Verfahren und Vorrichtungen für automatische, kooperative Manöver
Technisches Feld
Die vorliegende Offenbarung betrifft Verfahren und Vorrichtungen zur Bereitstellung von Kooperationsmanövern an der eine Mehrzahl von Maschinen, insbesondere Fahrzeuge, beteiligt sind.
Hintergrund
Kooperative Manöver betreffen Manöver, an denen mehr als eine Maschine in einer gemeinsamen Umgebung beteiligt sind. Durch eine geeignete Auswahl eines Kooperationsmanövers kann beispielsweise ein Verkehrsfluss optimal gesteuert werden und/oder eine Sicherheit von mehreren Maschinen, die sich einen Arbeitsraum teilen, kann erhöht werden. Es gibt verschiedene Ansätze und Protokolle zur Durchführung von Kooperationsmanövern. Insbesondere für automatisch generierte Kooperationsmanöver gibt es jedoch keine Lösungen. Verbesserungen in diesen Bereichen sind wünschenswert.
Beschreibung
Eine Aufgabe besteht darin, Verfahren und Vorrichtungen für Kooperationsmanöver bereitzustellen, an dem mehrere Maschinen in einem gemeinsamen Arbeitsraum beteiligt sind.
Diese Aufgabe wird durch die offenbarte Technologie gelöst, welche durch die Gegenstände der unabhängigen Ansprüche definiert ist. Die abhängigen Ansprüche betreffen entsprechende Weiterbildungen. Im Folgenden werden verschiedene Aspekte und Ausführungsformen dieser Aspekte offenbart, die zusätzliche Merkmale und Vorteile bereitstellen.
Einige Ausführungsformen der Offenbarung lösen die spezielle Aufgabe, ein Kooperationsmanöver zum Überholen eines oder mehrerer Fahrzeuge zu generieren und bereitzustellen. Dies kann durch maschinelles Lernen erfolgen, um sichere und performante Manöver unter Echtzeitbedingungen bereitzustellen. Zu diesem Zweck wird zunächst ein Klassifikator auf einen vorgegebenen Manövererfolg trainiert. Dadurch werden erfolgreiche von nicht erfolgreichen Manöverkandidaten getrennt. Außerdem wird ein Regressionsmodell auf einem umfangreichen Datensatz von randomisierten Ausgangssituationen trainiert. Durch das Regressionsmodell können innerhalb der Menge von erfolgreichen Kooperationsmanövern gute von schlechten Kooperationsmanövern unterschieden werden und schließlich ein optimales Kooperationsmanöver identifiziert werden. Durch entsprechend gewichtete Gütefunktionen kann dabei eine Optimierung für unterschiedliche Ziele wie Ruckelvermeidung oder Länge des Überholmanövers erreicht werden.
Im Folgenden werden zur Lösung der oben genannten Aufgabe weitere Aspekte und Ausführungsformen dieser Aspekte offenbart.
Ein erster Aspekt betrifft ein Verfahren, umfassend die Schritte:
- Erhalten einer gemeinsamen Umgebungsinformation wenigstens zweier Maschinen;
- Generieren einer Mehrzahl von Kooperationsmanövern, welche jeweils ein Manöver für jede der zwei Maschinen umfassen, auf Basis der Umgebungsinformation;
- Bewerten jedes Kooperationsmanövers auf Basis eines vorgegebenen Gütekriteriums;
- Auswählen eines Kooperationsmanövers, welches einen vorbestimmten Wert des Gütekriteriums, insbesondere einen Bestwert, aufweist;
- Bereitstellen des ausgewählten Kooperationsmanövers für die zwei Maschinen.
Eine Maschine kann ein Fahrzeug sein, insbesondere ein Personenkraftwagen oder ein Lastkraftwagen. Eine Maschine kann ebenfalls ein gesteuertes Flugobjekt sein, z.B. ein Flugzeug, ein Luftschiff, ein Ballon oder eine Drohne. Eine Maschine kann eine Werkzeugmaschine sein, insbesondere ein Roboter, z.B. ein Industrieroboter mit einer seriellen und/oder parallelen Kinematik. Eine Maschine kann auch eine Baumaschine, Agrarmaschine und/oder ein (fahrerloses) Transportsystem sein. Anstelle für eine Maschine kann das Verfahren auch für eine Repräsentation einer Maschine erfolgen. Dies wird später noch genauer beschrieben. Dies kann insbesondere zu Simulationszwecken erfolgen, so dass ein technischer Erkenntnisgewinn für mehrere kooperierende physikalisch zu realisierenden Maschinen erfolgen kann.
Ein Kooperationsmanöver umfasst Manöver für wenigstens zwei Maschinen, die an dem Kooperationsmanöver beteiligt sind. Die Manöver sollten insbesondere so vorgegeben werden, dass die Maschinen das Kooperationsmanöver erfolgreich abschließen können. Insbesondere kann ein Kooperationsmanöver prinzipiell Manöver enthalten, die - wenn sie ausgeführt würden - , zu einem Schaden oder einer Beeinträchtigung einer Maschine durch die andere Maschine führen können. Diese können beispielsweise durch eine entsprechende Bewertung von nicht erfolgreichen und erfolgreichen Kooperationsmanövern unterschieden werden.
Ein Erhalten einer gemeinsamen Umgebungsinformation kann insbesondere ein Messen und/oder ein Simulieren umfassen. Zusätzlich oder alternativ kann ein Erhalten einer gemeinsamen Umgebungsinformation ein Empfangen und/oder Abholen dieser Information umfassen. Eine Umgebung, aus der die Umgebungsinformation stammt, kann beispielsweise in einen gemeinsamen Arbeitsraum mehrerer Roboter umfassen. Zusätzlich oder alternativ kann eine Umgebung eine Straße umfassen, auf der sich mehrere Fahrzeuge bewegen. Eine Umgebung kann auch eine Schienentrasse sein. Eine Umgebung kann zusätzlich oder alternativ einen Luftraum umfassen.
Ein vorbestimmter Wert des Gütekriteriums kann insbesondere einen vorbestimmten Wertebereich umfassen, z.B. Überholdistanzen kleiner als 100 Meter. Des Weiteren kann ein vorbestimmter Wert einen Extremwert, z.B. einen Minimalwert oder einen Maximalwert, umfassen.
Das Bereitstellen kann ein Kommunizieren und/oder ein Ablegen der Information des ausgewählten Kooperationsmanövers umfassen. Beispielsweise kann das ausgewählte Kooperationsmanöver auf einem für die beteiligten Maschinen gemeinsamen Speicherplatz abgelegt werden, so dass andere Maschinen sich die Information abholen können.
Das Bereitstellen kann für die Maschine erfolgen, welche die Bewertung durchgeführt hat. Dann kann das Kooperationsmanöver oder zumindest das für die Maschine vorgesehene Manöver bereitgestellt werden, um insbesondere von der Maschine umgesetzt zu werden.
Das Bereitstellen kann eine Kommunikation an eine Maschine oder mehrere Maschinen umfassen. Insbesondere wenn diese Maschine nicht die Bewertung durchgeführt hat. Wenn das Verfahren auf einer externen Vorrichtung ausgeführt wird (beispielsweise auf einer Infrastrukturvorrichtung), kann das Bereitstellen des ausgewählten Kooperationsmanövers insbesondere zu allen Maschinen, die das Kooperationsmanöver umfasst, erfolgen.
Das Verfahren kann insbesondere auf einem der beim Manöver beteiligten Maschinen ausgeführt werden, beispielsweise auf einem Host-Fahrzeug. Das Host-Fahrzeug kann beispielsweise das Fahrzeug sein, welches andere Fahrzeuge überholen soll. Zusätzlich oder alternativ kann das Verfahren auch auf einer Infrastrukturvorrichtung oder auf einer am Kooperationsmanöver unbeteiligten Maschine ausgeführt werden.
Eine Ausführungsform des ersten Aspekts betrifft ein Verfahren, wobei die Umgebungsinformation wenigstens teilweise sensorisch, insbesondere durch eine der beiden Maschinen, erfasst wird.
Zusätzlich oder alternativ kann die Umgebungsinformation auch von einer dritten Maschine stammen. Zusätzlich oder alternativ kann die Umgebungsinformation auch aus einer Simulation oder einer Modellierung stammen. Zusätzlich oder alternativ kann Umgebungsinformation auch von beiden Maschinen aus der Umgebung stammen und von diesen insbesondere sensoriell erfasst werden. Zusätzlich oder alternativ kann Umgebungsinformation von einem Beobachtersystem kommen, z.B. von einem Infrastrukturinformationssystem, insbesondere wenn die Maschinen Fahrzeuge sind.
Eine Umgebungsinformation kann insbesondere die Anzahl der am Kooperationsmanöver beteiligten Maschinen und deren Zustände (Position, Geschwindigkeit, etc.) umfassen. Umgebungsinformation kann insbesondere Information über eine Verkehrssituation, beispielsweise über eine Straße und/oder eine Kreuzung umfassen.
Eine Ausführungsform des ersten Aspekts betrifft ein Verfahren, wobei ein Manöver für eine Maschine mehrere Untermanöver umfasst.
Ein Manöver kann insbesondere Untermanöver umfassen, welche von der Art des Manövers abhängen. Wenn beispielsweise das Manöver ein Überholmanöver eines Fahrzeugs betrifft, dann kann ein Manöver Untermanöver umfassen, die sich auf ein Beschleunigen beziehen, auf einen Spurwechsel, auf ein Abbremsen und/oder auf ein Beibehalten eines aktuellen Maschinenzustandes. Ein Manöver kann sich beispielsweise auf Längs- und Querrichtungsänderung, Positionsänderung und/oder Höhenänderungen beziehen.
Die Manöver eines Kooperationsmanövers können insbesondere alle die gleiche Anzahl und/oder den gleichen Typ Untermanöver umfassen.
Eine Ausführungsform des ersten Aspekts betrifft ein Verfahren, wobei die Manöver der einzelnen Maschinen zeitlich und/oder räumlich unterschiedlich lang sind.
Die Länge der Manöver eines Kooperationsmanövers kann insbesondere räumlich und/oder zeitlich bestimmt sein. Wenn die Manöver zeitlich bestimmt sind, betreffen die Manöver der einzelnen Maschinen eine unterschiedlich lange Dauer. Zusätzlich oder alternativ kann die Länge räumlich bestimmt sein. Dann kann beispielsweise eine Maschine eines Kooperationsmanövers einen längeren Weg zurücklegen als eine andere Maschine. Beispielsweise legt bei einem Überholmanöver das überholende Fahrzeug in der Regel einen längeren Weg zurück als ein Fahrzeug, welches überholt wird.
Eine Ausführungsform des ersten Aspekts betrifft ein Verfahren, wobei das Bewerten nur für einen Teil der vom Kooperationsmanöver umfassten Manöver erfolgt.
Insbesondere kann eine Bewertung auf nur ein Manöver eines Kooperationsmanövers gerichtet sein. Dies kann insbesondere dann erfolgen, wenn das Kooperationsmanöver nur zwei Maschinen umfasst. Allerdings kann auch bei mehr als zwei Maschinen ein einziges, insbesondere vorgegebenes, Manöver für die Bewertung herangezogen werden, z.B. das Manöver für ein überholendes Fahrzeug. Alternativ kann die Bewertung auf Basis mehrerer, insbesondere aller, Manöver eines Kooperationsmanövers erfolgen.
Eine Ausführungsform des ersten Aspekts betrifft ein Verfahren, wobei das Bewerten durch einen trainierten Algorithmus, insbesondere durch ein neuronales Netz, erfolgt.
Ein trainierter Algorithmus kann insbesondere ein maschinelles Lernen umfassen. Ein Training kann insbesondere auf Basis eines überwachten Lernens ("supervised learning") oder auf Basis eines bestärkenden Lernens ("reinforcement learning") erfolgen. Der Algorithmus kann insbesondere auf Basis zuvor maschinell generierter Manöver und/oder Kooperationsmanöver erfolgt sein. Zusätzlich oder alternativ kann ein Training durch ein aktuell erfolgtes Manöver und/oder Kooperationsmanöver erfolgen. Analoges kann für das Testen eines trainierten Algorithmus' gelten.
Eine Ausführungsform des ersten Aspekts betrifft ein Verfahren, wobei das Bewerten durch eine binäre Klassifikation erfolgt, wobei insbesondere erfolgreiche Kooperationsmanöver von nicht-erfolgreichen Kooperationsmanövern unterschieden werden.
Die binäre Klassifikation kann insbesondere durch einen trainierten Algorithmus erfolgen. Der trainierte Algorithmus kann insbesondere auf einem maschinellen Lernen basieren, beispielsweise kann die binäre Klassifikation durch ein entsprechend trainiertes neuronales Netz erfolgen. Durch die binäre Klassifikation kann insbesondere ein erfolgreiches Kooperationsmanöver von einem nicht erfolgreichen Kooperationsmanöver unterschieden werden, so dass nur erfolgreiche Kooperationsmanöver weiterverarbeitet werden müssen. Dadurch kann eine Verarbeitungszeit des Verfahrens verkürzt werden. Dies ist insbesondere dann nützlich, wenn das Verfahren unter Echtzeitbedingungen ausgeführt wird. Zusätzlich oder alternativ kann eine Klassifikation auch differenzieren, ob ein Sicherheitsabstand gewährleistet ist, ob vorgegebene Regeln, beispielsweise Verkehrsregeln, eingehalten werden
und/oder ob ein Kooperationsmanöver effizient aus Submanövern zusammengesetzt ist, beispielsweise so, dass keine überflüssigen Manöver, z.B. doppelte Manöver, umfasst sind. Zusätzlich oder alternativ kann eine Klassifikation erfolgen, ob eine erfolgreiche Auflösung abhängiger Submanöver erfolgt ist, wobei die abhängigen Submanöver insbesondere zwischen verschiedenen Manövern eines Kooperationsmanövers definiert sein können.
Eine Ausführungsform des ersten Aspekts betrifft ein Verfahren, wobei das Bewerten durch eine Regression erfolgt, durch welche insbesondere eine Güte des Kooperationsmanövers festgestellt wird.
Die Regression kann insbesondere durch einen trainierten Algorithmus erfolgen. Der trainierte Algorithmus kann insbesondere auf einem maschinellen Lernen basieren, beispielsweise kann die binäre Klassifikation durch ein entsprechend trainiertes neuronales Netz erfolgen. Die Regression kann insbesondere nach der binären Klassifikation erfolgen. Insbesondere kann die Regression nur für erfolgreiche Manöver erfolgen. Vorteilhaft werden dadurch keine Kooperationsmanöver bezüglich ihrer Güte bewertet, die sowieso nicht realisiert werden, weil sie nicht erfolgreich sind. Dadurch kann eine Verarbeitungszeit des Verfahrens verkürzt werden. Dies ist insbesondere dann nützlich, wenn das Verfahren unter Echtzeitbedingungen generiert und bereitgestellt werden soll, z.B. für einen Überholmanöver.
Eine Ausführungsform des ersten Aspekts betrifft ein Verfahren, wobei das Gütekriterium aus mehreren Bewertungsgrößen zusammengesetzt ist und wobei die einzelnen Bewertungsgrößen insbesondere gewichtet werden.
Eine Bewertungsgröße kann eine positionsbasierte Größe sein, beispielsweise eine Position, eine zurückgelegte Strecke, eine Geschwindigkeit, eine Beschleunigung und/oder ein Ruck. Beispielsweise kann ein Überholmanöver danach bewertet werden, wieviel Strecke dafür benötigt wird. Denn insbesondere bei Gegenverkehr kann die Strecke auf der Fahrspur für entgegenkommende Fahrzeuge eine sicherheitsrelevante Bewertungsgröße sein.
Eine Bewertungsgröße kann insbesondere eine Dauer eines Kooperationsmanövers sein. Entsprechend der vorangegangenen Begründung kann auch eine Dauer eine sicherheitsrelevante Bewertungsgröße sein.
Eine aus mehreren Bewertungsgrößen zusammengesetzte Bewertungsgröße kann beispielsweise aus einer längsten Distanz eines Manövers eines Kooperationsmanövers und aus einem Ruck, der durch das Manöver auf die Maschine ausgeübt wird, zusammengesetzt sein. Insbesondere können diese Bewertungsgrößen gewichtet sein. So können je nach Auswahl der Wichtungen unterschiedliche Typen von Kooperationsmanövern gezielt präferiert werden.
Eine Ausführungsform des ersten Aspekts betrifft ein Verfahren, wobei das Bereitstellen des Kooperationsmanövers an wenigstens eine weitere Maschine erfolgt.
Es ist vorstellbar, dass ein Kooperationsmanöver nicht für alle Maschinen der
Umgebungsinformation Manöver umfasst. Dies kann beispielsweise dann der Fall sein, wenn
einige Maschinen mit hoher Wahrscheinlichkeit keinen Einfluss auf das Kooperationsmanöver haben. Diesen Maschinen kann dennoch die Information über das Kooperationsmanöver mitgeteilt werden. Dies kann insbesondere dann vorteilhaft sein, wenn diese Maschinen über zusätzliche Informationen verfügen, die in der Umgebungsinformation für das Verfahren nicht enthalten war, die aber dennoch relevant für das Kooperationsmanöver ist. Dann können diese Maschinen die zusätzliche Information an die Maschinen des Kooperationsmanövers senden und das Kooperationsmanöver kann, wenn erforderlich, entsprechend angepasst werden. Das Bereitstellen kann durch ein Kommunizieren an eine oder mehrere Maschinen erfolgen und/oder durch ein Ablegen der Information auf einem geteilten Speicher, beispielsweise einem Server, von dem die Maschinen sich die Information holen können.
Eine Ausführungsform des ersten Aspekts betrifft ein Verfahren, wobei eine der beiden Maschinen eine Host-Maschine ist und wobei das Bereitstellen von einer Host-Maschine an wenigstens die zweite Maschine erfolgt.
Auch die Durchführung anderer Verfahrensschritte, insbesondere aller Schritte des Verfahrens nach dem ersten Aspekt, kann auf der Host-Maschine erfolgen. Wenn das Kooperationsmanöver mehrere Maschinen umfasst, kann die Host-Maschine das Kooperationsmanöver für alle Maschinen des Kooperationsmanövers bereitstellen. Zusätzlich oder alternativ kann das Kooperationsmanöver von der Host-Maschine auch für nicht vom Kooperationsmanöver umfasste Maschinen bereitgestellt werden, insbesondere wenn diese das Kooperationsmanöver beeinflussen könnten.
Eine Ausführungsform des ersten Aspekts betrifft ein Verfahren, umfassend den Schritt:
- Bestätigen eines Erhaltens der Informationen des bereitgestellten Kooperationsmanövers durch wenigstens eine der beiden Maschinen.
Eine Bestätigung kann insbesondere von allen Maschinen, für die das ausgewählte Kooperationsmanöver bereitgestellt wird, erfolgen. Insbesondere kann eine Bestätigung aller am Kooperationsmanöver beteiligten Maschinen eine Voraussetzung dafür sein, dass das Kooperationsmanöver durchgeführt werden kann.
Eine Bestätigung kann insbesondere eine Zustimmung oder eine Ablehnung des Kooperationsmanövers umfassen. Eine Ablehnung kann insbesondere einen Gegenvorschlag für das Kooperationsmanöver oder zumindest für das Manöver der ablehnenden Maschine umfassen. Zusätzlich oder alternativ kann eine Ablehnung Informationen umfassen, wie das Kooperationsmanöver, insbesondere das Manöver der ablehnenden Maschine, angepasst werden muss, damit eine Zustimmung dieser Maschine bzw. für diese Maschine erfolgen kann.
Ein zweiter Aspekt betrifft eine Maschine, dazu eingerichtet:
- eine Umgebungsinformation zu erhalten, insbesondere sensorisch zu erfassen, die wenigstens zwei Maschinen umfasst;
- auf Basis der Umgebungsinformation eine Mehrzahl von Kooperationsmanövern zu ermitteln, welche jeweils ein Manöver für die beiden Maschinen aufweisen;
-jedes der Kooperationsmanöver auf Basis eines vorgegebenen Gütekriteriums zu bewerten;
- ein Kooperationsmanöver auszuwählen, dessen Bewertung einen vorbestimmten Wert des Gütekriteriums, insbesondere einen Bestwert, aufweist;
- für die zwei Maschinen das Kooperationsmanöver, insbesondere das Manöver, das der entsprechenden Maschine zugeordnet ist, bereitzustellen.
Ausführungsformen dieses Aspektes können analog zum ersten Aspekt ausgebildet sein.
Eine Ausführungsform des zweiten Aspekts betrifft eine Maschine, wobei die Vorrichtung eine Infrastruktureinheit ist.
Alternativ kann die Vorrichtung eine Maschine sein, eine Host-Maschine, die am Kooperationsmanöver beteiligt ist.
Ein dritter Aspekt betrifft ein Verfahren, umfassend die Schritte:
- Erhalten einer gemeinsamen Umgebungsinformation wenigstens zweier Maschinenrepräsentationen;
- Generieren einer Mehrzahl von Kooperationsmanövern, welche jeweils ein Manöver für jede der zwei Maschinenrepräsentationen umfassen, auf Basis der Umgebungsinformation;
- Bewerten jedes Kooperationsmanövers auf Basis eines vorgegebenen Gütekriteriums;
- Auswahl eines Kooperationsmanöver, dessen Bewertung einen vorbestimmten Wert des Gütekriteriums, insbesondere einen Bestwert, aufweist;
- Durchführen des ausgewählten Kooperationsmanövers für die zwei Maschinenrepräsentationen.
Kurze Beschreibung der Figuren
Weitere Vorteile und Merkmale ergeben sich aus den folgenden Ausführungsformen, die sich auf die Figuren beziehen. Die Figuren zeigen die Ausführungsformen nicht maßstabsgetreu. Die Abmessungen der verschiedenen Merkmale können insbesondere zur Klarheit der Beschreibung entsprechend vergrößert oder verkleinert sein. Hierzu zeigt, teilweise schematisiert:
Fig. 1 ein Szenario nach einer Ausführungsform der Erfindung;
Fig. 2 ein Ablaufdiagram nach einer Ausführungsform der Erfindung;
Fig. 3 eine Verteilung der Gütefunktionswerte einer Ausführungsform der Erfindung;
Fig. 4 ein Verfahren in Pseudocode nach einer Ausführungsform der
Erfindung;
Fig. 5 Tabelle 1;
Fig. 6 Tabelle 2;
Fig. 7 Tabelle 3;
Fig. 8 Tabelle 4.
In der folgenden Beschreibung wird auf die begleitenden Zeichnungen Bezug genommen, die einen Teil der Offenbarung bilden und in denen zur Veranschaulichung spezifische Aspekte gezeigt sind, in denen die vorliegende Offenbarung verstanden werden kann. In den folgenden Beschreibungen beziehen sich identische Bezugszeichen auf identische bzw. zumindest funktional oder strukturell ähnliche Merkmale.
Generell gilt eine Offenbarung über ein beschriebenes Verfahren auch für eine entsprechende Vorrichtung, um das Verfahren durchzuführen oder herzustellen, oder für ein entsprechendes System, welches ein oder mehrere Vorrichtungen umfasst, und umgekehrt. Wenn beispielsweise ein spezieller Verfahrensschritt beschrieben wird, kann eine entsprechende Vorrichtung ein Merkmal umfassen, um den beschriebenen Verfahrensschritt durchzuführen, auch wenn dieses Merkmal nicht explizit beschrieben oder dargestellt ist. Wenn andererseits beispielsweise eine spezielle Vorrichtung auf der Grundlage von Funktionseinheiten und/oder Strukturmerkmalen beschrieben wird, kann ein entsprechendes Verfahren einen Schritt umfassen, der die beschriebene Funktionalität ausführt oder mit dem eine entsprechende Struktur hergestellt werden kann, auch wenn solche Schritte nicht explizit beschrieben oder dargestellt sind. Ebenso kann ein System mit entsprechenden Vorrichtungsmerkmalen versehen werden oder mit Merkmalen, um einen bestimmten Verfahrensschritt auszuführen. Merkmale der verschiedenen zuvor oder nachfolgend beschriebenen Aspekte und Ausführungsformen können miteinander kombiniert werden, sofern nicht ausdrücklich anders angegeben.
Beschreibung der Figuren
Fig. 1 zeigt beispielhaft das grundlegende Manöver eines kooperativen Überholvorgangs auf einer dreispurigen Autobahn. Das Host-Fahrzeug (HV) ist in der vorliegenden beispielhaften Ausführungsform das Fahrzeug, das sich einem langsameren Remote-Fahrzeug (RV) auf derselben Spur (RV1) nähert, und es ist auch dasjenige, das ein Überholmanöver vorschlägt, wie durch die durchgezogenen Pfeile angezeigt. Es kann möglicherweise weitere Fahrzeuge berücksichtigen, z. B. ein Fahrzeug (RV2) vor dem langsameren Fahrzeug (RV1) oder ein Fahrzeug auf einer anderen Fahrspur (RV3). Alle Fahrzeuge tauschen ihren Status (Position, Geschwindigkeit, Beschleunigung) in regelmäßigen Abständen aus, indem sie Cooperative Awareness Messages (CAMs) senden, die die Grundlage des Umgebungsmodells bilden, das jedem Fahrzeug zur Verfügung steht. Anhand dieser CAMs können die Fahrzeuge Entfernungen und Geschwindigkeiten relativ zu anderen Fahrzeugen einordnen und lösen gegebenenfalls ein Kooperationsmanöver aus.
Das zu lösende Problem für den HV zumindest in dieser Ausführungsform besteht darin, ein kooperatives Überholmanöver vorzuschlagen und durchzuführen, an dem RV1 und möglicherweise andere anwesende Fahrzeuge beteiligt sind. Dadurch sollen Kollisionen vermieden und ein reibungsloser und effizienter Verkehrsfluss ermöglicht werden.
Überwachtes Lernen ermöglicht es, eine Datenerfassung von einer Bewertung zu trennen. Verschiedene Metriken für Gütefunktionen können implementiert werden, indem die
Gütefunktion für das Training geändert wird. Die Verwendung eines binären Klassifikators zur Vorhersage eines Manövererfolgs, gefolgt von Regressionsmodellen zur Einschätzung der Qualität eines vorgeschlagenen Manövers, ermöglicht eine schnelle Entscheidung über den Erfolg eines potenziellen Manövers, ohne dass ressourcenintensive Regressionsmodelle eingesetzt werden müssen.
Eine weitere Ausführungsform der Offenbarung ist in Fig. 2 skizziert: Zunächst wird in Schritt 210 ein ausreichend großer und vielfältiger Satz von Trainingsdaten generiert. Zu diesem Zweck werden, wie später beschrieben, zufällige Szenarien erstellt. Diese definieren die Anzahl der anwesenden Fahrzeuge sowie deren Abfahrtsspur, Anfangsposition und Geschwindigkeit. Anschließend schlägt das HV in Schritt 220 in jedem Szenario ein zufälliges kooperatives Manöver vor, das dann von allen Teilnehmern simuliert ausgeführt wird. Dabei werden sinnvolle Einschränkungen angewendet, wie später beschrieben. Schließlich wird der Erfolg bewertet und ein Gütefunktionswert ermittelt, für jedes dieser gesteuerten Manöver.
Mit diesen Daten wird - im Rahmen eines überwachten Lernens - einen binärer Klassifikator zur Vorhersage des Manövererfolgs trainiert und ebenfalls ein Regressionsmodell zur Einschätzung der Qualität eines Manövers. Um die Leistung einer Lösung zu bewerten, können die trainierten Modelle angewendet werden, beispielsweise indem neue Szenarien simuliert werden oder indem die Modelle in der Realität ausprobiert werden. Dabei schlägt der HV das beste von mehreren zufälligen Kooperationsmanövern zur Ausführung vor. Zunächst wird die Sicherheit eines zufälligen Kooperationsmanövers mithilfe des binären Klassifikators bewertet. Wenn das Kooperationsmanöver als sicher eingestuft wird, wird das Regressionsmodell verwendet, um die Qualität des Manövers zu bewerten. Vorteilhaft kann dadurch Rechenzeit gespart werden. Denn die rechenzeitintensivere Regression wird nur für die erfolgreichen, beispielsweise die sicheren, Kooperationsmanöver durchgeführt. Nachdem mehrere Manöverkandidaten erstellt wurden, wird das beste Kooperationsmanöver ausgewählt und den umliegenden Fahrzeugen über eine drahtlose Kommunikationsschnittstelle kommuniziert. Die Fahrzeuge führen dann gemeinsam das ausgewählte Kooperationsmanöver aus. Durch die Bewertung der erreichten Qualität der kooperativen Manöver in einer Simulation kann die Leistung der Modelle und die Qualität der vorgeschlagenen Kooperationsmanöver beurteilt werden.
Ein Szenario-Generator kann die Grundlage der Rohdaten für das Lernen produzieren. Ein Ziel dabei ist es, die Mehrzahl der Szenarien abzudecken, die bei dem gewünschten Typ von Kooperationsmanöver auftreten können.
Ein Szenariengenerator ist ein geeignetes Werkzeug, um die Vollständigkeit des Datensatzes zu erreichen, so dass dieser, wenn möglich alle denkbaren Szenarien repräsentiert. Die simulierten Szenarien können ähnliche Probleme abdecken, die mit realen Daten verbunden sind, wie z. B. Ungenauigkeiten der Sensoren oder Rauschen aufgrund von Unzulänglichkeiten der Kommunikationstechnologien. Insbesondere kann ein nicht-deterministisches Kanalfading hinzugefügt werden, so dass insbesondere ganze Nachrichten verloren gehen können. In Verbindung mit dem Sendeintervall von 100 ms für CAMs bedeutet dies, dass jedes Fahrzeug sein Umgebungsmodell auf potenziell alte Informationen stützt. Dies macht die Szenarien realistischer.
Um eine gute Abdeckung der Szenarien zu erreichen, können die Parameter wie in Tabelle 1 (Fig. 5) dargestellt variiert werden. Die angegebenen Bereiche spiegeln eine typische Situation für ein Überholmanöver auf Autobahnen wider. Der tatsächliche Wert für ein gegebenes Zufallsszenario kann einer Gleichverteilung entnommen werden:
(1) x = U(x_max, x_min), wobei x_max einen Maximalwert und x_min einen Minimalwert der Verteilung repräsentiert.
Für Parameter, für die nur ganze Zahlen sinnvoll sind, wie die Anzahl der Fahrzeuge, kann die Gleichverteilung diskret sein. Für alle anderen Werte, insbesondere für Geschwindigkeiten und Positionen, kann die Gleichverteilung insbesondere kontinuierlich sein.
Das erste erzeugte Fahrzeug ist das Host-Fahrzeug (HV), das zufällig von der Position s_hv = 0 auf der rechten oder mittleren Fahrspur abfährt. Seine Geschwindigkeit wird in Abhängigkeit von seiner Fahrspur-ID I nach folgender Formel bestimmt:
(2) v_hv ~ U(v_l_max, v_l_max + v_diff), wobei v_l_max eine festgelegte Höchstgeschwindigkeit für zu überholende Fahrzeuge auf dem Fahrstreifen I ist. Als Nächstes werden die n_rv zu überholenden Fahrzeuge generiert. Ihre Fahrspur wird nach dem Zufallsprinzip ausgewählt, wobei das erste Fahrzeug mit gleicher Wahrscheinlichkeit auf der mittleren oder rechten Fahrspur platziert wird. Die Geschwindigkeit für das zu überholende Fahrzeug k auf der Spur I kann dann ermittelt werden aus:
(3) v_rv,k ~ U(v_l_max, v_l_min).
Dabei repräsentiert v_l_max eine maximale Geschwindigkeit und v_l_min eine minimale Geschwindigkeit des Fahrzeugs.
Nachdem alle Fahrzeuge modelliert wurden, können folgende Bedingungen erfüllt sein, um realistische Szenarien zu erhalten. Erstens kann vorgegeben sein, dass sich mindestens ein zu überholendes Fahrzeug auf derselben Spur wie das HV befindet und mindestens v_diff langsamer als dieses fährt. Wenn es bereits ein zu überholendes Fahrzeug k auf der richtigen Spur gibt (RV1 in Fig. 1), kann die Geschwindigkeitsdifferenz geprüft werden und eine Neuberechnung erfolgen, gemäß:
(4) v_hv ~ U(v_rv,k* + v_diff, v_l,max + v_diff), für den Fall, dass dies erforderlich ist. Wird kein geeignetes RV gefunden, kann ein zufälliges RV k* auf den beiden rechten Fahrspuren gewählt werden, dann v_hv gemäß Formel (4) neu berechnet werden und insbesondere das HV auf der gleichen Fahrspur wie das RV k* platziert werden.
Als nächstes kann eine sinnvolle Positionierung der zu überholenden Fahrzeuge entlang der Straße erfolgen. Wenn das nächstgelegene RV vor dem HV (RV1 in Fig. 1) näher als s_hvrv ist, kann einheitlich eine neue Position innerhalb des Intervalls [s_hvrv_min; s_hvrv_max ] ermittelt werden. Das Intervall kann die Abstandsgrenze zwischen dem HV und den RV darstellen. Anschließend kann sichergestellt werden, dass der Abstand zum jeweils vorhergehenden RV mindestens s_dist für alle anderen RVs auf der gleichen Spur (RV2 in Fig.
1) beträgt, insbesondere indem die Positionen der anderen RVs bei Bedarf ebenfalls neu ermittelt werden.
Durch die Anwendung des oben beschriebenen Generierungsalgorithmus können viele mögliche Kooperationsmanöver generiert werden, die mit bis zu n_rv zu überholenden Fahrzeugen in den Trainingsdaten vorkommen können.
Nach der anfänglichen Konfiguration der Szenarien können gesteuerte Kooperationsmanöver simuliert werden. In einer Simulation löst der HV ein kooperatives Manöver entweder auf der Grundlage eines Abstandes, beispielsweise des geometrischen Abstandes zu einem langsameren vorausfahrenden Fahrzeug, aus. Zusätzlich oder alternativ kann ein Auslösen auch aufgrund anderer Parameter erfolgen, wie z.B. einer Zeit bis zu einer Kollision oder einem zusammengesetzten Parameter, der einen Abstand, eine Geschwindigkeitsdifferenz und/oder eine Zeit bis zu einer Kollision umfasst. Zusätzlich oder alternativ kann ein Auslösen auch auf einer externen Triggerinformation basieren. Vor dem Training können die Manövervorschläge nach dem Zufallsprinzip generiert werden. Beispielhafte Parameterbereiche sind in Tabelle 2 (Fig. 6) angegeben und werden im Folgenden erläutert.
Zunächst wird die Aktionssequenz des HV, bestehend aus n_hvc-Manövercontainern, erstellt. Das letzte Teilmanöver kann insbesondere ein Spurwechsel zurück auf die rechte Fahrspur sein und/oder auf eine Ausgangsfahrspur. Alle n_hvc - 1 Manövercontainer davor können mit zufälligen Manövertypen - "Spurwechsel" (cl), "Geschwindigkeitswechsel" (cs) oder "aktuellen Fahrzustand beibehalten" (cn) - gefüllt werden, wobei insbesondere aufeinanderfolgende Teilmanöver desselben Typs vermieden werden. Die Dauer aller Manöver (t_cl , t_cs , t_cn ) kann innerhalb der in Tabelle 2 angegebenen Grenzen randomisiert werden.
Als nächstes können die n_rvc,k Untermanöver für alle vorhandenen, zu überholenden Fahrzeuge erzeugt werden. Die maximale Anzahl von Containern für entfernte Fahrzeuge, n_rvc , kann insbesondere niedriger gewählt sein als für das Hostfahrzeug, insbesondere wenn davon ausgegangen wird, dass zu überholende Fahrzeuge bei einem Überholvorgang weniger Aktionen durchführen als das überholende Fahrzeug. Während die allgemeine Logik für die Generierung von Untermanövern dieselbe sein kann wie für das HV, können zusätzliche Einschränkungen gelten. Zu überholende Fahrzeuge können beispielsweise die Fahrspur nur nach rechts wechseln dürfen, insbesondere um das überholende Fahrzeug nicht zu gefährden. Zusätzlich oder alternativ kann bei der Ausführung eines Teilmanövers zum Geschwindigkeitswechsel die Zielgeschwindigkeit v_cs auf der Grundlage der aktuellen Fahrspur des Fahrzeugs gemäß Formel (3) festgelegt werden.
Das Host-Fahrzeug HV kann dann das resultierende Kooperationsmanöver bewerten, das sich aus den Aktionen des HV und der RVs zusammensetzt. Es kann dabei insbesondere prüfen, ob
es mindestens ein Fahrzeug überholen wird und/oder ob Fahrzeuge verunglücken und/oder illegale Aktionen durchführen (beispielsweise einen oder mehrere Sicherheitsabstände unterschreiten). Beispielsweise, wenn Überholvorgänge gesetzlich nur auf der linken Seite erlaubt sind (wie in Deutschland), können Kooperationsmanöver verworfen werden, bei denen das HV ein Fahrzeug auf der rechten Seite überholt.
In einer Ausführungsform kann in der Trainingsphase das HV so lange Zufallsmanöver generieren, bis das Manöver erfolgreich validiert werden kann. Dann kann es einen endgültigen Vorschlag bereitstellen, um mit den zu überholenden Fahrzeugen dieses Kooperationsmanöver zu verhandeln. Ein Verhandeln kann insbesondere so erfolgen, dass eine Zustimmung oder eine Ablehnung des vorgeschlagenen Kooperationsmanövers seitens aller Fahrzeuge, die vom Kooperationsmanöver umfasst sind, also insbesondere seitens aller zu überholenden Fahrzeugen erfolgt. In einem nächsten Schritt kann die Menge aller ausgeführten Kooperationsmanöver ausgewertet und später für das Modelltraining verwendet werden.
Um gute Kooperationsmanöver zu identifizieren, kann zuvor definiert werden, was ein gutes Manöver auszeichnet. Dies ist vorteilhaft, da das trainierte Netzwerk, das die Manöver bewertet, entsprechend den beim Training verwendeten Gütekriterien optimiert wird.
Ein wichtiges Ziel ist eine Vermeidung von Kollisionen. Kollisionen bedeuten im Allgemeinen, dass wenigstens zwei an einem Kooperationsmanöver teilnehmende Maschinen eine gleiche Position zu einer gleichen Zeit aufweisen. Zusätzlich oder alternativ kann eine Kollision dadurch definiert sein, dass räumliche und zeitliche Sicherheitsabstände zwischen den im Kooperationsmanöver relevanten Maschinen und/oder Umgebungsstrukturen verletzt sind. Wenn ein kooperatives Überholmanöver bewertet werden soll, kann weiteres Kriterium sein, ob ein Überholvorgang stattgefunden hat oder nicht. Ein erfolgreiches Kooperationsmanöver kann also als Ergebnis eines binären Klassifikators erfolgen, z.B. als kollisionsfreies Überholmanöver.
Als weiteres Gütekriterium kann der Ruck, beispielsweise als dritte Ableitung einer Position, gelten, den ein Fahrzeug bei einem Kooperationsmanöver auf einen Fahrer ausübt. Da hohe Ruck-Werte für Menschen in Fahrzeugen unangenehm sein können, kann ein maximaler Ruck oder ein über das gesamte oder Teile des Kooperationsmanövers integrierter Ruck verwendet werden. Insbesondere kann definiert werden, dass geringe Änderungen der Beschleunigung unterhalb einer unteren Schwelle j keine Kosten verursachen. Wenn der maximale absolute Ruck j_max diesen Schwellenwert überschreitet, kann von linear steigenden Kosten ausgegangen werden (andere Formalisierungen sind ebenfalls möglich):
(5) wj = 0, if j < j_thr_min and wj = (j - j_thr_min)/j_thr_max, sonst, wobei j_thr_min ein minimaler Ruckschwellwert ist und j_thr_max ein maximaler Ruckschwellwert. Für diese kann definiert werden:
(6) j_thr,min = 0.5(a_max/ls) and j_thr,max = abs(a_min/ls),
wobei a_max = 2msA(-2) die angenommene maximale Beschleunigung und a_min = -4,5msA(- 2) eine Notbremsung darstellt.
Außerdem kann das HV bei einem Überholvorgang in den meisten Fällen sein Ziel schneller erreichen als durch das Hinterherfahren hinter einem langsamen Fahrzeug. Daher kann eine Weglänge als Term der Gütefunktion, nämlich die vom HV während des Manövers zurückgelegte Strecke, definiert werden:
(7) w_hv = d_hv/d*_hv - 1, wobei d_hv die von dem HV während des Manövers zurückgelegte Strecke in Längsrichtung ist und d*_hv die Strecke, die es in derselben Zeit zurücklegen würde, wenn es langsamer fahren und hinter einem vorausfahrenden Fahrzeug bleiben würde. Durch Subtraktion von 1 erhalten wir w_hv > 0, wenn der HV weiter fahren kann als im unkooperativen Fall, und w_hv < 0, wenn er weniger weit fährt. Die Maximierung der zurückgelegten Strecke (statt einer Minimierung) führt zwar nicht zu kurzen Überholmanövern, aber sie bewirkt vorteilhaft eine Verbesserung gegenüber dem unkooperativen Fall.
Zusätzlich oder alternativ kann auch eine durchschnittlich zurückgelegte Strecke der zu überholenden Fahrzeuge verwendet werden.
Die Verteilung der Gütefunktionswerte für 867 000 erfolgreiche, randomisierte kooperative Überholvorgänge ist in Fig. 3 dargestellt. Für wj, gemäß Fig. 3a entsprechen die Spitzen bei ~ - 0,77 und ~ -1,22 den abrupten Notbremsungen von a = 0 m/sA2 bzw. von a = a_max innerhalb eines SUMO-Zeitschritts (0,1 s). Für w_hv, gemäß Fig. 3b, zeigt die Verteilung, dass die meisten erzeugten Kooperationsmanöver in der Lage sind, die von der HV zurückgelegte Strecke geringfügig zu vergrößern. Dies liegt daran, dass zufällige Manöver validiert werden und es dem HV somit gelingt, mindestens ein Fahrzeug zu überholen.
Verschiedene Gütefunktionen können verwendet werden. Im Folgenden werden beispielhaft zwei verschiedene Sätze der Gütefunktions-Term-Gewichte yj und y_hv verwendet:
(8) w= (y_j*wj + y_hv*w_hv)/(yj + y_hv)
Die Implementierung der Formel (8) kann auf Grundlage der Nutzerpräferenzen erfolgen, wie in Tabelle 3 (Fig. 7) dargestellt sind. Selbstverständlich können auch andere Nutzerpräferenzen definiert werden. Den Fahrern der Kategorie 1 geht es vor allem darum, ihre zurückgelegte Strecke zu maximieren. Für dieses Ziel sind sie bereit, auch große Rucke in Kauf zu nehmen. In der Kategorie 2 sind die Fahrer empfänglicher für Ruckeln und sie sind nicht bereit, für eine längere zurückgelegte Strecke auf Fahrkomfort zu verzichten. Andere Optimierungsziele könnten die zurückgelegte Strecke im Verhältnis zur Manöverdauer (Förderung eines hohen Verkehrsdurchsatzes) oder die Manöverdauer selbst (Förderung schnellerer Kooperationsmanöver) sein. Im Folgenden sind die hier vorgestellten kategoriespezifischen Gütefunktionen mit wA(l) bzw. wA(2) bezeichnet. Die sich daraus ergebende Verteilung für die Gütefunktion beider Kategorien ist in Fig. 3c dargestellt.
Das binäre Klassifizierungsnetz wurde beispielhaft auf der Grundlage von 800000 generierten Kooperationsmanövern trainiert, die nach dem Zufallsprinzip aus 1067000 Kooperationsmanövern ausgewählt wurden. Die restlichen 25 % können zum Testen verwendet werden. Innerhalb der Trainingsmenge kann beispielhaft eine 5-fache Kreuzvalidierung angewendet werden. Eingaben sind die Szenarien, das vorgeschlagene Kooperationsmanöver und die Validierung des Manövererfolgs. Die Szenariobeschreibung umfasst den HV und bis zu n_rv RVs. Die Kooperationsmanöver können durch die beteiligten Teilmanöver, d. h. Fahrzeug-IDs, Manövertypen und Dauer, beschrieben werden. Beispielhaft wurden diese 56 Merkmale für das Training normalisiert. Die Merkmale sind in Tabelle 4 (Fig. 8) aufgeführt. Ungenutzte Merkmale wurden mit 0 initialisiert, wie z. B. die Parameter der Manövercontainer für nicht vorhandene RVs.
Beispielsweise auf der Grundlage einer Rastersuche nach den Netzdimensionen, kann ein Netzwerk mit 6 x 128 Neuronen, ohne Dropout-Schichten und mit einer Sigmoid- Aktivierungsfunktion ausgewählt werden. Des Weiteren kann ein Adam-Optimierer und insbesondere eine Stapelgröße von 32 verwendet werden. Die Trainingsleistung kann in Bezug auf den binären Kreuzentropieverlust mit steigenden Trainingsepochen exponentiell abnehmen. Im speziellen Fall eines kooperativen Überholvorgangs kann eine Sensitivität ("recall") als kritischer als ein positiver Vorhersagewert ("precision") erachtet werden. Denn es kann eine Sicherheit der Fahrgäste stärker gefährden, ein als sicher eingestuftes Manöver vorzuschlagen, das nicht sicher ist, als ein Manöver als nicht sicher zu verwerfen, das sicher ist.
Des Weiteren können die Regressionsmodelle trainiert werden, die wA(l) und wA(2) vorhersagen. Dazu können 75% der Datenproben zum Training und die restlichen 25% zum Testen verwendet werden. Insbesondere brauchen nur erfolgreiche Manöver verwendet zu werden. Das reduziert die Anzahl auf 650000 Kooperationsmanöver. Die Regressionsmodelle können auf der Grundlage derselben 56 normalisierten Merkmale trainiert werden, die für die binäre Klassifikation verwendet werden, gemäß Tabelle 4. Für die Fahrspur und die Geschwindigkeit der zu überholenden Fahrzeuge können insbesondere relative Werte verwendet werden, da dies vorteilhaft die Extrapolation vereinfacht. Ein Überholvorgang braucht insbesondere nicht davon abzuhängen, auf welcher absoluten Fahrspur dieser stattfindet. Er kann aber insbesondere davon abhängen, welche Fahrspuren die Fahrzeuge relativ zueinander belegen.
Beispielhaft können die neuronalen Netze für die Regression aus sechs Schichten zu je 512 Neuronen für die Fahrerkategorie 1 bestehen und aus acht Schichten zu 4 x 512 und 4 x 256 für die Fahrerkategorie 2. Diese Dimensionen können insbesondere über eine Gittersuche gefunden werden. Insbesondere brauchen keine Dropout-Schichten verwendet zu werden. Zudem kann eine gleichgerichtete lineare Einheit (ReLU) als Aktivierungsfunktion eingesetzt werden und der mittlere quadratische Fehler (MSE) kann als Verlustfunktion dienen.
Für die Vorhersage von Kooperationsmanövern kann nunmehr insbesondere der Algorithmus gemäß Fig. 4 verwendet werden. Das initiierende Fahrzeug ruft diesen Algorithmus immer dann auf, wenn es eine Gelegenheit für ein kooperatives Manöver erkannt hat. Insbesondere wenn die Vorhersage simuliert wird, kann der Aufruf auch auf Basis eines externen Triggers erfolgen. Auf der Grundlage der aktuell wahrgenommenen Umgebungsfahrzeuge generiert der
HV zufällige Manöver. Sie können alle umliegenden Fahrzeuge umfassen, ein Überholmanöver beinhalten und überflüssige Submanöver, wie aufeinanderfolgende Spurwechsel hin und her, vermeiden. Anschließend wird der Erfolg der generierten Kooperationsmanöver mit Hilfe des binären Klassifikators vorhergesagt. Das Regressionsmodell sagt dann den Zielwert w_pred für die als erfolgreich eingestuften Manöver voraus. Vorteilhaft kann durch diese zweistufige Implementierung das optimale Kooperationsmanöver schneller ermittelt werden, da die Regression allein für die erfolgreichen Kooperationsmanöver durchgeführt wird. Nach n_gen solcher Bewertungen wählt der HV das Kooperationsmanöver aus, für das der höchste w_pred vorhergesagt wird, und schlägt es den umliegenden Fahrzeugen vor. Diese stimmen zu, und das Überholmanöver wird ausgeführt. Zudem können die umliegenden Fahrzeuge auch ablehnen oder eine Modifikation des Kooperationsmanövers vorschlagen bzw. für eine Zustimmung zur Bedingung machen. Für jedes neue Szenario kann insbesondere eine Simulation mit einem gefahrenen kooperativen Manöver erfolgen.
Insbesondere kann die Zeit für die Generierung von Vorschlägen linear zunehmen, abhängig von der Anzahl der zufälligen Manövervorschläge, die zur Auswahl stehen. Die Generierung eines Manövervorschlags, einschließlich Szenariengenerierung, Erfolgsvorhersage und Schätzung von w_pred, kann auf einer Intel i7-8665U CPU durchschnittlich 50ms dauern, wobei die meiste Zeit auf die Schätzung von w_pred verwendet wird. Je nach Situation kann es möglich sein, 5s zu warten, bis ein Kooperationsmanöver vorgeschlagen wird. Ein Fahrzeug kann daher die Anzahl der bewerteten Manöver n_gen reduzieren, um den Anforderungen einer aktuellen Fahrsituation gerecht zu werden. Außerdem kann spezielle Hardware verwenden werden, um die Berechnungsdauer weiter zu verkürzen. Bei der Anwendung des Verfahrens muss ein Kompromiss zwischen der Erhöhung des erreichbaren w_pred und der für die Generierung der Manöverkandidaten benötigten Zeit finden. Eine Erhöhung der Vorschlagszahl n_gen verbessert insbesondere die Qualität der Manövervorschläge.
Bezugszeichenliste
HV - Host-Fahrzeug
RV1 - entferntes Fahrzeug
RV2 - entferntes Fahrzeug
RV3 - entferntes Fahrzeug
210 - Szenario/Manöver-Generierung
220 - Manöver Simulierung
230 - Manöver Bewertung
240 - Modell Training
250 - Modell Anwendung
260 - Auswertung