Fahrerassistenzsystem für ein zumindest teilweise automatisch fahrendes Kraftfahrzeug, Kraftfahrzeug und Verfahren zum Regeln einer Fahrdynamik
BESCHREIBUNG:
Die Erfindung betrifft ein Fahrerassistenzsystem für ein zumindest teilweise automatisch fahrendes Kraftfahrzeug, wobei das Fahrerassistenzsystem mindestens ein Umfelderfassungsmittel aufweist, welches dazu ausgelegt ist, zumindest einen Bereich eines Umfelds des Kraftfahrzeugs zu erfassen, eine Auswerteeinrichtung, die dazu ausgelegt ist, in Abhängigkeit von dem erfassten zumindest einen Bereich des Umfelds eine vom Kraftfahrzeug zu befahrende Soll-Trajektorie zu bestimmen und ein Fahrdynamikregelsystem mit einer Reglereinrichtung, die dazu ausgelegt ist, die von der Auswerteeinrichtung bestimmte Soll-Trajektorie einzuregeln. Zur Erfindung gehören auch ein Kraftfahrzeug mit einem solchen Fahrerassistenzsystem und einen Verfahren zum Regeln einer Fahrdynamik eines Kraftfahrzeugs. Die DE 10 2012 203 187 A1 beschreibt ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Detektion und Adaption von Bewegungstrajektorien von Kraftfahrzeugen. Insbesondere beschäftigt sich dieses Verfahren damit, falls ein Kollisionskurs mit hohem Kollisionsrisiko festgestellt wird, eine optimale Ausweich-Trajektorie zu ermitteln. Hierzu wird eine Schnittmenge der möglichen Ausweich-Trajektorien mit den physikalisch möglichen Bewegungstrajektorien gebildet, die sich aus den fahrdynamischen Eigenschaften des Kraftfahrzeugs und dem sich zwischen Reifen und Fahrbahn einstellenden Reibwert bis zu einem maximal möglichen Grenz-Reibwert ergeben. Die zu befahrende Trajektorie wird dann aus dieser Schnittmenge gewählt. Entsprechend dieser gewählten Bewegungstrajektorie können dann Brems- oder Lenkeingriffe mit
dem Ziel der Fahrerunterstützung oder der Korrektur der Fahrervorgaben vorgenommen werden oder auch vollständig automatisierte Brems- und Lenkeingriffe.
Jedoch sind auch Kraftfahrzeuge aus dem Stand der Technik bekannt, bei welchen eine automatische Führung auch unabhängig vom Vorhandensein einer möglichen Kollisionssituation erfolgen kann, wie beispielsweise Kraftfahrzeuge, die zum hochautomatisierten oder auch autonomen Fahren befähigt sind, oder auch Kraftfahrzeuge, die ein automatisches Fahren zumindest temporär in bestimmten Situationen ausführen können, wie zum Beispiel auf Autobahnen oder beim automatischen Einparken, oder ähnlichem. Auch in solchen Fällen wird üblicherweise auf Basis des von Umfeldsensoren erfassten Umfelds des Kraftfahrzeugs eine Soll- Trajektorie bestimmt, die vom Kraftfahrzeug zu befahrende ist. Zu diesem Zweck wird die von einer Bahnplanungseinrichtung bestimmte Soll-Trajektorie an einen Regler übergeben, der die Soll-Trajektorie einregelt. Eine Fahrdynamikregelung hat also im Rahmen des automatischen Fahrens die Aufgabe, eine Trajektorie einzuregeln, die von der Bahnplanung zur Verfügung gestellt wird. Die geplante Bahn hängt wiederum von Daten ab, die in Form einer Umfeldwahrnehmung und oder einem Umfeldmodell zur Verfügung gestellt werden. Im Rahmen der vorliegenden Erfindung soll unter einem Fahrerassistenzsystem nicht nur ein System zur Unterstützung eines Fahrers verstanden werden, sondern es können auch Systeme darunter verstanden werden, die zum vollkommen autonomen Fahren ausgebildet sind, insbesondere ohne Notwendigkeit eines Fahrers, der selbst Fahraufgaben übernimmt.
Weiterhin besitzt der Regel einer solchen Fahrdynamikregelung üblicherweise einen festen Parameter-Set, der wesentliche Auswirkungen darauf hat, wie dynamisch die von der Bahnplanung zur Verfügung gestellte Trajektorie eingeregelt wird. Sind diese Parameter des Parameter-Sets im systemdynamischen Sinne sehr hart eingestellt, wird die Trajektorie sehr genau eingeregelt und es folgen schon bei kleinen Abweichungen von der Soll-Trajektorie starke Fahrzeugreaktionen, die in hohen Giraten und Querbeschleunigungen zum Ausdruck kommen. Diese starken Reaktionen wirken sich jedoch negativ auf den Fahrkomfort aus. Andererseits, bei einer weichen Auslegung der Parameter sind die Auswirkungen auf Abweichungen von der Soll-Trajektorie geringer und damit der Komfort deutlich höher. Nachteiligerweise wird dann jedoch durch diese weiche Einstellung der Reglerparameter die Genauigkeit in Bezug auf die
einzuregelnde Soll-Trajektorie deutlich geringer. Mit anderen Worten ist in diesem Fall nicht gewährleistet, dass das Fahrzeug auch auf der geplanten Soll-Trajektorie fährt und es kann zu mehr oder weniger starken Abweichungen von dieser Soll-Trajektorie kommen, was wiederum zu sehr sicherheitskritischen Situationen und möglichen Kollisionen führen kann. Da natürlich sicherheitskritische Situationen unter allen Umständen vermieden werden sollen, werden die Parameter üblicherweise eher hart ausgelegt, was jedoch wiederum zulasten des Komforts geht.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher, ein Fahrerassistenzsystem, ein Kraftfahrzeug und ein Verfahren zum Regeln einer Fahrdynamik eines zumindest teilweise automatisch fahrenden Kraftfahrzeugs bereitzustellen, welche es ermöglichen, die Diskrepanz zwischen Sicherheit und Komfort beim Einregeln einer gegebenen Soll- Trajektorie besser in Einklang zu bringen. Diese Aufgabe wird gelöst durch ein Fahrerassistenzsystem, ein Kraftfahrzeug und ein Verfahren zum Regeln einer Fahrdynamik mit den Merkmalen gemäß den jeweiligen unabhängigen Ansprüchen. Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind Gegenstand der abhängigen Patentansprüche, der Beschreibung sowie der Figuren. Ein erfindungsgemäßes Fahrerassistenzsystem für ein zumindest teilweise automatisch fahrendes Kraftfahrzeug weist dabei mindestens ein Umfelderfassungsmittel auf, welches dazu ausgelegt ist, zumindest einen Bereich eines Umfelds des Kraftfahrzeugs zu erfassen, eine Auswerteeinrichtung, die dazu ausgelegt ist, in Abhängigkeit von dem erfassten zumindest einen Bereich des Umfelds eine vom Kraftfahrzeug zu befahrende Soll-Trajektorie zu bestimmen und ein Fahrdynamikregelsystem mit einer Reglereinrichtung, die dazu ausgelegt ist, die von der Auswerteeinrichtung bestimmte Soll-Trajektorie einzuregeln. Weiterhin ist die Auswerteeinrichtung dazu ausgelegt, in Abhängigkeit von dem erfassten zumindest einen Bereich des Umfelds mindestens einen Freibereichs-Wert zu bestimmen und an die Reglereinrichtung zu übergeben, wobei die Reglereinrichtung dazu ausgelegt ist, mindestens einen die Regelung beeinflussenden Parameter in Abhängigkeit von dem übergebenen Freibereichs-Wert einzustellen und die Soll-Trajektorie gemäß dem eingestellten mindestens einen die Regelung beeinflussenden Parameter einzuregeln.
Die Erfindung beruht dabei auf der Erkenntnis, dass die Problematik der Diskrepanz zwischen Sicherheit und Komfort daraus resultiert, dass die Bahnplanung in Abhängigkeit von dem erfassten Umfeld eine Soll-Trajektorie bestimmt, die dann vom Regler eingeregelt wird, wodurch nachteiligerweise keine direkte Kommunikation zwischen dem Regler und der Umfeldwahrnehmung erfolgen kann. Entsprechend kann der Regel auch nicht beurteilen, in welcher Situation die übergebene Soll-Trajektorie möglichst genau eingeregelt werden muss und in welchen Situationen auch größere Abweichungen von dieser Soll-Trajektorie zugunsten des Komforts akzeptable wären. Diese Erkenntnis kann nun vorteilhafterweise dazu genutzt werden, um diese Informationen in einem entsprechenden Freibereichs-Wert zu kodieren, der dann an den Regler übergeben werden kann, der somit vorteilhafterweise die Regelstrategie entsprechend dem übergebenen Freibereichs-Wert anpassen kann. Dieser an die Reglereinrichtung übergebene Freibereichs-Wert, dessen Ermittlung später näher erläutert wird, kann also beispielsweise die Größe der Freifahrumgebung, d.h. der Umgebungsbereich des Kraftfahrzeugs, der ohne Kollisionsrisiko oder Unfallrisiko frei befahrbar ist, wiederspiegeln. Die Reglereinrichtung kann so vorteilhafterweise in einer durch den Freibereichs-Wert repräsentierten kritischen Situation den die Regelung beeinflussenden Parameter, zum Beispiel die Reglerparameter des Reglers so einstellen, dass die Soll-Trajektorie möglichst genau eingeregelt wird, d.h. also im systemdynamischen Sinne sehr hart, während der Regler in einer durch den Freibereichs-Wert repräsentierten unkritischen Situation zum Beispiel die Reglerparameter so einstellen kann, dass die Soll-Trajektorie auf sehr komfortable Weise eingeregelt wird, das heißt also die Reglerparameter im systemdynamischen Sinne sehr weich eingestellt werden. Entsprechend muss vorteilhafterweise kein Kompromiss zwischen Sicherheit und Komfort mehr eingegangen werden, denn durch den übergebenen Freibereichs-Wert ist die Reglereinrichtung nun vorteilhafterweise dazu in der Lage, die aktuelle Umfeldsituation, die durch den Freibereichs-Wert repräsentiert werden kann, beim Einregeln der Soll-Trajektorie zu berücksichtigen und dadurch die Einregelung dieser Soll-Trajektorie immer so komfortabel wie möglich zu gestalten, ohne dabei irgendwelche Sicherheitsrisiken eingehen zu müssen.
Das mindestens eine Umfelderfassungsmittel kann dabei als beliebiger Umfeldsensor ausgebildet sein. Insbesondere kann das Fahrerassistenzsystem dabei auch mehrere Umfelderfassungsmittel aufweisen. Solche Umfelderfassungsmittel können also
beispielsweise Kameras, Laserscanner, Radarsensoren, Ultraschallsensoren, oder Ähnliches darstellen. Zudem können diese dazu ausgelegt sein, nur einen Teilbereich des Umfelds um das Kraftfahrzeug zu erfassen, wie zum Beispiel den Frontbereich, oder auch das Umfeld um das Kraftfahrzeug vollständig abdecken und damit einen Gesamterfassungsbereich aufweisen, der das Umfeld des Kraftfahrzeugs in einem Vollwinkel, d.h. 360°, um das Kraftfahrzeug abdeckt.
Weiterhin kann die Auswerteeinrichtung zur Durchführung einzelner Aufgabe verschiedene Module aufweisen. Beispielsweise kann diese ein Umfeldmodellierungsmodul aufweisen, welches in Abhängigkeit von den von den Sensoren erfassten Umfelddaten den mindestens einen Freibereichs-Wert ermittelt. Weiterhin kann das Umfeldmodellierungsmodul zusätzlich auch in Abhängigkeit von den von den Sensoren erfassten Umfelddaten ein Umfeldmodell erstellen, welches zur Ermittlung des Freibereichs-Werts oder anderer Größen genutzt werden kann. Beispielsweise kann das Umfeldmodell auch an eine Bahnplanungseinrichtung, die ein weiteres Modul der Auswerteeinrichtung darstellen kann, übermittelt werden, die darauf basierend die Soll-Trajektorie ermittelt.
Eine Trajektorie ist dabei definiert als eine Bahnkurve, die die räumliche Position des Kraftfahrzeugs oder eines Punkts des Kraftfahrzeugs in Abhängigkeit von der Zeit beschreibt. Zur Ermittlung der Soll-Trajektorie kann die Auswerteeinrichtung eine entsprechende Bahnplanungseinrichtung aufweisen. Die auf Basis des erfassten Umfelds von der Auswerteeinrichtung bzw. deren Bahnplanungseinrichtung bestimmte Soll-Trajektorie kann dabei gemäß aus dem Stand der Technik bekannten Verfahren bestimmt werden. Die Bestimmung der Soll-Trajektorie kann beispielsweise in Abhängigkeit von einem vorgegebenen Navigationsziel, dem Straßenverlauf, einer maximal zulässigen Höchstgeschwindigkeit, sowie auf Basis der Umfelderfassung, d.h. in Abhängigkeit von dem durch die Umfelderfassung erfassten Fahrspurverlauf, Hindernissen, anderen Verkehrsteilnehmern, oder Ähnlichem bestimmt werden. Weiterhin wird die Soll-Trajektorie dabei insbesondere so bestimmt, dass das Kraftfahrzeug beim Befahren dieser Trajektorie immer im fahrdynamisch stabilen Bereich bleibt. Auch die Einregelung der Soll-Trajektorie durch die Reglereinrichtung erfolgt vorzugsweise immer so, dass das Kraftfahrzeug dabei immer im fahrdynamisch stabilen Bereich bleibt.
Dabei ist es vorteilhaft, wenn die Reglereinrichtung mindestens einen einstellbaren Reglerparameter aufweist, und die Reglereinrichtung dazu ausgelegt ist, den mindestens einen einstellbaren Reglerparameter als den mindestens einen die Regelung beeinflussenden Parameter einzustellen. Diese Ausgestaltung ist besonders vorteilhaft, da gerade die Reglerparameter bzw. das eingangs genannter Parameter- Set eines Reglers die Reglerstrategie und die Art und Weise der Regelung beeinflussen und insbesondere festlegen, wie stark bzw. wie schnell Abweichungen ausgeregelt werden. Entsprechend kann durch die Einstellung der Reglerparameter festgelegt werden, ob Abweichungen möglichst schnell ausgeregelt werden sollen und die Soll-Trajektorie möglichst genau eingeregelt werden soll oder ob andererseits zu Gunsten des Komforts auch eine langsamere Ausregelung von Abweichungen zulässig ist. Da dies wiederum in Abhängigkeit von dem übergebenen mindestens einen Freibereichs-Wert erfolgt, ist hierdurch eine besonders gute Situationsanpassung bereitgestellt.
Alternativ oder zusätzlich kann der mindestens eine die Regelung beeinflussende Parameter auch einen Skalierungs-Parameter zur Skalierung einer Regelabweichung darstellen. Somit ist vorteilhafterweise auch Skalierung des Regelfehlers, d.h. der Regelabweichung, in Abhängigkeit von dem mindestens einen Freibereichs-Wert möglich. Auch hierdurch lassen sich die oben genannten Vorteile erzielen. Dies ist darin begründet, dass bei gegebenen Reglerparametern eine große Regelabweichung, zum Beispiel eine große Abweichung der Ist-Trajektorie von der einzuregelnden Soll- Trajektorie, stärkere Regeleingriffe zur Folge hat als kleinere Regelabweichungen. Entsprechend hat zum Beispiel eine Skalierung der Regelabweichung derart, dass sich die Regelabweichung verringert, zur Folge, dass auch die auf der Regelabweichung basierenden Regeleingriffe des Reglers geringer ausfallen, und damit komfortabler sind, als ohne Skalierung. Soll also beispielsweise, wie dies wiederum vom mindestens einen Freibereichs-Wert dem Regler vermittelt werden kann, eine Soll-Trajektorie möglichst genau eingeregelt werden, so können die Reglerparameter sehr hart eingestellt werden und/oder die Regelabweichung bleibt unskaliert. Ist andererseits eine sehr komfortable Regelung, zum Beispiel bedingt durch ein freies Umfeld, möglich, so können die Reglerparameter sehr weich eingestellt werden und/oder die
Regelabweichung wird so durch den Skalierungs-Parameter skaliert, dass diese sich verringert.
Wie eingangs erwähnt, ist es vorteilhaft, wenn der mindestens eine die Regelung beeinflussende Parameter die Art und Weise festlegt, wie die Soll-Trajektorie eingeregelt wird. Stellt dieser Parameter einen Reglerparameter dar, weist die Reglereinrichtung vorzugsweise nicht nur einen sondern mehrere, bis hin zu vielzähligen Reglerparameter auf. Dies erlaubt vorteilhafterweise eine besonders gute und flexible Situationsanpassung.
Insbesondere kann der mindestens eine Reglerparameter, oder im Allgemeinen der mindestens eine die Regelung beeinflussende Parameter, dabei festlegen, wie schnell eine Abweichung einer Ist-Trajektorie des Kraftfahrzeugs von der Soll-Trajektorie ausgeregelt wird. Werden also die Reglerparameter so eingestellt, dass Abweichungen von der Soll-Trajektorie sehr schnell ausgeregelt werden, so führt dies, zumindest im zeitlichen Mittel, zu deutlich höheren Gierrate und Querbeschleunigungen, als bei einer Einstellung der Reglerparameter derart, dass Abweichungen von der Soll-Trajektorie langsamer ausgeregelt werden. Entsprechend kann also durch Einstellung der Reglerparameter vorteilhafterweise bestimmt werden, ob eine sehr schnelle Ausregelung von Abweichungen von der Soll-Trajektorie erfolgen soll, was in kritischen Umfeldsituationen vorteilhaft ist, da dann die Soll-Trajektorie sehr genau eingehalten wird, oder eine langsamere Ausregelung erfolgen kann zugunsten des Komforts, was in unkritischen Umfeldsituationen vorteilhaft ist. Bei einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist die Reglereinrichtung dazu ausgelegt, in Abhängigkeit von der Soll-Trajektorie und in Abhängigkeit von dem übergebenen Freibereichs-Wert einen Stellwert für eine an mindestens einem Aktor einzustellende Stellgröße zu ermitteln und den mindestens einen Aktor zum Einstellen des Stellwerts anzusteuern. So wird bei der Ansteuerung von Aktoren zum Einregeln der Soll-Trajektorie vorteilhafterweise nicht nur die übergebene Soll-Trajektorie berücksichtigt, sondern eben auch der Freibereichs-Wert, der also gewissermaßen angibt, wie genau oder wie schnell, die Soll-Trajektorie er eingeregelt werden muss. Natürlich können bei der Ansteuerung des mindestens einen Aktors bzw. beim Bestimmen der einzustellenden Stellgröße auch weitere Parameter berücksichtigt
werden, wie natürlich auch die aktuelle Abweichung zwischen der Ist-Trajektorie des Kraftfahrzeugs und Soll-Trajektorie.
Diese einzelnen Schritte, das heißt die Bestimmung der Soll-Trajektorie auf Basis der Umfelderfassung, die Ermittlung des Freibereichs-Werts und die Einregelung der Soll- Trajektorie in Abhängigkeit vom übergebenen Freibereichs-Wert, werden dabei fortwährend wiederholt, insbesondere periodisch, durchgeführt. Mit anderen Worten wird also die Berechnung der Soll-Trajektorie sowie auch des Freibereichs-Werts in jeweiligen, aufeinanderfolgenden Zeitschritten wiederholt durchgeführt und aktualisiert sowie auch entsprechend die Einregelung der Soll-Trajektorie und die damit einhergehende Berechnung der einzustellenden Stellwerte in Abhängigkeit vom übergebenen Freibereichs-Wert.
Bei einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist die Auswerteeinrichtung dazu ausgelegt, in Abhängigkeit von dem erfassten zumindest einen Bereich des Umfelds den mindestens einen Freibereichs-Wert als einen aktuellen ersten Freibereichs-Wert zu bestimmen und an die Reglereinrichtung zu übergeben, sowie in Abhängigkeit von dem erfassten zumindest einen Bereich des Umfelds mindestens einen zukünftigen zweiten Freibereichs-Wert zu prognostizieren und an die Reglereinrichtung zu übergeben, wobei die Reglereinrichtung dazu ausgelegt ist, den mindestens einen die Regelung beeinflussenden Parameter in Abhängigkeit von dem übergebenen ersten und zweiten Freibereichs-Wert einzustellen. Somit lässt sich bei der Einregelung der Soll-Trajektorie nicht nur die durch den aktuellen Freibereichs-Wert repräsentierte Umfeldsituation in einer aktuellen Fahrsituation berücksichtigen, sondern auch eine durch den zukünftigen Freibereichs-Wert repräsentierte Umfeldsituation in einer zukünftigen Fahrsituation. Dadurch lassen sich vorteilhafterweise abrupte Änderungen in der Regelstrategie beim Einregeln der Soll-Trajektorie vermeiden, insbesondere im Fall, dass sich die Umfeldsituation abrupt ändert. Beispielsweise kann das Umfeld in einer aktuellen Fahrsituation relativ frei befahrbar sein, da sich in näherer Umgebung des Kraftfahrzeugs keine weiteren Verkehrsteilnehmer befinden, jedoch kann auf Basis der aktuellen Umfelderfassung durch die Umfeldsensoren, die mitunter auch sehr weit vorausliegende Bereiche des Umfelds Kraftfahrzeugs erfassen können, bereits voraussehbar sein, dass sich im weiteren Fahrverlauf viele andere Verkehrsteilnehmer oder eine Baustelle oder Ähnliches befinden, sodass sich also
voraussichtlich die aktuelle Umfeldsituation zukünftig ändern wird. Entsprechend kann auch der Übergang zwischen der sehr komfortablen Einregelung der Soll-Trajektorie in der aktuellen Situation zu einer zukünftigen Regelung, die auf eine sehr strikte Einhaltung der Soll-Trajektorie abzielt, kontinuierlich, harmonisch und damit ebenfalls sehr komfortabel gestaltet werden. Dadurch kann der Komfort zusätzlich erhöht werden.
Wenngleich auch nachfolgend auf aktuelle Fahrsituationen sowie aktuelle Freibereichs- Werte Bezug genommen wird, so gelten diese Ausführungen ganz analog für den beschriebenen zukünftigen Freibereichs-Wert, der in gleicher Weise, lediglich mit Bezug auf einen weiter entfernten Umgebungsbereich, berechnet und optional zur Einstellung der Reglerparameter bzw. des mindestens einen die Regelung beeinflussenden Parameters herangezogen werden kann. Bei einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist die Auswerteeinrichtung dazu ausgelegt, in Abhängigkeit von dem erfassten zumindest einen Bereich des Umfelds eine, insbesondere aktuelle oder zukünftige, Fahrsituation nach zumindest einem Kriterium in Bezug auf seine Kritikalität im Falle einer Abweichung der vom Kraftfahrzeug gefahrenen Trajektorie von der Soll-Trajektorie zu bewerten und in Abhängigkeit von der Bewertung den mindestens einen Freibereichs-Wert festzulegen. So erhält vorteilhafterweise die Reglereinrichtung durch den übergebenen Freibereichs- Wert eine Information über die aktuelle und optional auch die zukünftige Kritikalität der Fahrsituation in Bezug auf das Fahrzeugumfeld. Um die Umfeldsituation und deren Kritikalität nun durch den Freibereichs-Wert zu repräsentieren, gibt es mehrere Möglichkeiten, von einer binären Lösung bis hin zu einer kontinuierlichen Bemessung des Freibereichs-Werts, wie dies nun im Detail näher erläutert wird. Dabei ist gemäß einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung die Auswerteeinrichtung dazu ausgelegt, die Fahrsituation als kritisch oder als unkritisch zu bewerten und in Abhängigkeit von der Bewertung den Freibereichs-Wert aus nur zwei vorbestimmten voneinander verschiedenen Werten zu bestimmen, sodass in einer als unkritisch bewerteten Fahrsituation der Freibereichs-Wert einen ersten Wert der beiden
Werte annimmt und der Freibereichs-Wert in einer als kritisch bewerteten Fahrsituation einen zweiten der beiden Werte annimmt. Diese Werte können beliebig gewählt sein, da ihre numerische Größe an sich keine Bedeutung hat, sie dienen lediglich dazu, der Reglereinrichtung mitzuteilen, welche von den zwei Fahrsituationen, kritisch oder unkritisch, aktuell, und gegebenenfalls auch zukünftig, vorliegt. Diese beiden Werte können zum Beispiel 0 und 1 darstellen. Wird die aktuelle Fahrsituation als unkritisch bewertet, so kann zum Bespiel als Freibereichs-Wert der Reglereinrichtung „0" übermittelt werden, und wird die aktuelle Fahrsituation als kritisch beurteilt, so kann entsprechend der Reglereinrichtung als Freibereichs-Wert „1 " übermittelt werden. Entsprechen können dann auch zwei korrespondierende Einstellungen für den mindestens einen die Regelung beeinflussenden Parameter vorgegeben sein, sodass eine erste Einstellung für den kritischen Fall und die andere Einstellung für den unkritischen Fall gewählt wird. Dies stellt eine besonders einfache Ausgestaltung der Erfindung dar.
Bei einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist die Auswerteeinrichtung dazu ausgelegt, die den Freibereichs-Wert als einen von vielzähligen verschiedenen Werten aus einem vorbestimmten Werteintervall mit einer ersten und einer zweiten Intervallgrenze zu bestimmen, wobei die Auswerteeinrichtung dazu eingerichtet ist, den Freibereichs-Wert derart festzulegen, dass der Freibereichs-Wert umso näher an der ersten Intervallgrenze gewählt wird, je unkritischer die Fahrsituation gemäß dem mindestens einen Kriterium bewertet wurde. Beispielsweise kann hierbei ein abgeschlossenes Intervall mit quasi kontinuierlich aufeinanderfolgenden Werten vorgegeben sein, aus welchem der Freibereichs-Wert gewählt werden kann. Hierdurch lassen sich beliebig feine Abstufungen für die Repräsentation der Kritikalität durch den Freibereichs-Wert realisieren. Zum Beispiel kann das vorgegebene Intervall von 0 bis 1 festgelegt sein. Der Freibereichs-Wert kann dann zum Bespiel die Werte 0,0 oder 0,1 oder 0,2, usw. bis 1 ,0 annehmen, oder auch 0,00 oder 0,01 oder 0,02, usw. bis 1 ,00. Der Freibereichswert kann analog auch drei, vier, usw., Nachkommastellen haben. Entsprechend fein und differenziert können auch die Abstufungen bzw. Einstellmöglichkeiten für die die Regelung beeinflussenden Parameter sein. Die Möglichkeit, den Freibereichs-Wert quasi kontinuierlich in einem vorbestimmten Intervall in Abhängigkeit von der Umfeldsituation zu wählen, ist dabei besonders
vorteilhaft, da sich durch einen kontinuierlichen Wert einen besonders ruckfreies und kontinuierliches Anpassen der Regelung bereitstellen lässt.
Bei einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist die Auswerteeinrichtung dazu ausgelegt, die Kritikalität in Abhängigkeit von mindestens einem der folgenden Umfeldparameter, der auf Basis des erfassten zumindest einen Bereichs des Umfelds ermittelt wird, zu ermitteln: Ein Vorhandensein zumindest eines vorbestimmten Objekts in einer Umgebung des Kraftfahrzeugs und/oder einer Entfernung zu zumindest einem vorbestimmten Objekt in der Umgebung des Kraftfahrzeugs und/oder einer Anzahl an in der Umgebung des Kraftfahrzeugs vorhandenen vorbestimmten Objekten und/oder einer Art eines in der Umgebung des Kraftfahrzeugs erfassten Objekts.
Zum Beispiel kann erfasst werden, ob ein vorbestimmtes Objekt in einer Umgebung des Kraftfahrzeugs vorhanden ist. Hierzu kann beispielsweise auf Basis der Umfelderfassung überprüft werden, ob sich andere Verkehrsteilnehmer, wie andere Kraftfahrzeuge, in der Umgebung des Kraftfahrzeugs befinden oder nicht. Ist dies nicht der Fall, kann die Situation als unkritischer bewertet werden, als für den Fall, dass sich einer oder mehrere andere Verkehrsteilnehmer in der Umgebung des Kraftfahrzeugs befinden. Ein weiteres Kriterium zur Bewertung der Kritikalität kann vorteilhafterweise auch die Entfernung dieser vorbestimmten Objekte zum Kraftfahrzeug oder zur geplanten Trajektorie darstellen. Je weiter also beispielsweise erkannte Objekte entfernt sind, desto unkritischer wird die Situation bewertet. Bei solchen Objekten kann es sich zum Beispiel wieder um andere Verkehrsteilnehmer handeln oder auch um Fahrbahnbegrenzungen und/oder Fahrspurmarkierungen. Auch kann die Anzahl in der Umgebung des Kraftfahrzeugs vorhandenen vorbestimmten Objekten in die Bewertung der Kritikalität mit eingehen. Je mehr andere Objekte, insbesondere andere Verkehrsteilnehmer, sich in der Umgebung des Kraftfahrzeugs befinden, desto kritischer kann die Situation bewertet werden. Bei der Bewertung der Kritikalität einer Fahrsituation kann zudem auch die Art eines erfassten Objekts berücksichtigt werden, da von manchen Objekten mehr oder weniger Gefahr ausgeht oder für manche Objekte mehr oder weniger Vorsicht geboten ist. Beispielsweise ist bei in der Umgebung des Kraftfahrzeugs vorhandenen Fußgängern ein besonders hohes Maß an Vorsicht geboten, weshalb in einem solchen Fall die
Fahrsituation als kritischer bewertet werden kann, als bei nicht relevanten Objekten, wie zum Beispiel einer Plastiktüte auf der Fahrspur. Die Kritikalität kann noch in Abhängigkeit unzähliger weitere Umgebungsparameter bewertet werden. Auch können weitere nicht auf einer Umfelderfassung basierende Parameter in die Bewertung der Kritikalität eingehen, wie zum Beispiel die Kraftfahrzeuggeschwindigkeit.
Auch können vorteilhafterweise mehrere oder alle der oben genannten Parameter als das wenigstens eine Kriterium herangezogen werden, gemäß welchem die Kritikalität der Fahrsituation beurteilt wird, in Abhängigkeit von welcher wiederum der Freibereichs-Wert bestimmt wird. Beispielsweise kann die Gesamtkritikalität der aktuellen Situation als gewichtete Summe der Bewertung gemäß mehrerer oder aller oben genannten Einzelkriterien erfolgen. Für die Ermittlung eines zukünftigen Freibereichs-Werts kann die Kritikalität für eine zukünftige Fahrsituation ganz analog ermittelt werden, insbesondere in Abhängigkeit oben genannter Parameter, jedoch dann entsprechend mit Bezug auf einen weiter vom Kraftfahrzeug entfernten Umgebungsbereich, zum Beispiel mit Bezug auf die aktuelle Fahrtrichtung oder in Bezug auf die aktuell geplante Soll-Trajektorie.
Des Weiteren betrifft die Erfindung auch ein Kraftfahrzeug mit einem erfindungsgemäßen Fahrerassistenzsystem oder eines seiner Ausgestaltungen. Damit gelten die für das erfindungsgemäße Fahrerassistenzsystem und seine Ausgestaltungen genannten Vorteile in gleicher Weise für das erfindungsgemäße Kraftfahrzeug. Darüber hinaus betrifft die Erfindung auch ein Verfahren zum Regeln einer Fahrdynamik eines zumindest teilweise automatisch fahrenden Kraftfahrzeugs, wobei zumindest ein Bereich eines Umfelds des Kraftfahrzeugs erfasst wird, in Abhängigkeit von dem erfassten zumindest einen Bereich des Umfelds eine vom Kraftfahrzeug zu befahrende Soll-Trajektorie bestimmt wird und die bestimmte Soll-Trajektorie von einer Reglereinrichtung eingeregelt wird. Dabei wird in Abhängigkeit von dem erfassten zumindest einen Bereich des Umfelds mindestens einen Freibereichs-Wert bestimmt und der Reglereinrichtung übergeben, wobei weiterhin mindestens ein die Regelung beeinflussenden Parameter der Reglereinrichtung in Abhängigkeit von dem übergebenen Freibereichs-Wert eingestellt wird und die Reglereinrichtung die Soll-
Trajektorie gemäß dem eingestellten mindestens einen die Regelung beeinflussenden Parameter einregelt.
Zu der Erfindung gehören auch Weiterbildungen des erfindungsgemäßen Verfahrens, die Merkmale aufweisen, wie sie bereits im Zusammenhang mit den Weiterbildungen des erfindungsgemäßen Fahrerassistenzsystems beschrieben worden sind. Aus diesem Grund sind die entsprechenden Weiterbildungen des erfindungsgemäßen Verfahrens hier nicht noch einmal beschrieben. Im Folgenden ist ein Ausführungsbeispiel der Erfindung beschrieben. Hierzu zeigt:
Fig.1 eine schematische Darstellung eines Kraftfahrzeugs mit einem
Fahrerassistenzsystem gemäß einem Ausführungsbeispiel der Erfindung; und
Fig.2 eine schematische Darstellung eines Lateral- Reglers eines
Fahrerassistenzsystems gemäß einem Ausführungsbeispiel der Erfindung.
Bei dem im Folgenden erläuterten Ausführungsbeispiel handelt es sich um eine bevorzugte Ausführungsform der Erfindung. Bei dem Ausführungsbeispiel stellen die beschriebenen Komponenten der Ausführungsform jeweils einzelne, unabhängig voneinander zu betrachtende Merkmale der Erfindung dar, welche die Erfindung jeweils auch unabhängig voneinander weiterbilden und damit auch einzeln oder in einer anderen als der gezeigten Kombination als Bestandteil der Erfindung anzusehen sind. Des Weiteren ist die beschriebene Ausführungsform auch durch weitere der bereits beschriebenen Merkmale der Erfindung ergänzbar.
In den Figuren sind funktionsgleiche Elemente jeweils mit denselben Bezugszeichen versehen.
Fig. 1 zeigt eine schematische Darstellung eines zumindest zum Teil automatisch fahrenden Kraftfahrzeugs 10 mit einem Fahrerassistenzsystem 1 1 mit einer Fahrdynamikregelsystem 12 gemäß einem Ausführungsbeispiel der Erfindung. Das Fahrerassistenzsystem 1 1 weist dabei Umfelderfassungsmittel, insbesondere
Umfeldsensoren 13 auf, wie beispielsweise Kameras, Laserscanner, Radarsensoren, Ultraschallsensoren, oder ähnliches. Diese sind dazu ausgelegt, das Umfeld U des Kraftfahrzeugs 10 zumindest zum Teil zu erfassen und die erfassten Umfelddaten an eine Auswerteeinrichtung 14, insbesondere einem Umfeldmodellierungssystem bzw. Umfeld-Modul 15 der Auswerteeinrichtung 14 zuzuführen. Auf Basis dieser Umfelddaten wird vom Umfeld-Modul 15 ein Umfeldmodell erstellt. Ein solches Umfeldmodell kann zum Beispiel die Informationen darüber enthalten, wo in der Umgebung des Kraftfahrzeugs 10 andere Objekte, wie beispielsweise weitere Verkehrsteilnehmer, Randbebauungen, Fahrspurmarkierungen, oder Ähnliches angeordnet sind, und welche Bereiche vom Kraftfahrzeug 10 entsprechend frei zu befahren sind. Diese Umfeldinformation wird dann entsprechend vom Umfeld-Modul 15 einer Bahnplanungseinrichtung 16 der Auswerteeinrichtung 14 zugeführt. Die Bahnplanungseinrichtung 16 berechnet dann entsprechend auf Basis der übermittelten Umfelddaten, sowie zusätzlich auf Basis von Kartendaten einer zum Beispiel von einem Navigationssystem des Kraftfahrzeugs 10 bereitgestellten Karte 17 eine Soll-Trajektorie T, welche an eine Reglereinrichtung 18 des Fahrdynamikregelsystems 12 übergeben wird. Diese Reglereinrichtung 18 berechnet dann in Abhängigkeit von der übermittelten Soll-Trajektorie T entsprechende Stellgrößen 19a, 19b, 19n für verschiedene Aktoren 20 des Kraftfahrzeugs 10, wie beispielsweise einen Lenkwinkel, eine Brems- oder Beschleunigungsvorgabe, oder ähnliches. Zu den Aktoren 20 zählen dann entsprechend eine Lenkung des Kraftfahrzeugs 10 sowie eine Brems- und Beschleunigungseinrichtung. Zum Einregeln der Soll-Trajektorie T können aber auch diverse weitere Aktoren 20 angesteuert werden, wie zum Beispiel ein Vorderachs- oder Hinterachsdifferenzial, eine Wankausgleichseinrichtung, oder ähnliches.
Weiterhin werden auch fortlaufend Bewegungsparameter 21 des Kraftfahrzeugs erfasst, wie zum Beispiel die aktuelle Position des Kraftfahrzeugs 10, die aktuelle Geschwindigkeit, die aktuelle Beschleunigung, höhere Ableitungen der aktuellen Beschleunigung, insbesondere auch in radialer Richtung, wie zum Beispiel eine Radialbeschleunigung, Rotationen, usw. Diese erfassten Bewegungsparameter 21 können wiederum der Regeleinrichtung 18 zugeführt werden, sowie optional auch dem Umfeld-Modul 15 und/oder der Bahnplanungseinrichtung 16. Aus diesem erfassten Bewegungsparametern 21 des Kraftfahrzeugs 10 kann wiederum die aktuelle Abweichung der Ist-Trajektorie des Kraftfahrzeugs 10 von der Soll-Trajektorie T
berechnet werden und entsprechende Korrekturen durch die Reglereinrichtung 18 vorgenommen werden.
Weiterhin umfasst die Reglereinrichtung 18 mehrere Reglerparameter R1 , R2, Rn, die eine wesentliche Auswirkungen darauf haben, wie dynamisch die von der Bahnplanungseinrichtung 1 6 zur Verfügung gestellte Soll-Trajektorie T eingeregelt wird. Sind diese Reglerparameter R1 , R2, Rn im systemdynamischen Sinne sehr hart eingestellt, wird die Soll-Trajektorie T sehr genau eingeregelt und es erfolgen schon bei kleinen Abweichungen von der Soll-Trajektorie T starke Fahrzeugreaktionen, die in hohen Giraten und Querbeschleunigungen zum Ausdruck kommen. Sind diese Reglerparameter R1 , R2, Rn dagegen sehr weich eingestellt, sind die Auswirkungen bei Abweichungen von der Soll-Trajektorie T geringer und der Komfort erhöht sich.
Bei üblichen Fahrdynamikregelsystem besteht jedoch das Problem, dass die Reglerparameter R1 festgelegt sind und die Reglereinrichtung nicht mit der Umfeldwahrnehmung kommuniziert und damit lediglich die von der Bahnplanung zur Verfügung gestellte Trajektorie berücksichtigen kann. Um sicherheitskritische Situationen zu vermeiden, die aus Abweichungen der tatsächlichen Trajektorie von der vorgegebenen Soll-Trajektorie entstehen können, werden die Reglerparameter üblicherweise sehr hart gewählt, was jedoch den Fahrkomfort stark mindert.
Bekommt der Fahrdynamikregler 18, wie dies gemäß diesem Ausführungsbeispiel der Erfindung vorgesehen ist, nun jedoch direkt Informationen vom Umfeldmodell bzw. vom Umfeld-Modul 15 über die Natur der aktuellen Umgebungssituation, können die Reglerparameter R1 , R2, Rn vorteilhafterweise situativ angepasst werden. Dies kann wie folgt über einen entsprechenden Freibereichs-Wert W beschrieben werden, der die von der Umfeldwahrnehmung bzw. vom Umfeld-Modul 15 geforderte Genauigkeit zur Einregelung der Trajektorie T beschreibt. Befindet sich das Kraftfahrzeug 10 in einer unkritischen Situation, die zum Beispiel dadurch beschrieben wird, dass sich das Kraftfahrzeug 10 weit entfernt von Fahrbahngrenzen befindet und sich keinen weiteren Objekte in der Nähe der geplanten Trajektorie T befinden, kann dies vom Umfeld-Modul 15 der Regeleinrichtung 18 durch einen, zum Beispiel geringen, Freibereichs-Wert W mitgeteilt werden und die
Reglerparameter R1 , R2, Rn können durch die Regeleinrichtung 18 entsprechend so gewählt werden, dass die Reaktionen auf eine Abweichung von der Trajektorie T zugunsten des Komforts geringer ausfallen. Befindet sich das Kraftfahrzeug 10 in der Nähe eines Fahrbahnrandes oder sind Objekte in unmittelbarer Nähe, teilt das Umfeld-Modul 15 dies der Regeleinrichtung 18 entsprechend über einen, zum Beispiel höheren, Freibereichs-Wert W mit und die Reglerparameter R1 , R2, Rn werden entsprechend diesem Freibereichs-Wert W so gewählt, dass die Trajektorie T sicher und genau eingeregelt wird.
So lässt sich auf besonders vorteilhafte und einfache Weise ein Informationsaustausch zwischen dem Umfeld-Modul 15 und der Fahrdynamikregeleinrichtung 18 bereitstellen und damit einhergehend eine situative Anpassungsmöglichkeit des Parameter-Sets der Regeleinrichtung 18.
Vorzugsweise erhält die Reglereinrichtung 18 dabei vom Umfeld-Modul 15 einen kontinuierlichen Wert als Freibereichs-Wert W in festen Grenzen, woraus die Reglereinrichtung 18 letztendlich ableiten kann, ob eine kritische Situation vorliegt, oder das Umfeld des Fahrzeugs 10 frei ist und alle Übergänge dazwischen.
Bei einem Fahrdynamikregler 18, der beispielsweise basierend auf einer Fehlerdynamik arbeitet, die modellbasiert die Bewegung des Kraftfahrzeugs im Fehlerraum beschreibt, insbesondere durch die Bewegung beschreibende Differenzialgleichungen, deren Eigenwerte letztendlich effektiv beschreiben, wie schnell Fehler ausgeregelt werden, können entsprechend dem übermittelten Freibereichs-Wert W die üblicherweise zur Auslegung herangezogenen Eigenwerte der Fehlerdynamik angepasst werden. In kritischen Situationen kann zum Beispiel eine stark negative Eigenwertkonfiguration gewählt werden, die die Grenzen der Aktorik voll ausnutzen kann. In unkritischen Situationen werden die Eigenwerte in Richtung Null geschoben.
Alternativ zu einem kontinuierlichen Freibereichs-Wert W kann dieser auch lediglich zwei verschiedene Werte, einen für kritische Situationen und einen für unkritische Situationen annehmen. Dies stellt eine besonders einfache Variante dar, während ein
kontinuierlicher Freibereichs-Wert W vorteilhafterweise ein ruckfreies und kontinuierliches Anpassen der Reglereinrichtung 18 ermöglicht.
In gleicher Weise besteht aber nicht nur die Möglichkeit zur Anpassung der Reglerparameter R1 , R2, Rn sondern alternativ oder zusätzlich auch die Möglichkeit zur Skalierung des Regelfehlers bzw. der Regelabeichung.
Fig. 2 zeigt eine schematische Darstellung eines Teils der Reglereinrichtung 18 aus Fig. 1 , insbesondere einen lateralen Regler 18a, welcher für die Regelung eines Lenkwinkels α als Stellgröße 19a, 19b, 19n verantwortlich ist. Dieser laterale Regler 18a kann wiederum zwei Module umfassen, nämlich ein erstes Modul 22, sowie ein zweites Modul 23. Das zweite Modul 23 kann beispielsweise als Feedforward Controller ausgebildet sein, welches in Abhängigkeit von der diesem zweiten Modul 23 zugeführten Soll-Trajektorie T einen entsprechenden ersten Lenkwinkel cd bereitstellt. Das erste Modul 22 kann als adaptives Tracking-Modul ausgebildet seien, welches in Abhängigkeit von der erfassten Abweichung Δ zwischen Ist und Soll basierend auf den erfassten Bewegungsparametern 21 einen entsprechenden Korrekturlenkwinkel a2 bereitstellt, der zusammen mit dem vom zweiten Modul 23 bereitgestellten Lenkwinkel cd letztendlich als Gesamtlenkwinkel α den Stellwert für die Lenkung liefert.
Wie schnell dabei Abweichungen Δ zwischen Ist und Soll ausgeregelt werden, wird wiederum durch die Reglerparameter R1 , R2, Rn, hier speziell für das adaptive Tracking-Modul 22 für die laterale Regelung, bestimmt. Diese Reglerparameter R1 , R2, Rn können nun wieder vorteilhafterweise in Abhängigkeit von dem wie zu Fig. 1 beschrieben ermittelten Freibereichs-Wert W angepasst werden. Alternativ oder zusätzlich können aber auch die Abweichungen Δ selbst durch einen in Abhängigkeit von dem Freibereichs-Wert W eingestellten Skalierungs-Parameter skalieren. Auch hierdurch lässt sich die Regelstrategie und dadurch die Fahrdynamik situationsangepasst verändern.
So kann entsprechend auch für jedes weitere Reglermodul der Reglereinrichtung 18, zum Beispiel für Brems- und Beschleunigungsvorgänge verfahren werden.
Eine Alternative zur hier beschriebenen Zwei-Freiheitsgrade-Struktur der Regelung mit Vorsteuerung und Folgeregelung kann beispielsweise auch eine kaskadierte Regelung bzw. Kaskadenregelung darstellen, die durch eine entsprechende Ausbildung der Reglereinrichtung 18 umgesetzt sein kann.
Insgesamt zeigt das Beispiel, wie durch die Erfindung ein Informationsaustausch zwischen Umfeld und Reglereinrichtung ermöglicht wird, und somit eine optimale situative Anpassung, was den Komfort beim automatischen Fahren steigert und gleichzeitig die Sicherheit erhöht.
Bezugszeichenliste
10 Kraftfahrzeug
1 1 Fah rerassi sten zsystem
12 Fah rdynam i kregel System
13 Umfeldsensoren
14 Auswerteeinrichtung
15 Umfeld-Modul
16 Bahnplanungseinrichtung
17 Karte
18 Reglereinrichtung
18a lateraler Regler
19a, 19b, 19n Stellgröße
20 Aktoren
21 Bewegungsparameter
22 erstes Modul
23 zweites Modul α Gesamtlenkwinkel α1 erster Lenkwinkel α2 Korrekturlenkwinkel
Δ Abweichung
R1 , R2, Rn Reglerparameter
Τ Soll-Trajektorie u Umfeld
w Freibereichs-Wert
BEZUGSZEICHENLISTE
10 Kraftfahrzeug
1 1 Fah rerassi sten zsystem
12 Fahrdynamikregelsystem
13 Umfeldsensoren
14 Auswerteeinrichtung
15 Umfeld-Modul
1 6 Bahnplanungseinrichtung
17 Karte
18 Reglereinrichtung
18a lateraler Regler
19a, 19b, 19n Stellgröße
20 Aktoren
21 Bewegungsparameter
22 erstes Modul
23 zweites Modul α Gesamtlenkwinkel α1 erster Lenkwinkel α2 Korrekturlenkwinkel
Δ Abweichung
R1 , R2, Rn Reglerparameter
T Soll-Trajektorie
U Umfeld
W Freibereichs-Wert