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Die
Erfindung betrifft ein Verfahren zur Aufrechterhaltung eines vorgebbaren
Narkotisierungszustands nach dem Oberbegriff des Patentanspruchs
1. Ferner betrifft die Erfindung eine Anordnung zur Ansteuerung einer
Dosierungseinheit mit dem Merkmalen des Obergriffs des Patentanspruchs
6.
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Ein
Narkosezustand setzt sich aus drei Säulen zusammen: Dem Niveau des
Tiefschlafs (Hypnosezustand), der Schmerzbekämpfung (Analgesiezustand) und
der Muskelentspannung (Relaxationszustand). Im folgenden seien diese
Säulen
als "Narkosetypen" bezeichnet. In der
Regel werden Kombinationsnarkosen verwendet, d. h. mehrere Narkosemittel
gemeinsam verabreicht, die mehr oder weniger selektiv auf die Narkosetypen
wirken.
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Der
Narkotisierungszustand kann je nach Narkosetyp mehr oder weniger
zuverlässig
bestimmt werden. Prinzipiell hat man natürlich die allerdings sehr teure
Möglichkeit,
die Wirkstoffkonzentration am Wirkort zu bestimmen und daraus mittels
statischer Daten auf den Effekt zu schließen. Für Massenanwendungen versucht
man jedoch gleich einen für
den Narkotisierungszustand repräsentativen
Effekt zu bestimmen. Das Relaxationsniveau mißt man mit Hilfe der Mechano-
oder Elektromyographie (MMG bzw. EMG). Im wesentlichen stimuliert
man dazu einen Muskel der Hand durch kurze Stromreize und nimmt
die Reaktion des Muskels entweder mechanisch durch Kraftsensoren
(MMG) oder elektrisch mittels Oberflächenelektroden (EMG) auf. Ein zum
Stand der Technik gehörendes
Meßgerät (Relaxations-Narkosemonitor)
wertet die Signale aus und liefert nach einer Kalibrierung im nicht-relaxierten
Zustand eine Aussage über
den Grad der Muskelentspannung als Zahl zwischen 0 und 100 %. Als
vorteilhaftes Gerät
sei der portable Monitor AS/3 der Fa. Datex, Finnland, zusammen
mit dem NMT-Einschubmodul für
die Relaxationsmessung genannt, der ein serielle Schnittstelle zum Auslesen
der momentanen Werte bereitstellt. Um die Tiefe des Schlafes einzuschätzen, verarbeitet
man EEG-Signale des Stirnbereichs. Die Leistung verschiedener spektraler
Komponenten (z. B. Verfahren des "Bispectral Index" (BIS), Fa. Aspect) erlaubt eine eher
unsichere Aussage über
den Hypnosezustand. Das entsprechende Meßgerät nennt man Hypnose-Narkosemonitor.
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Zur
Bewertung des Schmerzzustandes kann der Anästhesist (noch) nicht auf hochtechnisierte Überwachungsinstrumente
zurückgreifen.
Er zieht vielmehr Kriterien wie Schwitzen oder Rötung heran.
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Narkosemittel
werden über
die Einatemluft oder intravenös
in den Körper
des Patienten gebracht und über
die Blutbahn verteilt. Bei ersterem Verfahren wird das Mittel mit
Hilfe eines Verdunsters, Verdampfers, Zerstäubers oder eines Flowmeters
dem Einatemluftstrom zugefügt.
Dabei ist eine solche Dosiereinrichtung meist in ein Anästhesiebeatmungsgerät integriert.
Bei der intravenösen
Medikamentenzufuhr verabreicht man entweder das flüssige Narkosemittel
in kurzen (manuellen) Schüben
(Boli) oder kontinuierlich mittels einer Infusionspumpe. Als vorteilhaft
einsetzbares Gerät
sei die Infusionspumpe Graseby 3500 der Fa. Graseby, England, aufgeführt.
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Bisweilen überwacht
ein Anästhesist
den Narkosezustand und paßt
die Narkosemitteldosierung manuell den Gegebenheiten an. Er bedient
sich dazu durchaus der Ergebnisse, die Narkosemonitore bereitstellen.
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Der
Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren sowie ein System
anzubieten, das automatisch, zudem zügig und mit eingeschränktem Rechenaufwand,
den Narkotisierungszustand auf ein vorzugebendes Niveau bringt und
ihn dort hält.
Die Beweggründe
und die Vorteile des erfindungsgemäßen Verfahrens gegenüber bekannten
Ansätzen
werden im folgenden für
den Narkosetyp Relaxation beschrieben, da dieser die für die praktische
Verifikation notwendige Eigenschaft der einfachen und zuverlässigen Meßbarkeit
besitzt. Eine Übertragung
auf andere Narkosetypen erfolgt analog.
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Vor
einiger Zeit wurden kurz-wirksame Relaxanzien entwickelt, die eine
besonders kleine Halbwertszeit besitzen. D. h. diese Medikamente
werden in kurzer Zeit wieder abgebaut. Damit ist es möglich, die
Zeit zwischen dem eigentlichen Ende einer Operation und der Extubation
zu verringern, was letztendlich durch die kürzere Verweilzeit des Patienten
im Operationssaal wesentlich zur wirtschaftlicheren Nutzung der
Räumlichkeiten
beiträgt.
Doch führt
die Verwendung eines solchen kurz-wirksamen Mittels bei der momentan
weitverbreiteten manuellen Bolusgabe zu einer enormen Belastung
des Anästhesisten,
da sich der Narkotisierungszustand durch den schnel len Abbau ständig ändert. Es
sei bemerkt, daß die
Halbwertszeit der diskutierten Medikamente gegenüber herkömmlichen um den Faktor 20 bis
40 kürzer
ist.
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Schon
in der Vergangenheit wurden Ansätze
gemacht, mit Hilfe eines geeigneten Narkosemonitorsignals das Narkoseniveau
konstant zu halten. Dazu gehören
Verfahren der klassischen Regelung (PID-Regler), regelbasierte Regler
(Fuzzy-Regler) und Verfahren, die ein pharmakologisches Modell ausnutzen
(Pharmakokinetisches/Pharmakodynamisches (PK/PD) Modell). Die Entwicklung
eine neuen Verfahrens wurde notwendig, da die Auslegung des ersten
und letzten Verfahrens kostenintensive pharmakologische Untersuchungen für ein neu
eingeführtes
Medikament notwendig machen und das zweitere Verfahren der veränderten
Dynamik des Narkosemittels nicht gewachsen ist, weil der Relaxationsgrad
aus physiologischen Gründen
nur einige (wenige) Male pro Minute bestimmt werden kann.
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Das
erfindungsgemäße Verfahren
kann diese hohen Anforderungen erfüllen. Es beruht auf einem Ansatz
der modell-basierten prädiktiven
Regelung, der an sich bereits bekannt ist. Als Prädiktor wird
jedoch im Gegensatz zu allen früheren
Methoden ein (künstliches)
neuronales Netzwerk eingesetzt. Dadurch ist es möglich, ein hochgradig nichtlineares
Modell mit ausreichender Genauigkeit auszubilden (im Gegensatz zum PK/PD-Modell).
Die Grundeinstellung des Modells erfolgt durch ein sogenanntes "Training" basierend auf Daten,
die bei früheren
Operationen aufgezeichnet wurden. Eine Adaption an den speziellen
Patienten kann während
der Operation erfolgen (Online-Training). An dieser Stelle sei angemerkt,
daß ein
Modell, realisiert durch ein neuronales Netzwerk, auch in anderen
modell-basierten Regelungsstrukturen Verwendung finden kann. Als
Beispiele werden Internal Model Control (IMC), Model Reference Control
(MRC), Supervised Control (SC), Direct Control (DC) und Indirect
Control (IC) genannt, wie sie in den Literaturstellen [2], [3],
[6] und [4] aufgeführt
werden.
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Einzelheiten
der Erfindung werden in folgendem Ausführungsbeispiel näher erläutert. Die
Zeichnungsfigur 1 zeigt einen nach dem Prinzip der modellbasierten
prädiktiven
Regelung (MPC) arbeitenden Regler 1, der einen Speicher 2,
eine Zentraleinheit 3, einen Prädiktor 4 und eine
Vorverarbeitungseinheit 8 beinhaltet. Über den Regler 1 wird
die Dosisrate u der Dosiervorrichtung 5 an den Sollwert
der Narkosetiefe Tsoll herangeführt. Der
Regler 1 erhält
vom Überwachungsinstrument 7 Istwerte
der Narkostetiefe T, die über
die Vorverarbeitungseinheit 8 auf Plausibilität überprüft, gegebenenfalls
vorarbeitet und dem Speicher 2 des Reglers 1 zugeführt werden.
Der in Anspruch 3 geschilderte Verfahrensablauf läßt sich
wie folgt erläutern:
Zunächst
erhält die
Zentraleinheit 3 vom Speicher 2 zum Zeitpunkt
n := N:
- • die
Istwerte bzw. die durch eine Einheit zur Srörungserkennung vorverarbeiteten
Werte zurückliegender Narkosetiefen
Tn–1,
Tn–2,
Tn–3 etc.,
- • den
Momentanwert der Narkosetiefe Tn,
- • die
Istwerte zurückliegender
Dosisraten un–1,
un–2,
un–3 etc.,
- • den
Momentanwert der Dosisrate un, die im Moment
an der Dosiervorrichtung eingestellt ist,
zur Übermittlung
an den Prädiktor
und ferner:
- • den
momentanen Sollwert der Narkosetiefe Tsoll,n und
die zukünftigen
Sollwerte Tsoll,n+1, Tsoll,n+2,
...,
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Nun
erhält
der Prädiktor 4 einen
Wert ûn+1 einer hypothetischen zukünftigen
Dosisrate und ermittelt die zu erwartende Narkosetiefe T ^n+1,
die an die Zentraleinheit 3 und den Speicher 2 übermittelt
werden. Die Narkosetiefe T ^n+1 und die Dosisrate ûn+1 werden als fiktive zurückliegende
Istwerte T ^n+1 und ûn+1 zwischengespeichert.
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Nun
wiederholen sich die Verfahrenschritte a) bis d) für die Zeitpunkte
n + 2, n + 3, n + 4 etc., wobei das Verfahren unterbrochen wird,
wenn nach Verfahrensschritt b) eine vorgebbare Anzahl NH von
zu erwartenden Narkosetiefen T ^n+ν und
hypothetischen Dosisraten ûn+ν zwischengespeichert
sind.
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Nun
werden die abgespeicherten zu erwartenden T ^
n+ν und
hypothetischen, zukünftigen
Dosisraten û
n+ν in
einer Gütefunktion
F zur Bewertung einer Abweichung von T
soll und
der Änderungen
der Dosisraten unter eventueller Einbeziehung vergangener und des
momentanen Prädiktionsfehlers
ausgewertet. Allgemein können
Gütefunktionen
verwendet werden, deren Terme von der Differenz von T
soll und
T, von Änderungen
aufeinanderfolgender Werte der Dosisrate u und/oder von vergangenen
Prädiktionsfehlern
abhängen.
Diese Gütefunktion
F kann lauten
wobei α ein Gewichtungsfaktor zwischen
den beiden Summentermen ist und zu Beginn û
n :=
u
n gesetzt wird.
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Es
wird ein konkreter Wert F der Gütefunktion
ermittelt. Nun werden die Verfahrensschritte a) bis f) wiederholt,
wobei der Prädiktor 4 in
Verfahrensschritt b) von Anspruch 3 einen verbesserten Wert ûn+1 erhält. Es
ergeben sich neue Werte F der Gütefunktion
nach der Auswertung nach Verfahrensschritt g). Der Wert von ûn+1 bleibt konstant oder wird so gewählt, daß sich der
Wert F der Gütefunktion
verbessert.
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Die
Wiederholung nach Verfahrensschritt h) von Anspruch 3 wird unterbrochen,
wenn nach Verfahrensschritt g) von Anspruch 3 ein Abbruchkriterium
nach Verfahrensschritt i) (z. B. der Wert der Gütefunktion F unterschreitet
einen Schwellwert F0, die Änderung ΔF zweier
aufeinanderfolgenden Werte der Gütefunktion F
unterschreitet einen Schwellwert ΔF0 und/oder die Verfahrensschritte a) bis
h) wurden bereits Nmax-mal durchlaufen)
erfüllt
ist.
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Insgesamt
besitzt die Gütefunktion
nun einen ausreichend optimierten Wert F, so daß nun nach Verfahrensschritt
j) von Anspruch 3 die Dosisrate û
n+1 über eine
Funktion G, aus den zuletzt abgespeicherten hypothetischen Dosisraten û
n+1, û
n+2, ...,
errechnet
werden kann. Als Funktion G kann
aber auch andere geeignete
gewichtete Mittelungsverfahren verwendet werden. Die so errechnete
Dosisrate û
n+1 wird nun an die Dosiervorrichtung
5 zur
Einstellung der dem Lebewesen
6 zugeführten Narkosemittelrate u
n+1 weitergeleitet.
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Durch
den sich einstellenden Istwert der Narkosestufe Tn+1,
der von dem Überwachungsinstrument 7 an
den Regler 1 gemeldet wird, kann der Regelungsvorgang nach
Anspruch 3 für
den Zeitpunkt n := N + 1 wiederholt werden.
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Der
erfindungsgemäße Verfahrensablauf
nach Anspruch 3 ermöglicht
eine zügige
Einstellung eines vorgegebenen Sollwerts Tsoll durch
zulässige
Vorhersage des Patientenverhaltens mittels Prädiktor 4. Dabei kann
der Regler 1 (z. B. durch Training) leicht an eine neue
Medikamentengruppe angepaßt
werden.
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Eine
Erweiterung der erfindungsgemäßen Anordnung
auf eine gleichzeitige Regelung mehrerer Narkosetypen liegt auf
der Hand (Mehrgrößenregelung).
Diese hat den Vorteil, daß ein
mögliches "Übersprechen" der Narkosemittel für die jeweiligen Typen auf
andere Typen berücksicht
werden kann. Es sind dazu Meßgeräte des Zustands
der jeweiligen Narkosetypen und entsprechende Dosierungseinheiten
vorzusehen. Beim Regler ist die Anzahl der Ein- und Ausgänge auf
jeweils zwei oder drei zu erhöhen.
Das neuronale Netzwerk erhält
die vergangenen, momentanen und zukünftigen Werte aller Eingangsgrößen und
prädiziert
die Werte der Ausgangsgrößen gleichzeitig.
Die übrigen
Funktionseinheiten sind entsprechend anzupassen.
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Der
zeitdiskret beschriebene Verfahrensablauf kann auch zeitkontinuierlich
stattfinden.
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Das
erfindungsgemäße Verfahren
und eine mögliche
Anordnung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung einer
konkretisierten Ausführungsvariante
des Ausführungsbeispiels.
In der nachgereichten 2 wird
eine modellbasierte Regelungsstruktur dargestellt die unter Verwendung
eines Mehrschicht-Perzeptrons, dessen detaillierter Aufbau in 3 angegeben ist, geeignet
ist, ein Verfahren nach den Ansprüchen 1–5 umzusetzen.
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Da
es sich hier um eine zeitdiskrete Realisierung handelt, wird die "Berechnung" eines neuen Dosisratenwerts
u+ (1008) zum Zeitpunkt n := N
betrachtet. Das Zeitraster wird durch das Meßintervall des Narkosetiefenmeßgeräts festgelegt.
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Der
betrachtete Zyklus beginnt mit einer Prüfung des neuen Meßwerts Tn (1002), vom Narkosetiefenmeßgerät bereitgestellt,
in der Artifakterkennungseinheit (52) im Block Artefaktbehandlungseinheit
(50) durch Vergleich von Tn mit
dem im Zwischenspeicher (51) befindlichen Schätzwert T ^n+1 des letzten Prädiktionsdurchlaufs des Zyklus
zu Zeitpunkt N – 1. Überschreitet
die Differenz Tn – T ^n+1 gewisse
Grenzen, die maßgeblich
vom verwendeten Medikament abhängen
("Wirkungsgeschwindigkeit"), so wird T ^n+1 über
den Schalter (53) als Tkorr,n (1003)
statt Tn an die SP-Einheit (71)
des Narkosetiefenwertespeichers (70) weitergeleitet. Falls
mehr als eine festgelegte Anzahl von aufeinanderfolgenden Meßwerten
T ersetzt werden, wird über
Signal (1004) ein Alarm ausgelöst, da mit einer Störung im
Narkosetiefenmeßgerät zu rechnen
ist.
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Die
SP-Einheit (71) (Seriell-Parallel-Einheit) besteht aus
einem Schieberegister der Länge 16 und dient
als Speicher für
den momentanen und die vergangenen 15 Narkosetiefenwerte Tkorr,n, Tkorr,n–1,
..., Tkorr,n–15 die
als Vektor Tkorr,n (1012) der PS-Einheit
(209) und der Recheneinheit R3 (61) im Block Prädiktionsfehlerberechnungseinheit
(60) zur Verfügung
stehen. Die Länge
des Schieberegisters richtet sich nach der Anzahl der (parallelen)
Ausgänge.
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Eine
PS-Einheit (Parallel-Seriell-Einheit) leitet einen der (parallel)
anliegenden Werte an den (seriellen) Ausgang weiter. In der diskutierten
Anordnung werden die (parallel) anliegenden Werte der Reihe nach abgefragt,
so daß den
PS-Einheiten stets eine geeignete Zähl- und Dekodierlogik mit eingebaut
werden kann.
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Die
Recheneinheit R3 (61) bildet die Summe aus den Differenzen
der sich zeitmäßig entsprechenden Komponenten
des Vektors Tkorr,n (1012) und
dessen Schätzwert,
der in der SP-Einheit (62) von früheren Prädiktionen gespeichert ist.
Diese Summe (1027) ist somit der Prädiktionsfehler T ^offset aus
den letzten 16 Schätzungen,
für die
bereits Meßwerte
vorhanden sind, und korrigiert im Block Prädiktor (20) den aktuellen
Schätzwert T ^n+1 (1022) mittels der Additionsstelle
(202) zu T ^korr,n+1 (1014).
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Für die Schätzung des
ersten zukünftigen
Narkosetiefenwertes benötigt
man die momentanen und vergangenen Werte der Narkosetiefe, die im
Vektor Tkorr,n (1012) zusammengefaßt sind,
und der Dosisrate, die völlig
analog mit dem 16 Komponenten umfassenden Vektor u (1009)
durch die SP-Einheit (81) des Dosisratenwertespei chers
(80) zur Verfügung
stehen. Diese bekannten Werte werden nun mittels der PS-Einheiten (211)
und (209) sukzessiv über
den Schalter (210) in der gezeichneten Stellung in die
SP-Einheiten (206) bzw. (207) geladen. Nach diesem
Ladeprozeß stehen
am Ausgang dieser SP-Einheiten mit den Vektoren (1018) und
(1019) die Werte von u (1009) und Tkorr,n (1012)
zur Weiterverarbeitung in den Mittelungseinheiten (204) und
(205) an. Dort werden zur Verminderung der Störanfälligkeit
des Prädiktors
jeweils 4 aufeinanderfolgende Werte arithmetisch gemittelt und an
das neuronale Netzwerk (201), dessen Details in 3 aufgeführt sind, weitergeleitet. Man
erhält
schließlich
am Ausgang des neuronalen Netzwerks einen Schätzwert T ^n+1 (1022)
für den
zu erwartenden (tatsächlichen)
Narkosezustand des Organismus, dem das Narkosemittel über die
Dosiereinrichtung zugeführt
wird und dessen Narkosezustand mittels des Narkosetiefenmeßgeräts erfaßt wird,
falls gewährleistet
ist, daß sich
der vorliegende Organismus ähnlich
jenen verhält,
für welche
die Modellbildung, d. h. das Training des neuronalen Netzwerks,
durchgeführt
wurde. Neben der Rückführung des
Prädiktionsfehlers
durch die Elemente (60) und (202) bestehen Adaptionsmöglichkeiten
an den individuell vorliegenden Organismus nach Anspruch 2, 3 und
4 durch weitere Trainingszyklen während des Verfahrens nach Anspruch
1 oder 5. Der erste Prädiktionswert T ^n+1 eines jeden Prädiktionszyklus wird im Zwischenspeicher
(51) der Artefaktbehandlungseinheit abgelegt.
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Möchte man
weitere zukünftige
Schätzwerte T ^n+2, T ^n+3, ... der
Narkosetiefe erzeugen, so werden weitere Prädiktionsschritte benötigt. Dazu
legt man den Schalter (210) um und führt über das Verzögerungsglied (208)
den soeben ermittelten, aber um den Prädiktionsfehler T ^offset (1027)
korrigierten Schätzwert T ^korr,n+1 (1015) an die SP-Einheit
(207) zurück.
Entsprechend muß auch
der SP-Einheit (206) ein neuer Ratenwert zugeführt werden.
Dieser ist zunächst
frei wählbar
und wird mit ûn+1 (1010) bezeichnet. Er wird über die
PS-Einheit (212) von der Optimierereinheit (30)
im Vektor ûn (1006) der zukünftigen Dosisratenwerte zur
Verfügung
gestellt. Im ersten Iterationsschritt (von i. d. R. mehreren) der
Optimierung (zur Berechnung des tatsächlichen Dosisratenwertes u+ (1008) für den kommenden Zeitpunkt n
+ 1) wird ûn (1006), und damit auch ûn+1 (1010), mit Startwerten (evtl.
zufällig)
vorbesetzt.
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Verwendet
man sämtliche
16 Werte des Vektors ûn (1006), so generiert man in insgesamt
16 Prädiktionsschritten
geschätzte
Narkosetiefenwerte T ^n+1, T ^n+2,...
, T ^n+16, welche um den Prädiktionsfehler T ^offset (1027) korrigiert
in der SP-Einheit (203) zwischengespeichert werden. Nun
können
die (fiktiven) zukünftigen
Dosisratenwerte (1006) dahingehend bewertet werden, wie
gut die dadurch bedingten (geschätzten)
Narkosetiefenwerte T ^n+1, T ^n+2,
..., T ^n+16 mit dem vorgegebenen Sollwert
Tsoll (1001) übereinstimmen und des weiteren,
wie groß die Änderungen
von jeweils aufeinanderfolgenden (fiktiven) Dosisratenwerte sind.
Diese Bewertung wird in den Recheneinheiten R1 (41) und
R2 (42) innerhalb der Güteberechnungseinheit
(40) durchgeführt.
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In
der vorliegenden beispielhaften Ausführung kann das Ein-/Ausgangsverhalten
von R1 (
41) mit
und das von R2 (
44)
mit
beschrieben werden. Die beiden
Ausgangswerte (
1023) bzw. (
1025) werden gegeneinander
mit dem Multiplizierer (
42) um α gewichtet und zu F (
1024)
aufaddiert.
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Die
Optimierereinheit prüft
daraufhin ein oder mehrere Abbruchkriterien und teilt der Steuereinheit
(10) über
das Signal (1005) gegebenfalls mit, daß "optimale" fiktive Dosisratenwerte gefunden wurden
und kein neuer Optimierungszyklus erfolgen muß. Andernfalls startet der
nächste
Optimierungsschritt mit der Berechnung neuer fiktiver Dosisratenwerte ûn (1006) in der Optimierereinheit
(3) nach dem bekannten Verfahren nach Powell (beschrieben
z. B. in [5]). Es folgt abermals das oben beschriebene Laden der
SP-Einheiten (206) und (207) und der erste und
weitere 15 Prädiktionsschritte
des neuen Optimierungszyklus, die Berechnung des Gütewerts
F (1024) und die Entscheidung auf einen weiteren Optimierungsschritt
durch die Optimierereinheit (30). Eine vorteilhafte Weiterbildung
der Güteberechnungseinheit
ermöglicht
die Vorgabe zukünftiger
Sollwerte der Narkosetiefe Tsoll,n+1, Tsoll,n+2, etc. Dies ist günstig, wenn man zum jetzigen
Zeitpunkt schon weiß,
daß der Sollwert
demnächst
geändert
werden soll. Man kann eine derartige Funktion durch Vorschalten
einer PS-Einheit vor die Recheneinheit R2 (44) erreichen,
so daß sich
die
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Berechnungsvorschrift
für F2 ändert
zu
-
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Falls
die Optimierereinheit (30) mittels des Signals (1005)
anzeigt, daß eine "optimale" Sequenz von zukünftigen
Dosisratenwerte ûn (1006) gefunden wurde, bildet
die Mittelungseinheit (91) der Dosisratenberechnungseinheit
(90) den arithmetischen Mittelwert u+ (1008)
aus den ersten 4 Komponenten ûn+1 bis ûn+4 (1007) des Vektors ûn (1006), speichert diesen in (92)
ab und leitet u+ (1008) als die
neue Dosisrate, die umgehend eingestellt werden soll, an die Dosierungseinheit
weiter.
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Damit
ist das Ansteuersignal für
die Dosierungseinheit zum Zeitpunkt n = N ermittelt. Es wird jetzt
auf das Eintreffen eines neuen Narkosetiefenwertes des Narkosetiefenmeßgerät gewartet,
dann in der diskreten Zeit mit n = N + 1 fortgeschritten und der
oben beschriebene Zyklus mit der Prüfung des Narkosetiefenwertes in
der Artefaktbehandlungseinheit (50) erneut gestartet.
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Die
Steuereinheit (10) hat die Aufgabe, die verschiedenen Abläufe in den
Einheiten auszulösen
und zu kontrollieren. Dies geschieht mittels Takt-, Set- und Reset-Signale über zugehörige Leitungen,
die der Übersicht
wegen in 2 nicht eingezeichnet
sind. Jedoch leiten sich die zeitlichen Zusammenhänge der
erforderlichen Signale und damit die benötigten Leitungen direkt aus
der obigen Beschreibung des Verfahrens ab.
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Die
Umsetzung der erfindungsgemäßen Anordnung
nach einem der Ansprüche
6–12 erfolgt
vorteilhafterweise unter Verwendung einer DV-Anlage, z. B. eines
Mikrorechners. Ebenso kann sie mit Mitteln der diskreten Logik und/oder
der analogen Elektronik ausgeführt
werden.
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Bei
einer Realisierung auf einer DV-Anlage kann besonders vorteilhaft
die Veränderung
der Parameter des neuronalen Netzwerks (201), das sog.
Training, durchgeführt
werden. Dieses erfolgt nach einem Standardverfahren, z. B. dem Backpropagation-Verfahren, wie es
in einschlägiger
Literatur (z. B. [1]) dargestellt ist. Es werden dazu die Verläufe der
Narkosetiefe und der Dosisrate verwendet. Betrachtet man einen zu
trainierenden Datensatz, so liegen je 16 Werte um,
um–1,
..., um–15,
und Tm, Tm–1,
..., Tm–15,
an den Mittelungseinheiten (204) und (205) an.
Der Wunschausgangswert ist in diesem Fall Tm+1,
der bekannt sein muß.
Durch geeignete Variation von m entstehen aus einem aufgezeichneten
Verlauf von u und T viele Trainingsdatensätze.
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Literatur
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- [1] R. Brause. Neuronale Netze. Leitfäden der Informatik. Teubner,
Stuttgart, 2 edition, 1993.
- [2] C. E. García,
D. M. Prett, and M. Morari. Model predictive control: Theory and
Practice – a
survey. Automatica, 25(3):335–348,
1989.
- [3] K. J. Hunt, D. Sbarbaro, R. Żbikowski, and P. J. Gawthrop.
Neural networks for control systems – a survey. Automatica, 28(6):1083–1112, 1992.
- [4] K. S. Narendra and K. Parthasarathy. Identification and
control of dynamic systems using neural networks. IEEE Trans. on
Neural Networks, 1(1):4–27,
1992.
- [5] W. H. Press, S. A. Teukolsky, W. T. Vettering, and B. P.
Flannery. Numerical recipes in C. Cambridge Univ. Press, Cambridge,
2. edition, 1994.
- [6] P. J. Werbos. Backpropagation through time: What it does
and how to do it. Proceedings of the IEEE, 78(10):1550–1560, 1990.
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Bezugszeichen zu 1
- 1
- Regler
- 2
- Speicher
- 3
- Zentraleinheit
- 4
- Prädiktor
- 5
- Dosiervorrichtung
- 6
- Lebewesen
- 7
- Überwachungsinstrument
- 8
- Vorverarbeitungseinheit
- T
- Istwert
der Narkosetiefe
- Tsoll
- Sollwert
der Narkosetiefe
- u
- Istwert
der Dosisrate
- û
- berechnete
Dosisrate
- T ^
- zu
erwartende Narkosetiefe
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Bezugszeichen zu 2
- 10
- Steuereinheit
- 20
- Prädiktor
- 30
- Optimierereinheit
- 40
- Güteberechnungseinheit
- 50
- Artefaktbehandlungseinheit
- 60
- Prädiktionsfehlerberechnungseinheit
- 70
- Narkosetiefenwertespeicher
- 80
- Dosisratenwertespeicher
- 90
- Dosisratenberechnungseinheit
- M
- Mittelungseinheit
- SP
- SP-Einheit
- PS
- PS-Einheit
- V
- Verzögerungsglied
- AEE
- Artifakterkennungseinheit
- OE
- Optimierereinheit
- R
- Recheneinheit
- S
- Speicher