Verfahren zur anwendungsorientierten Gestaltung und/oder zur Optimierung der Verschleiß- und oder Belastungsbeständigkeit eines tribologisch beanspruchten Bauteils in einem Walzwerk
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur anwendungsorientierten Gestaltung und/oder Optimierung der Verschleiß- und/oder Belastungsbeständigkeit eines mechanisch, insbesondere tribologisch beanspruchten Bauteils in einem Walzwerk, insbesondere einer Rolle oder eines Rollensystems zum Eingriff in Walzgut in einem Walzwerk, insbesondere in einem Warmwalzwerk.
Die Erfindung betrifft insbesondere aber nicht ausschließlich ein Verfahren zur anwendungsorientierten Entwicklung von Schichtsystemen auf Bauteilen vorzugsweise Rollen, um die Verschleiß- und / oder Belastungsfähigkeit zu steigern bzw. optimal anzupassen.
Unter einem Schichtsystem im Sinne der vorliegenden Anmeldung ist in erster Linie die Zusammensetzung bzw. Komposition der Schicht selbst, deren Wärmebehandlung, deren Oberflächenqualität, deren Oberflächengeometrie, deren Oberflächentopographie, deren Anbindung an das Substrat bzw. den Grundkörper zu verstehen.
Eine Rolle als beanspruchtes Bauteil in einem Walzwerk ist beispielsweise aus der WO 2009/130079A1 bekannt. Diese Veröffentlichung betrifft eine Rolle zum Transportieren von stranggegossenen Stahlsträngen auf einem Rollgang oder in einer Stranggießmaschine, mit einem Rollenkörper, der einen Rollenmantel aus einem Grundwerkstoff und eine durch Auftragsschweißen auf den Grundwerkstoff mit einem Schweißzusatzwerkstoff aufgebrachte Verschleißschicht umfasst, die die Rollenmanteloberfläche einschließt, wobei der Grundwerkstoff des Rollenmantels Stahl ist. Die Auftragsschweißung ist als Einlagenschweissung ausgeführt. Die Wiederherstellung der Rolle nach Verschleiß erfolgt dadurch, dass
der Rollenmantel als Drehteil vorbereitet wird und dass eine einlagige Auftragsschweißung auf den Grundwerkstoff mit einer bestimmten Mindestdicke aufgebracht wird. Anschließend wird die Schweißschicht auf eine geschlossene einflächige Rollenmanteloberfläche bei Aufrechterhaltung einer Mindestdicke der Verschleißschicht zurückgedreht.
Mechanische Bauteile sind im Betrieb häufig einer Belastung ausgesetzt, die lokal unterschiedlich ist und das Bauteil nicht gleichmäßig erfasst. Insbesondere ist häufig ein Unterschied zwischen dem Kem und dem Rand eines Bauteils zu beobachten. Bei vorwiegend zylinderförmigen Bauteilen, wie beispielsweise Scheiben und Wellen oder auch Rollen sowie bei anderen Bauteilen mit ebenen Flächen, wird vom Kern oft eine hohe Duktilität bei geringer Belastung gefordert, während der oberflächennahe Grenzbereich beispielsweise einer hohen mechanischen, thermischen und/oder korrosiven Beanspruchung ausgesetzt ist.
Aus diesem Grund ist es allgemein bekannt, Rollen, wie sie beispielsweise in der WO 2009/130079A1 beschrieben sind, mit Beschichtungen zu versehen, die unterschiedliche Funktionen übernehmen, zum Beispiel eine erhöhte Verschleißbeständigkeit, eine erhöhte Biege- oder Torsionsbeständigkeit bei statischer, dynamischer oder schwindender Beanspruchung, eine erhöhte Temperaturbeständigkeit, eine bestimmte Wärmeausdehnung oder Wärmeleitfähigkeit sowie erhöhte Korrosionsbeständigkeit.
Rollen der vorstehend genannten Art sind üblicherweise für unterschiedlichste Anwendungen ausgelegt, beispielsweise als Strangführungsrollen in Stranggießanlagen oder zum Einbau in der Stranggießanlage nachgeordneten Rollgängen oder als Rollen, die anderweitig zum Eingriff in das Walzgut ausgebildet sind, wie beispielsweise Rollen in Walzgerüsten.
Unterschiedliche Belastungsanforderungen an die Rollen stellen unterschiedliche Anforderungen an die Verschleißfestigkeit, die Materialzusammensetzung und die
Oberflächenbeschaffenheit der Rollen. Aus diesem Grunde werden Rollen oftmals mit Beschichtungen versehen, die unterschiedliche Funktionen übernehmen. Dazu werden Beschichtungen vorgesehen, die der Rolle eine erhöhte Verschleißbeständigkeit, eine erhöhte Biege- oder Torsionsbeständigkeit bei statischer, dynamischer oder schwingender Beanspruchung, eine hohe Temperaturbeständigkeit, hohe oder niedrige Wärmeausdehnung oder eine verbesserte Wärmeleitfähigkeit sowie erhöhte Korrosionsbeständigkeit vermitteln, um auf diese Art und Weise die Leistungsfähigkeit der gesamten Rolle steigern zu können. Die Beschreibung der Verschleißbeständigkeit nimmt unter den oben beschriebenen Widerstandsarten eine Sonderstellung eine, da sie quantitativ nur schwer zu beschreiben ist. Der Verschleiß ist eine Erscheinung, die im Einzelnen durch Abrasion, Adhäsion, Oberflächenzerrüttung sowie durch Korrosion oder durch Kombinationen daraus entstehen kann. Das Ergebnis Verschleiß ist eine Systemeigenschaft. Es ist damit so unterschiedlich und individuell wie das betrachtete System an sich. Eine Verschleißmustererkennung sowie die Korrelierung mit andern Mustern kann zu einem entsprechenden Vorschritt bei der Steigerung der Verschleißbeständigkeit führen.
Bei dieser Vorgehensweise kommt dem Entwurf und der Entwicklung eines aus mehreren Teilschichten bestehenden Systems von Schichten, mit dem ein Bauteil, wie eine Rolle gestaltet werden kann, eine besondere Bedeutung zu.
Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Gestaltung eines Schichtsystems bereitzustellen, das einerseits den Entwurf und die Entwicklung einer aus mehreren Teilschichten bestehenden Gesamtschicht mit hinsichtlich des Anwendungsfalls optimierten Eigenschaften des Bauteils erleichtert und aus dem andererseits auch Maßnahmen zur Herstellung und Bearbeitung sowie Wiederherstellung oder Reparatur oder Instandsetzung des Bauteils abgeleitet werden können.
Die Aufgabe wird gelöst durch die Merkmale des Anspruchs 1 . Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung ergeben sich aus den Unteransprüchen.
Ein Gesichtspunkt der Erfindung betrifft ein Verfahren zur anwendungsorientierten Gestaltung eines mechanisch, insbesondere tribologisch beanspruchten Bauteils in einem Walzwerk und/oder Optimierung der Verschleiß- und/oder Belastungsbeständigkeit des Bauteils, insbesondere einer Rolle oder eines Rollensystems zum Eingriff in heißes Walzgut in einem Walzwerk, wobei das wenigstens eine Bauteil wenigstens einen Grundkörper aus einem Grundwerkstoff und wenigstens eine hinsichtlich einer zu erwartenden Beanspruchung ausgelegte Funktionsschicht, insbesondere Verschleißschicht aufweist, wobei das Verfahren folgende Schritte umfasst: die Erfassung von tribologischen Daten bei der Herstellung und/oder Wiederherstellung wenigstens eines Bauteils, die Erfassung von Verschleiß- und/oder Belastungsdaten, die aus der betrieblichen Anwendung des Bauteils resultieren, die Korrelation der tribologischen Daten aus der Herstellung und/oder Wiederherstellung des Bauteils mit den Verschleiß- und/oder Belastungsdaten aus dem Betrieb in einer elektronischen Datenbank und die automatische belastungsorientierte Auslegung und/oder Veränderung des Aufbaus des Bauteils in Abhängigkeit von sich aus einer vorzugsweise computerimplementierten Auswertung der korrelierten Daten ergebenden Erkenntnissen
Wenn das Bauteil als Rolle ausgebildet ist, umfasst die Rolle einen Rollenkörper, der einen Rollenmantel aus einem Grundwerkstoff und wenigstens eine hinsichtlich einer zu erwartenden Beanspruchung ausgelegte Verschleißschicht aufweist.
Als Bauteil im Sinne der Erfindung kann beispielsweise auch ein Lineal oder andere insbesondere planare Mittel zur Führung des Walzguts in Betracht kommen.
Eine Rolle zum Eingriff in Walzgut im Sinne der vorliegenden Erfindung ist eine Rolle, die als Rollgangrolle, Walze eines Walzwerks, Führungsrolle einer Stranggießmaschine oder eines anderen Aggregats ausgebildet ist, die insbesondere zur Stützung, Behandlung und/oder zum Transport des heißen Walzguts vorgesehen ist.
Ein wesentlicher Gesichtspunkt der Erfindung ist die Korrelation von Messdaten, die aus einer betrieblichen Anwendung des Bauteils resultieren, mit Messdaten aus einer Herstellung und/oder Wiederherstellung des Bauteils. Dabei werden erfindungsgemäß die tribologischen Daten aus der Herstellung des Bauteils beispielsweise mit einer Bearbeitungsmaschine als Mess- und Prüfinstrument mit Verschleiß- und/oder Belastungsdaten aus der betrieblichen Anwendung des Bauteils korreliert. Diese betrieblichen Verschleiß- und/oder Belastungsdaten können intermittierend oder fortlaufend erfasst werden und werden vorzugsweise ortsabhängig, das heißt bezogen auf die Geometrie der Mantelfläche des Bauteils erfasst. Spanabhebende Verfahren mit geometrisch bestimmter und unbestimmte Schneide können erfindungsgemäß als Tribometer genutzt werden.
Darüber hinaus kann durch die genaue, auch ortsabhängige Erfassung und Auswertung von Messdaten und anderweitigen Informationen über den globalen und lokalen Belastungszustand des mechanischen Bauteils im Betrieb in einem Walzwerk oder einer anderen Anlage zur Herstellung von Metall ein maßgeschneidertes Schichtsystem entworfen werden, das ortsabhängig die erforderlichen Eigenschaften zur Verfügung stellt und also die für den jeweiligen Anwendungsfall notwendige Belastbarkeit aufweist. Wenngleich bei zylinderförmigen Bauteilen wie Rollen häufig die mechanische Belastung im Bereich der Oberfläche maximal ist und von dort aus mehr oder weniger
kontinuierlich abnimmt, so treten dennoch auch bei diesen Geometrien oftmals kompliziertere Belastungsprofile mit Belastungsspitzen oder kritischen Zuständen fern der Oberfläche auf, die genau erfasst werden können und denen mit darauf abgestimmten Eigenschaftsprofilen des Schichtsystems begegnet werden kann. Das bedeutet, dass wenigstens eine der Schichten oder ein Teilbereich einer der Schichten bzw. der Schicht hinsichtlich Werkstoff und Mikrostruktur so aufgebaut ist, dass an der betreffenden Stelle die für den Anwendungsfall relevante Eigenschaft optimal ist.
Naturgemäß kann in dem Maße, wie der Umfang und die Qualität der Daten und Informationen über den globalen und lokalen Belastungszustand zunehmen, und sich diese mit Daten und Informationen korrelieren lassen, die den Zustand des Schichtsystems global und lokal beispielsweise hinsichtlich Verschleiß, Oberflächenermüdung, Korrosion, Beständigkeit gegen Temperatur, Beständigkeit gegen Zunderpartikel etc. charakterisieren, die Eignung der unterschiedlichen Beschichtungen, Beschichtungsverfahren, Beschichtungswerkstoffe etc. zunehmend genauer und besser detektiert und bewertet werden und eine zunehmend anwendungsoptimierte Auswahl und Entwicklung von Einzelschichten und/oder Gesamtschicht vorgenommen werden. Auch physikalisch oder technisch basierte Phänomene wie Verschleißmechanismen lassen sich so detailliert analysieren und geeignete Wirkprinzipien, um diesen zu begegnen, identifizieren oder zumindest Eigenschaften und/oder Eigenschaftsprofile von Beschichtungen zu deren Vermeidung extrahieren. Ebenso können Handlungsanweisungen zur Modifikation des tribologischen Systems, d.h. bspw. des Kontakts von Metallband und Bauteil, und/oder des generellen Betriebs, d.h. vor allem der Fahrweise der Walzanlage, generiert werden.
Hierzu ist neben der Datenanalyse im Betrieb wiederum die neuartige Funktion vorgesehen, die dem Bearbeitungszentrum und der Datenanalyse während der mechanischen Bearbeitung zukommt.
Bei einer bevorzugten Variante des Verfahrens gemäß der Erfindung ist vorgesehen, dass die tribologischen Daten Messdaten sind, die ausgewählt sind aus einer Gruppe von Messdaten umfassend Drehmomente, Schnittkräfte, Vorschubkräfte, Reibkräfte, Reibungskoeffizienten und Temperaturen bei einer spanabhebenden Bearbeitung eines Rollenmantels, beispielsweise in einer Werkzeugmaschine, und Oberflächenrauigkeiten der Mantelfläche des Bauteils unmittelbar nach der Bearbeitung. Diese Messdaten können beispielsweise über eine Maschinensteuerung einer Bearbeitungsmaschine erfasst werden. An der Bearbeitungsmaschine können beispielsweise die Kräfte für den Vorschub einer Spindel oder die an einer Werkzeugaufnahme oder Werkzeughaltung auftretenden Reaktionskräfte bei der Bearbeitung der Rollenmantelfläche sowie der Materialabtrag erfasst werden. Der Materialabtrag und die daraus entstehenden Größen wie Oberflächengüte sowie die Form und Lage der Flächen sind wichtige Größen.
Diese Daten werden vorzugsweise in Bezug auf die Geometrie eines Bauteils sowohl ortsbezogen als auch zeitbezogen erfasst.
Beispiel für mögliche Daten sind: spezifische Belastungen (z.B. Punktlast, Streckenlast, Flächenpressung) Geschwindigkeiten (z.B. gleichförmig, ungleichförmig), Schlupf etc. Oberflächeneigenschaften (z.B. Rauigkeit, Welligkeit, Profil, Oberflächenhärte, Reibungskoeffizient, Struktur der Riefen) Umgebungsmedien (z.B. Luft, Wasser, Partikel) Material Temperatur Zeit
Zeitdauer
Weg physikalische Daten
chemische Daten elektrische Daten
Beispiele für mögliche Datenquellen sind:
Daten aus der Fertigung (z.B. von Werkzeugmaschinen, z.B. Neufertigung, Nacharbeit)
Daten aus dem Betrieb (vor, nach, während des Betriebs)
Daten aus Literatur, Versuchen, etc.
Daten aus Automatisierungssystemen (zum Betrieb der Walzanlage)
Daten aus Planungssystemen (meist Untermenge der Automatisierungssysteme) Daten aus Qualitätssystemen Daten aus Überwachungssystemen
Die Verschleiß- und/oder Belastungsdaten aus dem Betrieb des Bauteils können Messdaten sein, welche entweder zeitweise an dem im Betrieb befindlichen Bauteil aufgenommen werden oder während des Betriebs online erfasst werden.
Im einfachsten Fall kann die Bearbeitungshistorie eines Bauteils, insbesondere einer Rolle, bei der Herstellung und/oder Wiederherstellung elektronisch erfasst werden. Das Bauteil kann mit einem entsprechenden Datensatz verknüpft werden, der beispielsweise auch körperlich mit dem Bauteil verknüpft sein kann, beispielsweise über einen mit dem Bauteil körperlich verbundenen maschinenlesbaren Code. Bei einer Außerbetriebnahme des betreffenden
Bauteils kann der Verschleiß des Bauteils manuell oder auch automatisch erfasst werden und dem entsprechenden Datensatz zugeordnet werden. Auf diese Art und Weise können eine Vielzahl von Datenkorrelationen erzeugt werden, die beispielsweise auch für den Aufbau eines softwaregesteuerten/softwarebasierten Entwicklungswerkzeugs verwendet werden können.
Die für die Belastung relevanten Messdaten, die während des Betriebs des Bauteils erfasst werden, können Größen wie Bandtemperatur und Walzkraft sowie Rollentemperatur und Flächenerpressung während des Betriebs umfassen. Ein fortschreitender Ausbau der Datenbasis und deren automatisierte Analyse mittels geeigneter analytischer und/oder numerischer Berechnungsverfahren liefern einen kontinuierlichen Zuwachs an Erkenntnissen und ein verbessertes Verständnis von Zusammenhängen, die zur anwendungsorientierten Optimierung der Verschleiß- und Belastungsbeständigkeit des Bauteils genutzt werden. Mit einem solchen Verfahren lässt sich auch in vorteilhafter Art und Weise über eine Anlagensteuerung eine automatische Veränderung der betriebsbedingten Belastung des Bauteils bewirken.
Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren können die zur Herstellung und/oder Nachbearbeitung des Bauteils verwendeten Maschinen und Bearbeitungszentren jeweils die Funktionen eines Messinstruments hinsichtlich Belastung und Belastbarkeit übernehmen. So können beispielsweise beim Schleifen des Rollenmantels einer Rolle als Bauteil einerseits Daten und Informationen zur Belastung in Form von Drehmomenten, Schnittkräften, Streitkräften, Reibkoeffizienten und Temperaturen aufgenommen werden und andererseits eine unmittelbar beanspruchungsbezogene Belastbarkeit, wie insbesondere die Verschleißbeständigkeit (beispielsweise Abtragung und Oberflächenqualität), unter den jeweiligen Randbedingungen ermittelt werden.
Die Verschleißdaten umfassen vorzugsweise gemessene Oberflächeneigenschaften, die ausgewählt sind aus einer Gruppe von Messdaten zur Rauigkeit, Welligkeit und dem Profil des Bauteils, der Oberflächenhärte, dem Reibungsbeiwert der Mantelfläche des Bauteils und der Struktur der Verschleißspuren in der Mantelfläche des Bauteils.
Die Belastungsdaten können beispielsweise ausgewählt sein aus einer Gruppe von Daten umfassend auf das Bauteil einwirkende Punktlasten, Streckenlasten,
Flächenpressungen, bei einer Rolle die Umdrehungsgeschwindigkeit und den Schlupf der Rolle im Betrieb sowie die Temperatur und/oder Beschaffenheit des Walzguts und/oder der bei einer Walzgutkühlung verwendeten Medien.
In einer Variante des Verfahrens gemäß der Erfindung wird aus der Korrelation von Daten aus der Herstellung und/oder Wiederherstellung und den Verschleiß- und/oder Belastungsdaten eine Lebensdauervorhersage für die Mantelfläche des Bauteils abgeleitet, beispielsweise unter Zuhilfenahme mindestens eines Expertensystems und/oder unter Anwendung von Verfahren, die auf Methoden des maschinellen Lernens basieren.
Erfindungsgemäß kann vorgesehen sein, die Korrelation von Messdaten zu Belastung und Belastbarkeit vorzugsweise unter Nutzung der Bearbeitungsmaschine als Mess- und Prüfinstrument zum Aufbau eines softwarebasierten Entwicklungswerkzeugs zu verwenden.
Darüber hinaus kann durch die genaue, auch ortsabhängige Erfassung und Auswertung von Messdaten und anderweitigen Informationen über den globalen und lokalen Belastungszustand des mechanischen Bauteils im Betrieb in einem Walzwerk oder einer anderen Anlage zur Herstellung von Metall ein maßgeschneidertes Schichtsystem entworfen werden, das ortsabhängig die erforderlichen Eigenschaften zur Verfügung stellt und also die für den jeweiligen Anwendungsfall notwendige Belastbarkeit aufweist.
Die vor und nach dem industriellen Einsatz, also vor der erstmaligen Auslieferung und bei der späteren Überarbeitung aufgenommenen Daten hinsichtlich bspw. Schichtdicke, Oberflächenbeschaffenheit, Härte, Verschleißzustand, Schädigung werden miteinander verglichen und mit den Belastungen während der Herstellung und darüber hinaus auch während des industriellen Betriebs bspw. in einem Walzwerk korreliert. Die Messdaten aus Herstellung und Betrieb können dabei mittels physikalischer Modelle und/oder Methoden der Künstlichen Intelligenz
einander gegenübergestellt und bewertet werden, ebenfalls mittels physikalischer Modelle und/oder Methoden der Künstlichen Intelligenz kann der Abgleich mit den genannten Informationen zur Belastbarkeit von Schicht bzw. Bauteil durchgeführt werden, auf dessen Basis Handlungsempfehlungen für Modifikation bzw. Weiterentwicklung des Bauteils und/oder Anpassung bzw. Optimierung der Prozessparameter im industriellen Betrieb erfolgen können.
Beispiele für derartige künstliche Intelligenzen sind neuronale Netzwerke, adaptive Algorithmen, evolutionäre Algorithmen, genetische Algorithmen, oder dergleichen. Aus dem Stand der Technik bekannte Beispiele sind u.a.: Bayes’sche Zuverlässigkeitsnetzwerke (Bayesian belief network), Entscheidungsbäume (decision tree), sog. hidden Markov-Modelle, fallorientierte Überlegung (case- based reasoning), k-nächste Nachbarn, sich selbst organisierende Karten (selforganizing maps), fallorientiertes Lernen (instance-based learning), Stützvektormaschinen (Support Vector Machine), künstliche Neuronale Netzwerke (ANN: Artificial Neural Network), rekurrente neuronale Netze (RNN: recurrent neural network), tiefe neurale Netze (DNN: deep neural network) oder faltende neuronale Netze (CNN: convolutional neural network). Auch jede denkbare Kombination aus derartigen Ausbildungen kann zum Einsatz kommen.
Erfindungsgemäß können automatische Änderungen bei der Herstellung des mechanischen Bauteils vorgenommen werden, die z.B. Werkstoff und Beschichtung betreffen. Wie oben erwähnt, können die Änderungen zusätzlich oder stattdessen auch den Betrieb betreffen. Dieses Vorgehen kann bei systematischer Nutzung und stetiger Verfeinerung sowie kontinuierlichem Ausbau der Datenbasis in die Schaffung eines völlig neuen Entwicklungswerkzeugs münden, das aufwändige Versuche im Labormaßstab deutlich zu reduzieren hilft oder sogar überflüssig macht.
Wenn das Bauteil in regelmäßigen Abständen ausgebaut und instandgesetzt wird und bei dieser Gelegenheit mittels geeigneter Messverfahren bei der Bearbeitung
und unter Verwendung der hierzu verwendeten Maschine der aktuelle Zustand aufgenommen wird, lassen sich daraus automatisch Regeln für eine Gestaltung des Schichtaufbaus der Mantelfläche des Bauteils herleiten. Unabhängig davon, ob ein partielles Abtragen einer äußeren Schicht des Bauteils erfolgen muss, weil entweder die ursprüngliche Oberflächenqualität nicht mehr vorhanden ist und erneut hergestellt werden muss oder weil die Eigenschaften des oberflächennahen Schichtbereichs aufgrund der zurückliegenden Beanspruchung nicht mehr dem Ausgangszustand entsprechen oder weil andere Gründe für den Oberflächenabtrag vorliegen, kann die mechanische Bearbeitung dazu genutzt werden, das Eigenschaftsprofil der Gesamtschicht zu verändern.
Eine Variante des Verfahrens zeichnet sich durch eine automatische Auswertung der erfassten Daten und die Entwicklung einer automatisierten Handlungsempfehlung zur Gestaltung und/oder Auslegung des Bauteils aus.
Die Datenerfassung, die automatische Auswertung und die Entwicklung einer Handlungsempfehlung (Optimierungsvorschlag, Bewertung) für den Entwickler bilden ein gemeinsames System. Dieses System integriert und verknüpft eine Anzahl von einzelnen Algorithmen zu einem gesamten Algorithmus. Dieser liefert mindestens eine Analyse des betrachteten Systems mit dem Ergebnis, dass das System einen Optimierungsvorschlag erzeugt. Eine Bewertung von Istzustand und Optimierungen kann ebenfalls vorgenommen werden.
Bei Bauteilen wie beispielsweise Rollen, die regelmäßig und in kurzen Abständen von Tagen oder maximal Wochen überholt werden müssen, kann vorgesehen sein, die Mantelfläche des Bauteils, beispielsweise den Rollenmantel aus Einzelschichten aufzubauen, die nur in Teilbereichen auf die zu erwartende Belastung abgestimmt sind.
Die Methodik der Erfassung und Aufbereitung der Daten des Verfahrens kann wie folgt dargestellt werden:
, Strukturieren, Muster erkennen ilk
Nach einem anderen Gesichtspunkt der Erfindung wird ein Bauteil zum Eingriff in heißes Walzgut in einem Warmwalzwerk bereitgestellt, das einen Grundkörper aus einem Grundwerkstoff und wenigstens eine Funktionsschicht aus wenigstens einem von dem Grundwerkstoff verschiedenen Werkstoff umfasst, wobei der Werkstoff, der wenigstens einen Funktionsschicht eine höhere Verschleißfestigkeit als der Grundwerkstoff aufweist, wobei der Grundkörper wenigstens eine weitere äußere Schicht als Opferschicht umfasst, die die wenigstens eine Funktionsschicht wenigstens teilweise umschließt und die Opferschicht aus einem Werkstoff besteht, der eine geringere Verschleißfestigkeit als die wenigstens eine Funktionsschicht aufweist.
Das Bauteil kann als Rolle ausgebildet sein. Eine Rolle zum Eingriff in heißes Walzgut im Sinne der vorliegenden Erfindung ist eine Rolle oder Walze als
Rollgangrolle, Walze eines Walzwerks, Walze einer Stranggießmaschine oder Stranggussführung oder eines anderen Aggregats, die zur Stützung, Behandlung und/oder zum Transport des heißen Walzguts vorgesehen ist.
Wenn das Bauteil als Rolle ausgebildet ist, kann dieses einen Rollenkörper aus wenigstens einem Grundwerkstoff sowie einen Rollenmantel mit wenigstens einer Funktionsschicht, vorzugsweise mit wenigstens einer Verschleißschicht umfassen, Der Rollenkörper und/oder der Rollenmantel sind beispielsweise im Wesentlichen zylindrisch ausgebildet, wobei die Mantelfläche der Rolle konisch oder bombiert ausgestaltet sein kann. Der Mantelkörper der Rolle kann eine Vielzahl von Schichten aufweisen, die einen Verbund mit entsprechenden Materialeigenschaften ausbilden können. Wenigstens eine äußere Schicht des Rollenmantels ist als sogenannte Funktionsschicht ausgebildet, das heißt, dass der Werkstoff der Funktionsschicht die gewünschten Eigenschaften zum Eingriff in das Walzgut im Hinblick auf Verschleißfestigkeit oder Temperaturbeständigkeit oder Härte oder Duktilität aufweist.
Unter einer Funktionsschicht im Sinne der Erfindung ist eine Verschleißschutzschicht zu verstehen, die aus einem bezüglich des Grundwerkstoffs des Bauteils und/oder bezüglich anderer Schichten des Bauteils verschleißfesterem Werkstoff besteht.
Vorzugsweise weist die Opferschicht nicht alle Anforderungen zum Eingriff in das Walzgut auf, insbesondere weist diese Opferschicht eine geringere Verschleißfestigkeit auf. Hinsichtlich der Oberflächenbeschaffenheit (Rauigkeit, Welligkeit und Maßhaltigkeit) kann die Opferschicht gleichwohl die gewünschten anwendungsspezifischen Eigenschaften erfüllen.
Grundsätzlich kann vorgesehen sein, dass der Grundkörper des Bauteils ein oder mehrere Ergänzungsschichten umfasst, die unterhalb wenigstens einer Funktionsschicht angeordnet sind.
Die Opferschicht kann beispielsweise oberhalb einer harten Schicht aufgebracht sein und die äußerste Mantelfläche des Bauteils bilden. Diese kann so bearbeitet sein, dass sie eine gewünschte Oberflächenqualität bereitstellt, beispielsweise eine bestimmte Rauigkeit der Oberfläche.
Die Opferschicht kann eine äußere Funktionsschicht ganz oder teilweise umschließen. Wenn das Bauteil oberhalb einer harten Schicht zusätzlich eine weiche Schicht aufweist, die mechanisch nachbearbeitet wurde, hat das verschiedene Vorteile. Auf diese Art und Weise ist es einfacher, beim Beschichten eine gute Oberflächenqualität einzustellen. Weiterhin ist eine mechanische Bearbeitung der Opferschicht wesentlich einfacher. Die Opferschicht kann mittels eines einfacheren und kostengünstigeren Verfahrens, wie beispielsweise durch Drehen bzw. Rückdrehen auf einen Nenndurchmesser nachbearbeitet werden. Schließlich ist das hierzu verwendete Werkzeug kostengünstiger und einfacher handhabbar. Die wertvolle harte Schicht bzw. Funktionsschicht bleibt vollständig oder nahezu vollständig erhalten, da das Aufbringen und Entfernen der weicheren Schicht optimal auf den Anwendungsfall abgestimmt werden kann. Die Dicke der weicheren Schicht kann in weiten Grenzen frei gewählt und so an die Anforderungen des Gesamtsystems angepasst werden.
Bevorzugt ist vorgesehen, dass die wenigstens eine Funktionsschicht aus einem verhältnismäßig härteren und/oder verschleißfesteren Werkstoff als die Opferschicht besteht.
Die Funktionsschicht kann beispielsweise bei einer Rolle als Bauteil einen radial verlaufenden Struktur- und/oder Eigenschaftsgradienten aufweisen. Beispielsweise kann die Funktionsschicht von innen nach außen einen Härtegradienten, beispielsweise von weicher nach härter aufweisen.
Die Funktionsschicht kann beispielsweise einen Stahl umfassen, der einen bestimmten Anteil harter Fremdphasen wie Wolframkarbid oder Titankarbid
umfasst. Diese Fremdphasen können in einer Schicht, d. h. kontinuierlich, so verteilt sein, dass ein Härtegradient erzielt wird. Ein solcher Härtegradient stellt sich jedoch ohne weiteres dann ein, wenn eine harte Funktionsschicht im Sinne der vorliegenden Erfindung mit einer weicheren Deckschicht als Opferschicht eine Mantelfläche des Bauteils bilden.
Als Werkstoff für den Grundkörper kommen nahezu alle gängigen Stahlsorten in Betracht, beispielsweise Baustähle wie beispielsweise der S355J oder Vergütungsstähle wie beispielsweise der 25CrMo4.
Als Werkstoff für die wenigstens eine Funktionsschicht kommen beispielsweise ein verschleißbeständiger Warmarbeitsstahl wie der 1.2344 oder ein Schnellarbeitsstahl wie der 1.3344 in Betracht. Darüber hinaus sind martensitische Edelstähle beispielsweise auf Basis des 1.4057, Nickel-Basis-Legierungen wie Inconel 625 und Inconel 718 oder Kobalt-Basis-Legierungen wie Stellite 6 und Stellite 21 geeignet. Besonders verschleißbeständige Schichten enthalten zudem Hartphasen wie Wolfram karbide und/oder Titankarbide. Der Volumenanteil der Hartphasen kann im Extremfall den der Matrix übertreffen
Bei einer bevorzugten Ausgestaltung des Bauteils gemäß der Erfindung ist eine Vielzahl von Funktionsschichten vorgesehen, die unterschiedliche Eigenschaften aufweisen und/oder aus unterschiedlichen Werkstoffen bestehen.
Die Vielzahl von Funktionsschichten können beispielsweise einen radialen Struktur- und/oder Eigenschaftsgradienten des Rollenmantels bilden.
Bei einer bevorzugten Variante des Bauteils gemäß der Erfindung ist vorgesehen, dass die Mantelfläche des Bauteils als einflächige Mantelfläche ausgebildet ist, d. h., dass diese keine Absätze bzw. Durchmessersprünge aufweist. Wie vorstehend bereits erwähnt, kann die Mantelfläche einer Rolle als Bauteil zylindrisch, konisch, bombiert oder S-förmig konturiert sein.
Ein weiterer Gesichtspunkt der Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung oder Wiederherstellung eines Bauteils zum Eingriff in heißes Walzgut in einem Warmwalzwerk, insbesondere zur Herstellung oder Wiederherstellung einer Rolle der vorstehend beschriebenen Art, mit einem Rollenkörper, der einen Rollenmantel aus einem Grundwerkstoff und wenigstens eine Funktionsschicht aus wenigstens einem von dem Grundwerkstoff verschiedenen Werkstoff umfasst, umfassend die folgenden Bearbeitungsschritte:
Bereitstellen eines Grundkörpers aus einem Grundwerkstoff,
Aufbringen wenigstens einer verschleißfesten Funktionsschicht auf den Grundkörper,
Aufbringen einer äußeren Opferschicht auf die Funktionsschicht, wobei die Opferschicht aus einem Werkstoff besteht, der hinsichtlich der Materialeigenschaften von den Materialeigenschaften der Funktionsschicht abweicht und der eine geringere Verschleißfestigkeit als die wenigstens eine Funktionsschicht aufweist,
Nacharbeiten der Mantelfläche des Bauteils, insbesondere der Rolle unter Durchmesserverringerung auf eine geschlossene Rollenmantelfläche mit einem vorgegebenen Außendurchmesser.
Das Aufbringen der wenigstens einen Funktionsschicht und/oder der Opferschicht kann beispielsweise durch Auftragsschweißen, thermisches Spritzen, Gießen, Bedampfen, Plasmabeschichten, Schleudergießen, Bestäuben, galvanisches Beschichten oder chemisches Beschichten erfolgen.
Eine Nachbearbeitung kann durch Drehen und/oder Fräsen und/oder Schleifen erfolgen.
Die Erfindung wird nachstehend anhand eines in den Zeichnungen dargestellten Ausführungsbeispiels erläutert, welches in dem konkreten Fall eine Rolle als tribologisch beanspruchtes Bauteil betrifft.
Es zeigen:
Figur 1 eine schematische Darstellung eines Teilschnitts durch eine Rolle,
Figur 2 eine schematische Darstellung mehrerer Fertigungsstufen der in
Figur 1 dargestellten Rolle,
Figur 3 eine schematische Darstellung des Herstellungs- oder Wiederherstellungsverfahrens einer Rolle gemäß der Erfindung anhand von mehreren Teilschnittansichten,
Figur 4 einen Teilschnitt durch eine erfindungsgemäße Rolle nach einer bestimmten Betriebszeit,
Figur 5 eine schematische Darstellung eines Mehrschichtsystems einer Rolle gemäß der Erfindung.
Es wird zunächst Bezug genommen auf die Figur 1 und 2, die mehrere Teilschnittansichten einer Rolle in verschiedenen Fertigungszuständen zeigen.
Die in den Figuren 1 und 2 dargestellte Rolle 1 ist jeweils als Teilschnittansicht dargestellt, wobei die Schnittansicht oberhalb einer Symmetrieachse der Rolle 1 dargestellt ist. Die Rolle 1 umfasst einen Rollenkörper 2 aus einem Stahl als Grundwerkstoff sowie einen Rollenmantel, der wenigstens eine sogenannte Funktionsschicht 3 umfasst. Unterhalb der Funktionsschichte 3 kann eine Ergänzungsschicht 4 angeordnet sein.
Entweder bei der Neuherstellung oder bei der Wiederherstellung der Rolle 1 wird die Funktionsschicht 3 in der Regel als Verschleißschutzschicht mit entsprechenden Matenaleigenschaften, beispielsweise durch Auftragsschweißen, auf die Ergänzungsschicht 4 oder unmittelbar auf den Rollenkörper 2 aufgebracht. Damit die Mantelfläche der Rolle 1 die entsprechende Oberflächenbeschaffenheit, d. h. Oberflächenrauheit bzw. Oberflächenebenheit entsprechend den Vorgaben hat, wird diese nach Aufbringung der Funktionsschicht 3 maschinell nachbearbeitet, d. h. in der Regel auf den Nenndurchmesser der Rolle 1 abgedreht und entsprechend geschliffen. Der Zustand der Rolle 1 nach Aufbringung der Funktionsschicht 3 ist in Figur 2A dargestellt, der Zustand nach der maschinellen Bearbeitung der Oberfläche ist in Figur 2B veranschaulicht
Die Funktionsschicht 3 sowie eine Ergänzungsschicht 4 können als Schichtensystem hinsichtlich der gewünschten Eigenschaften anwendungsorientiert optimiert und aufeinander abgestimmt werden. Erfindungsgemäß ist insbesondere vorgesehen, dass die Verschleißschicht wenigstens in Form der vorstehend beschriebenen Funktionsschicht 3, eine etwa unterhalb der Verschleißschicht vorgesehene Ergänzungsschicht 4 sowie eine gegebenenfalls auf der Funktionsschicht 3 vorgesehene Opferschicht 5 als Schichtsystem entsprechend einer zu erwartenden Beanspruchung ausgelegt und optimiert werden. Der Schichtaufbau des Rollenmantels kann eine Vielzahl von Funktionsschichten 3 und Ergänzungsschichten 4 umfassen, wie dies beispielsweise in Figur 5 gezeigt ist.
Bei dem Verfahren gemäß der Erfindung ist vorgesehen, sowohl Fertigungsdaten als auch Betriebsdaten und gegebenenfalls auch Daten aus Versuchen oder aus der Fachliteratur zur Auslegung des Schichtensystems des Rollenmantels zu verwenden, wobei das Verfahren insbesondere vorsieht, die bei der Herstellung oder Wiederherstellung der Rolle 1 , insbesondere die an einer Werkzeugmaschine oder Schleifmaschine erfassten Messdaten, mit Betriebsdaten aus dem Einsatz der Rolle 1 zu korrelieren.
Die Betriebsdaten umfassen Verschleiß- und/oder Belastungsdaten, die unmittelbar aus der betrieblichen Anwendung der Rolle 1 resultieren sowie Daten, die aus Automatisierungssystemen und/oder Daten aus Überwachungssystemen einer Walzanlage abgeleitet werden, in welcher die Rolle 1 Anwendung findet.
Die vorstehend genannten Daten werden als Eingangsdaten in ein Expertensystem oder ein auf künstlicher Intelligenz basierendes System eingespeist, und sowohl bezogen auf die Geometrie der Rolle 1 örtlich als auch zeitlich miteinander in Beziehung gesetzt und entsprechend verarbeitet. Die unterschiedlichen Datensätze werden miteinander korreliert. Relevante Informationen, beispielsweise Muster, Veränderungen und Unterschiede werden mittels computergestützter Algorithmen synthetisiert. Die Ergebnisse werden wiederum in Datensätze geschrieben und in eine maschinenlesbare Form überführt.
Aus den Ergebnissen werden Handlungsempfehlungen und/oder Anweisungen für den Anlagenbetreiber und/oder den Anlagenhersteller sowie für die Optimierung und/oder Weiterleitung der Rollen abgeleitet. Das Verfahren umfasst dabei einmal die automatische belastungsorientierte Auslegung und/oder Veränderung des Aufbaus des Rollenmantels. Zusätzlich oder alternativ umfasst das Verfahren eine automatische Veränderung der betriebsbedingten Belastung der Rolle durch entsprechenden Steuereingriff in die Prozesssteuerung der Walzanlage.
Weiterhin zusätzlich oder alternativ werden die aufbereiteten Daten für eine Lebensdauervorhersage der Rolle 1 verwendet.
Die Figuren 3 und 4 beziehen sich auf einen Aufbau des Rollenmantels der Rolle 1 , der zusätzlich zu der Funktionsschicht 3 eine Opferschicht 5 umfasst.
Figur 3A zeigt den Zustand der Rolle 1 nach Aufbringung der Funktionsschicht 3 aus einem verschleißfesten und harten und/oder zähen Werkstoff, der hinsichtlich
der Verschleißeigenschaften günstigere Eigenschaften hat als der Grundwerkstoff des Rollenkörpers 2 und/oder eine dazwischen angeordnete Ergänzungsschicht 4. Der Grundwerkstoff des Rollenkörpers 2 und/oder einer dazwischen angeordneten Ergänzungsschicht 4 kann beispielsweise aus einem relativ weichen Material auf der Basis des austenitischen Edelstahls 1.4404 bestehen. . Die Funktionsschicht 3, die bei dem beschriebenen Ausführungsbeispiel der Erfindung durch Auftragsschweißen aufgebracht wurde, besteht beispielsweise aus einem verschleißbeständigen Warmarbeitsstahl wie dem 1 .2344 oder einem Schnellarbeitsstahl wie dem 1.3344 umfassend Fremdphasen aus Wolframcarbid und/oder Titankarbid, die eine entsprechende Verschleißfestigkeit der Funktionsschicht 3 erzielen.
Die Funktionsschicht 3 erfüllt unmittelbar nach deren Aufbringung auf den Rollenkörper 2 gemäß Figur 3A keineswegs die Anforderungen an die Oberflächenbeschaffenheit des fertigen Bauteils. In einem nächsten Schritt, der in Figur 3B veranschaulicht ist, wird auf die Funktionsschicht 3 eine Opferschicht 5 aufgebracht, die beispielsweise aus einem aus dem gleichen Werkstoff wie die übrigen Ergänzungsschichten besteht oder aber aus einem anderen Werkstoff, da die Opferschicht beispielsweise eine geringere Duktilität aufweisen kann als die weiter innen liegenden Ergänzungsschichten (z.B. Pufferlagen) oder beispielsweise anders als diese keine besonderen Anforderungen hinsichtlich Wärmeleitung und/oder Wärmeausdehnung erfüllen muss. Die Opferschicht 5 erfüllt nicht die anwendungsspezifischen Anforderungen an die Verschleißfestigkeit und/ oder Härte und/oder Zähigkeit des Werkstoffs.
Nach Aufbringen der Opferschicht 5 weist der Rollenmantel ein Übermaß auf, das in einem weiteren Verfahrensschritt durch entsprechende Nachbearbeitung wie Fräsen, Schleifen oder Drehen auf den Nenndurchmesser der Rolle 1 reduziert wird und, wie das in Figur 3C veranschaulicht ist, schlussendlich die gewünschte Oberflächenrauheit entsprechend den Vorgaben aus der Anwendung der Rolle 1 aufweist.
Figur 4 zeigt einen Teilschnitt durch die Rolle 1 gemäß der Erfindung nach einer gewissen Standzeit bzw. Betriebszeit. Teile der Opferschicht 5 sind infolge von Beanspruchung abgetragen, Teile davon sind noch vorhanden. Ebenfalls abgenutzt sind Teile der Funktionsschicht 3, wobei der Abtrag in beiden Schichten in der Regel unterschiedlich stark ist. Die Dicke der Funktionsschicht 3 vereinheitlicht sich im Laufe der Zeit.
Figur 5 veranschaulicht ein mehrschichtiges System des Mantels der Rolle 1 , das eine Vielzahl von Funktionsschichten 3 und eine Vielzahl von Ergänzungsschichten 4 umfasst, die so angeordnet sind, dass ein radialer Härtegradient erzielt wird. Oberhalb der Schichtenanordnung aus Funktionsschichten 3 wird gegebenenfalls eine Opferschicht 5 aufgetragen, die in Figur 5 nicht dargestellt ist. Diese wird ebenso, wie bei dem Beispiel gemäß Figur 3 durch entsprechende Nachbearbeitung hinsichtlich der Oberflächenrauigkeiten und hinsichtlich des Nenndurchmessers der Rolle 1 nachbearbeitet.
Bezugszeichenliste
1 Rolle
2 Rollenkörper 3 Funktionsschicht
4 Ergänzungsschicht
5 Opferschicht