Continental Aktiengesellschaft
Beschreibung
Verfahren und Vorrichtung zur Steuerung und/oder Regelung von Fahrwerksein- stellungen in einem Kraftfahrzeug
Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Steuerung und/oder Regelung von Fahrwerkseinstellungen in einem Kraftfahrzeug gemäß dem Oberbegriff des Patentanspruchs 1 beziehungsweise des Patentanspruchs 16.
Es ist bekannt, dass in Kraftfahrzeugen Niveauverstelleinrichtungen zur Verstellung des Abstandes der Fahrzeugkarosserie zu den Fahrzeugachsen eingesetzt werden können. Eine solche Niveauverstelleinrichtung wird beispielsweise dazu genutzt, um einen voreinge- stellten Karosserieabstand zum Fahrweg unabhängig von der Fahrzeugbeladung einzuhalten und/oder um beschleunigungs- oder verzögerimgsbedingte Nickbewegungen um die Querachse des Fahrzeugs ausgleichen zu können.
Zudem kommen bekanntermaßen auch Wankausgleichseinrichtungen in Kraftfahrzeugen zum Einsatz, deren Aufgabe es ist, Wankbewegungen der Fahrzeugkarosserie um die Fahrzeuglängsachse auszugleichen, die beispielsweise infolge einer Kurvenfahrt des Fahrzeugs entstehen können.
Schließlich werden in Kraftfahrzeugen auch Dämpferlαafrverstelleinrichtungen genutzt, deren Aufgäbe es ist, die an einem Fahrwerksdämpfer wirkende Dämpfungskraft in Abhängigkeit von Fahrzustand und/oder von den Fahrwegeigenschaften einzustellen.
Wenngleich die genannten Einrichtungen jede für sich mit Vorteil zur Verbesserung des Fahrkomforts und vor allem zur Verbesserung der Fahrsicherheit nutzbar sind, so kann es im Fahrbetrieb doch vorkommen, dass die Steuerungs- und/oder Regelungstätigkeit der NiveauversteUeinrichtung, der Wankausgleichseinrichtung und/oder der Dämpferkraftver- stelleinrichtung sich gegenseitig derart beeinflussen, dass der Fahrkomfort und/oder die Fahrsicherheit einen an sich anstrebenswerten optimalen Zustand nicht erreicht.
Vor diesem Hintergrund ist aus der DE 38 75 082 T2 ein System zur Regelung einer aktiven Fahrzeugaufhängung bekannt, bei dem eine Vorrichtung zur Einstellung des Abstandes des Fahrzeugsaufbaus zu den jeweiligen Radachsen in Abhängigkeit von Nick- oder Rollbewegungen des Fahrzeugsaufbaus betätigt wird. Dazu werden die Messwerte von Nicksensoren und Wank- bzw. Rollsensoren sowie eines Dämpferhubsensors erfasst und ausgewertet. Ein diesbezüglich vorhandener Mikrocomputer erzeugt auf der Grundlage der genannten Sensorinformationen ein Steuerungssignal für die Verstellung des Abstandes zwischen jedem der vier Fahrzeugräder und dem Fahrzeugaufbau.
Darüber hinaus ist aus der DE 10009 392 AI eine Niveauregelungsanlage bekannt geworden, die aufgrund ihrer konstruktiven Merkmale derart ausgebildet ist, dass diese ebenfalls zum Ausgleich von Nick- und Wankbewegungen beziehungsweise zur Reduzierung von Aufbaubeschleunigungen, beispielsweise bei einer Kurvenfahrt des Fahrzeuges, nutzbar ist.
Außerdem offenbart die US 5,864,768 ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Einstellung eines aktiv einstellbaren Fahrwerkdämpfers, mit denen die Fahrqualität eines Kraftfahrzeuges verbessert werden soll. Die Einstellung der Dämpferkraft des Fahrwerkdämpfers erfolgt dabei auf der Grundlage des Abstandes der Fahrzeugkarosserie zu den Fahrzeugrädern, der Nicklage der Karosserie um ihre Querachse und der Wanklage der Karosserie um ihre Längsachse.
Die Integration einer Niveauverstelleinrichtung, einer Wankausgleichseinrichtung und/oder einer Dä pferkrafrverstelleinrichtung in ein Kraftfahrzeug ist bei den bekannten Fahrwerken bisher nur unbefriedigend gelungen, da diese unabhängig voneinander arbeiten. Vor
diesem Hintergrund liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Steuerung und/oder Regelung von Fahrwerkseinstellungen in einem Kraftfahrzeug vorzustellen, bei denen die Aktivitäten einer Niveauverstelleinrichtung, einer Wankausgleichseinrichtung und/oder einer Dämpferkrafrverstelleinrichtung beziehungsweise deren Steuerungs- und Regelungsprogramme zur Verbesserung der Fahrsicherheit und des Fahrkomforts optimaler als bisher aufeinander abgestimmt sind.
Die Lösung dieser Aufgabe ergibt sich für das Verfahren aus den Merkmalen des Hauptanspruchs und für die Vorrichtung aus dem unabhängigen Patentanspruch 16. Vorteilhafte Weiterbildungen und Ausgestaltungsformen der Erfindung sind jeweils zugeordneten Unteransprüchen entnehmbar.
Demnach geht die Erfindung aus von einem Verfahren zur Steuerung und/oder Regelung von Fahrwerkseinstellungen in einem Kraftfahrzeug, bei dem in Abhängigkeit von der Fahrsituation und/oder den Fahrwegeigenschaften mittels einer Niveauverstelleinrichtung der Karosserieäbstand zu den Fahrzeugachsen, mit einer Wankausgleichseinrichtung Rollbewegungen der Karosserie um deren Längsachse und/oder mittels einer Dämpferkraftver- stelleinrichtung die Dämpferkraft von Fahrwerksdämpfern eingestellt wird. Zur Lösung der gestellten Aufgäbe ist zudem vorgesehen, dass die Niveauverstelleinrichtung, die Wankausgleichseinrichtung und/oder die Dämpferlαaftverstelleinrichtung aufeinander abgestimmt tätig sind.
Durch diese Maßnahme wird erreicht, dass die Steuerungs- und Regelungsaktivitäten der genannten Einrichtungen sich nicht kontraproduktiv überlagern, sondern vielmehr derart durchgeführt werden, dass deren Einwirken auf die Fahrwerkskomponenten die Fahrsicherheit und/oder den Fahrkomfort gegenüber bekannten gattungsgemäßen Einrichtungen verbessert.
In diesem Zusammenhang ist vorgesehen, dass die Niveauverstelleinrichtung, die Wankausgleichseinrichtung und/oder die Dämpferkraftverstelleinrichtung untereinander Daten über deren jeweilige Betätigungsaktivitäten austauschen. Dieser Informationsaustausch
beinhaltet zumindest die Information über den Betätigungszustand der jeweiligen fahr- werkseinstellwirksamen Einrichtungen. Ein solcher Betätigungszustand kann dabei beispielsweise aussagen, ob die jeweilige Einrichtung gerade aktiv ist oder nicht, oder welche Betätigungsmaßnahme unmittelbar bevor steht.
In einer bevorzugten Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens kann vorgesehen sein, dass die Niveauverstelleinrichtung, die Wankausgleichseinrichtung und/oder die Dämpferlσaftverstelleinrichtung in Abhängigkeit von den Betätigungsaktivitäten der jeweils anderen Einrichtung mittels einer in wenigstens einer dieser Einrichtungen abgespeicherten Entscheidungslogik entscheiden, ob und wie diese Niveauverstelleinrichtung, Wankausgleichseinrichtung und/oder Dämpferkraftverstelleinrichtung allein oder mit wenigstens einer dieser anderen Einrichtungen fahrwerksverstellwirksam tätig wird oder tätig bleibt. Dabei werden bevorzugt der aktuelle Fahrzustand des Fahrzeugs sowie die aktuellen Fahrwegeigenschaften berücksichtigt.
Gemäß einer anderen Variante ist dafür gesorgt, wenn die Niveauverstelleinrichtung, die Wankausgleichseinrichtung und/oder die Dämpferkraftverstelleinrichtung in der Weise aufeinander abgestimmt zusammenwirken, dass die Fahrsicherheit Priorität vor dem Fahrkomfort hat.
Bevorzugt wird das erfindungsgemäße Verfahren derart betrieben, dass die Niveauverstelleinrichtung, die Wankausgleichseinrichtung und/oder die Dämpferkrafrverstelleinrichtung so betätigt werden, dass deren jeweiligen fahrsicherheits- und/oder fahrkomfortrelevanten Aktivitäten von wenigstens einer der anderen Einrichtungen unterstützt wird.
So kann vorgesehen sein, dass ab einer vorgegebenen Fahrgeschwindigkeit eine gegebenenfalls manuell befehligte Betätigung der Niveauverstelleinrichtung verhindert wird, wenn die Wankausgleichseinrichtung aktiviert wird. Gemäß einer anderen Variante ist bestimmt, dass bei einer Betätigung der Wankausgleichseinrichtung eine achsweise Regelung der Niveauverstelleinrichtung verhindert und nur eine einzelradbezogene (cornerweise) Regelung des Karosserieabstandes zu dem jeweiligen Fahrzeugrad zugelassen wird.
Schließlich kann in diesem Zusammenhang auch vorgesehen sein, dass während einer Betätigung der Wankausgleichseinrichtung eine Betätigung der Niveauverstelleinrichtung unterbunden wird.
Durch die zuletzt genannten Verfahrensmaßnahmen zur Koppelung der Betätigungsaktivitäten der Niveauverstelleinrichtung und der Wankausgleichseinrichtung wird mit Vorteil erreicht, dass beispielsweise während einer Kurvenfahrt mit Wankausgleich keine Höhenverstellung der Karosserie zu den Fahrzeugrädern erfolgt, so dass ein schiefer Niveauausgleich mit Vorteil vermieden wird.
Zur Diirchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens ist eine Vorrichtung zur Steuerung und/oder Regelung von Fahrwerkseinstellungen in einem Kraftfahrzeug vorgesehen, mit einer Niveauverstelleinrichtung zur Verstellung des Karosserieäbstands zu den Fahrzeugachsen, mit einer Wankausgleichseinrichtung zum Ausgleich von Rollbewegungen der Karosserie um deren Längsachse und/oder mit einer Dämpferl aftverstelleinrichtung zur Einstellung der Dämpferkraft von Fahrwerksdämpfern. Zur Lösung der eingangs gestellten Aufgabe ist zudem vorgesehen, dass die Niveauverstelleinrichtung, die Wankausgleichseinrichtung und/oder die Dämpferkraftverstelleinrichtung zum Austausch von Daten hinsichtlich ihrer jeweiligen Betätigungsaktivitäten über Informationsübermittlungsstre- cken miteinander verbunden sind.
Dabei ist es möglich und wird durch die Erfindung mit erfasst, wenn die Niveauverstelleinrichtung, die Wankausgleichseinrichtung und/oder die Dämpferkraftverstelleinrichtung als separate elektronische Geräte ausgebildet oder deren Funktionen in einem einzigen elektronischen Gerät zusammengefasst sind.
Bevorzugt sind die Informationsübertragungsstrecken als elektrische Leitungen oder als Sender und Empfänger elektromagnetischer Übertragungsstrecken ausgebildet. Diese In- formationsübertragungsstrecken können dabei ein Bestandteil eines Fahrzeug-Datenbus- Netzes sein.
Damit die Niveauverstelleinrichtung, die Wankausgleichseinrichtung und/oder die Dämp- ferkraftverstelleinrichtung im Sinne der Verbesserung der Fahrsicherheit und/oder des Fahrkomforts optimal zusammen wirken können, sind zentrale oder dezentrale Entscheidungsstrukturen vorgesehen.
So weisen die Niveauverstelleinrichtung, die Wankausgleichseinrichtung und/oder die Dämpferkraf verstelleinrichtung jeweils einen Speicherbereich auf oder haben auf einen zentral angeordneten Speicherbereich Zugriff, in dem eine Entscheidungslogik in Form eines Programms abgespeichert ist. In dieser Entscheidungslogik wird auf der Grundlage von Informationen über den aktuellen Fahrzustand des Fahrzeugs und/oder den Eigenschaften des Fahrwegs darüber entschieden, ob und wie die Niveauverstelleinrichtung, die Wankausgleichseinrichtung und/oder die DämpferkraflverstelJeinrichtung tätig wird oder tätig bleibt.
Das erfindungsgemäße Verfahren sowie eine diesbezügliche Steuerungs- und Regelungseinrichtung wird nachfolgend anhand der beigefügten Zeichnung weiter erläutert. In dieser Darstellung sind in sehr vereinfachter Weise eine Niveauverstelleinrichtung 1, eine Wankausgleichseinrichtung 2 und eine Dämpferlαraftverstelleinrichtung 3 dargestellt. Diese Einrichtungen 1, 2 und 3 sind hier als separate elektronische Geräte ausgebildet, die gemäß einem Kerngedanken der Erfindung über bidirektionale Informationsübertragungsstrecken 7, 8 und 9 zum Datenaustausch miteinander verbunden sind.
Jede dieser drei fahrwerkverstellwirksamen Einrichtungen 1, 2 und 3 erhält von Sensoren über Sensorleitungen 18, 19, 20 Informationen über den aktuellen Fahrzustand des Fahrzeugs sowie über die Eigenschaften des Fahrweges.
Der Fahrzustand kann dabei ein ganzes Bündel von Informationen umfassen, die beispielsweise Auskunft darüber geben, ob das Fahrzeug gerade stillsteht, beschleunigt oder verzögert wird, wie hoch die aktuelle Geschwindigkeit ist, wie hoch die aktuelle Fahrzeugmasse ist, unter welchem Lenkwinkel die Fahrzeugräder gerade eingeschlagen sind und welche Längs-, Quer- und Gierbeschleunigungen gerade am Fahrzeug wirken.
Die Eigenschaften des Fahrweges werden beispielsweise durch die Fahrbahnneigung und den Zustand der Fahrbahnoberfläche bestimmt, wobei letztere angibt, ob die Fahrbahn eben oder rau ist. Diese Informationen können beispielsweise aus der Vertikalgeschwindigkeit und/oder aus der Vertikalbeschleunigung der Fahrzeugräder und/oder des Fahrzeugauf baus gewonnen werden.
In Kenntnis des Fahrzustandes sowie des Zustandes des Fahrweges bilden die Niveauverstelleinrichtung 1, die Wankausgleichseinrichtung 2 und die Dämpferkrafrverstelleinrich- tung 3 zunächst Steuerungs- und/oder Regelungssignale, die über Steuerungsleitungen 10, 11 und 12 an Aktuatoren 14, 15, 16 und 17 des Fahrwerks 13 weitergeleitet werden. Diese Aktuatoren 14, 15, 16 und 17 sind beispielsweise Luftfedern oder hydropneumatische oder hydraulische Kolben-Zylinder-Anordnungen, die fahrwerkseinstellwirksam auf zugeordnete Fahrzeugkomponenten wirken. Zu den Aktuatoren 14, 15, 16 und 17 können aber auch elektromechanische Stellglieder gehören, die auf einzelne Fahrwerksbestandteile oder eine gesamte Fahrzeugachse einwirken.
Mit solchen Aktuatoren 14, 15, 16, und 17 kann demnach den Abstand der Karosserie zu den Fahrzeugachsen einstellen, wobei dies beispielsweise achsbezogen zum Ausgleichs einer Nickbewegung aufgrund einer positiven oder negativen Fahrzeuglängsbeschleuni- gung erfolgen kann. Darüber hinaus kann mit den gleichen Aktuatoren 14, 15, 16 und 17 auch ein voreingestellter Abstand der Karosserie gegenüber den Fahrzeugachsen konstant eingehalten werden, wenn sich die Aufbaumasse aufgrund eines Be- oder Entladevorgang am Fahrzeug ändert. Zudem sind die genannten Aktuatoren 14, 15, 16 und 17 auch für einen Wankausgleich der Fahrzeugkarosserie nutzbar, beispielsweise wenn sich während der Fahrt die Fahrzeugkarosserie durch einen Lenkeinschlag um die Fahrzeuglängsachse bewegt. Zudem kann durch eine Einstellung der Dämpfungskraft an diesen Aktuatoren 14, 15, 16 und 17 auch während der Fahrt auf sich ändernde Fahrwegeigenschaften eingegangen werden, so dass das Fahrwerk in Abhängigkeit von der Fahrsituation vorzugsweise kontinuierlich zwischen den Einstellungen weich, mittel oder hart eingestellt wird.
Damit die genannten Fahrwerkseinstellungen an den Aktuatoren 14, 15, 16 und 17 koordiniert und im Hinblick auf ein insbesondere fahrsicheres Fahrwerk optimal vorgenommen werden, verfügt in dem in der Zeichnung dargestelltem Ausführungsbeispiel die Niveauverstelleinrichtung 1, die Wankausgleichseinrichtung 2 und die Dämpferkraftverstellein- richtung 3 über jeweils ein Entscheidungsmodul 4, 5 bzw. 6, mittels denen unter Bewertung der jeweils gerade vorliegenden Fahrsituation und Fahrwegeigenschaft die Niveauverstelleinrichtung 1, die Wankausgleichseinrichtung 2 und die Dämpferkraftverstelleinrich- tung 3 möglichst optimale Steuerungs- und/oder Regelungsbefehle an die Fahrwerksaktu- atoren abgeben.
Eine optimale Aktuatorbetätigung richtet sich dabei vorrangig an dem Ziel eines besonders sicheren Fahrbetriebs aus. Wenn dieser gewährleistet ist, können auch Komfortaspekte berücksichtigt werden. Dabei wird insbesondere beachtet, dass die Steuerungs- und Regelungsbefehle an die Fahrwerksaktuatoren 14, 15, 16 und 17 sich gegenseitig zur Zielerreichung unterstützen.
Beispielsweise werden von der Wankausgleichseinrichtung 2 Informationen zu einer geplanten Wankwinkelkorrektur an die Niveauverstelleinrichtung 1 und an die Dämpferkraft- verstelleinrichtung 3 versandt. In diesen Einrichtungen 1 und 3 wird diese Information dazu genutzt, um durch eine Dämpfungskraftänderung und/oder durch eine radindividuelle (cornerweise) Niveauverstellung den erwähnten Wankausgleich zu unterstützen oder aber diesem zumindest nicht entgegen zu wirken.
In einem anderen Fall kann es beispielsweise angezeigt sein, dass nach dem Erkennen eines schlechten Fahrwegzustandes mit starken Vertikalbewegungen des Fahrzeugaufbaus eine härtere Dämpferkrafteinstellung durch die Dämpferkraftverstelleinrichtung 3 vorgesehen ist. Dieser geplante Regeleingriff wird der Niveauverstelleinrichtung 1 und der Wankausgleichseinrichtung 2 mitgeteilt, so dass diese gegebenenfalls unterstützend eingreifen können. Denkbar ist beispielsweise eine Vergrößerung des Abstandes der Karosserie von den Radachsen, wodurch die Bodenfreiheit des Fahrzeuges etwa bei einer Geländefahrt erhöht wird.
Außerdem kann bei einer geplanten Aktivierung der Niveauverstelleinrichtung 1 durch eine diesbezügliche Information an die Wankausgleichseinrichtung 2 und an die Dämpferkraft- verstelleinrichtung 3 erreicht werden, dass die dazu vorgesehenen Bewegungen der Fahr- werksaktuatoren 14, 15, 16 und 17 zur Zielerreichung unterstützt werden oder diesem zumindest nicht durch gegensätzliche Stellbefehle entgegengewinkt wird.
Die Entscheidungsmodule 4, 5 und 6 können dezentral in der Niveauverstelleinrichtung 1, der Wankausgleichseinrichtung 2 und der DämpferkrafrversteUeinrichtung 3 ausgebildet sein. Es ist aber auch möglich, ein solches Entscheidungsmodul in nur einer dieser Einrichtungen 1, 2 oder 3 auszubilden und die anderen Einrichtungen über geeignete Informationsübertragungsstrecken mit, den Entscheidungen hinsichtlich fahrwerksrelevanter Steuerungs- und Regelungsbefehle zu versorgen.
Insbesondere durch die Kopplung der Steuerungs- und Regelungstätigkeit der Wankausgleichseinrichtung 2 und der Niveauverstelleinrichtung 1 kann beispielsweise bei einer pneumatischen Hinterachslagerung vorteilhaft auf einen von zwei Sensoren zur Erfassung des Karosserieäbstandes von der Fahrzeugachse verzichtet werden, da eine Niveauverstellung der Karosserie bei einer aktiven Wankwinkeländerung unterbunden wird und daher eine diesbezügliche Schiefstellung der Karosserie nicht zu befürchten ist.
Außerdem erlaubt ein gemäß der Erfindung ausgebildetes Steuerungsverfahren vorteilhaft, dass bei einer betätigungsaktiven Wankausgleichseinrichtung 2 eine Veränderung der durch dieselbe eingestellten Niveaulage des Fahrzeugs durch die Niveauverstelleinrichtung 1 so lange unterbunden wird, bis die Wankausgleichseinrichtung 2 diese Veränderung dieser Niveaulage selbst zurück genommen hat.
Dadurch ist insbesondere in kritischen Fahrsituationen, etwa bei einer Kurvenfahrt mit Neigung der Fahrzeugkarosserie um die Fahrzeuglängsachse, sichergestellt, dass eine von der Wankausgleichseinrichtung 2 erzeugte Niveauverstellung des Fahrzeugauf baus nicht durch eine achsweise regelungswirksame Niveauverstelleinrichtung 1 auf die Ausgangsni
veaulage des Fahrzeugs vor dem Regelungseingriff der Wankausgleichseinrichtung 2 zurückgeregelt wird.
Schließlich kann vorgesehen sein, dass während oder nach einem Regelungseingriff der Wankausgleichseinrichtung 2 dennoch eine Nachjustierung der Fahrzeuglage wünschenswert ist. Um diese ohne negativen Einfluss auf die durchgeführte Wankausgleichsregelung durchzuführen, sieht die Erfindung vor, dass wenigstens ein aktueller Niveausollwert für wenigstens einen der Fahrwerksaktuatoren 14, 15, 16 bzw. der Luftfedern mit einem Korrekturwert korrigiert wird, dessen Betrag und Vorzeichen von dem Regelungseingriff der Wankausgleichseinrichtung 2 abhängt. Dadurch ist es möglich, trotz des Regelungseingriffs Wankausgleichseinrichtung 2 durch Aktivierung der-Niveauverstelleinrichtung 1 eine gewünschte Niveaulage des Fahrzeugs beizubehalten.
Der genante Korrekturwert ist beispielsweise ermittelbar aus dem von der Wankausgleichseinrichtung 2 erzeugten Drehmoment am Fahrwerkstabilisator oder einer vergleichbaren Größe. Eine solche vergleichbare Größe kann beispielsweise auch der Verdrehwinkel des Fahrzeugstäbilisators sein.
Alternativ dazu können statt der erwähnten Niveausollwerte für die wenigstens eine Luflt- feder auch die jeweiligen Abstandswerte der Fahrzeugkarosserie zu der Fahrbahn oder der jeweiligen Radachse gemessen, und in Abhängigkeit von dem Regelungseingriff der Wankausgleichseinrichtung 2 achsweise durch Betätigung der betroffen Aktuatoren korrigiert werden.
Im einfachsten Fall besitzen die einzelnen Korrekturwerte für die Aktuatoren an einer Fahrzeugachse den gleichen Betrag, jedoch unterschiedliche Vorzeichen. Die Korrektur- werte können auch in Abhängigkeit von der aktuellen Fahrzeuggeschwindigkeit, Fahrzeugniveaulage und/oder der Fahrzeugbeladung gebildet werden.
Bezugszeichenliste
1 Niveauverstelleinrichtung
2 Wankausgleichseinrichtung
3 Dämpferkraftverstelleinrichtung
4 Entscheidungsmodul
5 Entscheidungsmodul
6 Entscheidungsmodul
7 Datenleitung, Informationsübertragungsstrecke
8 Datenleitung, Informationsübertragungsstrecke
9 Datenleitung, I formationsübertragungsstrecke
10 Steuerungsleitung
11 Steuerungsleitung
12 Steuerungsleitung
13 Fahrwerk
14 Fahrwerksaktuator
15 Fahrwerksaktuator
16 Fahrwerksaktuator
17 Fahrwerksaktuator
18 Sensorleitung
19 Sensorleitung
20 Sensorleitung