DE19936734C1 - Verfahren zur Herstellung eines Metall- oder Keramikwerkstücks - Google Patents
Verfahren zur Herstellung eines Metall- oder KeramikwerkstücksInfo
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Abstract
In einem Verfahren zur Herstellung eines Metall- und Keramikwerkstoffes wird ein metallischer oder keramischer Schlicker zur Bildung eines Grünkörpers unter Druck in eine poröse Gießform eingegossen. Dabei entweicht das Lösungsmittel durch die poröse Gießform und der Grünkörper wird anschließend entformt. Dabei ist vorgesehen, daß die Gießform während des Druckgießens außenseitig mit einem Füllstoff hinterfüllt ist und die poröse Gießform beispielsweise aus einem gesintertem Polymerpulver besteht.
Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines
Metall- oder Keramikwerkstücks, wobei ein metallischer oder
keramischer Schlicker (flüssige Suspension mit festen me
tallischen oder keramischen Pulverpartikeln und einem Lö
sungsmittel) zur Bildung eines Grünkörpers unter Druck in
eine poröse Gießform eingegossen wird, die während des
Druckgießens außenseitig mit einem Füllstoff hinterfüllt
ist, und wobei das Lösungsmittel entweicht und der Grünkör
per anschließend entformt wird.
Insbesondere bei Kleinserien oder bei der Herstellung von
Prototypen für ein Metall- oder Keramikwerkstück ist es
schwierig, diese schnell und kostengünstig herzustellen.
Zwar können die Werkstücke auf rechnergesteuerten Werkzeug
maschinen aus Halbzeugen des gewünschten Werkstoffs einzeln
herausgearbeitet werden, diese Vorgehensweise ist aber sehr
zeitaufwendig und dementsprechend kostenintensiv. Außerdem
ist die Ausbildung von komplizierten Hinterschnitten häufig
schwierig oder sogar unmöglich.
Aus der DE 41 20 706 C2 ist ein Verfahren zur Herstellung
von Sinterwerkstücken aus metallischem oder keramischem Ma
terial bekannt. Bei dem dort beschriebenen sogenannten Naß
pulvergießen wird ein metallischer oder keramischer Schlic
ker unter Atmosphärendruck in eine abgedichtete, hohle Si
likonform gegossen und gesintert. Dabei tritt das Problem
einer nicht ausreichenden Schrumpfkompensation sowie einer
sehr niedrigen Trocknungsgeschwindigkeit auf, wodurch das
Verfahren langsam und unwirtschaftlich ist.
Um die vorgenannten Probleme zu lösen, ist es bekannt, zur
Herstellung eines Metall- oder Keramikwerkstücks eine ab
schnittsweise poröse Gießform zu verwenden und den Schlic
ker unter erhöhtem Druck in die Gießform einzufüllen, wobei
das Lösungsmittel durch die Gießform hindurch entweicht.
Aufgrund des Entweichens des Lösungsmittels, das infolge
des erhöhten Drucks durch die poröse Gießform hindurch nach
außen gedrückt wird, lassen sich sehr hohe Trocknungsge
schwindigkeiten erzielen, wobei der erhöhte Druck den wei
teren Vorteil mit sich bringt, daß Volumenänderungen in
folge Schrumpfung oder Schwindens während des Gießens zu
verlässig ausgeglichen werden. Ferner wird dadurch gewähr
leistet, daß die erzeugten Grünlinge eine homogene Gefüge
struktur besitzen. Gemäß der JP 4-70023 A wird ein gleichar
tiger Effekt erzielt, indem die Außenseite der porösen
Gießform, die während des Gießvorgangs außenseitig mit ei
nem Füllstoff hinterfüllt ist, mit einem Unterdruck beauf
schlagt wird.
Die Gießform soll dabei einerseits möglichst schnell und
einfach herzustellen sein, andererseits muß sie den beim
Druckgießen einwirkenden Lasten sicher widerstehen können.
Die letztgenannte Anforderung führt in der Regel zu relativ
großen, stabilen Gießformen, deren Herstellung und Entfor
mung relativ aufwendig und schwierig ist.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zum
Druckschlickergießen zu schaffen, mit dem sich Werkstücke
schnell und in einfacher Weise herstellen lassen.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß mit dem Verfahren zur
Herstellung eines Metall- oder Keramikwerkstücks gemäß An
spruch 1 gelöst. Auch erfindungsgemäß ist die Gießform wäh
rend des Druckgießens außenseitig mit einem Füllstoff hin
terfüllt, der die Gießform abstützt und seinerseits porös
ist. Auf diese Weise braucht die Gießform nur eine relativ
geringe Eigenstabilität zu besitzen, da die beim Druck
schlickergießen auf die Gießform einwirkenden Druckkräfte
großflächig an den hinterfüllten Füllstoff abgegeben werden
können. Bei dem Füllstoff kann es sich beispielsweise um
Sand, Sandstrahlmaterial oder Glaskugeln handeln. Dabei
wird der Füllstoff während des Druckgießens unter einer
Druck-Vorspannung gehalten. Dies kann beispielsweise da
durch erfolgen, daß der Füllstoff von einem Gehäuse umgeben
ist und mit einer Schraubvorrichtung oder einer Federspann
vorrichtung mittels einer Druckplatte unter Vorspannung
gehalten ist, wodurch ein Ausbrechen des Füllstoffs beim
Druckschlickergießen verhindert wird.
Vorzugsweise wird der Füllstoff vor dem eigentlichen Gieß
vorgang verdichtet, was beispielsweise mit Hilfe eines
Rüttlers erfolgen kann. Dadurch ist gewährleistet, daß der
Füllstoff nahezu inkompressibel ist und die Gießform außen
seitig formschlüssig abstützt.
Da die Gießform über eine möglichst große Fläche hinter
füllt sein sollte, ist erfindungsgemäß vorgesehen, daß der
Füllstoff die Gießform außenseitig im Bereich des Bodens
und der Seitenwände vollständig umgibt. Auf der Oberseite
ist in der Regel eine unverformbare Abdeckplatte vorgese
hen.
In bevorzugter Ausgestaltung der Erfindung wird die poröse
Gießform aus gesintertem Polymerpulver insbesondere aus Po
lystyrol hergestellt. Dies erfolgt dadurch, daß ein Modell
des herzustellenden Werkstücks, das insbesondere aus Sili
kon besteht, in einem Ofen vollständig mit dem Polymerpul
ver gegebenenfalls unter Hinzugabe von Füllstoffen über
deckt wird. Dabei wird das Polymer so ausgewählt, daß die
Sintertemperatur kleiner als die Zersetzungstemperatur des
Silikons ist und eine Versinterung in einer porösen Struk
tur erreicht werden kann. Dabei muß die gesinterte Gießform
eine ausreichende Durchlaßporösität besitzen und das Poly
merpulver muß in einer Körnung vorliegen, so daß keine zu
großen Poren entstehen. Nach Möglichkeit sollte das Poly
merpulver hydrophob sein, damit für die Entformung nach dem
eigentlichen Druckschlickergießen Lösungsmittel in einfa
cher Weise in die Form eindringen kann. Das Lösungsmittel
setzt die Festigkeit der Gießform soweit herab, daß ein me
chanisches Entfernen der Gießform von dem Grünkörper mög
lich ist. Bei Polystyrolformen kann man als Lösungsmittel
beispielsweise Aceton verwenden.
Zum Sintern des Polymerpulvers wird die Ofentemperatur auf
einen Wert knapp unterhalb der Schmelztemperatur des Poly
mers eingestellt. Nach der Versinterung wird die poröse
Gießform abgekühlt und anschließend das Silikonmodell aus
der verfestigten Polymer-Gießform herausgezogen.
Weitere Einzelheiten und Merkmale der Erfindung sind aus
der folgenden Beschreibung eines Ausführungsbeispiels unter
Bezugnahme auf die Zeichnung ersichtlich. Es zeigen:
Fig. 1 die Herstellung eines Silikonmodells,
Fig. 2 die Abformung des Silikonmodells zur Bil
dung der porösen Gießform,
Fig. 3 den Einbau einer Gießform in eine Druck
schlickergußanlage und
Fig. 4 den Zustand während des Druckschlicker
gießens.
Die Figuren zeigen ein sogenanntes Rapid-Tooling-Verfahren
zur Herstellung von insbesondere Keramiken, wobei die Figu
ren die einzelnen Verfahrensschritte zeigen.
Zunächst wird eine Urform 25 hergestellt, was in konventio
neller Weise oder durch bekannte Rapid-Prototyping-Techno
logien erfolgen kann. Die Urform 25 kann bis zu einem ge
wissen Grade auch Hinterschnitte aufweisen. Anschließend
wird in einem entsprechend geformten Gehäuse 24 die Urform
25 mit Hilfe von Silikon 26 abgeformt, wodurch sich ein Mo
dell 21 des auszubildenden Werkstücks ergibt.
Das Silikonmodell 21 wird in einen Ofen 22 (siehe Fig. 2)
eingesetzt und mit einem Polymerpulver 23 vollständig über
deckt. Der Ofen 22 wird bis knapp unterhalb der Schmelztem
peratur des Polymers erwärmt, so daß dieses zu einer porö
sen Form versintert. Nach der Versinterung werden die Bau
teile abgekühlt und anschließend wird das Silikonmodell 21
aus der verfestigten Polymer-Gießform 23 herausgezogen, die
als poröse Gießform für das Druckschlickergießen dient.
In den Fig. 3 und 4 ist eine entsprechend hergestellte
poröse Gießform 11 nur schematisch als Quader oder Kreiszy
linder dargestellt. Selbstverständlich besitzt die Gießform
11 in der Regel davon abweichende, kompliziertere Formge
bungen.
Die Gießvorrichtung umfaßt einen Rütteltisch 14, auf den
eine Metallplatte 13 aufgelegt ist, die eine Einfüllöffnung
16 besitzt. Die Gießform 11 wird mit ihrem offenen Ende im
Bereich der Einfüllöffnung 16 unter Bildung einer umlaufen
den Verbindungslinie 15 mit der Metallplatte 13 verklebt.
Die Gießvorrichtung besitzt desweiteren eine geschlossene
Gehäusewandung 17, die oberseitig einen Querträger 18 auf
weist, an dem eine Presse 19 angebracht ist, die untersei
tig eine Druckplatte 20 trägt. In den zwischen der Außen
seite der Gießform 11 und der Gehäusewandung 17 gebildeten
Zwischenraum wird ein Füllmaterial 12, beispielsweise Sand,
eingefüllt, das durch Aktivierung des Rütteltischs 14 eine
Verdichtung erhält. Es entsteht ein nahezu inkompressibler,
formschlüssiger Stützkörper, der die poröse Form außensei
tig im wesentlichen vollständig abstützt. Mittels der
Presse 19 wird über die Druckplatte 20 eine Druck-Vorspann
kraft auf den Füllstoff 12 aufgebracht, so daß dieser unter
Druck-Vorspannung gehalten ist.
Anschließend wird das Gehäuse mit der eingesetzten Gießform
11 von dem Rütteltisch 14 abgenommen und umgedreht, worauf
hin der metallische oder keramische Schlicker durch die
Einfüllöffnung 16 unter Druck in die Gießform 11 vergossen
wird. Nach ausreichender Vorverfestigung des Gußkörpers
wird die Vorrichtung geöffnet, der Füllstoff 12 entleert
und die Gießform 11 zusammen mit dem Gußkörper entfernt.
Die Trennung der Gießform 11 von dem Gußkörper erfolgt
durch Benetzen oder Eintauchen der Gießform in ein Lösungs
mittel. Dabei sind die Materialien so abgestimmt, daß das
Lösungsmittel die Festigkeit der Gießform 11 derart herab
setzt, daß ein mechanisches Entfernen der Gießform 11 von
dem Gußkörper möglich ist. Wenn die Gießform 11 aus Poly
styrol besteht, kann als Lösungsmittel Aceton verwendet
werden.
Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren ist eine kostengünstige
und einfache Herstellung der porösen Gießformen möglich und
es sind eine große Anzahl von Abformungen zu erzielen. Auch
komplexe Formen sind realisierbar, und es lassen sich hohe
Drücke beim Druckschlickergießen einstellen, so daß auch
die Ausbildung relativ großer, massiver Werkstücke möglich
ist.
Claims (6)
1. Verfahren zur Herstellung eines Metall- oder Keramik
werkstücks, wobei ein metallischer oder keramischer
Schlicker zur Bildung eines Grünkörpers unter Druck in
eine poröse Gießform (11) eingegossen wird, die wäh
rend des Druckgießens außenseitig mit einem Füllstoff
(12) hinterfüllt ist, und wobei das Lösungsmittel ent
weicht und der Grünkörper anschließend entformt wird,
dadurch gekennzeichnet, daß der Füllstoff (12) während
des Druckgießens unter Druck-Vorspannung gehalten ist.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß
als Füllstoff (12) Sand oder Glaskugeln verwendet wer
den.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeich
net, daß der Füllstoff (12) verdichtet ist.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch
gekennzeichnet, daß der Füllstoff (12) die Gießform
(11) außenseitig im Bereich des Bodens und der Seiten
wände vollständig umgibt.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch
gekennzeichnet, daß die poröse Gießform (11) aus ge
sintertem Polymerpulver, insbesondere Polystyrol be
steht.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch
gekennzeichnet, daß die Festigkeit der Form (11) nach
der Konsolidierung des Schlickers durch Aufbringen ei
nes Lösungsmittels verringert und anschließend das
Werkstück entformt wird.
Priority Applications (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE1999136734 DE19936734C1 (de) | 1999-08-06 | 1999-08-06 | Verfahren zur Herstellung eines Metall- oder Keramikwerkstücks |
Applications Claiming Priority (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE1999136734 DE19936734C1 (de) | 1999-08-06 | 1999-08-06 | Verfahren zur Herstellung eines Metall- oder Keramikwerkstücks |
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE19936734C1 true DE19936734C1 (de) | 2001-02-15 |
Family
ID=7917183
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DE1999136734 Expired - Fee Related DE19936734C1 (de) | 1999-08-06 | 1999-08-06 | Verfahren zur Herstellung eines Metall- oder Keramikwerkstücks |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE19936734C1 (de) |
Cited By (1)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| DE102018221750A1 (de) * | 2018-12-14 | 2020-06-18 | Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V. | Verfahren und Gussform zum Herstellen von Metallgusswerkstücken |
Citations (1)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| DE4120706C2 (de) * | 1991-06-22 | 1994-10-13 | Forschungszentrum Juelich Gmbh | Verfahren zur Herstellung poröser oder dichter Sinterwerkstücke |
-
1999
- 1999-08-06 DE DE1999136734 patent/DE19936734C1/de not_active Expired - Fee Related
Patent Citations (1)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| DE4120706C2 (de) * | 1991-06-22 | 1994-10-13 | Forschungszentrum Juelich Gmbh | Verfahren zur Herstellung poröser oder dichter Sinterwerkstücke |
Non-Patent Citations (1)
| Title |
|---|
| JP 4-72003 (A), Abstr. veröffentlicht in Patents Abstr. of Japan, 23.6.92, Bd.16, Nr.282 * |
Cited By (1)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| DE102018221750A1 (de) * | 2018-12-14 | 2020-06-18 | Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V. | Verfahren und Gussform zum Herstellen von Metallgusswerkstücken |
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