Beschreibung
Stromabnehmer für ein Straßenfahrzeug und mit einem solchen ausgestattetes Straßenfahrzeug
Die Erfindung bezieht sich auf einen Stromabnehmer für ein nicht spurgebundenes , elektrisch oder hybridelektrisch angetriebenes Straßenfahrzeug nach dem Oberbegri f f des Patentanspruches 1 .
Ein derartiger Stromabnehmer ist aus der Of fenlegungsschri ft DE 10 2018 215 593 Al bekannt . Dieser Stromabnehmer ist für ein nicht spurgebundenes , elektrisch angetriebenes Fahrzeug zur Einspeisung elektrischer Energie aus einer zweipoligen Oberleitungsanlage mit zwei Fahrdrähten vorgesehen . Die eingespeiste Energie dient vornehmlich der direkten Traktionsversorgung eines Fahrzeugantriebs , kann aber auch einem fahrzeugseitigen Energiespeicher zugeführt werden . Die Fahrdrähte der Oberleitungsanlage sind oberhalb einer von Straßenfahrzeug benutzbaren Fahrbahn, beispielsweise einem Fahrstrei fen einer mehrstrei figen Autobahn, gespannt . Der Stromabnehmer umfasst ein gelenkiges Traggestänge , das f ahrdrahtseitig zwei nebeneinander angeordnete Kontaktwippen mit Schlei f leisten trägt und fahrzeugseitig ein Basisgelenk zur Anlenkung an das Fahrzeug aufweist . Er umfasst ferner einen mit dem Traggestänge gekoppelten Hubantrieb zur Erzeugung eines die Kontaktwippen anhebenden Drehmoments im Basisgelenk . Hierdurch können die Kontaktwippen aus einer unteren Ruheposition in eine obere Kontaktposition angehoben werden, so dass deren Schlei f leisten in elektrischen Kontakt zu dem j eweiligen Fahrdraht gebracht werden . Zur Aufrechterhaltung des sich während der Fahrt des Straßenfahrzeugs ausbildenden Schlei fkontakts werden die Schlei f leisten mittels der Hubeinrichtung mit einer vorgegebenen Andruckkraft gegen die Fahrdrähte gepresst .
Im Vergleich zum Schienenverkehr, wo das Schienenfahrzeug durch das Gleis geführt ist und der Stromabnehmer aufgrund
der einpoligen Oberleitungsanlage den Kontakt zu nur einem Fahrdraht halten muss , ist es im Straßenverkehr ungleich schwieriger, ein Straßenfahrzeug so zu führen, dass der Kontakt der Schlei f leisten zu den Fahrdrähten stets aufrechterhalten wird . Um eine gewissen Toleranz in den Fahrdrahtlagen und in der lenkbedingten Fahrstrei fentreue aus zugleichen, weisen die Schlei f leisten quer zur Fahrzeuglängsrichtung einen Arbeitsbereich mit einer gewissen Breite auf , die allerdings durch den gegenseitigen Abstand der Fahrdrähte begrenzt ist , um einen Fahrdrahtkurzschluss zu vermeiden . So kann es aufgrund von Seitenwinden, der Straßentopologie , Wankbewegungen des Straßenfahrzeugs oder Unaufmerksamkeit des Fahrzeugführers ebenso wie aufgrund eines Überhol- oder Ausweichmanövers dazu kommen, dass ein Fahrdraht den Arbeitsbereich einer Schlei f leiste seitlich verlässt oder sogar über hierfür vorgesehene Ablaufhörner ganz von der Schlei f leiste abzurutschen droht . Aufgrund der durch die Hubeinrichtung eingeprägten Andruckkraft besteht in einem solchen Fall das Risiko , dass ein Fahrdraht im Zwischenraum zwischen den Kontaktwippen unter die
Schlei f leisten gerät und sich verhakt , was schwere Schäden an Stromabnehmer und Oberleitungsanlage zur Folge haben könnte .
Hierfür umfasst der aus DE 10 2018 215 593 Al bekannte Stromabnehmer eine die Kontaktwippen verbindende und als Eintauchschutz ausgebildete Wippenbrücke , die ein Absinken eines seitlich zwischen den Kontaktwippen verlaufenden Fahrdrahtes unterhalb der Schlei f leisten verhindert . Die Wippenbrücke ist an den Kontaktwippen befestigt und derart geformt , dass in Fahrzeuglängsrichtung gesehen Schlei f leisten und Wippenbrücke eine lückenlose , glatte Auflagekurve für die Fahrdrähte bilden . Hierdurch kann eine seitliche Fahrdrahtbewegung ohne nennenswerte Querkräfte in die Wippenstrukturen abgeleitet werden . Aus Sicherheitsgründen ist in einem solchen Fall aber trotzdem ein Absenken des Stromabnehmers erforderlich . Hierfür weist die Wippenbrücke dieses bekannten Stromabnehmers zwei elektrisch leitende Brückenbügel auf , die mit einem Fahrdrahtsensor zur Erfassung eines Kontaktes eines
Fahrdrahtes mit den Brückenbügeln verbunden sind . Der Fahrdrahtsensor ist als elektrischer Leitfähigkeitssensor ausgebildet , der erfasst , wenn ein Fahrdraht auf beiden Brückenbügeln auf liegt und diese dadurch leitend verbindet . Der Leitfähigkeitssensor kann eine Widerstandsschaltung zwischen den Brückenbügeln aufweisen, die verstimmt wird, wenn ein niederohmiger Fahrdraht beide Brückenbügel berührt . Ein dadurch bedingtes Unterschreiten eines Spannungslevels wird von einer Stromabnehmersteuerung registriert und kann ein Absenken des Traggestänges zum Abdrahten des Stromabnehmers auslösen .
Nachteilig an dem bekannten Stromabnehmer ist , dass bei Berühren der Wippenbrücke mit dem als Pluspol ausgebildeten Fahrdraht die hohe Oberleitungsspannung zu Beschädigungen der Stromabnehmersteuerung und weiteren elektronischen Komponenten führen kann . Zum anderen besteht insbesondere im Winter die Gefahr, dass die elektrische Leitfähigkeit der Fahrdrähte durch Eisbildung an deren Unterseite stark herabgesetzt ist , was die Erkennung einer Berührung der Wippenbrücke durch einen Fahrdraht verzögern oder gar verhindern kann .
Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde einen Stromabnehmer der eingangs genannte Art bereitzustellen, der die geschilderten Nachteile überwindet .
Die Erfindung geht aus von einem Stromabnehmer für ein nicht spurgebundenes , elektrisch oder hybridelektrisch angetriebenes Straßenfahrzeug, beispielsweise für ein schweres Nutz fahrzeug . Der Stromabnehmer ist zur Einspeisung von elektrischer Energie aus einer zweipoligen, j e Kontaktpol einen Fahrdraht aufweisenden Oberleitungsanlage vorgesehen . Die als Pluspol und Minuspol ausgebildeten Fahrdrähte sind bevorzugt mittig und parallel verlaufend oberhalb eines dadurch elektri fi zierten Fahrstrei fens einer Fahrbahn mit an sich bekannten Infrastrukturkomponenten, wie Masten, Seitenhaltern, Tragseilen, Hängern, Spanneinrichtungen, und
dergleichen, auf gespannt . Der Stromabnehmer umfasst ein auf richtbares , gelenkiges Traggestänge , welches zwei voneinander beabstandet angeordnete Kontaktwippen trägt . Das Traggestänge kann pantographenartig ausgebildet sein und einen Unterarm, einen Oberarm, eine Zugstan-ge und eine Führungsstange aufweisen, die durch Gelenke mitei-nander verbunden sind . Mittels einer Hubvorrichtung des Stromabnehmers , beispielsweise einem Luftbalg, kann das Traggestänge aufgerichtet und dadurch die Kontaktwippen angehoben werden . Jedem der Kontaktpole ist j e eine der Kontaktwippen zugeordnet . Auf j eder der Kontaktwippen ist j eweils mindestens eine Schlei f leiste zur Kontaktierung des dem j eweiligen Kontaktpol zugeordneten Fahrdrahtes federnd gelagert . Vorzugsweise sind auf einer Kontaktwippe zwei in Fahrzeuglängsrichtung hintereinander und parallel zu einer Fahrzeugquerrichtung angeordnete Schlei f leisten gelagert . Es kann aber auch nur eine einzige Schlei f leiste j e Kontaktwippe gelagert sein . An seitlichen Enden der Schlei f leisten können nach unten gebogene Ablaufhörner angeordnet sein . Der Stromabnehmer umfasst auch eine die Kontaktwippen verbindende Wippenbrücke , die derart angeordnet und ausgebildet ist , dass ein zwischen den Kontaktbrücken verlaufender Fahrdraht durch Auflage auf der Wippenbrücke vor einem Absinken unterhalb der Schlei f leisten geschützt ist . Dadurch wird verhindert , dass ein in Richtung Fahrzeugmitte abgleitender Fahrdraht unterhalb eines Schlei fleistenniveaus gerät und sich dort verhakt . Zur Erfassung eines auf der Wippenbrücke aufliegenden Fahrdrahtes umfasst der Stromabnehmer einen Fahrdrahtsensor .
Erfindungsgemäß ist der Fahrdrahtsensor zur Aufnahme von mechanischen Schwingungen, welche durch einen auf die Wippenbrücke aufliegenden Fahrdraht erregt werden, ausgebildet . Gleitet während der Fahrt des Straßenfahrzeugs ein Fahrdraht von einer Schlei f leiste auf die Wippenbrücke und liegt auf dieser schlei fend auf oder schlägt eine Wippenbrücke beim Andrahten des Stromabnehmers gegen einen Fahrdraht , so werden Teile der Wippenbrücke oder die gesamte
Wippenbrücke in Schwingung versetzt . Amplituden und Frequenzmuster derartiger mechanischer Schwingungen sind charakteristisch für ein vorgegebenes Design der Wippenbrücke . Durch Ausbildung des Fahrdrahtsensors als Schwinungsaufnehmer kann dieses Phänomen zur Detektion des Ereignisses „Erfassen einer auf die Wippenbrücke aufliegneden Fahrdrahtes" benutzt werden . Hierzu können die auf genommenen Schwingungen einer Auswertungseinheit des Fahrdrahtsensors zugeführt und dort digital ausgewertet werden . Beispielsweise können die aktuell auf genommenen Schwingungsmuster auf Ähnlichkeit oder Übereinstimmung mit in der Auswertungseinheit bereitgestellten Schwingungsmustern, die einem Detektionsereignis entsprechen, verglichen werden . Als Schwingungsaufnehmer eignen sich beispielsweise Beschleunigungssensoren, welche meistens die auf eine Testmasse wirkende Trägheitskraft bestimmen . Je nach Einstellung kann der Beschleunigungssensor kurz zeitig messen, welche Beschleunigung hinsichtlich Amplitude und Richtung ein mit diesem verbundenes Teil der Wippenbrücke erfährt , oder über eine vorgebbare Zeitdauer kontinuierlich diese Beschleunigungen messen und auf zeichnen . Beschleunigungssensoren für Straßenfahrzeuge sind basierend auf mehreren Messprinzipien getestet und zugelassen . Damit können die eingangs geschilderten Probleme eines elektrischen Fahrdrahtsensors insbesondere hinsichtlich wetterbedingter Fehleranfälligkeit oder elektromagnetischer Verträglichkeit vermieden werden . Weiterhin wird die bei dem bekannten Fahrdrahtsensor aufwändig zu montierende Verkabelung erheblich vereinfacht und die elektrische I solation beider Brückenbügel der Wippenbrücke zueinander kann entfallen .
In einer vorteilhaften Aus führungs form des erfindungsgemäßen Stromabnehmers weist der Fahrdrahtsensor einen Vibrationssensor auf . Der Vibrationssensor kann beispielsweise piezoelektrisch Schwingungen des mit ihm verbundenen Teils der Wippenbrücke aufnehmen . Im Vibrationssensor ist eine so genannte seismische Masse vorgespannt , welche durch die Vibrationen auf die
Piezokeramik schlägt . Es können Beschleunigungen, Geschwindigkeiten oder reguläre Schwingungen gemessen werden . Der messbare Frequenzbereich liegt zwischen 0 , 2 und 20000 Hz . Die Betriebstemperatur liegt zwischen -50 ° C und + 85 ° C und ist damit gut für den Straßenbetrieb erfindungsgemäßer Stromabnehmer einsetzbar . Aus einem auf genommenen Akzelerogramm kann geschlossen werden, ob die sich in Fahrtrichtung bewegende Wippenbrücke aufgrund eines aufliegenden Fahrdrahtes vibriert oder ob das Schwingungsmuster hierfür nicht typisch ist .
In einer weiteren vorteilhaften Aus führungs form des erfindungsgemäßen Stromabnehmers weist der Fahrdrahtsensor einen Schocksensor auf . Ein Schocksensor umfasst elektronische Bauteile , die den Ausgangs zustand ihrer Schaltkreise aufgrund von auftretenden Stößen oder Vibrationen verändern können . Dies kann genutzt werden, um einen Aufprall eines Fahrdrahtes auf die Wippenbrücke , insbesondere beim fehlerhaften Andrahten des Stromabnehmers , fest zustellen . Durch eine integrierte MEMS-Technologie ( engl . Micro Electro Mechanical System) werden Schläge und Vibrationen fortlaufend erfasst . Die im Schocksensor integrierte Auswerteeinheit unterscheidet zwischen regulären Beschleunigungen, die beim Aufrichten und Absenken des Stromabnehmers und bei Einfederbewegungen der Kontaktwippen auftreten, und einem Stoßereignis , resultierend aus einem Aufprall eines Fahrdrahtes auf die Wippenbrücke . Sobald ein voreingestellter Grenzwert überschritten wird, erfolgt ein Ausgangssignal an eine übergeordnete Steuerung . Die Sensoren können direkt an einem Bauteile der Wippenbrücke , beispielsweise an einem oder beiden Brückenbügeln, befestigt werden .
In einer weiteren vorteilhaften Aus führungs form des erfindungsgemäßen Stromabnehmers weist der Fahrdrahtsensor ein Mikrofon auf . Die durch einen Aufprall eines Fahrdrahtes auf die Wippenbrücke und durch ein Beschlei fen der Wippenbrücke durch einen aufliegenden Fahrdraht erregten
mechanischen Schwingungen verursachen charakteristische Schallemissionen der schwingenden Teile der Wippenbrücke . Ein Mikrofon mit einem passenden Frequenzbereich kann solche Schallereignisse aufnehmen und mittels einer Auswertungseinheit auf Vorliegen eines Detektionsereignisses „Erfassen eines auf der Wippenbrücke aufliegenden Fahrdrahtes" überwachen .
In einer weiteren vorteilhaften Aus führungs form umfasst der erfindungsgemäße Stromabnehmer ferner eine Steuereinrichtung, die dazu ausgebildet ist , ein Absenken des Traggestänges mit Kontaktwippen aus zulösen, wobei die Steuereinrichtung mit dem Fahrdrahtsensor verbunden ist und ein Absenken auslöst , wenn der Fahrdrahtsensor einen auf der Wippenbrücke aufliegenden Fahrdraht erfasst hat . Um trotz Wippenbrücke Folgeschäden nach Auflage eines Fahrdrahtes zu vermeiden, wird ein Schnellabsenken des Stromabnehmers ausgelöst . Dies kann beispielsweise durch das Eigengewicht des Traggestänges und der Kontaktwippen schwerkraftgetrieben erfolgen, wenn die als Luftbalg ausgebildete Hubvorrichtung deaktiviert und ein Luftweg mit großem Ablassquerschnitt geschaltet wird .
Die Erfindung betri f ft auch ein elektrisch oder hybridelektrisch angetriebenes Straßenfahrzeug mit einem Stromabnehmer nach einem der vorangehenden Ansprüche .
Weitere Vorteile und Eigenschaften der Erfindung ergeben sich aus nachfolgender Beschreibung eines Aus führungsbeispiels anhand der Zeichnungen, in deren
FIG 1 einen erfindungsgemäßer Stromabnehmer mit Blick in Fahrzeuglängsrichtung, und
FIG 2 eine perspektivische Darstellung einer Wippenbrücke des Stromabnehmers aus FIG 1 schematisch veranschaulicht sind .
Gemäß FIG 1 und FIG 2 umfasst ein elektrisch oder hybridelektrisch ange-triebenes Straßenfahrzeug 1 , beispielsweise ein Lastkraftwagen oder Bus , einen Stromabnehmer 2 , über den auch während der Fahrt elektrische Energie aus einer Oberleitungsanlage einspeisbar ist . Die Oberleitungsanlage ist zweipolig ausgebildet und umfasst über einem Fahrstrei fen auf gespannt , j e Kontaktpol einen Fahrdraht 3 zur Bereitstellung elektrischer Energie . Der dargestellte Stromabnehmer 2 ist als Halbscherenpantograph ausgebildet und umfasst ein gelenkiges Traggestänge 4 mit einem Unterarm 5 und zwei Oberarmen 6 , die j eweils über ein Kniegelenk 7 schwenkbar mit dem Unterarm 5 verbunden sind . Jeder der beiden Oberarme 6 trägt f ahrdrahtseitig eine Kontaktwippe 8 mit zwei parallelen Schlei f leisten 9 , die parallel zu einer Fahrzeugquerrichtung Y und bezüglich einer Fahrzeuglängsrichtung X hintereinander angeordnet sind . Zur Anlen-kung des Stromabnehmers 2 an das Straßenfahrzeug 1 ist der Un-terarm 5 fahrzeugseitig über ein Basisgelenk 11 mit dem Straßenfahrzeug 1 schwenkbar verbunden und stützt sich auf eine Gestängebasis 10 ab . Mit dem Traggestänge 5 ist eine an sich bekannte und daher nicht näher dargestellte Hubvorrichtung so gekoppelt , dass die Kontaktwippen 8 anhebbar sind . Die Hubvorrichtung kann als Luftfederbalg ausgebildet sein, der bei Druckbeaufschlagung über geeignete mechanische Koppelmittel ein die Kontaktwippen 8 anhebendes Drehmoment im Basisgelenk 11 erzeugt .
In einer unteren Ruheposition der Kontaktwippen 8 ist das Traggestänge 5 des abgedrahteten Stromabnehmers 2 zusammengeklappt , so dass das Straßenfahrzeug 1 die für einen Betrieb außerhalb elektri fi zierter Fahrstrecken einzuhaltenden, maximal zulässigen Fahrzeugabmessungen nicht überschreitet und der Stromabnehmer 2 sich in einem elektrisch gesicherten Zustand befindet . Beim Andrahten des Stromabnehmers 2 wird der Unterarm 5 auf gerichtet , wobei nicht dargestellte Zugstangen ein Aufrichten der Oberarme 7 erzwingen, bis die Kontaktwippen 8 ihre in FIG 1 dargestellte , obere Kontaktposition erreicht haben, in der ein elektrischer
Kontakt zwischen Schlei f leisten 9 und Fahrdrähten 3 hergestellt ist . Hierfür ist es erforderlich, dass das Straßenfahrzeug 1 sich hinreichend mittig im elektri fi zierten Fahrstrei fen befindet , damit die Kontaktstellen der Fahrdrähte 3 innerhalb eines Arbeitsbereichs der Schlei f leisten 9 zu liegen kommen .
Der Stromabnehmer 2 umfasst eine Wippenbrücke 12 , die als Eintauchschutz für einen seitlich zwischen den benachbarten Kontaktwippen 8 verlaufenden Fahrdraht 3 ' ausgebildet ist . Ein Fahrdraht 3 kann in die in FIG 1 angedeutete Lage des Fahrdrahtes 3 ' geraten sowohl beim Andrahten des Stromabnehmers 2 als auch in angedrahtetem Zustand des Stromabnehmers 2 , wenn das Fahrzeug 1 und damit der Stromabnehmer 2 seitlich zu stark aus der Fahrstrei fenmitte des elektri fi zierten Fahrstrei fens gelenkt wird . Die Wippenbrücke 12 verhindert ein Aufsteigen der Kontaktwippen 8 aufgrund der vom Hubantrieb vermittelten Hubkraft der Kontaktwippen 8 und damit ein Eindringen des Fahrdrahtes 3 ' in den Zwischenraum zwischen den Kontaktwippen 8 , was sonst zu schweren Beschädigungen an Stromabnehmer 2 und anderen Komponenten der Oberleitungsanlage führen könnte . Die Wippenbrücke 12 ist an den Kontaktwippen 8 befestigt , um ein gegenseitiges Ausrichten der Kontaktwippen 8 bei Andrücken an eines Fahrdrahtes 3 ' an die Wippenbrücke 12 zu erreichen . Die Wippenbrücke 12 ist derart geformt und angeordnet , dass in Fahrzeuglängsrichtung X gesehen Schlei f leisten 9 und Wippenbrücke 12 eine lückenlose , glatte Auflagekurve 13 für die Fahrdrähte 3 bzw . 3 ' bilden . Hierdurch wird ein weiches Überführen eines Fahrdrahtes 3 ' zwischen den benachbarten Kontaktwippen 8 erzielt , ohne dass die Bewegungen der Kontaktwippen 8 im Normalbetrieb durch die Wippenbrücke 12 beeinflusst wird .
Die Wippenbrücke 12 weist gemäß FIG 2 zwei parallel zur Fahrzeugquerrichtung Y verlaufende und bezüglich der Fahrzeuglängsrichtung X hintereinander angeordnete Brückenbügel 14 auf . Die rohrförmigen Brückenbügel 14 sind
gebogen und fallen seitlich nach unten ab . Etwa mittig sind die Brückenbügel 14 durch einen stangenförmigen Längslenker 16 über von unten die Brückenbügel 14 umgrei fende Klammerelemente 17 verbunden . Jedes Klammerelement 17 ist mit j e einem Ende des Längslenkers 16 über ein Drehgelenk 18 mit vertikaler Drehachse gekoppelt . Die Wippenbrücke 12 weist ferner Stützelemente 19 auf , über die sich die Brückenbügel 14 an den benachbarten Kontaktwippen 8 abstützen . Dabei sind die Endabschnitte 15 der Brückenbügel 14 in Kugelgelenken 20 gelagert , die in den Stützelementen 19 angeordneten sind . Dünnschaf tige Abschlüsse der Brückenbügel 14 sind längsverschieblich durch die Kugelgelenke 20 geführt . Durch ihre gelenkigen Verbindungen und Bewegungs freiheitsgrade erlaubt die Wippenbrücke 12 Relativbewegungen der Kontaktwippen 8 und sorgt für deren gegenseitige Ausrichtung . Jede der beiden Kontaktwippen 8 weist zwei in Fahrzeuglängsrichtung X hintereinander angeordnete Schlei f leisten 9 auf , an deren seitlichen Enden nach unten gebogene Ablaufhörner 21 angeordnet sind, von welchen in FIG 2 nur die inneren Ablaufhörner 21 zu sehen sind .
Der Stromabnehmer 2 umfasst gemäß FIG 1 und FIG 2 ferner einen Fahrdrahtsensor 22 , der detektiert , wenn das Fahrzeug 1 mit angedrahtetem Stromabnehmer 2 soweit aus der Spurmitte abweicht , dass ein Fahrdraht 3 ' den Arbeitsbereich einer Schlei f leiste 9 verlassen hat und auf den Brückenbügeln 14 der Wippenbrücke 12 auf liegt . Erfindungsgemäß ist der Fahrdrahtsensor 22 zur Aufnahme von mechanischen Schwingungen, welche durch einen auf die Wippenbrücke 12 auf liegenden Fahrdraht 3 ' erregt werden, ausgebildet . Gleitet während der Fahrt des Straßenfahrzeugs 1 ein Fahrdraht 3 ' von einer Schlei f leiste 9 auf die Wippenbrücke 12 und liegt auf dieser schlei fend auf oder schlägt eine Wippenbrücke 12 beim Andrahten des Stromabnehmers 2 gegen einen Fahrdraht 3 ' , so werden Teile der Wippenbrücke 12 oder die gesamte Wippenbrücke 12 in Schwingung versetzt . Amplituden und Frequenzmuster derartiger mechanischer Schwingungen sind charakteristisch für ein vorgegebenes Design der Wippenbrücke
12 . Durch Ausbildung des Fahrdrahtsensors 22 als Schwinungsaufnehmer kann dieses Phänomen zur Detektion des Ereignisses „Erfassen einer auf die Wippenbrücke 12 aufliegneden Fahrdrahtes 3 '" benutzt werden . Hierzu können die auf genommenen Schwingungen einer Auswertungseinheit des Fahrdrahtsensors 22 zugeführt und dort digital ausgewertet werden . Beispielsweise können die aktuell auf genommenen Schwingungsmuster auf Ähnlichkeit oder Übereinstimmung mit in der Auswertungseinheit bereitgestellten Schwingungsmustern, die einem Detektionsereignis entsprechen, verglichen werden . Als Schwingungsaufnehmer eignen sich beispielsweise Beschleunigungssensoren, welche die auf eine Testmasse wirkende Trägheitskraft bestimmen . Je nach Einstellung kann der Beschleunigungssensor kurz zeitig messen, welche Beschleunigung hinsichtlich Amplitude und Richtung ein mit diesem verbundenes Teil der Wippenbrücke 12 erfährt , oder über eine vorgebbare Zeitdauer kontinuierlich diese Beschleunigungen messen und auf zeichnen .
Der Fahrdrahtsensor 22 kann auch einen Vibrationssensor aufweisen, der beispielsweise piezoelektrisch Schwingungen des mit ihm verbundenen Teils der Wippenbrücke 12 aufnimmt . Im Vibrationssensor ist eine so genannte seismische Masse vorgespannt , welche durch die Vibrationen auf die Piezokeramik schlägt . Es können Beschleunigungen, Geschwindigkeiten oder reguläre Schwingungen gemessen werden . Der messbare Frequenzbereich liegt zwischen 0 , 2 und 20000 Hz . Die Betriebstemperatur liegt zwischen -50 ° C und + 85 ° C und ist damit gut für den Straßenbetrieb erfindungsgemäßer Stromabnehmer 2 einsetzbar . Aus einem auf genommenen Akzelerogramm kann geschlossen werden, ob die sich in Fahrtrichtung bewegende Wippenbrücke 12 aufgrund eines aufliegenden Fahrdrahtes 3 ' vibriert oder ob das Schwingungsmuster hierfür nicht typisch ist .
Der Fahrdrahtsensor 22 kann auch einen Schocksensor aufweisen . Ein Schocksensor umfasst elektronische Bauteile , die den Ausgangs zustand ihrer Schaltkreise aufgrund von
auftretenden Stößen oder Vibrationen verändern können . Dies kann genutzt werden, um einen Aufprall eines Fahrdrahtes 3 ' auf die Wippenbrücke 12 , insbesondere beim fehlerhaften Andrahten des Stromabnehmers 2 , fest zustellen . Durch eine integrierte MEMS-Technologie ( engl . Micro Electro Mechanical System) werden Schläge und Vibrationen fortlaufend erfasst . Die im Schocksensor integrierte Auswerteeinheit unterscheidet zwischen regulären Beschleunigungen, die beim Aufrichten und Absenken des Stromabnehmers 2 und bei Einfederbewegungen der Kontaktwippen 8 auftreten, und einem Stoßereignis , resultierend aus einem Aufprall eines Fahrdrahtes 3 ' auf die Wippenbrücke 12 . Sobald ein voreingestellter Grenzwert überschritten wird, erfolgt ein Ausgangssignal an eine Steuereinrichtung 23 des Stromabnehmers 2 . Die Sensoren können direkt an einem Bauteile der Wippenbrücke 12 , beispielsweise an einem oder beiden Brückenbügeln 14 , befestigt werden .
Der Fahrdrahtsensor 22 kann auch ein Mikrofon aus fweisen . Die durch einen Aufprall eines Fahrdrahtes 3 ' auf die Wippenbrücke 12 und durch ein Beschlei fen der Wippenbrücke 12 durch einen aufliegenden Fahrdraht 3 ' erregten mechanischen Schwingungen verursachen charakteristische Schallemissionen der schwingenden Teile der Wippenbrücke 12 . Ein Mikrofon mit einem passenden Frequenzbereich kann solche Schallereignisse aufnehmen und mittels einer Auswertungseinheit auf Vorliegen eines Detektionsereignisses „Erfassen eines auf der Wippenbrücke 12 auf liegenden Fahrdrahtes 3 '" überwachen .
In j edem Fall ist eine Steuereinrichtung 23 des Stromabnehmers 2 dazu ausgebildet , ein Absenken des Traggestänges 4 mit Kontaktwippen 8 aus zulösen, wobei die Steuereinrichtung 23 mit dem Fahrdrahtsensor 22 verbunden ist und ein Absenken auslöst , wenn der Fahrdrahtsensor 22 einen auf der Wippenbrücke 12 auf liegenden Fahrdraht 3 ' erfasst hat . Um trotz Wippenbrücke 12 Folgeschäden nach Auflage eines Fahrdrahtes 3 ' und/oder nach Bruch eines Schlei f Stückes zu vermeiden, wird ein Schnellabsenken des Stromabnehmers 2
ausgelöst . Dies kann beispielsweise durch das Eigengewicht des Traggestänges 4 und der Kontaktwippen 8 schwerkraftgetrieben erfolgen, wenn die als Luftbalg ausgebildete Hubvorrichtung deaktiviert und ein Luftweg mit großem Ablassquerschnitt freigeschaltet wird .