Verfahren und Vorrichtung zur Beschleunigung eines Fahrzeugs an einer Signalisierungseinheit
Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung und ein entsprechendes Verfahren zum Betrieb einer Fahrfunktion eines Fahrzeugs, insbesondere einer Geschwindigkeitsregelung des Fahrzeugs, an einer Signalisierungseinheit.
Ein Fahrzeug kann ein oder mehrere Fahrfunktionen aufweisen, die den Fahrer des Fahrzeugs bei der Führung, insbesondere bei der Längsführung und/oder bei der Querführung, des Fahrzeugs unterstützen. Eine beispielhafte Fahrfunktion zur Unterstützung der Längsführung eines Fahrzeugs ist die Adaptive Cruise Control (ACC) Funktion, die dazu genutzt werden kann, das Fahrzeug mit einer festgelegten Setz- bzw. Ziel-Fahrgeschwindigkeit und/oder in einem festgelegten Setz- bzw. Ziel-Abstand zu einem vor dem Fahrzeug fahrenden Vorder-Fahrzeug längszuführen. Die Fahrfunktion kann auch in Zusammenhang mit einer Signalisierungseinheit (insbesondere mit einer Ampel) an einem Verkehrs- Knotenpunkt (etwa an einer Kreuzung) genutzt werden, um eine automatisierte Längsführung, etwa eine automatisierte Verzögerung, an der Signalisierungseinheit zu bewirken.
Das vorliegende Dokument befasst sich mit der technischen Aufgabe, den Komfort einer Fahrfunktion zur automatisierten Längsführung eines Fahrzeugs an einer Signalisierungseinheit in sicherer Weise zu erhöhen.
Die Aufgabe wird durch jeden der unabhängigen Ansprüche gelöst. Vorteilhafte Ausführungsformen werden u.a. in den abhängigen Ansprüchen beschrieben. Es wird darauf hingewiesen, dass zusätzliche Merkmale eines von einem unabhängigen Patentanspruch abhängigen Patentanspruchs ohne die Merkmale des unabhängigen Patentanspruchs oder nur in Kombination mit einer Teilmenge der Merkmale des unabhängigen Patentanspruchs eine eigene und von der Kombination sämtlicher Merkmale des unabhängigen Patentanspruchs unabhängige Erfindung bilden können, die zum Gegenstand eines unabhängigen Anspruchs, einer Teilungsanmeldung oder einer Nachanmeldung gemacht werden kann. Dies gilt in gleicher Weise für in der Beschreibung beschriebene technische Lehren, die eine von den Merkmalen der unabhängigen Patentansprüche unabhängige Erfindung bilden können.
Gemäß einem Aspekt wird eine Vorrichtung zur Beschleunigung eines (Kraft-) Fahrzeugs im Rahmen einer Geschwindigkeitsregelung bei einer Fahrt auf eine vorausliegende Signalisierungseinheit (z.B. eine Lichtsignalanlage, etwa eine Ampel, oder ein Verkehrszeichen) zu beschrieben. Die Geschwindigkeitsregelung kann Teil einer Fahrfunktion, insbesondere einer ACC Fahrfunktion, sein. Die Geschwindigkeitsregelung kann bei einer Freifahrt des Fahrzeugs (ohne direkt vor dem Fahrzeug angeordnetem Vorder-Fahrzeug) erfolgen. Dabei kann die Fahrgeschwindigkeit auf eine (von dem Nutzer des Fahrzeugs festgelegte) Ziel- Fahrgeschwindigkeit geregelt werden.
Die Signalisierungseinheit kann insbesondere eine Ampel umfassen. Die
Vorrichtung kann eingerichtet sein, die Signalisierungseinheit, insbesondere den
Signalisierungszustand (z.B. die Farbe) der Signalisierungseinheit, bei der
automatisierten Längsführung des Fahrzeugs zu berücksichtigen. Die Vorrichtung kann z.B. eingerichtet sein, in Abhängigkeit von dem Signalisierungszustand der Signalisierungseinheit zu bewirken, dass das Fahrzeug anhand der Geschwindigkeitsregelung auf die Ziel-Fahrgeschwindigkeit automatisiert an der Signalisierungseinheit vorbei längsgeführt wird (wenn der Signalisierungszustand (z.B. Grün) anzeigt, dass das Fahrzeug an dem Knotenpunkt freie Fahrt hat). Andererseits kann die Vorrichtung eingerichtet sein, das Fahrzeug automatisiert bis in den Stillstand an der Halteposition der Signalisierungseinheit zu verzögern (wenn der Signalisierungszustand (z.B. Gelb oder Rot) anzeigt, dass das Fahrzeug an der Signalisierungseinheit anhalten muss).
Die Vorrichtung ist eingerichtet, zu bestimmen, dass, bei der Fahrt auf die vorausliegende Signalisierungseinheit zu, die Ist-Fahrgeschwindigkeit des Fahrzeugs unter der Ziel -Fahrgeschwindigkeit der Geschwindigkeitsregelung liegt (z.B. um 10% oder mehr unter der Ziel-Fahrgeschwindigkeit liegt). Eine derartige Situation kann insbesondere bei Aktivierung der Geschwindigkeitsregelung vorliegen. Im Rahmen der Geschwindigkeitsregelung wird typischerweise eine Beschleunigung mit einem bestimmten Standardwert bewirkt, um die Fahrgeschwindigkeit des Fahrzeugs auf die Ziel -Fahrgeschwindigkeit einzustellen, insbesondere zu regeln. Der Standardwert kann von der Differenz zwischen der Ist-Fahrgeschwindigkeit und der Ziel-Fahrgeschwindigkeit abhängen (und steigt typischerweise mit steigender Differenz an).
Es kann somit insbesondere bei einer relativ hohen Differenz zwischen Ist- Fahrgeschwindigkeit und Ziel-Fahrgeschwindigkeit zu einer relativ starken Beschleunigung des Fahrzeugs kommen, die von dem Nutzer des Fahrzeugs bei der Fahrt auf die vorausliegende Signalisierungseinheit zu als unkomfortabel empfunden werden kann (insbesondere dann, wenn die Signalisierungseinheit nicht weit von dem Fahrzeug entfernt ist).
Die Vorrichtung ist ferner eingerichtet, Abstandsinformation in Bezug auf den (zeitlichen und/oder räumlichen) Abstand der vorausliegenden Signalisierungseinheit von dem Fahrzeug zu ermitteln. Es kann insbesondere der Abstand in Sekunden Fahrzeit und/oder in Metern Fahrstrecke ermittelt werden.
Die Ab Standsinformation kann auf Basis von Sensordaten von ein oder mehreren Umfeldsensoren (z.B. einer Kamera und/oder einem Lidarsensor) des Fahrzeugs und/oder auf Basis einer digitalen Karte für das von dem Fahrzeug befahrende Fahrbahnnetz ermittelt werden. Diese Daten können auch für die Erkennung der vorausliegenden Signalisierungseinheit verwendet werden.
Die Vorrichtung ist ferner eingerichtet, im Rahmen der Geschwindigkeitsregelung auf die Ziel -Fahrgeschwindigkeit eine Beschleunigung des Fahrzeugs mit einem Beschleunigungswert zu bewirken, der von der Abstandsinformation abhängt. Mit anderen Worten, es kann weiterhin eine Geschwindigkeitsregelung auf die (eingestellte) Ziel-Geschwindigkeit erfolgen. Die im Rahmen der Geschwindigkeitsregelung verwendete Beschleunigung und/oder die im Rahmen der Geschwindigkeitsregelung maximal zulässige Beschleunigung kann jedoch von der Abstandsinformation abhängen.
Der Beschleunigungswert der Beschleunigung kann mit steigendem Abstand erhöht und/oder mit sinkendem Abstand reduziert werden. Die Vorrichtung kann z.B. eingerichtet sein, auf Basis der Abstandsinformation zu bestimmen, dass der Abstand gleich wie oder kleiner als ein (vordefinierter) Abstand-Schwellenwert ist. In Reaktion auf das Bestimmen kann ein gegenüber dem im Rahmen der Geschwindigkeitsregelung verwendeten Standardwert der Beschleunigung reduzierter Wert der Beschleunigung bewirkt werden.
Die im Rahmen der Geschwindigkeitsregelung bei einer Freifahrt verwendete Beschleunigung kann somit in Abhängigkeit von dem (zeitlichen und/oder räumlichen) Abstand zu einer vorausliegenden Signalisierungseinheit eingestellt
werden. So kann der Komfort für einen Nutzer (insbesondere bei Aktivierung der Geschwindigkeitsregelung) erhöht werden.
Die im Rahmen der Geschwindigkeitsregelung verwendete Beschleunigung (die z.B. eine Stellgröße des Geschwindigkeits-Regelkreises darstellt) kann in Abhängigkeit von einem Regelfehler eingestellt werden, wobei der Regelfehler von der Differenz zwischen der Ist-Fahrgeschwindigkeit und der Ziel- Fahrgeschwindigkeit abhängen kann oder der Differenz entsprechen kann. Durch den Geschwindigkeitsregler kann als Stellgröße der Wert der Beschleunigung des Fahrzeugs ermittelt werden. Der Wert der Beschleunigung hängt dabei typischerweise von dem Regelfehler ab und steigt typischerweise mit steigendem Regelfehler an.
Im Rahmen der Geschwindigkeitsregelung kann ein Maximalwert der Beschleunigung festgelegt sein, sodass dieser Maximalwert (auch bei Vorliegen eines relativ großen Regelfehlers) nicht überschritten werden kann. Bei einem Normalbetrieb des Geschwindigkeitsreglers kann der Maximalwert einem bestimmten Standard-Maximalwert entsprechen.
Die Vorrichtung kann eingerichtet sein, den im Rahmen der Geschwindigkeitsregelung verwendeten Maximalwert der Beschleunigung des Fahrzeugs in Abhängigkeit von der Abstandsinformation festzulegen und/oder einzustellen, insbesondere derart, dass der Maximalwert der Beschleunigung mit steigendem Abstand steigt und/oder mit sinkendem Abstand sinkt. Die Vorrichtung kann z.B. eingerichtet sein, auf Basis der Abstandsinformation zu bestimmen, dass der Abstand gleich wie oder kleiner als ein (vordefinierter) Abstand-Schwellenwert ist. In Reaktion auf das Bestimmen kann ein gegenüber dem im Rahmen der Geschwindigkeitsregelung verwendeten Standard- Maximalwert der Beschleunigung reduzierter Maximalwert der Beschleunigung verwendet werden.
Die selektive Reduzierung des im Rahmen der Geschwindigkeitsregelung zulässigen Maximalwertes der Beschleunigung des Fahrzeugs in Abhängigkeit von der Abstandsinformation ermöglicht die Bereitstellung einer besonders komfortablen Fahrfunktion bei Annäherung an einer Signalisierungseinheit.
Die Vorrichtung kann eingerichtet sein, zu bestimmen, dass die Ist- Fahrgeschwindigkeit aufgrund einer Aktivierung der Geschwindigkeitsregelung unterhalb der Ziel -Fahrgeschwindigkeit liegt.
Beispielsweise kann eine Nutzereingabe eines Nutzers des Fahrzeugs an der Benutzerschnittstelle des Fahrzeugs dahingehend detektiert werden, dass die Geschwindigkeitsregelung (an einer bestimmten Ausgangs-Position) aktiviert werden soll. Es kann dann auf Basis der detektierten Nutzereingabe in zuverlässiger Weise bestimmt werden, dass die Ist-Fahrgeschwindigkeit aufgrund einer Aktivierung der Geschwindigkeitsregelung unterhalb der Ziel- Fahrgeschwindigkeit liegt.
Alternativ oder ergänzend kann die Vorrichtung eingerichtet sein, zu bestimmen, dass das Fahrzeug (an der Ausgangs-Position) von einer Folgefahrt mit einer Ab Standsregelung zu einem Vorder-Fahrzeug in eine Freifahrt mit Geschwindigkeitsregelung übergegangen ist (z.B., weil das Vorder-Fahrzeug die von dem Fahrzeug befahrene Fahrbahn verlassen hat). Dies kann auf Basis der Sensordaten der ein oder mehreren Umfeldsensoren erkannt werden. Es kann dann auf Basis des detektierten Übergangs von der Ab Standsregelung auf die Geschwindigkeitsregelung bestimmt werden, dass die Ist-Fahrgeschwindigkeit aufgrund einer Aktivierung der Geschwindigkeitsregelung unterhalb der Ziel- Fahrgeschwindigkeit liegt.
Der Beschleunigungswert der Beschleunigung des Fahrzeugs kann, ggf. nur dann, in Abhängigkeit von der Abstandsinformation ermittelt werden, wenn bestimmt wurde, dass die Ist-Fahrgeschwindigkeit aufgrund einer Aktivierung der
Geschwindigkeitsregelung unterhalb der Ziel-Fahrgeschwindigkeit liegt. Die Abstands-abhängige Einstellung des Beschleunigungswertes der Geschwindigkeitsregelung kann somit auf die Phase der Aktivierung der Geschwindigkeitsregelung beschränkt sein. So kann der Komfort für den Nutzer weiter erhöht werden.
Die Vorrichtung kann eingerichtet sein, zu bestimmen, ob die Geschwindigkeitsregelung (bzw. die Fahrfunktion) in einem automatischen Modus betrieben wird, in dem die vorausliegende Signalisierungseinheit automatisch bei der Längsführung des Fahrzeugs berücksichtigt wird, oder in einem manuellen Modus betrieben wird, in dem die vorausliegende Signalisierungseinheit erst nach Annahme eines Angebots durch einen Nutzer des Fahrzeugs bei der Längsführung des Fahrzeugs berücksichtigt wird.
Die Vorrichtung kann z.B. eingerichtet sein (in dem manuellen Modus), über die Benutzerschnittstelle des Fahrzeugs ein Angebot an den Nutzer des Fahrzeugs dahingehend auszugeben, dass die vorausliegende Signalisierungseinheit, insbesondere der Signalisierungszustand der vorausliegenden Signalisierungseinheit, im Rahmen der Geschwindigkeitsregelung des Fahrzeugs berücksichtigt wird. Der Nutzer hat dann die Möglichkeit, über eine Nutzereingabe das Angebot anzunehmen oder abzulehnen. Andererseits kann in dem automatischen Modus automatisch eine Berücksichtigung der Signalisierungseinheit ohne Rückfrage an den Nutzer erfolgen.
Die in diesem Dokument beschriebene Vorrichtung kann somit eingerichtet sein, den Beschleunigungswert der im Rahmen der Geschwindigkeitsregelung verwendeten Beschleunigung auch dann in Abhängigkeit von der Abstandsinformation zu einer vorausliegenden Signalisierungseinheit einzustellen, wenn die Signalisierungseinheit noch nicht bei der automatisierten Längsführung des Fahrzeugs berücksichtigt wird. Dadurch kann für den Nutzer der Zeitraum verlängert werden, das Angebot zur Berücksichtigung der
Signalisierungseinheit anzunehmen. So kann der Komfort der Fahrfunktion erhöht werden.
Wie bereits oben dargelegt, kann die in diesem Dokument beschriebene Geschwindigkeitsregelung im Rahmen einer Fahrfunktion erfolgen, die darauf ausgelegt ist, das Fahrzeug an einer und/oder in Zusammenhang mit einer Signalisierungseinheit automatisiert längszuführen. Dabei kann die Fahrfunktion gemäß SAE-Level 2 ausgebildet sein. Mit anderen Worten, die Fahrfunktion kann ggf. ein automatisiertes Fahren und/oder eine Fahrerunterstützung (in Bezug auf die Längsführung) gemäß SAE-Level 2 bereitstellen. Die Fahrfunktion kann auf die Längsführung des Fahrzeugs beschränkt sein. Die Querführung des Fahrzeugs kann während des Betriebs der Fahrfunktion ggf. manuell durch den Fahrer oder durch eine weitere und/oder separate Fahrfunktion bereitgestellt werden (z.B. durch einen Spurhalteassistenten).
Im Rahmen der Fahrfunktion kann das Fahrzeug gemäß der Setz- bzw. Ziel- Geschwindigkeit und/oder gemäß dem Setz- bzw. Ziel-Abstand zu einem (direkt) vor dem Fahrzeug fahrenden Vorder-Fahrzeug automatisiert längsgeführt werden. Zu diesem Zweck kann die Fahrfunktion den in diesem Dokument beschriebenen Geschwindigkeitsregler bereitstellen, durch den die Ist-Fahrgeschwindigkeit des Fahrzeugs gemäß der Setz- bzw. Ziel-Geschwindigkeit eingestellt, insbesondere geregelt, wird. Alternativ oder ergänzend kann ein Ab Standsregler bereitgestellt werden, durch den der Ist-Abstand des Fahrzeugs zu dem Vorder-Fahrzeug gemäß dem Setz- bzw. Ziel-Abstand eingestellt, insbesondere geregelt, wird. Wenn kein relevantes Vorder-Fahrzeug vorhanden ist oder wenn das Vorder-Fahrzeug schneller als die Setz- bzw. Ziel-Geschwindigkeit fährt, kann die Fahrgeschwindigkeit des Fahrzeugs geregelt werden. Alternativ oder ergänzend, wenn das Vorder-Fahrzeug langsamer als die Setz- bzw. Ziel-Geschwindigkeit fährt, kann der Abstand des Fahrzeugs zu dem Vorder-Fahrzeug geregelt werden. Die Fahrfunktion kann somit eingerichtet sein, eine Adaptive Cruise Control (ACC) Fahrerassistenzfunktion bereitzustellen.
Das Fahrzeug kann eine Benutzerschnittstelle für eine Interaktion mit einem Nutzer, insbesondere mit dem Fahrer, des Fahrzeugs umfassen. Die Benutzerschnittstelle kann ein oder mehrere Bedienelemente umfassen, die es dem Nutzer ermöglichen, die Setz- bzw. die Ziel-Geschwindigkeit und/oder den Setz- bzw. Ziel-Abstand festzulegen. Alternativ oder ergänzend können es die ein oder mehreren Bedienelemente dem Nutzer ermöglichen, eine zuvor festgelegte Setz- und/oder Ziel-Geschwindigkeit und/oder einen zuvor festgelegten Setz- bzw. Ziel-Abstand des Fahrzeugs für den Betrieb der Fahrfunktion zu bestätigen. Die ein oder mehreren Bedienelemente können ausgebildet sein, mit einer Hand und/oder mit einem Finger des Fahrers betätigt zu werden. Alternativ oder ergänzend können die ein oder mehreren Bedienelemente an einem Lenkmittel (insbesondere an einem Lenkrad oder an einem Lenkbügel) des Fahrzeugs angeordnet sein.
Des Weiteren kann die Fahrfunktion eingerichtet sein, ein oder mehrere Signalisierungseinheiten auf der von dem Fahrzeug befahrenen Fahrbahn (insbesondere Straße) und/oder Fahrroute bei der automatisierten Längsführung zu berücksichtigen. Eine Signalisierungseinheit kann dazu vorgesehen sein, die Vorfahrt an einem Knotenpunkt (insbesondere an einer Kreuzung) des von dem Fahrzeug befahrenen Fahrbahnnetzes festzulegen. Die Festlegung der Vorfahrt kann dabei zeitlich veränderbar sein (wie z.B. bei einer Lichtsignalanlage, etwa bei einer Ampelanlage, mit ein oder mehreren unterschiedlichen Signalgruppen (mit jeweils ein oder mehreren Signalgebern) für ein oder mehrere unterschiedliche Fahrtrichtungen des Fahrzeugs an dem Knotenpunkt) oder fest vorgegeben sein (wie z.B. bei einem Verkehrszeichen, etwa bei einem Stopp- Schild).
W ährend des Betriebs der Fahrfunktion können Daten in Bezug auf eine in Fahrtrichtung des Fahrzeugs vorausliegende Signalisierungseinheit (an einem Knotenpunkt) ermittelt werden. Die Daten können Kartendaten in Bezug auf
Signalisierungseinheiten und/oder Knotenpunkte in dem von dem Fahrzeug befahrenen Fahrbahnnetz umfassen. Die Kartendaten (d.h. die digitale Karte) können jeweils ein oder mehrere Attribute für die einzelnen Signalisierungseinheiten umfassen. Die ein oder mehreren Attribute für eine Signalisierungseinheit können anzeigen bzw. umfassen:
• den Typ der Signalisierungseinheit, insbesondere, ob es sich bei der Signalisierungseinheit um eine Lichtsignalanlage oder um ein Verkehrszeichen handelt; und/oder
• die Anzahl von unterschiedlichen Signalgruppen (und die Anzahl der Signalgeber pro Signal gruppe) der Signalisierungseinheit für unterschiedliche Fahrtrichtungen und/oder für unterschiedliche Fahrspuren an dem Knotenpunkt des Fahrbahnnetzes, an dem die Signalisierungseinheit angeordnet ist bzw. mit dem die Signalisierungseinheit assoziiert ist; und/oder
• die Position (z.B. die GPS -Koordinaten) der Signalisierungseinheit und/oder der Haltelinie der Signalisierungseinheit innerhalb des Fahrbahnnetzes; und/oder
• der relative Abstand der Haltelinie zu der zugehörigen Signalisierungseinheit; und/oder
• der relative Abstand und/oder die relative Anordnung der einzelnen Signalgeber der Signalisierungseinheit zueinander.
Die Fahrfunktion kann eingerichtet sein, unter Verwendung eines Positionssensors (z.B. eines GPS- bzw. GNSS -Empfängers) des Fahrzeugs und/oder unter Verwendung von Odometrie die Ist-Position (z.B. die aktuellen GPS- bzw. GNSS -Koordinaten) des Fahrzeugs innerhalb des Fahrbahnnetzes zu ermitteln. Anhand der Kartendaten kann dann eine (z.B. die nächste) Signalisierungseinheit auf der Fahrroute des Fahrzeugs bzw. auf der Zufahrt zu einem vorausliegenden Knotenpunkt erkannt werden. Ferner können ein oder mehrere Karten-Attribute in Bezug auf die erkannte Signalisierungseinheit ermittelt werden.
Alternativ oder ergänzend können die Daten in Bezug auf eine in Fahrtrichtung des Fahrzeugs vorausliegende Signalisierungseinheit (an einem Knotenpunkt) Umfelddaten in Bezug auf die Signalisierungseinheit umfassen, bzw. basierend auf Umfelddaten ermittelt werden. Die Umfelddaten können von ein oder mehreren Umfeldsensoren des Fahrzeugs erfasst werden. Beispielhafte Umfeldsensoren sind eine Kamera, ein Radarsensor, ein Lidarsensor, etc. Die ein oder mehrere Umfelddaten können eingerichtet sein, Sensordaten (d.h. Umfelddaten) in Bezug auf das Umfeld in Fahrtrichtung vor dem Fahrzeug zu erfassen.
Die Fahrfunktion kann eingerichtet sein, auf Basis der Umfelddaten (insbesondere auf Basis der Sensordaten einer Kamera) zu erkennen, dass in Fahrtrichtung vor dem Fahrzeug eine Signalisierungseinheit angeordnet ist. Zu diesem Zweck kann z.B. ein Bildanalysealgorithmus verwendet werden. Des Weiteren kann die Fahrfunktion eingerichtet sein, auf Basis der Umfelddaten den Typ der Signalisierungseinheit (z.B. Lichtsignalanlage oder Verkehrszeichen) zu ermitteln. Ferner kann die Fahrfunktion eingerichtet sein, auf Basis der Umfelddaten den (Signalisierungs-) Zustand der Signalisierungseinheit in Bezug auf die Erlaubnis für das Überfahren des mit der Signalisierungseinheit assoziierten Knotenpunktes zu ermitteln. Insbesondere können die Farben (Grün, Gelb oder Rot) der ein oder mehreren Signalgruppen einer Lichtsignalanlage ermittelt werden.
Die Fahrfunktion kann eingerichtet sein, eine erkannte Signalisierungseinheit bei der automatisierten Längsführung des Fahrzeugs zu berücksichtigen. Insbesondere kann die Fahrfunktion eingerichtet sein, auf Basis der Daten in Bezug auf die erkannte Signalisierungseinheit, insbesondere auf Basis der durch die Daten angezeigten Farbe eines Lichtsignals bzw. einer Signalgruppe der Signalisierungseinheit, zu bestimmen, ob das Fahrzeug an der Signalisierungseinheit, insbesondere an der Halteposition der
Signalisierungseinheit, halten muss oder nicht. Beispielsweise kann erkannt werden, dass das Fahrzeug halten muss, da die für das Fahrzeug relevante Signalgruppe Rot ist. Alternativ kann erkannt werden, dass das Fahrzeug nicht halten muss, da die für das Fahrzeug relevante Signalgruppe Grün ist. In einem weiteren Beispiel kann erkannt werden, dass das Fahrzeug halten muss, da es sich bei der Signalisierungseinheit um ein Stopp-Schild handelt.
Die Fahrfunktion kann ferner eingerichtet sein, zu bewirken, dass das Fahrzeug automatisiert an der erkannten Signalisierungseinheit angehalten wird, wenn bestimmt wird, dass das Fahrzeug an der Signalisierungseinheit halten muss. Zu diesem Zweck kann ein automatisierter Verzögerungsvorgang (bis in den Stillstand) bewirkt werden. Das Fahrzeug kann dabei automatisiert bis an bzw. bis vor die Halteposition der Signalisierungseinheit geführt werden. Während des automatisierten Verzögerungsvorgangs können automatisiert durch die Fahrfunktion ein oder mehrere Radbremsen (z.B. ein oder mehrere Reibbremsen oder ein oder mehrere rekuperierende Bremsen) angesteuert werden, um das Fahrzeug (bis in den Stillstand) abzubremsen. Der zeitliche Verlauf der bewirkten Verzögerung kann von dem verfügbaren Bremsweg bis zu der erkannten Signalisierungseinheit abhängen.
Alternativ oder ergänzend kann die Fahrfunktion eingerichtet sein, zu bewirken, dass das Fahrzeug automatisiert an der erkannten Signalisierungseinheit vorbei, insbesondere über die Halteposition der Signalisierungseinheit, längsgeführt wird, wenn bestimmt wird, dass das Fahrzeug nicht an der Signalisierungseinheit halten muss. Dabei kann die Geschwindigkeits- und/oder Ab Standsregelung gemäß der Setz- bzw. Ziel-Geschwindigkeit und/oder gemäß dem Setz- bzw. Ziel-Abstand zu dem Vorder-Fahrzeug fortgeführt werden.
Die Fahrfunktion kann somit eingerichtet sein, eine ACC Fahrfunktion unter Berücksichtigung von Signalisierungseinheiten bereitzustellen. Die Fahrfunktion
wird in diesem Dokument auch als Urban Cruise Control (UCC) Fahrfunktion bezeichnet.
Unter dem Begriff „automatisiertes Fahren“ kann im Rahmen des Dokuments ein Fahren mit automatisierter Längs- oder Querführung oder ein autonomes Fahren mit automatisierter Längs- und Querführung verstanden werden. Bei dem automatisierten Fahren kann es sich beispielsweise um ein zeitlich längeres Fahren auf der Autobahn oder um ein zeitlich begrenztes Fahren im Rahmen des Einparkens oder Rangierens handeln. Der Begriff „automatisiertes Fahren“ umfasst ein automatisiertes Fahren mit einem beliebigen Automatisierungsgrad. Beispielhafte Automatisierungsgrade sind ein assistiertes, teilautomatisiertes, hochautomatisiertes oder vollautomatisiertes Fahren. Diese Automatisierungsgrade wurden von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) definiert (siehe B ASt-Publikation „Forschung kompakt“, Ausgabe 11/2012). Beim assistierten Fahren führt der Fahrer dauerhaft die Längs- oder Querführung aus, während das System die jeweils andere Funktion in gewissen Grenzen übernimmt. Beim teilautomatisierten Fahren (TAF) übernimmt das System die Längs- und Querführung für einen gewissen Zeitraum und/oder in spezifischen Situationen, wobei der Fahrer das System wie beim assistierten Fahren dauerhaft überwachen muss. Beim hochautomatisierten Fahren (HAF) übernimmt das System die Längs- und Querführung für einen gewissen Zeitraum, ohne dass der Fahrer das System dauerhaft überwachen muss; der Fahrer muss aber in einer gewissen Zeit in der Lage sein, die Fahrzeugführung zu übernehmen. Beim vollautomatisierten Fahren (VAF) kann das System für einen spezifischen Anwendungsfall das Fahren in allen Situationen automatisch bewältigen; für diesen Anwendungsfall ist kein Fahrer mehr erforderlich. Die vorstehend genannten vier Automatisierungsgrade entsprechen den SAE-Level 1 bis 4 der Norm SAE J3016 (SAE - Society of Automotive Engineering). Beispielsweise entspricht das hochautomatisierte Fahren (HAF) Level 3 der Norm SAE J3016. Ferner ist in der SAE J3016 noch der SAE-Level 5 als höchster Automatisierungsgrad vorgesehen, der in der Definition der BASt nicht enthalten
ist. Der SAE-Level 5 entspricht einem fahrerlosen Fahren, bei dem das System während der ganzen Fahrt alle Situationen wie ein menschlicher Fahrer automatisch bewältigen kann; ein Fahrer ist generell nicht mehr erforderlich. Die in diesem Dokument beschrieben Aspekte betreffen insbesondere eine Fahrfunktion bzw. eine Fahrerassistenzfunktion, die gemäß SAE-Level 2 ausgebildet sind.
Gemäß einem weiteren Aspekt wird ein (Straßen-) Kraftfahrzeug (insbesondere ein Personenkraftwagen oder ein Lastkraftwagen oder ein Bus oder ein Motorrad) beschrieben, das die in diesem Dokument beschriebene Vorrichtung umfasst.
Gemäß einem weiteren Aspekt wird ein Verfahren zur Beschleunigung eines Fahrzeugs im Rahmen einer Geschwindigkeitsregelung bei einer Fahrt auf eine vorausliegende Signalisierungseinheit zu beschrieben. Das Verfahren umfasst das Bestimmen, dass, bei der Fahrt auf die vorausliegende Signalisierungseinheit zu, die Ist-Fahrgeschwindigkeit des Fahrzeugs unter der Ziel -Fahrgeschwindigkeit der Geschwindigkeitsregelung liegt (und dass diese Geschwindigkeitsdifferenz auf eine kürzliche Aktivierung der Geschwindigkeitsregelung zurückzuführen ist).
Das Verfahren umfasst ferner das Ermitteln von Abstandsinformation in Bezug auf den Abstand der vorausliegenden Signalisierungseinheit von dem Fahrzeug, und das Bewirken einer Beschleunigung des Fahrzeugs im Rahmen der Geschwindigkeitsregelung auf die (von dem Nutzer des Fahrzeugs festgelegten) Ziel -Fahrgeschwindigkeit mit einem Beschleunigungswert, der von der Abstandsinformation abhängt.
Gemäß einem weiteren Aspekt wird ein Software (SW) Programm beschrieben. Das SW Programm kann eingerichtet werden, um auf einem Prozessor (z.B. auf einem Steuergerät eines Fahrzeugs) ausgeführt zu werden, und um dadurch das in diesem Dokument beschriebene Verfahren auszuführen.
Gemäß einem weiteren Aspekt wird ein Speichermedium beschrieben. Das Speichermedium kann ein SW Programm umfassen, welches eingerichtet ist, um auf einem Prozessor ausgeführt zu werden, und um dadurch das in diesem Dokument beschriebene Verfahren auszuführen.
Es ist zu beachten, dass die in diesem Dokument beschriebenen Verfahren, Vorrichtungen und Systeme sowohl alleine, als auch in Kombination mit anderen in diesem Dokument beschriebenen Verfahren, Vorrichtungen und Systemen verwendet werden können. Des Weiteren können jegliche Aspekte der in diesem Dokument beschriebenen Verfahren, Vorrichtungen und Systemen in vielfältiger Weise miteinander kombiniert werden. Insbesondere können die Merkmale der Ansprüche in vielfältiger Weise miteinander kombiniert werden. Ferner sind in Klammern aufgeführte Merkmale als optionale Merkmale zu verstehen.
Im Weiteren wird die Erfindung anhand von Ausführungsbeispielen näher beschrieben. Dabei zeigen
Figur 1 beispielhafte Komponenten eines Fahrzeugs;
Figur 2a eine beispielhafte Lichtsignalanlage;
Figur 2b ein beispielhaftes Verkehrszeichen;
Figur 3a eine beispielhafte Fahrsituation;
Figur 3b beispielhafte Geschwindigkeitsverläufe des Fahrzeugs bei der in Fig. 3a dargestellten Fahrsituation; und
Figur 4 ein Ablaufdiagramm eines beispielhaften Verfahrens zur Beschleunigung eines Fahrzeugs an einer Signalisierungseinheit.
Wie eingangs dargelegt, befasst sich das vorliegende Dokument mit der Erhöhung des Komforts einer Fahrfunktion, insbesondere eines Fahrerassistenzsystems, eines Fahrzeugs, in Zusammenhang mit einer Signalisierungseinheit an einem Knotenpunkt der von dem Fahrzeug befahrenen Fahrbahn. Insbesondere befasst sich das vorliegende Dokument damit, eine komfortable und sichere Geschwindigkeitsregelung an einer Signalisierungseinheit zu ermöglichen.
Fig. 1 zeigt beispielhafte Komponenten eines Fahrzeugs 100. Das Fahrzeug 100 umfasst ein oder mehrere Umfeldsensoren 102 (z.B. ein oder mehrere Bildkameras, ein oder mehrere Radarsensoren, ein oder mehrere Lidarsensoren, ein oder mehrere Ultraschall sensoren, etc.), die jeweils eingerichtet sind, Umfelddaten in Bezug auf das Umfeld des Fahrzeugs 100 (insbesondere in Bezug auf das Umfeld in Fahrtrichtung vor dem Fahrzeug 100) zu erfassen. Des Weiteren umfasst das Fahrzeug 100 ein oder mehrere Aktoren 103, die eingerichtet sind, auf die Längs- und/oder die Querführung des Fahrzeugs 100 einzuwirken. Beispielhafte Aktoren 102 sind: eine Bremsanlage, ein Antriebsmotor, eine Lenkung, etc.
Die (Steuer-) Vorrichtung 101 des Fahrzeugs 100 kann eingerichtet sein, auf Basis der Sensordaten der ein oder mehreren Umfeldsensoren 102 (d.h. auf Basis der Umfelddaten) eine Fahrfunktion, insbesondere eine Fahrerassistenzfunktion, bereitzustellen. Beispielweise kann auf Basis der Sensordaten ein Hindernis auf der Fahrtrajektorie des Fahrzeugs 100 erkannt werden. Die Vorrichtung 101 kann daraufhin ein oder mehrere Aktoren 103 (z.B. die Bremsanlage) ansteuern, um das Fahrzeug 100 automatisiert zu verzögern und dadurch eine Kollision des Fahrzeugs 100 mit dem Hindernis zu verhindern.
Im Rahmen der automatisierten Längsführung eines Fahrzeugs 100 können neben einem Vorder-Fahrzeug ein oder mehrere Signalisierungseinheiten (z.B. eine Lichtsignalanlage und/oder ein Verkehrszeichen) auf der von dem Fahrzeug 100 befahrenen Fahrbahn bzw. Straße berücksichtigt werden. Dabei kann insbesondere der Signalisierungszustand einer Lichtsignal- bzw. Ampelanlage berücksichtigt werden, sodass das Fahrzeug 100 automatisiert an einer für die eigene (geplante) Fahrtrichtung relevanten roten Ampel eine Verzögerung bis zu der Halteposition der Ampel bewirkt und/oder bei einer grünen Ampel (ggf. wieder) beschleunigt.
Fig. 2a zeigt eine beispielhafte Lichtsignalanlage 200. Die in Fig. 2a dargestellte Lichtsignalanlage 200 weist vier unterschiedliche Signalgeber 201 auf, die an unterschiedlichen Positionen an einer Zufahrt zu einer Kreuzung angeordnet sind. Der linke Signalgeber 201 weist einen Pfeil 202 nach links auf, und zeigt damit an, dass dieser Signalgeber 201 für Linksabbieger gilt. Die beiden mittleren Signalgeber 201 weisen einen Pfeil 202 nach oben (oder keinen Pfeil 202) auf und zeigen damit an, dass diese beiden Signalgeber 201 für eine Geradeausfahrt gelten. Die einzelnen Lichtzeichen dieser beiden Signalgeber 201 bilden Signalgruppen. Des Weiteren weist der rechte Signalgeber 201 einen Pfeil 202 nach rechts auf, und zeigt damit an, dass dieser Signalgeber 201 für Rechtsabbieger gilt.
Fig. 2b zeigt ein beispielhaftes Stopp-Schild als Verkehrszeichen 210, durch das die Vorfahrt an einem Verkehrs-Knotenpunkt, insbesondere an einer Kreuzung, geregelt wird. Die (Steuer-) Vorrichtung 101 des Fahrzeugs 100 kann eingerichtet sein, auf Basis der Sensordaten der ein oder mehreren Umfeldsensoren 102 (d.h. auf Basis der Umfelddaten) und/oder auf Basis von digitaler Karteninformation (d.h. von Kartendaten) ein für die Fahrt des Fahrzeugs 100 relevantes Verkehrszeichen 210 auf der von dem Fahrzeug 100 befahrenen Straße bzw. Fahrbahn zu erkennen.
Die Vorrichtung 101 des Fahrzeugs 100 kann ausgebildet sein, eine automatisierte Längsführung des Fahrzeugs 100 im Stadtbereich bereitzustellen. Diese Fahrfunktion kann als Urban Cruise Control (UCC) Fahrfunktion bezeichnet werden. Die Fahrfunktion kann dabei in einem automatischen Modus (aUCC) und/oder in einem manuellen Modus (mUCC) bereitgestellt werden. Dabei kann es dem Fahrer ggf. ermöglicht werden, über die Benutzerschnittstelle 107 des Fahrzeugs 100 festzulegen, ob die Fahrfunktion in dem automatischen oder in dem manuellen Modus betrieben werden soll.
Die Vorrichtung 101 des Fahrzeugs 100 kann eingerichtet sein, auf Basis der Umfelddaten der ein oder mehreren Umfeldsensoren 102 und/oder auf Basis von Kartendaten in Bezug auf das von dem Fahrzeug 100 befahrene Fahrbahnnetz (in Zusammenhang mit den Positionsdaten eines Positionssensors 106 des Fahrzeugs 100) eine auf der Fahrroute des Fahrzeugs 100 vorausliegende Signalisierungseinheit 200, 210 zu detektieren. Im manuellen Modus der UCC- Fahrfunktion kann dann ein Vorschlag bzw. eine Anfrage dahingehend über die Benutzerschnittstelle 107 ausgegeben werden, ob die Signalisierungseinheit 200, 210 bei der automatisierten Längsführung des Fahrzeugs 100 berücksichtigt werden soll oder nicht. Der Fahrer des Fahrzeugs 100 kann dann, z.B. durch Betätigen eines Bedienelements der Benutzerschnittstelle 107, den Verschlag annehmen oder ablehnen bzw. ignorieren. Andererseits kann im automatischen Modus der UCC-Fahrfunktion die erkannte Signalisierungseinheit 200, 210 ggf. automatisch (d.h. ohne erforderliche Rückmeldung von dem Fahrer) bei der automatisierten Längsführung des Fahrzeugs 100 berücksichtigt werden.
Wenn die erkannte Signalisierungseinheit 200, 210 bei der automatisierten Längsführung des Fahrzeugs 100 berücksichtigt wird, so kann (je nach Typ und/oder (Signalisierungs-) Zustand der Signalisierungseinheit 200, 210) eine automatische Verzögerung bewirkt werden, um das Fahrzeug 100 (z.B. bei einer roten Ampel oder bei einem Stopp-Schild) automatisiert in den Stillstand zu überführen. Ferner kann (z.B. nach Änderung des (Signalisierungs-) Zustands der Signalisierungseinheit 200, 210, etwa nach einem Wechsel auf Grün) ein automatisches Anfahren des Fahrzeugs 100 bewirkt werden. Das Fahrzeug 100 kann dann wieder automatisiert auf die Zielgeschwindigkeit beschleunigt werden (unter Berücksichtigung eines festgelegten Mindest- bzw. Ziel-Abstands zu einem V order-F ahrzeug) .
Mit der UCC-Fahrfunktion kann es somit dem Fahrer eines Fahrzeugs 100 ermöglicht werden, die ACC-Fahrfunktion auch auf einer Straße mit ein oder mehreren Signalisierungseinheiten 200, 210 zu nutzen (ohne die ACC-Funktion
an den einzelnen Signalisierungseinheiten 200, 210 jeweils deaktivieren und reaktivieren zu müssen).
Es kann vorkommen, dass das Fahrzeug 100, wie beispielhaft in den Figuren 3a und 3b dargestellt, auf eine Signalisierungseinheit 200, 210 zufährt und dabei eine Ist-Geschwindigkeit 311 aufweist, die kleiner als die Ziel-Geschwindigkeit 312 der Fahrfunktion ist, obwohl sich das Fahrzeug 100 in einer Freifahrt befindet. Dies kann z.B. vorkommen, wenn der Nutzer des Fahrzeugs 100 die Fahrfunktion aktiviert, während das Fahrzeug 100 auf einer Fahrbahn 300 auf die Signalisierungseinheit 200, 210 zufährt. Alternativ kann eine solche Situation auftreten, wenn das Fahrzeug 100 zunächst in einer Folgefahrt hinter einem (relativ langsam fahrenden) Vorder-Fahrzeug gefahren ist, und das Vorder- Fahrzeug die Fahrbahn 300 verlassen hat (z.B. auf eine Einfahrt abgebogen ist).
Es kann somit von der Steuer- Vorrichtung 101 des Fahrzeugs 100 erkannt werden, dass sich das Fahrzeug 100 bei aktivierter Fahrfunktion in einer Freifahrt befindet (ohne Vorder-Fahrzeug) und eine Ist-Geschwindigkeit 311 aufweist, die (signifikant) kleiner als die Ziel-Geschwindigkeit 312 des Geschwindigkeitsreglers der Fahrfunktion ist. Das Fahrzeug 100 könnte dann mit einer (relativ hohen) Standard-Beschleunigung des Geschwindigkeitsreglers beschleunigt werden, um die Fahrgeschwindigkeit 310 des Fahrzeugs 100 auf die Ziel-Geschwindigkeit 312 einzustellen, insbesondere zu regeln. Dies könnte jedoch zu einer Situation führen, bei der das Fahrzeug 100 mit der relativ hohen Standard-Beschleunigung beschleunigt wird, obwohl das Fahrzeug 100 an der Halteposition 302 einer vorausliegenden Signalisierungseinheit 200, 210 zum Stehen kommen sollte. Dies kann zu einer unkomfortablen Situation für den Nutzer des Fahrfunktion führen. Insbesondere kann durch die Verwendung einer relativ hohen Standard-Beschleunigung die verfügbare Zeitdauer für den Nutzer des Fahrzeugs 100 zur Auswahl der Signalisierungseinheit 200, 210 im manuellen Modus der Fahrfunktion reduziert werden.
Die (Steuer-) Vorrichtung 101 kann eingerichtet sein, Abstandsinformation in Bezug auf den Abstand 305 zwischen der Ausgangs-Position 301 des Fahrzeugs 100 (bei Aktivierung der Geschwindigkeitsregelung) und der Halteposition 302 der Signalisierungseinheit 200, 210 zu ermitteln. Die Ausgangs-Position 301 kann der Position des Fahrzeugs 100 entsprechen, an der erkannt wird, dass eine Freifahrtsituation des Fahrzeugs 100 vorliegt, und das Fahrzeug 100 daher auf die Ziel-Geschwindigkeit 312 beschleunigt werden sollte.
Der Wert der Beschleunigung kann dann in Abhängigkeit von der Abstandsinformation ermittelt werden. Dabei kann der Wert der Beschleunigung mit steigendem Abstand 305 erhöht werden. Beispielsweise kann der Standardwert der Beschleunigung verwendet werden, wenn der Abstand 305 größer als ein bestimmter Abstand-Schwellenwert ist. Andererseits kann ein gegenüber dem Standardwert reduzierter Wert der Beschleunigung verwendet werden, wenn der Abstand 305 gleich wie oder kleiner als der Abstand- Schwellenwert ist.
Fig. 3b zeigt den Geschwindigkeitsverlauf 321 der Geschwindigkeit 310 des Fahrzeugs 100 bei Verwendung des Standardwerts der Beschleunigung. Des Weiteren zeigt Fig. 3b den Geschwindigkeitsverlauf 322 bei Verwendung des reduzierten Wertes der Beschleunigung. Durch den reduzierten Wert der Beschleunigung wird der Zeitraum verlängert, bis das Fahrzeug 100 die Entscheidungs-Position 303 erreicht, an der der Fahrer spätestens entscheiden muss, ob die vorausliegende Signalisierungseinheit 200, 210 bei Betrieb der Fahrfunktion berücksichtigt werden soll oder nicht. So kann der Komfort für den Fahrer des Fahrzeugs 100 erhöht werden.
Es kann beispielsweise vorkommen, dass das Fahrzeug 100 mit deaktivierter Fahrfunktion (insbesondere mit einem deaktivierten Abstands- und/oder Geschwindigkeitsregler) betrieben wird. Der Fahrer des Fahrzeugs 100 wird dann typischerweise nicht auf eine vorausliegende Signalisierungseinheit 200, 210
hingewiesen. Insbesondere wird die vorausliegende Signalisierungseinheit 200,
210 typischerweise nicht bei der Längsführung des Fahrzeugs 100 berücksichtigt.
Sobald der Fahrer die Fahrfunktion aktiviert, wird ggf. eine vorausliegende Signalisierungseinheit 200, 210 erkannt und/oder angezeigt, die bei der Längsführung berücksichtigt werden sollte (z.B. aufgrund des Signalisierungszustands). Der Fahrer hat dann die Möglichkeit (wenn die Fahrfunktion in dem manuellen Modus betrieben wird), die erkannte Signalisierungseinheit auszuwählen. Zeitgleich kann es jedoch zu einer Beschleunigung des Fahrzeugs 100 mit dem Standardwert kommen, um das Fahrzeug 100 auf die Ziel-Geschwindigkeit 312 für eine Freifahrtsituation einzustellen. Das relativ schnelle Beschleunigen auf die vorausliegende Signalisierungseinheit 200, 210 reduziert je nach Abstand 305 und Ist- Fahrgeschwindigkeit 311 des Fahrzeugs 100 die verfügbare Zeitdauer für den Fahrer, um das Angebot der Fahrfunktion zu übernehmen.
Die in diesem Dokument beschriebene Vorrichtung 101 kann eingerichtet sein, in einer Situation, bei der die Fahrfunktion aktiviert wurde und eine relevante Signalisierungseinheit 200, 210 erkannt wurde, eine Dynamikreduzierung des Fahrzeugs 100 (im Vergleich zu dem Standardwert) zu bewirken, durch die eine relativ starke Beschleunigung auf die eingestellte Freifahrt-Zielgeschwindigkeit 312 vermieden wird. Beispielsweise kann statt einem (maximal möglichen) Standardwert von 1m/s2 eine Beschleunigungsobergrenze von 0,2m/s2 verwendet werden. Durch diese Maßnahme hat der Fahrer auch bei einer relativ nahen Signalisierungseinheit 200, 210 weiterhin die Möglichkeit zeitgerecht ein manuelles Angebot zur Berücksichtigung der Signalisierungseinheit 200, 210 zu übernehmen.
Fig. 4 zeigt ein Ablaufdiagramm eines (ggf. Computer-implementierten) Verfahrens 400 zur Beschleunigung eines (Kraft-) Fahrzeugs 100 im Rahmen einer Geschwindigkeitsregelung (insbesondere im Rahmen der UCC
Fahrfunktion) bei einer Fahrt auf eine vorausliegende Signalisierungseinheit 200, 210 zu.
Das Verfahren 400 umfasst das Bestimmen 401, dass, bei der Fahrt auf die vorausliegende Signalisierungseinheit 200, 210 zu, die Ist-Fahrgeschwindigkeit 311 des Fahrzeugs 100 unter der Ziel-Fahrgeschwindigkeit 312 der Geschwindigkeitsregelung liegt. Beispielsweise kann ermittelt werden, dass an einer Ausgangs-Position 301 des Fahrzeugs 100 die Ist-Fahrgeschwindigkeit 311 kleiner als die Ziel-Geschwindigkeit 312 ist. Ferner kann ggf. ermittelt werden, dass diese Geschwindigkeitsdifferenz auf die (an der Ausgangs-Position 301 erfolgte) Aktivierung der Geschwindigkeitsregelung (insbesondere der UCC Fahrfunktion) zurückzuführen ist.
Das Verfahren 400 umfasst ferner das Ermitteln 402 von Ab Standsinformation in Bezug auf den Abstand 305 der (Halteposition 302 der) vorausliegenden Signalisierungseinheit 200, 210 von dem Fahrzeug 100 (insbesondere von der Ausgangs-Position 301 des Fahrzeugs 100). Die Abstandsinformation kann dabei den zeitlichen und/oder den räumlichen Abstand 305 (d.h. die Fahrstrecke) bis zu der Signalisierungseinheit 200, 210 anzeigen. Der zeitliche Abstand ergibt sich dabei aus der Fahrstrecke und der Fahrgeschwindigkeit 310 des Fahrzeugs 100. Die Ab Standsinformation kann insbesondere anzeigen, dass die Signalisierungseinheit 200, 210 in einem Abstand 305 von dem Fahrzeug 100 angeordnet ist, der gleich wie oder kleiner als ein vordefinierter Abstand- Schwellenwert ist.
Des Weiteren umfasst das Verfahren 400 das Bewirken 403 einer Beschleunigung des Fahrzeugs 100 im Rahmen der Geschwindigkeitsregelung auf die (von dem Nutzer des Fahrzeugs festgelegten) Ziel-Fahrgeschwindigkeit 312 mit einem Beschleunigungswert, insbesondere mit einem maximal möglichen Beschleunigungswert, der von der Abstandsinformation abhängt. Dabei kann der
Beschleunigungswert mit sinkendem Abstand 305 reduziert oder mit steigendem Ab stand 305 erhöht werden.
Mit anderen Worten, es kann somit eine Geschwindigkeitsregelung des Fahrzeugs 100 auf die Ziel-Geschwindigkeit 312 durchgeführt werden. Dabei kann die Differenz zwischen der jeweiligen Ist-Geschwindigkeit 311 und der Ziel- Geschwindigkeit 312 als Regelfehler ermittelt werden. Als Stellgröße kann eine Beschleunigung des Fahrzeugs 100 bewirkt werden. Dabei kann jedoch der Beschleunigungswert der Beschleunigung auf einen Wert begrenzt werden, der von der Abstandsinformation abhängt.
Durch die in diesem Dokument beschriebenen Maßnahmen kann der Komfort einer Fahrfunktion zur automatisierten Längsführung an einer Signalisierungseinheit 200, 210 in sicherer Weise erhöht werden.
Die vorliegende Erfindung ist nicht auf die gezeigten Ausführungsbeispiele beschränkt. Insbesondere ist zu beachten, dass die Beschreibung und die Figuren nur beispielhaft das Prinzip der vorgeschlagenen Verfahren, Vorrichtungen und Systeme veranschaulichen sollen.