Textilvorrichtung für elektrophvsiologische Messungen oder Elektrostimulation
Technisches Gebiet
Die Erfindung betrifft eine Textilvorrichtung für elektrophysiologische Messungen oder Elektrostimulation gemäss dem Oberbegriff des Anspruchs 1 sowie eine Textilvorrichtung für elektrophysiologische Messungen gemäss dem Oberbegriff des Anspruchs 15.
Stand der Technik Die Integration von Messsystemen in Textilien hat in jüngerer Zeit zunehmend an Bedeutung gewonnen. Insbesondere werden unter dem Schlagwort "intelligente Kleidung (smart clothes)" verschiedene Kleidungsstücke entwickelt, die zur Erfassung bzw. Überwachung von Vitalfunktionen namentlich bei kranken Menschen oder bei Leistungssportlern dienen.
Die DE 100 47 533 A1 beschreibt ein intelligentes Bekleidungsstück, insbesondere ein eng am Körper anliegendes Hemd oder Unterhemd, das einen im oder am Gewebe angebrachten Sensor zur Messung eine Zustandes und/oder einer Körperfunktion des das Bekleidungsstück tragenden Individuums aufweist. Als Beispiele sind die Überwachung von Atmung, Puls oder Blutdruck sowie die
Messung eines Elektrokardiogramms (nachfolgend: "EKG") erwähnt, wobei aber die spezifische Ausgestaltung der vorgesehenen Sensoren nicht angegeben ist.
Die WO 03/059101 A1 beschreibt ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Integ- ration von Elektronik in Textilien. Dabei umfasst die Vorrichtung ein textiles Material, das beispielsweise als Bandgewebe mit elektrisch leitfähigen Kett- und/oder Schussfäden ausgestaltet ist, sowie ein elektronisches Bauelement. Weiterhin sind harte Kapselungen - beispielsweise aus einem Zweikomponentenlack oder einem hochschmelzenden Schmelzkleber - vorgesehen, welche unter anderem die Kontaktstelle des elektronischen Bauelementes abdecken und mechanisch stabilisieren. Insbesondere sollen die Kapselungen erlauben,
das Textilmaterial trotz des permanent eingebauten elektronischen Bauelementes einer Textilpflege zu unterziehen. Allerdings hat die hartverkapselte Bauweise zwangsläufig eine Starrheit zur Folge, die sich auf den Tragkomfort nachteilig auswirkt.
Eine weitere Textilvorrichtung zur Durchführung einer EKG-Messung ist in der GB 2 350 193 A beschrieben. Diese umfasst ein dehnbares, gegen die Körperoberfläche eines die Vorrichtung tragenden Individuums vorspannbares Kleidungsstück, das eine aus elektrisch leitenden und nichtleitenden Fäden gestrick- te Textillage umfasst. Die leitenden Fäden bilden elektrisch miteinander verbundene innere und äussere leitende Schleifen. Dabei befinden sich die inneren Schleifen an der körperzugewandten Seite des Kleidungsstücks und bilden eine zur Kontaktierung mit der Haut des Individuums vorgesehene Elektrode. Die auf der körperabgewandten Seite des Kleidungsstücks befindlichen äusseren Schlei- fen bilden einen externen elektrischen Anschlussbereich, der zur Ableitung der über die Elektrode erfassten EKG-Signale an eine zugeordnete Messvorrichtung dient. Je nach Art der vorgesehenen EKG-Messung bilden mindestens zwei oder mehrere in obiger Art ausgestaltete Elektroden eine Elektrodengruppe. Die gestrickte Machart der beschriebenen Vorrichtung schränkt allerdings die Wahl des zur Bildung der Elektroden verwendeten Fadenmaterials ein, da die durch die inneren Schleifen gebildeten Elektroden einen Teil der Textillage selbst sind. Insbesondere können sich die Erfordernisse der guten elektrischen Leitfähigkeit einerseits und der für eine gute Kontaktierung erwünschten hohen Elastizität andererseits entgegenstehen.
Eine weitere Textilvorrichtung zur Durchführung einer EKG-Messung ist in der WO 2004/100784 A1 beschrieben. Auch bei dieser Vorrichtung ist eine gestrickte Elektrode vorgesehen.
Die WO 2004/105863 A1 wurde am 09. Dezember 2004 veröffentlicht, was nicht vor dem Prioritätstag der vorliegenden Anmeldung liegt.
Darstellunq der Erfindung
Aufgabe der Erfindung ist es, eine gattungsgemässe Vorrichtung zu verbessern und insbesondere deren Nachteile zu vermeiden.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäss durch die im Anspruch 1 definierte Vorrichtung gelöst.
Dadurch, dass erfindungsgemäss die Elektrodengruppe mindestens eine auf die Textillage gestickte Elektrode umfasst, ergeben sich im Vergleich zum Stand der Technik verschiedene Vorteile.
Insbesondere können bei aufgestickten Elektroden die Stickmaterialien, d.h. die verwendeten Garne, weitgehend unabhängig vom Material der Textillage durchgestickt oder im Dreifadensystem (Soutache) aufgestickt werden. Namentlich kann als Stickboden ein elastischer Grundstoff wie beispielsweise Polyester- Netztüll verwendet werden, während für die Elektroden leitende Garne aus einem geeigneten Metall wie beispielsweise Kupfer, Stahl, Titan, Silber oder andere Edelmetalle einsetzbar sind, die in aller Regel eine weitaus geringere Elastizität als die Textillage aufweisen.
Dank der grossen Flexibilität der verfügbaren Sticktechniken besteht ein grosser Freiraum bezüglich der gewählten Ausgestaltung der Elektroden. Insbesondere können durch unterschiedliche Sticktechniken verschiedene Formen wie auch Oberflächenbeschaffenheiten erzeugt werden. Beim maschinellen Sticken ist überdies ein sehr schneller Wechsel zwischen verschiedenen Materialien möglich, was die Gestaltungsfreiheit und die Effizienz bei der Herstellung erhöht. Darüber hinaus besteht eine praktisch unbeschränkte Wahlmöglichkeit hinsichtlich der Dimensionierung und Positionierung der gestickten Elektroden auf der Textillage, was besonders bei der Herstellung von mit Elektroden versehenen Kleidungsstücken vorteilhaft ist.
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Die erfindungsgemässe Vorrichtung kann zur Durchführung verschiedener elekt- rophysiologischer Messungen eingesetzt werden, welche das Anbringen von Elektroden an der Körperoberfläche eines Individuums erfordern. Diese umfassen beispielsweise die Messung von EKG oder Elektroenzephalogrammen (EEG), die Durchführung von Elektromyografie- (EMG-) und Elektrookulografie (EOG-) Messungen wie auch die Messung der Herzfrequenz oder des Körperfettanteils. Des Weiteren eignet sich die erfindungsgemässe Vorrichtung auch für verschiedene Arten von Elektrostimulation. In aller Regel ist die Vorrichtung vorzugsweise für menschliche Patienten oder für Sportler geeignet, doch kann sie prinzipiell auch für Tiere, namentlich für Versuchstiere, ausgelegt sein.
Vorteilhafte Ausgestaltungen der obigen Vorrichtung sind in den Ansprüchen 2 bis 14 definiert.
Es hat sich als vorteilhaft erwiesen, wenn die gestickten Elektroden ein irreguläres Stickmuster aufweisen, bei dem die einzelnen Stiche in Bezug zu den benachbarten Stichen eine im wesentlichen zufällige Ausrichtung haben.
Vorzugsweise sind die Stickelektroden mindestens teilweise aus einem metall- beschichteten Faden gestickt, wodurch gleichzeitig gute mechanische und elektrische Eigenschaften erzielbar sind. Aufgrund der hervorragenden elektrischen Leitfähigkeit wäre Silber ein besonders vorteilhaftes Beschichtungsmaterial. Allerdings kann Silber zu Hautunverträglichkeiten führen. Überdies ist Silber vergleichsweise leicht oxidierbar, weshalb die sich bildenden Oberflächenschichten die elektrische Leitfähigkeit verändern und dadurch zu Messfehlern führen können. Vorzugsweise wird somit ein zweifach metallbeschichteter Faden eingesetzt, welcher einen nichtmetallischen Innenfaden mit einer Silberschicht sowie einer darüber liegenden dünnen Schicht aus einem hautfreundlichen Metall aufweist. Beispielsweise eignen sich hierfür äussere Titan-, Palladium- oder Platin- beschichtungen.
Vorteilhafterweise sind die Elektroden aus mehreren Lagen gestickt, welche auf der dem Körper zugewandten Seite der Textillage noppenartig vorstehen und dadurch einen verbesserten Kontakt mit der Hautbberfläche bewerkstelligen. Im Ergebnis ist somit die für den elektrischen Kontakt erforderliche elastische Vor- Spannung der Textillage geringer als sie bei flächigen Elektroden wäre.
Vorzugsweise sind die Elektroden nach dem Einfaden-, Zweifaden- oder aber nach dem Dreifadensystem (Soutache) gestickt. Beispielsweise kommen hierfür die sogenannte "Bean Stitch" oder die "Vermicelles" Stickart zum Einsatz, wobei vorteilhafterweise verschiedene Tourenlagen übereinander gestickt sind. Bei Bedarf können für Vorderfaden, Hinterfaden und gegebenenfalls für den im Dreifadensystem eingestickten Faden unterschiedliche Materialien eingesetzt werden.
Sowohl für elektrophysiologische Messungen wie auch für die Elektrostimulation muss jede Elektrode mit einer elektrischen Zuleitung versehen sein, wobei diese gegebenenfalls mit einer Isolations- und/oder Abschirmungsschicht ausgestattet ist. Vorteilhafterweise ist die Zuleitung durch einen auf die Textillage gestickten Leitungsdraht gebildet, wobei dieser zur Kompensation des bei einer elastischen Textillage auftretenden Verzugs vorzugsweise serpentinenartig angeordnet ist. Alternativ kann die elektrische Zuleitung durch ein leitfähiges Textilgewebe gebildet sein. Insbesondere kann es sich dabei um eine in die Textillage eingewebte Leiterbahn handeln.
Für gewisse Anwendungen weist die elektrische Zuleitung einen auf der körperzugewandten Seite der Textillage befindlichen Anschlussbereich für ein zugeordnetes Bauteil, beispielsweise für einen unter einem Bekleidungsstück zu tragenden Transmitter, auf. Vorteilhafterweise befindet sich jedoch der elektrische Anschlussbereich auf der körperabgewandten Seite der Textillage, wo er mit ei- nem extern getragenen, leicht abnehmbaren Bauteil verbindbar ist. Zu diesem Zweck ist der Anschlussbereich beispielsweise als Steckerelement ausgebildet.
AIs weitere Bauteile können auch elektronische Impedanzwandler, Verstärker, Filter und dergleichen zur Anwendung kommen.
Insbesondere im Falle von noppenartigen Elektroden ist für viele Anwendungen ein ausreichender elektrischer Kontakt mit der Hautoberfläche gewährleistet, was einen wesentlichen Vorteil gegenüber konventionellen Elektroden, welche als Gummi- oder Kunststoffelektroden mit Silber/Silberchloridbeschichtung auf die Hautoberfläche geklebt werden, darstellt. Dennoch kann es für gewisse Anwendungen von Vorteil sein, die gestickten Elektroden mit einem Kontaktie- rungsmedium, vorzugsweise ein elektrisch leitendes, physiologisch unbedenkliches Gel, zu belegen. Dabei lässt sich durch geeignete Wahl der Stickmaterialien eine gute Aufnahmefähigkeit des Kontaktierungsmediums erreichen.
Vorteilhafterweise ist die Textillage als Teil eines Bekleidungsstücks ausgebildet, an welchem die Elektrodengruppe entsprechend der vorgesehenen elektrophy- siologischen Messung oder Elektrostimulation angeordnet ist. Zweckmässiger- weise liefert dabei das Bekleidungsstück die notwendige elastische Vorspannung, um die Elektrodengruppe gegen die Hautoberfläche anzudrücken. Als Bekleidungsstücke kommen namentlich Büstenhalter, Unterhemden (T-Shirts), Ja- cken, Boleros, und Hosen zur Anwendung. Vorteilhaft sind zudem entsprechend ausgelegte elastische Brustgurte oder Puls- bzw. Fesselbänder.
Insbesondere bei Langzeit- oder Belastungsmessungen kann es vorübergehend zu bewegungsbedingten Unterbrüchen oder Minderungen des Kontakts zwi- sehen Elektrode und Haut kommen. Vorteilhafterweise umfasst deshalb die Elektrodengruppe eine Mehrzahl von Elektroden, welche die Anzahl der für eine vorgegebene elektrophysiologische Messung erforderlichen Elektroden übersteigt. Weiterhin ist eine an sich bekannte Auswahlsteuerung vorhanden, mittels welcher kontinuierlich oder in vorgegebenen Zeitabständen eine Untergruppe von Elektroden auswählbar ist, welche bezüglich eines vordefinierten Kriteriums momentan beste Messsignale liefert.
Die erfindungsgemässe Vorrichtung nach Anspruch 15 ist für elektrophysiologi- sche Messungen einsetzbar, welche das Anbringen von Elektroden in der Nähe der Körperoberfläche eines Individuums erfordern. Hierbei findet kein direkter Kontakt zwischen Stickelektroden und Haut statt, da erstere auf der körperab- gewandten Seite der Textillage angeordnet sind. Vielmehr wird bei dieser Anordnungsari: eine kapazitive Kopplung zwischen Elektrode und Haut bewerkstelligt, wodurch zeitlich modulierte Signalanteile erfassbar sind.
Bevorzugte Ausgestaltungen sind in den Ansprüchen 16 bis 24 definiert.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
Ausführungsbeispiele der Erfindung werden nachfolgend anhand der Zeichnungen näher beschrieben, dabei zeigen:
Fig. 1 ein erstes Beispiel von gestickter Elektrode, in Draufsicht;
Fig. 2 die Elektrode der Fig. 2 auf einer Textillage, in fotografischer Draufsicht;
Fig. 3 einen zweifach beschichteten Stickfaden, in Querschnittdarstellung;
Fig. 4 eine Gruppe von Elektroden gemäss den Fig. 1 und 2, in fotografischer Draufsicht;
Fig. 5 eine Elektrodenanordnung auf einer doppelten Textillage mit rückseitigem elektrischem Anschluss, in fotografischer Ansicht von rückwärts;
Fig. 6 ein zweites Beispiel von gestickter Elektrode, in Draufsicht;
Fig. 7 eine erste Art von Elektrodenanordnung an einem menschlichen
Torso, in schematischer Ansicht von rückwärts;
Fig. 8 die Elektrodenanordnung der Fig. 7, in schematischer Draufsicht;
Fig. 9 ein mit einer Elektrodenanordnung gemäss den Fig. 7 und 8 aufgenommenes Elektrokardiogramm;
Fig. 10 eine weitere Art von Elektrodenanordnung, in schematischer DarStellung;
Fig. 11 eine weitere Art von Elektrode mit integriertem Chip, in schematischer Querschnittdarstellung.
Wege zur Ausführung der Erfindung
Die in den Fig. 1 und 2 dargestellte Vorrichtung umfasst eine Elektrode 2, die auf eine als Stickboden dienende Textillage 4 aus elastischem Polyestertüll aufgestickt ist, sowie einen elektrischen Zuleitungsdraht 6. Wie insbesondere aus der Fig. 2 hervorgeht, ist die Elektrode als noppenartige Erhebung ausgebildet, wel- che beispielsweise einen Noppendurchmesser von 1.5 cm und eine Höhe von ungefähr 1 bis 2 mm, gewünschtenfalls aber auch mehr, aufweist.
Die gezeigte Elektrode wurde im Dreifadensystem mit mehreren übereinander angebrachten Tourenlagen im sogenannten "Vermicelles-System" gestickt. Wie aus den Fig. 1 und 2 ersichtlich, wird dabei ein irregulär erscheinendes Stickmuster erzeugt Als Oberfaden wie auch als Unterfaden wurde je ein Kupferfaden vom Titer 190 dtex (Bischoff Phfib 010) verwendet; mittels dieser Kupferfäden wurde ein als Zuleitung 6 dienender isolierter Kupferfaden eingestickt. Zur Bildung des erforderlichen Kontaktes zwischen Zuleitung 6 und Elektrode 2 wird vor dem Einsticken der Zuleitungsdraht 6 in seinem endständigen Kontaktie- rungsbereich abisoliert. Anstelle von Kupfer können auch andere leitende Mate-
rialien wie Stahl, Titan, Silber oder andere Edelmetalle verwendet werden. Als vorteilhaftes Material für die elektrische Zuleitung 6 hat sich überdies Aracon® (DuPont) erwiesen, ein aus metallbeschichteten Fasern aus aromatischen Polyamiden gebildetes Garn. Weiterhin kommen auch Carbon-Fasern in Betracht.
Silber ist aufgrund seiner hohen elektrischen Leitfähigkeit von ca. 63x106 S/m ein in elektrischer Hinsicht besonders vorteilhaftes Beschichtungsmaterial. Allerdings kann Silber zu Hautunverträglichkeiten führen und neigt zur Bildung von Oberflächenschichten, welche die elektrische Leitfähigkeit beeinträchtigen und dadurch zu Messfehlern führen können. Aus diesem Grund ist es von Vorteil, über der Silberschicht eine weitere Metallschicht anzubringen. Für diese äussere Deckschicht ist ein Metall zu wählen, das hautverträglich und chemisch inert ist. Während die innere Silberschicht für die elektrische Übertragung in Längsrichtung des Fadens - also über eine vergleichsweise lange Strecke - vorgesehen ist, muss für die elektrische Übertragung zwischen Haut und Silberschicht lediglich die Schichtdicke der äusseren Metallschicht in Radialrichtung durchquert werden - also eine vergleichsweise kurze Strecke. Deshalb ist es akzeptabel, dass das Metall der äusseren Schicht eine geringere elektrische Leitfähigkeit als Silber hat. Besonders geeignete Metalle für die äussere Schicht sind Titan, Platin und Palladium. Titan hat mit ca. 2,6x106 S/m eine vergleichsweise schlechte elektrische Leitfähigkeit gegenüber Platin (9,4x106 S/m) und Palladium (10x106 S/m), ist aber weniger teuer. Offensichtlich hängt deshalb die optimale Wahl des äusseren Beschichtungsmetalls im Einzelfall von der beabsichtigten Anwendung ab.
Ein Beispiel für einen zweifachbeschichteten Stickfaden ist in der Fig. 3 dargestellt. Auf einem inneren Faden PES aus einem Polyester-Monofilament mit einem Durchmesser von 0.08 mm Durchmesser ist eine Silberschicht Ag mit einer Schichtdicke von 100 nm und darüber eine Titanschicht Ti von 100 nm aufge- bracht. Generell können die beiden Metallschichten mit einer Schichtdicke von ungefähr 20 bis ungefähr 200 nm aufgetragen werden, wobei die beiden Schich-
ten gleiche oder unterschiedliche Dicken haben können. Als Verfahren zum Anbringen der Metallschichten eignet sich insbesondere die Plasmabeschichtung. In einem weiteren Ausführungsbeispiel ist der innere Faden aus eine verzwirnten Polyester-Multifilament gebildet.
Wie in der Fig. 4 erkennbar, bilden beispielsweise drei auf die Textillage 4 aufgestickte Elektroden 2a, 2b, 2c eine Elektrodengruppe. Die Anordnung der Elektroden, d.h. die Positionierung der einzelnen Elektroden 2a, 2b und 2c auf dem Träger 4 ist dabei entsprechend der vorgesehenen Anwendung zu wählen. Je ein Zuleitungsdraht 6a, 6b bzw. 6c verläuft von einer zugeordneten Elektrode 2a, 2b bzw. 2c zu einem Steckerelement 8, das zur Verbindung mit nicht dargestellten elektrischen Versorgungs- oder Ableitelementen vorgesehen ist. Die einzelnen Zuleitungsdrähte 6a, 6b und 6c sind serpentinenartig ausgelegt und mittels entsprechend positionierter Heftstiche 10 (vgl. Fig. 1) aus Polypropylen an der Textillage 4 befestigt. Der mäandrierende Verlauf der Zuleitungsdrähte und der Abstand zwischen den einzelnen Heftstichen 10 gestatten ein weitgehend ungehindertes Verstrecken oder Verformen der elastischen Textillage 4, was entscheidend zum Tragkomfort der Vorrichtung beiträgt.
Falls nötig, kann die Textillage wie in der Fig. 5 gezeigt als Doppellage mit einer inneren, körperzugewandten Lage 4a und einer äusseren, körperabgewandten Lage 4b ausgebildet sein. Dies kann insbesondere zweckmässig sein, um mit der äusseren Lage 4b ein gutes Andruckverhalten zu erzielen, während die innere Lage 4a bezüglich ihrer physiologischen Verträglichkeit, Tragkomfort oder elektrischen Isolationsfähigkeit optimiert wird. Ebenfalls dargestellt ist in der Fig. 5 ein auf der körperabgewandten Seite der Doppellage 4a, 4b angebrachter elektrischer Anschlussbereich 12 mit einem Steckerteil 14.
Eine weitere Ausgestaltung von Elektrode ist in der Fig. 6 dargestellt, welche eine mit der sogenannten "Bean-Stitch" Stickart gefertigte Elektrode 2d mit zugehörigem Zuleitungsdraht 6d zeigt.
Die Fig. 7 und 8 zeigen eine Elektrodenanordnung zur Messung von EKG- Signalen. Um ein verlässliches, rauscharmes EKG-Signal zu erhalten, ist ein gewisser Anpressdruck der Elektroden auf die Hautoberfläche erforderlich. Typischerweise sollte dieser Anpressdruck ungefähr 5 Newton (d.h. 5 kg m s'2) be- tragen. Aus diesem Grund ist die als Träger für die Elektrodenanordnung dienende elastische Textillage vorteilhafterweise als Teil eines geeignet geformten Bekleidungsstücks ausgebildet, wobei die Elektroden auf der körperzugewandten Seite der Textillage angeordnet sind. Ein solches Bekleidungsstück ist in der Fig. 7 in Gestalt eines körperanliegenden T-Shirts 18 dargestellt. Dabei befindet sich je eine gestickte Elektrode an der Schulter des linken Arms LA, an der Schulter des rechten Arms RA sowie am Nacken N. Ein mit dieser Anordnung gemessenes EKG ist in der Fig. 9 wiedergegeben, wobei die Spannungsdifferenz V als Funktion der Zeit t aufgetragen ist.
Anstelle der oben beschriebenen Elektrodenanordnung kann beispielsweise die in Fig. 10 dargestellte Einthoven-Anordnung eingesetzt werden, bei der die EKG- Elektroden am linken Arm LA, rechten Arm RA und am rechten Fuss RF angebracht sind, wobei letztere Ableitung als Erdungspunkt GND dient.
Die Fig. 11 zeigt eine weitere Stickelektrode 2e, welche auf ein Folienstück 4c gestickt ist. Die Stickelektrode befindet sich dabei auf der körperzugewandten Seite des Folienstücks 4c. Letzteres ist an eine weitere, äussere Textillage 18 angeschweisst oder angeklebt, wobei die entsprechende Schweiss- oder Klebenaht 20 schematisch dargestellt ist. In der Regel besteht das Folientsück 4c aus einem nicht-dehnbaren Material; der notwendige Anpressdruck der Stickelektrode gegen die Haut wird durch eine elastische äussere Textillage 18 bewerkstelligt. Vorzugsweise ist die Naht 20 umlaufend ausgeführt und umgibt damit eine zwischen dem Folienstück 4c und der äusseren Textillage 18 befindliche Tasche mit darin angeordnetem Auswertechip 22. Letzterer steht über eine Zuleitung 6e in elektrischer Verbindung mit der Stickelektrode 2e. Der Auswertechip 22 ist mit einer Batterie ausgerüstet und kann während ca. 3 Jahren über eine drahtlose
Verbindung (z.B. ZigBee (wireless)) Messdaten an einen zugeordneten Data- Logger übertragen. Durch die kurze Zuleitung werden Störungen und Artefakte weitgehend vermieden oder vermindert. In einer weiteren Ausgestaltung ist der Auswertechip einer ganzen Gruppe von benachbarten Elektroden zugeordnet, beispielsweise Stickelektroden mit 1 cm Durchmesser in einer Kreisanordnung mit einem Durchmesser von 4 cm. In diesem Fall ist eine entsprechende Anzahl von elektrischen Zuleitungen zwischen Auswertechip und einer jeden Elektrode vorzusehen. Bei einer Verbindung der einzelnen Stickelektroden untereinander können so auch klassische diagnostische Elektrodenableitungen, namentlich für EKG-Messungen, realisiert werden.
Unabhängig davon, ob das Folienstück 4c zur Halterung eines integrierten Auswertechips dient oder nicht, ist es für manche Anwendungen vorteilhaft, wenn das Folienmaterial zumindest im Bereich der Stickelektrode einen hohen Was- serdampfdurchgangswiderstand Ret hat; vorzugsweise sollte dieser mindestens 40 Im2PaW1 betragen. Dadurch kommt es bereits nach kurzer Tragzeit der Elektrode zur Bildung von Kondenswasser im Bereich der Elektrode. Dies wiederum führt zur Verbesserung des elektrischen Kontaktes zwischen Haut und Elektrode, wobei unter Umständen auf das Anbringen eines Kontaktierungsmediums verzichtet werden kann.
Bei einer nicht näher dargestellten weiteren Textilvorrichtung für elektrophysiolo- gische Messungen ist die Elektrodengruppe auf der körperabgewandten Seite der Textillage angebracht. Demnach stehen die Stickelektroden nicht in unmit- telbarem Kontakt mit der Haut, sind aber nur durch die vergleichsweise dünne Textillage davon getrennt. Eine derartige Elektrodenanordnung eignet sich für einen kapazitiven Messbetrieb, d.h. zur Messung von Wechselspannungsanteilen eines physiologischen Signals. Die gestickten Elektroden sind vorzugsweise ebenfalls aus einem Faden mit zweifacher Metallbeschichtung (z.B. innen Ag, aussen Ti) gefertigt, welcher die Vorteile einer guten elektrischen Leitfähigkeit und einer guten Hautverträglichkeit in sich vereint.
Bezuqszeichenliste
2, 2a, 2b, 2c, 2d, 2e Stickelektrode
4, 4a, 4b, 4c Textillage
6, 6a, 6b, 6c, 6d, 6e elektrische Zuleitung
8 Steckerelement
10 Heftstich
12 elektrischer Anschlussbereich
14 Stecker von 12
16 T-Shirt
18 äussere Textillage
20 Schweiss- oder Klebenaht
22 Auswertechip
LA linker Arm
RA rechter Arm
RF rechter Fuss
N Nacken
V elektrische Spannung t Zeit
PES Polyester
Ag Silberschicht
Ti Titanschicht