Verfahren zur Verarbeitung eines von Schwefelkomponenten zu reinigenden kohlendioxidreichen Gases
[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Verarbeitung eines von Schwefelkomponenten zu reinigenden technischen, kohlendioxidreichen Gases, in dem ein von Schwefelkomponenten zu reinigendes technisches Gas durch eine Gaswäsche gereinigt wird, und das beladene Lösungsmittel durch eine Regeneration von Kohlendioxid und Schwefelwasserstoff befreit wird, wobei mindestens eine Sauergasfraktion erhalten wird, die einen höheren Gehalt an Schwefelkomponenten besitzt, und die Fraktion mit dem höchsten Schwefelwasserstoff-(H2S)-Gehalt einer Claus-Anlage mit anschließender Claus-Prozessgashydrierung zugeführt wird, und mindestens eine kohlendioxidbeladene, schwefelwasserstoffarme Sauergasfraktion aus der Regenerationseinrichtung, die gegenüber der Fraktion mit dem höchsten Schwefelwasserstoff-(H2S)-Gehalt einen verringerten Schwefelgehalt besitzt, mit dem hydrierten Claus-Prozessgas zu einem gemeinsamen Prozessgasstrom zusammengeführt wird, der einer Weiterverarbeitung oder einer Zurückführung in den Prozess zugeführt wird.
[0002] Viele technische Gase, wie beispielsweise Erdgas, Synthesegas, Raffineriegase oder Kokereigase müssen vor der Verwendung von darin enthaltenen Sauergasen befreit werden, weil diese Stoffe in der weiteren Verarbeitung stören. Typische Sauergase, die bei der Weiterverarbeitung stören und deswegen aus den erwünschten Gasen abgetrennt werden müssen, sind Schwefelwasserstoff (H2S), Carbonylsulfid (COS), organische Schwefelverbindungen, Ammoniak (NH3) oder Blausäure (HCN). Diese Gase wirken korrosiv und giftig. Ein Weg, diese aus den erwünschten Gasen zu entfernen, ist eine Gaswäsche mit physikalisch absorbierenden Lösungsmitteln. Geeignete sauergasabsorbierende Lösungsmittel sind beispielsweise Propylencarbonat, N-Methylpyrrolidon, alkylierte Polyethylenglykolether und Methanol. Es lassen sich auch chemisch absorbierende Lösungsmittel einsetzen, jedoch besitzen diese nur eine geringe Aufnahmekapazität für organische Schwefelverbindungen. Beispiele für chemisch absorbierende Lösungsmittel sind Ethanolamine oder Alkalisalzlösungen.
[0003] Zur Rückgewinnung der in den Sauergasen enthaltenen Schwefelverbindungen werden die aus der Regenerationseinrichtung des Gaswaschprozesses stammenden Sauergase in der Regel einer Claus-Anlage zugeführt, in der ein Teilstrom des abgetrennten Schwefelwasserstoffes zu
Schwefeldioxid verbrannt wird und dieses anschließend entsprechend der Claus- Reaktion mit dem Reststrom an Schwefelwasserstoff zu Schwefel umgewandelt wird. Der Schwefel kann auf verschiedenste Art weiterverwendet werden.
[0004] Die zu reinigenden technischen Gase enthalten häufig neben den Schwefelkomponenten, wie Schwefelwasserstoff (H2S), Kohlenoxidsulfid (COS), Merkaptane auch höhere Anteile an Kohlendioxid (C02). Hohe Anteile an Kohlendioxid ergeben sich beispielsweise bei Synthesegasprozessen, bei der das in der Synthesegaserzeugung gebildete Kohlenmonoxid durch eine CO-Konvertierung in Kohlendioxid umgewandelt wird, so dass diese technischen Gase häufig größere Mengen an Kohlendioxid enthalten. Der Anteil des Kohlendioxids kann dabei bis zu 50 Volumenprozent (Vol.-%) im konvertierten Synthesegas betragen. Dagegen kann andererseits der Gehalt an Schwefelkomponenten im konvertierten Synthesegas je nach dem Einsatzstoff zur Synthesegaserzeugung sehr niedrig sein, wobei Anteile unter 0.1 Vol.-% möglich sind.
[0005] Im Stand der Technik gibt es Verfahren, die eine Trennung des Kohlendioxids von den schwefelhaltigen Sauergasen ermöglichen. Die DE 10332427 A1 lehrt ein Verfahren zur Entfernung von Schwefelwasserstoff und weiteren Sauergaskomponenten aus unter Druck befindlichen, technischen Gasen mittels eines physikalischen Waschmittels sowie die Gewinnung von Schwefel aus Schwefelwasserstoff unter Einsatz einer Claus-Anlage. Die zu reinigenden technischen Gase werden in dem Prozess durch eine Gaswäsche mit geeigneten absorbierenden Lösungsmitteln von den darin enthaltenen Sauergasen befreit und das beladene Absorptionsmittel einer Regeneration zugeführt. Die Gaswäsche wird mehrstufig ausgeführt, wobei die einzelnen Regenerationsstufen sowohl untereinander verschiedene Druckstufen als auch gegenüber der Absorption einen geringeren Druck aufweisen, so dass man ein an Schwefelkomponenten angereichertes Sauergas erhält. Man erhält verschiedene Fraktionen an Sauergas, die sich auch im Gehalt an Sauergas und der Art der Sauergase unterscheiden können.
[0006] Bei vielen Claus-Anlagen wird hinter dem eigentlichen Claus-Prozess eine Hydrierung durchgeführt, durch den das in dem Prozess vorhandene Schwefeldioxid hydriert und in Schwefelwasserstoff umgewandelt wird. Diese Hydrierung ist in der Regel ein notwendiger Prozessschritt, um das Claus-Prozessgas für die sogenannte Claus-Prozessgasbehandlung vorzubereiten.
[0007] Bei einer Gaswäsche, ob physikalisch oder chemisch, lässt es sich nicht vermeiden, dass neben den Schwefelkomponenten, die aus dem Synthesegas entfernt werden müssen, auch ein signifikanter Anteil des im zu reinigenden Gas befindlichen Kohlendioxids mit aus dem Einsatzgas ausgewaschen wird, so dass die in der Regenerationseinrichtung der Gaswäsche wieder freigesetzten Sauergase häufig zu einem großen Teil aus Kohlendioxid bestehen. Dieses stört bei der Weiterverarbeitung des Sauergases in einer Clausanlage, weil die brennbaren Sauergase wegen der Verdünnung mit dem inerten Kohlendioxid nur einen geringen Heizwert besitzen und dadurch nicht oder nur sehr schwer die für einen stabilen Claus-Ofenbetrieb notwendige hohe Temperatur von mindestens 850 - 900°C erzielt werden kann.
[0008] Aus diesem Grund ist es häufig nicht möglich, die Sauergasfraktion mit einem reduzierten Gehalt an Schwefelwasserstoff ohne weiteren Zusatz in den Claus- Brenner der Claus-Anlage zuzuführen.
[0009] Dies ist beispielsweise dann unerwünscht, wenn die Sauergasfraktionen, die gegenüber der Fraktion mit dem höchsten Schwefelwasserstoff-(H2S)-Gehalt einen verringerten Schwefelgehalt besitzen, einen außergewöhnlich hohen Kohlendioxidgehalt aufweisen. Ein Zusatz dieser Fraktion in den Claus-Reaktor oder den Claus-Reaktionsraum kann bewirken, dass durch den verringerten Schwefelwasserstoffgehalt eine weitere Reaktion des Schwefeldioxids mit dem restlichen Schwefelwasserstoff erschwert oder verhindert wird.
[0010] Es besteht deshalb die Aufgabe, ein Verfahren zur Verfügung zu stellen, das möglichst wenig von dem absorbierten Kohlendioxid dem Claus-Prozess zuführt, da dies zu einer Entlastung der gesamten Claus-Anlage und dementsprechend zu geringeren Investitionskosten führt. [0011] Die Erfindung löst diese Aufgabe durch ein Verfahren, in dem zum einen nur die schwefelwasserstoffreiche Sauergasfraktion in eine Claus-Anlage geführt wird und die noch in dem die Claus-Anlage verlassenden Claus-Restgas enthaltenen Schwefelverbindungen durch eine nachfolgende Hydrierung nahezu vollständig zu Schwefelwasserstoff (H2S) hydriert werden, so dass ein hydriertes Claus-Restgas erhalten wird, und zum Anderen mindestens eine der kohlendioxidreichen, schwefelwasserstoffarmen Sauergasfraktionen aus der Regenerationseinrichtung, die gegenüber der Fraktion mit dem höchsten Schwefelwasserstoff-(H2S)-Gehalt einen verringerten Schwefelgehalt besitzen, mit dem hydrierten Claus-Prozessgas zu einem
gemeinsamen Prozessgasstrom zusammengeführt wird, der einer Weiterverarbeitung oder einer Zurückführung in den Prozess zugeführt wird.
[0012] Die Weiterverarbeitung der zusammengeführten Fraktionen kann dabei beliebig sein.
[0013] Beansprucht wird insbesondere ein Verfahren zur Verteilung eines kohlendioxidreichen Sauergases in einem Claus-Prozess, wobei
(a) ein von Schwefelkomponenten zu reinigendes technisches Gas, welches mindestens Schwefelwasserstoff und Kohlendioxid als Sauergaskomponenten enthält, zunächst durch eine Gaswäsche mit einem sauergasabsorbierenden Lösungsmittel, welches Schwefelkomponenten stärker absorbiert als Kohlendioxid, geleitet wird, und
(b) das beladene Lösungsmittel zur Regeneration in eine Regenerationseinrichtung geführt wird, und
(c) das bei der Regeneration freiwerdende Sauergas, bestehend Schwefelkomponenten und Kohlendioxid (C02), in mindestens zwei Sauergasfraktionen aufgetrennt wird, und mindestens eine Sauergasfraktion mit einem höheren Gehalt an Schwefelkomponenten gewonnen wird, und
(d) die Fraktion mit dem höchsten Schwefelwasserstoff-(H2S)-Gehalt einer Claus-Anlage zugeführt wird, in der der größte Teil des enthaltenen Schwefelwasserstoffes (H2S) zu Schwefel (S) umgesetzt wird, und
(e) die noch in dem die Claus-Anlage verlassenden Claus-Prozessgas enthaltenen Schwefelverbindungen durch eine nachfolgende Hydrierung nahezu vollständig zu Schwefelwasserstoff (H2S) hydriert werden, so dass ein hydriertes Claus-Prozessgas erhalten wird, und
(f) mindestens eine kohlendioxidbeladene, schwefelwasserstoffarme Sauergasfraktion aus der Regenerationseinrichtung, die gegenüber der Fraktion mit dem höchsten Schwefelwasserstoff-(H2S)-Gehalt einen verringerten Schwefelgehalt besitzt, mit dem hydrierten Claus-Prozessgas zu einem gemeinsamen Prozessgasstrom zusammengeführt wird, der einer Weiterverarbeitung oder einer Zurückführung in den Prozess zugeführt wird.
[0014] Die Zahl der kohlendioxidbeladenen, schwefelwasserstoffarmen Fraktionen aus der Regenerationseinrichtung, die gegenüber der Fraktion mit dem höchsten Schwefelwasserstoff-(H2S)-Gehalt einen verringerten Schwefelgehalt besitzen, kann prinzipiell beliebig sein. Prinzipiell können alle kohlendioxidbeladenen, schwefelwasserstoffarmen Fraktionen aus der Regenerationseinrichtung, die gegenüber der Fraktion mit dem höchsten Schwefelwasserstoff-(H2S)-Gehalt einen verringerten Schwefelgehalt besitzen, dem hydrierten Claus-Prozessgas zugeführt werden. Erfindungsgemäß muß mindestens eine Sauergasfraktion aus der Regenerationseinrichtung, die gegenüber der Fraktion mit dem höchsten Schwefelwasserstoff-(H2S)-Gehalt einen verringerten Schwefelgehalt besitzt, mit dem hydrierten Claus-Prozessgas zu einem gemeinsamen Prozessgastrom zusammengeführt werden, der einer Weiterverarbeitung oder einer Zurückführung in den Prozess zugeführt wird.
[0015] In einer bevorzugten Ausführungsform erfolgt die Auftrennung in mindestens zwei Sauergasfraktionen dadurch, dass das mit Sauergasen beladene Lösungsmittel aus der Gaswäsche vor der Zuführung in eine Regenerationskolonne zunächst zur Kohlendioxidabreicherung in mindestens eine Austriebsstufe geführt wird, bei der eine kohlendioxidreiche Sauergasfraktion und ein mit den restlichen Sauergasen beladenes Lösungsmittel erhalten werden, wobei in der Regenerationskolonne eine weitere an Kohlendioxid abgereicherte und an Schwefelkomponenten angereicherte Sauergasfraktion erhalten wird, welche zur Verbrennung mit einem sauerstoffhaltigen Gas in den Claus-Brenner geführt wird.
[0016] Die Abreicherung des beladenen Lösungsmittels an Kohlendioxid wird bevorzugt in zwei bis vier Austriebsstufen, die der Regenerationskolonne in Strömungsrichtung vorgeschaltet sind, vorgenommen. Es kann jedoch eine beliebige Anzahl an Austriebsstufen verwendet werden. Der Prozess zur Absorption, der Entspannung in der Austriebsstufe, und der Regeneration kann beliebig sein und ist im Stand der Technik bekannt. Die Menge an Schwefelkomponenten in dem an Schwefelkomponenten angereicherten Teilstrom, der dem Brenner des Claus-Reaktors zugeführt wird, beträgt typischerweise 20 bis 40 Prozent des gesamten Schwefels, der aus dem Einsatzgas entfernt wurde.
[0017] In einer Ausführungsform der Erfindung wird der aus dem Claus-Restgas und dem kohlendioxidbeladenen, schwefelwasserstoffarmen Sauergas zusammengeführte Restgastrom mittels eines Kompressors für die Gasrückführung in die im Hauptgasstrom befindliche Absorptionskolonne zurückgeführt. Dadurch wird das
Kohlendioxid in die erste Absorptionskolonne zurückgeführt und letztlich mit dem Produktgas aus dem Prozess ausgeführt.
[0018] In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung wird der noch im zusammengeführten Prozessgastrom befindliche Schwefelwasserstoff (H2S) in mindestens eine weitere Gaswäsche mit einer Absorptionskolonne geführt, so dass man ein nahezu schwefelfreies Claus-Restgas erhält.
[0019] Das für die Absorption verwendete Lösungsmittel ist in mindestens einer Sauergaswäsche bevorzugt ein physikalisches wirkendes Lösungsmittel mit einer hohen Selektivität für Schwefelkomponenten, insbesondere Schwefelwasserstoff (H2S), gegenüber Kohlendioxid (C02). Beispiele für geeignete physikalische Lösungsmittel sind Morphysorb® (Gemisch enthaltend N-Formylmorpholin und N- Acetylmorpholin), Selexol® (Gemisch enthaltend Dimethylether von Polyethylenglykolen), N-Methylpyrrolidon (NMP), Methanol oder Propylencarbonat. Dieses kann in mindestens einer der Absorptionskolonnen zur Gaswäsche oder der Hydrierung nachfolgenden Absorptionskolonnen, oder aber auch für mehrere oder letztlich für alle Absorptionskolonnen genutzt werden.
[0020] Es kann auch in mindestens einer Sauergaswäsche ein selektiv wirkendes chemisches Lösungsmittel, das für eine selektive Entfernung von Schwefelkomponenten gegenüber Kohlendioxid (C02) geeignet ist, in wässriger Lösung verwandt werden. Beispiele für chemische Lösungsmittel sind Methyldiethanolamin (MDEA), Flexsorb® (Gemisch enthaltend sterisch gehinderte Amine) oder Alkalisalz-Lösungen (z.B. Pottasche-Lösungen). Dieses kann ebenfalls in mindestens einer der Absorptionskolonnen zur Gaswäsche oder der Hydrierung nachfolgenden Absorptionskolonnen, oder aber auch für mehrere oder letztlich alle Absorptionskolonnen genutzt werden.
[0021] Der Kohlendioxidgehalt des technischen Gases, das gereinigt werden soll, kann beliebig sein. So kann der Gehalt an Kohlendioxid im Einsatzgas 30 bis 50 Volumenprozent betragen. Die Anwendung der erfindungsgemäßen Verfahrensweise ist besonders vorteilhaft, wenn der Schwefelkomponentengehalt klein im Vergleich zum Kohlendioxidgehalt ist. So lassen sich Gase reinigen, deren Gehalt an Schwefelkomponenten bei 0,1 bis 1 Volumenprozent Schwefelwasserstoff (oder moläquivalent) liegt. Das zu reinigende technische Gas kann auch Ammoniak enthalten. Bei dem zu reinigenden technischen Gas zur Entschwefelung kann es sich beispielsweise um Synthesegas aus einer CO-Konvertierung handeln. Bei dem zu
reinigenden technischen Gas zur Entschwefelung kann es sich auch beispielsweise um Erdgas handeln.
[0022] Die Zahl der Sauergasfraktionen, in die das bei der Regeneration freiwerdende Sauergas, bestehend Schwefelkomponenten und Kohlendioxid (C02), aufgetrennt wird, kann beliebig sein. Erfindungsgemäß wird die Fraktion mit dem höchsten Schwefelwasserstoff-(H2S)-Gehalt dem Claus-Brenner einer Claus-Anlage zugeführt, so dass die Zahl der Fraktionen, die gegenüber der Fraktion mit dem höchsten Schwefelwasserstoff-(H2S)-Gehalt einen verringerten Schwefelgehalt besitzen, ebenfalls beliebig sein kann. [0023] Diese können prinzipiell alle mit dem hydrierten Claus-Restgas vereinigt und einer Verwendung zugeführt werden, die nicht im Bereich der Claus-Anlage liegt. Auch die Zahl der daraus ausgewählten Fraktionen, die einer Verwendung zugeführt werden, die nicht im Bereich der Claus-Anlage liegt, kann letztlich beliebig sein.
[0024] Bei der Verwendung kann es sich beispielhaft um eine Entsorgung handeln. Es kann sich aber auch um eine Weiterverwendung handeln, die die in den abgereicherten Fraktionen enthaltenen Gase nutzt. Die Weiterverwendung kann jedoch prinzipiell beliebig geartet sein. In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung befindet sich hinter der Hydrierung und der Zusammenführung des hydrierten Claus- Restgases mit der schwefelwasserstoffarmen, kohlendioxidreichen Fraktion, eine weitere Gaswäsche, so dass man ein entschwefeltes Claus-Prozessgas oder Claus- Restgas erhält, welches beispielhaft in eine Nachverbrennung geführt wird. Diese enthält einen Brenner, welcher die restlichen Schwefelverbindungen mit einem sauerstoffhaltigen Gas oder Luft zu Schwefeldioxid (S02) verbrennt, welches in die Atmosphäre geleitet wird. Hierzu kann auch ein zusätzliches Brenngas genutzt werden. [0025] Zur Anwendung im weiteren Prozessfluss kommt beispielhaft eine Verarbeitung der zusammengeführten Fraktionen mittels einer zusätzlichen Claus- Anlage und einer der Claus-Anlage nachgeschalteten Hydrierung.
[0026] Die Erfindung besitzt den Vorteil, dass Sauergasfraktionen mit einem reduzierten Gehalt an Schwefelwasserstoff nicht in den Claus-Brenner einer Claus- Anlage oder Reaktionsraum einer Claus-Anlage zugeführt werden müssen, sondern mit dem Restgas einer Claus-Anlage vereinigt und einer Weiterverwendung zugeführt werden kann. Dies trägt entsprechend zu einer verbesserten Wirtschaftlichkeit des gesamten Prozesses bei.
[0027] Die erfindungsgemäße Vorrichtung wird anhand von zwei Zeichnungen erläutert, wobei diese Zeichnungen nur Ausführungsbeispiele für die Konstruktion der erfindungsgemäßen Vorrichtung sind.
[0028] FIG. 1 zeigt eine erfindungsgemäße Ausführungsform, in das hydrierte Claus-Restgas aus einem Claus-Prozess mit der kohlendioxidreichen Sauergasfraktion aus einer Gaswäsche vereinigt und der vereinigte Gasstrom in den Gaswäscheprozess zurückgeführt wird. FIG. 2 zeigt eine erfindungsgemäße Ausführungsform, in der das hydrierte Claus-Restgas mit der kohlendioxidreichen Sauergasfraktion aus einer Gaswäsche vereinigt wird und der vereinigte Gasstrom eine erneuten Gaswäsche mit einer Nachverbrennung zugeführt wird.
[0029] FIG. 1 zeigt einen erfindungsgemäßen Prozessfluß, in dem ein zu reinigendes Einsatzgas (1a) einer Gaswäsche (2) zugeführt wird. Ein schwefelhaltiges Einsatzgas (1a) wird zur Gaswäsche in eine Absorptionskolonne (2) geführt, in der es mit einem durch einen Wärmetauscher (2a) abgekühlten absorbierenden Lösungsmittel in Kontakt gebracht wird. Dadurch erhält man ein gereinigtes Produktgas (1b), das frei ist oder nahezu frei ist von Schwefelverbindungen, wobei der größere Teil des im Einsatzgas (1a) enthaltenen Kohlendioxids auch im Produktgas (1b) verbleibt, und das mit Sauergasen beladene Lösungsmittel (3). Das beladene Lösungsmittel wird erfindungsgemäß durch Wärmetauscher (4a,4b) vorgewärmt, und in einen Austriebsbehälter (5) geführt. Bei der Entspannung in dem Austriebsbehälter (5) erhält man eine kohlendioxidbeladene, schwefelwasserstoffarme Sauergasfraktion (6) und ein an Kohlendioxid abgereichertes, mit Schwefelkomponenten angereichertes beladenes Lösungsmittel (7). Dieses wird in eine Regenerationskolonne (8) geführt, die hier beispielhaft mit einem Reboiler (8a) beheizt wird, und durch Erhitzen und Entspannen von dem an Schwefelkomponenten angereicherten Sauergas befreit. Dabei erhält man ein an Kohlendioxid abgereichertes, mit Schwefelkomponenten angereichertes Sauergas (9), und ein regeneriertes Lösungsmittel (10). Das Sauergas (9) wird über einen Kondensator (9a) in eine Claus-Anlage (11) geführt. Auskondensierte Dämpfe (9b) werden in die Regenerationskolonne (8) zurückgeführt. Die kohlendioxidbeladene, schwefelwasserstoffarme Sauergasfraktion (6), die aus dem Austriebsbehälter (5) kommt, besitzt eine niedrigere
Schwefelkomponentenkonzentration (Xi (H2S)) als die an Schwefelkomponenten reichere Sauergasfraktion (9) aus der Regenerationskolonne (8) (X2, (H2S)). In der Claus-Anlage (11) wird das an Kohlendioxid abgereicherte, mit Schwefelwasserstoff angereicherte Sauergas (9) durch partielle Verbrennung mit einem sauerstoffhaltigen Gas (11a) zu Schwefeldioxid (S02) und durch dessen anschließende Nachreaktion mit
dem restlichen Schwefelwasserstoff (H2S) in Schwefel (11b, S) umgewandelt, der ausgeschleust und weiterverwendet wird. Das aus dem Claus-Prozess (11) erhaltene Claus-Prozessgas (12) enthält restlichen Schwefel hauptsächlich als Schwefeldioxid (S02). Dieses Claus-Prozessgas (12) wird in eine Hydrierungsstufe (13) geführt, in der die restlichen Schwefelverbindungen in dem Claus-Prozessgas (12) mit Wasserstoff (13a, H2) zu Schwefelwasserstoff (H2S) hydriert werden. Das hydrierte Claus- Prozessgas (14) wird über ein Ventil (6a) mit dem kohlendioxidbeladenen, schwefelwasserstoffarmen Sauergas (6) vereinigt und über einen Kompressor für die Gasrückführung (14a) und einen Wärmetauscher (14b) in das Einsatzgas (1a) und somit in den Prozess zurückgeführt. Das Kohlendioxid (C02) wird mit dem Produktgas (1b) aus dem Prozess ausgeschleust.
[0030] FIG. 2 zeigt eine erfindungsgemäße Ausführungsform, in der das hydrierte Claus-Restgas (14) mit der kohlendioxidreichen Sauergasfraktion (12) aus einer Gaswäsche (2) vereinigt und einer erneuten Gaswäsche (15) mit einer Nachverbrennung (16) zugeführt wird. Wie in FIG.1 wird das zu reinigende Einsatzgas (1a) zunächst durch eine Gaswäsche (2) mit nachfolgender Regeneration (6,9) von Schwefelverbindungen befreit, wodurch ein kohlendioxidbeladenes, schwefelwasserstoffarmes Sauergas (6) und ein an Kohlendioxid abgereichertes, mit Schwefelwasserstoff angereichertes Sauergas (9) erhalten werden. Das an Kohlendioxid abgereicherte, mit Schwefelwasserstoff angereicherte Sauergas (9) wird in einen Claus-Prozess (11) geführt, in dem das an Kohlendioxid abgereicherte, mit Schwefelwasserstoff angereicherte Sauergas (9) durch partielle Verbrennung zu Schwefeldioxid (S02) und dessen anschließende Nachreaktion mit dem restlichen Schwefelwasserstoff (H2S) in Schwefel (11b, S) umgewandelt wird, der ausgeschleust und weiterverwendet wird. Das aus dem Claus-Prozess (11) erhaltene Claus- Prozessgas (12) enthält den restlichen Schwefel hauptsächlich als Schwefeldioxid (S02). Dieses Claus-Prozessgas (12) wird in eine Hydrierungsstufe (13) geführt, in der die restlichen Schwefelverbindungen in dem Claus-Prozessgas (12) mit Wasserstoff (13a) zu Schwefelwasserstoff (H2S) hydriert werden. Dabei wird ein hydriertes Claus- Prozessgas (14) erhalten, welches erfindungsgemäß mit dem kohlendioxidbeladenen, schwefelwasserstoffarmen Sauergas (6) vereinigt wird und durch eine Gaswäsche (15) mit nachfolgender Regenerationseinrichtung (16) geführt wird. Das an Schwefelverbindungen abgereicherte Sauergas (15e) aus der zusätzlichen Gaswäsche (15) wird in eine Nachverbrennung (17) geführt, in der die restlichen Schwefelverbindungen mit einem sauerstoffhaltigen Gas (17a) und gegebenenfalls mit einem Brenngas (17b) verbrannt und das Abgas (18) in die Atmosphäre geleitet wird. Das schwefelwasserstoffreiche Claus-Restgas (19) aus der Regenerationseinrichtung
(16) wird in das an Kohlendioxid abgereicherte, mit Schwefelwasserstoff angereicherte Sauergas (9) vor dem Claus-Prozess (11) zurückgeführt.
[0031] Bezugszeichenliste
1a Zu reinigendes, schwefelhaltiges technisches Gas, Einsatzgas
1 b Gereinigtes Produktgas
2 Absorptionskolonne
2a Wärmetauscher
3 Beladenes Lösungsmittel
4a, 4b Wärmetauscher
5 Austriebsbehälter („Flash-Behälter")
6 Kohlendioxidbeladenes, schwefelwasserstoffarmes Sauergas
7 An Kohlendioxid abgereichertes, mit Schwefelkomponenten angereichertes, beladenes Lösungsmittel
8 Regenerationskolonne
8a Reboiler
9 An Kohlendioxid abgereichertes, mit Schwefelwasserstoff angereichertes
Sauergas
9a Kondensator
10 Regeneriertes Lösungsmittel
10a Pumpe
11 Claus-Prozess mit Brenner und Claus-Reaktionsraum
11a Sauerstoffhaltiges Gas, Luft
11b Schwefel
12 Claus-Prozessgas
13 Hydrierung
14 Hydriertes Claus-Prozessgas
14a Kompressor für die Gasrückführung
14b Wärmetauscher
15 Absorptionskolonne der zusätzlichen Gaswäsche
15a Beladenes Lösungsmittel
15b Pumpe
15c Wärmetauscher
15d Wärmetauscher
15e An Schwefelverbindungen abgereichertes Sauergas
16 Regenerationseinrichtung
16a Wärmetauscher
16b Pumpe
16c Reboiler
17 Nachverbrennung
17a Sauerstoffhaltiges Gas, Luft
17b Brenngas
18 Abgas
19 Zurückgeführtes schwefelwasserstoffreiches Claus-Restgas
X (H2S) Konzentration an H2S in dem kohlendioxidreichen Sauergas
X2 (H2S) Konzentration an H2S in der mit H2S angereicherten Sauergasfraktion