Technisches Gebiet
Die Erfindung bezieht sich auf das Gebiet der Regelungstechnik. Sie bezieht
sich auf ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Regelung einer Kompressoreinheit
gemäss dem Oberbegriff der Patentansprüche 1 und 7.
Stand der Technik
Ein Turbokompressor ist im Normalbetrieb inhärent stabil: aufgrund von Ein-
und Austrittsdruck sowie von Parametern des Kompressors stellt sich ein
Massendurchfluss eines Arbeitsfluids durch den Kompressor ein. Dieser
Durchfluss, der als Volumen- oder Massenstrom betrachtet werden kann,
nimmt mit zunehmender Druckdifferenz ab, so dass sich die Drücke und der
Durchfluss auf einen Gleichgewichtszustand hin bewegen. Bei sinkendender
Druckdifferenz wird ein stabiler Arbeitsbereich durch eine sogenannte
Pumpgrenze begrenzt: Bei zunehmendem Austrittsdruck sinkt der Massenstrom
bis zu einem bestimmten Minimum. Nach Überschreiten der Pumpgrenze
fliesst der Massenstrom rückwärts durch den Kompressor. Dadurch
sinkt der Austrittsdruck, bis der Massenstrom wieder vorwärts fliesst. Dieser
Zyklus, Pumpen genannt, wiederholt sich und kann den Kompressor mechanisch
beschädigen oder zerstören. Deshalb ist eine Aufgabe eines Kompressorreglers,
nebst einer Regelung eines Austrittsdrucks oder eines
Durchflusses, das Pumpen zu vermeiden. Dazu wird, wie im US-Patent
4,807,150 beschrieben, meist ein Abblas- oder Rückführventil geöffnet,
welches einen Teil des komprimierten Arbeitsfluids entweichen lässt, respektive
wieder dem Eintritt des Kompressors zuführt. Gleichzeitig mit der
Ventilöffnung kann auch die Drehzahl des Kompressors variiert werden, wie
im US-Patent 5,306,116 offenbart wird. Der zusätzliche Massenstrom durch
das Rückführventil verhindert, dass der Massenstrom durch den Kompressor
die Pumpgrenze unterschreitet. Meist werden Kompressor und Rückführventil
durch eigene Regelkreise geregelt.
Aus Sicherheitsgründen wird das Rückführventil bereits vor Überschreiten
der Pumpgrenze geöffnet. Eine entsprechende Sicherheitsgrenze sollte möglichst
weit von der Pumpgrenze entfernt liegen. Zur Optimierung des Wirkungsgrades
wird die Sicherheitsgrenze hingegen möglichst nahe an die
Pumpgrenze gelegt. Dies bedingt Sicherheitsvorkehrungen, welche die Komplexität
der Regelkreise erhöhen.
Eine Kombination eines Kompressors mit einem Rückführventil wird im Folgenden
Kompressoreinheit genannt. Eine Kompressoreinheit, welche eine
Gasturbine mit gasförmigem Brennstoff versorgt, muss hohen Anforderungen
an eine Druckregelung genügen. Beispielsweise muss bei abrupten Laständerungen
der Gasturbine und bei einer damit einhergehenden Änderung
eines Gasverbrauchs ein Austrittsdruck des Kompressors gehalten werden,
ohne dass eine Flamme der Gasturbine erlöscht, und ohne dass Leitungen
durch übermässige Drücke beschädigt werden. Im Normalbetrieb dürfen keine
Oszillationen in der Gasförderung auftreten. Je nach Reglerkonzept der
Gasturbine ist es auch möglich, dass eine Kompressoreinheit einen vorgegebenen
Massenstrom liefern muss. Bei hydraulischen Systemen ist dagegen
eine Regelung auf einen vorgegebenen Volumenstrom von Interesse.
Axial- oder Radialkompressoren werden zur Variation der Durchflussmenge
mit verstellbaren Vorleitreihen ausgerüstet. Eine andere Art der Variation der
Durchflussmenge verwendet einen drehzahlvariablen Antrieb des Kompressors.
In beiden Fällen ist der Massenstrom, bei konstanten Ein- und Austrittsverhältnissen,
von einem Vorleitreihenwinkel respektive von einer
Drehzahl abhängig. Ein entsprechender Regler für eine Kompressoreinheit
steuert mindestens zwei Stellgrössen an, zum Beispiel Vorleitreihenwinkel
und Rückführventil. Die bestehenden Reglerstrukturen sind komplex, und
weisen entkoppelte Regler für die beiden Stellgrössen auf, was einen systematischen
Reglerentwurf meist verunmöglicht. Durch Umschaltungen zwischen
verschiedenen Betriebszuständen wird die Dynamik des Reglers und
somit des Kompressors unüberschaubar und damit noch schwerer zu entwerfen
und in Betrieb zu nehmen.
Darstellung der Erfindung
Es ist deshalb Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren und eine Vorrichtung
zur Regelung des Austrittsdrucks einer Kompressoreinheit zu schaffen,
welche eine einfache Struktur aufweist und einen systematischen Reglerentwurf
ermöglicht.
Diese Aufgabe lösen ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Regelung des
Austrittsdrucks einer Kompressoreinheit mit den Merkmalen der Patentansprüche
1 und 7.
Im erfindungsgemässen Regler für eine Kompressoreinheit, die einen Kompressor
und ein Rückführventil aufweist, wird eine Kenngrösse für einen zu
liefernden Gesamtdurchfluss bestimmt, und anhand dieser Kenngrösse mittels
statischer Funktionen ein erster Sollwert für eine Vorleitreihe oder ein
Eintrittsventil oder eine Drehzahl des Kompressors und ein zweiter Sollwert
für ein Rückführventil erzeugt.
Der zu liefernde Gesamtdurchfluss ist vorzugsweise ein Massenstrom, kann
aber auch ein Volumenstrom sein.
In einer bevorzugten Ausführungsform des Erfindungsgegenstandes wird der
Gesamtdurchfluss in einem normalen Betriebsbereich durch Variation des
ersten Sollwerts eingestellt, und beim Verlassen des normalen Betriebsbereichs
durch Variation des zweiten Sollwerts eingestellt. Vorteilhafterweise
ändert sich dabei der Gesamtdurchfluss beim Übergang zwischen diesen Betriebsbereichen
stetig.
In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform des Erfindungsgegenstandes
sind die statischen Funktionen zur Bestimmung der ersten und zweiten
Sollwerte linear.
Vorteilhafterweise werden Parameter der statischen Funktionen an einen Betriebszustand
des Kompressors angepasst.
Ein wesentlicher Vorteil der Erfindung ist, dass die Reglerdynamik sehr einfach
ist, und dass dadurch eine schnelle Regelung möglich wird. Durch die
einfache Reglerdynamik wird auch die Gesamtdynamik der Kompressoreinheit
nicht weiter kompliziert, und die Regelung bleibt einfach zu entwerfen,
in Betrieb zu nehmen und zu warten.
Weitere bevorzugte Ausführungsformen gehen aus den abhängigen Patentansprüchen
hervor.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
Im folgenden wird der Erfindungsgegenstand anhand eines bevorzugten
Ausführungsbeispiels, welches in den beiliegenden Zeichnungen dargestellt
ist, näher erläutert. Es zeigen:
- Figur 1
- eine schematische Darstellung einer Kompressoreinheit;
- Figur 2
- ein Kennfeld eines Kompressors;
- Figur 3
- eines Struktur eines erfindungsgemässen Reglers; und
- Figur 4
- Zusammenhänge zwischen verschiedenen Grössen des erfindungsgemässen
Reglers.
Die in den Zeichnungen verwendeten Bezugszeichen und deren Bedeutung
sind in der Bezugszeichenliste zusammengefasst aufgelistet. Grundsätzlich
sind in den Figuren gleiche Teile mit gleichen Bezugszeichen versehen.
Wege zur Ausführung der Erfindung
Die Figur 1 zeigt eine Kompressoreinheit 10, auf die sich eine erfindungsgemässe
Regelung bezieht. Ein Arbeitsfluid, beispielsweise Luft, ein Gas
oder ein Hydrauliköl, gelangt von einem Erzeuger oder einem Speicher in einen
Mischer 11, in dem das Arbeitsfluid einen Eintrittsdruck p1 und eine
Eintrittstemperatur T1 aufweist. Vom Mischer gelangt das Arbeitsfluid durch
einen Einlass 12 in einen Kompressor 13. Der Kompressor 13 weist einen Signaleingang
für einen ersten Sollwert u1 auf. Mit diesem Sollwert wird, beispielsweise
über einen unterlagerten Regelkreis, ein Kennfeldparameter des
Kompressors 13 verstellt, beispielsweise ein Vorleitreihenwinkel oder eine
Position eines Eingangsventils oder eine Drehzahl des Kompressors. An einem
Austritt 14 des Kompressors 13 fliesst ein Kompressordurchfluss wC in
eine Abzweigung 15, in der das Arbeitsfluid einen Austrittsdruck p2 aufweist.
Aus der Abzweigung 15 fliesst ein Gesamtdurchfluss wT an einen Verbraucher
weiter, und ein Rückfluss wR durch eine Rückflussleitung 16 und ein regelbares
Rückführventil 17 zurück in den Mischer 11. Das Rückführventil 17
weist einen Signaleingang für einen zweiten Sollwert u2 auf. Mit diesem
zweiten Sollwert wird, beispielsweise über einen unterlagerten Regelkreis,
ein Ventilhub des Rückführventils 17 verstellt.
In einer anderen Ausführungsform der Erfindung gelangt das Arbeitsfluid
durch das Rückführventil 17 nicht an den Kompressoreintritt sondern wird in
die Umgebung abgeblasen. In diesem Fall wird das Rückführventil 17 als Abblasventil
bezeichnet. Die erfindungsgemässe Regelung wird im folgenden
anhand eines Rückführventils 17 vorgestellt, ist aber für beide Einsatzarten
von Ventilen anwendbar.
Die Figur 2 zeigt schematisch ein typisches Kennfeld des Kompressors 13.
Entlang einer Ordinate ist ein Druckverhältnis p2/p1 zwischen Aus- und Eintrittsdruck
aufgetragen. Entlang einer Abszisse ist der Kompressordurchfluss
wc aufgetragen, der für die folgenden Erklärungen als Massenstrom (beispielsweise
in kg/sekunde) betrachtet wird. Dieser Kompressordurchfluss wc
ist üblicherweise mit der Eintrittstemperatur T1 skaliert und auf einen gegebenen
Betriebszustand T0, p0 normiert, so dass die gleiche graphische Darstellung
des Kennfelds für unterschiedliche Eintrittstemperaturen T1 verwendet
werden kann.
In anderen Kennfelddarstellungen ist entlang der Ordinate beispielsweise ein
Austrittsdruck p2 bei konstantem Eintrittsdruck, oder eine Enthalpiedifferenz
des Arbeitsfluids zwischen Einlass 12 und Austritt 14 aufgetragen. Ebenso
kann entlang der horizontalen Achse anstelle des Massenstroms ein Volumenstrom
(beispielsweise in m3/sekunde) aufgetragen sein. In solchen anderen
Kennfelddarstellungen ist das Kennfeld nur anders skaliert, ohne dass
sich das Prinzip der im folgenden erklärten Regelung ändert.
Mit u1,1 bis u1,3 bezeichnete Kennlinien geben das Verhalten des Kompressors
für verschiedene Werte des durch u1 bestimmten Kennfeldparameters
wieder. Beispielsweise stellt sich für einen bestimmten Wert von u1 und für
ein gegebenes Druckverhältnis p2/p1 ein Wert des Kompressordurchflusses
wC ein, der auf der u1 entsprechenden Linie liegt. Dabei ist ersichtlich, dass
bei einer Zunahme des Druckverhältnisses p2/p1, beispielsweise durch Zunahme
des Austrittsdrucks p2, der Kompressordurchfluss wc abnimmt. Unterschreitet
der Kompressordurchfluss wc die Pumpgrenze, das heisst die
mit PG bezeichneten Linie, so tritt das eingangs beschriebene Pumpen auf.
Die Pumpgrenze PG wird experimentell, beispielsweise bei einer Inbetriebnahme
und/oder theoretisch ermittelt. Aus Sicherheitsgründen wird eine Sicherheitsgrenze
SG eingeführt. Eine Regelung soll bereits eingreifen, wenn
der Kompressordurchfluss wc die Sicherheitsgrenze SG unterschreitet, so
dass die Pumpgrenze PG garantiert nie unterschritten wird.
Figur 3 zeigt ein Blockschaltbild einer erfindungsgemässen Regelung. Darin
ist die bereits beschriebene Kompressoreinheit 10 mit ihren Ein- und Ausgangsgrössen
enthalten. Ein Wert einer Messung des Austrittsdrucks p2 der
Kompressoreinheit 10 führt, mit negativem Vorzeichen, zusammen mit einem
Austrittsdrucksollwert p2S auf einen ersten Summationsknoten 21. Eine
im ersten Summationsknoten 21 gebildete Differenz oder Regeldifferenz
führt auf einen vorzugsweise dynamischen Regler 22, der beispielsweise ein
PI-(Proportional-lntegral) Regler, ein PID-(Proportional-Integral-Differential)
oder ein nichtlinearer Regler ist. Ein Ausgang des Reglers 22 weist einen
Wert z auf und führt auf den Eingang eines statischen Sollwertbildners 23.
Zwei Ausgänge dieses statischen Sollwertbildners 23, mit den Werten u1 und
u2, führen zur Kompressoreinheit 10. Messwerte der Betriebsbedingungen
der Kompressoreinheit, das heisst Eintrittsdruck p1, Eintrittstemperatur T1
und Austrittsdruck p2 führen auf Kompressorcharakteristiken 24 und 25. Aus
einer ersten Kompressorcharakteristik 24 führt ein erster Statikparameter v
auf eine Korrektureinheit 26. Aus einer zweiten Kompressorcharakteristik 25
führt ein modellierter Kompressordurchfluss wcM auf einen zweiten Summationsknoten
27. Ein gemessener Kompressordurchfluss wcM führt, mit negativen
Vorzeichen, auf denselben zweiten Summationsknoten 27, und die
Differenz dieser Kompressordurchflüsse führt auf die Korrektureinheit 26.
Aus der Korrektureinheit 26 führt ein modifizierter erster Statikparameter v*
auf den statischen Sollwertbildner 23.
Das erfindungsgemässe Verfahren funktioniert wie folgt: Der erste Summationsknoten
21 bildet eine Regelabweichung p2S-p2. Der dynamische Regler
22 berechnet daraus die Kenngrösse z. Falls der dynamische Regler 22 ein
PI-Regler ist, berechnet sich z gemäss
x 1 = p 2 S - p 2
x 2 = x 1
z = ax 1 + bx 2
wobei a und b Parameter des PI-Reglers sind. Anhand des Wertes von z bestimmt
der statische Sollwertbildner 23 einen ersten Sollwert ui und einen
zweiten Sollwert u2 gemäss
z > 0 ⇒ u 1 = z + v* u 2 = 0
z = 0 ⇒ u 1 = v* u 2 = 0
z < 0 ⇒ u 1 = v* u 2 = -kz
Dabei ist v* ein modifizierter erster Statikparameter und k ein zweiter Statikparameter.
Der Wert von v* ist in Abhängigkeit von den Messwerten p1, T1,
p2 der Kompressoreinheit 10 derart gewählt, dass der Betriebszustand des
Kompressors für u1 = v* und u2=0 auf der Sicherheitsgrenze SG liegt. Diesem
Betriebszustand entspricht ein Wert von z=0, wie aus den obigen Gleichungen
für u1 und u2 ersichtlich ist. Es könnte diesem Betriebszustand auch ein
beliebiger anderer Wert von z zugeordnet werden, wodurch aber nur die
Gleichungen komplizierter werden würden, ohne dass sich ihre Funktionalität
ändert. Figur 4 zeigt beispielhaft die oben beschriebenen Zusammenhänge
zwischen der Kenngrösse z, den Sollwerten u1 und u2 sowie dem Gesamtdurchfluss
wT.
Die im statischen Sollwertbildner 23 gebildeten Sollwerte u1 und u2 werden
der Kompressoreinheit 10 übermittelt. Mit dem ersten Sollwert u1 wird in der
Kompressoreinheit 10, beispielsweise über einen unterlagerten Regelkreis,
ein Kennfeldparameter des Kompressors 13 verstellt, insbesondere ein Vorleitreihenwinkel
oder eine Position eines Eingangsventils oder eine Drehzahl
des Kompressors. Dabei verschiebt sich eine Kennlinie des Kompressors 13
in Figur 2 für zunehmende Werte von u1 von der mit u1,1 über die mit u1,2 zu
der mit u1,3 gekennzeichneten Kennlinie. Diese Zunahme von u1 entspricht
einer Öffnung der Vorleitreihe oder einer Öffnung des Eingangsventils oder
einer Zunahme der Drehzahl des Kompressors 13. Im Folgenden wird der
Einfachheit wegen nur die Regelung mit verstellbaren Vorleitreihen beschrieben.
Die Überlegungen und die Regelung sind aber ohne weiteres auch auf
ein verstellbares Eingangsventil oder einen drehzahlvariablen Kompressor 13
anwendbar.
Mit dem zweiten Sollwert u2 wird in der Kompressoreinheit 10, beispielsweise
über einen unterlagerten Regelkreis, der Ventilhub des Rückführventils
17 verstellt. Dabei entspricht eine Zunahme von u2 einer Öffnung des Rückführventils
17 und eine Erhöhung des Rückflusses WR. Für u2=0 ist das
Rückführventil 17 geschlossen.
Entsprechend den Werten von u
1 und u
2 sowie einer Charakteristik des Verbrauchers
stellen sich ein Gesamtdurchfluss w
T und ein Austrittsdruck p
2 ein.
Ist dieser Austrittsdruck p
2 beispielsweise höher als der Austrittsdrucksollwert
p
2S, so wird die Regeldifferenz negativ und der dynamische Regler 22
führt zu einer Abnahme der Kenngrösse z. Die daraus folgende Veränderung
der Sollwerte u
1 und u
2 wird anhand von Figur 2 erklärt: Der Kompressor befinde
sich in einem mit S1 bezeichneten Zustand in einem normalen Betriebsbereich
des Kompressors, das heisst, der Kompressordurchfluss wc ist
grösser als bei einem Punkt auf der Sicherheitsgrenze SG mit gleichem
Druckverhältnis. Somit ist u
2=0 und das Rückführventil 17 geschlossen, der
Gesamtdurchfluss w
T ist gleich dem Kompressordurchfluss w
c und wird
durch den ersten Sollwert u
1 und Verstellung der Vorleitreihe geregelt. Die
Abnahme von z führt über u
1 zu einer Schliessung der Vorleitreihe und zu
einer Verringerung des Gesamtdurchflusses w
T. Für kleine Änderungen werden
die Druckverhältnisse als konstant betrachtet, so dass sich der Zustand
des Kompressors 13 entlang einer Linie L in Richtung der Sicherheitsgrenze
SG verschiebt und der Gesamtdurchfluss w
T abnimmt. Erreicht der Zustand
einen mit S2 bezeichneten Punkt auf der Sicherheitsgrenze SG, so entspricht
dies wegen der oben beschriebenen Wahl von v* und weil u
1=z+v* ist, einem
Wert von z=0. Wird z weiter verkleinert, bleibt u
1 = v* und somit der Zustand
des Kompressors im Punkt S2 auf der Sicherheitsgrenze. Es wird hingegen
das Rückführventil 17 gemäss u
2=-k·z geöffnet, so dass der Gesamtdurchfluss
w
T nun gemäss der Differenz von Kompressordurchfluss wc und Rückfluss
w
R weiter abnimmt. Der Wert von k ist derart gewählt, dass ein Gradient
des Gesamtdurchflusses w
T in Abhängigkeit von z beim Übergang zur Öffnung
des Rückführventils 17 mindestens annähernd konstant bleibt, das
heisst, es ist
In Figur 4 deuten die gestrichelten Linien den Verlauf des Gesamtdurchflusses
wT an, wenn k nicht wie oben beschrieben gewählt wird. In einer weiteren
Variante der Erfindung wird k mittels einer Kompressorcharakteristik an den
Betriebszustand des Kompressors angepasst.
Der erfindungsgemässe Regler hat den Vorteil, dass die wesentliche Reglerdynamik
durch den dynamischen Regler 22 bestimmt werden kann, und dass
dieser Regler auf nur eine Kenngrösse z wirkt. Damit entfallen bei dynamischen
Mehrgrössenreglern auftretende Probleme der Koordination dynamischer
Vorgänge beim Entwurf und im Betrieb. Dies wird möglich durch die
erfindungsgemässe Betrachtung und Regelung der Kompressoreinheit als
Ganzes und durch die statische Bestimmung der Sollwerte u1 und u2 aus der
einzelnen Kenngrösse z.
Im Folgenden wird beschrieben, wie der zustandsabhängige erste Statikparameter
v und der modifizierte erste Statikparameter v* bestimmt werden:
Die erste Kompressorcharakteristik 24 bestimmt den ersten Statikparameter
v aus den Messwerten der Kompressoreinheit 10, also aus Eintrittsdruck p
1,
Eintrittstemperatur T
1 und Austrittsdruck p
2, sowie aus dem bekannten Wert
des ersten Sollwertes u
1. Dazu wird beispielsweise von einer Beschreibung
der Kompressorkennlinien durch eine Gleichung der Form
wCM = f(u 1,p 1,p 2,T 1)
ausgegangen. Diese bestimmt einen modellierten Kompressordurchfluss w
CM
in Abhängigkeit von u
1 und von den Messwerten der Kompressoreinheit 10.
Ebenfalls als Element der Kompressorcharakteristik 24 gegeben ist eine
Gleichung, welche einen sogenannten Pumpfehler S
E, das heisst ein Abstand
eines Kompressorzustandes von der Sicherheitsgrenze SG berechnet
Der Wert von u1, für den dieser Ausdruck Null wird, ist gleich dem gesuchten
Wert des ersten Statikparameters v.
Die obigen Gleichungen zur Beschreibung der Kompressorkennlinien und
des Pumpfehlers sind implizite in den Kompressorcharakteristiken 24, 25
enthalten und entsprechen einem statischen Modell des Kompressorverhaltens.
Die Gleichungen werden durch Messungen und/oder theoretische
Analysen bestimmt. Vorteilhafterweise werden sie skaliert, normiert und in
Tabellenform gespeichert. Die Bestimmung von u1 respektive v geschieht
beispielsweise durch numerische Auflösung der Gleichung für den Pumpfehler
sE, oder indem Lösungen der Gleichung in voraus berechnet und tabelliert
werden.
Ein realer Kompressor 13 wird in seinem Verhalten von den modellierten,
erwarteten Kompressorcharakteristiken abweichen. Um diese Abweichung
der Kompressorcharakteristiken 24,25 von einem realen Kompressorverhalten
auszugleichen, wird der erste Statikparameter v aufgrund einer Messung
korrigiert, so dass der Übergang zwischen der Regelung durch die Vorleitreihe
und der Regelung durch das Rückführventil 17 auf der Sicherheitsgrenze
SG bleibt, und sich insbesondere nicht in Richtung der Pumpgrenze verschiebt.
Als Messung wird beispielsweise der Kompressordurchfluss wC gewählt.
In einer zweiten Kompressorcharakteristik 25 wird der modellierte
Kompressordurchfluss wCM gemäss der oben bereits gezeigten Gleichung
bestimmt. Von diesem modellierten Kompressordurchfluss wCM wird im
Summationsblock 21 der gemessene Kompressordurchfluss wC abgezogen.
Anhand der Differenz wCM-wC wird in der Korrektureinheit 26 der modifizierte
erste Statikparameter v* beispielsweise als
v* = v + K(wCM - wC )
bestimmt, wobei K eine Konstante ist. Anstelle dieser linearen Korrektur wird
beispielsweise auch eine nichtlineare und/oder eine dynamische Abhängigkeit
von v* von der Differenz wCM-wC verwendet.
Falls die Messung des Kompressordurchflusses wc ausfällt, wird vorteilhafterweise
ein Warnsignal ausgegeben und die Regelung mit einem zuletzt
gemessenen Wert von wC fortgeführt. Da sich eine relevante Abweichung des
realen vom modellierten Kompressorverhalten im Verlauf von Tagen bis
Wochen entwickelt, ist dies nicht kritisch.
In einer weiteren Variante des erfindungsgemässen Reglers wird anstelle des
Austrittsdrucks p2 der Gesamtdurchfluss wT vorgegeben. In diesem Fall wird
die gleiche Struktur wie in Figur 3 verwendet, jedoch mit anderen Koeffizienten
des dynamischen Reglers 22. Der geregelte Gesamtdurchfluss WT ist
wahlweise ein Massenstrom oder ein Volumenstrom. In einer weiteren Variante
des erfindungsgemässen Reglers ist der dynamische Regler 22 ein
kombinierter Feedforward/Feedback-Regler mit p2S und wTS als Eingängen,
oder eine Reglerkaskade für p2 und wT. Ebenso sind weitere Reglervarianten
möglich, die alle auf der Idee einer gemeinsamen Kenngrösse für einen
Kennfeldparameter und das Rückführventil 17 basieren.
Die erfindungsgemässe Regelung wird in einer bevorzugten Variante zur Regelung
eines radial wirkenden Gaskompressors zur Brennstoffversorgung einer
Gasturbine eingesetzt. Die erste Sollgrösse ui gibt dabei Werte für eine
verstellbare Vorleitreihe vor. Diese Regelung eines Gaskompressors wurde in
Simulationen getestet, wobei der Gasbedarf der Gasturbine innert 4 Sekunden
von 100% auf 10% verringert wurde. Die Regelung verhält sich mindestens
ebenso gut wie herkömmliche, wesentlich kompliziertere Regelstrukturen.
In weiteren bevorzugten Varianten der erfindungsgemässen Regelung wird
sie zur Regelung von Axialkompressoren, von Turboladern, oder zur Regelung
der Drehzahl von drehzahlvariablen Kompressoren über die erste Sollgrösse
u1 eingesetzt.
Bezugszeichenliste
- 10
- Kompressoreinheit
- 11
- Mischer
- 12
- Einlass
- 13
- Kompressor
- 14
- Austritt
- 15
- Abzweigung
- 16
- Rückflussleitung
- 17
- Ventil, Rückführventil
- 21
- erster Summationsknoten
- 22
- Dynamischer Regler
- 23
- Statischer Sollwertbildner
- 24
- erste Kompressorcharakteristik
- 25
- zweite Kompressorcharakteristik
- 26
- Korrektureinheit
- 27
- zweiter Summationsknoten
- k
- zweiter Statikparameter
- p1
- Eintrittsdruck
- P2
- Austrittsdruck
- P2S
- Austrittsdrucksollwert
- PG
- Pumpgrenze
- SE
- Pumpfehler
- SG
- Sicherheitsgrenze
- T1
- Eintrittstemperatur
- u1
- erster Sollwert
- u2
- zweiter Sollwert
- v
- erster Statikparameter
- v*
- modifizierter erster Statikparameter
- WC
- Kompressordurchfluss
- WCM
- modellierter Kompressordurchfluss
- wR
- Rückfluss
- wT
- Gesamtdurchfluss
- WTS
- Gesamtdurchflusssollwert
- z
- Kenngrösse