Dreidimensional umgeformtes Dünnglas
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Dünnglas für eine optische Komponente, das eine hohe Oberflächenqualität und eine hohe optische Güte aufweist. Dünnglas bezeichnet hier ein Glas substrat mit einer Dicke unter 700 pm, vorzugsweise unter 500 pm, insbesondere unter 300 pm. Ferner betrifft die Erfindung eine ein Dünnglas umfassende optische Komponente, ein ein Dünnglas umfassendes Produkt, ein Werkzeug zur Herstellung eines Dünnglases sowie ein Verfahren zur Herstellung eines Dünnglases.
Dünnglas, insbesondere dreidimensional umgeformtes Dünnglas, kann in verschiedenen An wendungen zum Einsatz kommen. Mögliche Einsatzfelder sind die Optik, die Ophthalmologie, elektronische Geräte und der Automobilbereich. In diesen und weiteren Feldern kann das erfin dungsgemäße Dünnglas eingesetzt werden, um einerseits optisch ansprechende, harte und kratzfeste Oberflächen zu erreichen und andererseits eine kompakte Bauweise und Gewichts reduktion zu ermöglichen. Beispielsweise kann Dünnglas als Abdeckung auf Kunststoffkompo nenten laminiert werden, um Brillengläser, Anzeigevorrichtungen, Displays, Armaturen und an dere sensible Bauteile vor negativen mechanischen, physikalischen und/oder chemischen Ein flüssen zu schützen.
Hintergrund der Erfindung
Die Verwendung von Glassubstraten mit nicht planaren Oberflächen als Abdeckung zum Schutz sensibler Bauteile ist aus verschiedenen Anwendungen bekannt und beispielsweise in der Einleitung des Dokuments WO 2018/200454 A1 beschrieben.
Bei der Umformung von Rohglaswafern zu dreidimensionalen Glassubstraten mittels aus dem Stand der Technik bekannter Verfahren entstehen jedoch häufig Defekte in den Glassubstraten, die die optische Qualität des Endproduktes negativ beeinträchtigen. Die entstehenden Defekte stehen der Verwendung der Glassubstrate in optisch ansprechenden Anwendungen und als Designelement entgegen. Um die bei der Umformung entstehenden Defekte auszubessern, werden die dreidimensional umgeformten Glassubstrate in der Praxis nach dem Umformpro zess nachbearbeitet. Insbesondere werden Defekte durch nachträgliches Polieren des dreidi mensional umgeformten Glassubstrats ausgebessert. Dies macht den Herstellungsprozess al lerdings aufwendig.
Das Dokument DE 102016 105004 A1 offenbart eine optische Komponente mit einem umge-
formten Glassubstrat sowie ein zugehöriges Herstellungsverfahren, wobei die optische Kompo nente auch ohne Nachbehandlung eine hohe Oberflächengüte aufweist.
Dieses aus dem Stand der Technik sowie weitere aus der Praxis bekannte Verfahren, die mit oder ohne nachträgliches Polieren dreidimensional umgeformte Glassubstrate mit einer relativ hohen Oberflächengüte erreichen, sind jedoch auf das Herstellen vergleichsweise dicker Glas substrate beschränkt. Die vergleichsweise große Dicke solcher Glassubstrate aus dem Stand der Technik limitiert jedoch deren Verwendbarkeit, insbesondere im Hinblick auf kompakte und gewichtskritische Bauteile.
Eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht in der Bereitstellung eines weiter verbesser ten Glassubstrates mit hoher Oberflächenqualität und hoher optischer Güte sowie eines geeig neten Herstellungsverfahrens zur Herstellung eines solchen Glassubstrates.
Diese Aufgabe wird gelöst durch ein Dünnglas gemäß Patentanspruch 1 und ein Verfahren ge mäß Patentanspruch 18 sowie mittels eines Werkzeugs gemäß Patentanspruch 15. Weiterbil dungen und Ausführungsformen des Dünnglases, des Verfahrens und des Werkzeugs sind Ge genstand der abhängigen Ansprüche und der nachstehenden Beschreibung.
Beschreibung der Erfindung
Ein Aspekt der Erfindung betrifft ein Dünnglas für eine optische Komponente, das eine erste Seite mit einer ersten Oberfläche und eine der ersten Seite entgegengesetzte zweite Seite mit einer zweiten Oberfläche umfasst. Das Dünnglas hat eine dreidimensionale Gestalt mit wenigs tens einer Sollkrümmung und eine Dicke von weniger als 700 pm. Auf wenigstens einer ersten Messfläche von 3 x 3 mm2 der ersten Oberfläche weisen sämtliche Oberflächenstrukturkompo nenten in einem Wellenlängenbereich von 0,1 mm bis 1 mm eine mittlere arithmetische Höhe Sa von unter 30 nm auf, vorzugsweise unter 20 nm, weiter bevorzugt unter 10 nm, noch weiter bevorzugt unter 8 nm. Beispielsweise können auf der ersten Messfläche sämtliche Oberflächen strukturkomponenten in einem Wellenlängenbereich von 0,1 mm bis 1 mm eine mittlere arith metische Höhe Sa zwischen 1 nm und 30 nm aufweisen, vorzugsweise zwischen 3 nm und 20 nm, weiter bevorzugt zwischen 6 nm und 10 nm. Die Werte für die mittlere arithmetische Höhe beziehen sich auf eine Messung mittels Weißlichtinterferometrie, mit einer Bandpassfilterung von 0,1 mm bis 1 mm, d.h. mit einer Bandpassfilterung zur Betrachtung von Oberflächenstruk turkomponenten in Wellenlängenbereichen von 0,1 mm bis 1 mm.
Oberflächenstrukturkomponenten in einem Wellenlängenbereich von 0,1 mm bis 1 mm können
im Sinne dieser Erfindung als mittelskalige Oberflächenstrukturkomponenten bezeichnet wer den. Sie können unterschieden werden von kurzskaligen Oberflächenstrukturkomponenten (hier: kleiner als 0,1 mm) und von langskaligen Oberflächenstrukturkomponenten (hier: größer als 1 mm). Eine gesamte Oberflächenstruktur einer Oberfläche eines Dünnglases kann kurzs- kalige, mittelskalige und/oder langskalige Oberflächenstrukturkomponenten umfassen. Hier stel len die erfindungsgemäßen mittelskaligen Oberflächenstrukturkomponenten auf eine Welligkeit einer Oberfläche des Dünnglases ab, während die kurzskaligen Oberflächenstrukturkomponen ten eine Rauheit einer Oberfläche des Dünnglases und die langskaligen Oberflächenstruktur komponenten eine Form der Oberfläche des Dünnglases betreffen. Durch die Bandpassfilte rung von 0,1 mm bis 1 mm kann erreicht werden, dass nur ausgewählte, die Welligkeit des Dünnglases betreffende Oberflächenstrukturkomponenten in einem Wellenlängenbereich von 0.1 mm und 1 mm betrachtet werden. Die Erfinder haben erkannt, dass die Oberflächenstruk turkomponenten in diesem Wellenlängenbereich für die Herstellung von Dünngläsern mit op tisch ansprechender und/oder funktionaler Transmission und/oder Reflexion besonders kritisch sind, anders als bei der Herstellung von dickeren Gläsern. Sämtliche dieser mittelskaligen Oberflächenstrukturkomponenten der ersten Oberfläche des Dünnglases weisen erfindungsge mäß die vorstehend spezifizierte mittlere arithmetische Höhe Sa auf. Die Bandpassfilterung er möglicht also eine skalenbereinigte Betrachtung bzw. Abbildung der Oberfläche, also einer um kurzskalige und um langskalige Komponenten bereinigten sogenannten SL-Oberfläche, die ge nau den Bereich hervorhebt, der erfindungsgemäß als besonders relevant für Dünngläser anzu sehen ist. Die Wellenlänge einer Oberflächenstrukturkomponente kann im Wesentlichen einer charakteristischen Ausdehnung, insbesondere einer lateralen Ausdehnung, der Oberflächen strukturkomponente entsprechen oder diese zumindest abbilden. Jedoch kann es durch die Fil terung bei der Oberflächenerfassung insbesondere in Randbereichen von Oberflächenstruktu ren zu geringfügigen Abweichungen zwischen der tatsächlichen lateralen Ausdehnung der Oberflächenstrukturkomponente und deren Wellenlänge kommen. Es versteht sich, dass der Begriff Wellenlängen hier zur Beschreibung der Oberflächenstrukturkomponenten verwendet werden kann, da jede Oberflächenstruktur durch eine Überlagerung von Sinuswellen mit unter schiedlichen Wellenlängen und Amplituden abbildbar ist.
Das erfindungsgemäße Dünnglas kann auch beschrieben werden als ein dreidimensionales, gekrümmtes, heißumgeformtes dünnes Glassubstrat mit einer hohen Oberflächenqualität und einer hohen optischen Güte, insbesondere im sichtbaren Bereich des Lichts. Die erste und/oder die zweite Oberfläche des Dünnglases kann zumindest abschnittsweise eine gekrümmte Frei formfläche ausbilden, insbesondere eine asphärisch gekrümmte Freiformfläche. Das Dünnglas kann um mehrere Biegeachsen gekrümmt sein. Die mehreren Biegeachsen können einander
schneiden. Das Dünnglas kann sich schneidende und sich nicht schneidende Biegeachsen auf weisen. Die erste und/oder die zweite Oberfläche des Dünnglases kann/können wenigstens ei nen Punkt (Biegepunkt) aufweisen, an dem eine erste tangentiale Richtung als x-Achse gewählt wird, an dem eine weitere tangentiale Richtung, die orthogonal zu der x-Achse ist, als y-Achse gewählt wird, und an dem eine zu x-Achse und der y-Achse orthogonale Richtung als z-Achse gewählt wird, wobei sich die x-Achse, die y-Achse und die z-Achse in dem wenigstens einen Punkt schneiden. Das Dünnglas kann zumindest an dem wenigstens einen Punkt gebogen sein. Die zugehörige Oberfläche des Dünnglases kann an dem wenigstens einen Punkt in der X-Achsenrichtung gebogen sein, sodass ein erster Biegeradius der zugehörigen Sollkrümmung in der XZ-Ebene liegt, die durch die X-Achse und die Z-Achse verläuft. Zusätzlich oder alterna tiv kann die zugehörige Oberfläche des Dünnglases an dem wenigstens einen Punkt in der Y- Achsenrichtung gebogen sein, sodass ein zweiter Biegeradius der zugehörigen Sollkrümmung in der YZ-Ebene liegt, die durch die Y-Achse und die Z-Achse verläuft. Der erste und der zweite Biegeradius können gleich oder unterschiedlich sein. Bei einer Ausführungsform mit mehreren Punkten der vorstehend beschriebenen Art, können die Biegeradien in den einzelnen Punkten hinsichtlich der Anzahl an Biegeradien und der Größe der Biegeradien gleich und/oder unter schiedlich sein.
Bei dem erfindungsgemäßen Dünnglas handelt es sich vorzugsweise um ein nicht nachbearbei tetes Dünnglas, also ein nach dem Heißumformen unbelassenes bzw. unbehandeltes Dünn glas. Das bedeutet, dass das erfindungsgemäße Dünnglas bereits ohne nachträgliche Bearbei tung, beispielsweise ohne nachträgliches Polieren, eine optimale Oberflächenrauheit und -Wel ligkeit mit allenfalls minimalen Abweichungen vom arithmetischen Mittel der Oberfläche auf weist. Im Unterschied zu herkömmlichen dreidimensional umgeformten Dünngläsern kann somit bei der Herstellung des erfindungsgemäßen Dünnglases mindestens ein Arbeitsschritt einge spart werden.
Bei der Herstellung von sollgekrümmtem, dreidimensionalem Dünnglas kann eine Vielzahl ver schiedenartiger Oberflächenfehler auftreten. Gerade das Umformen dünner Gläser ist besonders schwierig, da dünne Gläser dazu neigen Oberflächenfehler anders und teilweise stärker abzuformen als dickere Gläser. Die Erfinder der vorliegenden Erfindung haben erkannt, dass unter den möglichen Oberflächenfehlern insbesondere die mittlere arithmetische Höhe Sa und vorzugsweise der Tangentenfehler (engl.: Slope Error; d.h. die lokale Steigungsabweichung von der idealen Sollkrümmung) von Oberflächenstrukturkomponenten in bestimmten Wellenlän genbereichen gering zu halten sind, um eine ausreichend hohe Oberflächenqualität und opti sche Güte zu erreichen.
Ferner haben die Erfinder der vorliegenden Erfindung eine Lösung gefunden, ein Dünnglas mit
einer dreidimensionalen Gestalt und einer sehr geringen Dicke von weniger als 700 pm, vor zugsweise weniger als 500 pm, weiter bevorzugt weniger als 300 pm, noch weiter bevorzugt unter 250 pm, noch weiter bevorzugt unter 150 pm, bereitzustellen, das die beschriebene hohe Oberflächenqualität und optische Güte hat und dies gar ohne erforderliche Nachbearbeitung. Das erfindungsgemäße Dünnglas ist daher geeignet für einen Einsatz als harte, kratzfeste Oberfläche mit geringem Gewicht in optisch ansprechenden Anwendungen (Optik, Ophthalmo logie, reflektierende Oberflächen mit ansprechendem Aussehen, beispielsweise für den Auto motive Bereich oder Displays, etc.).
Die Bereitstellung eines dreidimensionalen Dünnglases mit einer solch geringen Dicke und der beanspruchten hohen Oberflächenqualität und Güte, ist mit herkömmlichen Verfahren des Stan des der Technik nicht möglich. Bekannte Verfahren zum Herstellen von dreidimensionalen, soll gekrümmten Glassubstraten mit hoher Oberflächenqualität betreffen Glassubstrate mit größe ren Dicken. Die Parameter, Prozessschritte und verwendeten Werkzeuge bekannter Verfahren sind nicht auf die Herstellung eines Dünnglases mit einer Dicke von weniger als 700 pm, vor zugsweise weniger als 500 pm, weiter bevorzugt weniger als 300 pm, übertragbar. Der Grund dafür liegt in der Glasdickenabhängigkeit der Umformung. Die Erfinder der vorliegenden Erfin dung haben erkannt, dass bei der Umformung des Glassubstrats mittels Tiefziehen und/oder Pressen in einem Übergangsbereich zwischen einem ausgeformten Bereich und einem viskosi tätsdominierten Bereich zusätzlich eine auf das Glas einwirkende Biegekomponente ins Spiel kommt, die das Abformverhalten dickenabhängig beeinflusst. Bei der dreidimensionalen Umfor mung von vergleichsweise dünnen Glassubstraten mittels bekannter Verfahren würden sich da her größere Fehlstellen in der Oberfläche des Glassubstrates bilden, insbesondere im Bereich von Fehlerbreiten zwischen 0,1 und 1 mm. Die Erfinder der vorliegenden Erfindung haben fer ner erkannt, dass insbesondere die Tangentenfehler und Höhenunterschiede von mittelskaligen Oberflächenstrukturkomponenten in einem bestimmten Wellenlängenbereich zwischen 0,1 mm und 1 mm für den Einsatz von Dünngläsern in optisch ansprechenden Anwendungen negativ sind und haben eine Lösung gefunden, Dünngläser mit einer Dicke von weniger als 700 pm, vorzugsweise weniger als 500 pm, weiter bevorzugt weniger als 300 pm, bereitzustellen, in de nen das Auftreten dieser Fehler in ausreichendem Maße verhindert wird. Mit anderen Worten haben die Erfinder erkannt, dass insbesondere Defekte mit lateraler Ausdehnungen im Bereich der Dicke von Dünngläsern eine entscheidende Rolle für die Oberflächenqualität und -güte des Dünnglases spielen, da sich Defekte in genau diesem Bereich optisch durch eine Verzerrung eines refleketierten oder transmittierten Bildes äußern können. Bei herkömmlichen Umformungen dickerer Gläser sind Defekte in den erfindungsgemäß als relevant angesehenen Bereichen nicht von Bedeutung, da dickere Gläser im Wesentlichen nur längerskalige Defekte abformen.
Die erste Messfläche kann eine bestimmte oder eine beliebige Messfläche auf der ersten Ober fläche sein. In der Ausführungsform, in der die erste Messfläche eine beliebige Messfläche auf der ersten Oberfläche ist, weist die gesamte erste Oberfläche die beschriebene Oberflächen qualität und -güte auf. Das bedeutet, dass eine beliebige Fläche der beanspruchten Größe an einer beliebigen Stelle auf der ersten Oberfläche als erste Messfläche gewählt werden kann und stets die beanspruchte Oberflächenqualität und -güte aufweist.
In einer Ausführungsform kann das Dünnglas eine Dicke zwischen 1 pm und 700 pm aufwei sen, vorzugsweise zwischen 10 pm und 500 pm, weiter bevorzugt zwischen 20 pm und 300 pm.
Das Dünnglas kann eine oder mehrere Sollkrümmungen umfassen. Es versteht sich, dass das Dünnglas die wenigstens eine Sollkrümmung in einem Bereich des Dünnglases oder über die gesamte Oberfläche des Dünnglases aufweisen kann. Das Dünnglas kann verschiedene Soll krümmungen oder dieselbe Sollkrümmung in unterschiedlichen Bereichen des Dünnglases auf weisen. Auch kann das Dünnglas in bestimmten Bereichen keine Sollkrümmung aufweisen, so fern es zumindest in einem Bereich wenigstens eine Sollkrümmung aufweist. Das Dünnglas kann mehrere Sollkrümmungen in demselben Bereich aufweisen.
Das Dünnglas kann beispielsweise einen zu der wenigstens einen Sollkrümmung gehörenden Biegeradius haben, der größer als die Dicke des Dünnglases ist, vorzugsweise größer oder gleich der doppelten Dicke. Somit kann für das Dünnglas die Bedingung gelten: R > D, vorzugs weise R > 2xD, wobei R der Biegeradius und D die Dicke des Dünnglases ist. Insbesondere kann ein kleinster Biegeradius des Dünnglases größer als die Dicke des Dünnglases sein, vor zugsweise größer oder gleich der doppelten Dicke. Das Dünnglas kann beispielsweise einen zu der wenigstens einen Sollkrümmung gehörenden Biegeradius von wenigstens 1 mm, vorzugs weise von wenigstens 2 mm, bevorzugt von wenigstens 5 mm haben. Das Dünnglas kann einen zu der wenigstens einen Sollkrümmung gehörenden Biegeradius von 10000 mm oder weniger, vorzugsweise von 5000 mm oder weniger, bevorzugt von 2500 mm oder weniger, weiter bevor zugt von 1500 mm oder weniger haben. Das Dünnglas kann einen zu der wenigstens einen Sollkrümmung gehörenden Biegeradius zwischen 1 mm und 10000 mm aufweisen, insbeson dere zwischen 1 mm und 5000 mm, vorzugsweise zwischen 1 mm und 1500 mm. Sämtliche Sollkrümmungen des Dünnglases können in den vorstehenden Bereichen liegen.
Das Dünnglas kann eine konkave Oberfläche oder einen konkaven Oberflächenabschnitt auf weisen, wobei die Oberfläche bzw. der Oberflächenabschnitt hierzu nur in der X-Achsenrich- tung oder nur in der Y-Achsenrichtung gebogen ist. Das Dünnglas kann eine konvexe Oberflä che oder einen konkaven Oberflächenabschnitt aufweisen, wobei die Oberfläche bzw. der
Oberflächenabschnitt hierzu nur in der X-Achsenrichtung oder nur in der Y-Achsenrichtung ge bogen ist. Das Dünnglas kann eine konkave Oberfläche oder einen konkaven Oberflächenab schnitt aufweisen, wobei die Oberfläche bzw. der Oberflächenabschnitt hierzu in derX-Achsen- richtung und in der Y-Achsenrichtung gebogen ist. Das Dünnglas kann eine konvexe Oberflä che oder einen kovexen Oberflächenabschnitt aufweisen, wobei die Oberfläche bzw. der Ober flächenabschnitt hierzu in der X-Achsenrichtung und in der Y-Achsenrichtung gebogen ist. Das Dünnglas kann eine Oberfläche oder einen Oberflächenabschnitt aufweisen, die/der eine kon vexe Form in einer Richtung (x-Achsenrichtung oder y-Achsenrichtung) und eine konkave Form in einer anderen Richtung (y-Achsenrichtung oder x-Achsenrichtung) hat.
Das Dünnglas kann eine in nur eine Richtung gekrümmte Schalenform haben. Das Dünnglas kann eine in mehreren Richtungen gekrümmte Sattelform haben. Das Dünnglas kann an meh reren Stellen Biegepunkte aufweisen und so beispielsweise eine gewellte Form haben.
In einer Weiterbildung des Dünnglases können auf wenigstens einer zweiten Messfläche von 3 x 3 mm2 der zweiten Oberfläche sämtliche mittelskaligen Oberflächenstrukturkomponenten in einem Wellenlängenbereich von 0,1 mm bis 1 mm eine mittlere arithmetische Höhe Sa von un ter 30 nm aufweisen, vorzugsweise unter 20 nm, weiter bevorzugt unter 10 nm, noch weiter be vorzugt unter 7 nm. Beispielsweise können auf der zweiten Messfläche sämtliche Oberflächen strukturkomponenten in einem Wellenlängenbereich von 0,1 mm bis 1 mm eine mittlere arith metische Höhe Sa zwischen 1 nm und 30 nm aufweisen, vorzugsweise zwischen 3 nm und 20 nm, weiter bevorzugt zwischen 6 nm und 10 nm. Die Werte für die mittlere arithmetische Höhe beziehen sich auf eine Messung mittels Weißlichtinterferometrie, mit einer Bandpassfilterung von 0,1 mm bis 1 mm.
Die zweite Messfläche kann eine bestimmte oder eine beliebige Messfläche auf der zweiten Oberfläche sein. In der Ausführungsform, in der die zweite Messfläche eine beliebige Messflä che auf der zweiten Oberfläche ist, weist die gesamte zweite Oberfläche die beschriebene Oberflächenqualität und -güte auf. Das bedeutet, dass eine beliebige Fläche der beanspruchten Größe an einer beliebigen Stelle auf der zweiten Oberfläche als zweite Messfläche gewählt werden kann und stets die beanspruchte Oberflächenqualität und -güte aufweist.
Bezogen auf die Messflächen von 3 x 3 mm2 kann die mittels Weißlichtinterferometrie gemes sene mittlere arithmetische Höhe Sa sämtlicher mittelskaliger Oberflächenstrukturkomponenten in einem Wellenlängenbereich von 0,1 mm bis 1 mm in der zweiten Messfläche auf der zweiten Seite um 1 % bis 20 %, vorzugsweise 5 % bis 15 %, weiter bevorzugt 7 % bis 10 %, geringer sein als in der ersten Messfläche auf der ersten Seite, bezogen auf die mittlere arithmetische
Höhe Sa der Oberflächenstrukturkomponenten der ersten Seite. Ein solches Verhältnis der mitt leren arithmetischen Höhen Sa der genannten Oberflächenstrukturkomponenten auf der ersten Seite und auf der zweiten Seite, stellt ein sehr gleichmäßig ausgebildetes Dünnglas dar, wobei die mittlere arithmetische Höhe Sa auf beiden Seiten unter 30 nm beträgt. Eine solche Ausfüh rungsform hat demnach eine besonders hohe Oberflächenqualität und Oberflächengüte.
In einer Ausführungsform des Dünnglases können auf wenigstens einer dritten Messfläche von 3 x 3 mm2 der ersten Oberfläche sämtliche mittelskaligen Oberflächenstrukturkomponenten in einem Wellenlängenbereich von 0,1 mm bis 1 mm einen Tangentenfehler (Slope Error), also eine lokale Steigungsabweichung von der idealen Sollkrümmung, von im arithmetischen Mittel unter 0,1 pm/mm aufweisen, vorzugsweise unter 0,07 pm/mm, weiter bevorzugt unter 0,05 pm/mm, noch weiter bevorzugt unter 0,04 pm/mm. Vorzugsweise kann die dritte Messfläche der ersten Messfläche entsprechen.
In einer Ausführungsform des Dünnglases können auf wenigstens einer vierten Messfläche von wenigstens 3 x 3 mm2 der zweiten Oberfläche sämtliche mittelskaligen Oberflächenstrukturkom ponenten in einem Wellenlängenbereich von 0,1 mm bis 1 mm einen Tangentenfehler von im arithmetischen Mittel unter 0,1 pm/mm aufweisen, vorzugsweise unter 0,06 pm/mm, weiter be vorzugt unter 0,04 pm/mm, noch weiter bevorzugt unter 0,03 pm/mm. Vorzugsweise kann die vierte Messfläche der zweiten Messfläche entsprechen.
Auch die Messwerte für den Tangentenfehler beziehen sich auf eine Messung mittels Weißlicht interferometrie, mit einer Bandpassfilterung von 0,1 mm bis 1 mm.
Bezogen auf die Messflächen von 3 x 3 mm2 kann der mittels Weißlichtinterferometrie gemes sene Tangentenfehler sämtlicher mittelskaliger Oberflächenstrukturkomponenten in einem Wel lenlängenbereich von 0,1 mm bis 1 mm in der vierten Messfläche auf der zweiten Seite um 1 % bis 50 %, vorzugsweise 10 % bis 40 %, weiter bevorzugt 15 % bis 35 %, geringer sein als in der dritten Messfläche auf der ersten Seite, bezogen auf den Tangentenfehler der Oberflächen strukturkomponenten der ersten Seite im arithmetischen Mittel. Auch dieses bestimmte Verhält nis des Tangentenfehlers auf der ersten Seite und auf der zweiten Seite, stellt ein sehr gleich mäßig ausgebildetes Dünnglas dar, wobei der Tangentenfehler auf beiden Seiten unter 0,1 pm/mm beträgt. Eine solche Ausführungsform hat demnach eine besonders hohe Oberflächen qualität und Oberflächengüte.
Die optionalen Verhältnisse der Oberflächenqualitäten (bezogen auf die mittlere arithmetische Höhe Sa und/oder auf den Tangentenfehler) der ersten Seite und der zweiten Seite können bei spielsweise durch eine Weiterbildung des Dünnglases erreicht werden, in der die erste Seite
eine formzugewandte Seite sein kann, die während der Herstellung des Dünnglases einer Form zugewandt ist. Demnach kann die zweite Seite des Dünnglases eine formabgewandte Seite sein, die während der Herstellung des Dünnglases von der Form abgewandt ist. Die erste Seite kann vorzugsweise eine konvexe Gestalt aufweisen und die zweite Seite kann eine konkave Gestalt aufweisen.
In einer Ausführungsform des Dünnglases können auf wenigstens einer fünften Messfläche von 0,33 x 0,33 mm2 der ersten Oberfläche sämtliche kurzskaligen Oberflächenstrukturkomponen ten in einem Wellenlängenbereich von bis zu 0,25 mm eine mittlere arithmetische Höhe Sa von unter 5 nm aufweisen, vorzugsweise unter 3 nm, weiter bevorzugt unter 1 nm, noch weiter be vorzugt unter 0,5 nm. Diese Werte für die mittlere arithmetische Höhe beziehen sich auf eine Messung mittels Weißlichtinterferometrie, mit einem Hochpassfilter von 0,25 mm. Vorzugsweise kann die fünfte Messfläche im Bereich der ersten Messfläche und/oder der dritten Messfläche liegen.
In einer Ausführungsform des Dünnglases können auf wenigstens einer sechsten Messfläche von 0,33 x 0,33 mm2 der zweiten Oberfläche sämtliche kurzskaligen Oberflächenstrukturkompo nenten in einem Wellenlängenbereich von bis zu 0,25 mm eine mittlere arithmetische Höhe Sa von unter 5 nm aufweisen, vorzugsweise unter 3 nm, weiter bevorzugt unter 1 nm, noch weiter bevorzugt unter 0,5 nm. Diese Werte für die mittlere arithmetische Höhe beziehen sich auf eine Messung mittels Weißlichtinterferometrie, mit einem Hochpassfilter von 0,25 mm. Vorzugsweise kann die sechste Messfläche im Bereich der zweiten Messfläche und/oder der vierten Messflä che liegen.
Bezogen auf die Messflächen von 0,33 x 0,33 mm2 kann die mittlere arithmetische Höhe Sa sämtlicher Oberflächenstrukturkomponenten in einem Wellenlängenbereich von maximal 0,25 mm in der sechsten Messfläche auf der zweiten Seite um maximal 20 %, vorzugsweise maximal 15 %, weiter bevorzugt maximal 10 %, von der in der fünften Messfläche auf der ers ten Seite abweichen, bezogen auf die mittlere arithmetische Höhe Sa der Oberflächenstruktur komponenten der ersten Seite. Auch dieses Verhältnis der mittleren arithmetischen Höhen Sa der genannten Oberflächenstrukturkomponenten auf der ersten Seite und auf der zweiten Seite, stellt ein sehr gleichmäßig ausgebildetes Dünnglas dar, wobei die mittlere arithmetische Höhe Sa auf beiden Seiten unter 5 nm beträgt. Eine solche Ausführungsform hat demnach eine be sonders hohe Oberflächenqualität und Oberflächengüte.
Gemäß einer Weiterbildung kann das Dünnglas eine Glasübergangstemperatur Tg zwischen 400 °C und 850 °C haben, vorzugsweise zwischen 500 °C und 700 °C.
Ein weiterer Aspekt der Erfindung betrifft eine optische Komponente zur Verwendung in der Op tik, in der Ophthalmologie, als Display, als Abdeckung, etc., die einen Materialverbund mit ei nem Dünnglas der vorstehend beschriebenen Art und wenigstens einerweiteren Verbundkom ponente aus Kunststoff, Metall, Glas, Glaskeramik, Keramik, Holz und/oder Faserverbundwerk stoff umfasst. Es versteht sich, dass diese Auflistung nicht abschließend ist und optische Kom ponente auch in weiteren Anwendungen und/oder in Verbindung mit weiteren Materialien einge setzt werden kann.
Die optische Komponente kann nachbearbeitet sein. Beispielsweise kann die optische Kompo nente eine oder mehrere Beschichtung/en der Folgenden aufweisen: Antireflexbeschichtung, Anti-Glare-Beschichtung bzw. Blendschutzbeschichtung, Anti-Fingerprint-Beschichtung, Antik ratzbeschichtung bzw. Anti-Scratch-Beschichtung, UV-Schutzbeschichtung und/oder Anti-Fog- Beschichtung. Die optische Komponente kann eine Kantenbearbeitung aufweisen. Die optische Komponente kann zumindest abschnittsweise perforiert sein. Die optische Komponente kann durch Nachbearbeitung mit Löchern, Öffnungen, Ausschnitten und/oder lokalen Oberflächen strukturen versehen sein. Die Reihenfolge der Nachbearbeitung kann beliebig gewählt werden, beispielsweise nach Maßgabe der vorgesehenen Anwendung der optischen Komponente.
Ein weiterer Aspekt der Erfindung betrifft ein Produkt, das ein Dünnglas der vorstehend be schriebenen Art umfasst, wobei das Produkt beispielsweise ein Brillenglas, eine Schutzbrille eine Linse, eine (Industrie- oder Konsumier-) Optik umfassend Kunststoff oder Glas (z.B. eine Linse, ein Abbildungssystem, ein Objektiv), ein Helmvisier, ein Smartphone-Display oder eine Abdeckung für eine Anzeigevorrichtung, eine Konsole, eine Armatur, ein Scheinwerfer, ein Uh renglas, ein Fenster, ein Sichtfenster, ein elektronisches Bauteil mit Anzeigefunktion, eine Smartwatch, eine „Wearable Elektronik“, ein Bauteil mit lichtleitender Funktion, ein Schmuck stück, eine Fahrzeugaußenverkleidung, ein Spiegel, ein Dekorelement (z.B. für den Fahrzeugin nenraum oder ein Zierelement), ein Schutz von akustischen Bauteilen (z.B. loudspeaker stiffe- ner) oder Ähnliches sein kann. Im Automobilbereich kann das Produkt beispielsweise eine Mit telkonsole, ein Fahrzeugscheinwerfer, ein Rücklicht, eine Windschutzscheibe, ein Kunststoff bauteil im Außenbereich oder eine Fahrzeugaußenverkleidung, eine Anzeigevorrichtung, ein Teil der Tür im Innen- oder Außenbereich, eine Fußleiste, ein Spiegel, ein Dekorelement (z.B. für den Fahrzeuginnenraum oder ein Zierelement) etc. sein. Auch kann das Produkt ein Senso rikbauteil oder ein elektronisches Bauteil mit optischer Sensorfunktion sein, wobei das Dünnglas zum Schutz von Sensoren dient. Ferner kann das Dünnglas in einem Produkt aus dem Elektro nikbereich als Barriereschicht dienen, zum Beispiel für Sauerstoff, um elektronische Bauteile zu schützen, beispielsweise gedruckte Elektronik, organische Elektronik und/oder sauerstoffemp findliche und/oder feuchtigkeits-/wasserdampfempfindliche Elektronik. Das Produkt kann ferner
eine AR- (Augmented Reality) Brille, eine eine VR- (Virtual Reality) Brille oder ein AR- oder VR- Bauteil sein. Insbesondere kann das Produkt eine optische Komponente mit einem Materialver bund der vorstehend beschriebenen Art umfassen.
Ein weiterer Aspekt der Erfindung betrifft ein Werkzeug zur Herstellung eines Dünnglases der vorstehend beschriebenen Art. Das Werkzeug umfasst eine Form zum dreidimensionalen Um formen des Dünnglases, wobei die Form eine maschinell polierte Formfläche mit wenigstens ei ner Sollkrümmung umfasst. Die Formfläche ist vorgesehen um im Laufe einer Umformung des Dünnglases in Kontakt mit dem Dünnglas zu gelangen. Durch die wenigstens eine Sollkrüm mung der Formfläche wird die spätere wenigstens eine Sollkrümmung des umgeformten Dünn glases vorbestimmt. Insbesondere kann die Formfläche eine asphärisch gekrümmte, im We sentlichen konkave Freiformfläche sein. Durch das maschinelle Polieren der Formfläche, kann das Werkzeug im Bereich der Form bzw. der Formfläche eine hohe Oberflächenqualität mit ge ringen Defekten aufweisen. Hierdurch kann das Übertragen von Defekten an das Dünnglas während des Herstellungsprozesses vermindert werden.
Die in Bezug auf die Krümmung des Dünnglases beschriebenen Merkmale und Parameter kön nen entsprechend für die Krümmung der Form des Werkzeugs gelten.
In einer Weiterbildung des Werkzeugs können auf wenigstens einer siebten Messfläche von 3 x 3 mm2 der Formfläche sämtliche mittelskaligen Oberflächenstrukturkomponenten in einem Wel lenlängenbereich von 0,1 mm bis 1 mm eine mittlere arithmetische Höhe Sa von unter 40 nm aufweisen, vorzugsweise unter 35 nm, weiter bevorzugt unter 30 nm, noch weiter bevorzugt un ter 20 nm. Beispielsweise können auf der siebten Messfläche sämtliche Oberflächenstruktur komponenten in einem Wellenlängenbereich von 0,1 mm bis 1 mm eine mittlere arithmetische Höhe Sa zwischen 1 nm und 40 nm aufweisen, vorzugsweise zwischen 3 nm und 30 nm, weiter bevorzugt zwischen 6 nm und 20 nm. Die Werte für die mittlere arithmetische Höhe beziehen sich auf eine Messung mittels Weißlichtinterferometrie, mit einer Bandpassfilterung von 0,1 mm bis 1 mm.
In einer Ausführungsform des Werkzeugs können auf wenigstens einer achten Messfläche von 0,33 x 0,33 mm2 der Formfläche sämtliche kurzskaligen Oberflächenstrukturkomponenten in ei nem Wellenlängenbereich von bis zu 0,25 mm eine mittlere arithmetische Höhe Sa von unter 500 nm aufweisen, vorzugsweise unter 300 nm, weiter bevorzugt unter 200 nm, noch weiter be vorzugt unter 100 nm. Diese Werte für die mittlere arithmetische Höhe beziehen sich auf eine Messung mittels Weißlichtinterferometrie, mit einem Hochpassfilter von 0,25 mm.
Ferner können die in Bezug auf Ausführungsformen und Weiterbildungen des Dünnglases be schriebenen Parameter zur Oberflächenqualität und Oberflächengüte (Tangentenfehler, mittlere arithmetische Höhe) entsprechend für die Formfläche des Werkzeugs gelten.
Die erfindungsgemäßen Oberflächenqualitäten und Oberflächengüten müssen bei Werkzeugen bekannten Herstellungsverfahren nicht eingehalten werden, da bei der Herstellung von dickeren Gläsern die von den Erfindern der vorliegenden Erfindung erkannte Biegekomponente keine Relevanz hat, welche jedoch das Abformverhalten von Dünnglas und somit die erzielbare Ober flächenqualität wesentlich beeinflusst.
Gemäß einer weiteren Ausführungsform kann das Werkzeug wenigstens im Bereich der Form fläche Metall, eine Metalllegierung, Graphit, keramisches Material, Glaskeramik, wie beispiels weise Zerodur®, Quarz, Glas und/oder Carbide, beispielsweise Siliziumcarbid und/oder Wolf- ramcarbid, umfassen. Insbesondere kann das Werkzeug im Bereich der Formfläche isostatisch gepressten feinkörnigen Graphit umfassen bzw. aus diesem hergestellt sein. Ein Werkzeug mit isostatisch gepresstem feinkörnigem Graphit kann vorteilhaft sein, um Dünnglas mit hoher Oberflächenqualität herzustellen. Das Werkzeug kann im Bereich der Formfläche beschichtet oder unbeschichtet sein. Insbesondere sollte das Werkzeug bei der Verwendung eines porösen Werkzeugs in einem Vakuumprozess im Bereich der Formfläche unbeschichtet sein. Das Werk zeug kann wenigstens im Bereich der Formfläche zumindest teilweise durchlässig für Drücke, insbesondere für Vakuum sein, um einen an das Werkzeug angelegten (Unter-)Druck zumin dest teilweise an das Dünnglas zu übertragen. Hierzu kann das Werkzeug wenigstens im Be reich der Formfläche porös sein und/oder Öffnungen aufweisen.
Ein weiterer Aspekt der Erfindung betrifft ein Verfahren zum Herstellen eines Dünnglases, ins besondere eines Dünnglases der vorstehend beschriebenen Art. Das Verfahren umfasst die Schritte:
Bereitstellen eines flachen Glassubstrats, z.B. eines Glaswafers, mit einer Dicke von we niger als 700 pm, vorzugsweise weniger als 500 pm, weiter bevorzugt weniger als 300 pm;
- Aufbringen des Glassubstrats auf eine Form eines Werkzeugs, wobei die Form eine dreidimensional gekrümmte Formfläche umfasst, vorzugsweise eine asphärisch ge krümmte Formfläche;
Erhitzen des Glassubstrats auf eine Solltemperatur oberhalb der Glasübergangstempe ratur Tg und unterhalb der Erweichungspunkttemperatur EW des Glassubstrats mit ei nem Temperaturgradienten von wenigstens 35 K/min; bei Erreichen der Solltemperatur, Beaufschlagen des Glassubstrats mit Unterdrück durch Anlegen eines Vakuums an die Form des Werkzeugs und/oder durch Aufbringen
einer Presskraft auf das Glassubstrat für eine Zeitdauer von unter 120 s, um das Glas substrat im Bereich der Form dreidimensional heißumzuformen;
- Abkühlen des heißumgeformten Glassubstrats auf eine Abkühltemperatur; und Entnehmen des heißumgeformten Glassubstrats aus der Form.
Das erfindungsgemäße Verfahren wird insbesondere in der vorstehend wiedergegebenen Rei henfolge durchgeführt. Das Verfahren kann weitere Zwischenschritte, Vorbereitungsschritte und/oder Nachbearbeitungsschritte umfassen.
Im Unterschied zu bekannten Verfahren ermöglicht das erfindungsgemäße Verfahren die Her stellung eines Dünnglases mit den erfindungsgemäßen Eigenschaften, d.h. mit einer sehr gerin gen Dicke und hoher Oberflächenqualität, indem das Verfahren wie beansprucht sehr ange passt ausgeführt wird und ein strukturell optimal ausgebildetes Werkzeug verwendet wird.
Gemäß dem erfindungsgemäßen Verfahren kann die dreidimensionale Heißumformung aus schließlich durch Beaufschlagung des Glassubstrats mit Unterdrück (Vakuum) oder ausschließ lich durch Pressen des Glassubstrats mit einer Presskraft oder durch eine Kombination dieser beiden Beaufschlagungen durchgeführt werden. Das Pressen des Glassubstrats kann durch Aufbringen einer Presskraft auf das Glassubstrat mittels einer oder mehrerer Pressform/en bzw. eines oder mehrerer Pressstempel/s des Werkzeugs erfolgen. Bei einer Kombination (Unter drück und Pressen) kann eine erste Oberfläche einer ersten Seite des Glassubstrats mit Unter drück beaufschlagt werden und eine entgegengesetzte zweite Oberfläche einer zweiten Seite des Glassubstrats gepresst werden. Zusätzlich oder alternativ kann dieselbe Oberfläche dersel ben Seite des Glassubstrats mittels eines Werkzeugs mit Unterdrück beaufschlagt und gepresst werden. Beispielsweise kann das Glassubstrat mittels eines Presswerkzeugs von oben ge presst werden, während gleichzeitig ein Unterdrück an das Presswerkzeug zum Ansaugen des Glassubstrats angelegt werden kann. Die Beaufschlagung mit Unterdrück und das Pressen können gleichzeitig oder nacheinander erfolgen. Die Beaufschlagung mit Unterdrück und das Pressen können mit unterschiedlichen Werkzeugen oder mit unterschiedlichen Komponenten desselben Werkzeugs durchgeführt werden.
Das flache Glassubstrat kann eine im Wesentlichen zweidimensionale, planare Rohglasscheibe (z.B. Glaswafer) mit für das geplante Einsatzgebiet ausgewählten Eigenschaften sein. Die Glas übergangstemperatur Tg und die Erweichungspunkttemperatur EWsind abhängig von dem Ma terial des verwendeten Glassubstrats. Typische Solltemperaturen können zwischen 450 °C und 950 °C liegen, vorzugsweise zwischen 550 °C und 850 °C, weiter bevorzugt zwischen 580 °C und 750 °C. Als Glassubstratmaterial kann beispielsweise Borosilikatglas, Aluminosilikatglas o- der Lithiumalumosilikat verwendet werden. Insbesondere kann als Glassubstratmaterial D263®
oder Xensation® verwendet werden. Bei dem Herstellungsverfahren ist darauf zu achten, dass das Glassubstrat sowie die Form zu Beginn und während des Verfahrens eine hohe Sauberkeit aufweisen, um durch Verunreinigungen entstehende Defekte zu vermeiden.
Das erfindungsgemäße Verfahren kann insbesondere unter Verwendung eines Werkzeugs der vorstehend beschriebenen Art durchgeführt werden. Das heißt, das Glassubstrat kann auf eine Form des vorstehend beschriebenen Werkzeugs aufgebracht werden.
Die Beaufschlagung des Glassubstrats mit Unterdrück und/oder Presskraft kann vorzugsweise für eine Zeitdauer von unter 100 s, weiter bevorzugt unter 60 s durchgeführt werden. Die spezi fizierte Zeitdauer von unter 120 s, vorzugsweise von unter 100 s, weiter bevorzugt von unter 60 s dient dazu, einen möglichst kurzen Formkontakt sicherzustellen, wodurch insbesondere die Bildung von Tangentenfehlern und Höhenunterschieden im Bereich von Fehlerbreiten zwischen 0,1 mm und 1 mm vermindert werden kann. Die Zeitdauer und der Betrag des Unterdrucks/der Presskraft kann nach Maßgabe der zu erreichenden Krümmung gewählt werden, wobei eine stärkere Krümmung eine längere Zeitdauer der Beaufschlagung erfordert.
Der Temperaturgradient zum Erhitzen des Glassubstrats auf eine Solltemperatur oberhalb der Glasübergangstemperatur Tg und unterhalb der Erweichungspunkttemperatur EWdes Glas substrats kann wenigstens 50 K/min betragen. Beispielsweise kann der Temperaturgradient zwischen 50 K/min und 300 K/min liegen, insbesondere zwischen 70 K/min und 280 K/min.
Zum Erhitzen des Glassubstrats auf die Solltemperatur oberhalb der Glasübergangstemperatur Tg und unterhalb der Erweichungspunkttemperatur EWdes Glassubstrats kann das Glassub strat in mehreren Takten, d.h. über mehrere Stationen, erhitzt werden. Der Temperaturgradient wird in Abhängigkeit der für die Erhitzung gewünschten Zeit gewählt. Die gewünschte Erhit zungszeit ist abhängig von der Anzahl der Takte. Ein Takt kann beispielsweise 30 s, 60 s und/o der 120 s dauern. Beispielsweise können wenigstens drei, vorzugsweise wenigstens fünf, wei ter bevorzugt wenigstens 6 Takte vorgesehen sein.
Der in einer Ausführungsform des Verfahrens verwendete Unterdrück, der an die Form des Werkzeugs angelegt wird, kann zwischen 100 Pa und 90000 Pa absolut betragen, vorzugs weise zwischen 50000 Pa und 90000 Pa.
Die in einer Ausführungsform des Verfahrens zum Pressen des Glassubstrats verwendete Presskraft kann zwischen 2 N und 4000 N absolut betragen, vorzugsweise zwischen 5 N und 2500 N. Die Presskraft kann mittels wenigstens eines Pressstempels auf das Glassubstrat auf gebracht werden. Beispielsweise können wenigstens zwei, vorzugsweise wenigstens drei
Pressstempel mit gleichen oder unterschiedlichen Presskräften nacheinander auf das Glassub strat einwirken. Beispielsweise kann ein Pressstempel mehrfach nacheinander mit gleichen o- der unterschiedlichen Presskräften auf das Glassubstrat einwirken. Beispielsweise können nacheinander drei Pressstempel auf das Glassubstrat einwirken, wobei ein erster Pressstempel mit einer Presskraft von unter 2500 N, vorzugsweise zwischen 5 N und 2000 N, auf das Glas substrat einwirkt, wobei ein zweiter Pressstempel mit einer Presskraft von über 500 N, vorzugs weise zwischen 800 N und 4000 N, auf das Glassubstrat einwirkt, und wobei ein dritter Press stempel mit einer Presskraft von über 400 N, vorzugsweise zwischen 500 N und 4000 N, auf das Glassubstrat einwirkt.
Zum Abkühlen des heißumgeformten Glassubstrats auf die Abkühltemperatur kann ein weiterer Temperaturgradient von wenigsten 10 K/min, vorzugsweise von wenigstens 30 K/min vorgese hen sein. Zum Abkühlen kann ein weiterer Temperaturgradient von höchstens 140 K/min, vor zugsweise von höchstens 100K/min vorgesehen sein. Beispielsweise kann zum Abkühlen ein weiterer Temperaturgradient zwischen 10 K/min und 140 K/min, insbesondere zwischen.
30 K/min und 100K/min, vorgesehen sein. Der weitere Temperaturgradient zum Abkühlen sollte in Abhängigkeit des verwendeten Materials des Glassubstrats so gewählt werden, dass keine schädlichen Spannungen in dem Glassubstrat entstehen und es insbesondere nicht zu einem Bruch des Glassubstrats kommt.
Die Abkühltemperatur, auf die das heißumgeformte Glassubstrat nach der Formgebung bzw. nach dem Heißumformen abgekühlt wird, kann zwischen 250 °C und 350 °C liegen, vorzugs weise bei ca. 300 °C.
Ein weiterer Aspekt der Erfindung betrifft ein Dünnglas, hergestellt mittels eines Verfahrens der vorstehend beschriebenen Art.
Obgleich einige der vorstehenden Merkmale, Effekte, Vorteile, Ausführungsformen und Weiter bildungen lediglich in Bezug auf das erfindungsgemäße Dünnglas beschrieben sind, gelten diese entsprechend für das erfindungsgemäße Verfahren sowie das erfindungsgemäße Werk zeug und umgekehrt.
Kurzbeschreibunq der Figuren
Ausführungsbeispiele der vorliegenden Erfindung werden nachstehend in Bezug auf die beilie genden schematischen Figuren näher erläutert. Es stellen dar:
Fig. 1 ein Diagramm mit Messergebnissen zu der mittleren arithmetischen Höhe von
Dünngläsern gemäß der Erfindung im Vergleich zu Dünngläsern aus dem Stand
der Technik.
Fig. 2A eine Topographieaufnahme zu einem erfindungsgemäßen Dünnglas aus Fig. 1.
Fig. 2B eine Topographieaufnahme zu einem Dünnglas aus dem Stand der Technik aus
Fig. 1.
Fig. 3 ein Diagramm mit weiteren Messergebnissen zu dem Tangentenfehler von Dünn gläsern gemäß der Erfindung im Vergleich zu Dünngläsern aus dem Stand der Technik.
Fig. 4A ein Falschfarbenbild von Tangentenfehlern eines erfindungsgemäßen Dünngla ses aus Fig. 3.
Fig. 4B ein Falschfarbenbild von Tangentenfehlern eines Dünnglases aus dem Stand der Technik aus Fig. 3.
Fig. 5 ein Diagramm mit weiteren Messergebnissen zu der mittleren arithmetischen
Höhe von Dünngläsern gemäß der Erfindung im Vergleich zu Dünngläsern aus dem Stand der Technik.
Fig. 6 einen Glaswafer und einen Ausschnitt eines erfindungsgemäßen Werkzeugs zum
Durchführen eines erfindungsgemäßen Herstellungsverfahrens bzw. zum Her stellen eines erfindungsgemäßen Dünnglases.
Fiqurenbeschreibunq
Fig. 1 zeigt Messergebnisse von Weißlichtinterferometriemessungen der mittleren arithmeti schen Höhe Sa auf einer ersten Messfläche von 3 x 3 mm2 auf einer ersten Oberfläche einer ersten Seite von Dünngläsern (rechte Seite des Diagramms) und auf einer zweiten Messfläche von 3 x 3 mm2 auf einer zweiten Oberfläche einer zweiten Seite von Dünngläsern (linke Seite des Diagramms), wobei für jedes Dünnglas die zweite Seite einer der ersten Seite entgegenge setzte Seite ist. Die erste Seite bezeichnet hier die der Form während des Herstellungsprozes ses zugewandte Seite, welche im vorliegenden Beispiel eine konvexe Gestalt hat. Die zweite Seite bezeichnet hier die der Form während des Herstellungsprozesses abgewandte Seite, wel che im vorliegenden Beispiel eine konkave Gestalt hat. Für jede Seite sind Messungen an erfin dungsgemäßen Dünngläsern Messungen an Dünngläsern des Standes der Technik gegenüber gestellt. Bei den Dünngläsern der Erfindung und den Dünngläsern des Standes der Technik
handelt es sich um nicht nachbearbeitete Dünngläser, das heißt nach dem Heißumformen un- belassene bzw. unbehandelte Dünngläser.
In dem gezeigten Beispiel sind Messergebnisse von Borosilikatdünngläsern (hier des Typs D263TEco) mit 100 pm Dicke gezeigt, die zuvor mittels einer Kalottenform dreidimensional um geformt worden sind und jeweils einen Krümmungsradius von 120 mm oder 123,5 mm aufwei sen.
Die Weißlichtinterferometriemessungen zur Bestimmung der mittleren arithmetischen Höhe Sa, das heißt des arithmetischen Mittels der Abweichungen der Oberflächen von der Idealtopogra phie, wurde mit einer Bandpassfilterung zwischen 0,1 mm und 1 mm durchgeführt (Gaussian Spline fixed mit Spline Long Period 1000 pm und Spline Short Period 100 pm), um mittelskalige Oberflächenstrukturkomponenten in einem Wellenlängenbereich von 0,1 mm bis 1 mm zu be trachten. Es wurde das Weißlichtinterferenzmikroskop (WLI), auch CSI (Coherence Scanning Interferometry) genannt, ZYGO® - NexView™ (optisches 3D-Profilometer mit scannender und phasenschiebender Interferometrie) mit einem 5.5X Mich NA 0.15 Objektiv mit einer effektiven lateralen Auflösung von 2,9 pm verwendet. Der Messungstyp war „Surface“ und es wurde die Systemreferenz subtrahiert.
Zur Auswertung der Messdaten wurde die ZYGO® - Mx™ Software (Instrument Control & Data Analysis Software for ZYGO 3D Optical Surface Profilers) genutzt. Die Daten wurden mittels „Form Remove“ und einem „Gaussian Spline Fixed“ Bandpassfilter mit Periode 100-1000 pm gefiltert.
Wie in Fig. 1 zu erkennen ist, liegt die gemessene mittlere arithmetische Höhe Sa der erfin dungsgemäßen Dünngläser für beide Seiten stets bei deutlich unter 10 nm. Genauer gesagt liegt für ein erfindungsgemäßes Dünnglas das beste Messergebnis der mittleren arithmetischen Höhe Sa bei 3,0 nm auf der ersten, konvexen Seite und bei 1,9 nm auf der zweiten, konkaven Seite. Ferner liegt für ein erfindungsgemäßes Dünnglas das schlechteste Messergebnis der mittleren arithmetischen Höhe Sa bei 7,4 nm auf der ersten, konvexen Seite und bei 6,8 nm auf der zweiten, konkaven Seite. Demgegenüber liegt für ein Dünnglas aus dem Stand der Technik das beste Messergebnis der mittleren arithmetischen Höhe Sa bei 11,1 nm auf der ersten, kon vexen Seite und bei 14,5 nm auf der zweiten, konkaven Seite. Ferner liegt für ein Dünnglas aus dem Stand der Technik das schlechteste Messergebnis der mittleren arithmetischen Höhe Sa bei 40,5 nm auf der ersten, konvexen Seite und bei 35,9 nm auf der zweiten, konkaven Seite. Die Oberflächenqualität des erfindungsgemäßen Dünnglases ist demnach gegenüber Dünnglä sern aus dem Stand der Technik deutlich verbessert.
Fig. 2A ist eine Weißlichtinterferometrieaufnahme der Topographie eines erfindungsgemäßen Borosilikatdünnglases nach einer Bandpassfilterung von 0,1 mm bis 1 mm, während Fig. 2B eine Weißlichtinterferometrieaufnahme der Topographie eines Borosilikatdünnglases des Stan des der Technik nach einer Bandpassfilterung von 0,1 mm bis 1 mm zeigt. Dargestellt ist in den Figuren 2A und 2B in gleicher Skalierung auf einer Messfläche von 3 x 3 mm2 die Höhenabwei chung auf der konvexen Seite einer Kalotte mit einem Krümmungsradius von 120 mm. Im Un terschied zu der Topographie des Dünnglases des Standes der Technik, die eine Vielzahl von Defekten 10 aufweist (zur besseren Übersicht wurde beispielhaft nur ein Defekt mit einem Be zugszeichen versehen), hat das erfindungsgemäße Dünnglas eine sehr gleichmäßige Oberflä chenstruktur und somit eine hohe Oberflächenqualität.
Fig. 3 zeigt Messergebnisse von Weißlichtinterferometriemessungen des gemittelten Tangen tenfehlers (Slope Error) auf einer dritten Messfläche von 3 x 3 mm2 auf der ersten Oberfläche der ersten Seite von Dünngläsern (rechte Seite des Diagramms) und auf einer vierten Messflä che von 3 x 3 mm2 auf der zweiten Oberfläche der zweiten Seite von Dünngläsern (linke Seite des Diagramms), wobei für jedes Dünnglas die zweite Seite eine der ersten Seite entgegenge setzte Seite ist. Die dem Diagramm aus Fig. 3 zugrunde liegenden Messungen wurden an Dünngläsern durchgeführt, an denen auch die dem Diagramm aus Fig. 1 zugrunde liegenden Messungen durchgeführt wurden. Verwendet wurden demnach Borosilikatdünngläser (hier des Typs D263TEco) mit 100 pm Dicke, die zuvor mittels einer Kalottenform dreidimensional umge formt worden sind und jeweils einen Krümmungsradius von 120 mm oder 123,5 mm aufweisen. Bei den Dünngläsern der Erfindung und den Dünngläsern des Standes der Technik handelt es sich um nicht nachbearbeitete Dünngläser, das heißt nach dem Heißumformen unbelassene bzw. unbehandelte Dünngläser.
In Fig. 3 sind für jede der beiden Seiten (formzugewandt und formabgewandt) Messungen an erfindungsgemäßen Dünngläsern Messungen an Dünngläsern des Standes der Technik gegen übergestellt. Die y-Achse des Diagramms in Fig. 3 weist eine logarithmische Skalierung auf.
Die Weißlichtinterferometriemessungen zur Bestimmung des gemittelten Tangentenfehlers, das heißt der lokalen Steigungsabweichung von der idealen Sollkrümmung, wurden mit einer Band passfilterung zwischen 0,1 mm und 1 mm durchgeführt (Gaussian Spline fixed mit Spline Long Period 1000 pm und Spline Short Period 100 pm), um mittelskalige Oberflächenstrukturkompo nenten in einem Wellenlängenbereich von 0,1 mm bis 1 mm zu betrachten. Sofern nicht anders angegeben, wurden die Messungen zur Bestimmung des Tangentenfehlers mit derselben Filte rung, denselben Einstellungen, denselben Messgeräten und derselben Messsoftware durchge führt, wie vorstehend im Zusammenhang mit Fig.1 zur Bestimmung der mittleren arithmeti-
sehen Höhe Sa beschrieben. Mittels der Zygo®- Mx™ Software wurde die Slope Magnitude be stimmt. Die Iterationslänge entsprach dabei der lateralen Auflösung.
Wie in Fig. 3 zu erkennen ist, liegt der gemessene Tangentenfehler im arithmetischen Mittel der erfindungsgemäßen Dünngläser für beide Seiten stets bei deutlich unter 0,05 pm/mm. Genauer gesagt liegt für ein erfindungsgemäßes Dünnglas das Messergebnis des Tangentenfehlers im arithmetischen Mittel stets bei ca. 0,03 pm/mm auf der ersten, konvexen Seite und bei ca. 0,02 pm/mm auf der zweiten, konkaven Seite. Demgegenüber liegt für ein Dünnglas aus dem Stand der Technik das beste Messergebnis des Tangentenfehlers im arithmetischen Mittel bei 0,1 pm/mm auf der ersten, konvexen Seite und bei 0,14 pm/mm auf der zweiten, konkaven Seite. Ferner liegt für ein Dünnglas aus dem Stand der Technik das schlechteste Messergebnis des Tangentenfehlers im arithmetischen Mittel bei 0,77 pm/mm auf der ersten, konvexen Seite und bei 0,44 pm/mm auf der zweiten, konkaven Seite. Die Oberflächenqualität des erfindungsgemä ßen Dünnglases ist demnach auch im Hinblick auf den Tangentenfehler gegenüber Dünnglä sern aus dem Stand der Technik deutlich verbessert.
Die Figuren 4A und 4B zeigen die Tangentenfehler eines erfindungsgemäßen Borosilikatdünn- glases (Fig. 4A) und eines Borosilikatdünnglases des Standes der Technik (Fig. 4B) in einem Falschfarbenbild in gleicher Skalierung auf einer Messfläche von 3 x 3 mm2. Dargestellt sind Aufnahmen nach einer Bandpassfilterung von 0,1 mm bis 1 mm auf der konvexen Seite einer Kalotte mit einem Krümmungsradius von 120 mm. Im Unterschied zu der Topographie des Dünnglases des Standes des Technik, die eine Vielzahl von Tangentenfehlern 20 aufweist (zur besseren Übersicht wurde beispielhaft nur ein Defekt mit einem Bezugszeichen versehen), hat das erfindungsgemäße Dünnglas eine sehr gleichmäßige Oberflächenstruktur und somit eine hohe Oberflächenqualität.
Fig. 5 zeigt Messergebnisse von Weißlichtinterferometriemessungen der mittleren arithmeti schen Höhe Sa auf einer fünften Messfläche von 0,33 x 0,33 mm2 auf der ersten Oberfläche der ersten Seite von Dünngläsern (rechte Seite des Diagramms) und auf einer sechsten Messfläche von 0,33 x 0,33 mm2 auf der zweiten Oberfläche der zweiten Seite von Dünngläsern (linke Seite des Diagramms), wobei für jedes Dünnglas die zweite Seite einer der ersten Seite entgegenge setzte Seite ist. Die dem Diagramm aus Fig. 5 zugrunde liegenden Messungen wurden an Dünngläsern durchgeführt, an denen auch die den Diagrammen aus den Figuren 1 und 3 zu grunde liegenden Messungen durchgeführt wurden. Verwendet wurden demnach Borosilikat- dünngläser (hier des Typs D263TEco) mit 100 pm Dicke, die zuvor mittels einer Kalottenform dreidimensional umgeformt worden sind und jeweils einen Krümmungsradius von 120 mm oder 123,5 mm aufweisen. Bei den Dünngläsern der Erfindung und den Dünngläsern des Standes
der Technik handelt es sich um nicht nachbearbeitete Dünngläser, das heißt nach dem Heiß- umformen unbelassene bzw. unbehandelte Dünngläser.
Auch in Fig. 5 sind für jede der beiden Seiten (formzugewandt und formabgewandt) Messungen an erfindungsgemäßen Dünngläsern Messungen an Dünngläsern des Standes der Technik ge genübergestellt. Die y-Achse des Diagramms in Fig. 5 weist eine logarithmische Skalierung auf.
Die Weißlichtinterferometriemessungen zur Bestimmung der mittleren arithmetischen Höhe Sa wurden mit einer Hochpassfilterung mit einer Grenzfrequenz von 0,25 mm durchgeführt (Gaus- sian Spline fixed mit Spline Long Period 250 pm), um kurzskalige Oberflächenstrukturkompo nenten in einem Wellenlängenbereich von bis zu 0,25 mm zu betrachten. Auch hier wurde das Weißlichtinterferenzmikroskop (WLI), auch CSI (Coherence Scanning Interferometry) genannt, ZYGO® - NexView™ (optisches 3D-Profilometer mit scannender und phasenschiebender Inter ferometrie) verwendet. Als Objektiv wurde für diese Messungen ein 50X Mirau NA 0.55 mit ei ner effektiven lateralen Auflösung von 0,6 pm genutzt. Der Messungstyp war „Surface“ und es wurde die Systemreferenz subtrahiert.
Zur Auswertung der Messdaten wurde ebenso die ZYGO® - Mx™ Software (Instrument Control & Data Analysis Software for ZYGO 3D Optical Surface Profilers) genutzt. Die Daten wurden mittels „Form Remove“ und einem „Gaussian Spline Fixed“ High Pass Filter mit langer Periode 250 pm gefiltert.
Wie in Fig. 5 zu erkennen ist, liegt die gemessene mittlere arithmetische Höhe Sa der erfin dungsgemäßen Dünngläser für beide Seiten stets bei unter 0,4 nm. Genauer gesagt liegt für ein erfindungsgemäßes Dünnglas das beste Messergebnis der mittleren arithmetischen Höhe Sa bei ca. 0,1 nm auf der ersten, konvexen Seite und bei ca. 0,1 nm auf der zweiten, konkaven Seite. Ferner liegt für ein erfindungsgemäßes Dünnglas das schlechteste Messergebnis der mittleren arithmetischen Höhe Sa bei ca. 0,3 nm auf der ersten, konvexen Seite und bei ca. 0,3 nm auf der zweiten, konkaven Seite. Demgegenüber liegt für ein Dünnglas aus dem Stand der Technik das beste Messergebnis der mittleren arithmetischen Höhe Sa bei 0,9 nm auf der ers ten, konvexen Seite und bei 0,4 nm auf der zweiten, konkaven Seite. Ferner liegt für ein Dünn glas aus dem Stand der Technik das schlechteste Messergebnis der mittleren arithmetischen Höhe Sa bei 21,9 nm auf der ersten, konvexen Seite und bei 5,4 nm auf der zweiten, konkaven Seite. Die Oberflächenqualität des erfindungsgemäßen Dünnglases ist demnach gegenüber Dünngläsern aus dem Stand der Technik deutlich verbessert.
Weitere Weißlichtinterferometriemessungen wurden an einem erfindungsgemäßen Borosilikat- dünnglas (des Typs D263TEco) mit einer Dicke von 210 pm und einem Biegeradius von 120
mm durchgeführt. Zum einen wurde auch hierbei die mittlere arithmetische Höhe Sa auf einer Messfläche von 3 x 3 mm2 auf einer ersten Oberfläche einer ersten Seite und auf einer Messflä che von 3 x 3 mm2 auf einer zweiten Oberfläche einer zweiten entgegengesetzten Seite des Dünnglases bestimmt. Zum anderen wurde die mittlere arithmetische Höhe Sa auf einer Mess fläche von 0,33 x 0,33 mm2 auf der ersten Oberfläche der ersten Seite und auf einer Messfläche von 0,33 x 0,33 mm2 auf der zweiten Oberfläche der zweiten entgegengesetzten Seite des Dünnglases bestimmt. Die erste Seite bezeichnet auch hier die der Form während des Herstel lungsprozesses zugewandte Seite, welche im vorliegenden Beispiel eine konvexe Gestalt hat. Die zweite Seite bezeichnet hier die der Form während des Herstellungsprozesses abgewandte Seite, welche im vorliegenden Beispiel eine konkave Gestalt hat. Bei den erfindungsgemäßen Dünngläsern dieser Messung handelt es sich ebenfalls um nicht nachbearbeitete Dünngläser, das heißt nach dem Heißumformen unbelassene bzw. unbehandelte Dünngläser.
Die Weißlichtinterferometriemessungen zur Bestimmung der mittleren arithmetischen Höhe Sa auf den Messflächen von 3 x 3 mm2 wurden mit einer Bandpassfilterung zwischen 0,1 mm und 1 mm durchgeführt (Gaussian Spline fixed mit Spline Long Period 1000 pm und Spline Short Period 100 pm). Die Weißlichtinterferometriemessungen zur Bestimmung der mittleren arithme tischen Höhe Sa auf den Messflächen von 0,33 x 0,33 mm2 wurden mit einer Hochpassfilterung mit einer Grenzfrequenz von 0,25 mm durchgeführt (Gaussian Spline fixed mit Spline Long Pe riod 250 pm), um kurzskalige Oberflächenstrukturkomponenten in einem Wellenlängenbereich von bis zu 0,25 mm zu betrachten, analog zu den oben beschriebenen Messungen an den Bo- rosilikatdünngläsern mit 100 pm Dicke.
Die Messergebnisse dieser weiteren Messungen zeigen, dass die mittlere arithmetische Höhe Sa bei den Messungen auf den Messflächen von 3 x 3 mm2 für beide Seiten stets bei deutlich unter 15 nm liegt. Genauer gesagt liegt die mittlere arithmetische Höhe Sa bei 13,1 nm auf der ersten, konvexen Seite und bei 5,9 nm auf der zweiten, konkaven Seite. Ferner zeigen die Mes sergebnisse der weiteren Messungen, dass die mittlere arithmetische Höhe Sa bei den Mes sungen auf den Messflächen von 0,33 x 0,33 mm2 für beide Seiten stets bei deutlich unter 5 nm liegt. Genauer gesagt liegt die mittlere arithmetische Höhe Sa bei 2,6 nm auf der ersten, konve xen Seite und bei 0,2 nm auf der zweiten, konkaven Seite.
Ein Dünnglas mit den erfindungsgemäßen Eigenschaften kann mittels eines angepassten Ver fahrens und insbesondere unter Verwendung eines erfindungsgemäßen Werkzeugs bereitge stellt werden.
In einem Ausführungsbeispiel des Verfahrens wird ein flacher Glaswafer 100 aus Borosilikat glas mit einer Dicke d von weniger 300 pm bereitgestellt. Beispielsweise kann der Glaswafer
eine Dicke von 100 pm oder 210 pm haben. Der Glaswafer 100 wird auf eine Form 110 eines Werkzeugs 120 aufgebracht, wobei die Form 110 eine asphärisch gekrümmte Formfläche 130 zum dreidimensionalen Umformen des Dünnglases 100 umfasst.
Die Formfläche 130 ist vorgesehen um im Laufe einer Umformung des Dünnglases in Kontakt mit dem Dünnglas 100 zu gelangen. Durch die Sollkrümmung der Formfläche 130 wird die spä tere Sollkrümmung des umzuformenden Dünnglases 100 vorbestimmt. Die Formfläche ist ma schinell poliert, wodurch das Werkzeug 120 im Bereich der Formfläche 130 eine hohe Oberflä chenqualität mit geringen Defekten aufweist. Hierdurch kann das Übertragen von Defekten an das Dünnglas 100 während des Herstellungsprozesses vermieden werden. In dem gezeigten Ausführungsbeispiel ist das Werkzeug 120 im Bereich der Formfläche 130 aus isostatisch ge presstem feinkörnigem Graphit hergestellt.
Der Glaswafers 100 wird nach dem Aufbringen auf das Werkzeug 120 auf eine Solltemperatur oberhalb der Glasübergangstemperatur Tg und unterhalb der Erweichungspunkttemperatur EW des Glaswafers 100 erhitzt. Hier beträgt die Solltemperatur 600 °C. Das Erhitzen wird mit einem Temperaturgradienten von ca. 60 K/min durchgeführt.
Bei Erreichen der Solltemperatur von 600 °C wird der Glaswafers 100 durch Anlegen eines Va kuums an die Form 110 des Werkzeugs 120 für eine Zeitdauer von ca. 30 Sekunden mit einem Unterdrück von 10000 Pa absolut beaufschlagt. Hierbei wird der Glaswafer 100 im Bereich der Form 110 dreidimensional heißumgeformt. Durch die vergleichsweise kurze Beaufschlagung wird ein möglichst kurzer Formkontakt sichergestellt, sodass ein Abformen von Defekten der Form 110 auf den Glaswafer bzw. das Dünnglas 100 weiter vermieden wird.
Nach dem Umformen wird der heißumgeformte Glaswafers 100 mit einem weiteren Tempera turgradienten von ca. 10 K/min auf eine Abkühltemperatur von ca. 300 °C abgekühlt.
Anschließend wird der heißumgeformte Glaswafers 100 aus dem Werkzeug 120 bzw. der Form 110 entnommen.
Im Unterschied zu bekannten Verfahren ermöglicht das erfindungsgemäße Verfahren die Her stellung eines Dünnglases mit einer sehr geringen Dicke und gleichzeitig sehr hoher Oberflä chenqualität.
Bezugszeichenliste
10 Defekt (mittlere arithmetische Höhe Sa)
20 Defekt (Tangentenfehler)
100 Glaswafer 110 Form 120 Werkzeug
130 Formfläche