KLEBSTOFFFORMULIERUNG ZUR HERSTELLUNG VON PRESSSTOFF-FORMKÖRPERN
Die Erfindung betrifft eine chemisch härtbare, wässrige Klebstoffformulierung zur Herstellung von Pressstoff-Formkörpem, insbesondere Pressstoff-Platten, sowie Verfahren zur Herstellung von Pressstoff-Formkörpern, insbesondere Pressstoff-Platten durch kontinuierliches oder diskontinuierliches Verpressen von Gemengen aus der Klebstoffformulierung und Span- bzw. Fasermaterial oder durch Verpressen von Schichtungen aus der Klebstoffformulierung und Span- bzw. Faserstoff-Platten.
Unter dem Begriff Pressstoff-Formkörper wird ganz generell ein Formkörper verstanden, welcher durch Fügen von Span- bzw. Fasermaterial umfassenden Werkstoffen unter Härtung einer beigemengten Klebstoffformulierung, unter Beaufschlagung mit einem Pressdruck und gegebenenfalls unter Erhitzung zu dem Pressstoff-Formkörper geformt wird. Die weitaus häufigste Anwendung solcher Formkörper ist hierbei in Form von Platten. Unter den Begriff Pressstoff-Formkörper fallen demnach zum Beispiel Spanplatten, insbesondere Grobspann- Platten (auch als OSB-Platten bezeichnet), mitteldichte (Holz)faserplatten (sogenannte MDF- Platten), hochdichte (Holz)faserplatten (sogenannte HDF-Platten), aber auch geschichtete bzw. schichtgefügte Plattenstrukturen, wie etwa Furnierschichtholz-Platten.
Demgemäß umfasst der Begriff Span- bzw. Fasermaterial ganz allgemein Materialien, welche Fasern, wie etwa Holz- bzw. Cellulosefasern inklusive Fasern aus Altpapier, anderes Recycling-Material wie Abfälle aus Sägewerken oder recyceltes Bauholz, andere natürlich vorkommende Fasern, wie etwa Stroh, Bambus etc., aber auch synthetische Fasern, etwa Polyesterfasern, aufweisen. Selbstverständlich fallen unter den Begriff Span- bzw. Fasermaterial auch Mischungen aus Fasern unterschiedlicher Natur. Das Span- bzw. Fasermaterial kann hierbei durchaus unterschiedliche Formen und Zerkleinerungsgrade aufweisen. So kann das Span- bzw. Fasermaterial bereits in ausgeformter Form, also als Faserverbund-Körper vorliegen, wie etwa bei den oben erwähnten Furnierschicht-Platten. Das Span- bzw. Fasermaterial kann aber auch in mehr oder weniger loser Form mit unterschiedlichen Mahlgraden bereitgestellt sein, wie etwa mit einem verhältnismäßig geringem Mahlgrad als sogenannter Span wie bei den oben erwähnten Span- oder OSB-Platten, oder aber auch in loser Form mit verhältnismäßig
hohem Mahlgrad, wie zum Beispiel als aufgeschlossenes, sogenanntes Holzmehl, wie etwa bei den oben erwähnten MDF- und HDF-Platten.
Unabhängig von der Art des Span- bzw. Fasermaterials ist den (unterschiedlichen) Verfahren zur Herstellung von Press stoff-Formkörpem gemeinsam, dass mit einer Klebstoffformulierung versehenes Fasermaterial unter Druck und gegebenenfalls Erhitzung in Form gepresst wird.
Klebstoffformulierungen für diese genannten Anwendungen sind grundsätzlich bekannt, wobei diese bekannten Klebstoffformulierungen allerdings je nach Art des herzu stellenden Formkörpers bzw. der Platte, und damit abhängig von der jeweils anzuwendenden Verfahrensführung angepasst werden müssen. Zum Teil werden für unterschiedliche Verfahrensführungen sogar chemisch gänzlich unterschiedliche Klebstoffformulierungen verwendet. So werden bei der Herstellung von sogenannten Faserplatten vorrangig Harnstoff-Formaldehyd- Harze, sogenannte UF-Harze, und in geringerer Menge auch Isocyanat-basierte Harze angewendet, während zum Fügen bzw. Verkleben von Fumierschichten in erster Linie Phenolharze verwendet werden. Diese Notwendigkeit zur Anpassung einer Klebstoffformulierung an eine bestimmte Verfahrungsführung und/oder ein Produkt kann sich dabei nachteilig auf die Wirtschaftlichkeit auswirken.
Den heute bei Verfahren zur Herstellung von Pressstoff-Formkörpern vorrangig verwendeten Klebstoffformulierungen ist außerdem gemein, dass es vor allem im Zuge der Aushärtung zur Freisetzung von Schadstoffen kommt. Als Beispiele für solche Schadstoffe sind unter anderem Formaldehyd und flüchtige Bestandteile und Zersetzungsprodukte von Isocyanat-basier- ten Formulierungen zu nennen. Zwar wurden bereits Bestrebungen unternommen, die Menge an freisetzbaren Schadstoffen bei den überwiegend verwendeten Klebstoffformulierungen zumindest zu senken, jedoch treten bei solchen schadstoffärmeren Formulierungen oftmals andere Probleme, insbesondere verfahrenstechnischer Natur auf.
Zum Beispiel muss bei der Herstellung von Pressstoff-Formstücken eine ausreichend kurze Bearbeitungszeit gegeben sein, um ein Verfahren wirtschaftlich betreiben zu können. Daher wird bei den heute überwiegend eingesetzten Verfahren die Verpressung von Span- bzw. Fasermaterial und Klebstoff bei hohen Temperaturen durchgeführt. Die Herstellung von Span- bzw. Faser-Platten erfolgt typischerweise bei Temperaturen von 200 °C bis 250 °C. Diese ho-
hen Temperaturen sind vor allem deshalb nötig, um auch eine ausreichende, möglichst vollständige Aushärtung im Kern der Press-Mischungen zu erzielen, da ein Beheizen, zum Beispiel eines Presskuchens aus Span- bzw. Fasermaterial und Klebstoff von den Seiten erfolgt, und die Wärme in den inneren Kern geleitet werden muss. Diese hohen Temperaturen führen allerdings bei heute verwendeten Klebstoffformulierungen, inklusive der schadstoffreduzierten Varianten, oftmals zu Beschädigungen eines Formkörpers, wie etwa einem Zerreißen des Formkörpers, und können damit eine hohe Ausschussquote verursachen.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung war es, die Nachteile des Standes der Technik zu überwinden und eine Klebstoffformulierung zur Verfügung zu stellen, mittels welcher eine möglichst prozesssichere Herstellung von Pressstoffkörpern unter Vermeidung großer Ausschussmengen sowie eine schadstoffreduzierte Verfahrensführung erzielbar sind, und welche gleichzeitig möglichst universell bei unterschiedlichen Herstellungsmethoden für Pressstoff-Formkörper einsetzbar ist. Weiters war es Aufgabe der Erfindung Verfahren zur Herstellung von Pressstoff-Formkörpem unter Verwendung einer solchen Klebstoffformulierung bereitzustellen.
Diese Aufgabe wird einerseits durch eine chemisch härtbare, wässrige Klebstoffformulierung zur Herstellung von Pressstoff-Formkörpem, insbesondere Pressstoff-Platten, durch kontinuierliches oder diskontinuierliches Verpressen von Gemengen aus der Klebstoffformulierung und Span- bzw. Fasermaterial oder durch Verpressen von Schichtungen aus der Klebstoffformulierung und Faserstoff-Platten gelöst.
Die chemisch härtbare, wässrige Klebstoffformulierung umfasst zumindest ein chemisch härtbares Reaktivharz und zumindest einen Vernetzer bzw. Härter für das Reaktivharz.
Die chemisch härtbare, wässrige Klebstoffformulierung umfasst im Speziellen 35 Gew.% bis 85 Gew.% einer wässrigen Phase eines mit Hydroxyl- Gruppen funktionalisierten Reaktivharzes oder einer Mischung aus mit funktionellen Hydroxyl-Gruppen funktionalisierten Reaktivharzen mit einem Harzgehalt von 30 Gew.% bis 65 Gew.%, sowie 12 Gew.% bis 25 Gew.% einer wässrigen Phase eines Harnstoffharz- Vernetzers, welches ein aus einem Harnstoffes und einem multifunktionalen Aldehyds gebildetes Reaktionsprodukt ist, mit einem Harzgehalt von 30 Gew.% bis 65 Gew. %, und 0,1 Gew.% bis 4 Gew.% eines Säure- Katalysators mit einem pks-Wert von 2 oder weniger.
Vorzugsweise kann die chemisch härtbare, wässrige Klebstoffformulierung 50 Gew.% bis 80 Gew.% der wässrigen Phase des mit Hydroxyl-Gruppen funktionalisierten Reaktivharzes oder der Mischung aus mit funktionellen Hydroxyl-Gruppen funktionalisierten Reaktivharzen umfassen. Bevorzugt kann der Harzgehalt dieser wässrigen Phase 35 Gew.% bis 60 Gew.% betragen.
Bevorzugt kann die Klebstoffformulierung 14 Gew.% bis 22 Gew.% der wässrigen Phase des Harnstoffharz- Vernetzers umfassen. Vorzugweise kann ein Harzgehalt dieser wässrigen Phase 35 Gew.% bis 60 Gew.% betragen.
Insbesondere kann die Klebstoffformulierung 0,5 Gew.% bis 3,5 Gew.% des Säure- Katalysators umfassen.
Unter einer wässrigen Phase ist jeweils je nach Art der verwendeten Reaktivsubstanzen, also je nach Reaktivharz und Vernetzer/Härter, eine wässrige Dispersion und/oder eine wässrige Suspension und/oder eine wässrige Emulsion und/oder eine wässrige Lösung dieser Reaktivsubstanzen zu verstehen. Der verbleibende Rest in Gew.%, also auf 100 Gew% einer wässrigen Phase kann hierbei zumindest überwiegend durch Wasser gebildet sein. Die wässrigen Phasen können jedoch auch weitere Bestandteile aufweisen, wie zum Beispiel Dispersionshilfsstoffe und/oder Suspensionshilfsstoffe bzw. -Stabilisatoren, Emulgatoren, Entschäumungsmittel und Dergleichen.
Außerdem kann die Klebstoffformulierung noch andere Bestandteile bzw. Substanzen bzw. Additive, wie etwa Pigment(e) abseits den angegeben wässrigen Phasen umfassen. Beispiele für bevorzugte Additive werden im Folgenden noch näher erläutert. Insofern die Klebstoffformulierung noch weitere Bestandteile, insbesondere Additive umfasst, sind vom Fachmann natürlich entsprechend die Gewichts anteile an den angegebenen wässrigen Phasen (Reaktivharz, Vernetzer) und Säure-Katalysator entsprechend anzupassen.
Die Klebstoffformulierung kann auch als Leimformulierung, Leimungsmittel bzw. wie im Fachjargon des betreffenden technischen Gebiets üblich auch als Leimflotte bezeichnet werden. Insbesondere kann die Klebstoffformulierung zur Herstellung von Spanplatten, Faserplatten und Schichtplattenstrukturen, wie etwa Furnierschichtholz-Platten vorgesehen sein.
Die Klebstoffformulierung mit den angegebenen Merkmalen zeichnet sich zum einen dadurch aus, dass sie ohne Schadstofffreisetzung einsetzbar ist. Wie Versuche gezeigt haben tritt bei der angegeben Klebstoffformulierung insbesondere keine Freisetzung von Formaldehyd oder Isocyanat bei der Aushärtung der Klebstoffformulierung im Zuge der Herstellung von Press- stoff-Formkörpern ein. Dadurch kann zum Beispiel bei Verwendung von primär auf Holzfasern basiertem Fasermaterial die Freisetzung von Formaldehyd im Vergleich zu herkömmlichen Klebstoffformulierungen wenigstens auf jene Menge an Formaldehyd beschränkt bzw. reduziert werden, welche aus dem Holzfasermaterial selbst freigesetzt wird. Dies bedeutet in weiterer Folge Vorteile hinsichtlich der Emission von Schadstoffen während der Herstellung der Pressstoff-Formkörper bzw. -platten und damit zum Beispiel eine wesentliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen.
Überaschenderweise hat sich außerdem gezeigt, dass die Klebstoffformulierung in der angegebenen Zusammensetzung im technischen Bereich der Pressstoff-Formkörperherstellung ohne das Erfordernis wesentlicher Anpassungen universell einsetzbar ist. So können mittels der Klebstoffformulierung beispielsweise sowohl Span-, MDF, HDF-, OSB-, und geschichtete Platten aus Span- bzw. Fasermaterial hergestellt werden, bzw. die entsprechenden Herstellungsverfahren mittels der Klebstoffformulierung durchgeführt werden.
Zudem hat sich erwiesen, dass bei Verwendung der Klebstoffformulierung eine Temperatur während des Verpress-Vorgangs im Vergleich zu den herkömmlichen Klebstoffformulierungen gemäß dem Stand der Technik deutlich gesenkt werden kann. So konnte in Versuchen eine Temperatur während des Pressvorgangs bei Einsatz der Klebstoffformulierung zum Beispiel im Falle der Herstellung von MDF-Platten auf ca. 160 °C oder weniger reduziert werden. Dies im Vergleich zu den üblicherweise bei Verwendung herkömmlicher Klebstoffformulierungen erforderlichen Temperaturen von über 200 °C. Ganz grundsätzlich ist hiermit auch eine Senkung der Energiekosten, und damit auch eine Senkung der Produktionskosten bereitgestellt.
In diesem Zusammenhang hat sich die Klebstoffformulierung außerdem als vorteilhaft hinsichtlich einer ausschussfreien bzw. zumindest ausschussreduzierten Produktion von Press- stoff-Formkörpern erwiesen. Anscheinend ist bei Verwendung der angegebenen Klebstoffformulierung einerseits eine gute Wärmeleitung von den Außenbereichen zum Beispiel eines Presskuchens aus Span- bzw. Fasermaterial und Klebstoffformulierung bereitgestellt, sodass
im Zuge eines Verpressens eines solchen Presskuchens in dessen Kernbereich ausreichend hohe Kemtemperaturen für eine möglichst vollständige Aushärtung erzielt werden können. Dies kann unter anderem durch die erzielbaren mechanischen Eigenschaften, wie etwa die mechanische Biegefestigkeit und/oder Querzugfestigkeit von als Platten hergestellten Formkörpern belegt werden, welche deutlich innerhalb bzw. oberhalb der genormten Erfordernisse für eine jeweilige Platte, beispielsweise MDF- oder HDF-Platte, liegen. Andererseits scheint es im Zuge eines Pressvorgangs auch aufgrund der verhältnismäßig geringen Temperaturen, welche für die möglichst vollständige Aushärtung der gegenständlichen Klebstoffformulierung erforderlich sind, kaum zu Beschädigungen zu kommen, und kann hierdurch verursachter Ausschuss hintangehalten werden.
Bei einer Weiterbildung der Klebstoffformulierung kann ein H-aktiv Äquivalentgewicht der wässrigen Phase des mit Hydroxyl-Gruppen funktionalisierten Reaktivharzes oder der Mischung aus mit funktionellen Hydroxyl-Gruppen funktionalisierten Reaktivharzen 200 g/mol bis 1500 g/mol betragen.
Eine H-aktiv Äquivalentgewicht in diesem Bereich hat sich als besonders geeignet für die Härtungsreaktion des Hydroxyl-funktionalisierten Reaktivharzes erwiesen. Vorzugsweise kann die wässrige Phase des mit Hydroxyl-Gruppen funktionalisierten Reaktivharzes oder der Mischung aus mit funktionellen Hydroxyl-Gruppen funktionalisierten Reaktivharzen ein H- aktiv Äquivalentgewicht von 500 g/mol bis 1300 g/mol aufweisen.
Wie an sich bekannt kann unter dem Begriff funktionalisiertes Harz ganz allgemein eine chemische Substanz verstanden werden, bei welcher die jeweiligen funktionellen Gruppen, im vorliegenden Fall zum Beispiel Hydroxyl-Gruppen des Reaktivharzes auf einem oligomeren oder polymeren Träger bzw. einem Kohlenwasserstoff-Gerüst chemisch gebunden vorliegen. Die Art des Trägers kann im Grunde genommen vielfältiger Natur sein.
Vorzugsweise kann das mit Hydroxyl-Gruppen funktionalisierte Reaktivharz oder die Mischung aus mit funktionellen Hydroxyl-Gruppen funktionalisierten Reaktivharzen ausgewählt sein aus einer Gruppe bestehend aus Acrylat-Harzen, funktionalisierten Styrolacrylat-Harzen, funktionalisierten Acrylsäure-Copolymeren, funktionalisierten Acrylat-Urethan-Copolymeren und funktionalisierten (Meth)acrylat-Copolymeren.
Je nach Art des oder der eingesetzten, mit Hydroxyl-Gruppen funktionalisierten Harze bzw. Polymere kann die entsprechende, wässrige Phase beispielsweise als wässrige Dispersion, Suspension, Emulsion oder Lösung ausgebildet sein. Als Beispiele für geeignete wässrige Phasen von mit Hydroxyl-Gruppen funktionalisierten Reaktivharzen seien Macrynal SC 6826 WA 42 und Viacryl SC 6834WA 42 der Firma Allnex und AC 31 von Alberdingk Boley genannt.
Als Beispiel für eine geeignete wässrige Phase eines Hamstoffharz- Vernetzers bzw. Härters für das Hydroxyl-funktionale Reaktivharz kann das Produkt Cymel NF 3030 der Firma Allnex genannt werden.
Als Säure-Katalysator können zum Beispiel Sulfonsäuren, wie etwa (modifizierte) para-Tolu- olsulfonsäure und Derivate davon, verwendet werden, als ein geeignetes Beispiel wäre Cycat 4045 von Allnex zu nennen.
Bei einer bevorzugten Ausführungsvariante kann die Klebstoffformulierung 0,1 Gew.% bis 20 Gew.% eines mehrwertigen Alkohols oder mehrerer mehrwertiger Alkohole umfassen.
Durch die Verwendung eines mehrwertigen Alkohols oder mehrerer mehrwertiger Alkohole im angegebenen Gew. %-Bereich kann vor allem eine vorzeitige bzw. zu rasche Aushärtung der Klebstoffformulierung im Bedarfsfall wirksam hintangehalten bzw. verzögert werden. Ein mehrwertiger Alkohol wirkt bei den angegeben Reaktivharz(en) bzw. Härter(n)/Vemetzer(n) der Klebstoffformulierung als Reaktionsverzögerer. So kann die nötige Vermischung mit dem Span- bzw. Fasermaterial und/oder die Beschichtung von Span- bzw. Fasermaterial umfassenden Platten durchgeführt werden, ohne dass ein großes Risiko einer zu schnellen Aushärtung besteht. Dieses Merkmal ist vor allem bei Verfahrensführungen sinnvoll, bei welchen zum Beispiel ein Mischen der Klebstoffformulierung mit dem Span- bzw. Fasermaterial bei erhöhter Temperatur durchgeführt wird, wie etwa in einer sogenannten Blowline. Als besonders zweckmäßig hat sich erwiesen, wenn die Klebstoffformulierung 1 Gew.% bis 10 Gew.% eines mehrwertigen Alkohols oder mehrerer mehrwertiger Alkohole umfasst. Als mehrwertige Alkohole können zum Beispiel Glycole wie etwa Butyldiglycol verwendet werden.
Bei einer Weiterbildung kann die Klebstoffformulierung 0,1 Gew.% bis 5 Gew.% eines anionischen oder neutralen Wachs, oder einer Mischung aus entsprechenden Wachsen umfassen.
Hierdurch kann vor allem die Beleimung von Span- bzw. Fasermaterial, also das Mischen mit dem Span- bzw. Fasermaterial, respektive das Beschichten von Span- bzw. Fasermaterial- Platten verbessert werden. Vorzugsweise kann die Klebstoffformulierung 0,5 Gew.% bis 3 Gew.% eines anionischen oder neutralen Wachs, oder einer Mischung aus entsprechenden Wachsen umfassen. Als Wachs bzw. Wachsmischung ist zum Beispiel das Produkt Hydrowax 46 der Firma Sasol geeignet.
Alternativ zu einem oder mehreren Wachsen als Bestandteil der Klebstoffformulierung kann wie unten anhand des Verfahrens zur Herstellung eines Pressstoff-Formkörpers noch näher beschrieben, auch eine Zugabe eines Feststoffwachses im Zuge der Beleimung des Span- bzw. Fasermaterials mit der Klebstoffformulierung erfolgen.
Bei einer weiteren Ausführungsform der Klebstoffformulierung kann vorgesehen sein, dass sie 0,1 Gew.% bis 35 Gew.% eines Füllstoffes oder mehrerer Füllstoffe und/oder Pigmente(s) umfasst.
Durch einen Füllstoff und/oder ein Pigment können letztlich die mechanischen Eigenschaften und/oder eine Farbgebung des Pressstoff-Formkörpers beeinflusst werden.
Weiters kann es zweckmäßig sein, wenn die Klebstoffformulierung 0,1 Gew. % bis 6 Gew.% eines Netzmittels oder mehrerer Netzmittel bzw. Tenside umfasst.
Durch dieses Merkmal kann insbesondere eine Verbesserung der Handhabung der wässrigen Phasen und eine Verbesserung der Haftungseigenschaften Klebstoffformulierung erzielt werden. Ein geeignetes Netzmittel ist zum Beispiel Disperbyk 190 von Byk.
Des Weiteren kann vorgesehen sein, dass die Klebstoffformulierung 0,1 Gew.% bis 8 Gew.% eines Entschäumers oder mehrerer Entschäumer umfasst.
Dieses Merkmal kann sich vor allem vorteilhaft auf den Pressvorgang im Zuge der Herstellung von Pressstoff-Formkörpem auswirken, zum Beispiel um Blasenbildung hintanzuhalten. Als geeignete Entschäumer können zum Beispiel Surfynol 420 oder Surfynol DF 75 von Evo- nik Corporation genannt werden.
Die Klebstoffformulierung kann außerdem 0,1 Gew.% bis 8 Gew.% eines Verdickers oder mehrerer Verdicker umfassen.
Als Beispiel für geeignete Verdicker seien Rheolate 310 D von Elementis und/oder Acrysol RM 8 W von Dow genannt. Durch solche Verdicker kann die Rheologie und können somit vor allem die Verarbeitungseigenschaften der 2-Komponenten-Klebstoffformulierung beeinflusst bzw. an Erfordernisse angepasst werden. Im Speziellen sind Klebstoffformulierungen aufweisend einen Verdicker besonders gut zur Herstellung von Beschichtungen wie etwa durch Walz- Auftrag geeignet.
Im Grunde genommen kann die Klebstoffformulierung als abgemischte Formulierung umfassend alle enthaltenen Substanzen, also die oben beschriebenen wässrigen Phasen des mit Hyd- roxyl-Gruppen funktionalisierten Reaktivharzes oder der Mischung aus mit funktionellen Hydroxyl-Gruppen funktionalisierten Reaktivharzen und die wässrige Phase des Harnstoffharz- Vernetzers und den Säure-Katalysator sowie allfällige zusätzliche Additive bzw. Inhaltsstoffe, vorliegen. Dies kann aber mit einer nur beschränkten Lagerfähigkeit einhergehen.
Vorzugsweise kann daher vorgesehen sein, dass die Klebstoffformulierung eine erste wässrige Komponente A aufweisend die wässrige Phase des mit Hydroxyl-Gruppen funktionalisierten Reaktivharzes oder der Mischung aus mit funktionellen Hydroxyl-Gruppen funktionalisierten Reaktivharzen, umfasst, und dass sie eine zweite Komponente B aufweisend die wässrige Phase des Hamstoffharz- Vernetzers umfasst, wobei diese Komponenten A und B zur Bildung der Klebstoffformulierung durch Mischen der Komponenten A und B vorgesehen sind.
In anderen Worten ausgedrückt kann die härtbare Klebstoffformulierung durch eine Mischung der beiden Komponenten A und B gebildet werden bzw. kann die härtbare Klebstoffformulierung durch Mischen der beiden Komponenten A und B gebildet werden. Ein Mischen der Komponenten A und B kann vorzugsweise unmittelbar vor der Anwendung, also unmittelbar vor dem Beleimen des Span- bzw. Fasermaterials und/oder vor dem Beleimen der Span- bzw. Faserstoff-Platten erfolgen, wie dies nachfolgend noch näher beschrieben wird.
Die Klebstoffformulierung kann zum Beispiel aus 60 Gew.% bis 90 Gew.% der Komponente A und 10 Gew.% bis 40 Gew.% der Komponente B bestehen. In anderen Worten kann die Klebstoffformulierung durch Mischen von 60 Gew.% bis 90 Gew.% der Komponente A und 10 Gew.% bis 40 Gew.% der Komponente B gebildet sein bzw. werden.
Hierbei kann entweder die Komponente A oder die Komponente B auch den Säure- Katalysator umfassen. Weiters können etwaige weitere Bestandteile bzw. Substanzen bzw. Additive
abseits den angegeben wässrigen Phasen und dem Säure-Katalysator, wie etwa die oben beschriebenen Additive, entweder der Komponente A oder der Komponente B beigemengt sein. Insofern Komponente A und/oder Komponente B noch weitere Bestandteile, insbesondere Additive umfassen, sind vom Fachmann natürlich die entsprechenden Gewichts anteile der Komponenten A und B anzupassen. Falls die Komponente A und/oder die Komponente B weitere Additive umfassen ist gegebenenfalls auch das Gew. %- Verhältnis von Komponente A zu Komponente B im Rahmen der oben angegebenen Gew. % -Bereiche anzupassen.
Die Aufgabe der Erfindung wird auch durch ein erstes Verfahren zur Herstellung von Press- stoff-Formkörpern, insbesondere Pressstoff-Platten gelöst.
Das Verfahren umfasst die Schritte
- Bereitstellung eines Span- bzw. Fasermaterials oder einer Span- bzw. Fasermaterialmischung,
- Bereitstellung einer chemisch härtbaren Klebstoffformulierung,
- Mischen des Span- bzw. Fasermaterials oder der Span- bzw. Fasermaterialmischung mit der Klebstoffformulierung unter Bildung eines Presskuchens
- und kontinuierliche Verpressung des Presskuchens unter Aushärtung der Klebstoffformulierung, oder Herstellung von Presskuchenstücken und diskontinuierliche Verpressung der Presskuchenstücke in Pressformen unter Aushärtung der Klebstoffformulierung.
Wesentlich bei dem Verfahren ist, dass als Klebstoffformulierung eine chemisch härtbare, wässrige Klebstoffformulierung wie obenstehend beschrieben und in den betreffenden Ansprüchen definiert eingesetzt wird. Der Presskuchen oder die Presskuchenstücke weisen hierbei einen Gewichtsanteil an Span- bzw. Fasermaterial oder Span- bzw. Fasermaterialmischung von 77 Gew.% bis 98,5 Gew.% und einen Gewichtsanteil an Klebstoffformulierung von 1 Gew.% bis 20 Gew.% auf.
Die durch ein solches Verfahren unter Einsatz der angegebenen Klebstoffformulierung erzielbaren Vorteile wurden bereits in Zusammenhang mit der obenstehenden Beschreibung der Klebstoffformulierung erläutert. Im Falle der Verwendung einer 2-komponentigen Klebstoffformulierung kann bei dem Verfahren die entsprechende 2-Komponenten-Klebstoffformulie- rung durch Zusammenführen der beiden Komponenten A und B gebildet werden. Ein Zusammenführen bzw. Mischen der beiden Komponenten A und B kann vor dem Schritt oder auch
im Zuge des Schrittes des Mischens des Span- bzw. Fasermaterials oder der Span- bzw. Fasermaterialmischung mit der Klebstoffformulierung unter Bildung des Presskuchens erfolgen.
Unter Span- bzw. Fasermaterial und Span- bzw. Fasermaterialmischung wird ein Material verstanden, welches Fasern, wie etwa Holz- bzw. Cellulosefasern, inklusive Fasern aus Altpapier, anderes Recycling-Material wie Abfälle aus Sägewerken oder recyceltes Bauholz, andere natürlich vorkommende Fasern, wie etwa Stroh, Bambus etc., aber auch synthetische Fasern, etwa Polyesterfasern, aufweisen. Das Span- bzw. Fasermaterial oder die Span- bzw. Fasermaterialmischung kann hierbei durchaus unterschiedliche Ausgestaltung, insbesondere unterschiedliche Zerkleinerungsgrade aufweisen. Das Span- bzw. Fasermaterial oder die Span- bzw. Fasermaterialmischung kann beispielsweise mit unterschiedlichen Mahlgrad bereitgestellt werden, wie etwa mit einem verhältnismäßig geringem Mahlgrad als sogenannter Span wie bei den bekannten Span- oder OSB-Platten, oder mit verhältnismäßig hohem Mahlgrad, wie zum Beispiel als aufgeschlossenes, sogenanntes Holzmehl, wie etwa bei den bekannten MDF- und HDF-Platten.
Bei einer Weiterbildung des Verfahrens kann vorgesehen sein, dass im Zuge des Mischens des Span- bzw. Fasermaterials oder der Span- bzw. Fasermaterialmischung mit der Klebstoffformulierung 0,1 Gew.% bis 5 Gew.% eines Festwachses beigemengt werden.
Hierdurch kann vor allem das Beleimen des Span- bzw. Fasermaterials oder der Span- bzw. Fasermaterialmischung, also das Mischen der Klebstoffformulierung mit dem Span- bzw. Fasermaterial oder der Span- bzw. Fasermaterialmischung verbessert werden.
Schließlich wird die Aufgabe der Erfindung aber auch durch ein weiteres Verfahren zur Herstellung von Pressstoff-Formkörpern, insbesondere Pressstoff-Platten gelöst. Dieses weitere Verfahren umfasst die Schritte
- Bereitstellung einer Mehrzahl an Span- bzw. Fasermaterial umfassenden Platten,
- Beschichten zumindest einer zur Verbindung mit einer anderen Platte vorgesehenen Oberfläche der Platten mit einer Klebstoffformulierung,
- Schichten der beschichteten Platten zu einer Plattenschichtung,
- Verpressung der Platten Schichtung in der Pressform unter Aushärtung der Klebstoffformulierung.
Wesentlich bei diesem weiteren Verfahren ist wiederum, dass als Klebstoffformulierung eine chemisch härtbare Klebstoffformulierung wie obenstehend beschrieben und in den betreffenden Ansprüchen definiert eingesetzt wird. Ein Gewichts anteil an Platten der Plattenschichtung beträgt hierbei von 80 Gew.% bis 99 Gew.% und ein Gewichtsanteil an Klebstoffformulierung der Plattenschichtung beträgt von 1 Gew.% bis 20 Gew.%.
Zum besseren Verständnis der Erfindung wird diese nachfolgend anhand, nicht einschränkender Ausführungsbeispiele und die Verfahren zur Herstellung von Pressstoff-Platten auch anhand von Figuren näher erläutert.
Eine beispielhafte Zusammensetzung einer chemisch härtbaren Klebstoffformulierung im Rahmen der Erfindung lautet:
Komponente A:
Macrynal SC 6826 WA 42; Allnex; 73,6 Gew.%,
Butyldiglycol; 5 Gew.%,
Cycat 4045; Allnex, 2 Gew.%
Hydrowax 46; Sasol; 1 Gew.%;
Komponente B:
Cymel NF 3030; Allnex; 18,4 Gew.%.
Bei dem angegebenen Ausführungsbeispiel ist die Klebstoffformulierung als 2-Komponenten- Klebstoffformulierung ausgeführt, wobei die Gew. %-Anteile der einzelnen Bestandteile der 2-Komponenten-Klebstoffformulierung auf 100 Gew.% der 2-Komponenten-Klebstoffformu- lierung, bestehend aus Komponente A und Komponente B, bezogen sind. Dementsprechend besteht Komponente A bei dem angegebenen Ausführungsbeispiel, bezogen auf 100 Gew.% der Komponente A, aus 90,2 Gew.% Macrynal SC 6826 WA 42, 6,1 Gew.% Butyldiglycol, 2,5 Gew.% Cycat 4045 und 1,2 Gew.% Hydrowax 46. Komponente B besteht bei dem angegebenen Ausführungsbeispiel zu 100 Gew.% aus Cymel NF 3030. Bei dem Ausführungsbeispiel ist die Klebstoffformulierung aus 81,6 Gew.% der Komponente A und 18,4 Gew.% der Komponente B zusammengesetzt.
Wie bereits obenstehend erwähnt, wird eine solche 2-Komponenten-Ausführungsform der Klebstoffformulierung aufgrund verbesserter Lagerfähigkeit bevorzugt eingesetzt, jedoch ist grundsätzlich auch eine Ausführungsform als fertig abgemischte Formulierung umfassend alle enthaltenen Substanzen, also die oben beschriebenen wässrigen Phasen des mit Hydroxyl- Gruppen funktionalisierten Reaktivharzes oder der Mischung aus mit funktionellen Hydroxyl- Gruppen funktionalisierten Reaktivharzen und die wässrige Phase des Hamstoffharz-Vernet- zers und den Säure- Katalysator sowie allfällige zusätzliche Additive bzw. Inhaltsstoffe, möglich.
Macrynal SC 6826 WA 42 ist eine wässrige Phase bzw. Dispersion eines Acryl-Polyol-Har- zes mit funktionellen Hydroxyl-Gruppen, aufweisend einen Gehalt an nichtflüchtigen Stoffen von 43 Gew.% und mit einem H-aktiv Äquivalentgewicht (HEW) von 900 g/mol.
Cymel NF 3030 ist eine wässrige Phase eines Reaktionsprodukts von Harnstoffen und multifunktionalen Aldehyden, mit einem Gehalt an nichtflüchtigen Stoffen von ca. 43 Gew.%.
Cycat 4045 ist ein teilweise amin-blockierter para-Toluolsulfonsäure-Katalysator.
Die angegebene Klebstoffformulierung hat sich grundsätzlich gut und universell geeignet zu Einsatz für die bekannten Verfahren zur Herstellung von Pressstoff-Formkörpern erwiesen.
Jedoch ist die angegebene Klebstoffformulierung nur als Ausführungsbeispiel anzusehen, und können je nach spezifischen Erfordernissen eines Verfahrens zur Herstellung von Pressstoff- Formkörpern anstelle der oben angegebenen Klebstoffformulierung auch angepasste oder andere Formulierungen bzw. Rezepturen verwendet werden.
So kann beispielsweise das Produkt Macrynal SC 6826 WA 42 durch andere, wässrige Phasen eines mit Hydroxyl-Gruppen funktionalisierten Reaktivharzes oder einer Mischung aus mit funktionellen Hydroxyl-Gruppen funktionalisierten Reaktivharzen, wie etwa durch Viacryl SC 6834 W, ebenfalls von Allnex, ersetzt werden. Bevorzugt kann das mit Hydroxyl-Gruppen funktionalisierte Reaktivharz oder die Mischung aus mit funktionellen Hydroxyl-Gruppen funktionalisierten Reaktivharzen ausgewählt sein aus einer Gruppe bestehend aus Acrylat- Harzen, funktionalisierten Styrolacrylat-Harzen, funktionalisierten Acrylsäure-Copolymeren, funktionalisierten Acrylat-Urethan-Copolymeren und funktionalisierten (Meth)acrylat-Copo- lymeren.
Selbiges gilt auch für die oben im Ausführungsbeispiel angeführten, weiteren Bestandteile der beispielhaften Klebstoffformulierung, also Cymel NF 3030, Butyldiglycol, Cycat 4045 und Hydrowax 46.
Grundsätzlich sind dem Fachmann den im Ausführungsbeispiel genannten Produkten ähnliche Produkte bekannt. Insofern die Klebstoffformulierung als 2-Komponenten-Klebstofffor- mulierung ausgeführt ist gilt außerdem, dass jedwede Additive anstelle von Komponente A, wie im obigen Ausführungsbeispiel für Butyldiglycol und Hydrowax 46 angegeben, genauso der Komponente B beigemengt sein können.
Je nach Erfordernis bzw. Verfahrensführung kann es auch zweckmäßig sein, dass die Klebstoffformulierung noch weitere Additive als die oben im Ausführungsbeispiel angegebenen, also Butyldiglycol und Hydrowax 46, umfasst. So kann die Klebstoffformulierung zum Beispiel 0,1 Gew.% bis 35 Gew.% eines Füllstoffes oder mehrerer Füllstoffe und/oder Pig- mente(s), 0,1 Gew. % bis 6 Gew.% eines Netzmittels oder mehrerer Netzmittel, 0,1 Gew.% bis 8 Gew.% eines Entschäumers oder mehrerer Entschäumer und/oder 0,1 Gew.% bis 8 Gew.% eines Verdickers oder mehrerer Verdicker umfassen. Außerdem kann die Klebstoffformulierung 0,1 Gew.% bis 20 Gew.% eines mehrwertigen Alkohols oder mehrerer mehrwertiger Alkohole, sowie 0,1 Gew% bis 5 Gew.% eines anionischen oder neutralen Wachses umfassen. Wie bereits erwähnt können solche Additive im Falle einer 2-komponentigen Ausführung der Klebstoffformulierung grundsätzlich entweder der Komponente A oder der Komponente B beigemengt sein.
Je nach Art und Menge von Additiven bzw. je nach allgemeinen Erfordernissen und Verfahrensführung des Verfahrens zur Herstellung von Press stoff-Formkörpem können die Gew.%- Anteile der Bestandteile der Klebstoffformulierung, also der wässrigen Phasen, Säure-Kataly- sator(en), mehrwertigen Alkoholen sowie diverser Additive natürlich angepasst werden. Hierbei kann eine jeweilige, entsprechende Anpassung von Gewichts anteilen der Bestandteile vom Fachmann innerhalb der obenstehend angegebenen Gew. %-Bereiche für die einzelnen Bestandteile vorgenommen werden. Im Falle einer Ausführung als 2-Komponenten-Kleb- stoffformulierung können die Gewichts anteile der Komponenten A und B relativ zueinander natürlich ebenfalls entsprechend innerhalb der angegebenen Gew. %-Bereiche angepasst werden.
Insbesondere umfasst die wässrige Klebstoffformulierung 35 Gew.% bis 85 Gew.% einer wässrigen Phase eines mit Hydroxyl-Gruppen funktionalisierten Reaktivharzes oder einer Mischung aus mit funktionellen Hydroxyl-Gruppen funktionalisierten Reaktivharzen mit einem Harzgehalt von 30 Gew.% bis 65 Gew.%. Weiters umfasst die wässrige Klebstoffformulierung 12 Gew.% bis 25 Gew.% einer wässrigen Phase eines Harnstoffharz- Vernetzers, welches ein aus einem Harnstoffes und einem multifunktionalen Aldehyds gebildetes Reaktionsprodukt ist, mit einem Harzgehalt von 30 Gew.% bis 65 Gew. %. Die wässrige Klebstoffformulierung umfasst außerdem 0,1 Gew.% bis 4 Gew.% eines Säure- Katalysators mit einem pks- Wert von 2 oder weniger.
Ein H-aktiv Äquivalentgewicht der wässrigen Phase des mit Hydroxyl-Gruppen funktionalisierten Reaktivharzes oder der Mischung aus mit funktionellen Hydroxyl-Gruppen funktionalisierten Reaktivharzen kann 200 g/mol bis 1500 g/mol betragen.
Im Folgenden werden nun noch Ausführungsbeispiele für Verfahren zur Herstellung von Pressstoff-Platten anhand von Figuren beschrieben. Es zeigen jeweils in stark vereinfachter, schematischer Darstellung:
Fig. 1 ein Ausführungsbeispiel für einen kontinuierlichen Verpressvorgang eines Presskuchens zu einer Pressstoff-Platte anhand einer Doppelband-Presse;
Fig. 2 ein Ausführungsbeispiel für einen diskontinuierlicher Verpressvorgang für eine Schichtung aus Span- bzw. Fasermaterial umfassenden Platten und Schichten der Kleb Stoffformulierung .
Ein Verfahren zur Herstellung von Pressstoff-Formkörpem, insbesondere Pressstoff-Platten, umfasst grundsätzlich die Schritte
- Bereitstellung eines Span- bzw. Fasermaterials oder einer Span- bzw. Fasermaterialmischung,
- Bereitstellung einer chemisch härtbaren Klebstoffformulierung,
- Mischen des Span- bzw. Fasermaterials oder der Span- bzw. Fasermaterialmischung mit der Klebstoffformulierung unter Bildung eines Presskuchens
- kontinuierliche Verpressung des Presskuchens unter Aushärtung der Klebstoffformulierung,
oder Herstellung von Presskuchenstücken und diskontinuierliche Verpressung der Presskuchenstücke in Pressformen unter Aushärtung der Klebstoffformulierung.
Hierbei kann als Klebstoffformulierung eine chemisch härtbare, wässrige Klebstoffformulierung wie obenstehend beschrieben und in den betreffenden Ansprüchen definiert eingesetzt werden.
Das Mischen des Span- bzw. Fasermaterials oder der Span- bzw. Fasermaterialmischung mit der Klebstoffformulierung, im Fachjargon auch als Beleimen bezeichnet kann wie an sich bekannt auf verschiedene Art und Weise durchgeführt werden. Als die gängigsten Methoden werden an dieser Stelle mechanische Beleimung bzw. Mischung in Mischvorrichtungen, Beleimung mittels einer sogenannten Blowline und die seltenere Trockenbeleimung angeführt. Da diese Beleimungs- bzw. Mischmethoden dem Fachmann bekannt sind, kann eine ausführliche Beschreibung an dieser Stelle erübrigt werden. Hierbei kann alternativ zu dem obenstehend angeführten Ausführungsbeispiel für eine 2-Komponenten-Klebstoffformulierung umfassend ein Wachs (Hydrowax 46), vorgesehen sein, dass im Zuge des Mischens des Span- bzw. Fasermaterials oder der Span- bzw. Fasermaterialmischung mit der Klebstoffformulierung 0,1 Gew.% bis 5 Gew.% eines Festwachses beigemengt werden.
Insofern eine 2-komponentige Klebstoffformulierung für das Verfahren eingesetzt wird, kann die Herstellung der Klebstoffformulierung durch Mischen der Komponenten A und B zum Beispiel vor dem Mischen mit dem Span- bzw. Fasermaterial, oder aber auch im Zuge des Mischens mit dem Span- bzw. Fasermaterial erfolgen.
Unabhängig davon wird nach dem bzw. durch das Mischen des Span- bzw. Fasermaterials o- der der Span- bzw. Fasermaterialmischung mit der Klebstoffformulierung ein sogenannter Presskuchen gebildet bzw. erhalten, welcher anschließend einem Verpressen unterzogen wird.
In der Fig. 1 ist ein Ausführungsbeispiel für einen kontinuierlichen Verpressvorgang für einen Presskuchen 1 dargestellt. Ein solcher kontinuierlicher Verpressvorgang des Presskuchens 1 kann wie bei dem in der Fig. 1 dargestellten Ausführungsbeispiel mittels einer Doppelbandpresse 2 bewerkstelligt werden. Die im Ausführungsbeispiel gemäß Fig. 1 dargestellte Doppelbandpresse 2 weist ein sogenanntes Unterband 3, auf welchem der Presskuchen 1 aufgebracht ist und gefördert wird, sowie ein Oberband 4 als Presselement auf. Der Presskuchen 1
wird wie in Fig.l veranschaulicht zwischen Unterband 3 und Oberband 4 der Doppelbandpresse 2 geführt und kann durch Verstellung von Unterband 3 und Oberband 4 relativ zueinander mit einem jeweils gewünschten Pressdruck verdichtet bzw. verpresst werden. Im Zuge des Verpressens des Presskuchen 1 erfolgt auch die Aushärtung der Klebstoffformulierung, wobei eine Aushärtung der Klebstoffformulierung durch Erhitzen, zum Beispiel mittels in der Fig. 1 veranschaulichter Heizmittel 5, initiiert bzw. beschleunigt werden kann.
In der Fig. 1 ist lediglich ein mögliches Ausführungsbeispiel für ein kontinuierliches Verpressen eines Presskuchens 1 dargestellt, wobei andere, kontinuierlich arbeitende Presssysteme, wie etwa Pressen mit Presswalzen oder Kombinationen aus Bändern und Walzen oder sogenannten Kalanderpressen, wie dies im Bereich der Herstellung von Pressstoff-Formkörpem an sich bekannt und üblich ist. Im Falle eines kontinuierlichen Verpressens wird wie in der Fig. 1 veranschaulicht ein Pressstoff-Strang 6 erhalten, welcher anschließend durch Zerteilen zu Pressstoff-Formkörpem, insbesondere Pressstoff-Platten vereinzelt werden kann.
Alternativ zu einem kontinuierlichen Verpressen, wie zum Beispiel anhand des in der Fig. 1 dargestellten Ausführungsbeispiels veranschaulicht, können bei dem Verfahren auch vorab gezielt hergestellte Presskuchenstücke, welche zum Beispiel durch Zerteilen eines kontinuierlich ausgetragenen Presskuchens erhaltbar sind, diskontinuierlich wiederum unter Aushärtung der Klebstoffformulierung zu Pressstoff-Formkörper verpresst werden. Ein solches diskontinuierliches Verpressen kann zum Beispiel in Pressformen mit verstellbaren Pressstempeln durchgeführt werden.
Unabhängig von der Ausführung des Verfahrens mittels kontinuierlicher oder diskontinuierlicher Verpressung eines Presskuchens respektive Presskuchenstücks, weist der Presskuchen oder die Presskuchenstücke einen Gewichts anteil an Span- bzw. Fasermaterial oder Span- bzw. Fasermaterialmischung von 77 Gew.% bis 98,5 Gew.% und einen Gewichts anteil an 2- Komponenten-Klebstoffformulierung von 1 Gew.% bis 20 Gew.% auf.
In der Fig. 2 ist Ausführungsbeispiel für ein alternatives Verfahren zur Herstellung von Press- stoff-Formkörpern, insbesondere Pressstoff-Platten stark vereinfacht und grob schematisch dargestellt, bei welchem ebenfalls die erfindungsgemäße Klebstoffformulierung eingesetzt werden kann.
Dieses alternative Verfahren umfasst die Schritte
- Bereitstellung einer Mehrzahl an Span- bzw. Fasermaterial umfassenden Platten, insbesondere Furnier-Schichtstoffplatten
- Beschichten zumindest einer zur Verbindung mit einer anderen Platte vorgesehenen Oberfläche der Platten mit einer Klebstoffformulierung,
- Schichten der beschichteten Platten zu einer Plattenschichtung,
- Verpressung der Platten Schichtung in der Pressform unter Aushärtung der Klebstoffformulierung.
In der Fig. 2 ist einen entsprechende Plattenschichtung 7 dargestellt, bei welcher alternierend Span- bzw. Fasermaterial umfassende Platten 8 und jeweils eine zwischen zwei Platten 2 angeordnete Schicht der Klebstoffformulierung 9 geschichtet sind. Die in der Fig. 2 grob schematisch veranschaulichte Schichtung 7 kann zum Beispiel mittels eines Pressstempels 10, gegebenenfalls auch in einer in Fig. 2 nicht dargestellten Pressform, verpresst werden. Ein Beschichten bzw. Beleimen der Platten 8 mit der Klebstoffformulierung 9 kann vor dem Verpressen durchgeführt werden, wobei grundsätzlich entweder jeweils eine Oberfläche 11 der Platten oder auch beide Oberflächen 11 zumindest der innenliegenden Platten 8 mit der Klebstoffformulierung 9 beschichtet werden können.
Auch bei der in Fig. 2 veranschaulichten Verfahrensführung durch Verpressen von Plattenschichtungen 7 kann als Klebstoffformulierung eine wie obenstehend beschriebene Klebstoffformulierung 9 eingesetzt werden, wobei ein Gewichtsanteil an Platten der Plattenschichtung von 80 Gew.% bis 99 Gew.% und ein Gewichtsanteil an Klebstoffformulierung der Plattenschichtung von 1 Gew.% bis 20 Gew.% beträgt.
Die Ausführungsbeispiele zeigen mögliche Ausführungsvarianten, wobei an dieser Stelle bemerkt sei, dass die Erfindung nicht auf die speziell angeführten Ausführungsvarianten derselben eingeschränkt ist.
Der Schutzbereich ist durch die Ansprüche bestimmt. Die Beschreibung und die Zeichnungen sind jedoch zur Auslegung der Ansprüche heranzuziehen. Einzelmerkmale oder Merkmalskombinationen aus den gezeigten und beschriebenen unterschiedlichen Ausführungsbeispielen können für sich eigenständige erfinderische Lösungen darstellen. Die den eigenständigen erfinderischen Lösungen zugrundeliegende Aufgabe kann der Beschreibung entnommen werden.
Sämtliche Angaben zu Wertebereichen in gegenständlicher Beschreibung sind so zu verstehen, dass diese beliebige und alle Teilbereiche daraus mitumfassen, z.B. ist die Angabe 1 bis 10 so zu verstehen, dass sämtliche Teilbereiche, ausgehend von der unteren Grenze 1 und der oberen Grenze 10 mit umfasst sind, d.h. sämtliche Teilbereiche beginnen mit einer unteren Grenze von 1 oder größer und enden bei einer oberen Grenze von 10 oder weniger, z.B. 1 bis 1,7, oder 3,2 bis 8,1, oder 5,5 bis 10.
Der Ordnung halber sei abschließend darauf hingewiesen, dass zum besseren Verständnis des Aufbaus Elemente teilweise unmaßstäblich und/oder vergrößert und/oder verkleinert dargestellt wurden.
Bezugszeichenaufstellung
Presskuchen
Doppelbandpresse
Unterband
Oberband
Heizmittel
Pressstoff-Strang
Plattenschichtung
Platte
Kleb Stoffformulierung
Pressstempel