Vorrichtung und Verfahren für die Boroskopinspek- tion von technischen Geräten
Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung und ein Verfahren für die Boroskopinspektion von technischen Geräten.
Im Stand der Technik ist es bekannt, zur Inspektion von tech nischen Geräten in Bereichen, die nicht unmittelbar einsehbar sind, auf Boroskope zurückzugreifen. Die Boroskope können durch kleine Öffnungen in die fraglichen Bereiche eingeführt werden und bieten entweder unmittelbar über eine Optik oder aber durch Anzeige eines durch geeignete Sensorik an der Boro- skopspitze aufgenommenen Videobildes - auch Video-Boroskop ge nannt - Einblick in ansonsten nicht einsehbare Bereiche.
Die Boroskopie wird bspw. bei der Inspektion von Flugzeug triebwerken eingesetzt, um einen Einblick in das Innere des Triebwerks zu erlangen, ohne es dafür aufwendig auseinander nehmen zu müssen. Dabei ist es zumindest für einzelne Bereiche des Flugzeugtriebwerks, wie bspw. die Brennkammer, erforder lich oder zumindest wünschenswert, den Bereich vollständig zu befunden und zu dokumentieren.
Derzeit wird für die Boroskopie des Innenraums der Brennkammer auf ein Video-Boroskop mit flexiblem Schaft zurückgegriffen, welches manuell durch die Brennkammer geführt wird. Dazu wird das flexible Boroskop entlang des kompletten Innenumfangs der Brennkammer geführt und anschließend langsam herausgezogen. Während des Herausziehens werden die vom Boroskop erfassten Bilder aufgezeichnet. Es wird dabei versucht sicherzustellen, dass der komplette Umfang der üblicherweise ringförmigen Brennkammer erfasst wird. Wird dabei eine mögliche Problem stelle in der Brennkammer identifiziert, kann anschließend eine manuelle 3-D-Erfassung der entsprechenden Stelle mit ge sonderten dafür geeigneten 3-D-Boroskopen durchgeführt werden.
Aufgrund der manuellen Führung des Boroskops mit flexiblem Schaft ist eine vollständige und reproduzierbare Dokumentation des Zustands einer Brennkammer jedoch kaum möglich. Außerdem ist insbesondere die nachträgliche 3-D-Erfassung von möglichen Problemstellen sehr aufwendig und zeitintensiv.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, eine Vorrichtung und ein Verfahren zu schaffen, mit der die Boroskopinspektion von technischen Geräten verbessert werden kann.
Gelöst wird diese Aufgabe durch eine Vorrichtung gemäß dem Hauptanspruch, sowie ein Verfahren gemäß dem nebengeordneten Anspruch. Vorteilhafte Weiterbildungen sind Gegenstand der ab hängigen Ansprüche.
Demnach betrifft die Erfindung eine Vorrichtung für die Boro skopinspektion von technischen Geräten umfassend ein in einer Verformungseinheit geführtes, wiederholt plastisch verformba res und lang gestrecktes Trägerelement, wobei die Verformungs einheit ein positionsfestes Führungselement zur axialen Füh rung des Trägerelements an einem Ausgangsende und ein zur axi alen Führung des Trägerelements ausgebildetes Aktuatorelement umfasst, welches in wenigstens eine Richtung senkrecht zum Ab stand zwischen Führungselement und Aktuatorelement bewegbar ist, um wahlweise ein Biegemoment auf das durch das Führungs element und das Aktuatorelement geführte Trägerelement aufzu bringen, und wobei an dem aus dem Ausgangsende der Verfor mungseinheit herausragende Ende des Trägerelementes ein Boro- skopkopf angeordnet ist.
Die Erfindung betrifft weiterhin ein Verfahren für die Boro skopinspektion von technischen Geräten, vorzugsweise unter Verwendung einer erfindungsgemäßen Vorrichtung, wobei ein wie derholt plastisch verformbares und lang gestrecktes Trägerele ment mit einem Boroskopkopf an seinem in das technische Gerät
einzuführende Ende während des Einführens in das technische Gerät im Bereich vor dem Eintritt in das technische Gerät wahlweise vorverformt wird, um so einer vorgegebenen Bahn des Boroskopkopfes innerhalb des technischen Geräts zu folgen.
Zunächst werden einige in Zusammenhang mit der Erfindung ver wendete Begriffe erläutert.
Ein lang gestrecktes Trägerelement ist „wiederholt plastisch verformbar", wenn das Trägerelement bei Verformung keine oder nur kaum Ermüdungserscheinungen aufweist und eine durch Ver formung erreichte Formgebung im Wesentlichen - also insbeson dere abzüglich elastischer Anteile an der Verformung - beibe hält. Vorzugsweise ist das Trägerelement für mehrere Zyklen, bspw. wenigstens für wenigstens 20 Zyklen, weiter vorzugweise für wenigstens 50 Zyklen im Rahmen der bei der Verwendung der erfindungsgemäßen Vorrichtung zu erwartenden Verformungen ver formbar, ohne dass es zu merklichen Ermüdungserscheinungen kommt.
Bei einem plastisch verformbaren „Trägerelement" handelt es sich um ein Trägerelement, welches bei ordnungsgemäßer Verwen dung nicht nur selbsttragend ist, sondern auch diejenigen Las ten, für die es vorgesehen ist, tragen kann, ohne sich auf grund der Schwerkraft selbstständig, zumindest plastisch, zu verformen .
Mit „axialer Führung" ist eine Führung - in vorliegenden Fall - des Langestrecken Trägerelements bezeichnet, die eine Bewe gung des Trägerelementes in dessen axialer Richtung zulässt, eine Bewegung in radialer Richtung des Trägerelementes aber unterbindet. Die Winkellage der Achse des Trägerelements in nerhalb der Führung und/oder eine Rotationsbewegung des Trä gerelementes um die eigene Achse sind dabei durch die axiale Führung grundsätzlich nicht oder nur auf breite Winkelbereiche
beschränkt. Je nach Anwendungsfall der erfindungsgemäßen Vor richtung oder Ausführung der axialen Führung können aber auch einzelne oder alle solcher Winkelveränderungen unterbunden werden.
Bei dem „Boroskopkopf" handelt es sich um denjenigen Teil ei nes Boroskops, der letztendlich den Aufnahmebereich des Boro- skops bestimmt. Bei einem rein optischen Boroskop entspricht dies bspw. dem Boroskopobjektiv oder die Eintrittsfläche eines Lichtleiters, welcher den letztendlichen Aufnahmekegel defi niert; bei einem Video-Boroskop ist dies der Aufnahmebereich der dafür vorgesehenen Bilderfassungssensoren. Dabei ist uner heblich, ob über den Boroskopkopf eine 2D-Bilderfassung im sichtbaren Bereich, Aufnahmen im nicht-sichtbaren Bereich (bspw. Infrarotbereich) und/oder die Erfassung von 3-D-Daten, bspw. per Triangulation, erfolgen. Der Boroksopkopf kann grundsätzlich auf einem starren oder flexiblen Schaft angeord net ist. Es ist aber auch möglich, den Borokopkopf ohne eige nen strukturellen Schaft auf einem anderen Element, wie bspw. dem Trägerelement, anzuordnen.
Die Erfindung hat erkannt, dass die Boroskopie von technischen Geräten, wie bspw. Gasturbinen oder Flugzeugtriebwerken, ins besondere komplizierter Strukturen verbessert werden kann und insbesondere reproduzierbar möglich wird, wenn der Pfad, den der Boroskopkopf beim Einschieben folgt, zumindest in einem gewissen Rahmen gesteuert und/oder geregelt beeinflussbar ist. Erfindungsgemäß ist hierfür vorgesehen, dass der Boroskopkopf an dem letztendlich in das zu boroskopierende technische Gerät einzuführende Ende eines wiederholt plastisch verformbaren, lang gestreckten Trägerelementes angeordnet ist, für dessen kontrollierte Verformung beim Einschieben in ein technisches Gerät eine Verformungseinheit vorgesehen ist.
Die Verformungseinheit umfasst dabei ein Führungselement zur axialen Führung des Trägerelementes. Aufgrund der Eigenschaf ten einer axialen Führung im Sinne der vorliegenden Erfindung ist sicherstellt, dass das Trägerelement grundsätzlich an ei ner definierten Stelle der Verformungseinheit austritt. Somit kann die erfindungsgemäße Vorrichtung einfach derart gegenüber einem zu boroskopierenden technischen Gerät angeordnet werden, dass das Trägerelement in eine zur Einführung eines Boroskops geeignete Öffnung am technischen Gerät eingeschoben werden kann.
Um eine Verformung des Trägerelementes zu erreichen, umfasst die Verformungseinheit ein Aktuatorelement, durch den das Trä gerelement ebenfalls axial geführt ist. Da das Aktuatorelement in wenigstens eine Richtung, vorzugsweise in beliebige Rich tungen senkrecht zum Abstand zwischen Führungselement und Ak tuatorelement bewegbar ist, kann wahlweise ein Biegemoment auf das Trägerelement ausgeübt werden, um es so zu verformen. Für die zur Aufbringung eines Biegemomentes erforderliche Beweg- barkeit des Aktuatorelements in eine Richtung senkrecht zum Abstand zwischen Führungselement und Aktuatorelement ist es unerheblich, ob das Aktuatorelement auch in Richtung parallel zu diesem Abstand bewegbar ist oder entsprechende Bewegungen radial und axial zur genannten Achse miteinander gekoppelt sind (bspw. weil das Aktuatorelement entlang einer Kreisbahn oder einer Kugelschale bewegbar ist).
Durch das Aufbringen eines Biegemomentes auf das Trägerelement durch die Verformungseinheit kann eine Verformung und somit bei entsprechendem Durchschieben des Trägerelementes durch die Verformungseinrichtung die Formgebung des aus dem Führungsele ment herausstehenden Teils des Trägerelementes beeinflusst und festgelegt werden. Es lässt sich so die Bahn, die der Boro- skopkopf am Ende des Trägerelements bspw. innerhalb eines
technischen Geräts beim Einschieben bzw. Durchschieben durch die Verformungseinheit nimmt, vorgeben.
Es ist bevorzugt, wenn zusätzlich zum wahlweisen Aufbringen eines Biegemomentes auf das Trägerelement das Aktuatorelement zum wahlweisen Aufbringen eines Torsionsmoments auf das Trä gerelement ausgebildet ist. Entsprechendes kann bspw. bei ei ner rotationsfesten axialen Führung des Trägerelementes oder durch entsprechende wahlweise Fixierung (siehe unten) durch Drehen der Führung um die Achse des Trägerelementes erreicht werden. Insbesondere bei nicht-rotationssymmetrischen Trä gerelementen können durch das wahlweise Aufbringen von Torsi onsmomenten zusätzliche Verformungsmodi erreicht werden.
Vorzugsweise umfasst das Aktuatorelement und/oder das positi onsfeste Führungselement eine steuerbare Arretierung zum wahl weisen Fixieren der Position und/oder der Winkellage des Trä gerelementes im Aktuatorelement und/oder Führungselement.
Durch entsprechende wahlweise Fixierung können - je nach Aus gestaltung der Fixierung bspw. durch Schaffung einer temporä ren festen Einspannung - zusätzliche Verformungsmodi erreicht werden. Bei geeigneter Arretierung am Führungselement kann auch verhindert werden, dass sich zeitweise Bewegungen des Ak tuatorelements, bspw. zur Verformung des Trägerelementes, un gewollt auf das aus der Vorrichtung hervorstehende Ende des Trägerelementes auswirken. Die Arretierung kann bspw. als Zwei-Finger-Greifer für das Trägerelement ausgebildet sein.
Es ist besonders bevorzugt, wenn das Aktuatorelement in Rich tung des Abstands zwischen positionsfestem Führungselement und Aktuatorelement bewegbar ist. Neben der Schaffung weiterer Verformungsmodi ist es insbesondere bei Vorhandensein von Ar retierungen sowohl am Führungselement als auch am Aktuatorele ment möglich, die Bewegbarkeit in Richtung des Abstands zwi schen positionsfestem Führungselement und Aktuatorelement bei
wechselseitiger Arretierung an Führungselement und Aktuatorel ement zum segmentweisen Vorschub des Trägerelementes aus dem Ausgangsende der Vorrichtung heraus zu nutzen.
Alternativ oder zusätzlich dazu ist es möglich, dass das Füh rungselement und/oder das Aktuatorelement Führungsrollen für das Trägerelement umfassen, von denen vorzugsweise ein Teil der Führungsrollen angetrieben ist. Durch geeignete Ansteue rung des oder der Rollenantriebe kann ein - ggf. auch kontinu ierlicher - Vorschub des Trägerelementes aus dem Ausgangsende heraus erreicht werden.
Um eine zusätzliche Verformung zu erreichen und/oder das Trä gerelement in einer definierten Bahn in das zu boroskopierende technische Gerät einzuführen, kann am Führungselement ein aus der Verformungseinheit herausragendes Führungsrohr zur Durch führung des Trägerelementes befestigt sein, wobei das Füh rungsrohr vorzugsweise lösbar und somit grundsätzlich aus tauschbar ist. Durch ein für ein zu boroskopierendes techni sches Gerät ggf. besonders ausgestaltetes Führungsrohr kann eine vorgegebene Einführung des Trägerelementes in das Innere des zu untersuchenden technischen Geräts reproduzierbar er reicht werden. Auch wenn, je nach Ausgestaltung des Führungs rohrs, dabei eine weitergehende Verformung des Trägerelementes erfolgt, ist die letztendliche Formgebung des aus dem Füh rungsrohr ragenden Teils des Trägerelementes weiterhin maßgeb lich durch die Verformungseinrichtung beeinflussbar, da sich der elastische Teil der Verformung durch das Führungsrohr nach Austritt aus dem Führungsrohr zur durch die Verformungsein richtung erreichten Form des Trägerelements zurückbildet. Bei nicht-rotationssymmetrischen Trägerelementen kann auch die Winkellage des Trägerelements im Führungsrohr Einfluss auf die letztendliche Formgebung haben.
Es ist bevorzugt, wenn eine Zuführungseinrichtung vorgesehen ist, mit der das Trägerelement dem Aktuatorelement auf der von dem Führungselement abgewandten Seite definiert zugeführt wird, wobei die Zuführungseinrichtung ortsfest gegenüber dem Führungselement oder mit dem Aktuatorelement mitbewegt ist. Durch eine entsprechende Zuführungseinrichtung kann regelmäßig eine erhöhte Genauigkeit in der Verformung des Trägerelements durch Bewegung des Aktuatorelements erreicht werden, da mögli che Einflüsse einer Undefinierten Zuführung auf die letztend liche Verformung ausgeschlossen sind.
Das Trägerelement kann eine Sondeneinheit im Bereich der Boro- skopkopf zur Bestimmung der Position und/oder Orientierung des Boroskopkopf umfassen. Über eine entsprechende Sondeneinheit kann überprüft werden, ob das Führungsrohr einer vorgegebenen Bahn folgt. Die Sondeneinheit kann zur Positionsbestimmung über ein beliebiges bekanntes Messprinzip ausgebildet sein, bspw. Time-Of-Flight-Analyse von der Sondeneinheit ausgesende ten und/oder empfangenen Funk- oder Lichtsignalen. Auch eine Positionsbestimmung auf Basis von Bildauswertung ist möglich, wozu die Sondeneinheit geeignete Bilderfassungssensoren um fasst. Die Sondeneinheit kann auch integral mit dem Boroskop kopf ausgebildet sein.
Vorzugsweise umfasst die Vorrichtung eine Steuerungsvorrich tung zur Steuerung. Dabei ist bevorzugt, wenn die Steuerung unter Berücksichtigung der über eine Sondeneinheit oder den Boroskopkopf gewonnenen Positions- und/oder Orientierungsin formationen des Boroskopkopfs erfolgt. Durch die entsprechen den Positions- und/oder Orientierungsinformationen, die entwe der durch eine Sondeneinheit oder auch über den Boroskopkopf (bspw. per Bilderkennung oder Auswertung gewonnener 3-D-Daten) ermittelt werden können, kann ein Abgleich der tatsächlichen Lage und/oder Orientierung mit der vorgegebenen Bahn erfolgen
und, bei festgestellter Abweichung, ein geeignetes Gegensteu ern initiiert werden.
Der Boroskopkopf kann fest mit dem freien Ende des Trägerele ments verbunden sein, womit auf einen gesonderten Boro- skopschaft verzichtet werden kann. Die „feste Verbindung" kann dabei eine wahlweise Lösbarkeit zu Wartungszwecken umfassen. Der Boroskopkopf kann aber auch Teil eines flexiblen Boro- skops, welches durch einen geeigneten Kanal im Trägerelement geführt ist, sein. Im Fall der festen Verbindung mit dem Trä gerelement ist es bevorzugt, wenn die Verbindung einen Rotati onsfreiheitsgrad um die Achse des Trägerelementes aufweist und die Drehung des Boroskopkopfs um diese Achse steuerbar ist.
Bei geeigneter Ausgestaltung der drehbaren Verbindung sind 360°-Rundumaufnahmen möglich. Eine entsprechende Rotation kann bei einem durch das Trägerelement hindurchgeschobenen flexib len Boroskops durch Drehung des Boroskopschafts erreicht wer den. Alternativ dazu ist es bevorzugt möglich, dass der Boro skopkopf zur Erfassung einer 360°-Rundumsicht ausgebildet ist. Das kann bspw. durch eine geeignete Anzahl von radial verteilt angeordneten Bilderfassungssensoren erreicht werden.
Das Aktuatorelement kann einen, vorzugsweise sechsachsigen, Gelenkarmroboter und/oder einen Hexapod-Roboter (Stewart- Plattform) umfassen, wobei die Position und/oder Lage der axi alen Führung des Aktuatorelements durch den Roboter veränder bar ist. Durch entsprechende Roboter lassen sich sämtliche ty pischerweise erforderlichen Verformungen des Trägerelementes erreichen.
Vorteilhaft und daher bevorzugt ist es, wenn das Führungsrohr ein Materialverbundrohr ist. Das Führungsrohr kann dabei einen Kern aus gewickelten Metallband umfassen, wobei das Metallband vorzugsweise ein Aluminiumband und/oder längsgewickelt ist. Um die Formstabilität des Führungsrohrs nach einer Verformung zu
erhalten, ist weiterhin vorzugsweise eine Ummantelung des Kerns aus Kunststoff, vorzugsweise Polyethylen, vorgesehen.
Auf der von der Ummantelung gegenüberliegenden Seite des Kerns kann ein Schutzüberzug, vorzugsweise eine Schutzfolie vorgese hen sein, sodass in diesem Fall der Kern vollständig von Um mantelung und Schutzüberzug umgeben ist. Dadurch kann regelmä ßig eine glatte Oberfläche des Führungsrohrs auf dessen Außen- und Innenseite erreicht werden. Darüber hinaus wird das Risiko der Beschädigung eines Bauteils des zu boroskopierenden tech nischen Geräts bei (unbeabsichtigten) Kontakt mit dem Füh rungsrohr verringert. Geeignete Rohre werden zum Prioritäts zeitpunkt bspw. unter den Handelsnamen „Dekabon" oder unter der Marke „Synflex" der Firma Eaton Corporation, USA, erhält lich, und sind bspw. im Patent US 4,216,802 näher beschrieben.
Der Boroskopkopf kann eine Bilderfassungseinheit als Teil ei nes Video-Boroskops umfassen. Er kann auch zur Erfassung von 3-D-Oberflächendaten, bspw. durch Triangulation auf Basis von Bilddaten zweier benachbart voneinander angeordneter Bilder fassungseinheiten, ausgebildet sein.
Bei dem zu boroskopierenden technischen Gerät kann es sich vorzugsweise um Gasturbinen und/oder Flugzeugtriebwerke han deln. Die Erfindung hat sich als besonders geeignet für die Boroskopinspektion eben solcher technischen Geräte herausge stellt.
Zur Erläuterung des erfindungsgemäßen Verfahrens wird auf die vorstehenden Ausführungen betreffend eine zur Durchführung dieses Verfahrens ausgebildeten Vorrichtung verwiesen. Die be schriebenen vorteilhaften Weiterbildungen der Vorrichtung er geben unmittelbar auch vorteilhafte Weiterbildungen des Ver fahrens .
Die Erfindung wird nun anhand vorteilhafter Ausführungsformen unter Bezugnahme auf die beigefügten Zeichnungen beispielhaft beschrieben. Es zeigen:
Figur 1: eine schematische Darstellung der Verwendung ei ner erfindungsgemäßen Vorrichtung zur Boroskopin- spektion einer Brennkammer eines Flugzeugtrieb werks;
Figur 2: eine schematische Schnittansicht zu Figur 1;
Figur 3: eine schematische Darstellung einer ersten Aus führungsform einer erfindungsgemäßen Vorrichtung;
Figur 4a, b: schematische Darstellung einer zweiten Ausfüh rungsform einer erfindungsgemäßen Vorrichtung; und
Figur 5a, b: schematische Darstellung von Ausführungsalterna tiven von mit dem Trägerelement fest verbunden Boroskopkopfen.
In Figuren 1 und 2 ist die Verwendung einer erfindungsgemäßen Vorrichtung 1 zur Boroskopinspektion eines technischen Geräts 20, nämlich der Brennkammer 21 eines Flugzeugtriebwerks, skiz ziert. Aus Gründen der Übersichtlichkeit ist dabei ausschließ lich die Brennkammer 21 des Flugzeugtriebwerks dargestellt.
Die erfindungsgemäße Vorrichtung lässt sich aber insbesondere im in ein Flugzeugtriebwerk eingebauten Zustand der Brennkam mer 21 verwenden.
Die Vorrichtung 1 umfasst ein wiederholt plastische verformba res, lang gestrecktes Trägerelement 2 mit einem Boroskopkopf 3 an demjenigen Ende 2', welches in die Brennkammer 21 einge führt wird. Das Trägerelement 2 ist dabei ein Materialverbun drohr umfassend einen Kern aus längsgewickelten Aluminiumband,
eine äußere Ummantelung aus Polyethylen, und einer Schutzfolie als Schutzüberzug auf der Innenseite. Das Führungsrohr 3 ist dabei selbsttragend bzw. auch den Boroskopkopf 3 tragend, so- dass es seine nach einer plastischen Verformung erreichte Formgebung ohne äußere Einflüsse grundsätzlich beibehält.
Das Trägerelement 2 wird durch eine Verformungseinheit 10 ge führt, deren genaue Ausgestaltung nachfolgend in verschiedenen Ausführungsformen anhand der Figuren 3 und 4 noch näher be schrieben wird. In der Verformungseinheit 10 wird das Trä gerelement 2 durch eine Steuerungsvorrichtung 11 gesteuert biege- und torsionsverformt, bevor es am Ausgangsende 12 der Verformungseinheit 10 herausgeführt und in die Brennkammer 21 eingeführt wird. Dazu wird das Trägerelement 2 in einem an dem Ausgangsende 12 lösbar befestigten gebogenen Führungsrohr 4 durch eine Inspektionsöffnung 22 in die Brennkammer 21 einge führt und ist ab dem durch das freie Ende 4' des Führungsrohrs 4 definierten und reproduzierbar wieder erreichbaren Punkt tatsächlich selbsttragend. Die Reproduzierbarkeit wird dabei insbesondere auch durch die Befestigungseinrichtung 6 er reicht, mit der die Vorrichtung 1 in einer eindeutig definier ten Position und Lage gegenüber der Inspektionsöffnung 22 am technischen Gerät 20 befestigt wird.
Der Boroskopkopf 3 ist fest mit dem Trägerelement 2 verbunden und umfasst Bilderfassungssensoren zur Erfassung von digitalen 2-D-Bildern, sodass sich letztendlich ein Video-Boroskop ergibt. In die Boroskopkopf 3 integriert ist eine Sondenein heit 5, mit der sich die Position und Orientierung der Boro skopkopf 3 ermitteln lässt. Die durch die Sondeneinheit 5 ge wonnenen Informationen werden der Steuerungsvorrichtung 11 zur Verfügung gestellt und fließen in die Steuerung der Verfor mungseinheit 10 ein, sodass sichergestellt werden kann, dass sich die Boroskopkopf 3 beim Einschieben des Trägerelements 2 in die Brennkammer 21 grundsätzlich entlang einer vorgegebenen
Bahn 90 bewegt. Werden Abweichungen von dieser Bahn 90 festge stellt, kann die Steuerungsvorrichtung 11 dem durch geeignete Ansteuerung der Verformungseinheit 10 entgegensteuern.
In Figur 3 ist ein erstes Ausführungsbeispiel einer Vorrich- tung 1, wie sie bspw. in Figur 1 und 2 verwendet werden kann, dargestellt, wobei insbesondere auch die Verformungsvorrich tung 10 detailliert gezeigt ist.
Die Verformungseinheit 10 umfasst ein positionsfestes Füh rungselement 13, welches u. a. das Ausgangsende 12 bildet, an dem auch in diesem Ausführungsbeispiel ein Führungsrohr 4 an geordnet ist. In dem Führungselement 13 ist das Trägerelement 2 axial entlang einer definierten Achse geführt. Dabei ist das Trägerelement 2 als Rohr ausgeführt, durch welches ein separa tes flexibles Boroskop (nicht dargestellt) geführt werden kann.
Es ist weiterhin ein Aktuatorelement 14 vorgesehen, welches am Ausleger eines sechsachsigen Gelenkarmroboters 15 angeordnet ist. Das Aktuatorelement 14 ist ebenfalls zur axialen Führung des Trägerelementes 2 ausgebildet und verfügt über eine Arre- tierung in Form eines Zwei-Finger-Greifers 16, mit der die Po sition und Lage des Trägerelementes 2 gegenüber dem Aktuato relement 14 steuerbar fixiert werden kann.
Unmittelbar benachbart zum Aktuatorelement 14 und ebenfalls am Ausleger des Gelenkarmroboters 15 ist eine Zuführungseinrich- tung 17, mit dem das Trägerelement 2 dem Aktuatorelement 14 auf der von dem Führungselement 13 abgewandten Seite definiert zugeführt wird.
Aufgrund des sechsachsigen Gelenkarmroboters 15 ist das Aktua torelement 14 nahezu beliebig gegenüber dem Führungselement
13 - insbesondere in und quer zur Richtung des Abstands zwi schen positionsfestem Führungselement 13 und Aktuatorelement
14 - bewegbar, um sowohl Biegemomente und Torsionsmomente auf das Trägerelement 2 im Bereich zwischen Führungselement 13 und Aktuatorelement 14 aufbringen zu können. Durch geeignetes zeitweises Arretieren mit dem Zwei-Finger-Greifer 16 und ent sprechendes Bewegen des Aktuatorelements 14 durch den Gelenk armroboter 15 kann das Trägerelement 2 schrittweise aus dem Ausgangsende 12 der Verformungseinheit 10 heraus- und somit in das zu boroskopierende technische Gerät 20 (vgl. Figur 1 und 2) hineingeschoben werden.
Der Gelenkarmroboter 15 kann durch die Steuerungseinrichtung
11 - ggf. unter Berücksichtigung der Position- und Lageinfor mationen einer Sondeneinheit 5 (vgl. Figur 1) - so gesteuert werden, dass das Trägerelement 2 nach und nach aus der Verfor mungsvorrichtung 10 herausgeschoben wird und sich dabei die in Figur 3 beispielhaft gezeigte Formgebung des Trägerelementes 2 ergibt.
In Figur 4a, b ist ein zweites Ausführungsbeispiel einer Vor richtung 1, wie sie bspw. in Figur 1 und 2 verwendet werden kann, in einer Seitenansicht und einer perspektivischen An sicht dargestellt. Auf die Darstellung des Trägerelementes 2 wurde dabei verzichtet.
Trotz der auf den ersten Blick großen Unterschiede zum Ausfüh rungsbeispiel gemäß Figur 3 fußen die beiden Ausführungsbei spiele auf demselben erfinderischen Konzept, weshalb ergänzend auf die vorstehenden Ausführungen verwiesen wird.
Die in Figur 4a, b gezeigte Verformungseinheit 10 umfasst ein positionsfestes Führungselement 13, welches das Ausgangsende
12 der Verformungseinheit 10 bildet und die lösbare Befesti gung eines Führungsrohrs 4 daran ermöglicht.
Das Aktuatorelement 14 ist zur axialen Führung des Trägerele mentes 2 und mit einer Arretierung in Form eines Zwei-Finger- Greifers 16 auf einem durch die Steuerungsvorrichtung 11 steu erbaren Hexapod-Roboter 15' angeordnet, sodass sich die Posi tion und Lage des Aktuatorelements 14 insbesondere gegenüber des Führungselements 13 verändern lässt, sodass sich u. a. Biegeverformungen eines durch das Führungselement 13 und das Aktuatorelement 14 geführten Trägerelements 2 (nicht darge stellt) erreichen lassen.
Bei der Verformungseinrichtung 10 aus Figur 4 ist auch am Füh rungselement 13 eine Arretierungsvorrichtung in Form eines Zwei-Finger-Greifers 16' vorgesehen. Ist ein Trägerelement 2 durch beide Arretierungsvorrichtung 16, 16' sowohl im Füh rungselement 13 als auch im Aktuatorelement 14 arretiert, las sen sich durch geeignete Ansteuerung des Hexapod-Roboters 15' Torsionsmomente in das Trägerelement 2 einbringen. Bei wech selseitiger Arretierung in den Arretierungsvorrichtungen 16, 16' kann ein Trägerelement 2 schrittweise aus der Ausgangsöff nung 12 der Verformungseinheit 10 herausgeschoben werden.
Die Ausführungsform der Verformungseinheit 10 gemäß Figur 4a, b ist ausreichend leicht, um von einer Person getragen zu wer den, und verfügt zur einfachen Handhabung über Handgriffe 18. Auch aufgrund des geringen Gewichts lässt sich die Verfor mungseinheit 10 problemlos in einer beliebigen Lage an einem zu boroskopierenden technischen Gerät 20, wie bspw. einem Flugzeugtriebwerk, befestigen, wie es bspw. in Figur 1 skiz ziert ist.
Ist das Boroskopobjektiv 5, wie in Figur 1 skizziert, fest an dem Trägerelement 3 angeordnet, kann - um hinsichtlich der Ausrichtung des Aufnahmekegels der Boroskopkopf 3 nicht be schränkt zu sein - die fragliche Verbindung einen Rotations- freiheitsgrad um die Achse des Trägerelementes 2 aufweisen,
wobei die Drehung der Boroskopkopf 3 um diese Achse durch ei nen geeigneten Antrieb. Eine entsprechende Ausführung mit ei nem angetriebenen Drehgelenk 30 und Bilderfassungssensoren als Boroskopobjektiv ist in Figur 5a dargestellt. Alternativ dazu kann auch eine Vielzahl von Bilderfassungs sensoren als Boroskopkopf 3 vorgesehen sein, die zur Erfassung einer 360°-Rundumsicht radial verteilt angeordnet sind. In diesem Fall kann auf ein Drehgelenk 30 verzichtet werden (vgl. Figur 5b).