auf einem Leiterplattenmaterial weiter verarbeitet werden. Es kann ergänzend auch vorgesehen sein, mehrere Radarelemente 400 auf einer Leiterplatte 201 anzuordnen, um ein weiteres Kaskadieren zu ermöglichen, und somit eine weitere Erhöhung der Anzahl an Radarkanälen und somit eine weitere Erhöhung der Winkelauflösung bei der digitalen Strahlformung herbeizuführen. Das Bauelement 401 weist hierzu zumindest eine Kontaktierungsmöglichkeit 406 zur externen Zuführung eines Lokaloszillatorsignals LO_IN auf, welches über eine Bondverbindung 405 an eine entsprechende Kontaktierungsfläche 306 des ersten Halbleiterchips 402 weitergeleitet wird. Darüber hinaus weist das Bauelement eine weitere Kontaktierungsmöglichkeit 408 auf, welche über eine Bondverbindung 407 ein internes Lokaloszillatorsignal LO_OUT nach außen hin bereitstellen kann.
Obiges Ausführungsbeispiel dient der Veranschaulichung und soll den beanspruchten Bereich nicht einschränken. Es kann alternativ oder ergänzend vorgesehen sein, andere Synchronisationsmechanismen zu verwenden. Beispielhaft seien hier die
Ausführungsbeispiele der EP 3255392 B1 genannt.
Die Anordnung der Figur 4 zeigt eine erste exemplarische Einbettung in ein Bauteilgehäuse 401. Anwendungsspezifisch sind auch andere Anordnungen mit einer Vielzahl an integrierten Radarchips 301 möglich. Da die dazu verwendbaren, kaskadierbaren Radarelemente mit integrierten Antennen 301 technisch immer identisch sind, ergibt sich der Vorteil, durch Massenproduktion diese sehr günstig hersteilen zu können. Durch verschiedene Formen des Packaging können dennoch verschiedenartige anwendungsspezifische Bauteile 401 daraus abgeleitet werden.
Es ist vorgesehen, mehrere entsprechende Radarelemente zu kaskadieren, um so durch eine entsprechende Anordnung der Elemente ein größeres Arrays bereitzustellen, welches zur Erfassung von Daten zur Durchführung eines digitalen
Strahlformungsverfahrens verwendet werden kann. Im Stand der Technik sind unterschiedliche Antennenanordnungen bekannt, welche die Durchführung eines digitalen Strahlformungsverfahrens ermöglichen. Zur Erreichung hochwertiger Signalverarbeitungsergebnisse ist dort regelmäßig vorgeschlagen, Antennen derart anzuordnen, dass diese ein virtuelles Antennenarray ergeben, dessen Elemente idealerweise in einem äquidistanten Raster von maximal der halben Wellenlänge des verwendeten Radarsignals beabstandet sind.
Figur 5 zeigt exemplarisch ein kaskadierbares Radarelement 501 sowie dessen Antennenanordnung, welches eine Anordnung auf einer Leiterplatte zur Generierung eines größeren, vollständig besetzten linearen Arrays erlaubt.
Die i-Sendeelemente (O) 510 sind im Abstand d0 511 , wobei l der minimalen
Wellenlänge des verwendeten Radarsignals entspricht, und die /-Empfangselemente (X) 520 im Abstand 521 angeordnet. Alle Elemente befinden sich im
Randbereich der Leiterplatte, also am oberen, unteren, rechten oder linken Rand 580,
581 der Leiterplatte.
Das sich ergebende lineare, vollbesetzte virtuelle Array eines einzelnen
Radarelementes besteht optimalerweise aus N = i · / virtuellen Antennenpositionen (□) 530 mit einem Abstand von 531. Das erzeugte virtuelle Array weist keine
Mehrfachbelegungen bzw. Redundanzen auf und besitzt somit die in einer Dimension/Richtung 540 maximal mögliche laterale Ausdehnung von n = N Elementen im Abstand dn. Dies erleichtert die Positionierung weiterer Radarelemente bei der Kaskadierung aufgrund der möglichen größeren Abstände zwischen den einzelnen Radarelementen. Im vorliegenden Beispiel ergibt sich für ein einzelnes Radarelement ein lineares virtuelles Array aus n = 6 Elementen. Weist das virtuelle Array keine Mehrfachbelegungen auf, haben die äußeren virtuellen Antennenpositionen eines einzelnen Radarelementes einen Abstand von (n — 1) dn 532. Mit dem gezeigten Radarelement 501 lassen sich insbesondere eindimensional strahlformende Radarsysteme auf einfache Art realisieren. Um das Radarelement 501 vor Umgebungseinflüssen zu schützen, kann zudem vorgesehen sein, dieses durch
eine zusätzliche, hier nicht dargestellte Montage einer Abdeckung (Radom) zu schützen. Dies gilt ebenso für eine Anordnung aus mehreren Radarelementen.
Figur 6 zeigt exemplarisch ein Ausführungsbeispiel einer Anordnung von zwei Radarelementen 501 und 502. Zum Aufbau eines linearen virtuellen Arrays ohne
Aperturlücken reihen sich die virtuellen Einzelarrays beider Radarelemente hierbei lückenlos aneinander. Hierfür weist die erste virtuelle Antennenposition des zweiten Radarelementes einen Abstand von dn zur letzten virtuellen Antennenposition des ersten virtuellen Arrays auf. Somit besitzt das zweite Radarelement einen Abstand von Dn = n - dn 601 zum ersten Radarelement. Um eine direkte Aneinanderreihung der virtuellen Einzelarrays der beiden Radarelemente zu ermöglichen, muss dementsprechend die äußere Abmessung des kaskadierbaren Radarelementes in dieser Richtung < Dn = n dn 602 sein. Figur 7 zeigt exemplarisch ein Ausführungsbeispiel einer Anordnung von drei
Radarelementen 501 , 502 und 503. Zum Aufbau eines linearen virtuellen Arrays ohne Aperturlücken sind in diesem Fall alle virtuellen Einzelarrays der Radarelemente lückenlos aneinandergereiht. Hierfür weisen die Radarelemente jeweils einen Abstand von D„ 601 untereinander auf.
Figur 8 zeigt exemplarisch ein weiteres Ausführungsbeispiel einer Anordnung von drei Radarelementen 501 , 502 und 503. Wird zumindest von zwei Radarelementen 501 und 502 in einer ersten Richtung der Abstand von £?„ eingehalten, ist es aufgrund der auftretenden Redundanz der Antennenpositionen in dem durch alle Radarelemente generierten virtuellen Gesamtarray auch möglich, größere Elementabstände 2 Dn 603 zu verwenden, ohne dass dabei Aperturlücken in dem größten virtuellen Subarray, welches die selbe Größe wie das virtuelle Gesamtarrays 701 in Figur 7 aufweist. Durch den größeren Abstand 603 des Radarelementes 503 wird zusätzlich noch ein kleineres Subarray erzeugt. Durch die im Vergleich zum virtuellen Gesamtarray in Figur 7 größere virtuelle Gesamtapertur kann die Winkelauflösung in der digitalen Strahlformung verbessert werden.
Figur 9 zeigt eine Anordnung von drei Radarelementen 501 , 502 und 503 bei welcher die Anordnung, bzw. der Minimalabstand der Radarelemente an keiner Position eingehalten worden ist. Somit weist das durch die Sende- (O) und Empfangsantennen (X) erzeugte virtuelle Gesamtarray mehrere Aperturlücken auf. Dies für zum einen zur Entstehung von Gitter- und Nebenkeulen und reduziert das Signal-zu-Rauschverhältnis erheblich.
Figur 10 zeigt eine Anordnung einer Vielzahl an Radarelementen 501 , 502, 503, 504, ... Diese wird mittels Iteration ausgehend von dem ersten Radarelement 501 erzeugt und bildet ein lineares, vollbesetztes, virtuelles Gesamtarray. Im vorliegenden Beispiel wird jede Kopie des zuvor erzeugten Arrays um Dn 3k_ 1 mit (k e lf) gegenüber der Position des ersten Radarelementes verschoben. Somit ist das Radarelement 502 um Dn 605 gegenüber dem ersten Radarelement 501 verschoben. Die Radarelemente 503 und 504 welche in der nächsten Iteration mit k = 2 weisen schon einen Abstand 606 von 31 D„ auf. Im nächsten Iterationsschritt werden dann bereits vier weitere Radarelemente im Abstand 607 von 32 Da zur Position des ersten Radarelementes hinzugefügt. Somit ergibt sich nach dieser Iterationsvorschrift ein Gesamtarray aus 2U Radarelementen. Durch die zumindest in gewissen Bereichen direkte Aneinanderreihung der virtuellen Arrays der einzelnen Radarelemente ergibt sich somit zumindest in einem Teilbereich des virtuellen Gesamtarrays ein virtuelles Subarray, dessen Ausdehnung zumindest in einer Dimension dem ganzzahligen Vielfachen des virtuellen Einzelarrays entspricht.
Die Anordnungsvorschrift, dass zumindest in einer ersten Dimension zwei direkt benachbarte Radarelemente einen lateralen Mindestabstand von D„ = n d„ aufweisen, kann auf die Positionierung der Radarelemente in einer zweiten Dimension erweitert werden.
Figur 11 zeigt ein entsprechend kaskadierbares Radarelement 701 mit 4 Sende- und 4 Empfangselementen. Die f-Sendeelemente (O) 710 sind in einer ersten Richtung 540 im Abstand 711 , wobei Ä der minimalen Wellenlänge des verwendeten
Radarsignals entspricht, und in einer zweiten Richtung 541 mit einem Abstand 722 von 1 angeordnet.
Die /-Empfangselemente (X) 720 sind in einer ersten Richtung 540 mit einem Abstand 722 von l und in einer zweiten Richtung 541 im Abstand 721 angeordnet.
Idealerweise weisen die Eckelemente sowohl in der ersten Richtung 540 als auch in der zweiten Richtung 541 jeweils den Abstand d0/2 bzw. dx/2 (730 bzw. 731) auf. Durch die geometrische Anordnung der Sende- und Empfangsantennen auf dem Radarelement ergibt sich ein quadratisch angeordnetes virtuelles Array aus N = 16 virtuellen Antennenpositionen (□) 750. Dieses besteht in einer ersten Richtung 540 aus n = 4 und in einer zweiten Richtung 541 aus m = 4 virtuellen Elementen besteht. In einer ersten Richtung/Dimension weisen diese einen Abstand von dn
und in einer zweiten Richtung/Dimension einen Abstand von dm
aLJf-
Idealerweise sind diese Abstände gleich, es ist aber auch denkbar, dass diese sich unterscheiden können.
Im vorliegenden Beispiel eines quadratischen bzw. rechteckigen virtuellen Arrays stehen die Richtungen der translationsperiodischen Anordnung der virtuellen
Antennenpositionen (□) 750 des Einzelradarelementes senkrecht aufeinander. Es sind durch entsprechende Antennenanordnungen aber auch andere Winkel wie bspw. 60° denkbar, wodurch hexagonal angeordnete, virtuelle Arrays realisierbar sind. Ausgehend von der geometrischen Anordnung der virtuellen Elemente eines einzelnen Radarelemente lassen sich weitere Radarelemente hinzufügen um größere Arrays zu realisieren. Im einfachsten Fall erfolgt die Positionierung der Radarelemente entlang der Basisvektoren des translationsperiodischen Rasters des virtuellen Arrays eines einzelnen Radarelementes. Es muss lediglich sichergestellt werden, dass in Richtung der jeweiligen Basisvektoren zumindest einmal der Mindestabstand von Dn bzw. Dm bei der Positionierung der einzelnen Radarelemente eingehalten wird. Dementsprechend können die Radarelemente gemäß einer Linearkombination der Basisvektoren des translationsperiodischen Rasters des virtuellen Arrays eines einzelnen Radarelementes angeordnet werden.
Figur 12 zeigt ein erstes Ausführungsbeispiel einer Anordnung aus drei Radarelementen 701 , 702 und 703 in einer L-förmigen Anordnung. Sowohl in einer ersten Richtung 540 als auch in einer zweiten Richtung 541 wird hier der Mindestabstand 801 bzw. 802 zwischen den Radarelementen eingehalten.
Figur 13 zeigt alternativ ein weiteres Ausführungsbeispiel mit drei kaskadierten Radarelementen 701 , 702 und 703 in einer symmetrischen, dreiecksförmigen Anordnung. Auch bei dieser Anordnung wird der Mindestabstand 801 bzw. 802 in zwei voneinander unabhängigen Richtungen 540, 541 durch den lateralen Versatz 802 des dritten Radarelementes 703 gegenüber den ersten beiden Radarelementen 701 , 702 eingehalten.
Da sich bei entsprechender zweidimensionaler Anordnung der Radarelemente, wie auch bei der linearen Kaskadierung, Mehrfachbelegungen im virtuellen Gesamtarray ergeben, ist es bei Anordnung von mehr als drei Chips möglich, größere Abstände zwischen den Radarelementen zu verwenden, ohne dass dabei Aperturlücken entstehen. Figur 14 zeigt exemplarisch ein Ausführungsbeispiel für eine Anordnung von acht Radarelementen 701-708 für den Aufbau eines größeren, vollständig besetzten Arrays. Aufgrund der durch die Anordnung entstehenden Redundanzen, wird kein zentrales Radarelement (zwischen den Elementen 702, 703, 706 und 707) benötigt.
Ergänzend sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass nach dem Schema der Figur 14 weitere Radarelemente 701 in linearer Anordnung in den Richtungen 540 und 541 an die Radarelemente 701 , 704, 705 und 708 mit Abstand D„ bzw. n ergänzt werden können.
Figur 15 zeigt exemplarisch ein Ausführungsbeispiel für eine iterative Anordnung einer Vielzahl von Radarelementen 701. Im vorliegenden Beispiel wird, wie schon zuvor bei der linearen Anordnung von Radarelementen, jede Kopie des zuvor erzeugten Arrays um Dn 3fe_ 1 mit (k e W) gegenüber der Position des ersten Radarelementes in einer ersten Richtung 540 verschoben. Der Verschiebevektor 801 entspricht dabei dem Vektor der ersten Iteration und 802 der der zweiten. Danach wird die Iteration in einer
zweiten Richtung 541 durchgeführt und jede Kopie des zuvor erzeugten Arrays um Dm 3fc_1 mit (k G M) gegenüber der Position des ersten Radarelementes verschoben. Hierbei stellen die Vektoren 803 und 804 die Verschiebevektoren der ersten bzw. zweiten Iteration dar. Als Ergebnis jeden Iterationsschritt erhält man eine Anordnung von Radarelementen, welche bei einer kombinierten Auswertung aller Sende- und Empfangselemente der einzelnen Radarelementen ein vollbesetztes virtuelles Array erzeugen, welches in einem nächsten Iterationsschritt wieder an das zuvor generierte Array angefügt werden kann. Fig. 16 zeigt ein Radarmessgerät 1000 mit einem Elektronikbauteil 400 gemäß einer Ausführungsform.
Ergänzend sei darauf hingewiesen, dass „umfassend“ und „aufweisend“ keine anderen Elemente oder Schritte ausschließt und die unbestimmten Artikel „eine“ oder „ein“ keine Vielzahl ausschließen. Ferner sei darauf hingewiesen, dass Merkmale oder Schritte, die mit Verweis auf eines der obigen Ausführungsbeispiele beschrieben worden sind, auch in Kombination mit anderen Merkmalen oder Schritten anderer oben beschriebener Ausführungsbeispiele verwendet werden können. Bezugszeichen in den Ansprüchen sind nicht als Einschränkungen anzusehen.