TITEL
VERFAHREN UND DRUCKSENSOREINHEIT
TECHNISCHES GEBIET
Die vorliegende Erfindung betrifft Verfahren zur Abfrage von Sensorwerten eines Drucksensorlakens, insbesondere eines textilen Drucksensorlakens, sowie eine Drucksensoreinheit.
STAND DER TECHNIK
Optimale Patientenüberwachung ist insbesondere aufgrund der personellen Unterbesetzung im Pflegebereich ein zunehmendes Problem. Technische Lösungen können hier Abhilfe schaffen und mehr Sicherheit sowie Entlastung in der Patientenbetreuung gewährleisten.
US 5 144 284 offenbart eine Matte mit Drucksensoren, die auf ein Bett gelegt werden kann, um die Bewegung eines Patienten zu überwachen. WO 2012/153263 A1 betrifft ein Sensorkissen mit Drucksensoren zur Schlafüberwachung.
WO 01/75924 A1 beschreibt Drucksensoren in Form eines elektrisch leitenden Gewebes. Es ist erwähnt, dass ein derartiges Sensorgewebe in Kombination mit einer Matratze verwendet werden kann. EP 1 269 502 B1 offenbart eine Sensormatte mit einer elektrisch leitenden Schicht.
EP 3 736 364 A1 zeigt eine textile Sensormatte für ein Bett, wobei die Sensormatte zur Bestimmung der Druckverteilung bei bettlägerigen Personen verwendet wird.
In EP 3 415 134 B1 sollen die Dekubitusrisiken von bettlägerigen Patienten mittels einer Sensormatte überwacht und somit vermindert werden. Hierzu werden bandförmige Sensoren eingesetzt. Auch EP 3 769 676 A1 überwacht Druckveränderungen auf einem Bett mittels bandförmigen Sensoren.
EP 3 447 463 B1 der Firma Sefar AG offenbart einen textilen Drucksensor In einer Ausführungsform gemäss den Figuren 7 und 8 weist eine erste Gewebelage elektrisch leitfähige Fäden auf, die sich in eine erste Richtung erstrecken. Eine zweite Gewebelage mit elektrisch leitfähigen Fäden erstreckt sich in eine zweite Richtung, die senkrecht zur ersten Richtung verläuft. Zwischen den zwei Gewebelagen ist eine piezoresistive dritte Gewebelage angeordnet. Diese dritte Gewebelage ändert in Abhängigkeit der Druckkrafteinwirkung ihren Widerstand und somit ihre elektrische Leitfähigkeit. Wird ein Messstrom an die elektrisch leitenden Fäden angelegt wird die Matte mit einem Druck beaufschlagt, so ändert sich an den Kreuzungsbereichen der elektrische Widerstand. Diese Änderung dient als Mass für den anliegenden Druck und kann durch eine Steuereinheit erfasst werden.
J. Cheng, et al., Smart-surface: Large scale textile pressure sensors arrays for activity recognition, Pervasive and Mobile Computing (2016), http://dx.doi.Org/10.1016/i.pmci.2016.01.007, offenbart eine Sensormatte der Sefar AG mit einer dritten Gewebelage, die aus einem drucksensitiven Material mit dem Markennamen CARBOTEX® der Firma Sefar AG besteht. Die elektrisch leitenden Fäden bilden ein Gitter bzw. eine Matrix n x m mit Kreuzungsbereichen. Jeder Kreuzungsbereich agiert als Drucksensor und entspricht einem Pixel der Druckverteilungsmatrix. Ein FPGA (Field Programmable Gate Array) steuert ultraschnelle Schaltereinheiten (Switch-Arrays) und Analog-Digital Wandler (ADC, Analog Digital Converter) und sammelt Daten der Matrix. Jede Matrixspalte i von n wird einzeln eingeschaltet, wobei die übrigen deaktiviert werden. Die Spannungen in den m Zeilen entsprechend dann den an den Kreuzungsbereichen der m Zeilen der i-ten Spalte. Diese Spannungen der m Zeilen werden an Multiplexer weitergeleitet und in die ADC's gespeist. Im nächsten Schritt wird die nächste Spalte i+1 eingeschaltet und die entsprechenden Spannungen in den m Zeilen weitergeleitet. Wie die einzelnen Multiplexer gesteuert werden, ist nicht beschrieben. Die spaltenweise Abfrage führt zu einer Datenreihe, die der Druckverteilung entspricht. Es werden n ADC's und n zugehörige Multiplexer benötigt, Es wird angegeben, dass 128x128 Sensorpunkte in 40 Bildern pro Sekunde an einen Computer weitergeleitet werden können. Anschliessend wird eine Bildanalyse durchgeführt.
Je mehr Sensorpunkte eine Sensormatte aufweist, umso mehr Zeit wird für die Erfassung der Messwerte benötigt. Dies erhöht die Kosten für die entsprechende Elektronik und Software.
DARSTELLUNG DER ERFINDUNG
Es ist eine Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren zur Abfrage von Sensorwerten eines Drucksensorlakens und eine Drucksensoreinheit zu schaffen, die in möglichst kurzer Zeit die Sensorwerte des gesamten Lakens auslesen können und trotzdem kostengünstig sind.
Diese Aufgabe lösen ein Verfahren und eine Drucksensoreinheit mit den Merkmalen des Anspruchs 1 bzw. 16.
Das erfindungsgemässe Verfahren zur Abfrage von Sensorwerten eines Drucksensorlakens verwendet ein Drucksensorlaken, das aufweist
- eine erste Lage mit parallel zu einander verlaufenden ersten Leiterbahnen,
- eine zweite Lage mit parallel zueinander verlaufenden zweiten Leiterbahnen und
- eine zwischen der ersten und zweiten Lage angeordneten Mittelschicht.
Die erste und zweite Lage sind derart relativ zueinander angeordnet, dass die ersten Leiterbahnen senkrecht zu den zweiten Leiterbahnen verlaufen und die erste und zweite Lage ein gemeinsames Gitter, nachfolgend Matrix genannt. Die Matrix weist Zeilen auf, gebildet durch die ersten Leiterbahnen, und Spalten, gebildet durch die zweiten Leiterbahnen.
Die Zeilen und die Spalten der Matrix bilden Kreuzungspunkte, in denen sich die ersten und zweiten Leiterbahnen durch die Mittelschicht beabstandet zueinander kreuzen und die als Sensorpunkte dienen.
Eine äussere Druckeinwirkung ändert den Abstand zwischen den ersten und zweiten Leiterbahnen in mindestens einem der Kreuzungspunkte. Diese Änderung wird mittels einer elektronischen Schaltung detektiert und als ein Wert ausgelesen, wobei zwecks Auslesung des Werts eine elektrische Spannung an die ersten Leiterbahnen angelegt wird und die Änderung an den zweiten Leiterbahnen bestimmt wird.
Mittels mindestens einer Zählereinheit werden die Zeilen mit den ersten Leiterbahnen und die Spalten mit den zweiten Leiterbahnen durchgetaktet, um einzeln nacheinander die Werte an allen Kreuzungspunkten zu bestimmen. Dabei wird a) nach Massgabe der mindestens einen Zählereinheit eine erste Schaltereinheit betätigt und die elektrische Spannung wird an eine einzige der ersten Leiterbahnen angelegt, und b) nach Massgabe der mindestens einen Zählereinheit eine zweite Schaltereinheit mehrfach betätigt und die Änderungen in den zweiten Leiterbahnen werden einzeln nacheinander bestimmt.
Alle an den zweiten Leiterbahnen bestimmten Änderungen werden von einem einzigen Analog-Digital-Wandler (ADC) umgewandelt. Die Schritte a) und b) werden wiederholt, indem in Schritt a) nach Massgabe der mindestens einen Zählereinheit die erste Schaltereinheit betätigt wird, um die elektrische Spannung an eine einzige andere der ersten Leiterbahnen anzulegen. Die Schritte a) und b) werden vorzugsweise solange wiederholt, bis alle Zeilen und alle Spalten der Matrix durchgetaktet sind.
Die Begriffe "Zeilen" und "Spalten" sind nicht auf die Ausrichtung des Lakens auf einem Bett eingeschränkt. Sie sind auch nicht darauf eingeschränkt, dass die Spalten in Längsrichtung und die Zeilen in Querrichtung des Lakens verlaufen. Sie sollen lediglich darlegen, dass die ersten Leiterbahnen senkrecht zu den zweiten Leiterbahnen verlaufen und die Leiterbahnen in der Draufsicht eine Gitterstruktur bilden.
Der Begriff "Laken" umfasst nicht nur Einheiten, die auf einem Bett aufgelegt werden. Er umfasst auch Einheiten zur Verwendung in, auf oder an Körpern, die dem menschlichen Körper zum Liegen oder Sitzen dienen. Beispielsweise sind sie Teil einer Matratze, eines Bettenrosts, einer Liege, eines Sessels, eines Stuhls, eines Sofas oder eines Autositzes. Im Folgenden werden die Begriffe "Drucksensorlaken" und "Sensorlaken" verwendet. Sie umfassen jedoch auch die erwähnten in anderen Körpern integrierten, auf andere Körper aufgelegte oder mit anderen Körpern verbundenen Ausführungsformen.
Das Drucksensorlaken ist vorzugsweise ein textiles Sensorlaken.
Die Lagen sind vorzugsweise, jedoch nicht ausschliesslich, Gewebelagen. Im Folgenden wird der Begriff "Gewebelagen" verwendet, wobei auch andere Arten von selbsttragenden und nicht-selbsttragenden Materiallagen mitumfasst sind. Vorzugsweise ist die Lage selbsttragend.
Die Lagen sind in einigen Ausführungsformen Materiallagen, auf oder in denen die ersten und zweiten Leiterbahnen angeordnet sind. In anderen Ausführungsformen ist eine oder sind beide Lagen durch die Leiterbahnen selber gebildet und bestehen nicht aus einer eigenen, separaten Materiallage. So lassen sich beispielsweise die ersten und/oder die zweiten Leiterbahnen auf die Mittelschicht aufnähen. Hierzu lässt sich beispielsweise eine Stickmaschine verwenden, die die ersten bzw. zweiten Leiterbahnen in einem vorgegebenen Muster auf die Mittelschicht befestigt. Hierzu wird vorzugsweise ein elektrisch nichtleitender Faden verwendet.
Vorzugsweise sind nur die ersten oder die zweiten Leiterbahnen auf der Mittelschicht aufgenäht. Die anderen Leiterbahnen sind auf eine eigene, separaten Materiallage, insbesondere einem textilen Material, aufgenäht. Das Material ist vorzugsweise ein Gewebe, ein Gewirke, ein gewalkter Stoff, ein Gestrick, ein Geflecht, ein Nähgewirk, ein Vliesstoff oder ein Filz. In dieser Ausführungsform sind die weiter unten im Text genannten Flexprints vorzugsweise auf dieser eigenen, separaten Materiallage befestigt, vorzugsweise ebenfalls aufgenäht. D.h. auch die Flexprints, die mit den auf der Mittelschicht befestigten Leiterbahnen verbunden sind, sind auf der eigenen, separaten Materiallage befestigt. Die Mittelschicht ist vorzugsweise kleiner ausgebildet als die eigene, separate Materiallage, so dass die separate Materiallage mindestens einen Rand der Mittelschicht überragt. Verbindungsbahnen, die die ersten und zweiten Leiterbahnen mit den Flexprints verbinden, sind ebenfalls auf der separaten Materiallage aufgenäht. Die Flexprints, auch Elektronikeinheiten genannt, lassen sich zusätzlich oder alternativ auch aufkleben, mit Klebestreifen oder Haftstreifen befestigen, aufcrimpen oder auf eine andere Art und Weise befestigen.
Vorzugsweise sind die Verbindungsbahnen die einteiligen Verlängerungen der ersten und zweiten Leiterbahnen. Dies bedeutet, dass diejenigen Leiterbahnen, die auf der Mittelschicht angenäht oder aufgenäht sind, an mindestens einem ihrer Enden auf der separaten Materiallage aufgenäht bzw. angenäht sind. Die Mittelschicht dieser Ausführungsform ist vorzugsweise Carbotex®, ein von der Firma Sefar AG vertriebenes Material. Andere Materialien, die als Sensorelemente dienen, lassen sich ebenfalls verwenden. Die ersten und zweiten Leiterbahnen sind vorzugsweise elektrisch leitende Fäden, Drähte oder Kabel. Sie sind vorzugsweise flach oder rund in ihrem Querschnitt. Vorzugsweise sind sie silberbeschichtete Kupferdrähte oder andere Drähte, die eine optimale Leitfähigkeit besitzen.
Im erfindungsgemässen Verfahren wird vorzugsweise jeweils nur eine einzige Zeile des Sensorlakens eine elektrische Spannung angelegt, d.h. es wird nur eine einzige Zeile bestromt. An den übrigen Zeilen des Sensorlakens liegt keine elektrische Spannung an, d.h. sie sind nicht bestromt und weisen ein Null-Potential auf. Somit können an den Spalten nur die Werte dieser einzigen Zeile ausgelesen werden, diejenigen der übrigen Zeilen nicht. Da die Spalten einzeln abgefragt werden, wird jeweils nur der Wert eines einzigen Kreuzungspunktes übermittelt, obwohl auch die übrigen Spalten Signale liefern könnten.
Da die Steuerung bestimmt, an welcher Zeile die Spannung anliegt, und da diese Steuerung auch bestimmt, welche Spalte gerade ausgelesen wird, ist die Ortsinformation des Kreuzungspunktes und somit des ausgelesenen Sensors bekannt. Die Ortsinformation muss somit nicht als weiterer Wert an die Steuerung geliefert werden. Pro Kreuzungspunkt genügt eine einzige Messschaltung. Dies reduziert die Datenmenge und erhöht die Geschwindigkeit bei der Abfrage.
Vorteilhaft ist ferner, dass kein "Einpendeln" einer Spannung abgewartet werden muss. Die Spannung lässt sich unmittelbar am Analog-Digital Wandler (ADO) erkennen, wenn die Weichen für die Zeile und die Spalte gelegt ist, d.h. wenn der jeweilige Kreuzungspunkt eingestellt ist.
Als Schaltereinheiten werden vorzugsweise "Switch-Arrays" verwendet. Die Schaltereinheiten sind vorzugsweise keine Multiplexer.
Die Spannungsauswertung erfolgt über den einzigen ADO. Der ADO ist vorzugsweise ein 12Bit ADO. Vorzugsweise übermittelt der ADO die digitalisierten Werte über ein Bus- System (SPI) an einen Raspberry PI. Es sind keine weiteren aufwendigen Bauteile notwendig.
Vorzugsweise werden die digitalen IO (input, output) während eines Auslesevorgangs der Matrix nicht neu konfiguriert, sondern erst bei vor einer erneuten Abfrage der Matrix. Die digitalen IO (input, output) sind üblicherweise Teil des Rasperry PI.
Der ADO ist vorzugsweise ein eigenständiges Bauteil, das von der Spannungsauswertung getrennt ausgebildet ist.
Die Messschaltungen inkl. die Schalte- und Zählereinheiten sind vorzugsweise auf Flexprints angeordnet. Vorzugsweise ist auch der ADO auf einem der Flexprints angeordnet. Vorzugsweise ist ein Flexprint für die Zeilen und ein Flexprint für die Spalten vorhanden. Es lassen sich auch zwei oder mehr Flexprints für die Zeilen bzw. Spalten hintereinander anordnen und verbinden. Die Flexprints sind vorzugsweise Teil des Sensorlakens und in die Hülle des Lakens eingearbeitet.
Je nach Grösse des Sensorlakens lässt es sich in mehrere Abschnitte unterteilen, wobei jeder Abschnitt ein Teillaken bildet. Beispielsweise lässt sich der Kopf- und der
Rumpfbereich des Bettlakens als ein erstes Sensorlaken ausbilden und der Hüft- und Beinbereich des Patienten als zweites Sensorlaken. Diese Laken lassen sich zwar in eine gemeinsame Hülle unterbringen, sie sind erfindungsgemäss bezüglich der Datenerfassung jedoch als zwei getrennte Laken zu verstehen. Die erfassten Daten werden in diesem Fall erst in einer externen Datenverarbeitungseinheit zusammengeführt und ausgewertet
Das Material bzw. das Gewebe zwischen den Leiterbahnen der einzelnen Spalten ist elektrisch nicht leitend ausgebildet, so dass diese Leiterbahnen galvanisch voneinander getrennt sind. Dasselbe gilt für das Material bzw. das Gewebe zwischen den Leiterbahnen der einzelnen Zeilen. Die Mittelschicht ist vorzugsweise ein Dielektrikum oder elektrisch isolierend.
Üblicherweise werden die Widerstandsänderungen der zweiten Leiterbahnen gemessen. Hierzu werden bekannte Messschaltungen verwendet. Der Analog-Digital-Wandler ändert das analoge Signal in ein digitales Signal.
Vorzugsweise gibt eine Software den Takt zum Durchtakten der Zeilen und Spalten vor. Vorzugsweise wird bei jedem Takt ein Schalter der Schaltereinheiten betätigt. Dabei wird vorzugsweise ein Schalter der ersten Schaltereinheit einer Zeile auf "ein" belassen, d.h. die Spannung bleibt an die entsprechende erste Leiterbahn angelegt, bis alle Spalten mittels der zweiten Schaltereinheit durchgetaktet worden sind.
Vorzugsweise werden benachbarte Spalten und/oder Zeilen zeitlich nacheinander durchgetaktet, d.h. es wird stets die nächstfolgende zweite Leiterbahn bzw. die nächstfolgende erste Leiterbahn aktiviert. Vorzugsweise springt der Controller eine Zeile weiter, wenn in der vorangegangenen Zeile alle Spalten durchgetaktet worden sind.
In anderen Varianten des Verfahrens werden die Zeilen und/oder die Spalten in einer vorgegebenen Reihenfolge durchgetaktet, die von der Reihenfolge der Anordnung der Zeilen und/oder der Spalten abweicht. Dies lässt sich mit einem einzigen ADC oder mit mehreren ADC's verwirklichen. Im Falle der Verwendung eines einzigen ADC's werden die einzelnen Leiterbahnen hardwaremässig entsprechend mit der Elektronik verbunden oder die Verbindung zwischen der mindestens einen Zählereinheit und den Schaltereinheiten ist entsprechend gewählt. Alternativ sind hardwaremässig dieselben Verbindungen vorhanden wie bei inkrementellen, aufeinanderfolgenden Abfragung, die Software steuert die Schalter jedoch nicht inkrementell, sondern in einem vorgegebenen Muster.
Vorzugsweise werden vor einem erneuten Durchtakten aller Zeilen und aller Spalten der Matrix die erste und zweite Schaltereinheit derart betätigt werden, dass an keiner der Zeilen eine elektrische Spannung anliegt und dass keine der Spalten mit dem Analog-Digital- Wandler (ADC) verbunden ist.
Vorzugsweise wird eine Gleichspannung angelegt, vorzugsweise von circa 3.3 V oder 5 V. Dies minimiert die elektromagnetische Beeinflussung des Patienten.
Vorzugsweise werden die Zeilen und/oder die Spalten mit einer Frequenz von mindestens 16 MHz durchgetaktet werden. Eine hohe Taktfrequenz erhöht die Abfragegeschwindigkeit.
Die ausgelesenen Werte können auf unterschiedliche Art und Weise gespeichert werden. Vorzugsweise werden die ausgelesenen Werte aller Kreuzungspunkte als ein gemeinsames Wertepaket gespeichert. Nachfolgende Auslesungen werden vorzugsweise als separate weitere gemeinsame Wertepakete gespeichert. Diese Wertepakete werden vorzugsweise an eine Datenverarbeitungseinheit übermittelt.
Vorzugsweise werden die gemessenen Werte in einer Datenverarbeitungseinheit gespeichert. Dies ermöglicht die Auswertung der Werte für eine spätere Verwendung, beispielsweise für eine Prognose des Verhaltens des Patienten im Bett. Die Prognose kann zu einer Früherkennung von gesundheitlichen Problemen oder medizinischen Notfällen dienen oder auch dazu, frühzeitlich zu erkennen, ob der Patient gleich aus dem Bett steigen oder fallen wird. Vorzugsweise werden die gespeicherten Werte in einem selbstlernenden Algorithmus für Prognosen einer Patientenüberwachung verarbeitet. Dabei werden frühere Daten mit neu erhaltenen Daten verglichen, allfällige interagierende Aktionen des Pflegepersonals, welche in das System eingegeben worden sind, berücksichtigt und je nach Ausführungsform auch Daten von weiteren Patientenüberwachungen mit gleichen oder ähnlichen Systemen aus Datenbanken mitberücksichtigt. Die Berücksichtigung ist vorzugsweise je nach Quelle und/oder Alter der Daten gewichtet. Vorzugsweise werde statistische Mittelwerte ermittelt und als Basis für weitere Berechnungen werden.
Vorzugsweise weist die erste Schaltereinheit mehrere Switch-Arrays auf und die zweite Schaltereinheit weist ebenfalls mehrere Switch-Arrays auf.
In bevorzugten Ausführungsformen ist mindestens ein Sensor vorhanden, vorzugsweise
ein Temperatursensor oder ein Feuchtigkeitssensor, vorhanden ist, dessen Sensorwerte mittels der zweiten Schaltereinheit nach Massgabe der ersten und zweiten Zählereinheit bestimmt werden. Die Sensorwerte werden beim Durchtakten der Zeilen und Spalten als Werte einer Zeile und Spalte analog zu den Werten der Kreuzungspunkte bestimmt. Der Sensor ist vorzugsweise mit der entsprechenden Elektronikeinheit, vorzugsweise dem entsprechenden Flexprint, verbunden.
Dies ermöglicht mit demselben Matrixsystem, derselben Zählereinheit und denselben Schaltereinheiten die zusätzliche Erfassung von Sensorwerten.
Die Art der Abfrage der Werte muss nicht geändert werden. Die Sensorwerte werden beim Durchtakten der einzelnen Spalten jedes Mal neu ausgelesen.
Die vom mindestens einen Sensor erhaltenen Werte werden wie die Drucksensorwerte in das gemeinsame Wertepaket gespeichert. Sie werden nicht speziell behandelt. Dies erleichtert die Abfrage, die somit nicht verzögert wird.
Vorzugsweise wird das gesamte Wertepaket, d.h. inklusive der Sensordaten, an die Datenverarbeitungseinheit übermittelt. Vorzugsweise wird in der Datenverarbeitungseinheit anhand der Zeilenidentifikation erkannt, welche Werte welchem Sensor zuzuordnen sind. Vorzugsweise wird von einer Datenverarbeitungseinheit aus den mehrfachen, zeitlich eng aufeinanderfolgende Daten des mindestens einen Sensor ein Mittelwert pro Sensor gebildet.
Das erfindungsgemässe Verfahren findet deshalb vorzugsweise Verwendung für eine Überwachung eines in einem Bett liegenden Patienten, wobei das Drucksensorlaken auf dem Bett angeordnet ist und wobei die Werte an eine zentrale oder mobile Patientenüberwachung übermittelt werden.
Eine erfindungsgemässe Drucksensoreinheit zur Abfrage von Sensorwerten eines Drucksensorlakens verwendet ein Drucksensorlaken, das aufweist
- eine erste Lage mit parallel zu einander verlaufenden ersten Leiterbahnen,
- eine zweite Lage mit parallel zueinander verlaufenden zweiten Leiterbahnen und
- eine zwischen der ersten und zweiten Lage angeordneten Mittelschicht.
Die erste und zweite Lage sind derart relativ zueinander angeordnet sind, dass die ersten Leiterbahnen senkrecht zu den zweiten Leiterbahnen verlaufen und die erste und zweite
Lage ein gemeinsames Gitter, nachfolgend Matrix genannt bildet. Die Matrix weist Zeilen auf, gebildet durch die ersten Leiterbahnen, und Spalten, gebildet durch die zweiten Leiterbahnen.
Die Zeilen und Spalten der Matrix bilden Kreuzungspunkte, in denen sich die ersten und zweiten Leiterbahnen durch die Mittelschicht beabstandet zueinander kreuzen und die als Sensorpunkte dienen.
Eine äussere Druckeinwirkung ändert den Abstand zwischen den ersten und zweiten Leiterbahnen in mindestens einem der Kreuzungspunkte. Diese Änderung ist mittels einer elektronischen Schaltung detektierbar und als ein Wert auslesbar, wobei zwecks Auslesung des Werts eine elektrische Spannung an die ersten Leiterbahnen anlegbar ist und die Änderung an den zweiten Leiterbahnen bestimmbar ist.
Die Drucksensoreinheit weist auf
- mindestens eine Zählereinheit zum Durchtakten der Zeilen mit den ersten Leiterbahnen und zum Durchtakten der Spalten mit den zweiten Leiterbahnen zur Auslesung der Werte an allen Kreuzungspunkten,
- mindestens eine erste Schaltereinheit zum Anlegen der elektrischen Spannung an die ersten Leiterbahnen und
- mindestens eine zweite Schaltereinheit zum Bestimmen der Änderung an den zweiten Leiterbahnen.
Die Drucksensoreinheit weist einen einzigen Analog-Digital-Wandler (ADC) auf zur Umwandlung der an den zweiten Leiterbahnen bestimmten Änderungen in die Werte.
Mittels der mindestens einen ersten Schaltereinheit und nach Massgabe der mindestens einen Zählereinheit ist die elektrische Spannung nacheinander an die ersten Leiterbahnen anlegbar, wobei die elektrische Spannung jeweils nur an einer einzigen der ersten Leiterbahnen anliegt. Mittels der mindestens einen zweiten Schaltereinheit und nach Massgabe der mindestens einen Zählereinheit sind bei Anliegen der elektrischen Spannung an einer der ersten Leiterbahnen jeweils die Änderungen der zweiten Leiterbahnen einzeln nacheinander bestimmbar. Die bestimmten Änderungen aller zweiter Leiterbahnen sind im einzigen Analog-Digital-Wandler (ADC) umwandelbar.
Diese Drucksensoreinheit lässt sich kostengünstig herstellen. Sie weist ein Minimum an elektronischen Bauteilen auf. Zudem lässt sich die Messschaltung auf Flexprints anordnen. Flexprints sind biegsame elektronische Bauteile. Sie sind im Stand der Technik hinlänglich bekannt. Der Träger besteht üblicherweise aus Kunststoff, die elektrischen Verbindungen sind üblicherweise aufgedruckt.
Die mindestens eine Zählereinheit ist vorzugsweise softwaregesteuert.
Vorzugsweise sind die mindestens eine Zählereinheit und die mindestens eine erste und/oder zweite Schaltereinheit auf einem Flexprint oder einer Reihe von miteinander verbundenen Flexprints angeordnet.
Vorzugsweise weist das Drucksensorlaken mindestens einen Sensor auf, vorzugsweise ein Temperatursensor oder ein Feuchtigkeitssensor, und wobei die Drucksensoreinheit Sensordaten des mindestens einen Sensors bestimmt.
Vorzugsweise sind zwei Zählereinheiten vorhanden, wobei eine erste Zählereinheit dieser Zählereinheiten die Zeilen durchtaktet und eine zweite Zählereinheit dieser Zählereinheiten die Spalten durchtaktet.
Weitere Ausführungsformen sind in den abhängigen Ansprüchen angegeben.
KURZE BESCHREIBUNG DER ZEICHNUNGEN
Eine bevorzugte Ausführungsform der Erfindung wird im Folgenden anhand der Zeichnungen beschrieben, die lediglich zur Erläuterung dienen und nicht einschränkend auszulegen sind. In den Zeichnungen zeigen:
Figur 1 eine schematische Darstellung eines Patientenbetts mit einem erfindungsgemässen Drucksensorlaken eines erfindungsgemässen Drucksensorsystems;
Figur 2 eine schematische Darstellung des erfindungsgemässen Drucksensorsystems;
Figur 3 einen Ausschnitt einer Lage des Drucksensorlakens gemäss Figur 1 ;
Figur 4 eine schematische Explosionsdarstellung des Drucksensorlakens gemäss Figur 1 ohne umgebende Hülle;
Figur 5 eine schematische Explosionsdarstellung des Drucksensorlakens gemäss Figur 1 mit umgebender Hülle;
Figur 6 eine schematische Explosionsdarstellung des Drucksensorlakens gemäss Figur 1 mit flexiblen Elektronikprints und ohne umgebende Hülle;
Figur 7 einen Querschnitt durch das Drucksensorlaken gemäss Figur 1 ohne umgebende Hülle, in einer schematischen Darstellung;
Figur 8 eine schematische Darstellung sich kreuzender Leiterbahnen zweier Lagen des Drucksensorlakens gemäss Figur 1 ;
Figur 9 eine schematische Darstellung des Drucksensorlakens gemäss Figur 1 mit sich kreuzenden Leiterbahnen;
Figur 10 eine schematische Darstellung der Systemarchitektur der Ausleseeinheit des Drucksensorlakens gemäss Figur 1 ;
Figur 11 eine weitere schematische Darstellung der Systemarchitektur der Ausleseeinheit des Drucksensorlakens gemäss Figur 1 und
Figur 12 ein Flussdiagramm der Steuerung des Drucksensorlakens.
BESCHREIBUNG BEVORZUGTER AUSFÜHRUNGSFORMEN
In Figur 1 ist schematisch ein Patientenbett mit einem erfindungsgemässen Drucksensorsystem dargestellt.
Eine Matratze 1 ist wie üblich mit einem Bettlaken 2 bezogen, auf welchem ein Patient P liegt. Zwischen Matratze 1 und Bettlaken 2 ist ein erfindungsgemässes Drucksensorlaken 3 gelegt. Das Drucklaken 3 lässt sich als Fixleintuch ausbilden oder wie hier dargestellt, als flächige flexible und vorzugsweise weiche Matte. Es erstreckt sich je nach Ausführungsform über die gesamte Oberfläche der Matratze 1 oder endet, wie hier dargestellt, beabstandet zum Matratzenrand. In anderen Ausführungsformen erstreckt sich das Drucksensorlaken 3 lediglich in einem Teilbereich der Matratze 1 , beispielsweise lediglich im oberen oder im mittleren oder im unteren Bereich der Matratzenfläche. In weiteren Ausführungsformen ist das Drucksensorlaken 3 Teil der Matratze 1 oder des Bettlakens 2.
Wie in den Figuren 1 und 5 gut erkennbar ist, weist das Drucksensorlaken 3 eine erste Lage bzw. Gewebelage 31 , eine zweite Lage bzw. Gewebelage 32 und eine dazwischen angeordnete Mittelschicht 33 auf. Die drei Lagen 31 , 32, 33 sind vorzugsweise punktuell miteinander verbunden, vorzugsweise verklebt. Sie sind vorzugsweise gemeinsam von einer schützenden Hülle umgeben, wobei die Hülle vorzugsweise eine untere Lage 34 und eine obere Lage 35 aufweist, die je nach Ausführungsform aus demselben Material bestehen oder aus unterschiedlichen Materialien. Vorzugsweise sind sie weich und flexibel ausgebildet, insbesondere ein textiles Gewebe oder eine andere geeignete Materiallage. Mindestens die obere der zwei Lagen 34, 35 ist vorzugsweise mit einem Inkontinenzschutz versehen, damit die drei dazwischenliegenden Lagen 31 , 32, 33 vor Nässe geschützt sind.
Die erste und die zweite Gewebelage 31 , 32 sind vorzugsweise aus demselben Material gefertigt. Sie weisen, wie anhand eines Ausschnitts gemäss Figur 3 und in Figur 4 dargestellt ist, mehrere parallel zueinander verlaufende elektrisch leitende Streifen oder Bahnen 310, 320 auf, die vorzugsweise über die gesamte oder annähernd die gesamte Fläche der Gewebelage 31 , 32 verteilt angeordnet sind. Vorzugsweise sind sie gleichmässig verteilt angeordnet. Die Bereiche 311 , 321 zwischen den Leiterbahnen 310, 320 sind elektrisch nichtleitend ausgebildet. Die Leiterbahnen 310, 320 sind vorzugsweise elektrisch leitende Fäden, die mit dem nichtleitenden Material Gewebe 311 , 321 verwoben sind. Derartige Gewebelagen 31 , 32 sind aus dem Stand der Technik bekannt. Vorzugsweise werden Sensorgewebe verwendet, wie sie von der Firma Sefar AG angeboten werden. Diese sind beispielsweise in der eingangs genannten EP 3 447 463 B1 und J. Cheng, et al., Smart-surface: Large scale textile pressure sensors arrays for activity recognition, Pervasive and Mobile Computing (2016), http://dx.doi.Org/10.1016/j.pmci.2016.01.007, erwähnt.
Die Mittelschicht 33 ist aus einem drucksensitiven, vorzugsweise dielektrischen Material gefertigt. Die Mittelschicht ist vorzugsweise homogen ausgebildet. Vorzugsweise besteht sie aus einem Material, das seine Dicke im Bereich des zu erwartenden extern einwirkenden Drucks proportional ändert und das somit seine elektrische Leitfähigkeit proportional zum ausgeübten Druck verändert. Vorzugsweise besteht die Mittelschicht 33 aus Carbotex®, einem von der Firma Sefar AG vertriebenen Material. Andere Materialien, die als Sensorelemente dienen, lassen sich ebenfalls verwenden.
Wie in Figur 4 erkennbar ist, sind die erste und zweite Gewebelage 31 , 32 derart
übereinandergelegt, dass ihre Leiterbahnen 310, 320 unterschiedliche Ausrichtungen aufweisen. Die ersten Leiterbahnen 310 verlaufen senkrecht zu den zweiten Leiterbahnen 320. Dadurch entstehen Kreuzungsbereiche 30, wie in Figur 2 erkennbar ist. In den Kreuzungsbereichen 30 kontaktieren sich die Leiterbahnen 310, 320 jedoch nicht, da sie durch die Mittelschicht 33 voneinander getrennt sind. Dies ist in Figur 7 erkennbar. Die Kreuzungsbereiche 30 wirken somit wie Kondensatoren bzw. Widerstände, wie die in Figur 8 dargestellt ist. Die Kapazität eines Kondensators ändert sich indirekt proportional zum Abstand seiner zwei Kondensatorplatten. Somit verändert sich die Kapazität an einem Kreuzungsbereich 30, wenn eine Person auf diesem Kreuzungsbereich 30 aufliegt und somit die Mittelschicht 33 zusammendrückt.
Die Kapazitätsveränderung hat eine Veränderung des Widerstandes, der mittels eines Spannungsteilers detektiert werden kann. Hierzu wird eine konstante Gleichspannung an die zweiten Leiterbahnen 320 angelegt. Die Spannung beträgt vorzugsweise 3.3 V oder 5 V und beeinflusst somit das Wohlbefinden des Patienten nicht.
Zwei streifenförmige, biegsame elektronische Flexprints 380, 381 , sind ebenfalls in der Hülle 34, 35 des Drucksensorlakens 3 angeordnet. Vorzugsweise werden sie an den den Gewebelagen 31 , 32, 33 vorstehenden Rändern der unteren und oberen Lage 34, 35 befestigt, vorzugsweise verklebt. Ein erster Flexprint-Streifen 380 verläuft senkrecht zu den Leiterbahnen der ersten Gewebelage 31 und kontaktiert alle auf einer Seite der Gewebelage 31 liegenden Enden der ersten Leiterbahnen 310. Ein zweiter Flexprint- Streifen 381 verläuft senkrecht zu den Leiterbahnen der ersten Gewebelage 32 und kontaktiert alle auf einer Seite der Gewebelage 32 liegenden Enden der ersten Leiterbahnen 320. Die zwei Flexprint-Streifen 380, 381 verlaufen somit senkrecht zueinander. Dies ist in Figur 6 erkennbar. Die Flexprint-Streifen 380, 381 sind vorzugsweise modular aufgebaut und bestehen je aus mehreren Abschnitten, die miteinander verbunden sind. Jeder Abschnitt weist üblicherweise circa 16 Anschlüsse an die Gewebelagen auf. Die Flexprint-Streifen bilden somit Flexprint-Einheiten.
Das Drucksensorlaken 3 ist über einen Anschluss 36 und einem Kabel 37, vorzugsweise einem 6-poligen Kabel mit einer Steuerungsvorrichtung 4 verbunden. Eine Steuereinheit 40 der Steuerungsvorrichtung ist mit einer Gleichspannungsquelle 41 verbunden. Ferner ist sie mit einer Datenspeichereinheit und/oder einer Datenauswerteeinheit verbunden. Diese können in einer Einheit vor Ort angeordnet sein und/oder cloudbasiert sein. Eine Cloud ist in Figur 2 mit dem Bezugszeichen 5 versehen. Eine Steckverbindung des Kabels 37 des
Drucksensorlakens 3 mit dem Kabel 42 der Steuerungsvorrichtung 4 ist symbolisch dargestellt und trägt das Bezugszeichen 43. Vorzugsweise ist sie ein LISB-C Anschluss. Die Steuervorrichtung 4 ist als SPI Master implementiert, vorzugsweise auf einem Raspberry PI.
Anhand der Figuren 9 bis 12 lässt sich die Funktionsweise des erfindungsgemässen Drucksensorsystems erläutern. Wie in Figur 10 dargestellt, ist je eine Schaltereinheit 71 , 72 in Form von mehreren miteinander verbundenen Switch-Arrays S1 , S2, Si; Si+1 , ... , Si+j den ersten Leiterbahnen 310 bzw. den zweiten Leiterbahnen 320 zugeordnet und mit diesen verbunden. Jeder Switch-Array weist vorzugsweise 16 Anschlüsse zur Verbindung mit den Leiterbahnen 310, 320 auf. Die Figuren 10 und 11 sind deshalb lediglich als schematische Darstellungen zu verstehen.
Wie in Figur 9 erkennbar ist, wird jeder Kreuzungsbereich 30, d.h. jeder Sensor, einzeln abgefragt. Die elektrische Spannung wird hierzu jeweils nur an eine Zeile, d.h. eine erste Leiterbahn 310, angelegt, die Werte aller Spalten, d.h. der zweiten Leiterbahnen 320 werden nacheinander ausgelesen und erst anschliessend wird die nächste Zeile "bestromt", d.h. die elektrische Spannung angelegt. Die übrigen Zeilen bzw. ersten Leiterbahnen 310 sind auf 0V gesetzt. Vorzugsweise ist hierzu ein Pull-Down Widerstand vorhanden, der die übrigen ersten Leiterbahnen 310 auf OV setzt. Entsprechend werden alle Zeilen nacheinander durchgetaktet.
Damit nur ein einziger Kreuzungsbereich 30 detektiert wird, werden zudem sämtliche Spalten, d.h. zweite Leiterbahnen 320, bis auf eine auf inaktiv gesetzt. D.h. auch hier öffnet die zweite Schaltereinheit 72 die Verbindung vom Analog-Digital-Wandler ADC zu einer einzigen zweiten Leiterbahn 320.
Die aktive Bahn 6 zur Detektion des fett eingekreisten Kreuzungsbereich 30 ist in Figur 9 mit einem Pfeil dargestellt.
Der vom Spannungsteiler generierte Wert, der ein Mass für die Druckveränderung ist, wird im Analog-Digital Wandler ADC in ein digitales Signal geändert und über den SPI Bus dem SPI Master, z.B. dem Raspberry Pi, zur Verfügung gestellt. Die Daten lassen sich über Software-Schnittstellen, vorzugsweise über API's (Application Programming Interface) an eine übergeordnete Software einer Datenspeichereinheit und/oder Datenauswertungseinheit übermitteln. Messungen, welche überdurchschnittlich hohe oder
tiefe Werte liefern, lassen sich softwaremässig mittels üblichen Methoden kompensieren und filtern. Die ausgelesenen Werte lassen sich mittels üblichen statistische Methoden glätten.
Im Beispiel gemäss Figur 10 sind somit n Spalten und m Zeilen vorhanden, die eine n x m Matrix bilden. Den n Spalten ist eine zweite Schaltereinheit 72 mit i Schaltern S1 ... Si, zugeordnet, so dass jeder Schalter mehrere Spalten bedienen kann. Den m Spalten ist eine erste Schaltereinheit 71 mitj-i Schaltern Si+1 , ... Si+j zugeordnet, so dass jeder dieser Schalter mehrere der m Zeilen bedienen kann. Die zweite Schaltereinheit 72 ermöglichen die Verbindung zwischen den zweiten Leiterbahnen 320 und dem ADC. Beide Schaltereinheiten 71 , 72 sind über mindestens eine Zählereinheit Z mit der Steuerung verbunden. Dies ist in Figur 11 dargestellt. In Figur 11 ist ebenfalls erkennbar, dass über die erste Schaltereinheit 71 nach Massgabe der Zählereinheit Z eine Gleichspannung an eine der ersten Leiterbahnen 310 angelegt werden kann und über die zweite Schaltereinheit 72 nach Massgabe der Zählereinheit Z die Veränderung an den Kreuzungspunkten PO, P1 , P2, an den ADC übermittelt werden können. CLK bedeutet Clock, d.h. die Taktung für den Zähler zum Schalten der Schalter und für den ADC zum Auslesen der Werte. Dt bedeutet Daten und zeigt, dass der ADC Werte an die externe Datenspeichereinheit oder Datentbearbeitungseinheit übermitteln kann. Rs bedeutet Reset und zeigt, dass der Zähler nach Abfrage aller Kreuzungspunkte der Sensormatte wieder auf Null gesetzt werden kann. In diesem Beispiel sind die Adressen Adr 0 bis 5 den Spalten mit den zweiten Leiterbahnen zugeordnet und die Adressen Adr 6 bis 12 den Zeilen mit den ersten Leiterbahnen. Dies ist lediglich beispielhaft. Eine andere Anzahl von Adressen lässt sich ebenfalls verwenden. Die Adressen werden seriell mit dem Clock an die zwei Zählereinheiten übergeben. Die Adressen werden vorzugsweise mit dem Clock jeweils um 1 erhöht und die Elektronik aktiviert die nächste Adresse. Die zwei Zählereinheiten ergeben somit die Koordinaten des zu messenden Druckpunkts. Anhand des Zählerstandes, der durch die Clocks erhöht wird, weiss die Software zu jedem Zeitpunkt, welche Koordinaten dem nächsten Sensorwert zugeordnet werden muss.
Figur 12 zeigt ein Flussdiagramm des erfindungsgemässen Verfahrens. Dargestellt ist die Abfrage aller Kreuzungspunkte der Sensormatte. Der SPI Bus wird in einem ersten Schritt initialisiert.
In den nächsten Schritten werden die Digital IO am Rasperry Pi konfiguriert und initialisiert. Ferner werden die Schaltereinheiten mit ihren Switch-Arrays zurückgesetzt, so die
Verbindungen vom ADC zu den zweiten Leiterbahnen mittels der Schaltereinheiten geschlossen sind und die Spannung an den ersten Leiterbahnen auf 0 V gesetzt ist. Die Zählereinheiten werden für die Spalten x und die Zeilen y zudem auf 0 gesetzt.
Nun wird an die erste der ersten Leiterbahnen 310 die Gleichspannung angelegt. Dies ist im Flussdiagramm gemäss Figur 12 im Schritt "Zeile y bestromen" festgehalten. Anschliessend wird die Spalte x durchgeschaltet, d.h. der ADC wird mit der zweiten Leiterbahn 320 der Spalte x verbunden. Der Wert wird vom ADC ausgelesen, in ein digitales Signal gewandelt und mit den Koordinaten x,y gespeichert.
Gestartet wird dabei mit y=0 und x=0. Dies entspricht dem Messpunkt PO in Figur 11. Anschliessend wird der x Wert um 1 erhöht, wie in Figur 12 angegeben ist. Die Spalten werden somit nacheinander durchgeschaltet, bis x=n ist. In Figur 12 ist n = 64. Nun wird der y Wert erhöht, wodurch die Gleichspannung an die nächste erste Leiterbahn 310 angelegt wird und die vorher angesprochene erste Leiterbahn 310 auf OV vorzugsweise gesetzt wird. Ist y = m erreicht und sind somit alle Kreuzungspunkte ausgelesen, wird der Speicher mit den n mal m Werten übermittelt. Die Übermittlung der Matrix erfolgt vorzugsweise an einen internen Service der Auswerteeinheit weitergeleitet. Dieser Service zeigt vorzugsweise die Werte einem GUI (Graphocal User Interface) an. Ferner wird die Matrix vorzugsweise in eine Cloud weitergeleitet.
Vorzugsweise wird nach jeder Abfrage der Matrix der SPI Bus heruntergefahren und die Verbindungen mittels der Schalter geschlossen. Bei einer erneuten Abfrage, welche üblicherweise innerhalb weniger Sekunden oder Minuten erfolgt, wird der SPI Bus wieder neu initialisiert und das Verfahren beginnt wieder beim ersten Schritt gemäss Figur 12.
Dank der erfindungsgemässen Kombination von Zählereinheit, Schaltereinheiten und einzigen ADC sind keine weiteren Multiplexer oder weitere ADC notwendig. Die Software, d.h. die Steuerung, steuert beide Schaltereinheiten. Dadurch ist bereits bekannt, welche x und y Koordinaten in der n x m Matrix, d.h. welcher Kreuzungsbereich 30, gerade gemessen wird. Welcher Kreuzungsbereich gerade gemessen wird, wird somit nicht über eine Messschaltung bestimmt und erkannt, sondern über die Software angegeben. Dies vereinfacht die Elektronik und erhöht die Datenmenge pro Zeit. Ferner ist pro Kreuzungsbereich 30 lediglich eine Messschaltung notwendig.
Das erfindungsgemässe Verfahren lässt sich beispielsweise für Sensormatten mit 64
Spalten und 128 Zeilen auslegen. Matten mit 55 Spalten und 80 Zeilen, d.h. mit 4'440 Sensorpunkten, lassen sich beispielsweise innerhalb von ca. 100 bis 200 ms vollständig auslesen.
Andere Grössen für n und m sind möglich. Die Grössen hängen von der Fläche des Drucksensorlakens und von der Auflösung der Druckmessung, d.h. von der Anzahl und den Abständen der parallel zueinander angeordneten Leiterbahnen 310, 320 ab. Auch die Taktfrequenz kann eine andere sein.
Vorteilhaft ist ferner, dass sich die Messschaltungen mit den Schaltereinheiten und dem ADC direkt auf den Flexprints 380, 381 anbringen lassen. Sie befinden sich somit im Drucksensorlaken 3. Dies erleichtert die Kabelverbindungen, erleichtert den Einsatz vor Ort und ermöglicht eine flexiblere Kombination mit externen Geräten.
Vorteilhaft ist ferner, dass sich die Flexprintabschnitte für die einzelnen Spalten und Zeilen kaum voneinander unterscheiden. Ein Flexprint weist den ADC auf. Die Bestückung der Flexprints unterscheidet sich jeweils, darin, welche Abschnitte verwendet werden können. Dies ist vorzugsweise durch entsprechende Anordnung von 0 Ohm Widerständen festgelegt. Auch die Flexprints für die Spalten und Zeilen unterscheiden sich kaum voneinander. Dies minimiert die Herstellungskosten.
Ferner muss nicht gewartet werden, bis sich eine Spannung "eingependelt" hat. Sobald die Weiche für die x und y-Achse der n x m Matrix gesetzt ist, lässt sich die an dem jeweiligen ADC anliegende Spannung direkt messen. Die digitalen lO's werden während einer Abfrage aller n x m Werte vorzugsweise nicht neu konfiguriert. Vorzugsweise ist der SPI Bus für Read-and-Write Befehle ausgelegt. Somit lässt sich ein Befehl an den jeweiligen ADC zur Übergabe des Sensorwerts senden und als Antwort wird der Sensorwert erhalten. Dies erhöht die Geschwindigkeit der Abfrage.
Vorteilhaft ist ferner, dass vorzugsweise Werte zu einem bestimmten Zeitpunkt ermittelt werden und nicht Durchschnittswerte. Dies erhöht die Qualität der Datenmenge und ist insbesondere für die weiter unten im Text erwähnte Verwendung der Daten für die Früherkennung hilfreich.
Die erhaltenen Messwerte der einzelnen Kreuzungspunkte ergeben Informationen, wo der Patient liegt, welche Punkte er mehr belastet als andere und wie er sich in Abhängigkeit der
Zeit auf dem Bett bewegt.
Es lassen sich somit Schlafverhalten, Druckstellen und insbesondere Dekubitusrisiken erkennen. Auch lässt sich erkennen, ob ein Patient das Bett verlassen hat.
Ein Ziel der Datenerhebung ist jedoch eine Früherkennung, ob ein dementer Patient das Bett in nächster Zeit verlassen wird und/oder ob ein Patient Gefahr läuft, aus dem Bett zu fallen. Dies wird erreicht, indem Daten gesammelt werden und aus früheren Verhalten und Messwerten von Patienten allgemein und/oder eines überwachten Patienten im Speziellen Rückschlüsse auf sein Verhalten beim Verlassen bzw. beim Herausfallen des Bettes gezogen werden. Dadurch lässt sich frühzeitig erkennen, ob ein Patient Gefahr läuft, unbeobachtet das Bett zu verlassen bzw. herauszufallen. Dieses Früherkennungssystem kann somit Pflegepersonal warnen und einen Alarm auslösen, damit möglichst frühzeitig eingegriffen werden kann. Möglichst frühzeitig bedeutet, möglichst bevor das nicht erwünschte Ereignis eintritt.
Auch andere unerwünschte Ereignisse, bei denen sich ein Patient im Bett vorgängig nach einem bestimmten Schema verhält, können auf diese Weise frühzeitig erkannt werden, beispielsweise das Verhalten bei zunehmender Atemnot, bei Epilespieanfällen, bei delirienten Patienten, oder in Notfällen, bei denen das Pflegepersonal oder sogar ein Notfallteam möglichst schnell vor Ort sein müssen, können dank diesen Messungen und einem selbstlernenden Datentauswertung möglichst frühzeitig erkannt werden.
In Figur 10 ist ferner ein Sensor 8, beispielsweise ein Temperatursensor, ein Feuchtigkeitssensor oder eine andere Art Sensor, dem der zweiten Schaltereinheit 72 verbunden. Das Kabel bzw. die Leitung ist mit dem Bezugszeichen 80 versehen. Die Leitung 80 ist vorzugsweise aufgenäht, angeklebt oder eingewoben. Das Ausleseverfahren dieses Sensors unterscheidet sich nicht vom Ausleseverfahren der ersten und zweiten Leiterbahnen. Vorzugsweise wird dieselbe elektrische Spannung angelegt. In anderen Ausführungsformen wird eine andere elektrische Spannung angelegt, um die Sensorwerte zu bestimmen. Das Verfahren ist im Abschnitt "Darstellung der Erfindung" genauer erläutert. Beim Durchtakten der Zeilen und Spalten, wie im Flussdiagramm gemäss Figur 12 dargestellt, ist eine Zeile dem Sensor zugeordnet und bei Durchlaufen der Spalten zu dieser Zeile werden die Sensorwerte ausgelesen. Sind mehrere Sensoren vorhanden, so ist jedem Sensor eine Zeile zugeordnet.
Das erfindungsgemässe Verfahren und die erfindungsgemässe Drucksensoreinheit ermöglichen eine Patientenüberwachung, die das Pflegepersonal entlastet.
BEZUGSZEICHENLISTE
1 Matratze 4 Steuerungsvorrichtung
40 Steuereinheit
2 Bettlaken 41 Gleichspannungsquelle
42 Kabel
3 Drucksensorlaken 43 Stecker
Drucksensormatrix
30 Kreuzungsbereich 5 Cloud
31 erste Gewebelage
310 erste Leiterbahn 6 Aktive Bahn der
311 erster nichtleitender Bereich Messwerterhebung
32 zweite Gewebelage
320 zweite Leiterbahn 71 erste Schaltereinheit
321 zweiter nichtleitender Bereich 72 zweite Schaltereinheit
33 Mittelschicht
34 untere Lage 8 Sensor
35 obere Lage 80 Leitung
36 Anschluss
37 Kabel P Patient
380 erster Flexprint ADC Analog-Digital-Wandler
381 zweiter Flexprint Z Zählereinheit