Verfahren zum Herstellen eines mikrofluidischen Systems mit einer Kanalstruktur und mikrofluidisches System
Die Erfindung liegt auf dem Gebiet von Verfahren zum Herstellen eines mikrofluidischen Systems und einer Kanalstruktur, die über wenigstens eine Öffnung mit einer Umgebung des mikrofluidischen Systems in Verbindung steht, sowie mit Hilfe der Verfahren hergestellter mikrofluidischer Systeme.
Mikrofluidische Systeme mit einer Kanalstruktur, welche mehrere Kanäle umfaßt, werden beispielsweise in der biochemischen Analytik verwendet. Ein übliches mikrofluidisches System weist eine Kanalstruktur mit Kanälen auf, die von Fluiden in Mengen von Nanolite n bis hin zu Millilitern durchströmt werden können. Bekannte mikrofluidische Systeme werden zum Beispiel mit Hilfe von Verfahren der sogenannten "Soft Lithography" hergestellt (vgl. Y. Xia et al., Angew. Chem. Int. Ed. 1998, 37, 550-575). Hierbei handelt es sich um ein relativ preiswertes Verfahren, mit dem auch kleinere Serien von mikrofluidischen Systemen kostengünstig hergestellt werden können. Meist dient ein mit Verfahren der Milxostrukturierung erzeugtes Mikrorelief als Gußform für ein Elastomer, d. h. die in dem Mikrorelief enthaltenen Strukturen, beispielsweise Kanäle, werden mit großer Genauigkeit auf den Elastomer- Abdruck übertragen. Mit Hilfe dieser Verfahren wurden ursprünglich hauptsächlich zweidi- mensionale Strukturen erzeugt, wofür sich ein Beispiel in dem Dokument US 2003, 0006527 AI findet.
Inzwischen ist es jedoch auch möglich, dreidimensionale Strukturen herzustellen. So beschreiben Lee et al. in Micro-Electro-Mechanical Systems 2000, 413-418, ein Herstellungsverfahren, bei dem in Wachs gefertigte (Kanal)- Strukturen in ein Elastomer eingebettet werden und nachfolgend das Wachs entfernt wird. Nach dem Entfernen des Wachses ist ein mikrofluidisches System mit einem Basiskörper aus dem verfestigten Elastomer gebildet, in dem Kanäle verlaufen. Zum Entfernen des Wachses ist es notwendig, daß nach dem Gießen des Elastomers Wärme angewendet wird, die zum Zerfließen des Wachses führt, was Voraussetzung ist, um das Wachs aus den Kanälen zu entfernen. Hierbei ist es schwierig, das Wachs rückstandsfrei zu entfernen.
In dem Dokument US 5,070,606 ist ein Verfahren zum Erzeugen eines Artikels beschrieben, bei dem Fasern in einem zwei- oder dreidimensionalen Muster angeordnet und anschließend zum Ausbilden eines Körpers mit einem Material umgeben werden. Der Körper kann mit Hilfe des Gießens oder Formens eines Plastik- oder Keramikmaterials hergestellt werden. Der so hergestellte Artikel wird vorzugsweise zum Zirkulieren von Fluiden durch die Kanäle genutzt, beispielsweise als Wärmetauscher.
Aus dem Dokument US 3,554,379 ist weiterhin bekannt, Hohlfasern als Filter zu verwenden. &o. Zu diesem Zweck werden Hohlfasern aufgespannt. Bei dem Filtervorgang findet ein Stofftransport aus dem Inneren der Hohlfaser nach außen statt.
Die Bildung einer Kanalstruktur in einem isolierten Unterstützungsmedium wird auch in dem Dokument US 3,630,779 beschrieben. Hierbei werden Drahtelemente benutzt, um in dem isolierenden Unterstützungsmedium eine Kanalstruktur zu bilden. Die Kanäle der Kanalstruktur werden mit Drähten besetzt, die eine Beschichtung aus einem magnetischen Material aufweisen. Auf diese Weise soll eine Speichereinheit für Computer oder dergleichen geschaf- fen werden.
Aufgabe der Erfindung ist es, ein verbessertes Verfahren zum Herstellen eines mikrofluidischen Systems mit einer Kanalstruktur und ein verbessertes mikrofluidisches System anzugeben, die es ermöglichen, beliebige dreidimensionale Kanalstrukturen zu erzeugen und die Gestaltungsoptionen bezüglich der mit Hilfe der Kanalstruktur in unterschiedlichen Anwen- dungsfallen zur Verfügung gestellten Funktionalität zu erweitern.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch ein Verfahren nach dem unabhängigen Anspruch 1 und ein mil rofluidisches System nach dem unabhängigen Anspruch 18 gelöst.
Die Erfindung umfaßt den Gedanken, zum Herstellen eines mikrofluidischen Systems mit einer Kanalstruktur, die über wenigstens eine Öffnung mit einer Umgebung des mikrofluidi- sehen Systems in Verbindung steht, Faserelemente zum Ausbilden einer räumlichen Faserelementestruktur in einem Hohlraum eines Formteils aufzuspannen. Bei den Faserelementen handelt es sich um fadenförmige Elemente, die je nach Anwendungsfall hinsichtlich ihrer Querschnittsflächengestaltung als auch des verwendeten Materials individuell ausgewählt werden können. Zur räumlichen Positionierung in dem Hohlraum werden die aufgespannten
Faserelemente mit Hilfe einer Haltevorrichtung für ein anschließendes, zumindest teilweises Ausfüllen des Hohlraums fixiert. Mit Hilfe der Haltevorrichtung werden die aufgespannten Faserelemente in einer gewünschten räumlichen Anordnung zueinander in dem Hohlraum gehalten. Hierdurch bleiben die aufgespannten Faserelemente in ihrer Position, wenn an- schließend der Hohlraum zumindest teilweise mit einem strukturbildenden Material ausgefüllt wird, wodurch die räumliche Faserelementestruktur in dem Hohlraum im wesentlichen vollständig von dem strukturbildenden Material umgeben wird. Als strukturbildende Materialien sind beliebige Materialien nutzbar, die in einem Ausgangszustand fließfahig oder verformbar sind, so daß der Hohlraum zumindest teilweise ausgefüllt, insbesondere ausgegossen werden kann, und in einem Endzustand so verfestigt bzw. ausgehärtet sind, daß der anschließende Verfahrensschritt zum Verfestigen/ Aushärten des strukturbildenden Materials in dem Hohlraum ausgeführt werden kann. Durch das Verfestigen wird in dem Hohlraum das mikrofluidische System mit der Kanalstruktur gebildet, welche entlang der Faserelemente verlaufende Kanäle aufweist. Es können beispielsweise sowohl gießfähige Materialien, die in den Hohl- räum gegossen werden, als auch körnige oder granuläre Materialien verwendet werden, die nach dem Einbringen in dem Hohlraum mittels thermischer Prozesse, Sinterns, oder UV- Polymerisation oder dergleichen verfestigt werden, zum Beispiel Thermoplastgranulat oder Polymerkügelchen. Im Fall einer thermischen Behandlung des strukturbildenden Materials können thermisch hinreichend stabile Faserelemente, zum Beispiel Drähte, verwendet wer- den.
Das beschriebene Verfahren hat gegenüber dem Stand der Technik den Vorteil, daß mit Hilfe der Auswahl des strukturbildenden Materials und des Querschnitts für die Faserelemente für beliebige Anwendungsfalle geeignete Kanäle in dem mikrofluidischen System gebildet werden können. Mit Hilfe der Auswahl des Querschnitts der Faserelemente wird der Querschnitt der Kanäle in der Kanalstruktur festgelegt. Die Faserelemente können mit Hilfe der Haltevorrichtung, mit welcher die Faserelemente beispielsweise einfach geklemmt werden, Anwendungsfall abhängig auf sehr verschiedene Weise in der Faserelementestruktur angeordnet werden.
Mit Hilfe der Erfindung ergibt sich weiterhin der Vorteil, daß auch bei einer Einzelanferti- gung ein mikrofluidisches System mit einer individuell ausgeprägten Kanalstruktur kostengünstig hergestellt werden kann und gleichzeitig funktionelle Elemente wie Filter und Elektroden in einfacher Weise integriert werden können. Ein weiterer Vorteil besteht darin, daß
die Kanalslmktur mit Hilfe der Erfindung auch in Gele, zum Beispiel elektrophoretisch genutzte Trenngele, eingearbeitet werden kann.
Eine zweckmäßige Weiterbildung der Erfindung kann vorsehen, daß zum Bilden eines Kanalanschlusses im Bereich der wenigstens einen Öffnung in einem Randbereich des Hol l- raums ein Anschlußbauteil angeordnet wird, welches eine oder mehrere der Faserelemente wenigstens teilweise umgreift, und das Anschlußbauteil zumindest teilweise von dem strukturbildenden Material umgeben wird. Hierdurch kann auf einfache Weise eine Anschlußmöglichkeit zum Ein-/Auskoppeln eines Fluids in die Kanalstruktur hergestellt werden.
Bei einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist vorgesehen, daß zum Ausbilden eines Durchflußkanals in der Kanalstruktur wenigstens eines der Faserelemente nach dem Verfestigen des strukturbildenden Materials aus der Kanalstruktur entfernt wird. Hierdurch ist es auf einfache Weise ermöglicht, den Durchflußkanal ohne irgendwelche Rückstände des Materials des entfernten Fasermaterials zu bilden. Dieses ist ein wesentlicher Vorteil gegenüber dem bekannten Verfahren, bei dem nach dem Gießen des mikrofluidischen Systems Wachs mittels Erwärmens aus den Kanälen entfernt werden muß. Das Entfernen eines Faserelements kann jedoch nicht nur zum Ausbilden von Durchflußkanälen sondern auch zum Bilden beliebiger Faserelement freier Kanäle in der Kanalstruktur genutzt werden.
Die Möglichkeiten der Gestaltung der Kanalstruktur sind bei einer zweckmäßigen Ausgestaltung der Erfindung dadurch erweitert, daß zum Bilden einer Kanalverbindung zwischen zwei sich kreuzenden Kanälen in der Kanalstruktur beim Aufspannen der Faserelemente in dem Hohlraum zwischen zwei sich kreuzenden Faserelementen eine Kontaktverbindung gebildet wird, in welcher die zwei sich kreuzenden Faserelemente relativ zueinander für das anschließende, zumindest teilweise Ausfüllen des Hohlraums fixiert werden. Hierdurch können Übergänge zwischen Kanälen in der Kanalstruktur auf einfache Weise hergestellt werden.
Die Kontaktverbindung zwischen den sich kreuzenden Faserelementen wird zweckmäßig als eine lösbare Verbindung gebildet. Hierdurch ist es möglich, die beiden sich kreuzenden Faserelemente nach dem Verfestigen des strukturbildenden Materials beide zu entfernen, nachdem die Kontaktverbindung gelöst wurde. Die lösbare Verbindung kann beispielsweise mit Hilfe eines Haft- oder Klebematerials hergestellt werden, so daß die Verbindung mit Hilfe mechanischer Kraftanwendung, d. h. an den sich kreuzenden Faserelementen wird gezogen,
aufgebrochen wird. In einem anderen Fall kann die Verbindung mittels Wärmeanwendung gelöst werden, wenn beispielsweise eine Wachsverbindung verwendet wird.
Das Lösen der Faserelemente von dem verfestigten bzw. ausgehärtetem Material zum vollständigen oder teilweisen Entfernen der Faserelemente aus dem mikrofluidischen System wird bei einer zweckmäßigen Fortbildung der Erfindung dadurch erleichtert, daß als Faserelement für ein oder alle Faserelement(e) ein Faserelement mit einem sich verjüngenden Querschnitt verwendet wird.
Eine Weiterbildung der Erfindung kann vorsehen, daß ein oder alle Faserelemente an einem Nadelkamm gebildet sind. Der Nadelkamm kann nach dem Verfestigen des strukturbildenden Materials in dem Hohlraum oder später, unmittelbar vor der beabsichtigten Nutzung des mikrofluidischen Systems in einer Anwendung entfernt werden, wobei hierdurch mehrere Faserelemente auf einmal aus dem mikrofluidischen System herausgezogen werden, was die Handhabung erleichtert. Darüber hinaus ist mit Hilfe des Nadelkamms die Wiederverwendbarkeit von in bestimmter Art und Weise gestalteten Faserelementen erleichtert.
Vorteilhaft sieht eine Ausführangsform der Erfindung vor, daß als Faserelement für ein oder alle Faserelement(e) ein verdrilltes Faserelement mit wenigstens zwei miteinander verdrillten Fasern verwendet wird. Auf diese Weise wird einem Kanal der Kanalstruktur, in dem das verdrillte Faserelement beim Einbringen des strukturbildenden Materials in dem Hohlraum angeordnet ist, eine Innenwandstruktur verleiht, die das Bilden einer turbulenten Strömung für ein den Kanal durchströmendes Fluid unterstützt. Mit Hilfe der turbulenten Strömung kann beispielsweise das Mischen von Fluiden unterstützt werden, die den Kanal gemeinsam durchströmen.
Eine bevorzugte Ausführungsform der Erfindung kann vorsehen, daß als Faserelement für ein oder alle Faserelement(e) eine Hohlfaser verwendet wird. Auf diese Weise ist es möglich, die Kanäle in der Kanalstruktur mit einer Oberflächenbeschichtung auf der inneren Kanalwand zu versehen. Die Hohlfaser kann hierbei beispielsweise aus einem durchlässigen oder porösen Material sein, so daß das den Kanal durchströmende Fluid oder Teilverbindungen des Fluids durch die Oberflächenbeschichtung hindurch treten oder in ihr angereichert werden.
Zum Ausbilden eines Filterkanals in der Kanalstruktur kann bei einer vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung vorgesehen sein, daß als Faserelement für ein oder alle Faserelement(e) ein Faserelement aus einem porösen Material verwendet wird. In diesem Fall ist der Kanal mit dem porösen Material gefüllt, welches beim Durchströmen des Kanals durch das Fluid als Filtermaterial wirkt.
Als Material für ein oder alle Faserelement(e) kann ein Sehnenmaterial verwendet werden, beispielsweise Angelsehne, die in verschiedenen Dicken kostengünstig verfügbar ist.
Eine vorteilhafte Ausgestaltung der Erfindung sieht vor, daß als Faserelement für ein oder alle Faserelement(e) ein Faserelement aus einem elastisch dehnbaren Material verwendet wird. Die elastische Dehnbarkeit des Materials hat zur Folge, daß beim Ziehen an dem Faserelement in der Regel eine Querschnittsverkleinerung stattfindet, wenn das Faserelement gedehnt wird. Hierdurch entsteht zwischen der Oberfläche des Faserelements und der Innenwand des Kanals ein Zwischenraum, in den das den Kanal durchströmende Fluid eindringen kann. Wird die Zugkraft auf das Faserelement vermindert, so erweitert sich der Querschnitt des Faserele- ments in dem gedehnten Bereich wieder, so daß das in den Zwischenraum eingeströmte Fluid aus dem Zwischenraum gedrängt wird, beispielsweise in dem Kanal vorwärts transportiert wird.
Ein kostengünstiges und mit wenig Aufwand wieder entfernbares Faserelement kann aus einem Drahtmaterial gebildet werden.
Insbesondere bei Anwendungen für analytische Zwecke können in dem Hohlraum beliebige Mikrobauteile eingebracht und zumindest teilweise mit dem strukturbildenden Material umgeben werden, so daß sie nach dem Verfestigen des strukturbildenden Materials in das mikrofluidische System integriert sind. Bei dem Mikrobauteil kann es sich beispielsweise um einen Sensor, insbesondere einen optischen Sensor, oder (mindestens) eine Elektrode handeln. Die Elektrode kann mit einem Strom beaufschlagt werden, was seinerseits zur Beeinflussung der Strömung in der Kanalstruktur des mikrofluidischen Systems genutzt wird.
Ein geeignetes Material zum zumindest teilweisen Ausfüllen des Hohlraums bildet ein Elastomer, beispielsweise PDMS (Poly(Dimethylsiloxan)). Elastomere sind in verschiedensten Zusammensetzungen verfügbar, so daß der Fachmann einen geeigneten Elastomer für den
jeweiligen Anwendungsfall auswählen kann. Hierbei sind sowohl die Verarbeitungseigenschaften als auch anwendungsspezifische Materialeigenschaften des verfestigten Materials, zum Beispiel bezüglich optischer Qualität und chemischen Resistenz gegenüber bestimmten Verbindungen, zu beachten, die in dem Anwendungsfall in die Kanalstruktur eingebracht werden sollen.
Eine vorteilhafte Ausgestaltung der Erfindung kann vorsehen, daß das strukturbildende Material als Zwei-Komponenten-Material angemischt wird. Zwei-Komponenten- Verbindungen sind in vielfältigen Zusammensetzungen verfügbar, so daß das für den jeweiligen Anwendungsfall die geeigneten Eigenschaften aufweisende Material vom Fachmann ausgewählt werden kann. Ein Beispiel für Zwei-Komponenten- Verbindungen sind Polymere, insbesondere hydrophile Gele, Elastomere, Thermoplaste, vernetzbare Polymerkügelchen. Bei einer besonders vorteilhaften Ausführung kann ein sogenanntes Hydro- bzw. Thermogel verwendet werden, das bei Veränderung der Temperatur, zum Beispiel einer Temperaturerhöhung von 5°C, reversibel schwellen/schrumpfen. In Verbindung mit den Faserelementen/Kanälen sind auf diese Weise ein steuerbares mikrofluidisches Systeme herstellbar.
Eine zweckmäßige Ausgestaltung der Erfindung kann vorsehen, daß in Bereichen einer Oberfläche des strukturbildenden Materials eine Oberflächenfunktionalisierung ausgeführt wird. Auf diese Weise können beispielsweise mit Hilfe einer biochemischen Nachbehandlung hydrophobe oder hydrophile Oberflächen gebildet werden. Eine solche Oberflächenfunktionali- sierung ist beispielsweise bei Verwendung von PDMS als strukturbildendes Material möglich.
Eine weitere vorteilhafte Ausführung sieht vor, dass das in dem Hohlraum verfestigte, strukturbildende Material zum Bilden von mehreren mikrofluidischen Teilsystemen mit einer jeweiligen Kanalstruktur geteilt wird. Hierdurch kann zunächst ein Netzwerk von Kanalstrukturen hergestellt werden, welches dann zur Bildung von mehreren einzelnen mikrofluidischen Teilsystemen zerteilt wird, beispielsweise mittels Schneidens.
Die in den abhängigen Unteransprüchen zu dem mikrofluidischen System genannten Fortbildungen der Erfindungen weisen die im Zusammenhang mit den zugehörigen Merkmalen in den abhängigen Verfahrensansprüchen genannten Vorteile entsprechend auf.
Die Erfindung wird im folgenden anhand von Ausführungsbeispielen unter Bezugnahme auf eine Zeichnung näher erläutert. Hierbei zeigen:
Figur 1 eine schematische Darstellung zur Erläuterung eines Verfahrens zum Herstellen eines mikrofluidischen Systems mit einer Kanalstruktur; Figur 2 eine schematische Darstellung eines Gradientenmischers auf Basis eines mikrofluidischen Systems;
Figur 3 eine schematische Darstellung eines mikrofluidischen Systems zum elektro- phoretischen Fraktionieren von Proteinen;
Figur 4 schematische Darstellung eines weiteren mikrofluidischen Systems im Quer- schnitt;
Figur 5 eine schematische Darstellung einer Filtereinrichtung auf Basis eines mikrofluidischen Systems; und
Figur 6 eine schematische Darstellung einer Ventileinrichtung auf Basis eines mikrofluidischen Systems.
Figur 1 zeigt eine schematisch Darstellung einer Anordnung mit einer verzweigten Kanalstruktur 1 in einem Basiskörper 2. An einem als Haltevorrichtung dienenden Rahmen 3 einer Gußform 4, in welcher der Basiskörper 2 in einem Hohlraum 5 angeordnet ist, sind seitlich mehrere Kanalanschlußbauteile 6 befestigt, die kanülenartig ausgebildet sind. Durch horizontal verlaufende Kanalanschlußbauteile 6a sind Faserelemente 7 in den Hohlraum 5 der Gußform 4 eingeführt. Durch vertikal verlaufende Kanalanschlußbauteile 6b sind Hohlfasern 8 geführt. Die Faserelemente 7 und die Hohlfasern 8 sind jeweils an dem Rahmen 3 befestigt, so sie in dem Hohlraum 5 aufgespannt und räumlich zueinander fixiert sind, beispielsweise können die Enden der Faserelemente 7 und der Hohlfasern 8 um eine Halterung an dem Rahmen 3 gewickelt werden oder an dem Rahmen 3 in Schlitzen geklemmt werden.
Vor dem zumindest teilweisen Ausgießen des Hohlraums 5 in der Gußform 4 mit Elastomer (z. B. PDMS) wurden die Hohlfasern 8 bei dem dargestellten Ausführungsbeispiel mit Agaro- segel gefüllt. Nach dem Erstarren des eingegossenen Elastomers ist die Kanalstruktur 1 mit entlang der Faserelement 7 und der Hohlfasern 8 verlaufenden Kanälen 7', 8' in dem Basiskörper 2 gebildet. Zunächst können dann die Faserelemente 6 entfernt werden, um Durch- flußkanäle zu bilden, die von einem Fluid durchströmt werden können. Anschließend kann
die Anordnung in Figur 1 erwärmt werden, beispielsweise auf 100°C, wodurch die Agarose- füllung in den Hohlfasern 8 verflüssigt wird und abgesaugt werden kann, so daß entlang der Kanäle 8' Kanäle gebildet werden, die auf der Innenwand des Kanals jeweils eine Beschichtung aufweisen, nämlich die Wandung der Hohlfaser 8. Im Ergebnis entsteht die räumlich verzweigte Kanalstruktur 1, wobei das Entfernen der Faserelemente 7 und/oder der Füllung der Hohlfasern 8 unmittelbar nach dem Erstarren des Elastomers oder zu einem späteren Zeitpunkt, direkt vor der Verwendung des mikrofluidischen Systems zu Anwendungszwecken, beispielsweise in der biochemischen oder der biologischen Analytik, erfolgen kann. Mit Hilfe der eingegossenen Kanalanschlußbauteile 5 sind Anschlußmöglichkeiten zum Ein-/Auskop- peln von Fluiden in die/aus den Kanälen 7', 8' geschaffen.
Das beschriebene Vorgehen, nach dem Fasern, die in verschiedener Weise ausgeführt sein können, beispielsweise als Faden aus Textilmaterial oder Kunststoff oder Draht, zum Ausbilden einer räumlichen Anordnung aufgespannt und der Hohlraum mit den aufgespannten Fasern dann zumindest teilweise ausgegossen wird, ist allen hier beschriebenen Ausführungs- formen gemeinsam. Bei Verwendung von Faserelementen aus Draht können diese bei Verbleib in dem verfestigten Material zum Einleiten elektrischer Felder in dem verfestigten Material genutzt werden, was für Elektrophorese, Dielektrophorese oder aber auch zum Steuern des strukturbildenden Material beim Einbringen in den Hohlraum genutzt werden kann, beispielsweise mittels Heizens (Widerstand)/Kühlens (passiv) oder elektrischer Wirkung, wenn das strukturbildende Material direkt mit einem elektrischen Feld wechselwirkt.
Figur 2 zeigt eine schematische Darstellung eines Gradientenmischers 20 auf Basis eines mikrofluidischen Systems. An einer entfernbaren Haltevorrichtung 21 sind Zuläufe 22, 23 sowie Abläufe 24 angeordnet. Zwei senkrechte Mikrofasern 25 stellen eine Verbindung zu den Zuläufen 22, 23 sowie vier waagerechten, hohlen Querkanälen 26a, 26b, 26c, 26d her. In den Querkanälen 26a, 26b, 26c, 26d stellt sich eine Mischung aus den durch die Zugänge 22, 23 einströmenden Lösungen ein. Dieses Verhältnis wird hauptsächlich durch die Strömungswiderstände in den Mikrofasern 25 festgelegt. So hat beispielsweise der obere Querkanal 26a eine direkte, kurze Verbindung zu dem Zulauf 22 und eine lange Verbindung zu dem Zulauf 23. Dementsprechend liegt das Mischungsverhältnis im Querkanal 26a näher bei der durch den Zulauf 22 einströmenden Lösung. Man erkennt, daß das Mischungsverhältnis im wesentlichen über die geometrischen Abmessungen der Kanalstruktur festgelegt werden kann, und
daß sich dieses Prinzip auf Fälle übertragen läßt, in denen mehr als zwei Fluide zu vermischen sind.
Figur 3 zeigt eine schematische Darstellung eines mikrofluidischen Systems 30 zum elektro- phoretischen Fraktionieren von Proteinen. Ein entfernbares Rähmchen 31 nimmt einen Basis- körper 32 aus einem Elektrophoresegel auf. Letzteres wurde in der auf Figur 1 erläuterten Weise mit Kanälen 33-37 versehen. Die beiden größeren Außenkanäle 33, 37 nehmen eine Anode bzw. eine Kathode auf (nicht dargestellt) und werden von Elektrodenpuffern durchströmt. Das so gebildete elektrische Feld ist daher quer zu den drei mittleren Kanälen 34-36 ausgerichtet. Der zentrale Kanal 35 nimmt eine zu fraktionierende Proteinprobe auf, die be- nachbarten Kanäle 34 und 36 werden von Pufferlösungen durchspült. Über die Wahl von pH- Werten dieser Pufferlösungen wird festgelegt, welche(s) der Proteine im zentralen Kanal 35 verbleibt. Um den zentralen Kanal 35 mit einer definierten Proteinmenge zu füllen, wird die Proteinprobe vorzugsweise beim Entfernen des zur Herstellung des zentralen Kanals 35 benutzte Faserelements (vgl. Figur 1) in den zentralen Kanals 35 eingeführt, d. h. es wird die beim Entfernen des Faserelements entstehende Spritzensogwirkung ausgenutzt. In ähnlicher Weise kann eine Teilmenge der Proteinprobe wieder aus dem zentralen Kanal 35 gedrückt werden, indem das Faserelement wieder ein Stück in den Kanal 35 zurück eingeführt wird. Alternativ kann die gezeigte Anordnung benutzt werden, um den pH- Wert in den Kanälen 34- 36 einzustellen, beispielsweise mittels Diffusion unterschiedlicher Lösungen aus Querkanä- len, d. h. die Anordnung ist als pH-Stat einsetzbar. Auf diese Weise ist das Einstellen chemischer Gradienten in den Kanälen 33-37 und/oder auf den Oberflächen der Kanäle 33-37 möglich.
Figur 4 zeigt eine schematische Darstellung eines weiteren mikrofluidischen Systems 40 im Querschnitt. Das mikrofluidische System umfaßt ein verfestigtes Grundmaterial 41, bei- spielsweise ein Gel, einen Hauptkanal 42 sowie Querkanäle 43, 44, 45 (mindestens 2), die mit Flüssigkeiten unterschiedlicher Konzentration ca, cD, cc einer Substanz oder auch mehrerer Substanzen durchströmt werden. Die Querkanäle 43, 44, 45 können einen direkten fluidischen Kontakt zum Hauptkanal 42 haben oder beim Verwenden von Gelen diffusiv angekoppelt werden. Auf den Hauptkanal 42 kann verzichtet werden (oder er ist nach oben offen), wenn chemische Gradienten auf Oberflächen erzeugt werden sollen, zum Beispiel zur Untersuchung von Chemotaxis bei Zellen. In einer weiteren Ausführungsform können zusätzlich im oberen Bereich weitere Querkanäle verlaufen (z.B. für homogenere Gradienten). In einer anderen
Variante werden um den Hauptkanal 42 verdrillt verlaufende "Querkanäle" angebracht (nicht dargestellt), um so bei einfachster Fluidik periodische Konzentrationsgradienten in dem mikrofluidischen System 40 zu erzeugen.
Figur 5 zeigt eine schematische Darstellung einer Filtereinrichtung 50 auf Basis eines mi- krofluidischen Systems. Ein als Haltevorrichtung dienender, lösbar montierter Rahmen 51 hält Faserelemente 52, 53. Auf den horizontalen Faserelementen 52 wird ein Stück Filterpapier 54 positioniert und mit den vertikalen Faserelementen 53 festgeklemmt. Das Filterpapier 54 ist in einem Bereich 55 mit Agar-Arealen bedruckt, so daß durch kurzes Erwärmen ein guter Kontakt zwischen den beispielsweise als Sehnen ausgebildeten Faserelementen 52, 53 und dem Filterpapier 54 hergestellt werden kann. Anschließend wurde die Anordnung mit Elastomer ausgegossen. Nach dem Aushärten des Elastomers können die Faserelemente 52, 53 entfernt werden, die so entstehenden Kanäle stehen über Bereiche 55 des Filterpapiers 54 untereinander in Verbindung. Durch Form und Ausdehnung der Agarose-Bereiche 55 sowie durch das Auswaschen der Agarose kann definiert werden, welche Kanäle in welchem Um- fang miteinander in Verbindung stehen und welche Bereiche als Filterareale wirksam sind.
Figur 6 zeigt eine schematische Darstellung einer Ventileinrichtung auf Basis eines mikrofluidischen Systems. Ein sehnenartiges Faserelement 60 wird mit einem wasserlöslichen Klebstoff an eine Innenwandung eines Kapillarstücks 61 geheftet. Anschließend wird das Kapillarstück 61 mit einem Elastomer 62 (z. B. PDMS) ausgegossen und nachfolgend das Faserelement 60 entfernt. Die verbleibende Elastomer-Struktur 62 hat Ventil Wirkung: Ein von links in das Kapillarstück 60 strömendes Fluid hebt die Elastomer-Struktur 62 und macht so den Strömungsweg frei, wohingegen ein von rechts strömendes Fluid die Elastomer-Struktur 62 gegen die Innenwandung preßt und den Strömungskanal verschließt. Verbindet man zwei derartige Ventileimichtungen mit einem Silikonschlauch, erhält man die Grundstruktur einer Pumpe.
Die in der vorstehenden Beschreibung, den Ansprüchen und der Zeichnung offenbarten Merkmale der Erfindung können sowohl einzeln als auch in beliebiger Kombination für die Verwirklichung der Erfindung in ihren verschiedenen Ausführungsformen von Bedeutung sein.