Technisches Gebiet
Die Erfindung betrifft ein Kühlsystem für den Vorderkantenbereich einer hohlen
Gasturbinenschaufel, bei welcher sich ein Kanal innerhalb der verdickten Schaufelvorderkante
vom Schaufelfuss bis zur Schaufelspitze erstreckt, wobei der Kanal
über eine Mehrzahl von in der Schaufelvorderkante angebrachten Bohrungen mit
einem von einem Kühlmittel längsdurchströmten Hauptkanal kommuniziert.
Stand der Technik
Hohle, innengekühlte Turbinenschaufeln mit Flüssigkeit, Dampf oder Luft als
Kühlmittel sind hinlänglich bekannt. Ein Problem stellt insbesondere die Kühlung
des Vorderkantenbereiches von solchen Schaufeln dar.
Ein Kühlsystem der eingangs genannten Art ist bekannt aus der DE-A1 27 03
815. Die dortige Schaufel weist im Vorderkantenbereich einen Hauptkanal auf, der
durch einen an den Innenwandungen der Schaufel abgestützen Einsatz gebildet
wird. Der Vorderkantenabschnitt ist verdickt ausgeführt und umschliesst einen
Hohlraum. Der verdickte Abschnitt ist sowohl mit dem Schaufelfuss als auch mit
der Schaufeldeckplatte verbunden und dient insbesondere der Torsionsversteifung.
Der Hohlraum wird in seiner Höhe über mehrere Bohrungen mit Kühlmittel
angespeist aus dem längsdurchströmten Hauptkanal. Dabei werden die Innenseiten
der Vorderkante im Bereich des Hohlraumes prallgekühlt. Der Hohlraum ist
an der eigentlichen Vorderkante mit Durchgangslöchern zur Aussenwand versehen.
Das über die Durchgangslöcher in den Turbinenkanal austretende Kühlmittel
bewirkt damit eine Filmkühlung des Vorderkantenbereiches. Die Bohrungen vom
Hauptkanal zum Hohlraum sind so bemessen, dass in ihnen der für die anschliessende
Filmkühlung erforderliche Druckabfall verursacht wird.
Darstellung der Erfindung
Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Kühlsystem der eingangs
genannten Art zu schaffen, bei welchem die Vorderkante mit reiner Konvektionskühlung
ohne zusätzliche Filmkühlung beaufschlagt wird.
Erfindungsgemäss wird dies mit den kennzeichnenden Merkmalen des Patentanspruchs
1 erreicht.
Dadurch, dass der Kanal über der Schaufelhöhe längsdurchströmt ist und mit
variablem Querschnitt ausgebildet ist, hat man ein Mittel in der Hand, über die
Wahl des Querschnittes und die Anzahl und Dimensionierung der Bohrungen den
Wärmeübergangskoefiizienten an der Vorderkante in gewünschter Weise zu beeinflussen.
Im Falle von Schaufeln, die mit einer Deckplatte versehen sind, ist es zweckmässig,
wenn der Kanal an seinem oberen Ende in eine unterhalb der Deckplatte
angebachte Kammer übergeht, welche in Wirkverbindung steht mit einer
Druckquelle, deren Druck niedriger ist als der Druck im Hauptkanal.
Kurze Beschreibung der Zeichnung
In der Zeichnung ist ein Ausführungsbeispiel der Erfindung anhand einer innengekühlten
Gasturbinenschaufel vereinfacht dargestellt. Darin zeigen:
- Fig. 1
- eine Schaufel im Querschnitt;
- Fig. 2
- einen Längsschnitt durch den Vorderkantenbereich;
- Fig. 3
- den Vorderkantenbereich der Schaufel nach Fig. 1 am Schaufelfuss;
- Fig. 4
- die Vorderkante in mittlerer Schaufelhöhe;
- Fig. 5
- die Vorderkante an der Schaufelspitze.
Es sind nur die für das Verständnis der Erfindung wesentlichen Elemente gezeigt.
Die Strömungsrichtung der beteiligten Medien ist mit Pfeilen bezeichnet.
Weg zur Ausführung der Erfindung
Die in Fig. 1 dargestellte, gegossene Schaufel weist drei Innenkammern a, b, und
c auf, die von einem Kühlmittel, beispielsweise Luft, senkrecht zur Zeichnungsebene
durchströmt sind. Dabei werden die Innenseiten der die Schaufelkontur
bildenden Wand W - die aussen beidseitig von heissen Gasen umströmt ist - vom
Kühlmittel umströmt und geben ihre Wärme an das Kühlmittel ab. In der Regel
sind zumindest in den zwei vorderen Kammern a, b zahlreiche hier nicht gezeigte
Hilfsmittel wie Leitrippen, Strömungskanäle, Einsätze für Prallkühlung und dergleichen
zur Verbesserung der Wandkühlung vorgesehen sein können. Im
Beispielsfall einer mit einer Deckplatte 11 versehenen Laufschaufel zirkuliert das
Kühlmittel in mehreren Zügen durch die Innenkammern a, b, und c und kann z.B.
über die nicht gezeigte Schaufelhinterkante in den Turbinenkanal abgeführt werden.
In der Vorderkammer a gibt es den Problembereich der eigentlichen Vorderkante,
die von den heissen Gasen direkt angeströmt wird und deshalb einer besonders
sorgfältigen Kühlung bedarf.
Die Fig. 2 bis 5 zeigen das Kühlsystem für den Vorderkantenbereich einer hohlen
Gasturbinenschaufel. Vom Schaufelfuss 1 bis zur Schaufelspitze 2 erstreckt sich
ein längsdurchströmter Hauptkanal 3, welcher der Kammer a in Fig. 1 entspricht.
Im Bereich des Schaufelblattes 4 ist dieser Kanal von den Innenwandungen der
Vorderkante, der Saugseite 6 und der Druckseite 7 sowie von einem die Druckseite
mit der Saugseite verbindenden Steg 8 begrenzt.
Ein Kanal 10 erstreckt sich innerhalb der verdickten Schaufelvorderkante 5 vom
Schaufelfuss bis zur Schaufelspitze. Es versteht sich, dass dieser Kanal je nach
Erfordernissen nicht bis hin zum Schaufelfuss reichen muss. Sein unteres Ende
könnte sich auch etwas weiter radial aussen befinden und z.B. erst unterhalb mittlerer
Blatthöhe einsetzen, dort wo in der Regel die stärkste Wärmebelastung der
Schaufel auftritt.
An der Schaufelspitze geht der Kanal 10 über in eine unterhalb der Deckplatte 11
verlaufenden Kammer 12. Diese Kammer reicht bis hin zur nicht dargestellten
Schaufel-Hinterkante, die zumindest im Kammerbereich gegen den durchströmten
Gasturbinenkanal hin offen ist. Der an der Schaufelhinterkante herrschende
Druck, der auf jeden Fall kleiner ist als der im längsdurchströmten Hauptkanal 3
herrschende Druck, ist demnach im Kanal 10 wirksam. Diese Druckdifferenz führt
dazu, dass das sich im Kanal 10 befindende Medium gegen die Hinterkante
abströmt.
Es versteht sich, dass für diese treibende Druckdifferenz nicht unbedingt der Hinterkantendruck
an den Kanal 10 angelegt werden muss. So könnte die Kammer
12 auch in Wirkverbindung stehen mit einer Wirbelkammer, wie sie in der Regel in
den Labyrinthen oberhalb der Deckplatte zwischen zwei Deckplattenzacken oder
Dichtstreifen vorgesehen sind.
Der Kanal 10 kommuniziert über eine Mehrzahl von im Innenbereich der
Schaufelvorderkante angebrachten Bohrungen 9 mit dem vom Kühlmittel
längsdurchströmten Hauptkanal 3. Die treibende Druckdifferenz sorgt dafür, dass
ein Teil des an der Vorderkante im Hauptkanal 3 entlang strömenden Mediums
nunmehr über diese Bohrungen 9 in den Kanal 10 eintrömt und dort als Prallstrahl
auf die Kanal-Innenwandung auftrifft. In zunehmender Radialerstreckung gelangt
also immer mehr Kühlluft in den Kanal 10. Um einigermassen gleichmässige
Metalltemperaturen über der Höhe des Schaufelblattes zu erreichen, wird nunmehr
eine Massnahme getroffen, die eine zumindest annähernd gleichmässige
Geschwindigkeit des abströmenden Kühlmittels in Längsrichtung des Kanals 10
erlaubt. Hierzu wird der Kanal in radialer Richtung erweitert.
Wie aus den Fig. 3, 4 und 5 erkennbar ist, wird der durchströmte Querschnitt vom
Schaufelfuss bis zur Schaufelspitze zunehmend grösser und zwar in Abhängigkeit
von den jeweils neu hinzukommenden Prallstrahlen. Je nach gewählter Teilung,
Anzahl sowie Dimensionierung der Bohrungen 9 kann die Querschnittszunahme
somit entweder stetig oder unstetig sein. Massgebend für die Art der Querschnittszunahme
ist die Vorgabe, dass in jedem Fall das Verhältnis Geschwindigkeit des
jeweiligen Prallstrahles zur Geschwindigkeit der Längsströmung im Kanal 10
gross sein soll. Damit wird verhindert, dass die abströmende Luft die Wirkung der
Prallstrahlen beeinträchtigt.
Wie aus Fig. 5 erkennbar, können im Spitzenbereich in einer gleichen Radialebene
mehrere Bohrungen 9 nebeneinander vorgesehen sein, um die Prallwirkung
über einen breiteren Bereich der Vorderkante auszuüben.
Versuche haben ergeben, dass mit der neuen Lösung der Wärmeübergangs-Koeffizient
bis zu 10x höher sein kann als in einem glatten ebenen Referenzkanal.
Gegenüber dem Dreieckskanal a ohne die neue Massnahme wird der Wärmeübergangs-Koeffizient
demnach noch höher sein. Dieser Umstand kann in
gewissen Fällen einen Verzicht auf die bekannte Filmkühlung in der Vorderkante
mit entsprechendem Fluidverlust zur Folge haben.
Dieser erhöhte Wärmeübergangs-Koeffizient gilt für die eigentliche Nase, die
konvektiv durch Längs-und Prallströmung gekühlt ist. Ein erhöhter Wärmeübergangs-Koeffizient
wird jedoch auch im rückwärtigen Bereich der Vorderkante
dadurch erzielt, dass das Abströmen aus dem Kanal 3 in die Bohrungen 9 die
Strömungsintensität in diesem Bereich erhöht. Gegenüber dem glatten Dreieckskanal
a ohne die neue Massnahme strömt erheblich mehr Kühlmittel an der mit
den Bohrungen versehenen Kanalwand entlang mit entsprechend effektiverer
Kühlung.
Bei einer allfälligen Beschädigung der Vorderkante durch auftreffende Fremdkörper
wird die Funktionsweise des Hauptkanals 3 nicht beeinträchtigt. In diesem
Fall könnten die beschädigten Teile über die angrenzenden Bohrungen 9
filmgekühlt werden.
Oberhalb der Kammer 12, deren Form z.B. der Schaufelprofilform entspricht, kann
die Innenwandung der Deckplatte vertippt sein. Mit dieser Massnahme könnte die
abströmende Luft auch noch zur Kühlung der Deckplatte beitragen.
Bezugszeichenliste
- a, b, c
- Innenkammern der Schaufel
- W
- Schaufelwand
- 1
- Schaufelfuss
- 2
- Schaufelspitze
- 3
- längsdurchströmter Kanal
- 4
- Schaufelblatt
- 5
- Vorderkante
- 6
- Saugseite
- 7
- Druckseite
- 8
- Steg
- 9
- Bohrung
- 10
- Kanal
- 11
- Deckplatte
- 12
- Kammer