Beschreibung
Verfahren zur Erzeugung einer Umqebunaskarte für einen mobilen Logistik-Roboter und mobiler Logistik-Roboter
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Erzeugung einer Umgebungskarte für einen mobilen Logistik-Roboter, wobei die Umgebung mittels einer Sensorik erfasst wird und die Sensordaten in einer Prozessoreinheit ausgewertet werden, wobei ein virtuelles Raster der Umgebung mit Zellen erzeugt wird, wobei die Zellen, in denen Objekte detektiert werden, als belegte Zellen gekennzeichnet werden und die Zellen, in denen keine Objekte detektiert werden, als freie Zellen gekennzeichnet werden, wodurch eine Repräsentation der Umgebung erzeugt wird.
Ferner betrifft die Erfindung einen mobilen Logistik-Roboter zur Durchführung des Verfahrens.
Mobile Logistik-Roboter kommen vermehrt in der Industrie und in Logistikbetrieben zum Einsatz, um Abläufe in der industriellen Fertigung und bei logistischen Aufgaben, beispielsweise bei der Kommissionierung, zu automatisieren. Meist werden dabei mobile Logistik-Roboter mit Armmanipulatoren, insbesondere Roboterarmen, eingesetzt. Ein Beispiel hierfür sind so genannte Knickarmroboter.
Besonders anspruchsvoll ist die Umsetzung mobiler Logistik-Robotern, insbesondere autonomen Flurförderzeugen mit Roboterarmen zur Lasthandhabung, zum Beispiel mobilen Kommisssionierrobotern, weil sich Logistik-Roboter frei in einem Logistikbereich, zum Beispiel einer Lagerhalle, bewegen sollen. Dabei treffen die mobilen Logistik-Roboter ständig auf völlig neue Arbeitsumgebungen.
Um eine Lokalisierung und Navigation eines mobilen Logistik-Roboters in solchen wechselnden Arbeitsumgebungen zu ermöglichen, müssen Umgebungskarten für den mobilen Logistik-Roboter laufend aktuell erstellt werden.
Es gibt unterschiedliche Methoden, Umgebungskarten für mobile Logistik-Roboter zu erzeugen. Zum einen kann man auf 2D-Karten, sogenannte Grid-Maps, setzen, in
denen die Daten aus 2D-Sensorik, zum Beispiel Laserscans, eingezeichnet werden. Die Grid-Map basiert auf einem Raster, dem Grid, mit Zellen in Größen von jeweils beispielsweise 10 cm x 10 cm. Alles was mit der 2D-Sensorik gesehen wird, wird als „belegt" in die Karte eingetragen. Zellen, die von der Sensorquelle bis zu einem Objekt geschnitten werden, werden als frei gekennzeichnet. So entsteht eine 2D- Repräsentation der Umgebung, allerdings ohne die Information, um welches Objekt es sich handelt, d.h. ohne die Information, welches Objekt eine Zelle belegt. Das gleiche Verfahren kann auch bei einer 3D-Sensorik verwendet werden. Hier wird dann zum Beispiel ein Octree genutzt. Das Verfahren gleicht dem der 2D-Sensorik, nur mit dem Unterschied, dass die Zellen jetzt dreidimensional sind, das heißt in der Größe beispielsweise 10 cm x 10 cm x 10 cm betragen. Dabei werden für die Karte ebenfalls nur die reinen Sensorinformationen verwendet, so dass eine Repräsentation der Umgebung entsteht. Ein Rückschluss auf Objekte in der Karte, d.h. welche Objekte die Zellen belegen, ist nicht möglich oder bedarf der nachträglichen Bearbeitung.
Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren der genannten Art sowie einen mobilen Logistik-Roboter zur Durchführung des Verfahrens so auszugestalten, dass Umgebungskarten mit einem höheren Informationsgehalt erzeugt werden können.
Diese Aufgabe wird verfahrensseitig erfindungsgemäß dadurch gelöst, dass in der Prozessoreinheit die Objekte, die die Zellen belegen, identifiziert werden.
Mit der Erfindung kann die Lücke der bekannten Kartierungsverfahren geschlossen werden, die darin besteht, dass man nicht weiß, um welche Objekte es sich bei den Objekten handelt, die die Zellen belegen. Mit der Identifikation der Objekte wird es somit ermöglicht, in der erzeugten Umgebungskarte auch das Ergebnis der Identifikation der Objekte einzutragen, d.h. die Information, um welches Objekt es sich handelt, das eine Zelle belegt. Der mobile Logistik- Roboter erhält mit der Erfindung gezielte Informationen darüber, wo sich welche Objekte befinden.
Dabei werden die Objekte zweckmäßigerweise mittels Bildverarbeitungsmethoden identifiziert. In diesem Zusammenhang ist es von Vorteil, eine Sensorik zu verwenden, die mindestens einen optischen Sensor, insbesondere eine Kamera, umfasst. Die
Sensordaten können dann in der Prozessoreinheit mittels bildgebender Verfahren ausgewertet werden, so dass die Objekte identifiziert werden können.
Eine bevorzugte Weiterbildung der Erfindung sieht vor, dass die Objekte mittels Methoden künstlicher Intelligenz identifiziert werden.
Zur Identifikation werden die Objekte vorteilhafterweise in mindestens einer Objekterkennungseinheit der Prozessoreinheit, die insbesondere mit bildgebenden Verfahren und/oder künstlicher Intelligenz arbeitet, erkannt.
Mit der Objekterkennung wird es ermöglicht, dass die Objekte mit ihrer Pose, also sowohl den translatorischen Raum-Koordinaten x, y und z als auch den Orientierungs- Koordinaten roll, pitch und yaw, das heißt mit Position und Ausrichtung, sowie mit ihren Ausmaßen, d.h. die Breite, Höhe und Tiefe, in die Umgebungskarte eingetragen werden. Wird ein Objekt wiedererkannt, kann dieses als natürliche Landmarke für die Lokalisierung dienen.
Zur Identifikation können die Objekte auch in mindestens einer Klassifizierungseinheit der Prozessoreinheit klassifiziert werden. Hierzu wird neben der Pose und den Ausmaßen des Objekts noch mindestens eine weitere Eigenschaft des detektierten Objekts bei der Eintragung in die Karte berücksichtigt.
Dabei werden die Objekte vorzugsweise in statische, manipulierbare und dynamische Objekte klassifiziert und in der Umgebungskarte eingetragen. Die Objekte werden also unterschieden nach statischen Objekten, wie zum Beispiel Wänden, Säulen, Regale, nach manipulierbaren Objekten, wie zum Beispiel Paletten, Boxen, Gitterboxen, und dynamischen Objekten, wie zum Beispiel Personen und Fahrzeugen. Die dynamischen Objekte sind für eine Lokalisierung nie zu verwenden und können damit immer für diese Aufgabe ausgeschlossen werden. Nützlich ist die Information aber zum Beispiel für ein Managementsystem, welches erfassen kann, wo sich gerade welches Fahrzeug befindet.
Die erzeugte Umgebungskarte kann hierbei beispielswiese aus folgenden drei Teilen aufgebaut werden:
1 ) Karte für die statischen Objekte: Diese Karte ist sehr gut geeignet für die Lokalisierung des mobilen Logistik-Roboters.
2) Karte für manipulierbare Objekte: Diese Karte kann zur Nachverfolgung des Warenbestands und somit zur Inventur verwendet werden.
3) Karte für dynamische Objekte: Diese Karte kann zum Beispiel für die Lokalisierung von allen Fahrzeugen, sowohl von robotischen als auch von nicht robotischen Fahrzeugen, die keine Sensorik an Bord haben, eingesetzt werden.
Insgesamt kann über solch eine Kartenstruktur in der Prozessoreinheit auch ein digitaler Zwilling der Umgebung des Logistik-Roboters, insbesondere eines Lagerhauses samt Inventar, erzeugt werden.
Wie die Ausgestaltung der Umgebungskarte umgesetzt wird, also mit allen Objekte in einer Karte oder aufgeteilt auf mehrere Karten, ist dabei wählbar.
Um die Qualität der Identifikation der Objekte zu erhöhen, ist gemäß einer bevorzugten Weiterbildung des Erfindungsgedankens vorgesehen, dass mehrere, insbesondere verschiedene, Klassifizierungseinheiten und/oder mehrere, insbesondere verschiedene, Objekterkennungseinheiten fusioniert werden.
Eine weitere Möglichkeit der Fusion besteht vor der Klassifizierung und/oder Objekterkennung. So können Sensorsignale verschiedener Sensoren der Sensorik an die Klassifizierungseinheit und/oder Objekterkennungseinheit übergeben werden.
Hierzu können unterschiedliche Sensortypen als Eingabe genutzt werden, wie zum Beispiel Laserscanner, RGB-Kameras, Depth-Kameras, RGBD-Kameras, Radarsensoren etc..
Bei den zu identifizierenden Objekten kann es sich insbesondere um alle Objekte handeln, die in einem Warenlager oder deren Außenbetriebsgeländen zu finden sind. Hierzu gehören zum Beispiel Paletten, Feuerlöscher, Türen, Notausgangsschilder, Wände, Decken, Bodenmarkierungen, etc..
Die Erfindung betrifft außerdem einen mobilen Logistik-Roboter zur Durchführung des Verfahrens mit einer Einrichtung zur Erzeugung einer Umgebungskarte für den mobilen
Logistik-Roboter, die eine Sensorik zur Erfassung der Umgebung des mobilen Logistik- Roboters und eine Prozessoreinheit zur Auswertung der Sensordaten umfasst, wobei die Prozessoreinheit dazu eingerichtet ist, ein virtuelles Raster der Umgebung mit Zellen zu erzeugen und die Zellen, in denen Objekte detektiert werden, als belegte Zellen zu kennzeichnen und die Zellen, in denen keine Objekte detektiert werden, als freie Zellen zu kennzeichnen, wodurch eine Repräsentation der Umgebung erzeugbar ist.
Beim mobilen Logistik-Roboter wird die gestellte Aufgabe dadurch gelöst, dass die Prozessoreinheit eine Identifikationseinheit umfasst, die dazu ausgebildet ist, die Objekte, die die Zellen belegen, zu identifizieren.
Dabei umfasst die Identifikationseinheit zweckmäßigerweise mindestens eine Klassifizierungseinheit und/oder mindestens eine Objekterkennungseinheit.
Außerdem umfasst die Sensorik bevorzugt mindestens einen optischen Sensor, insbesondere einen Laserscanner und/oder eine Kamera.
Die Sensorik kann auch mindestens einen Radar-Sensor umfassen.
Die Erfindung bietet eine ganze Reihe von Vorteilen:
Die Erfindung ermöglicht die Erzeugung einer semantischen Karte als Umgebungskarte des mobilen Logistik-Roboters. Somit kann die Lücke, um welche Objekte es sich in einer Karte handelt, geschlossen werden. Die Datenmenge für diese semantische Karte kann außerdem wesentlich kleiner gehalten werden, was zu Einsparungen in den Resourcen führt. Die Erfindung führt weiterhin dazu, dass man einfacher Rückschluss erhält, wo welche Objekte stehen.
Zudem erhalten die Karten wesentlich mehr Informationen über die Objekte, so dass auch nach diesen gefiltert werden kann, um diese zu finden oder sie zu manipulieren, das heißt aufzunehmen, zu verlagern, etc.. Insgesamt können sehr viel mehr Operationen, basierend auf der semantischen Karte, ausgeführt werden, als es bei herkömmlichen Kartierungsverfahren, zum Beispiel bei Grid-Maps, der Fall ist.
Ausgestaltungsmöglichkeiten gibt es vor allem in den digitalen Services, die hinter der erfindungsgemäßen Karte stehen. So kann die Erfindung zum Beispiel zur Inventur, zum Warentracking innerhalb des Warenhauses, zur Erkennung von Schäden an der Infrastruktur, zur Erkennung von Anomalien (wie Notausgang ist zugeparkt oder Fahrzeuge stehen in Parkverboten), zur Unfallverhütung und Unfallvermeidung verwendet werden.
Weitere Vorteile und Einzelheiten der Erfindung werden anhand der in den schematischen Figuren dargestellten Ausführungsbeispiele näher erläutert. Hierbei zeigen
Figur 1 ein Fließdiagramm zur Erzeugung der Umgebungskarte,
Figur 2 ein Beispiel einer Klassifizierung von dynamischen Objekten,
Figur 3 ein Beispiel einer Klassifizierung von manipulierbaren Objekten und
Figur 4 ein Beispiel einer Klassifizierung von statischen Objekten.
Die Figur 1 zeigt ein Fließdiagramm zur Erzeugung der erfindungsgemäßen Umgebungskarte 5 für einen mobilen Logistik-Roboter mittels einer Einrichtung 15. Das Objekt 1 , zum Beispiel ein Regal, wird durch die Sensorik 2, die optische Sensoren 6 umfasst, welche beispielsweise als Kameras 7 ausgebildet sind, erfasst. Die Sensordaten der Sensoren 6 werden der Prozessoreinheit 3 übergeben, die über eine Identifikationseinheit 14 verfügt, welche Objekterkennungseinheiten 4 und Klassifizierungseinheiten 8 umfasst. Die Objekterkennungseinheiten 4 erkennen das Objekt beispielsweise mittels Bildverarbeitungsverfahren und ermitteln die Position, Ausrichtung und Ausbreitung (Ausmaße) des Objekts 1. Die Klassifizierungseinheiten 8 klassifizieren das Objekt 1, beispielsweise unter Nutzung von Methoden der künstlichen Intelligenz, als statisches, manipulierbares oder dynamisches Objekt 1.
Um die Qualität der Objekterkennung und Objektklassifikation zu erhöhen, können mehrere Klassifizierungseinheiten 8 und Objekterkennungseinheiten 4 fusioniert werden.
Aus den Ergebnissen der Klassifizierungseinheiten 8 und Objekterkennungseinheiten 4 wird die Umgebungskarte 5 in der Prozessoreinheit 3 erstellt. In die Umgebungskarte 5 werden somit erkannte Objekte 1 mit ihrer Position, Ausrichtung und Ausbreitung (Ausmaße) eingetragen sowie mit der weiteren Eigenschaft eingetragen, um welches Objekt 1 es handelt, d.h. ob es sich um ein statisches Objekt oder ein manipulierbares Objekt oder ein dynamisches Objekt handelt.
Weiterhin können die Sensorsignale der verschiedenen Sensoren 6 der Sensorik 2 vor den Objekterkennungseinheiten 4 und Klassifizierungseinheiten 8 fusioniert und an diese übergeben werden.
Die Figur 2 zeigt ein Beispiel einer Klassifizierung von dynamischen Objekten 1 aus der Sicht des mobilen Logistik-Roboters, der mit der Einrichtung 15 der Figur 1 versehen ist. Dabei werden Flurförderzeuge 9 und 10 in der Umgebung des mobilen Logistik-Roboters als dynamische Objekte 1 klassifiziert und in die Umgebungskarte eingetragen. Die dynamischen Objekte 1 sind für eine Lokalisierung nie zu verwenden und können damit immer für diese Aufgabe ausgeschlossen werden. Nützlich ist die Information aber zum Beispiel für ein Managementsystem, welches erfassen kann, wo sich gerade welches Flurförderzeug 9, 10 befindet.
Die Figur 3 zeigt ein Beispiel einer Klassifizierung von manipulierbaren Objekten 1 aus der Sicht des mobilen Logistik-Roboters, der mit der Einrichtung 15 der Figur 1 versehen ist. Dabei werden Pakete 11 , 12 in der Umgebung des mobilen Logistik- Roboters als zu manipulierende Objekte 1 klassifiziert und in die Umgebungskarte eingetragen. Diese Informationen können zur Nachverfolgung des Warenbestands und somit zur Inventur verwendet werden.
Schließlich zeigt noch die Figur 4 ein Beispiel einer Klassifizierung von statischen Objekten 1 aus der Sicht des mobilen Logistik-Roboters, der mit der Einrichtung 15 der Figur 1 versehen ist. Dabei werden Bodenmarkierungen 13 in der Umgebung des mobilen Logistik-Roboters als statische Objekte 1 klassifiziert und in die Umgebungskarte eingetragen. Die Bodenmarkierungen 13 können zur Lokalisierung und Navigation des mobilen Logistik-Roboters verwendet werden.