Verfahren und Vorrichtung zum spanabhebenden Bearbeiten von optischen Linsen aus Kunststoff
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum spanabhebenden Bearbeiten von optischen Linsen aus Kunststoff, bei dem die Spanabnahmestelle an der Linse gekühlt wird.
Die Erfindung betrifft ferner eine Vorrichtung zur Durchführung des vorgenannten Verfahrens.
Ein Verfahren und eine Vorrichtung der vorstehend genannten Art sind aus der US 4,589,231 A bekannt.
Bei dem bekannten Verfahren wird eine optische Linse aus Kunststoff durch Schleifen bearbeitet. Gemäß einem ersten erläuterten Ausführungsbeispiel wird während des Schleifens ein flüssiges Kühlmittel konstant auf den Linsenrohling aufgesprüht, um zu verhindern, dass die Linse sich infolge des SchleifVorganges unzulässig erwärmt und verwirft.
Gemäß einem weiteren geschilderten Ausführungsbeispiel wird die Linse trocken bearbeitet, wobei das Schleifwerkzeug so ausgebildet ist, dass lediglich einzelne kleine Schleifpartikel entstehen. Diese werden durch einen Luftstrom abgeblasen und abgesaugt. In diesem Zusammenhang wird als Kunststoff der Werkstoff CR-39 oder ein Polycarbonat verwendet.
Neben diesen bekannten Schleifverfahren, bei denen von Hause aus kornartige Schleifspäne, also individuelle kleine Partikel, abgehoben werden, ist als weiteres spanabhebendes Bearbeitungsverfahren für optische Linsen aus Kunststoff auch das sogenannte "Diamant-Drehverfahren" bekannt.
Bei diesem bekannten Verfahren wird, wie bei allen Drehverfahren, ein relativ langer Drehspan erzeugt. Diese sogenannten "Wickelspäne" sind hinsichtlich ihrer Entsorgung problematisch, weil sie sich zu Knäueln verbinden und daher nicht in einfacher Weise durch einen Luftstrom oder dergleichen entsorgt werden können .
Man hat daher bereits versucht, das Entstehen derartiger Wickelspäne dadurch zu verhindern, dass man das Schneidprogramm, d.h. die Maschinensteuerung der Drehmaschine, so modifiziert hat, dass z.B. nach jeder Umdrehung des Linsenrohlings das Drehwerkzeug wieder kurzzeitig an die Stelle geführt wird, an der er den gerade beendeten Umlauf begonnen hatte . Dies hat zur Folge, dass die Drehschneide für einen kurzen Augenblick an eine bereits bearbeitete, d.h. materialfreie Stelle gelangt, so dass der erzeugte Drehspan in diesem Augenblick unterbrochen wird.
Diese Vorgehensweise hat jedoch den Nachteil, dass immer noch Drehspäne erzeugt werden, deren Länge einem vollen Umfang des jeweiligen Umlaufs entspricht. Zwar sind diese Späne etwas kürzer als die der zuvor genannten Art, ein Verknäueln auch dieser kürzeren Späne kann jedoch ebenfalls nicht ausgeschlossen werden.
Darüber hinaus hat diese Vorgehensweise den Nachteil, dass die periodische Unterbrechung des Drehvorganges insgesamt zu einer Verlängerung des Bearbeitungsvorganges führt.
Weiterhin führt die periodische Umsteuerung des Drehwerkzeuges zu Schwingungen der Drehmaschine, und schließlich leidet auch die erzeugte Oberflächenqualität.
Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren und eine Vorrichtung der eingangs genannten Art dahingehend weiterzubilden, dass die vorstehend genannten Nachteile vermieden werden.
Insbesondere sollen die Vorteile des Diamant-Drehverfahrens beibehalten werden, während andererseits die vorstehend geschilderten Nachteile, insbesondere das Auftreten von langen Drehspänen, vermieden werden sollen.
Bei einem Verfahren der eingangs genannten Art wird diese Aufgabe erfindungsgemäß dadurch gelöst, dass die Spanabnahmestelle punktuell auf eine Temperatur abgekühlt wird, bei der der Kunststoff so weit versprodet, dass der Span in Stücke bricht.
In entsprechender Weise wird bei einer Vorrichtung der eingangs genannten Art die der Erfindung zugrunde liegende Aufgabe dadurch gelöst, dass eine punktuell auf die Spanabnahmestelle gerichtete Düse vorgesehen ist, die mit einer Versorgungseinheit für ein Kühlmedium in Verbindung steht.
Die der Erfindung zugrunde liegende Aufgabe wird auf diese Weise vollkommen gelöst.
Die punktuelle Abkühlung der Spanabnahmestelle hat nämlich zur Folge, dass der abgehobene Span sich nicht zu einem langgestreckten Drehspan entwickeln kann, da er bereits infolge der Sprödigkeit bei der betreffenden Temperatur während der Spanabnahme in viele kleine Stücke zerbricht, die von ihrer Konfiguration durchaus mit Schleifspänen vergleichbar sind und daher gleichermaßen einfach entsorgt werden können.
Aus der US 2,380,653 ist zwar ein Verfahren bekannt, bei dem zum Entfernen von Graten an Gummibalgen vorgeschlagen wird, die Balgen mittels Trockeneises abzukühlen und die versprödeten Grate dann in einer im übrigen mit Holzstücken gefüllten rotie-
renden Trommel abzubrechen, dieses bekannte Verfahren wird aber in der DE 692 28 825 T2 ausdrücklich als für den Einsatz beim Bearbeiten von optischen Linsen aus Kunststoff ungeeignet bezeichnet. Außerdem geht es bei diesem bekannten Verfahren um das Entfernen von Graten nach einem Abformprozess, während die vorliegende Erfindung das Entfernen von Spänen, insbesondere von Drehspänen während einer formgebenden Bearbeitung betrifft.
Bei bevorzugten Weiterbildungen des erfindungsgemäßen Verfahrens wird die Spanabnahmestelle durch Anströmen eines gekühlten Gases gekühlt, wobei vorzugsweise Stickstoff eingesetzt wird.
Diese Maßnahme hat den Vorteil, dass durch das Anströmen mittels eines Gases ein trockener Bearbeitungsprozess dargestellt wird, der keine Trocknung des Werkstücks nach Beaufschlagung mit einem flüssigen Kühlmittel erfordert.
Weiterhin sind Kühlgeräte, die gekühlten Stickstoff als Kühlmedium liefern und/oder verwenden, an sich bekannt und im Handel erhältlich, so dass auf bewährte Gerätschaften zurückgegriffen werden kann, die überdies eine feinfühlige Einstellung der jeweils notwendigen Temperatur und Gasmenge gestatten.
Weitere Vorteile ergeben sich aus der Beschreibung und der beigefügten Zeichnung.
Es versteht sich, dass die vorstehend genannten und die nachstehend noch zu erläuternden Merkmale nicht nur in der jeweils angegebenen Kombination, sondern auch in anderen Kombinationen
oder in Alleinstellung verwendbar sind, ohne den Rahmen der vorliegenden Erfindung zu verlassen.
Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist in der Zeichnung dargestellt und wird in der nachfolgenden Beschreibung näher erläutert. Die einzige Figur zeigt in äußerst schematisierter Weise eine Vorrichtung zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens .
In der Figur bezeichnet 10 eine Kunststoff-Linse, beispielsweise ein Brillenglas.
Mit einem Pfeil 12 ist angedeutet, dass die Linse 10 mit einer nicht dargestellten Vorrichtung um ihre optische Achse gedreht wird.
Eine äußerst schematisiert angedeutete Drehmaschine 14 weist einen Drehwerkzeug 16 auf, dessen Schneide 18 über eine Spitze 20 mit der Linse 10 in Eingriff steht.
Durch eine ebenfalls nicht dargestellte CNC-Steuerung kann durch Verfahren des Drehwerkzeugs 16 entlang der erforderlichen Koordinatenachsen auf der Oberfläche der sich drehenden Linse 10 ein gewünschtes Profil erzeugt werden. Dies ist an sich bekannt und nicht Gegenstand der vorliegenden Erfindung.
Beim Abdrehen der Oberfläche der Linse 10 mittels eines Drehwerkzeugs 16 entsteht am Eingriffspunkt der Spitze 20 an der Linse 10, d.h. an der Spanabnahmestelle, ein Drehspan. Herkömmliche Drehspäne sind sehr lang und neigen dazu, sich aufzuwi-
ekeln bzw. zu verknäulen. Die Entsorgung derartiger herkömmlicher Drehspäne ist daher problematisch.
Erfindungsgemäß ist nun eine Kühlvorrichtung 30 vorgesehen, die sich von herkömmlichen Kühlvorrichtungen dadurch unterscheidet, dass die Spanabnahmestelle lediglich punktuell auf eine vorbestimmte Temperatur abgekühlt wird, während die Linse 10 selbst im übrigen nicht wesentlich gekühlt wird.
Zu diesem Zweck ist eine Versorgungseinheit 32 über eine Leitung 34 mit einer Düse 36 verbunden, die auf die Spanabnahmestelle gerichtet ist, wie mit einem Pfeil 38 angedeutet. Die Versorgungseinheit 32 liefert beispielsweise gekühlten Stickstoff, der als dünner Gasstrahl auf die Spanabnahmestelle gerichtet wird, insbesondere nur auf den Span selbst unmittelbar nach dessen Abnahme.
Durch in der Zeichnung ebenfalls nicht dargestellte, an sich aber bekannte Mittel lassen sich die Temperatur und die Fördermenge bzw. Geschwindigkeit des Gasstrahls in weiten Bereichen einstellen. Im vorliegenden Fall wird je nach Art des Kunststoffs, aus dem die Linse 10 besteht, und je nach dem eingestellten Vorschub der Drehmaschine 14, d.h. je nach Spandicke, eine bestimmte Temperatur und Fördermenge des Gasstrahls eingestellt.
Diese Temperatur ist in Verbindung mit dem geförderten Volumen des Kühlgases so eingestellt, dass der abgedrehte Kunststoffspan so weit versprodet, dass er unmittelbar nach dem Abnehmen in Stücke bricht.
Dieser Vorgang lässt sich auch in Verbindung mit der Geometrie der Schneide 18 bzw. der Spitze 20 optimieren, und zwar derart, dass die Stücke des Spans so klein sind, dass sie wie ein Staub entsorgt werden können.
Zu diesem Zweck kann ferner eine Spanleitstufe (nicht dargestellt) in der Nähe des Drehwerkzeugs 16 vorgesehen werden, auf die der Span nach der Abnahme aufläuft und dann in seinem spröden Zustand in feine Teile zerbricht.
Um den so in kleine Partikel zerlegten Span zu entfernen, ist eine Absaugeinrichtung 40 vorgesehen, die aus einem Sauggebläse 42, einer Leitung 44 und einer Absaughaube 46 besteht. Die Absaughaube 46 ist so dimensioniert und positioniert, dass sie die in der vorstehend erläuterten Weise erzeugten Stücke der Drehspäne auffängt und über die Leitung 44 sowie das Sauggebläse 42 in an sich bekannter Weise einem Sammelbehälter zuführt.