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Die vorliegende Erfindung bezeiht sich auf ein biochemisches Verfahren
zur Herstellung von Brenzcatechinen und/oder Dihydrodiolen.
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Die mikrobielle Oxidation von Benzol ist gut bekannt. Beispielsweise ist
aus den Arbeiten von Gibson et al., Biochemistry, 7(7), 1968, S. 2653;
und Biochemistry, 9(7), 1970, S. 1631, bekannt, daß der Organismus
Pseudomonas putida Benzol und bestimmte substituierte Benzole zu ihren
entsprechenden Dihydrodiolen, Brenzcatechinen und weiteren
Abbauprodukten metabolisieren kann. Für Benzol wird angenommen, daß der
Metabolismus einer Enzym-katalysierten Reaktionssequenz folgt, worin Benzol
durch eine Dioxygenase in cis-1,2-Dihydroxy-cyclohexa-3,5-dien (manchmal
als "cis-Benzolglykol" oder "Benzoldihydrodiol" bezeichnet) umgewandelt
wird, das unter der Einwirkung einer Dioldehydrogenase in Brenzcatechin
umgewandelt wird, welches enzymatisch in weitere Abbauprodukte
übergeführt wird. Es wird angenommen, daß ein ähnlicher Ablauf für einen
Toluol-Metabolismus unter Anwendung von Pseudomonas putida auftritt
(Gibson et al., Biochemistry, 9(7), 1970, S. 1627).
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Obgleich die Dihydrodiole und Brenzcatechine nützliche Produkte
darstellen würden, hat es sich jedoch als schwierig erwiesen, die Reaktion so
zu steuern, daß eine ausreichende Ausbeute der gewünschten Verbindung
als ein Reinprodukt erhalten wird. Das europäische Patent Nr. 76 606
beschreibt einen Versuch zur Schaffung eines effizienten Verfahrens zur
Herstellung nützlicher Produkte.
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Es wurde nun eine spezielle Kohlenstoffquelle gefunden, die eine
überraschend wirksame und billige Produktion von nützlichen Produkten
ermöglicht.
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Demgemäß schafft die vorliegende Erfindung ein Verfahren zur Herstellung
eines Brenzcatechins und/oder einer einen
1,2-Dihydroxycyclohexa-3,5-dien-Ring aufweisenden Verbindung, welches Verfahren ein
Vermehren eines Stammes von Pseudomonas putida in Gegenwart einer
Kohlenstoffquelle umfaßt, wobei der Mikroorganismus zur Umwandlung von Benzol,
Fluorbenzol oder Trifluormethylbenzol in das Brenzcatechin und/oder die
einen 1,2-Dihydroxycyclohexa-3,5-dien-Ring enthaltende Verbindung
befähigt ist; sowie ein Zuführen der entsprechenden aromatischen
Verbindung
zu dem Mikroorganismus umfaßt; dadurch gekennzeichnet, daß die
Kohlenstoffquelle eine Melasse ist.
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Die Melasse kann eine Rohrzuckermelasse, eine Rübenzuckermelasse,
Maismelasse, Zitrusfruchtmelasse, Hirsekornmelasse, Sorgomelasse oder
Holzmelasse sein. Derartige Produkte werden in Kirk-Othmer, "Encyclopedia of
Chemical Technology", 2. Aufl., Interscience Publishers, New York, unter
dem Stichwort "MOLASSES" in Band 13, Seiten 613 bis 633, beschrieben.
Vorteilhafterweise ist die Melasse eine Rohrzuckermelasse oder eine
Rübenzuckermelasse. Rohrzuckermelassen umfassen erste Melasse, zweite
Melasse, End- oder Restmelasse, Raffineriemelasse, high-test-Melasse und
distillers' solubles. Rübenzuckermelassen umfassen Endmelassen,
Abfallmelasse und Steffen's-Abfall.
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Rohrzuckermelasse ist die am meisten bevorzugte Melasse, und die am
leichtesten verfügbare Form von Rohrzuckermelasse in großen Mengen ist
End- oder Restmelasse.
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Der Erfolg von Melasse im Verfahren gemäß der Erfindung ist besonders
überraschend, weil ein Zucker wie Glucose (die einen Bestandteil der
Melasse darstellt) als ein Enzymsynthese-Repressor wirkt und bei Einsatz
als Kohlenstoffquelle im vorstehenden Verfahren einen sehr niedrigen
Produktionsgrad an den gewünschten Verbindungen ergibt. Da Melasse ein
verhältnismäßig billiges Material darstellt, hat es als
Kohlenstoffquelle kommerzielle Vorteile.
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Die als Einsatzmaterial verwendete Verbindung kann Benzol sein, was zur
Bildung von Brenzcatechin und/oder cis-1,2-Dihydroxy-cyclohexa-3,5-dien
führt. Ein bevorzugtes Ausgangsmaterial ist jedoch Fluorbenzol, das zur
Bildung von 3-Fluorbrenzcatechin und/oder
cis-1,2-Dihydroxy-3-fluorcyclohexa-3,5-dien führt, bei denen es sich um nützliche
Zwischenprodukte für die Herstellung von beispielsweise Pharmazeutika und
fluororganischen Agrochemikalien handelt. Die chemische Herstellung von
3-Fluorbrenzcatechin ist schwierig, und diese Substanz ist teuer. Ein
weiteres geeignetes Ausgangsmaterial ist Trifluormethylbenzol.
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Der speziell ausgewählte Mikroorganismus wird natürlich vom gewünschten
Produkt abhängen. Es sind verschiedene Mikroorganismen verfügbar, die
vorwiegend ein Brenzcatechin, insbesondere ein Dihydrodiol, oder ein
Gemisch bilden können. Der optimale Mikroorganismus wird natürlich auch
in Abhängigkeit von der als Einsatzmaterial gewählten aromatischen
Verbindung variieren.
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Ein bevorzugter Mikroorganismus, der Benzol, Fluorbenzol oder
Trifluormethylbenzol als Ausgangsmaterial verarbeiten kann, ist jener, der mit
Wirkung vom 6. Dezember 1985 bei der National Collection of Industrial
Bacteria, Torrey Research Station, Aberdeen, Scotland, deponiert worden
ist und die numerische Bezeichnung NCIB 1219O erhalten hat und hier als
"P.putida NCIB 12190" bezeichnet wird. Weiterhin sind Mutaten dieses
Mikroorganismus sehr nützlich. Weitere besonders geeignete
Mikroorganismen sind jene, die im europäischen Patent Nr. 76 606 beschrieben
sind, beispielsweise Mutanten von Pseudomonas putida NCIB 11767 oder
Pseudomonas putida NCIB 11680.
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In der paralleleln Anmeldung (Referenz K 1033) werden Pseudomonas putida
NCIB 12190 und deren Mutanten beschrieben und beansprucht. Bestimmte
dieser Mikroorganismen sind für die benötigten Enzyme in der Herstellung
von bestimmten Brenzcatechinen und/oder Dihydrodiolen konstitutiv.
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Pseudomonas putida NCIB 12190 wurde aus einer Bodenprobe, die aus dem
Erdreich innerhalb der Shell Raffinierie in Pernis, Rotterdam, entnommen
worden war, isoliert.
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Mutante Stämme von Pseudomonas putida NCIB 12190, die zum Ansammeln von
cis-Dihydroxycyclohexadien oder Brenzcatechin oder ihren fluorierten
Analoga befähigt sind, wenn sie in Gegenwart von Benzol oder Fluorbenzol
vermehrt werden, können nach einem Auswahlverfahren erhalten werden, das
ein Mutieren von Psuedomonas putida NCIB 12190 durch chemische oder
physikalische Mittel, ein Wachsenlassen der mutierten Bakterien in
Anwesenheit einer Kohlenstoffquelle, ein Einwirkenlassen der vermehrten
Bakterien auf Benzol oder Fluorbenzol und ein Auswählen jener mutierten
Stämme von Pseudomonas putida umfaßt, die cis-Dihydroxycyclohexadien
oder Brenzcatechin oder ihre fluorierten Analoga angesammelt haben.
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Es können geeignete Komponenten des Mediums, das für die biochemisch
katalysierte Oxidation einer aromatischen Verbindung verwendet wird,
ausgewählt werden, um die Umwandlung zu den gewünschten Produkten zu
optimieren und den Abbau zu Muconsäure und zu weiteren Abbauprodukten zu
minimieren. Ein geeignetes Medium ist ein Stickstoff-freies Salzmedium,
für das nachstehend ein Beispiel angegeben wird.
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Aus der resultierenden Fermentationsbrühe können die gebildete
Verbindung bzw. die gebildeten Verbindungen nach allen geeigneten
Methoden gewonnen werden, wie durch Lösungsmittelextraktion, oder durch
Adsorption an granulierte Kohle, gefolgt von einem Strippen mit einem
geeigneten Lösungsmittel und von einer weiteren Reinigung, wie sie in
Abhängigkeit vom beabsichtigten Gebrauch des Produktes erforderlich sein
kann.
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Nach einem weiteren bevorzugten Merkmal kann, insbesondere bei einem
Arbeiten mit Benzol als Ausgangsmaterial, ein Proteinsynthese-Inhibitor
in die Kultur eingebracht werden, um die Synthese von Abbauenzymen zu
inhibieren und solcherart die Ansammlung von Produkten im
Reaktionsgemisch zu steigern. Ein bevorzugter Proteinsyntheseindhibitor ist
Chloramphenicol, doch können andere bakteriostatische Antibiotika, wie
Tetracyclin, verwendet werden, die ein Enzymwachstum inhibieren, die im
Verfahren eingesetzten Zellen aber nicht abtöten. Die Notwendigkeit,
einen Proteinsyntheseinhibitor zu verwenden, hängt vom Ausgangsmaterial
und von der Leichtigkeit ab, mit welcher die Abbaustufen über die
gewünschten Produkte hinaus auftreten können. Während die Verwendung
eines derartigen Inhibitors bei Einsatz von Benzol als Ausgangsmaterial
bevorzugt wird, ist dies im Falle von Fluorbenzol als Ausgangsmaterial
nicht erforderlich.
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In bevorzugten Ausführungsformen des vorstehend beschriebenen Verfahrens
ist keine Induktion von Enzymen notwendig, um eine Kultur zu ergeben,
die das gewünschte Produkt produzieren kann. Das Anfangswachstum unter
Verwendung von Kohlenstoffquellen wie Benzol und Toluol wird somit
vermieden, was den Reaktoraufbau vereinfachen kann, weil keine Fermenter
benötigt werden, die zur Vermeidung des Entweichens von Benzol geeignet
sind. Darüber hinaus wird das Vorliegen von unerwünschten Chemikalien im
Reaktionsgemisch vermieden.
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Die nachfolgenden Beispiele erläutern die Erfindung.
Colorimetrische Bestimmung von cis-Dihydroxycyclohexadienen und
Brenzcatechinen.
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Es wurde die Methode nach Freistad et al., Analytical Chemistry 41,
1969, Seiten 1750-1754, angewendet. Die auf Brenzcatechine zu testenden
Lösungen wurden mit einem gleichen Volumen an
3-Methyl-2-benzothiazolinonhydrazon-hydrochlorid (0,05 % Gew./Vol. in Wasser) und mit
einem gleichen Volumen an Cerammoniumsulfat (0,2 % Gew./Vol. in 0,4 %
Gew./Vol. Schwefelsäure) vermischt. Gegebenenfalls wurde nach einigen
wenigen Minuten ein Borat-NaOH-EDTA-Puffer zugesetzt, wie von Freistad
et al. beschrieben. Die Intensitäten der entwickelten Farben wurden
visuell verglichen oder in alternativer Weise spektrophotometrisch bei
520 nm gemessen. Unter diesen Bedingungen entwickeln
cis-Dihydroxycyclohexadiene keine Farben. Eine zweite Probe jeder Testlösung wurde daher
mit Schwefelsäure oder Chlorwasserstoffsäure vor dem Farbtest
angesäuert, um die Dihydroxycyclohexadiene quantitativ in Phenole
überzuführen. Der Unterschied an Farbintensität zwischen den angesäuerten und den
nicht angesäuerten Proben ist ein Hinweis auf den Gehalt an
Dihydroxycyclohexadienen.
Verwendete Medien
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Die Zusammensetzungen von zwei der in den folgenden Beispielen
verwendeten Wachstumsmedien sind nachstehend in Tabelle 1 angegeben.
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ASM - Minimalsalzmedium
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NFSM - stickstofffreies Salzmedium
Tabelle 1:
Mengen je Liter
Zusammensetzung der TK/3-Spurenelementelösung:
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Diese enthielt je Liter die folgenden Komponenten:
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ZnSO&sub4;.7H&sub2;O (O,288 g); MnSO&sub4;.4H&sub2;O (O,224 g); H&sub3;BO&sub3; (O,O618 g); CuSO&sub4;.5H&sub2;O
(O,1248 g); Na&sub2;MoO&sub4;.2H&sub2;O (O,O484 g); CoCl&sub2;.6H&sub2;O (O,O476 g); KJ (O,O83
g); 1M H&sub2;SO&sub4; (1 ml).
Weitere verwendete Wachstumsmedien waren:
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dYT-Medium ----- 16 g Bacto-Trypton
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1O g Bacto-Hefeextrakt
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5 g NaCl/l
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Hefeextraktmedium (YEM) 1O g Dinatriumsuccinat.6H&sub2;O
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2 g/l (NH&sub4;)&sub2;SO&sub4;
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3 g/l Hefeextrakt (Difco)
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O,4 g/l MgSO&sub4;.7H&sub2;O
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O,O4 g/l Bacto-Pepton in 25 mM Kaliumphosphatpuffer End-pH 7,O.
Dünnschichtchromatographie (TLC)
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Wäßrige Proben (5ul) wurden auf Merck-Kieselgel 60 F254-Platten laufen
gelassen, die mit n-Propanol-Wasser-Ameisensäure 90:10:1 (Vol./Vol.)
entwickelt wurden. Der Dihydroxycyclohexadien-Gehalt wurde unter
kurzwelligem UV-Licht sichtbar gemacht und das Brenzcatechin wurde durch
Besprühen mit 2,6-Dichlorchinon-4-chlorimid (2% in Ethanol) detektiert.
Gaschromatographie (GC)
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Wäßrige Proben (0,5 ul) wurden an einer flexiblen 25 m Hewlett-Packard
Siliciumdioxid-Kapillarsäule von hoher Kapazität, beschichtet mit 5%
Phenylmethylsilikon, unter Verwendung von Helium als Trägergas
chromatographiert. Die Säule wurde auf 130ºC gehalten, und die eluierten
Verbindungen wurden mit einem Flammenionisationsdetektor bestimmt.
Beispiel 1 - Herstellung von NTG-Mutanten von P.putida NCIB 12190
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Pseudomonas putida NCIB 1219O wurde über Nacht bei 3OºC in dYT-Medium
vermehrt. Von der Kultur wurden Unterkulturen 1/2O in 1O ml frischem dYT
angesetzt und weitere 4 Stunden lang inkubiert. Die Bakterien wurden
durch Zentrifugieren geerntet, in NFSM gewaschen und nochmals durch
Zentrifugieren geerntet,bevor sie in NFSM (3 ml) resuspendiert wurden
und die optische Dichte bei 600 nm auf 3,O eingestellt wurde.
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Ein 1 ml-Aliquot wurde bei 3OºC 15 Minuten lang in einem
"Eppendorf"-Rohr inkubiert und dann wurde NTG (N-Methyl-N'-nitro-
N-nitrosoguanidin, 5 mg/ml in Dimethylsulfoxid) zugesetzt, um 5O ug/ml
zu ergeben. Der Inhalt des Rohres wurde kurz gemischt und 15 Minuten bei
3OºC inkubiert. Die Mutation wurde durch Abkühlen in Eis, Zentrifugieren
und dreimaliges Waschen in O,85%iger NaCl-Salzlösung gestoppt. Die
Bakterien wurden in Salzlösung verdünnt und O,1 ml-aliquote Anteile
wurden auf 1OO ASM-Platten ausplattiert, die jeweils O,O5%
Natriumsuccinat enthielten. Die Platten wurden 48 Stunden lang bei 3OºC
inkubiert.
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Nach dem Inkubieren waren auf den Platten kleine "Mikro"-Kolonien
sichtbar, da der Succinatgehalt nur für ein kleines Ausmaß des Wachstums
ausreichte. Die Platten wurden dann 24 Stunden lang bei 3OºC Benzoldampf
ausgesetzt, was zu einer großen Varietät von auf den Platten sichtbaren
Koloniengrößen führte. In einem ersten Selektionsverfahren wurden kleine
Kolonien auf den Platten (die wegen ihres Unvermögens, auf Benzol zu
wachsen, klein sind) (2O bis 3O/Platte) unter Verwendung steriler
Cocktailspießchen aufgenommen und in Mikrotiterplatten mit 96
Vertiefungen (Titertek) mit einem Gehalt an 5O ul ASM + O,5 %
Natriumsuccinat je Vertiefung verteilt. Die Platten wurden über Nacht
bei 3OºC in einem verschlossenen Kasten inkubiert, um eine Verdampfung
zu verhindern, und die Mikrotiterplatten wurden auf quadratische (12O
mm) Platten aus handelsüblichem Nährager (Oxid, für Kontrollversuche)
unter Verwendung einer Repliziervorrichtung mit 96 Spitzen repliziert.
Die Agarplatten wurden über Nacht inkubiert und die Mikrotiterplatten
wurden 3 Stunden lang Benzoldampf ausgesetzt. Die anschließende Prüfung
erfolgte nach der oben beschriebenen colorimetrischen Methode. Jene
Mutanten, die die intensivste Farbe entwickelten, wurden für ein
weiteres Testen ausgewählt.
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Die Organismen-Kandidaten aus dem Anfangsauswahlverfahren wurden als
gereinigte Kulturen auf Agarplatten erhalten und in 1,5 ml eines
ASM-Mediums überimpft (ergänzt mit einem Spurenelementgemisch, Fe²&spplus;
20 uMol und Natriumsuccinat 5 g/l). Die Kulturen wurden über Nacht in
schräg rotierenden Teströhrchen bei 30ºC vermehrt, zentrifugiert, die
Überstände wurden verworfen und die Zellen wurden in 0,25 ml ergänztem
ASM in Teströhrchen resuspendiert, die nahezu horizontal in einem Tank
mit Benzoldampf auf einer Rüttelplattform bei Raumtemperatur angeordnet
waren.
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Nach einer bestimmten Benzol-Einwirkungszeit (üblicherweise 3 und/oder 5
bis 6 Stunden) wurden zwei 0,5 ml-Proben aus jeder Kultur zum Farbtesten
nach der oben beschriebenen colorimetrischen Methode entnommen. Zu einer
dieser Proben wurden 10 ul 5M HCl zugefügt, um etwa vorliegendes
cis-Dihydroxycyclohexadien in Phenol überzuführen. 5 ul-Proben wurden an
Luft belassen, und am nächsten Tag wurde eine End-Dünnschichtprobe
genommen.
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Zu Vergleichszwecken wurden in jeden getesteten Ansatz zwei Kulturen von
Wildtyp-P.putida NCIB 12190 einbezogen, wobei zu einer dieser beiden
Kulturen vor der Einwirkung von Benzol Chloramphenicol (0,1 mg/ml)
zugesetzt worden war. Die Farben und TLC-Flecken wurden verglichen und auf
einer 8-Punkte-Skala von - bis +++ bewertet. Die Ergebnisse sind in
Tabelle 2 angeführt. Es wurde eine gute Reproduzierbarkeit gefunden.
TABELLE 2
3 h Benzoleinwirkung
5-6 h Benzoleinwirkung
Mutante
Farbtest
TLC (nächster Tag)
+ Säure
ohne Säure
Dien Brenzcatechin
KONTROLLEN
Chloramphenicol
CIS-DIHYDROXYCYCLOHEXADIEN-PRODUZENTEN
NTG-Mutante
TABELLE 2 (Fortsetzung)
3 h
Benzoleinwirkung
5-6 h Benzoleinwirkung
Mutante
Farbtest
TLC (nächster Tag)
+ Säure
ohne Säure
Dien Brenzcatechin
BRENZCATECHIN-PRODUZENTEN
NTG-Mutante
Beispiel 2 Verwendung des NTG-Mutanten F in der Herstellung von
3-Fluor-cis-1,2-dihydroxycyclohexa-3,5-dien unter Einsatz von
Melasse als Kohlenstoffquelle
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Ein YEM entsprechendes Medium, mit dem Unterschied, daß es kein Succinat
enthielt (pH 7,0; 8 Liter), wurde mit 240 g Zuckerrohrmelasse ergänzt
und mit einer Schüttelkolbenkultur von NTG-Mutant F beimpft. In das
gerührte Gemisch (500 UpM) wurde Luft mit einer Geschwinigkeit von 500
ml/min während 20 h eingeführt. Während der letzten 16 h
Vermehrungsdauer wurde dem Fermenter eine Lösung von Zuckerrohrmelasse (500 g/l)
und Ammoniumsulfat (50 g/l) in 25 mM Phosphatpuffer (pH 7,0) mit einer
Geschwindigkeit von 40 ml/h zugeführt. Der pH-Wert der Brühe wurde durch
Zugabe von 10%igem wäßrigem Natriumhydroxid mittels eines
Überwachungssystems auf etwa 7,0 gehalten.
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Nach 20 h Inkubation wurden 5 l Brühe entnommen und der Rest wurde mit
25 mM Phosphatpuffer (pH 7,0; 5 l) mit einem Gehalt an 5 g
Ammoniumsulfat verdünnt. Das Gemisch wurde belüftet (750 ml/min; 600 UpM) und
0,2 ml Fluorbenzol wurden zugesetzt. Eine Lösung von 250 g/l
Rohrzuckermelasse und 25 g/l Ammoniumsulfat in 25 mM Phosphatpuffer (pH 7,0) wurde
in einer Menge von 40 ml/h zugesetzt, und Fluorbenzol wurde in einer
Menge von 50 ul/min zugefügt. Die Lufteinspeisung und das Rühren wurden
so eingestellt, um eine positive Sauerstoffspannung (etwa 30 %) aufrecht
zu erhalten. Nach 5 h wurde die Lufteinspeisung auf 800 ml/min erhöht
und weitere 15 h auf diesem Wert gehalten.
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Das Produkt erreichte einen Wert von über 9 g/l und wurde durch
Absorption an Kohle aus der Brühe isoliert. Die Elution der Kohle mit
Ether/Methanol ergab das Produkt 3-Fluor-cis-1,2-dihydroxycyclohexa-3,5-
dien (46 g).
Beispiel 3 (zum Vergleich)
Verwendung des NTG-Mutanten F in der Herstellung von
3-Fluor-cis-1,2-dihydroxycyclohexa-3,5-dien unter Einsatz von Succinat als
Kohlenstoffquelle
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8 Liter YEM wurden in einem Rührfermenter mit einer 20 Stunden
Schüttelkolbenkultur von NTG-Mutant F beimpft, der auf dem gleichen Medium
gezüchtet worden war (5O ml). Der Organismus wurde unter den
Belüftungsbedingungen von 5OO
ml). Der Organismus wurde unter den
Belüftungsbedingungen von 5OO Umdrehungen je Minute und 5OO ml Luft je
Minute 19 Stunden lang bei kontinuierlicher Einspeisung von
konzentrierter Nährquelle (32O g Dinatriumsuccinat und 64 g
Ammoniumsulfat in 1 Liter O,O25 M Kaliumphosphatpuffer pH 7,2) mit 4O
ml/Stunde gezüchtet. Der Sauerstofftransfer wurde durch Erhöhen der
Rührergeschwindigkeit auf 55O Umdrehungen je Minute und der
Belüftungsrate auf 7OO ml Luft/Minute während 3O Minuten gesteigert und
dann auf die Parameter 5OO Umdrehungen je Minute: 6OO ml Luft/Minute;
Sauerstoffgleichgewichtsspannung 3O % anfangsgesättigte Luft
eingestellt.
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Das Fluorbenzol wurde mit einer Pumpe (Gilson Modell 3O2) mit 5O ul/min
zudosiert (Gleichgewichtskonzentration in der Reaktion 1OO bis 125
mg/l). Vor der Reaktion wurde die optische Dichte mit 3,11 bestimmt,
entsprechend einem Trockenzellengewicht von 3,9 g/l. Die Produktion von
3-Fluor-cis-1,2-dihydroxycyclohexa-3,5-dien wurde
gaschromatographisch füberwacht und die Konzentration erreichte nach 24 Stunden
2,8 g/l, verglichen mit über 9 g/l in Beispiel 2.
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Das Produkt wurde auf granulierter Kohle absorbiert und von der Kohle
durch Extraktion mit einem Gemisch aus Diethylether und Methanol
(Volumenverhältnis 4:1) in einer Soxhlet-Vorrichtung gewonnen. Das
Verdampfen des Lösungsmittels hinterließ einen Feststoff, der aus einem
Gemisch aus Diethylether und Pentan umkristallisiert wurde und farblose
Nadeln vom F. 73 bis 74ºC (Zersetzung) ergab.
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UV-Spektrum (H&sub2;O):λmax 259 nm (ε315O).
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Zirkulardichroismus: (H&sub2;O):λmax 255 nm (Δε- 1,9).
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Massenspektrum: m/z 13O (15%, M&spplus;), 112 (65 %), 84 (1OO %).
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¹H-NMR-Spektrum (CDCl&sub3;): δ5,88 (1H, mult, J = 1O, 6,5, 6, 2 Hz; 5-C-H),
5,71 (1H, dd, J = 1O, 3 Hz; 6-C-H), 5,6O (1H, dd, J = 11, 6,5 Hz;
4-C-H), 4,51 (1H, br.mult, J = 6, 3,2 Hz; 1-C-H), 4,29 (1H, tr, J = 6, 6
Hz; 2-C-H), 2,4O (2H, br.s, O-H) ppm.
Beispiel 4 Herstellung von cis-1,2-Dihydroxy-3-trifluormethylcyclohexa-
3,5-dien
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50 ml eines Mediums, das YEM entsprach, in dem jedoch Succinat durch
Melasse mit 30 g/l ersetzt worden war, wurde mit pseudomonas putida NCIB
12190 beimpft und in 250 ml-Kolben 17 h lang bei 30ºC auf einer
Schüttelvorrichtung inkubiert. 0,1 ml Benzotrifluorid wurden zugesetzt, und
der Kolben wurde dann verschlossen und weiter auf der
Schüttelvorrichtung bei 30ºC inkubiert. Die GLC zeigte das Vorliegen von 0,62 g/l des
gewünschten Produktes.
Beispiel 5 Herstellung von cis-1,2-Dihydroxy-3-trifluormethylcyclohexa-
3,5-dien
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Die Vorgangsweise von Beispiel 4 wurde unter Verwendung von 12,7 g/l
Melasse wiederholt. Die Endkonzentration des gewünschten Produktes lag
bei 0,55 g/l
Beispiel 6 (Vergleichsbeispiel)
Herstellung von cis-1,2-Dihydroxy-3-trifluormethylcyclohexa-3,5-dien
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Die Methode der Beispiele 4 und 5 wurde wiederholt, unter Verwendung von
10 g/l D-Glucose anstelle von Melasse als Kohlenstoffquelle. Es wurden
nur 0,04 g/l des gewünschten Produktes produziert.
Beispiel 7 Herstellung von cis-1,2-Dihydroxycyclohexa-3,5-dien
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Eine 50 ml-Schüttelkolbenkultur des NTC-Mutanten F, gezüchtet während
18 h auf einem Medium, das
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Melasse 14 g/l
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Hefeextrakt 3 g/l
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Ammoniumsulfat 2 g/l
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Magnesiumsulfatheptahydrat 0,4 g/l
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Bactopepton 0,04 g/l
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in 25 mM Kaliumphosphatpuffer, pH 7,2, enthielt, wurde zum Beimpfen von
7,5-8 l eines Mediums verwendet, das in 25 mM Kaliumphosphat, pH 7,2,
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150 g Rohrzuckermelasse
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24 g Hefeextrakt
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16 g Ammoniumsulfat
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3,2 g Magnesiumsulfatheptahydrat
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0,32 g Bactopepton
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enthielt.
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Die Kultur wurde über Nacht bei 400 UpM vermehrt, während Luft mit 400
ml/min zugeführt wurde. Die Temperatur wurde auf 30ºC geregelt und der
pH-Wert wurde durch Zusatz von verdünntem Ammoniak (1:3,880 Wasser), je
nach Bedarf, auf 7,0 ± 0,1 gehalten. Während der Wachstumsperiode, die
16 h dauerte, wurde eine Einspeisung von Melasse (200 g/l) und
Ammoniumsulfat
(50 g/l) mit 40 ml/h vorgenommen. Nach dieser Periode wurde die
Einspeisung abgebrochen und die Kultur aktiviert, indem die
Rührergeschwindigkeit und die Belüftungsrate auf 600 UpM und 500 ml/min
während 45 min angehoben wurden. Sobald diese Phase abgelaufen war,
wurde die Einspeisung von Melasse und Ammoniumsulfat im gleichen Ausmaß
(40 ml/h) wieder aufgenommen, und Benzol wurde der gerührten Kultur in
einem zwischen 50 und 150 ul/min variierenden Ausmaß zugeführt. Die
Luftzufuhr und die Rührergeschwindigkeit wurden zwischen 1000 und 500
ml/min bzw. 800 und 600 UpM variiert, um eine Spannung von gelöstem
Sauerstoff auf 30-50% Sättigung aufrecht zu erhalten. Bei einem auf
50-100 mg/l gehaltenen Anteil an gelöstem Benzol stieg unter diesen
Arbeitsbedingungen die Anhäufung von cis-Benzolglykol auf 6,3 g/l in
24 h, wie gaschromatographisch gemessen wurde.
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Pseudomonas putida NCIB 1219O wurde von der NCIB wie folgt
charakterisiert und identifiziert:
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Die Versuche wurden bei 25ºC ausgeführt und das Wachstum erfolgte auf
einem LAB M Nährager, soferne nichts anderes angegeben ist.
Zellmorphologie:
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Nach 24 stündigem Wachstum bei 3OºC auf Succinatagar, übertragen auf
Nährbrühe + O,75 Gew.-% Agar, zeigten sich die Zellen im Phasenkontrast
bei 63Ofacher Vergrößerung als kleine kurze Stäbe oder Kokken in
Clustern.
Grammnegativ
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Sporen -
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Beweglichkeit +
Morphologie der Kolonien
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Nach 48stündiger Vermehrung sind die Kolonien rund, gleichmäßig, ganz,
glatt, opak, mäßig konvex, gebrochen weiß und kleiner als 1 mm im
Durchmesser.
Wachstum auf Glucose - Pepton - Wasser -Zucker
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37ºC +
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41ºC -
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Katalase +
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Oxidase, Kovacs +
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O - F-Glucose Oxidativ
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"O-F Glucose" wurde unter Anwendung des Oxidations-Fermentations-Mediums
von Hayward und Hodgkiss, J. Gen. Microbiol. 26 (1961) 133 - 14O,
ergänzt mit 1 Gew.-% filtersterilisierter D-Glucose, ausgeführt. Eine
Probe wurde beimpft und 14 Tage lang inkubiert.
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Pseudomonas Putida NCIB 1219O kann in bequemer Weise auf Schrägnähragar
bei 4ºC oder als gefriergetrocknetes Material gelagert werden.