Elektromotorische Einrichtung zur Betätigung von Gaswechselventilen
Die Erfindung betrifft eine elektromotorische Einrichtung zur Betätigung von Gaswechselventilen an Verbrennungsmotoren.
Zur Ansteuerung benannter Ventile existiert eine Vielzahl technischer Lösungen, deren Gemeinsamkeiten im Vorhandensein von Anordnungen bestehen, deren beweglicher Teil die Ventilschäfte der Gaswechselventile in die gewünschten Positionen beim Gaseinlass- oder -ausstoß befördert. Hierbei werden an diese Anordnungen eine Reihe von Anforderungen gestellt, die die Exaktheit der Bewegungsabläufe, deren möglichst sanfte Beendigung in den Endpunkten (Soft-Landing-Problem) sowie eine möglichst hohe Stellgeschwindigkeit betreffen. Daneben sollen die Anordnungen zur Ventilbetätigung möglichst geringen Bauraum in Anspruch nehmen, energiearmen Betrieb ermöglichen, hohe Zuverlässigkeit garantieren und im Aufbau unkompliziert sein. Die bekannten Anordnungen entsprechen diesen Forderungen in unterschiedlicher Weise jeweils in Teilbereichen.
In der DE 19735375 C1 und DE 19744714 C1 werden elektromagnetische Aktua- toren zum betätigen eines Gaswechselventils vorgeschlagen, deren Läufer (Anker), welche Kraft auf das Gaswechselventil ausüben, durch Elektromagneten in den Endlagen des Hubes gehalten werden und durch Federn von einer Endlage zur anderen bewegt werden. Nachteilig an diesen Anordnungen ist, dass die läuferposi- tionsabhängigen Kraftkurven eines Elektromagneten starke Nichtlinearitäten aufweisen, was insbesondere beim „Soft-Landing" durch starken Kraftanstieg Probleme verursacht. Weiterhin sind die vorgeschlagenen Anordnungen nicht oder nur bedingt in der Lage, Teilhübe auszuführen als auch das während des Betriebes sich ändernde Ventilspiel auszugleichen.
Die DE 101 42670 C1 empfiehlt einen elektromechanischen Aktuator für einen Ventil-trieb, dessen Konstruktion das „Soft-Landing-Problem" u.a. durch einen vergrößerten Abstand zwischen Anker und Polfläche der Elektromagnete lösen soll. Unabhängig von der tatsächlichen Tauglichkeit der Lösung besitzt diese durch ihren rotationssymmetrischen Aufbau eine ungünstige Ausnutzung des vorhandenen Bauraumes. Weiterhin ist ein stromloses Halten in den Endlagen nicht möglich, was zu einer Erhöhung der Verlustleistung führt.
Eine weitere Lösung wird in der DE 101 26211 A1 vorgeschlagen. Diese Lösung soll zwar eine Verbesserung der Zuverlässigkeit durch konstruktiv bedingte Minderung
von Reibung und Verschleiß bewirken, der rotationssymmetrische Aufbau bewirkt aber wiederum eine ungünstige Ausnutzung des vorhandenen Bauraumes, der durch die Vielzahl übereinander angeordneter Magnete noch verschlechtert wird.
Auch die DE 101 25767 C1 beinhaltet eine Lösung, mit der die Zuverlässigkeit eines Gaswechselventilantriebes gesteigert werden soll. Der dazu vorgeschlagene Aufbau einer Anordnung mit ringförmigen Magneten ist einerseits wenig raumsparend und andererseits aufwendig in der Fertigung.
Neben den auf linearer Bewegung basierenden elektrischen Ventilsteuerungen existieren Lösungen, bei denen elektrisch generierte rotatorische Bewegungen zur Ventilbewegung genutzt werden.
So werden beispielsweise in den US-Patentschriften US 5331 931 C und US 5873335 C elektromotorisch wirkende Ventilsteuerungen eines Verbrennungsmotors gezeigt, bei denen die Drehbewegung eines Motors einen Ventilnocken bzw. einen Kurvenzylinder zur Bewegung des Ventilschaftes antreiben. In den vorgeschlagenen Lösungen verbirgt sich jedoch u.a. der Nachteil der auch in den Endpunkten der Ventilschaftbewegung notwendigen und elektrisch aufzubringenden Haltekräfte zum Offen- bzw. Geschlossenhalten des Ventils. Damit ist ein energiesparender Betrieb der Ventilsteuerung nicht möglich. Überdies ist mindestens die Lösung mit dem Kurvenzylinder einem besonders hohen Verschleiß ausgesetzt.
Auch in der EP 1 144813 B1 wird eine elektrisch durch einen Segmentmotor erzeugte Ventilbewegung vorgeschlagen. Auch hier handelt es sich um eine aufwendige und raumgreifende Konstruktion. Ein zusätzlicher Nachteil besteht darin, dass zum stabilen Halten des Ventils in Endlage ein fester Anschlag vorhanden ist. Auf diese Weise wird ein Ventilspielausgleich mit impliziten Mitteln der Ventilsteuerung verhindert - zusätzliche Baugruppen zum Ausgleich sind notwendig.
Aus den Nachteilen der bekannten Lösungen ergibt sich daher die Aufgabe, eine elektromotorische Einrichtung zur Betätigung von Gaswechselventilen zu entwickeln, die eine einfache, verschleißarme und wenig Raum beanspruchende Konstruktion aufweist und in ihrer Funktion eine möglichst exakte Vorherbestim- mung oder Steuerung des Betätigungsweges ermöglicht. Außerdem sollte die zu entwickelnde elektromotorische Einrichtung zur Betätigung von Gaswechsel ventilen einen energiesparenden Betrieb ermöglichen.
Diese Aufgabe wird durch die Gestaltung der elektromotorischen Einrichtung zur Betätigung von Gaswechselventilen gemäß den Merkmalen des Hauptanspruches gelöst. In den zugehörigen Unteransprüchen werden besonders vorteilhafte Ausgestaltungen der Einrichtung beansprucht.
Dabei besteht das Wesen der Erfindung auch in der Ausgestaltung der Betätigungseinrichtung mittels Reluktanzmotor mit besonders geringem Verhältnis von Verlustleistung zu möglicher Beschleunigung der zu steuernden Ventilschäfte. Durch eine Gestaltung des Reluktanzmotors als Motor mit einem Läufer besonders geringen Durchmessers wird nicht nur ein kleiner Raumbedarf erreicht, sondern auch ein sehr geringes Trägheitsmoment, wodurch die bereits erwähnte hohe Beschleunigung resultiert. Auch für einen möglichst geringen Energiebedarf ist die massearme Gestaltung des Reluktanzmotors als Kernstück der erfindungsgemäßen elektromotorischen Einrichtung zur Betätigung von Gaswechselventilen.
Weiterhin ist es erfindungswesentlich, dass die bereits erwähnte Ausgestaltung des Reluktanzmotors die ebenfalls erfindungsgemäße Anordnung der Einrichtung quer zu Motorlängsachse ermöglicht, wodurch die Möglichkeit eröffnet wird, mehrere Einrichtungen zur Betätigung mehrerer Gaswechselventile nebeneinander anzuord- nen, ohne in Raumnot zu kommen. Ebenso ist es erfindungsgemäß möglich, mit einer einzelnen elektromotorischen Einrichtung zur Betätigung von Gaswechselventilen jeweils mehrere Gaswechselventile entweder des gleichen oder eines benachbarten Zylinders zu betätigen, wodurch der Hardwareaufwand zur Steuerung der Gaswechselventile eines Verbrennungsmotors erheblich verringert, ggf. nahezu halbiert wird.
Ebenfalls von besonderer Bedeutung für die Erfindung ist es, dass die beanspruchte elektromotorische Einrichtung zur Betätigung von Gaswechselventilen zum Halten der Endlagen keine zusätzlichen Haltevorrichtungen benötigt, sondern durch den Reluktanzmotor und beigeordnete Federelemente ein energiearmes Verharren in den Endlagen erreicht wird. Auch hierdurch wird eine bedeutende Energieersparnis beim Betrieb der elektromotorischen Einrichtung zur Betätigung von Gaswechselventilen ermöglicht.
Für den Fall der Betätigung nur jeweils eines Gaswechselventils ist eine desmodro- mische Ventilsteuerung möglich.
Die klassische Ventilüberschneidung bleibt durch das Wirken der Erfindung unberührt.
Wichtiger Bestandteil des Wesens der Erfindung ist auch die Möglichkeit, durch die gewählte Anordnung ein temperatur- und verschleißbedingtes Ventilspiel durch die Beeinflussung des Steuerstroms des Reluktanzmotors auszugleichen.
Die elektromotorische Einrichtung zur Betätigung von Gaswechselventilen erlaubt auf die gleiche Weise die weitestgehend freie Einstellung von Ventilhubkurven und die Realisierung von Teilhüben. Dies ist insbesondere von Vorteil für das Soft-
Landing und die Gemischaufbereitung, indem z.B. bei geringer Ventilöffnung durch die dann auftretende besonders hohe Einströmgeschwindigkeit eine sehr gute Durchmischung von Kraftstoff und Verbrennungsluft eintritt. Die Möglichkeit der Teilhübe reduziert die Gaswechselarbeit, was deutlich zur Effizienzerhöhung des Verbrennungsmotors beiträgt.
Schließlich lässt sich durch die schlanke Auslegung des rotationssymmetrischen Teils der elektromotorischen Einrichtung zur Betätigung von Gaswechselventilen eine sehr geringe Bauhöhe gegenüber bekannten Ventiltriebskomponenten erreichen.
Die Erfindung wird nachstehend an Ausführungsbeispielen näher erläutert. Dabei zeigen die zugehörigen Zeichnungen in
Fig. 1 : eine Prinzipskizze eines Reluktanzmotors als rotatorischer Aktuator der erfindungsgemäßen elektromotorischen Einrichtung zur Betätigung von
Gaswechselventilen ,
Rg. 2: eine Prinzipskizze der erfindungsgemäßen elektromotorischen Einrichtung zur Betätigung von Gaswechselventilen an einem Zylinder eines Verbren- nungsmotors - eine Draufsicht und eine Schnittdarstellung beinhaltend - und
Hg.3 eine Prinzipskizze der erfindungsgemäßen elektromotorischen Einrichtung zur Betätigung von Gaswechselventilen an zwei benachbarten Zylindern eines Verbrennungsmotors - eine Draufsicht und eine Schnittdarstellung beinhaltend.
Gemäß Fig. 1 weist ein erfinduπgsgemäß verwendeter Reluktaπzmotor 1 einen eisernen Rotor auf, der aus einer Rotorwelle 2 und alternierend magnetisierten Permanentmagneten 3 besteht. Ein aus Magnetblechen zusammengesetzter Stator 4 des Reluktanzmotors 1 weist Pole 5 auf, zwischen denen sich Wicklungen 6 befin- den. Statorbohrungen 7 dienen zur Befestigung des Reluktanzmotors 1.
In Fig. 2 wird die erfindungsgemäße elektromotorische Einrichtung zur Betätigung von Gaswechselventilen an einem Zylinder 10 eines Verbrennungsmotors gezeigt. Dabei ist an der Rotorwelle 2 des als rotatorischen Aktuator dienenden Reluktanz- motors 1 ein Hebel 8 angeordnet, dessen achsfernes Ende auf das Ventilschaftende 9 eines zum Zylinder 11 eines Verbrennungsmotors gehörenden Gaswechselventi- les 12 drückt.
Entsprechend der dem Reluktanzmotor 1 zugeführten Stromverläufe erfolgt also eine vorbestimmte Betätigung des Gaswechselventiles 12 im Sinne einer gesteuerten Öffnung bzw. eines ebenso gesteuerten Schließens durch Freigabe des Ventilschaftendes 9. Dabei wird durch eine auf das Ventilschaftende 9 wirkende Feder 13 die notwendige Schließkraft aufgebracht.
In einer besonders vorteilhaften Ausgestaltung kann die erfindungsgemäße elektromotorische Einrichtung zur Betätigung von Gaswechselventilen durch die Anordnung einer weiteren Feder energetisch optimiert werden, da sich das Gesamtsystem dann als Feder-Masse-Schwinger darstellt.
Der quer zur Motorlängsachse in schlanker Ausführung angeordnete Reluktanzmotor 1 nimmt als rotatorischer Aktuator zur Betätigung des Gaswechselventils 12 nur geringen Raum ein - entsprechend seiner dem Reluktanzprinzip folgenden Wirkungsweise kommt als weiterer Vorteil eine energiesparende Ventilbetätigung hinzu.
Besonders vorteilhaft wirkt die erfindungsgemäße elektromotorische Einrichtung zur Betätigung von Gaswechselventilen, wenn sie in einem weiteren Ausführungsbeispiel gem. Fig.3 zur Betätigung von benachbarten Ventilen zweier Zylinder eines Verbrennungsmotors ausgeführt ist.
Gem. Fig.3 ist wiederum ein Reluktanzmotor 1 zur Betätigung zweier Gaswechselventile 12 und 18 vorhanden, die sich in zwei Zylindern 10 und 16 mit Kolben 11 und 17 befinden. An der Rotorwelle 2 des Reluktanzmotors 1 ist ein Doppelhebel 14
angebracht, dessen Enden jeweils die Ventilschaftenden 9 und 15 der zwei Gaswechselventile 12 und 18 mit Betätigungskräften beaufschlagen können. Die Federn 9 und 19 liefern die Schließkräfte für die Gaswechselventile 12 und 18.
Der besondere Vorteil der Anordnung des zweiten Ausführungsbeispiels ist die durch nur einen rotatorischen Aktuator mögliche Betätigung von zwei Gaswechsel¬ ventilen. Hierdurch tritt neben die reine Bauraumerspamis auch eine erhebliche Einsparung an Material-, Fertigungs- und Montageaufwand.
Die Reluktanzmotoren 1 der erfindungsgemäßen elektromotorischen Einrichtung zur Betätigung von Gaswechselventilen werden einphasig angesteuert. Das bietet den Vorteil, dass eine sehr einfache Ansteuerung möglich wird: Die einphasige Ansteuerung ermöglicht die Ausführung eines Ventilhubes ohne Umkehrung des Stromes, wobei während der Flugphase eine Absenkung des Stromes durch der Reluktanz- motoren 1 vorteilhaft ist. Auch dies trägt zu einem verlustarmen Ventilantrieb durch die Erfindung bei.
Liste der Bezugs- und Formelzeichen
1 Reluktanzmotor
2 Rotorwelle
3 Permanentmagnet
4 Stator
5 Pol
6 Wicklung
7 Statorbohrung
8 Hebel
9 Ventilschaftende
10 Zylinder
11 Kolben
12 Gaswechselventil
13 Feder
14 Doppelhebel
15 Ventilschaftende
16 Zylinder
17 Kolben
18 Gaswechselventil
19 Feder