Beschreibung
Verfahren zum Betrieb einer Klimaanlage für ein Fahrzeug und Klimaanlagenanordnung
Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zum Betrieb einer Klimaanlage für ein Fahrzeug zur Personenbeförderung, wobei die Klimaanlage , abhängig von einer aktuellen Anzahl von in einem Fahrgastinnenraum des Fahrzeugs befindlicher Fahrgäste (Besetzungsgrad) , einen zur Einhaltung einer vorgegebenen Mindest-Raumluf tqualität in den Fahrgastinnenraum von außerhalb des Fahrzeugs einzuleitenden Frischluftvolumenstrom steuert , sowie auf eine Klimaanordnung zur Durchführung dieses Verfahrens .
Für Fahrzeuge zur Personenbeförderung sind hinsichtlich der einzuhaltenden Luftqualität im Fahrgastinnenraum einschlägige Normen einzuhalten . Beispielsweise bei Schienenfahrzeugen, sind dies die EU-Verordnungen Nr . 1302 /2014 ( „TS I Loc/Pas" ) , welche die einzuhaltenden Anforderungen an die Luftqualität in einem Fahrgastinnenraum bestimmen . Dabei ist insbesondere darauf zu achten, dass ein maximal zulässiger Gehalt an Koh- lenstof fdioxid nicht überschritten wird . In den europäischen Normen zum klimatechnischen Komfort in Schienenfahrzeugen werden zudem expli zit Frischluft-Volumenströme genannt , die pro Fahrgast einzuhalten sind . Diese Anforderungen werden von Betreibern von Schienenfahrzeugen in die betref fenden Lastenhefte aufgenommen . Die eingesetzte Klimaanlage ist hinsichtlich ihres Betriebs somit von der aktuellen Anzahl der im Fahrgastinnenraum befindlichen Fahrgäste abhängig .
Für einen wirtschaftlichen Betrieb der Klimaanlage ist das Ziel , den Frischluft-Volumenstrom auf das zulässige Mindestmaß im Sinne der einschlägigen Normen und ggf . weiterer Anforderungen zu reduzieren . Dies ist j edoch nur dann zulässig, wenn eine aktuelle Anzahl der im Fahrgastinnenraum befindlichen Fahrgäste bekannt ist .
Vor diesem Hintergrund wird der Besetzungsgrad eines beispielsweise Schienenfahrzeugs auf verschiedene Art und Weise bestimmt . In einer ersten Variante wird das Auflagegewicht des Fahrzeugs in den elastischen Lagerungen ( Luftfedern) bestimmt . Die Anzahl der aktuell im Fahrzeug befindlichen Fahrgäste ist dann über die Di f ferenz zwischen dem Auflagegewicht und dem Fahrzeuggewicht geteilt durch das angenommene mittlere Gewicht eines Fahrgastes ( zumeist 75 kg) bestimmbar .
In einer anderen Variante wird die Anzahl aktuell im Fahr- gastinnenraum befindlicher Fahrgäste über eine Messung des Gehalts an Kohlendioxyd ( CO2 ) in der Raumluft durch CO2- Sensoren in Umluftansaugungen der Klimaanlagen bestimmt . Dabei werden häufig teure Drei fachsensoren für Lufttemperatur, Luftfeuchte und Kohlendioxydgehalt eingesetzt .
Ausgehend hiervon liegt der Erfindung die Aufgabe zu Grunde , ein Verfahren der eingangs genannten Art derart weiterzuentwickeln, dass in kostengünstigerer Weise die Anzahl aktuell in einem Fahrgastinnenraum eines Fahrzeugs zur Personenbeförderung befindlicher Fahrgäste bestimmbar wird sowie eine zur Durchführung des Verfahrens geeignete Klimaanordnung anzugeben .
Diese Aufgabe wird hinsichtlich des Verfahrens gelöst durch ein Verfahren zum Betrieb einer Klimaanlage nach dem Wortlaut des Anspruchs 1 .
Danach zeichnet sich das eingangs beschriebene Verfahren dadurch aus , dass die Klimaanalage auf der Basis klimatechnischer Messwerte und eines aktuellen Wertes für wenigstens einen Betriebsparameter der Klimaanlage einen Gesamt-Wasser- Massenstrom, der aktuell von den in dem Fahrgastinnenraum befindlichen Fahrgästen abgegeben wird, bestimmt sowie aus dem Gesamt-Wasser-Massenstrom und einem vorgegebenen Wert für einen von einem Fahrgast abgegebenen Wasser-Massenstrom eine aktuelle Anzahl von in dem Fahrgastinnenraum befindlichen Fahrgästen bestimmt .
Das Verfahren gestattet es somit , auf kostspielige Sensoren, wie sie beispielsweise zur Bestimmung eines CC^-Anteils der Raumluft erforderlich sind, zu verzichten . Es reichen zur Durchführung des Verfahrens Temperatur- und Feuchtigkeitssensoren aus , deren Messwerte in geeigneter Weise die Grundlage für die Bestimmung der aktuellen Anzahl von in dem Fahr- gastinnenraum befindlichen Fahrgästen bilden . Die Bestimmung des Besetzungsgrades für den Fahrgastinnenraum sollte unter quasistationären Bedingungen stattfinden, was die beteiligten Massenströme angeht . Unter dem Begri f f „quasistationär" wird verstanden, dass das Ergebnis der Bestimmung der aktuellen Anzahl von in dem Fahrgastinnenraum befindlichen Fahrgästen im eingeschwungenen Zustand innerhalb eines Toleranzbandes von +/- 10% (um den aktuellen Mittelwert ) vorzugsweise +/- 5% bleibt .
Bevorzugt bestimmt die Klimaanlage die aktuelle Anzahl der im Fahrgastinnenraum befindlichen Fahrgäste über folgende Gleichung :
rilp n : Anzahl der Passagiere Vfr Frischluft-Volumenstrom [m3 /h] pi : Dichte der Raumluft [ kg/m3 ] Xi spezi fische Luftfeuchtigkeit der Raumluft [ kg/ kg] Pfr Dichte der Frischluft [ kg/m3 ] Xfr spezi fische Luftfeuchtigkeit der Frischluft [ kg/ kg] rhp : von einer Person abgegebener Wasser-Massenstrom [ kg/h] .
Sämtliche in der Gleichung enthaltenen Größen sind mit Hil fe von Temperatur- und Feuchtigkeitssensoren bestimmbar, wobei auch einer Temperaturabhängigkeit der Dichte von Luft Rechnung getragen werden kann .
Bevorzugt kann die Klimaanlage signaltechnisch mit j eweiligen Sensoren für eine Außentemperatur und einer Außenfeuchte der Frischluft , eine Innen- oder Umlufttemperatur und einer In-
nen- oder Umluft feuchte der Raumluft verbunden sein und für die Berechnung der Anzahl aktuell in dem Fahrgastinnenraum befindlicher Fahrgäste als Wert für den wenigstens einen Betriebsparameter der Klimaanlage einen aktuellen Vorgabewert der Klimasteuerung oder der Zugsteuerung für den Frischluft- Volumenstrom gemäß aktuellem Betriebs zustand der Klimaanalage verwenden . Alternativ könnte der aktuell anliegende Frischluft-Volumenstrom auch messtechnisch ermittelt werden .
Dabei ergibt sich ein von einer Person abgegebener Wasser- Massenstrom aus dem Quotienten von latenter Wärmeabgabe des Menschen und spezi fischer Verdampfungsenthalpie des Wassers . Die latente Wärmeabgabe des Menschen, normal bekleidet und sitzend, kann Klimakomfortnormen für Schienenfahrzeuge , wie EN 14813 , EN 14750 oder EN 13129 , entnommen werden .
Das hier vorgestellte Verfahren setzt voraus , dass eine Gesamtbilanz für den aus dem Fahrgastinnenraum austretenden Wasser-Massenstrom der über die Frischluft eingeführte Wasser-Massenstrom zuzüglich des von den aktuell in dem Fahr- gastinnenraum befindlichen Fahrgästen abgegeben Wasser- Massenstrom bildet . Dazu ist darauf hinzuweisen, dass eine Kondensation von Wasserdampf im Fahrzeug, insbesondere im Schienenfahrzeug, vermieden werden muss , denn sie verfälscht die Massenbilanz und somit auch das Ergebnis . Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit einer Taupunktunterschreitung im Fahrzeug insbesondere bei neuen Schienenfahrzeugen, die in der Regel gut gedämmt sind, gering . Sollte doch Kondensation des Wasserdampfs auftreten, kann das Verfahren gegebenenfalls unter Berücksichtigung von Korrekturen durchgeführt werden, wobei Annahmen darüber zu tref fen wären, in welchem Umfang der Wasserdampf im Fahrzeug kondensiert .
Hinsichtlich der Klimaanordnung für ein Fahrzeug zur Personenbeförderung wird die oben genannte Aufgabe durch eine Klimaanordnung nach Anspruch 5 gelöst .
Dabei kann davon ausgegangen werden, dass im Stand der Technik eingesetzte Klimaanordnungen bereits eine Viel zahl von zur Durchführung des oben beschriebenen Verfahrens erforderlichen Sensoren umfassen, insbesondere Temperatursensoren für die Innenraumluft und die Außenluft/ Frischluft sowie einen Feuchtigkeitssensor für die Innenraumluft .
Gegenüber bekannten Klimaanaordnungen zeichnet sich die hier vorgestellte Klimaanordnung dadurch aus , dass die Klimaanordnung einen Sensor für eine Außenfeuchte der Frischluft aufweist und derart ausgebildet ist , dass sie aufgrund auf der Basis von Messwerten, die von den Sensoren geliefert werden, und eines aktuellen Wertes für wenigstens einen Betriebsparameter der Klimaanlage einen Gesamt-Wasser-Massenstrom, der aktuell von den in dem Fahrgastinnenraum befindlichen Fahrgästen abgegeben wird, bestimmt sowie aus dem Gesamt-Wasser- Massenstrom und einem vorgegebenen Wert für einen von einem Fahrgast abgegebenen Wasser-Massenstrom eine aktuelle Anzahl von in dem Fahrgastinnenraum befindlichen Fahrgästen bestimmt .
Was die Sensorik angeht , ist die Klimaanordnung zur Durchführung des Verfahrens lediglich, um einen Sensor für eine Außenfeuchte der Frischluft zu erweitern .
Bevorzugte Aus führungs formen der Klimaanordnung ergeben sich aus den Ansprüchen 6 bis 8 , wobei insbesondere der Sensor zur Messung der Außenfeuchte im Bereich einer Frischluftansaugung des Fahrzeugs angeordnet sein sollte . Letzteres gestattet eine zuverlässige Messung der Außenfeuchte , die Grundlage für den von außen zugeführten Wasser-Massenstrom ist , der in die Durchführung des Verfahrens zur Bestimmung der aktuellen Anzahl von in einem Fahrgastinnenraum befindlichen Fahrgästen ist .
Ein Aus führungsbeispiel der Erfindung wird nachfolgend unter Bezugnahme auf die Zeichnung noch näher erläutert . Die einzi-
ge Figur zeigt eine schematische Darstellung einer Klimaanordnung eines Schienenfahrzeugs .
Die Figur zeigt einen Längsabschnitt eines Wagenkastens eines Schienenfahrzeugs , das als Beispiel für ein Fahrzeug zur Personenbeförderung herangezogen wird . Ein Fahrgastinnenraum 1 des Schienenfahrzeugs wird mittels einer Klimaanlage 2 mit konditionierter Zuluft versorgt . Eine aktuelle Betriebsweise der Klimaanlage ist davon abhängig, wie viele Fahrgäste sich aktuell in dem Fahrgastinnenraum 1 befinden, d . h . welcher Besetzungsgrad für den Fahrgastinnenraum aktuell zugrunde zu legen ist . Ausgehend davon hat die Klimaanlage 2 die Aufgabe , einen zur Einhaltung einer vorgegebenen Mindest-
Raumluf tqualität in den Fahrgastinnenraum 1 von außerhalb des Fahrzeugs einzuleitenden Frischluftvolumenstrom zu steuern, und zwar möglichst wirtschaftlich .
Angaben über aktuell herrschende klimatische Bedingungen werden der Klimaanlage 2 über eine Anzahl von Sensoren zur Verfügung gestellt . Für die Innenraumluft , die sich in dem Fahr- gastinnenraum 1 befindet , sind ein Temperatursensor 3 und ein Feuchtesensor 4 zur Bestimmung der spezi fischen Luftfeuchtigkeit der Raumluft
vorgesehen .
Zur Beaufschlagung des Fahrgastinnenraums 1 mit konditionierter Zuluft fördert die Klimaanlage 2 über einen Frischluft- Lüfter (nicht dargestellt ) , der Frischluft von außerhalb des Fahrzeugs durch eine Frischluftöf fnung 5 in den Fahrgastinnenraum 1 einleitet . Zudem steuert die Klimaanlage 2 einen Fortluft-Lüfter (nicht dargestellt ) , der aus dem Fahrgastinnenraum 1 stammende Raumluft durch eine Fortluft-Öf fnung 6 nach außerhalb des Fahrzeugs fördert .
Zur Bestimmung der klimatischen Parameter der einzuleitenden Frischluft umfasst die Klimaanordnung einen Außentemperatursensor 7 sowie einen im Bereich der Einlassöf fnung 5 für Frischluft angeordneten Feuchtesensor 8 , mit dessen Hil fe der
spezi fischen Luftfeuchtigkeit der Frischluft %fr bestimmbar ist .
Sämtliche Sensoren, nämlich der Sensor für die Innen- Temperatur 3 , die Innen-Luft feuchte 4 , die Außentemperatur 7 und die Außenfeuchte 8 stehen in signaltechnischer Verbindung zur Klimaanlage 2 . Diese wertet die von den Sensoren 3 , 4 , 7 , 8 gelieferten Messwerte für die verschiedenen Messgrößen zur Bestimmung einer aktuellen Anzahl von in dem Fahrgastinnen- raum 1 befindlichen Fahrgästen aus . Dies geschieht über folgende Gleichung :
n : Anzahl der Passagiere
Vfr”. Frischluft-Volumenstrom [m3 /h] pi : Dichte der Raumluft [ kg/m3 ] Xi spezi fische Luftfeuchtigkeit der Raumluft [ kg/ kg] Pfr Dichte der Frischluft [ kg/m3 ] Xfr spezi fische Luftfeuchtigkeit der Frischluft [ kg/ kg] 4np : von einer Person abgegebener Wasser-Massenstrom [ kg/h] .
Es ist ersichtlich, dass in die Bestimmung der Anzahl n von aktuell in dem Fahrgastinnenraum 1 befindlichen Fahrgästen der Frischluft-Volumenstrom
eingeht . Hierfür wird bevorzugt ein aktueller Vorgabewert der Klimasteuerung oder der Fahrzeugsteuerung für den Frischluft-Volumenstrom
verwendet . Des Weiteren umfasst die Gleichung den von einer Person abgegebenen Wasser-Massenstrom 4np . Dieser ist als konstanter Wert für die Berechnung der Anzahl n hinterlegt und ergibt sich aus dem Quotienten von latenter Wärmeabgabe des Menschen und spezi fischer Verdampfungsenthalpie des Wassers . Dabei kann die latente Wärmeabgabe des Menschen, normal bekleidet und sitzend, den Klimakomfortnormen für Schienenfahrzeuge (EN 14813 , EN 14750 oder EN 13129 ) entnommen werden . Demgegenüber ist die spezi fische Verdampfungsenthalpie des Wassers eine in Tabellenwerken nachschlagbare Größe .
Es ist hervorzuheben, dass zur Durchführung des vorstehend erläuterten Verfahrens zur Bestimmung der Anzahl n aktuell in dem Fahrgastinnenraum 1 befindlicher Fahrgäste bekannte Klimaanordnungen von Fahrzeugen, insbesondere Schienenfahrzeugen, in vielen Fällen auf einfache Weise nachrüstbar sind . Häufig wird einzig der Feuchtesensor 8 für die Frischluft , die von außen in den Fahrgastinnenraum 1 eingeleitet wird, zu ergänzen sein .
Auch ist darauf hinzuweisen, dass der Innenraumsensor 3 und der Feuchtesensor 4 durch einen Temperatursensor und einen Feuchtesensor ersetzt sein können, die sich in einem Umluft- Klimakanal des Fahrzeugs befinden, sofern ein solcher Kanal bei dem Fahrzeug vorgesehen ist . Ein Umluft-Klimakanal führt aus dem Fahrgastinnenraum 1 stammende Luft , die j edoch nicht als Fortluft das Fahrzeug verlässt , sondern beispielsweise in einer Luftverteilbox mit von außen angesaugter Frischluft gemischt und in den Fahrgastinnenraum 1 zurückgeführt wird .