Brennkraftmaschine mit einem Abwärmerückgewinnungssystem
Die Erfindung betrifft eine Brennkraftmaschine mit einem zumindest eine Verdampfungseinrichtung und eine Expansionseinrichtung aufweisenden Abwärmerückgewinnungssystem zum Rückgewinnen von Energie aus Abwärme aus dem Abgassystem, wobei im Abgassystem zumindest eine vorzugsweise als SCR-Ka- talysator oder Oxidationskatalysator ausgebildete Abgasnachbehandlungseinrichtung angeordnet ist, wobei im Bereich der Abgasnachbehandlungseinrichtung zumindest eine Verdampfungseinrichtung angeordnet ist, wobei auch die Expansionseinrichtung im Bereich der Abgasnachbehandlungseinrichtung angeordnet ist.
Abwärmerückgewinnungssysteme bzw. WHR-Systeme (WHR-Waste Heat Recovery) zur Rückgewinnung von Energie aus Abwärme aus dem Abgas einer Brennkraftmaschine arbeiten beispielsweise nach dem Organic-Rankine-Kreis- prozess (ORC-Organic Rankine Cycle). Dabei wird die Abwärme in mechanische Energie umgewandelt, indem ein in einem geschlossenen Kreislauf geführtes Arbeitsmedium abwechselnd bei niedrigem Druck in einer Kondensationseinrichtung kondensiert und bei höherem Druck in einer durch die Abwärme des Abgases erhitzten Verdampfungseinrichtung verdampft. Der Druck wird durch die Abgaswärme in der Verdampfungseinrichtung erzeugt und in einer Expansionseinrichtung, beispielsweise einer Turbine, einem Schraubenexpander oder Hubkolbenexpander, unter Abgabe von Arbeit abgebaut. Die benötigte Zufuhr des Arbeitsmediums zur Verdampfungseinrichtung wird von einer Speisepumpe durch Aufwand von Arbeit erbracht. Das Abwärmerückgewinnungssystem kann dabei zusätzlich noch einen durch einen Wärmetauscher gebildeten Regenerator zwischen der Verdampfungseinrichtung und der Speisepumpe aufweisen, welcher dazu dient, das Arbeitsmedium nach der Speisepumpe vorzuwärmen. Eine Brennkraftmaschine mit einem nach dem ORC arbeitenden Wärmerückgewinnungssystem ist beispielsweise aus der WO 2014/083074 AI bekannt.
Es ist bekannt die Verdampfungseinrichtung eines Abwärmerückgewinnungssystems zum Rückgewinnen von Energie aus Abwärme aus einem Abgassystem einer Brennkraftmaschine im Bereich einer Abgasnachbehandlungseinrichtung anzuordnen. Derartige Anordnungen werden beispielsweise in den Dokumenten EP 1 455 074 AI, EP 1 361 346 AI, EP 1 249 584 AI oder WO 2012/021539 AI offenbart.
Dabei kann es bei ungünstigen Rahmenbedingungen zu sogenannter Blitzkondensation (= Filmkondensation des Arbeitsmediums an den Innenwänden der Ex-
pansionseinrichtung beim Befüllen des Expansionsraumes) und Eisbildung im Bereich der Expansionseinrichtung kommen, was den Wirkungsgrad des Abwärmerückgewinnungssystems nachteilig beeinflusst.
Aus der DE 10 2009 045 380 AI ist eine Antriebseinrichtung mit einer durch einen Abgasturbolader gebildeten Auflasevorrichtung zur Erhöhung des Drucks und des Massenstroms der Verbrennungsluft einer Brennkraftmaschine bekannt, welche einen Dampferzeuger zur Verdampfung eines Fluids unter Verwendung von dem Abgas der Brennkraftmaschine entnommener thermischer Energie aufweist. Der Dampferzeuger ist an einen Dampfspeicher angeschlossen. Die Abgasturbine des Abgasturboladers ist sowohl mit Abgas, als auch mit Dampf aus dem Dampfspeicher beaufschlagbar.
Die DE 10 2009 042 584 AI beschreibt ein System zur Nutzung von Abwärme eines Verbrennungsmotors mittels eines Clausius-Rankine-Kreisprozesses, wobei eine Expansionsmaschine nahe einer Abgasleitung des Abgassystems des Verbrennungsmotors angeordnet ist. Um Schäden am Wärmeüberträger zu vermeiden, weist dieser ein Ausdehnvolumen auf.
Weder bei der DE 10 2009 045 380 AI, noch bei der DE 10 2009 042 584 AI werden Expansionseinrichtung vom heißen Abgas umströmt.
Aufgabe der Erfindung ist es, die genannten Nachteil zu vermeiden und den Wirkungsgrad des Abwärmerückgewinnungssystems zu erhöhen.
Erfindungsgemäß wird dies dadurch erreicht, dass die Expansionseinrichtung im Abgasstrom des Abgassystems, vorzugsweise in einer Abgasleitung des Abgassystems, angeordnet ist und vom Abgas zumindest teilweise umströmt wird.
Dabei wird das Gehäuse der Expansionseinrichtung, also quasi die Außenhaut der Expansionseinrichtung, vom heißen Abgas umströmt. Umströmt bedeutet hier, dass eine Außenumfangsfläche der Expansionseinrichtung oder eines die Expansionseinrichtung umgebenden und mit dieser thermisch verbundenen Gehäuseteils großflächig vom heißen Abgas benetzt wird.
Die Expansionseinrichtung wird vom heißen Abgas umströmt und mit diesem geheizt, sodass es keine Wärmeverluste des Arbeitsmediums in der Expansionseinrichtung an die Außenwände der Expansionseinrichtung gibt. Insbesondere erfolgt somit keine Blitzkondensation. Dies ist gewährleistet, da die Oberflächentemperatur des Expansionsraums der Expansionseinrichtung durch die Wärmeübertragung heißer ist als das Arbeitsmedium bzw. über der Sättigungstemperatur des Arbeitsmediums liegt.
Der Expander wird vom heißen Abgas umströmt und mit diesem geheizt.
Durch die Umströmung wird das Gehäuse der Expansionseinrichtung über eine sehr große Umfangsfläche vom heißen Abgas benetzt und die Abgaswärme in das Gehäuse der Expansionseinrichtung geleitet, ohne dass eine Vermischung des Arbeitsmediums mit dem Abgas erfolgt.
Die Expansionseinrichtung kann beispielsweise durch eine Turbine, einen Schraubenexpander oder einen Hubkolbenexpander gebildet sein.
Um die Temperatur der Abgasnachbehandlungseinrichtung nicht nachteilig zu beeinflussen kann die Expansionseinrichtung stromabwärts der Abgasnachbehandlungseinrichtung angeordnet sein.
Die Expansionseinrichtung treibt eine Abtriebswelle an, welche mit einer Arbeitsmaschine, beispielsweise einem Generator zur Umwandlung der mechanischen Energie in elektrische Energie, antriebsverbunden ist. Im Rahmen der Erfindung ist vorgesehen, dass die Arbeitsmaschine außerhalb des Abgasstroms, vorzugsweise außerhalb der Abgasleitung des Abgassystems angeordnet ist. Dadurch wird die thermische Belastung der Arbeitsmaschine möglichst gering gehalten.
Zur bestmöglichen Nutzung der Abwärme des Abgases ist es vorteilhaft, wenn auch die Verdampfungseinrichtung im Abgasstrom des Abgassystems, vorzugsweise in einer Abgasleitung des Abgassystems, angeordnet ist und vom heißen Abgas der Brennkraftmaschine zumindest teilweise umströmt wird. In der bevorzugten Ausführungsform wird das Arbeitsmedium in der Verdampfungseinrichtung im Abgasstrom stromabwärts der Position der Expansionseinrichtung erhitzt bzw. verdampft und somit mit leicht kühleren Abgas als die Verdampfungseinrichtung umströmt.
Die Verdampfungseinrichtung kann dabei stromaufwärts oder stromabwärts der Abgasnachbehandlungseinrichtung angeordnet sein. In einer besonders vorteilhaften Ausführung der Erfindung ist die Verdampfungseinrichtung stromabwärts der Expansionseinrichtung angeordnet. Dadurch, dass die Expansionseinrichtung auf eine Temperatur erhitzt wird, welche höher ist als die Temperatur in der Verdampfungseinrichtung, kann das Auftreten von Blitzkondensation in der Expansionseinrichtung zuverlässig ausgeschlossen werden.
Alternativ dazu ist es auch möglich, dass die Abgasnachbehandlungseinrichtung zwischen Verdampfungseinrichtung und Expansionseinrichtung angeordnet ist, wobei vorzugsweise die Verdampfungseinrichtung stromaufwärts der Abgasnachbehandlungseinrichtung angeordnet ist.
Zum Schutz gegen das korrosiv wirkende Abgas können Verdampfungseinrichtung und/oder Expansionseinrichtung von einem Schutzgehäuse umgeben sein.
Besonders vorteilhaft ist es dabei, wenn das Schutzgehäuse durch eine im Abgasstrom, vorzugsweise in der Abgasleitung angeordnete, Tauchhülse gebildet ist, in welche die Expansionseinrichtung bzw. Verdampfungseinrichtung mit überwiegendem Flächenkontakt eingesetzt ist. Dies ermöglicht eine einfache Wartung. Durch den Flächenkontakt zwischen der vom Abgas umströmten Tauchhülse und dem Expander bzw. dem Verdampfer wird ein guter Wärmeübergang ermöglicht, ohne dass das der Expander bzw. der Verdampfer direkt dem Abgas ausgesetzt ist.
Die Erfindung wird im Folgenden anhand der nicht einschränkenden Figuren näher erläutert.
Die Fig. 1, Fig. la und Fig. 2 zeigen schematisch Anordnungen von Komponenten eines Abwärmerückgewinnungssystems einer erfindungsgemäßen Brennkraftmaschine in verschiedenen Ausführungsvarianten, wobei in Fig. la ein Detail einer modifizierten Ausführung der Fig. 1 dargestellt ist.
In den Ausführungsvarianten sind funktionsgleiche Teile mit gleichen Bezugszeichen versehen.
In den Figuren ist jeweils ein Teil eines Abgassystem 1 mit einer Abgasnachbehandlungseinrichtung 2, beispielsweise einem SCR-Katalysator (SCR=Selective Catalytic Reduction) oder einem Oxidationskatalysator, dargestellt. Zur Rückgewinnung von Energie aus Abwärme aus dem Abgas weist die Brennkraftmaschine ein Abwärmerückgewinnungssystem 3 auf, welches beispielsweise nach dem ORC -Kreisprozess arbeitet. Dabei wird die Abwärme des Abgases in mechanische Energie umgewandelt, indem ein in einem geschlossenen Kreislauf geführtes Arbeitsmedium abwechselnd bei niedrigem Druck in einer Kondensationseinrichtung 4 kondensiert und bei höherem Druck in einer durch die Abwärme des Abgases erhitzten Verdampfungseinrichtung 5 verdampft. Der Druck wird durch die Abgaswärme in der Verdampfungseinrichtung 5 erzeugt und in einer Expansionseinrichtung 8, beispielsweise einer Turbine, einem Schraubenexpander oder einem Hubkolbenexpander, unter Abgabe von Arbeit abgebaut. Die benötigte Zufuhr des Arbeitsmediums vom Tank 19 zur Verdampfungseinrichtung 5 wird von einer durch einen Motor 6 angetriebenen Speisepumpe 7 unter Aufwand von Arbeit erbracht. Zur Vorwärmung des flüssigen Arbeitsmediums der Speisepumpe 7 stromaufwärts der Verdampfungseinrichtung 5 kann ein durch einen Wärmetauscher gebildeter Regenerator 9 vorgesehen sein. Die Expansionseinrichtung 8 steht über eine Abtriebswelle 10 mit einer außerhalb des Abgasstroms angeord-
neten Arbeitsmaschine 11, beispielsweise mit einem Generator 12 in Antriebsverbindung, wobei durch den von der Expansionseinrichtung 8 angetriebenen Generator 12 elektrische Energie erzeugt wird. Mit Bezugszeichen 16 sind Leitungen für das Arbeitsmedium des Abwärmerückgewinnungssystems 3 bezeichnet. Die Bezugszeichen 17 und 18 bezeichnen Stromleitungen des Generators 12 bzw. des Motors 6 der Speisepumpe 7.
Sowohl der Verdampfer 5, als auch die Expansionseinrichtung 8 befinden sich in einem die Abgasnachbehandlungseinrichtung 2 aufweisenden Bereich der Abgas- leitung 13 des Abgassystems 1 und werden vom heißen Abgas der Brennkraftmaschine umströmt.
Bei der in Fig. 1 dargestellten Ausführungsvariante sind Verdampfer 5 und Expansionseinrichtung 8 stromabwärts der Abgasnachbehandlungseinrichtung 2 angeordnet, wobei die Expansionseinrichtung 8 stromaufwärts der Verdampfungseinrichtung 5 angeordnet ist. Die Verdampfungseinrichtung 5 kann abgasseitig durch eine Bypassleitung 14 umgangen werden, deren Durchfluss durch eine Steuerungseinrichtung 15 gesteuert wird. Dadurch, dass die Expansionseinrichtung 8 auf eine Temperatur erhitzt wird, welche höher ist als die Temperatur des Arbeitsmediums in der Verdampfungseinrichtung 5, kann das Auftreten von Blitzkondensation in der Expansionseinrichtung zuverlässig ausgeschlossen werden.
Fig. 2 zeigt dagegen eine Ausführungsvariante, bei der der die Abgasnachbehandlungseinrichtung 2 zwischen der Verdampfungseinrichtung 5 und der Expansionseinrichtung 8 des Abwärmerückgewinnungssystems 3 in der Abgasleitung 13 des Abgassystems 1 angeordnet und mit Leitungen 16 miteinander verbunden sind. Beispielsweise ist die Verdampfungseinrichtung 5 stromaufwärts, und die Expansionseinrichtung 8 stromabwärts der Abgasnachbehandlungseinrichtung 2 angeordnet. Weitere Teile des Abwärmerückgewinnungssystems 3 sind nicht dargestellt.
Eventuell können die Expansionseinrichtung 8 und/oder die Verdampfungseinrichtung 5 mit einem Schutzgehäuse als Schutz gegen die korrosiven Abgase geschützt sein. Eine separate thermische Isolierung ist nicht erforderlich. Da die Expansionseinrichtung 8 im heißen Abgasstrom angeordnet ist, fallen keine Isolationsverluste an.
Das Schutzgehäuse kann durch eine in der Abgasleitung angeordnete Tauchhülse 20 gebildet sein, in welche die Expansionseinrichtung 8 bzw. Verdampfungseinrichtung 5 eingesetzt ist (Fig. la). Die Außenfläche der Expansionseinrichtung 8 bzw. der Verdampfungseinrichtung 5 und die Innenfläche der beispielsweise zylindrischen Tauchhülse 20 stehen dabei im Flächenkontakt, sodass ein guter
Wärmeübergang zwischen der von Abgas umströmten Tauchhülse 20 und der Expansionseinrichtung 8 bzw. der Verdampfungseinrichtung 5 besteht. Dies ermöglicht eine einfache Wartung. Durch den Flächenkontakt zwischen der vom Abgas umströmten Tauchhülse 20 und der Expansionseinrichtung 8 bzw. der Verdampfungseinrichtung 5 wird ein guter Wärmeübergang ermöglicht, ohne dass die Expansionseinrichtung 8 bzw. die Verdampfungseinrichtung 5 direkt dem Abgas ausgesetzt ist.