Beschreibung
Ladestation zum Aufladen eines elektrischen Energiespeichers eines Straßenfahrzeugs
Die Erfindung bezieht sich auf eine Ladestation zum Aufladen eines elektrischen Energiespeichers eines Straßenfahrzeugs.
Bei Ladestationen für elektrisch angetriebene Straßenfahrzeu ge mit Energiespeichern ist es bekannt, die Ladeleistung ka belgebunden über eine Steckverbindung insbesondere zu leich ten Personenkraftwagen zu übertragen.
Bei elektrisch oder hybridelektrisch angetriebenen Straßen fahrzeugen, insbesondere schweren Nutzfahrzeugen, ist es zum Beispiel aus der Offenlegungsschrift DE 102017 203 046 Al auch bekannt, den Energiespeicher während der Fahrt über eine Energieeinspeisung aus einer zweipoligen Oberleitungsanlage mittels eines fahrzeugseitigen Stromabnehmers aufzuladen. Der Stromabnehmer umfasst ein pantographenartiges Gestell, wel ches je Kontaktpol eine Wippe mit zwei Schleifleisten trägt. Während der Fahrt stehen die Schleifleisten jedes Kontaktpols mit den dem jeweiligen Kontaktpol zugeordneten Fahrdrähten in Schleifkontakt, so dass elektrische Energie sowohl direkt für den Traktionsantrieb als auch zum Aufladen des Energiespei chers einspeisbar ist. Im Gegensatz zum Fährbetrieb fehlt es im Stillstand des Fahrzeugs sowohl an einer Bewegung der punktförmigen Kontaktstelle zwischen Schleifleiste und Fahr draht als auch an kühlendem Fahrtwind, so dass im Stillstand die Speisestromstärke so gering gewählt werden muss, dass es zu keinen überhitzungsbedingten Beschädigungen an Schleif leiste und/oder Fahrdraht kommt. Ein Aufladen des Energie speichers im Stillstand des Fahrzeugs ist daher zeitaufwän dig.
Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, eine Ladesta tion zum Aufladen eines elektrischen Energiespeichers eines Straßenfahrzeugs, welches zur Energieeinspeisung aus einer
zweipoligen Oberleitungsanlage einen Stromabnehmer mit min destens einer anheb- und absenkbaren Schleifleiste je Kon taktpol aufweist, bereitzustellen, die kürzere Ladezeiten im Stillstand des Straßenfahrzeugs ermöglicht.
Die Aufgabe wird gelöst durch eine Ladestation mit den in Pa tentanspruch 1 angegebenen Merkmalen. Zum Aufladen eines elektrischen Energiespeichers eines Straßenfahrzeugs, welches zur Energieeinspeisung aus einer zweipoligen Oberleitungsan lage einen Stromabnehmer mit mindestens einer anheb- und ab senkbaren Schleifleiste je Kontaktpol aufweist, umfasst die Ladestation je Kontaktpol mindestens zwei Ladekontakte, wel che oberhalb einer Ladeposition für das Straßenfahrzeug und derart nebeneinander angeordnet sind, dass je Kontaktpol min destens zwei Kontaktstellen zwischen Schleifleiste und Lade kontakten herstellbar ist. Der elektrische Kontakt zwischen Oberleitungsanlage und Straßenfahrzeug wird durch eine Viel zahl an Kontaktstellen gebildet, über die die Ladeleistung übertragen wird. Die entstehende Stromwärme je Kontaktstelle wird mit zunehmender Anzahl an Kontaktstellen geringer und kann aufgrund der räumlichen Verteilung der Kontaktstellen besser dissipieren. Aufgrund von Beschränkungen des Fahrzeug gewichts und der Fahrzeugabmessungen ist die Dimensionierung der Schleifleisten vorgegeben, so dass die zwei oder mehreren Ladekontakte eine höhere Ladestromstärke erlauben, was die Ladezeit senkt. Je nach gewünschter Ladestromstärke kann die Anzahl der Ladekontakte variiert werden, wobei vorzugsweise zwei, drei oder vier Ladekontakte vorgesehen sind.
In einem bevorzugten Ausführungsbeispiel der erfindungsgemä ßen Ladestation sind wenigstens ein Teil der Ladekontakte als Kontaktschienen ausgebildet, die in einem Ladegestell paral lel zueinander federgelagert aufgehängt und quer zu den Schleifleisten des Stromabnehmers des in Ladeposition befind lichen Straßenfahrzeugs ausgerichtet sind. Das Ladegestell kann beispielsweise von einem über die Ladeposition ragenden Seitenausleger getragen sein, welcher an einem neben der La deposition aufgestellten Lademast befestigt ist. Bei positio-
niertem Straßenfahrzeug sind die länglichen Kontaktschienen in Fahrzeuglängsrichtung ausgerichtet, so dass sie in Drauf sicht einen rechten oder annähernd rechten Winkel mit den Schleifleisten des Stromabnehmers bilden. Durch weiteres An heben der Schleifleisten nach Kontaktierung der Kontaktschie- nen, werden die Kontaktschienen gegen eine Rückstellkraft von Federelementen gedrückt. Die Anzahl und Anordnung der Feder elemente je Kontaktschiene ist so gewählt, dass eine mög lichst gleichmäßige Andruckkraft über die Kontaktstellen übertragen wird. Die Ladestation dieses Ausführungsbeispiels ist für Ladepositionen geeignet, an der keine Oberleitungsan lage vorhanden ist. Das Straßenfahrzeug fährt im Energiespei cher- oder Hybridbetrieb zur Ladestation und stellt bei Er reichen der Ladeposition den Stromabnehmer auf, um die Schleifleisten zu den Ladekontakten anzuheben.
In einem weiteren bevorzugten Ausführungsbeispiel der erfin dungsgemäßen Ladestation sind je Kontaktpol ein Ladekontakt durch einen Fahrdraht der Oberleitungsanlage gebildet und die weiteren Ladekontakte als Kontaktschienen ausgebildet, die in einem Ladegestell parallel zum Fahrdraht federgelagert aufge hängt und quer zu den Schleifleisten des Stromabnehmers des in Ladeposition befindlichen Straßenfahrzeugs ausgerichtet sind. Die Ladestation dieses Ausführungsbeispiels kann an La depositionen auf elektrifizierten Oberleitungsstrecken ange ordnet werden. Dabei fungieren die Fahrdrähte jeweils als ein Ladekontakt, die weiteren Ladekontakte werden durch Kontakt schienen analog zum zuvor beschriebenen Ausführungsbeispiel gebildet. Die Kontaktschienen sind dabei etwas oberhalb der Fahrdrähte gehalten, so dass die Schleifleisten bei Aufstel len des Stromabnehmers erst die Fahrdrähte etwas anhebt, um dann Kontakt zu den Kontaktschienen herzustellen.
In einem weiteren bevorzugten Ausführungsbeispiel weist das Ladegestell der erfindungsgemäßen Ladestation Begrenzungsmit tel für die Hubbewegung der Schleifleisten auf, welche eine Kontaktposition der Schleifleisten definieren, in welcher die federgelagerten Ladekontakte mit gleicher Federkraft gegen
die Schleifleiste drücken. Die Begrenzungsmittel bilden einen mechanischen Anschlag für die Schleifleisten. Wird dieser er reicht, so sind die Federelemente etwa gleichmäßig ausge lenkt, was eine gleichmäßig Verteilung der Andruckkräfte an den Kontaktstellen zwischen Schleifleisten und Ladekontakte sicherstellt.
In einem weiteren bevorzugten Ausführungsbeispiel der erfin dungsgemäßen Ladestation ist eine Länge der Kontaktschienen mindestens so groß wie ein Abstand zwischen zwei in Fahr zeuglängsrichtung hintereinander angeordneten Schleifleisten eines Kontaktpols. Dadurch können sowohl Straßenfahrzeuge, deren Stromabnehmer je Kontaktpol nur eine einzige Schleif leiste aufweisen, als auch solche mit einem Paar von in Fahr zeuglängsrichtung hintereinander angeordneten Schleifleisten ihren Energiespeicher aufladen, wobei in letzterem Fall das Straßenfahrzeug so positioniert werden kann, dass jeder Lade kontakt von beiden Schleifleisten eines Kontaktpols kontak tierbar ist.
In einem weiteren bevorzugten Ausführungsbeispiel der erfin dungsgemäßen Ladestation ist die Länge der Kontaktschienen mindestens doppelt so groß wie der Abstand zwischen zwei in Fahrzeuglängsrichtung hintereinander angeordneten Schleif leisten eines Kontaktpols. Die längere Ausgestaltung der Kon taktschienen ermöglicht es, dem Fahrer einen gewissen Tole ranzbereich in Fahrtrichtung beim Abstellen seines Straßen fahrzeugs auf der Ladeposition zu bieten, was die Benutzer freundlichkeit der erfindungsgemäßen Ladestation erhöht.
In einem weiteren bevorzugten Ausführungsbeispiel der erfin dungsgemäßen Ladestation ist die Länge der Kontaktschienen mindestens so groß wie eine Fahrzeuglänge des Straßenfahr zeugs. Durch eine weitere Verlängerung der Kontaktschienen wird eine Kontaktierung der Ladekontakte durch die Schleif leisten bereits bei Annäherung der Ladeposition und dadurch ein Ladebeginn vor Fahrzeugstillstand möglich. Dies verkürzt
wiederum die Zeitspanne für den Ladevorgang des Energiespei chers.
In einem weiteren bevorzugten Ausführungsbeispiel der erfin dungsgemäßen Ladestation sind je Kontaktpol die Ladekontakte derart voneinander beabstandet, dass die Kontaktstellen der Ladekontakte in seitlichen Endabschnitten der Schleifleiste liegen. Hierdurch können die Schleifleisten unterschiedliche Materialabschnitte aufweisen. So kann deren an der Oberlei tungsanlage stark genutzte Mittelbereich aus Graphit beste hen, während die seitlichen Endabschnitte aus Kupfer oder Aluminium gefertigt sein können. Hierdurch kann der Ver schleiß der Fahrdrähte geringgehalten werden. Über die seit lichen Endabschnitte können hingegen höhere Ladeströme über tragen werden, da die Kontaktstellen zwischen Schleifleisten und Ladekontakten in den Endabschnitten der Schleifleisten liegen.
In einem weiteren bevorzugten Ausführungsbeispiel der erfin dungsgemäßen Ladestation ist das Ladegestell bei anliegenden Schleifleisten gegen eine Hubkraft des Stromabnehmers nach unten bewegbar ausgebildet. Wenn das Ladegestell nach unten bewegbar ist, kann die Kontaktkraft zwischen Schleifleisten und Ladekontakten erhöht werden, da zusätzlich zu den Rück stellkräften der Federelemente eine gegen die AufStellkräfte einer Hubeinrichtung des Stromabnehmers wirken. Die höheren Andruckkräfte verbessern die Stromübertragung.
In einem weiteren bevorzugten Ausführungsbeispiel umfasst die erfindungsgemäße Ladestation eine Sensoreinheit zur Erfassung einer Temperatur der Schleifleiste und eine Steuereinheit zur temperaturabhängigen Regelung eines Ladestromes. Hierdurch kann der Ladestrom derart geregelt werden, dass eine Überhit zung der Schleifleiste und dadurch verursachte Schäden ver mieden werden. Die Regelung des Ladestroms kann dabei von der Ladestation aus oder über eine geeignete Kommunikation zwi schen Ladestation und Fahrzeug vom Fahrzeug aus erfolgen.
Weitere Eigenschaften und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus nachfolgender Beschreibung eines konkreten Ausführungs beispiels anhand der Zeichnungen, in deren
FIG 1 eine Frontansicht auf ein in einer Ladestation po sitioniertes Straßenfahrzeug,
FIG 2 eine Frontansicht auf Schleifleisten und Ladekon takte eines Kontaktpols aus FIG 1,
FIG 3 ein Seitenansicht auf Schleifleisten und Ladekon takte des Kontaktpols aus FIG 2 im Längsschnitt entlang der Schnittlinie III-III,
FIG 4 eine Frontansicht auf Schleifleisten und Ladekon takte des Kontaktpols aus FIG 1 in geschlossenem Zustand und
FIG 5 eine perspektivische Ansicht auf Schleifleisten und
Ladekontakte eines Kontaktpols aus FIG 4 schematisch veranschaulicht sind.
Gemäß FIG 1 ist ein elektrisch oder hybridelektrisch ange triebenes Straßenfahrzeug 1, beispielsweise ein schweres Nutzfahrzeug, zum Aufladen seines elektrischen Energiespei chers 2 in einer an einer Fahrbahn 3 installierten Ladestati on 4 positioniert. Das Straßenfahrzeug 1 ist mit einem Strom abnehmer 5 zur Energieeinspeisung während der Fahrt aus einer zweipoligen Oberleitungsanlage ausgestattet, von der der Ein fachheit halber nur die als Hin- und Rückleiter ausgebildeten Fahrdrähte 6 über einer der Ladeposition benachbarten Fahr spur der Fahrbahn 3 gezeigt sind. Der Stromabnehmer 5 weist ein pantographenartiges Gestell 7 auf, welches sich auf dem Fahrzeugdach abstützt und mittels einer nicht dargestellten Hubeinrichtung aufstellen und zusammenklappen lässt. Das Ge stell 7 trägt zwei in Fahrzeuglängsrichtung gesehen nebenei nander angeordnete Wippen 8 - für jeden Kontaktpol 9 eine -, welche jeweils mit einem Paar in Fahrzeuglängsrichtung gese hen hintereinander angeordneter Schleifleisten 10 bestückt sind. Benutzt das Straßenfahrzeug 1 eine elektrifizierte Fahrspur, können die Schleifleisten 10 durch Aufstellen des
Gestells 7 mit dem jeweiligen Fahrdraht 6 in Schleifkontakt gebracht werden, um Energie aus der Oberleitungsanlage ins Straßenfahrzeug 1 einzuspeisen.
Die Ladestation 4 ist im dargestellten Ausführungsbeispiel jedoch abseits einer elektrifizierten Fahrspur angeordnet und umfasst je Kontaktpol 9 zwei oder mehrere, beispielsweise vier, Ladekontakte 11, welche oberhalb der Ladeposition für das Straßenfahrzeug 1 angeordnet sind. Hierzu können die La dekontakte 11 mit einem Seitenausleger 12 der Ladestation 4 verbunden sein, der von einem seitlich der Fahrbahn 3 aufge stellten Lademast 13 über die Ladeposition ragt. Über nicht dargestellte und in Lademast 13 und Seitenausleger 12 verlau fende, elektrische Leitungen wird die Ladespannung an den La dekontakten 11 der jeweiligen Kontaktpole 9 bereitgestellt.
Gemäß FIG 2 und FIG 3 sind je Kontaktpol 9 vier als Kontakt schienen ausgebildete Ladekontakte 11 in einem Ladegestell 14 federgelagert. Die länglichen Kontaktschienen sind parallel zu einander ausgerichtet und jeweils über beispielsweise zwei Federelemente 15 mit dem Ladegestell 14 verbunden. Die Länge L der Kontaktschienen ist hier deutlich größer als der Ab stand D zwischen den hintereinander liegenden Schleifleisten 10 einer Wippe 8 gewählt, damit ein Toleranzbereich für die Positionierung des Straßenfahrzeugs 1 in Fahrtrichtung zur Verfügung steht. Durch weitere Verlängerung der Kontaktschie- nen wird es möglich, den Ladevorgang bereits vor Erreichen des Stillstands zu starten. Durch Anheben der Wippen 8 drü cken die Schleifleisten 10 die Ladekontakte 11 gegen die Rückstellkraft der Federelemente 15 nach oben, bis die Schleifleisten 10 gemäß FIG 4 und FIG 5 an Begrenzungsmittel 16 anschlagen. Die Begrenzungsmittel 16 können beispielsweise durch Seitenschenkel des u-förmigen Ladegestells 14 gebildet sein. Je Kontaktpol 9 wird elektrischer Kontakt über acht Kontaktstellen geschlossen, über die ein hoher Ladestrom zur Verkürzung der Ladezeit des Energiespeichers 2 fließen kann. In diesem Zustand gewährleisten die ausgelenkten Federelemen te 15 eine über die Kontaktstellen gleichmäßig verteilte An-
druckkraft zwischen Schleifleisten 10 und Ladekontakten 11. Zur Erhöhung der Andruckkraft kann das Ladegestell 14 absenk- bar am Seitenhalter 12 befestigt sein, wobei die Ladekontakte 11 gegen die Hubkraft des Stromabnehmers 5 nach unten drü- cken.
Durch die Vielzahl an Kontaktstellen kann eine hohe Ladeleis tung übertragen werden, weil die entstehende Stromwärme je Kontaktstelle mit zunehmender Anzahl an Kontaktstellen gerin- ger wird und aufgrund der räumlichen Beabstandung der Kon taktstellen besser dissipieren kann.
Die dargestellten Ladekontakte 11 sind hier entlang der Schleifleiste 11 etwa gleichmäßig verteilt. Alternativ können die Ladekontakte 11 so angeordnet werden, dass sie bei Kon taktschluss nur einen seitlichen Endbereich der Schleifleiste 10 kontaktieren, der dann - im Gegensatz zum aus Graphit ge bildeten Mittelbereich - aus Metall, insbesondere Aluminium oder Kupfer, besteht. Dies erlaubt eine weitere Erhöhung der Ladeströme.
Die Ladestation 1 kann ferner, was hier nicht dargestellt ist, eine Sensoreinheit zur Erfassung einer Temperatur der Schleifleiste 10 und eine Steuereinheit zur temperaturabhän- gigen Regelung eines Ladestromes umfassen. Hierdurch kann der Ladestrom derart geregelt werden, dass eine Überhitzung der Schleifleisten 10 und dadurch verursachte Schäden vermieden werden.