ELEKTRONISCHES BAUELEMENT UND VERFAHREN ZUM HERSTELLEN EINES ELEKTRONISCHEN BAUELEMENTS
BESCHREIBUNG
Verschiedene Ausführungsbeispiele betreffen ein elektronisches Bauelement und ein Verfahren zum Herstellen eines elektronischen Bauelements.
Künstliche neuronale Netze (auch bezeichnet als künstliche neuronale Netzwerke) sind beispielsweise Netze aus künstlichen Neuronen. Derzeit stellen künstliche neuronale Netze einen Grundbaustein der künstlichen Intelligenz dar. Derartige Netze zeichnen sich beispielsweise durch eine hohe Interkonnektivität zwischen verschiedenen Netzpunkten, den künstlichen Neuronen, aus. Weiterhin beruht das Grundprinzip beispielsweise darauf, dass das Netz in der Lage sein soll zu lernen und dazu neue Verbindungen zwischen den künstlichen Neuronen auszubilden.
Im Allgemeinen werden Möglichkeiten gesucht, um die Funktionen der natürlichen Neuronen und Synapsen nachzuahmen und letztlich zu versuchen, die natürlichen neuromorphen Mechanismen künstlich zu reproduzieren.
Verschiedene Ausführungsformen beziehen sich auf ein elektronisches Bauelement, das in geeigneter Weise eingerichtet ist, um neuromorphen Mechanismen künstlich zu reproduzieren.
Gemäß verschiedenen Ausführungsformen kann das elektronische Bauelement derart eingerichtet sein, dass die Polymerleiterbahnen gezielt mittels einer freibeweglichen Elektrode zwischen zwei oder mehr als zwei Eingabe-Elektroden und Ausgabe-Elektroden auf einem Substrat gewachsen sind. Die Verbindungen dieses künstlichen neuronalen Netzes können, gemäß verschiedenen Ausführungsformen, mittels der freibeweglichen Elektrode beeinflusst werden (z.B. gezielt eingestellt werden).
Gemäß verschiedenen Ausführungsformen werden ein elektronisches Bauelement sowie ein Verfahren zum Herstellen des elektronischen Bauelements bereitgestellt, wobei das Verfahren ein gezieltes Ausbilden elektrischer Verbindungen zwischen Elektroden aufweist. Die elektrischen Verbindungen können dann in einem neuronalen Netzwerk programmiert und umprogrammiert werden. Das neuronale Netzwerk ist eingerichtet, nichtlineare Transformationen von Eingaben durchzuführen.
Gemäß verschiedenen Ausführungsformen wird ein gerichtetes Wachstum einer elektrischen Verbindung zwischen zwei oder mehr als zwei Elektroden (z.B. zwischen mehreren Elektroden, die
beispielsweise als Knoten eines künstlichen neuronalen Netzes fungieren können) aus Polymer- Fasern mittels Elektropolymerisation erzeugt.
Verschiedene Ausführungsformen betreffen ein elektronisches Bauelement, welches beispielsweise ein Substrat aufweist. Eine Vielzahl von Eingabe-Elektroden und eine Vielzahl von Ausgabe- Elektroden sind auf und/oder in dem Substrat in einem Abstand voneinander angeordnet. Das elektronische Bauelement weist weiterhin ein elektrisch leitfähiges Netzwerk aus einem oder mehreren elektrisch leitfähigen Polymeren auf, wobei das elektrisch leitfähige Netzwerk eingerichtet ist, die Vielzahl von Eingabe-Elektroden mit der Vielzahl von Ausgabe-Elektroden elektrisch zu vernetzen.
Gemäß verschiedenen Ausführungsformen kann das elektrisch leitfähige Polymer ein oder mehrere Faserstrukturen aufweisen oder daraus bestehen. Die eine oder mehreren Faserstrukturen können beispielsweise linear oder netzförmig zwischen den Eingabe-Elektroden und den Ausgabe- Elektroden ausgebildet sein.
Gemäß verschiedenen Ausführungsformen kann das polymerisierbare Material ein Monomer eines intrinsisch leitfähigen Polymers und/oder eines dotierten Polymers sein. Das elektrisch leitfähige Polymer kann in diesem Fall dann das intrinsisch leitfähige Polymer bzw. das dotierte Polymer sein.
Gemäß verschiedenen Ausführungsformen kann das elektronische Bauelement ferner eine geeignete Gate-Struktur aufweisen, welche es ermöglicht, die elektrische Leitfähigkeit der hergestellten elektrischen Verbindung mittels eines elektrischen Feldes zu beeinflussen (z.B. gezielt einzustellen). Gemäß verschiedenen Ausführungsformen kann jede weitere Elektrode als Gate- Struktur fungieren, die zusätzlich zu den Eingabe-Elektroden und Ausgabe-Elektroden bereitgestellt ist. Alternativ können Abzweigungen der Polymerfasern, die mit keiner der Ausgabe-Elektroden direkt verbunden sind, jeweils als Gate-Struktur fungieren.
Gemäß verschiedenen Ausführungsformen kann das elektronische Bauelement eine Metallisierung aufweisen welche es ermöglicht, die mindestens zwei Elektroden bzw. das elektronische Bauelement mit mindestens einem biologischen Nerv zu verbinden.
Gemäß einigen Ausführungsformen wird ein künstliches neuronales Netz bereitgestellt, welches ein oder mehrere elektronische Bauelemente aufweist oder daraus gebildet ist. Das künstliche neuronale Netz ist beispielsweise derart eingerichtet, dass mindestens eine Rechenfunktion mittels des einen elektronischen Bauelements bzw. mittels der mehreren elektronischen Bauelemente ausgeführt werden kann.
Gemäß verschiedenen Ausführungsformen wird ein Verfahren zum Herstellen eines elektronischen Bauelements bereitgestellt, wobei das Verfahren beispielsweise aufweist: Bereitstellen eines Elektrolytmaterials zumindest in einem Raumbereich zwischen einer ersten Elektrode und einer zweiten Elektrode, wobei die erste Elektrode auf und/oder in einem Substrat und die zweite Elektrode freibeweglich in dem Elektrolytmaterial angeordnet ist, wobei die zweite Elektrode in einem Abstand zu der ersten Elektrode und dem Substrat angeordnet ist, und wobei das Elektrolytmaterial mindestens ein polymerisierbares Material aufweist, Bilden mindestens einer elektrischen Verbindung zwischen der ersten Elektrode und der zweiten Elektrode mittels Polymerisierens des mindestens einen polymerisierbaren Materials zu einem elektrisch leitfähigen Polymer
Es versteht sich, dass ein hierin beschriebenes Verfahren (z.B. ein Verfahren zum Herstellen eines elektronischen Bauelements) entsprechend ein oder mehrere Verfahrensschritte aufweisen kann, die hierin mit Bezug auf Funktionen einer Vorrichtung (z.B. mit Bezug auf das elektronische Bauelement) beschrieben sind, und vice versa.
Ausführungsbeispiele der Erfindung sind in den Figuren dargestellt und werden im Folgenden näher erläutert.
Es zeigen:
Figuren 1A und 1 B ein elektronisches Bauelement in einer schematischen Querschnittsansicht, gemäß verschiedenen Ausführungsformen;
Figuren 2A und 2B ein elektronisches Bauelement in einer schematischen Aufsicht, gemäß verschiedenen Ausführungsformen;
Figur 3 eine Grafik einer Leitfähigkeit einer elektrischen Verbindung in Abhängigkeit von der Spannung eines elektrischen Signals bei einem elektronischen Bauelement gemäß verschiedenen Ausführungsformen;
Figur 4 ein elektronisches Bauelement in einer schematischen Aufsicht, gemäß verschiedenen Ausführungsformen;
Figur 5 ein schematisches Ablaufdiagram eines Verfahrens zum Herstellen eines elektronischen Bauelements, gemäß verschiedenen Ausführungsformen; und
Figuren 6A, 6B und 6C schematische Ansichten eines Verfahrens zum Herstellen eines elektronischen Bauelements, gemäß verschiedenen Ausführungsformen.
In der folgenden ausführlichen Beschreibung wird auf die beigefügten Zeichnungen Bezug genommen, in denen zur Veranschaulichung spezifische Details und Ausführungsformen gezeigt sind, in denen die Erfindung ausgeübt werden kann. Es versteht sich, dass andere Ausführungsformen benutzt und strukturelle oder logische Änderungen vorgenommen werden können, ohne von dem Schutzumfang der vorliegenden Erfindung abzuweichen. Es versteht sich, dass die Merkmale der hierin beschriebenen verschiedenen beispielhaften Ausführungsformen miteinander kombiniert werden können, sofern nicht spezifisch anders angegeben. Die folgende Beschreibung ist deshalb nicht in einschränkendem Sinne aufzufassen, und der Schutzumfang der vorliegenden Erfindung wird durch die angefügten Ansprüche definiert
Gemäß verschiedenen Ausführungsformen kann ein elektronisches Bauelement ein Substrat aufweisen. Das Substrat kann beispielsweise eine plane Oberfläche aufweisen und beispielsweise als Träger für Elektroden oder ähnliches dienen. Das Substrat kann beispielsweise mechanisch rigid, z.B. starr, unbiegsam bzw. fest sein, oder das Substrat kann mechanisch flexibel sein, z.B. biegbar, elastisch bzw. beweglich. Eine Struktur, die beispielsweise nicht körperlich mit den Elektroden des hierin beschriebenen elektronischen Bauelements verbunden ist, kann beispielsweise nicht als Substrat verstanden werden.
Der hierin verwendete Begriff „elektrische Verbindung“ kann beispielsweise eine Struktur beschreiben, die durch ein elektrisch leitfähiges Polymer verkörpert wird. Das elektrisch leitfähige Polymer erstreckt sich beispielsweise zwischen mindestens zwei Elektroden und kann mit den mindestens zwei Elektroden in körperlichem Kontakt sein. Gemäß verschiedenen Ausführungsformen kann ein Elektrolyt (z.B. in Form einer Elektrolytlösung oder eines Festkörperelektrolyten) zwischen mindestens einer Eingabe-Elektrode und mindestens einer Ausgabe-Elektrode bereitgestellt sein, wobei, auch wenn das Elektrolyt in einem gewissen Umfang elektrisch leitfähig ist, es nicht als elektrische Verbindung verstanden wird.
Der hierin verwendete Begriff „elektrische Verbindung“ kann beispielsweise eine Struktur beschreiben, die eine elektrische Leitfähigkeit basierend auf Elektronen- oder Löcherleitung bereitstellt. Ein Elektrolyt kann beispielsweise als ein lonenleiter verstanden werden.
Der hierin verwendete Begriff „Betriebszustand“ kann beispielsweise als ein Zustand eines funktionstüchtigen elektronischen Bauelements verstanden werden. Der Betriebszustand kann beispielsweise ein Ruhezustand (Aus-Zustand, z.B. charakterisiert durch eine fehlende Fähigkeit zum Ladungsträgertransport der Polymerverbindung oder durch die Abwesenheit der
Polymerverbindung) und einen aktiven Zustand (An-Zustand, z.B. charakterisiert durch die Fähigkeit zum Ladungsträgertransport der Polymerverbindung und die Anwesenheit der Polymerverbindung) sein, aber auch darüber hinausgehen, unabhängig davon, ob das elektronische Bauelement mit
elektrischer Energie versorgt ist. Anschaulich kann der Betriebszustand des elektronischen Bauelements beispielsweise auch ohne Zufuhr elektrischer Energie zumindest für eine gewisse Zeit (z.B. Tage, Wochen oder Monate) erhalten bleiben. Ein erster Betriebszustand kann beispielsweise ein Zustand des elektronischen Bauelements sein, in dem keine elektrische Verbindung mittels des elektrisch leitfähigen Polymers zwischen mindestens einer Eingabe-Elektrode und einer Ausgabe- Elektrode bereitgestellt ist. Dabei kann ein Bereich zwischen mindestens einer Eingabe-Elektrode und mindestens einer Ausgabe-Elektrode im Wesentlichen frei von einem elektrisch leitfähigen Polymer sein. Der erste Betriebszustand kann anschaulich beispielsweise als ein nicht- programmierter oder untrainierter Zustand des elektronischen Bauelements verstanden werden. Ein zweiter Betriebszustand des elektronischen Bauelements kann beispielsweise ein Zustand des elektronischen Bauelements sein, in dem die elektrische Verbindung zwischen mindestens einer Eingabe-Elektrode und mindestens einer Ausgabe-Elektrode mittels des elektrisch leitfähigen Polymers hergestellt ist. Dabei kann das elektrisch leitfähige Polymer körperlich und elektrisch mit einer Eingabe-Elektrode und mindestens einer Ausgabe-Elektrode verbunden sein. Der zweite Betriebszustand kann anschaulich beispielsweise als ein programmierter oder trainierter Zustand des elektronischen Bauelements verstanden werden. Gemäß verschiedenen Ausführungsformen kann das elektronische Bauelement in einen von mehreren zweiten Zuständen gebracht werden.
Der hierin verwendete Begriff „Plastizität“ kann beispielsweise als eine Eigenschaft (beispielsweise die elektrische Leitfähigkeit) der elektrischen Verbindung des elektronischen Bauelements verstanden werden. Diese kann durch Stimulation, beispielsweise mittels eines elektrischen Signals, entsprechend der Stimulation verändert und angepasst werden. Die Plastizität kann anschaulich somit als eine Grundvoraussetzung für ein Programmieren des elektronischen Bauelements verstanden werden.
Gemäß verschiedenen Ausführungsformen kann eine Stimulation des Netzwerkes mittels eines elektrischen Signals erfolgen, so dass sich die physikalischen Eigenschaften der elektrischen Verbindung zwischen mindestens einer Eingabe-Elektrode und mindestens einer Ausgabe-Elektrode verändern, beispielsweise indem sie verzweigter, dicker und/oder mehr gewachsen werden. Somit können sich die elektrischen Eigenschaften der elektrischen Verbindung verändern. Beispielsweise kann sich die elektrische Leitfähigkeit der elektrischen Verbindung aufgrund einer elektrischen Stimulation erhöhen.
Gemäß verschiedenen Ausführungsformen kann eine Veränderung der elektrischen Eigenschaften der elektrischen Verbindung auch durch abwesende Stimulation möglich sein, beispielsweise mittels abwesendem elektrischen Signal, wobei die elektrische Verbindung sich beispielsweise zurückentwickeln kann. Dies kann beispielsweise aufgrund eines Abbaus und/oder eines Entflechtens des elektrisch leitenden Polymers, aus dem die elektrische Verbindung besteht,
erfolgen. Somit können sich beispielsweise die elektrischen Eigenschaften der elektrischen Verbindung ebenfalls zeitlich verändern. Beispielsweise kann sich die elektrische Leitfähigkeit der elektrischen Verbindung mit der Zeit reduzieren. Der hierin verwendete Begriff „Kurzzeitplastizität“ kann derart verstanden werden, dass die Größenordnung der Zeit, in der die Plastizität sich selbst verändern kann oder mittels Stimulation verändert werden kann, berücksichtigt ist. Gleiches gilt für den hierin verwendeten Begriff „Langzeitplastizität“. Gemäß verschiedenen Ausführungsformen kann die Größenordnung der zeit, die mit der Kurzzeitplastizität verbunden wird, geringer sein als die Größenordnung der Zeit, die mit der Langzeitplastizität verbunden wird. Die Zeit, die mit der Kurzzeitplastizität verbunden wird, kann beispielsweise geringer sein als 1 h, z.B. geringer als 1 min, z.B. geringer als 1 s. Die Zeit, die mit der Langzeitplastizität verbunden wird, kann beispielsweise größer sein als 1 h, z.B. größer als 10 h, z.B. größer als 24 h. FIG.1 A und FIG.1 B veranschaulichen ein elektronisches Bauelement 100 in zwei voneinander verschiedenen Betriebszuständen 100a, 100b in einer schematischen Querschnittsansicht, gemäß verschiedenen Ausführungsformen. FIG.2A und FIG.2B veranschaulichen ein elektronisches Bauelement 100 in einer schematischen Aufsicht, gemäß verschiedenen Ausführungsformen. Gemäß verschiedenen Ausführungsformen kann das elektronische Bauelement 100 ein Substrat 102 aufweisen. Das elektronische Bauelement 100 bzw. das Substrat 102 des elektronischen Bauelements 100 kann eine Vielzahl von Eingabe-Elektroden 104 und eine Vielzahl von Ausgabe- Elektroden 106 aufweisen. Die Eingabe-Elektroden 106 bzw. 106-1, 106-2, 106-3, 106-4, 106-n bzw. Ausgabe-Elektroden 104 bzw. 104-1, 104-2, 104-3, 104-4, 104-m (n, m als ganze natürliche Zahlen) sind jeweils auf und/oder in dem Substrat 102 in einem Abstand voneinander angeordnet.
Das Substrat 102 kann beispielsweise ein nichtleitendes Substrat 102 sein. Das Substrat 102 kann beispielsweise einen elektrisch halbleitenden oder elektrisch leitenden Abschnitt aufweisen, wobei dieser dann mittels mindestens einer elektrisch isolierenden Schicht von den Eingabe-Elektroden 106 und den Ausgabe-Elektroden 104 elektrisch isoliert sein kann.
Ein elektrisch leitfähiges Netzwerk 110 aus einem oder mehreren elektrisch leitfähigen Polymeren bzw. Polymer-Fasern ist eingerichtet, die Vielzahl von Eingabe-Elektroden 106 mit der Vielzahl von Ausgabe-Elektroden 104 elektrisch zu vernetzen. Die elektrisch leitfähigen Polymer(-Fasern) können zumindest zum Teil miteinander verbunden sein und/oder voneinander beabstandet sein. Beabstandete elektrisch leitfähige Polymere können voneinander elektrisch isoliert sein oder, alternativ, mittels elektrischer Felder aufeinander einwirken (beispielsweise als Gate-Struktur
fungieren). Mittels der Gate-Wirkung der Polymer-Fasern aufeinander kann eine nicht-lineare Ausgabe realisiert werden, wie in FIG.3 veranschaulicht ist.
Alternativ oder zusätzlich kann eine oder mehrere Gate-Elektroden vorgesehen sein, beispielsweise in dem Elektrolytmaterial 108 und von dem elektrisch leitfähigen Netzwerk 110 beabstandet. Mittels der ein oder mehreren Gate-Elektrode kann eine nichtlineare Antwort/Ausgabe auf ein an den Eingabe-Elektroden angelegtes Signal an den Ausgabe-Elektroden erzeugt werden. Eine Gate- Elektrode kann den Stromfluss in einer elektrisch leitfähigen Polymer-Faser bzw. in dem elektrisch leitfähigen Netzwerk 110 auf nichtlineare Weise beeinflussen. Auf ähnliche Weise können benachbarte Polymer-Fasern des elektrisch leitfähigen Netzwerks 110 sich auf nichtlineare Weise beeinflussen, beispielsweise wenn die Polymer-Fasern mit Signalen unterschiedlicher Spannung versorgt werden.
Gemäß verschiedenen Ausführungsformen kann ein leitfähiges Substrat (z.B. ein Substrat mit lonen- Leitfähigkeit) die Rolle eines Elektrolytmaterials übernehmen oder zum Teil mit übernehmen. Ferner kann beispielsweise optional eine elektrische Isolierung (z.B. eine Schicht aus elektrisch isolierendem Material) auf oder über dem leitfähigen Substrat 102 vorgesehen sein.
In verschiedenen Ausführungsformen kann das Elektrolyt bzw. Elektrolytmaterial, dass das elektrisch leitfähige Netzwerk 110 umgibt und die nichtlineare Leitfähigkeit bewirkt (FIG.3) eine Flüssigkeit, ein Gel, ein Harz oder ein festes Elektrolyt sein, beispielsweise ein Elektrolytmaterial 108, die/das zumindest teilweise im Raum zwischen der Vielzahl von Eingabe-Elektroden 106 und der Vielzahl von Ausgabe-Elektroden 104 angeordnet ist, wobei eine oder mehrere elektrisch leitfähige Polymer-Faser zumindest teilweise in der Flüssigkeit, dem Gel bzw. dem Harz angeordnet sind.
Anschaulich ist eine beliebige Anzahl bzw. Vielzahl von Eingabe-Elektroden 106 mit einer beliebigen Anzahl bzw. Vielzahl von Ausgabe-Elektroden 104 miteinander durch das elektrisch leitende Netzwerk 110 elektrisch leitend verbunden. Das elektrisch leitende Netzwerk 110 ist aus elektrisch leitendem organischem Material, beispielsweise einem elektrisch leitendem Polymer (einer Vielzahl von Polymermolekülen bzw. Polymer-Fasern) gebildet. Das Netzwerk 110 kann willkürlich bzw. zufällig ausgebildet sein oder gemäß einer vorgegebenen Struktur eingerichtet sein.
Wenn das elektronische Bauelement 100 in einem zweiten Betriebszustand ist, siehe beispielsweise FIG.1 B, kann mindestens eine elektrische Verbindung zwischen den Eingabe-Elektroden 106 und Ausgabe-Elektroden 104 hergestellt sein. Die mindestens eine elektrische Verbindung kann beispielsweise ein elektrisch leitfähiges Polymer aufweisen oder daraus gebildet sein. Das elektrisch
leitfähige Polymer kann mittels Polymerisierens des polymerisierbaren Materials gebildet sein oder werden.
Das elektronische Bauelement 100 kann somit, gemäß verschiedenen Ausführungsformen, neuromorphe Eigenschaften aufweisen. Neuromorphe Eigenschaften können beispielsweise auf dem Bilden der elektrischen Verbindung zwischen den Eingabe-Elektroden 104 und den Ausgabe- Elektroden 106 (analog zu der neuronalen Synaptogenese) basieren, sowie auf einer mittels eines an die Eingabe-Elektroden 104 und die Ausgabe-Elektroden 106 des elektrischen Bauelements 100 angelegten elektrischen Signals veränderbaren Plastizität der mindestens einen elektrischen Verbindung (anschaulich analog zu der neuronalen Plastizität). Das elektronische Bauelement 100 kann somit beispielsweise als ein neuromorpher Chip und/oder synaptische Verbindung in sogenannten Hirn-Computer-Schnittstellen (Brain-Computer-Interface) ausgestaltet sein oder werden.
Das Signal, das im Betrieb an die Eingabe-Elektroden 106 angelegt wird, kann ein zeitabhängiges elektrisches Signal sein. Das Netzwerk 110 kann eingerichtet sein, das eingegebene Signal (in Abhängigkeit von dessen Spannung bzw. Stromstärke) auf nichtlineare Weise zu transformieren bzw. umzuwandeln, wie in dem Leitfähigkeitsdiagramm 300 in FIG.3 veranschaulicht ist. An den Ausgabe-Elektroden 104 kann das elektrische Potential erfasst werden. Das an den Ausgabe- Elektroden 104 erfasste Signal kann für ein Maschinenlernen verwendet werden. Das Maschinenlernen kann beispielsweise ein als Reservoir Computing, Echo State Network oder Liquid State Machine bezeichnetes Maschinenlern-Verfahren sein.
Polymermoleküle bzw. Polymer-Fasern, die eine Eingabe-Elektrode 106 direkt mit einer Ausgabe- Elektrode 104 verbinden, können im Betrieb des elektronischen Bauelementes 100 einen elektrischen Strom transportieren bzw. weiterleiten. Der elektrische Widerstand der einzelnen Polymer-Fasern ist linear und proportional zur Potentialdifferenz zwischen der Eingabe-Elektrode und Ausgabe-Elektrode.
Weiterhin kann es Polymer-Fasern 202 geben, die Abzweigungen 202 von anderen Polymer-Fasern sind und keine der Ausgabe-Elektroden direkt kontaktieren, wie in FIG.2B veranschaulicht ist. Diese Polymer-Fasern 202, können durch das an den Eingabe-Elektroden 106 eingegebene Signal elektrisch geladen werden. Die elektrische Ladung der Abzweigungen 202 kann die lonen-Verteilung bzw. Ladungsträgerverteilung in der Flüssigkeit 108 bzw. in benachbarten Polymer-Fasern verändern. Dadurch kann die elektrische Leitfähigkeit in den benachbarten Polymer-Fasern auf nichtlineare Weise verändert werden, wie in dem Leitfähigkeitsdiagramm 300 in FIG.3 veranschaulicht ist. Die Abzweigungen 202 können anschaulich als (Feldeffekt-)Gate für die benachbarten Polymer-Fasern wirken. In den Abzweigung 202 ist die Nichtlinearität stark
ausgeprägt. Die Nichtlinearität der Leitfähigkeit kann proportional zur durchschnittlichen Anzahl und Länge der Abzweigungen 202 je Polymer-Faser sein.
Mit anderen Worten: Das elektrisch leitfähige Netzwerk 110 ist derart eingerichtet, dass mindestens eine Eingabe-Elektrode der Vielzahl von Eingabe-Elektroden eine elektrische Verbindung 110 mit mindestens einer ersten Ausgabe-Elektrode und einer zweiten Ausgabe-Elektrode der Vielzahl von Ausgabe-Elektroden aufweist bzw. elektrisch leitfähig verbunden ist. Alternativ oder zusätzlich ist eine elektrische Verbindung 110 zwischen mindestens einer ersten Eingabe-Elektrode bzw. einer zweiten Eingabe-Elektrode der Vielzahl von Eingabe-Elektroden mit mindestens einer Ausgabe- Elektrode der Vielzahl von Ausgabe-Elektroden ausgebildet.
Die eine oder mehreren elektrisch leitfähigen Polymer-Fasern können in einem Abstand über dem Substrat 102 angeordnet sein. Als Beispiel, die eine oder mehreren elektrisch leitfähigen Polymer- Fasern sind zumindest in einem Abschnitt vollumfänglich frei von einem körperlichen Kontakt mit dem Substrat 102.
Zumindest ein elektrisch leitfähiges Polymer bzw. eine Polymer-Faser des elektrisch leitfähigen Netzwerks 110, das/die eine Eingabe-Elektrode 106 mit einer Ausgabe-Elektrode 104 verbindet, kann mindestens eine Abzweigung bzw. Abzweigung 202 aufweisen, deren Ende 202 mit keiner der Ausgabe-Elektroden 104 elektrisch verbunden ist (wie in FIG.2B veranschaulicht ist).
Gemäß verschiedenen Ausführungsformen kann jede der Eingabe-Elektroden 106 und Ausgabe- Elektroden 104 abschnittsweise von dem Elektrolytmaterial 108 elektrisch isoliert sein. Beispielsweise können ein oder mehrere Bereiche der jeweiligen Elektrode 104, 106 mittels einer elektrisch isolierenden Schicht 107 von dem Elektrolytmaterial 108 elektrisch getrennt sein. Die elektrisch isolierenden Schicht 107 kann beispielsweise auf dem jeweiligen Bereich der Elektrode 104, 106 aufgebracht sein oder werden, der elektrisch von dem Elektrolytmaterial 108 isoliert sein soll. Somit kann beispielsweise mindestens ein aktiver Abschnitt der jeweiligen Eingabe-Elektrode 104 bzw. Ausgabe-Elektrode 106 definiert werden, von dem aus das Bilden der elektrischen Verbindung startet oder zu dem die elektrische Verbindung hin wachsen kann.
Im Folgenden werden einige Detailaspekte mit Bezug auf das elektronische Bauelement 100 beschrieben. Es versteht sich, dass diese Detailaspekte nur beispielhafte Ausgestaltungen betreffen und dass das elektronische Bauelement 100 auch in anderen geeigneten Weisen ausgestaltet sein kann.
Beispielsweise kann das Substrat 102 eine Stahlfolie, Stahlblech, einen Kunststoffwafer, eine Kunststofffolie, oder ein Laminat mit einer oder mit mehreren Kunststofffolien aufweisen oder daraus
gebildet sein. Der Kunststoff kann ein oder mehrere Polyolefine (beispielsweise Polyethylen (PE) mit hoher oder niedriger Dichte oder Polypropylen (PP)) aufweisen oder daraus gebildet sein. Ferner kann der Kunststoff Polyvinylchlorid (PVC), Polystyrol (PS), Polyester und/oder Polycarbonat (PC), Polyethylenterephthalat (PET), Polyethersulfon (PES), Polyetheretherketon (PEEK), Polytetrafluorethylen (PTFE) und/oder Polyethylennaphthalat (PEN) aufweisen oder daraus gebildet sein. Das Substrat 102 kann eines oder mehrere der oben genannten Materialien aufweisen.
Das Substrat kann, gemäß verschiedenen Ausführungsformen, natürliche Polymere aufweisen oder daraus bestehen, z.B. Cellulose, Kollagen, Polylactatsäure, Gelatine. Diese natürlichen Polymere oder andere Materialien können beispielsweise als ionenleitendes Material fungieren.
Gemäß verschiedenen Ausführungsformen kann das Elektrolytmaterial von einem Material des Substrats bereitgestellt sein. Auf und/oder in dem Substrat 102 können die Eingabe-Elektroden 104 und die Ausgabe-Elektroden 106 ausgebildet sein. Die Eingabe-Elektroden 106 und Ausgabe-Elektroden 104 können beispielsweise im Wesentlichen in der gleichen Ebene auf und/oder in dem Substrat 102 angeordnet sein. In einigen Ausgestaltungen kann das Substrat 102 eine im Wesentlichen planare Oberfläche 102s aufweisen, und die Eingabe-Elektroden 106 und die Ausgabe-Elektroden 104 können direkt auf der planare Oberfläche 102s aufgebracht sein oder werden. Alternativ dazu können die Eingabe- Elektroden 106 und die Ausgabe-Elektroden 104 in unterschiedlichen Ebenen auf und/oder in dem Substrat 102 angeordnet sein.
Gemäß verschiedenen Ausführungsformen können die Eingabe-Elektroden 106 und die Ausgabe- Elektroden 104 einen Abstand von weniger als 200 mhi voneinander aufweisen, z.B. weniger als
150 mhi, weniger als 100 mhi, weniger als 50 mhi, weniger als 20 mhi oder weniger als 5 mhi.
Gemäß verschiedenen Ausführungsformen kann eine Vielzahl der Eingabe-Elektroden 106 und/oder Ausgabe-Elektroden 104 (z.B. mehr als 25 oder mehr als 100 Elektroden) derart bereitgestellt sein, dass die Elektroden in Form eines Gitters angeordnet sind. Das Gitter kann beispielsweise 2- dimensional oder 3-dimensional sein. Die jeweils benachbarten Eingabe-Elektroden bzw. Ausgabe- Elektroden können im Wesentlichen den gleichen Abstand voneinander aufweisen. Das Gitter kann anschaulich beispielsweise ein quadratisches oder kubisches Gitter sein. Gemäß verschiedenen Ausführungsformen kann ein Wachstum der elektrisch leitenden Polymerverbindungen innerhalb einer Struktur erfolgen, die 3-dimensional porös ist.
Die Eingabe-Elektroden 106 und die Ausgabe-Elektroden 104 können beispielsweise ein Metall oder eine Metalllegierung aufweisen oder daraus bestehen. Beispielsweise können die Eingabe-
Elektroden 106 und die Ausgabe-Elektroden 104 Aluminium, Kupfer, Gold, Platin, Silber aufweisen oder daraus bestehen. Auch können die Eingabe-Elektroden 106 und die Ausgabe-Elektroden 104 beispielsweise Silberchlorid, Platin, Iridium, Palladium, Nickel, Molybdän, Tantal, Wolfram, etc. aufweisen oder daraus bestehen. Auch können die Eingabe-Elektroden 106 und die Ausgabe- Elektroden 104 Kohlenstoff oder ein hochleitfähiges Polymer (z.B. PEDOT:PSS) aufweisen oder daraus bestehen.
Gemäß verschiedenen Ausführungsformen kann das Elektrolytmaterial 108 ein Flüssigelektrolyt, beispielsweise eine ionische Flüssigkeit, ein Carbonat-basiertes Elektrolyt, und/oder ein Polymerelektrolyt, auch lonomer genannt, aufweisen oder daraus bestehen. Alternativ oder zusätzlich dazu kann das Elektrolytmaterial 108 in einer Lösung eingetauchte poröse Medien, beispielsweise ein ionisches poröses Polymer und/oder einen porösen Elektrolytfeststoff, aufweisen oder daraus bestehen.
Weiterhin weist das Elektrolytmaterial 108 bewegliche Ionen auf. Die Ionen können beispielsweise Perchlorat-Ionen oder andere geeignete Ionen sein. Dabei kann das Elektrolytmaterial 108 Lithiumperchlorat, Tetrabutylammoniumperchlorat oder andere geeignete Materialien, wie beispielsweise Natriumchlorid, Natriumbromid, Kaliumchlorid, Kupfer(ll)-chlorid, Kupfersulfat, Natriumiodid, etc., aufweisen. Das Elektrolytmaterial 108 kann beispielsweise zumindest während des Verfahrens zum Herstellen des elektronischen Bauelementes 100 in einem Raumbereich 105 zwischen den Eingabe-Elektroden 106 und Ausgabe-Elektroden 104 angeordnet sein. Dabei können die Eingabe-Elektroden 106 und die Ausgabe-Elektroden 104 wenigstens teilweise im körperlichen Kontakt mit dem Elektrolytmaterial 108 sein.
Das Elektrolytmaterial 108 kann, gemäß verschiedenen Ausführungsformen, ein polymerisierbares Polymer aufweisen. Dabei kann das polymerisierbare Material ein Monomer eines intrinsisch elektrisch leitfähigen Polymers sein. Das Monomer kann beispielsweise mittels Polymerisierens zu einem elektrisch leitfähigen Polymer umgewandelt werden. Das Monomer kann beispielsweise 3,4- Ethylenedioxythiophen aufweisen oder sein. Das intrinsisch leitfähige Polymer kann in diesem Fall
Poly(3,4-ethylenedioxythiophen) aufweisen oder sein.
Alternativ oder zusätzlich dazu kann das polymerisierbare Material ein Monomer eines dotierten Polymers sein. Das Monomer kann in diesem Fall mittels Polymerisierens zu einem dotierten Polymer umgewandelt werden.
Wie FIG.6A-FIG.6C veranschaulicht ist, kann das elektronische Bauelement 100 eine Steuervorrichtung 112 aufweisen. Die Steuervorrichtung 112 kann mit der Eingabe-Elektrode 106
und der freibeweglichen Elektrode 120 zum Bereitstellen eines elektrischen Signals zu den Eingabe- Elektroden 106 und Ausgabe-Elektroden 104 gekoppelt sein.
Gemäß verschiedenen Ausführungsformen kann die Steuervorrichtung 112 derart eingerichtet sein, dass das elektronische Bauelement 100 mittels des bereitgestellten elektrischen Signals 112s von dem ersten Betriebszustand 100a in den zweiten Betriebszustand 100b gebracht werden kann. Dies kann mittels Polymerisierens des mindestens einen polymerisierbaren Materials zu dem elektrisch leitfähigen Polymer erfolgen. Dabei kann das bereitgestellte elektrische Signal 112s beispielsweise eine Amplitude in einem Bereich von ungefähr 20 mV bis ungefähr 5 V aufweisen, z.B. in einem Bereich von ungefähr 50 mV bis ungefähr 2 V.
Gemäß verschiedenen Ausführungsformen kann das bereitgestellte elektrische Signal 112s eine mit der Zeit veränderliche elektrische Spannung aufweisen, beispielsweise eine Wechselspannung, eine gepulste Gleichspannung, und/oder eine gepulste Bipolarspannung.
Die Steuervorrichtung 112 kann beispielsweise derart eingerichtet sein, dass die mit der zeit veränderliche elektrische Spannung eine Frequenz in einem Bereich von ungefähr 10 Hz bis ungefähr 10 kHz aufweist, z.B. in einem Bereich von ungefähr 5 Hz bis ungefähr 5 kHz, z.B. in einem Bereich von ungefähr 2 Hz bis ungefähr 2 KHz. Gemäß verschiedenen Ausführungsformen kann die Steuervorrichtung 112 derart eingerichtet sein, dass die mit der Zeit veränderliche elektrische Spannung eine periodische elektrische Spannung ist mit einer Periodendauer in einem Bereich von ungefähr 0,01 ms bis ungefähr 0,1 s aufweist, z.B. in einem Bereich von ungefähr 0,5 ms bis ungefähr 50 ms. Die Steuervorrichtung 112 kann beispielsweise derart eingerichtet sein, dass die mit der Zeit veränderliche elektrische Spannung eine Einschaltdauer (auch als Anzeit bezeichnet) in einem Bereich von ungefähr 10 % bis ungefähr 50 % aufweist z.B. in einem Bereich von ungefähr 20 % bis ungefähr 40 %. Die Steuervorrichtung 112 kann beispielsweise derart eingerichtet sein, dass die mit der Zeit veränderliche elektrische Spannung eine Bandbreite in einem Bereich von ungefähr 10 Hz bis ungefähr 10kHz aufweist, z.B. in einem Bereich von ungefähr 5 Hz bis ungefähr 5 kHz, in einem Bereich von ungefähr 2 Hz bis ungefähr 2 kHz. Gemäß verschiedenen Ausführungsformen kann das Polymerisieren des mindestens einen polymerisierbaren Materials nur erfolgen, wenn die angelegte elektrische Spannung über einer elektrischen Schwellenspannung liegt. Somit können die Monomere beispielsweise oxidieren und die für die chemische Reaktion notwendigen bzw. hilfreichen Radikalkationen können gebildet werden.
Die elektrische Schwellenspannung kann von der Ausgestaltung der Eingabe-Elektroden 106 und Ausgabe-Elektroden 104 abhängig sein. Beispielsweise kann die elektrische Schwellenspannung eine Funktion des zwischen den Eingabe-Elektroden 104 und den Ausgabe-Elektroden 106 vorhandenen Abstandes, und/oder eine Funktion der Eigenschaften des bereitgestellten elektrischen Signals, beispielsweise eine Funktion der Pulsfrequenz, sein. Als Beispiel, wenn die Elektroden 200 mhi voneinander beabstandet sind und die Pulsfrequenz in einem Bereich von ungefähr 10 Hz bis ungefähr 10kHz liegt, kann die elektrische Schwellenspannung in einem Bereich von ungefähr 20 mV bis ungefähr 5 V liegen.
Wie in FIG.1A beispielhaft veranschaulicht ist, kann das Elektrolytmaterial 108 in dem ersten Betriebszustand 100a im Wesentlichen frei von der elektrischen Verbindung aus dem elektrisch leitfähigen Polymer sein. Beispielsweise kann das elektronische Bauelement 100 frei von einer durchgehenden Polymerstruktur sein, die die Eingabe-Elektroden 106 mit den Ausgabe-Elektrode 104 elektrisch leitend und körperlich verbindet. Der erste Betriebszustand 100a des elektronischen Bauelements 100 kann anschaulich ein unprogrammierter Zustand des elektronischen Bauelements 100 sein. Dabei kann das polymerisierbare Material in dem Elektrolytmaterial 108 im Wesentlichen in
Form von Monomeren vorliegen. Das Elektrolytmaterial 108 kann auch Polymere aus dem polymerisierbaren Material aufweisen, wobei die Polymeren in dem Elektrolytmaterial 108 in löslicher und/oder unlöslicher Form enthalten sein können, aber nicht die Eingabe-Elektroden 106 und die Ausgabe-Elektroden 104 miteinander verbinden.
Wie in FIG.1 B beispielhaft veranschaulicht ist, kann das elektronische Bauelement 100 in dem zweiten Betriebszustand 100b mindestens eine elektrische Verbindung aufweisen. Das elektronische Bauelement 100 kann beispielsweise eine Struktur aufweisen, die die Eingabe-Elektrode 106 mit der Ausgabe-Elektrode 104 elektrisch leitend und körperlich verbindet. Der zweite Betriebszustand des elektronischen Bauelements 100 kann anschaulich ein programmierter Zustand des elektronischen
Bauelements 100 sein. Dabei weist das Elektrolytmaterial 108 das elektrisch leitende Polymer auf, welches die elektrische Verbindung bilden kann. Die elektrische Verbindung ist in dem Elektrolytmaterial 108 wenigstens teilweise unlöslich und ist beispielsweise im Wesentlichen von dem Elektrolytmaterial 108 umgeben. Die elektrische Verbindung kann mittels Elektropolymerisierens, z.B. mittels eines feld-gerichteten Polymerisierens des mindestens einen polymerisierbaren Materials des Elektrolytmaterials 108 zu dem elektrisch leitenden Polymer gebildet sein oder werden. Auch in dem zweiten Betriebszustand kann das Elektrolytmaterial 108 weiterhin das polymerisierbare Material sowie von dem elektrisch leitenden Polymer unterschiedlichen Polymere aus dem polymerisierbaren Material aufweisen, wobei die unterschiedlichen Polymere in dem Elektrolytmaterial 108 in löslicher und/oder unlöslicher Form enthalten sein können. Anschaulich kann die mindestens eine elektrische Verbindung aus einem Anteil von der Gesamtmenge an polymerisierbares Material gebildet sein oder werden.
Gemäß verschiedenen Ausführungsformen kann das elektrisch leitfähige Polymer ein oder mehrere Faserstrukturen aufweisen oder daraus bestehen. Dabei kann die eine bzw. können die mehreren Faserstrukturen beispielsweise netzförmig bzw. zumindest einfach oder mehrfach verzweigt sein.
Die eine Faserstruktur kann beispielsweise einen Strang oder mehrere Stränge aufweisen, wobei sich der eine oder die mehreren Stränge von den Eingabe-Elektroden 106 bis zu den Ausgabe- Elektroden 104 erstrecken. Anschaulich ist das elektrisch leitfähige Polymer der elektrisch leitenden Verbindung einer Eingabe-Elektrode 106 mit einer Ausgabe-Elektrode 104 eine Polymer-Faser (auch bezeichnet als polymere Faserstruktur oder elektrisch leitfähige Faserstruktur). Eine Polymer- Faser ist beispielsweise in FIG.1 B veranschaulicht. Das elektrisch leitfähige Netzwerk aus einer Vielzahl von Faserstrukturen ist in FIG.2A und FIG.2B veranschaulicht. Eine einzelne Faserstruktur weist üblicherweise einen mittleren Durchmesser in einem Bereich von ungefähr 1 mhi bis ungefähr 50 mhi auf, beispielsweise in einem Bereich von ungefähr 3 mhi bis ungefähr 10 mhi. Eine Polymer- Faser ist im Vergleich zu einem verzweigten Polymer-Netzwerk, das anschaulich eine schwammartige Struktur mit in sich verschlungenen oder verschlauften Polymerverbindungen im nm-Bereich aufweist, im Wesentlichen eine geradlinige elektrische Verbindung von einer Eingabe- Elektrode 106 mit einer Ausgabe-Elektrode 104. Die Polymer-Fasern sind anschaulich somit dicker als Polymerverbindungen in einer Polymerbeschichtung und weisen eine höhere Direktionalität (keine oder weniger Verzweigungen und Verschlaufungen) auf.
Die physikalischen Eigenschaften (z.B. die elektrische Leitfähigkeit) der mindestens einen Verbindung können beispielsweise definiert sein von der Länge und/oder der Dicke der einen oder mehreren Faserstrukturen der mindestens einen elektrischen Verbindung, der Anzahl an Faserstrukturen, der Grad der Abzweigung der einen oder mehreren Faserstrukturen und/oder die Direktionalität der einen oder mehreren Faserstrukturen. Unter dem Begriff „Direktionalität“ wird verstanden, in welche Richtung sich die ein oder mehreren Faserstrukturen in dem Elektrolytmaterial 108 erstrecken und ob die ein oder mehreren Faserstrukturen im Wesentlichen aus einer der Eingabe-Elektroden 106 und Ausgabe-Elektroden 104 gewachsen werden, wie in FIG.6A-FIG.6C veranschaulicht ist.
Dabei kann die Steuervorrichtung 112 eingerichtet sein, eine elektrische Spannung zwischen einer oder mehreren Eingabe-Elektroden 106 und der freibeweglichen Elektrode 120 (siehe FIG.6A- FIG.6C) derart bereitzustellen, dass mittels der elektrischen Spannung das elektrisch leitfähige Polymer der mindestens einen elektrischen Verbindung aus dem mindestens einen polymerisierbaren Material des Elektrolytmaterials 108 gebildet wird. Anschaulich kann das Polymerisieren des mindestens einen polymerisierbaren Materials des Elektrolytmaterials 108 derart erfolgen, dass das elektronische Bauelement 100 in den zweiten Betriebszustand 100b gebracht wird.
Weiterhin kann das von der Steuervorrichtung 112 bereitgestellte elektrische Signal 112s die physikalischen und elektrischen Eigenschaften der mindestens einen elektrischen Verbindung beeinflussen. Gemäß verschiedenen Ausführungsformen kann das elektrisch leifähige Polymer zumindest abschnittsweise frei von einem körperlichen Kontakt mit dem Substrat 102 sein. Die mindestens eine elektrische Verbindung kann beispielsweise vollumfänglich von Elektrolytmaterial 108 umgeben sein.
Gemäß verschiedenen Ausführungsformen kann das Elektrolytmaterial 108 bewegliche Ionen zum Bereitstellen einer Kurzzeitplastizität der mindestens einen elektrischen Verbindung aufweisen.
Dabei können die beweglichen Ionen beispielsweise in das elektrisch leitende Polymer eindringen derart, dass die elektrische Verbindung dotiert wird. Alternativ dazu können sich die Ionen beispielsweise an dem elektrisch leitenden Polymer anlagern derart, dass die elektrische Verbindung beeinflusst wird. Dies ermöglicht beispielsweise eine Veränderung der physikalischen und/oder der elektrischen Eigenschaften der mindestens einen elektrischen Verbindung.
Alternativ oder zusätzlich dazu kann das Elektrolytmaterial 108 beispielsweise derart eingerichtet sein, dass das elektronische Bauelement 100 mittels des bereitgestellten elektrischen Signals 112s der Steuervorrichtung 112 von dem zweiten Betriebszustand 100b in den ersten Betriebszustand 100a oder in einem anderen weiteren Zustand gebracht werden kann. Das Elektrolytmaterial 108 kann in diesem Fall beispielsweise ein Material aufweisen, beispielsweise ein Enzym und/oder eine chemische Verbindung, das geeignet ist, die elektrische Verbindung mittels des bereitgestellten elektrischen Signals der Steuervorrichtung 112 mindestens teilweise abzubauen. In verschiedenen Ausführungsformen weist das elektronische Bauelement 100 einen
Rückkopplungskanal 400 auf. Der Rückkopplungskanal 400 ist eigerichtet, zumindest eine Ausgabe- Elektrode mit einer Eingabe-Elektrode elektrisch leitend zu verbinden, wie in FIG.4 veranschaulicht ist. Mittels des Rückkopplungskanals 400 kann ein rekurrentes neuronales Netzwerk (engl recurrent neural network) realisiert werden, beispielsweise für sogenanntes reservoir computing oder für sogenannte spiking neural networks
In verschiedenen Ausführungsformen weist ein künstliches neuronales Netzwerk ein oder mehrere elektronische Bauelemente 100 auf. Das künstliche neuronale Netzwerk kann zum Ausführen mindestens einer Rechenfunktion mittels des einen elektronischen Bauelementes 100 bzw. mittels der mehreren elektronischen Bauelemente 100 eingerichtet sein.
FIG.5 veranschaulicht ein schematisches Ablaufdiagram eines Verfahrens zum Herstellen eines elektronischen Bauelements, gemäß verschiedenen Ausführungsformen.
In verschiedenen Ausführungsformen weist ein Verfahren zum Herstellen 500 eines elektronischen Bauelements ein Bereitstellen 510 eines Elektrolytmaterials 108 zumindest in einem Raumbereich zwischen einer ersten Elektrode und einer zweiten Elektrode auf, wobei die erste Elektrode auf und/oder in einem Substrat 102 und die zweite Elektrode freibeweglich in dem Elektrolytmaterial angeordnet ist. Die zweite Elektrode kann in einem Abstand zu der ersten Elektrode und dem Substrat angeordnet sein. Das Elektrolytmaterial 108 kann mindestens ein polymerisierbares Material aufweisen. Das Verfahren 500 kann ferner ein Bilden 520 mindestens einer elektrischen Verbindung zwischen der ersten Elektrode und der zweiten Elektrode mittels Polymerisierens des mindestens einen polymerisierbaren Materials zu einem elektrisch leitfähigen Polymer aufweisen.
Das gebildete Polymer kann die zweite Elektrode 120 dabei berühren. Wenn die zweite Elektrode 120 dann in dem Elektrolytmaterial 108 bewegt wird, reißt das Polymer von der zweiten Elektrode 120 ab. Alternativ kann die zweite Elektrode 120 bewegt werden bevor das gebildete Polymer die zweite Elektrode 120 erreicht hat.
Es versteht sich, dass das Verfahren zum Herstellen eines elektronischen Bauelements ein oder mehrere Funktionen aufweisen kann, die hierin mit Bezug auf das elektronische Bauelement oder einen Teil des elektronischen Bauelements (beispielsweise der Steuervorrichtung) beschrieben sind und vice versa.
Das Verfahren zum Herstellen 500 des elektronischen Bauelements ermöglicht beispielsweise ein wiederholtes Programmieren des elektronischen Bauelements mit unterschiedlichen neuromorphen Eigenschaften. Das Verfahren 500 kann ferner ein Bewegen der zweiten Elektrode in dem Elektrolytmaterial aufweisen, so dass der Abstand zu der ersten Elektrode vergrößert wird, wobei die räumliche Ausdehnung des elektrisch leitfähigen Polymers vergrößert wird. Die räumliche Ausdehnung wird vergrößert, indem das Polymerwachstum bzw. die Wachstumsrichtung des Polymers der Bewegungsrichtung der zweiten Elektrode 120 folgt.
Das Verfahren 500 kann ferner ein Bewegen der zweiten Elektrode zu einer dritten Elektrode, die auf und/oder in einem Substrat 102 und in einem Abstand zu der ersten Elektrode angeordnet ist, aufweisen. Die zweite Elektrode kann die dritte Elektrode derart elektrisch kontaktieren, dass das elektrisch leitfähige Polymer eine elektrische Verbindung zwischen der ersten Elektrode und der dritten Elektrode ausbildet. Die zweite Elektrode kann die dritte Elektrode außerhalb des
Elektrolytmaterials kontaktieren. Alternativ oder zusätzlich kann die zweite Elektrode die dritte Elektrode außerhalb des Elektrolytmaterials kontaktieren. Das Bilden 520 der mindestens einen
elektrischen Verbindung kann mittels Anlegens eines elektrischen Signals zwischen zumindest den Ausgabe-Elektroden 104 und den Eingabe-Elektroden 106 erfolgen.
Das Bilden 520 der mindestens einen elektrischen Verbindung zwischen der ersten Elektrode und der zweiten Elektrode kann ein Bilden einer einzigen Faserstruktur mittels Polymerisierens des mindestens einen polymerisierbaren Materials aufweisen. Die Faserstruktur kann einen körperlichen Kontakt zu der ersten Elektrode aufweisen.
In verschiedenen Ausführungsformen kann das Elektrolytmaterial 108 eine erste Leitfähigkeit aufweisen und die mindestens eine elektrische Verbindung kann eine zweite Leitfähigkeit aufweisen, wobei die erste elektrische Leitfähigkeit beispielsweise kleiner sein kann als die zweite elektrische Leitfähigkeit.
In verschiedenen Ausführungsformen kann das Verfahren 500 ferner ein Depolymerisieren und/oder ein Entflechten des elektrisch leitfähigen Polymers zu einem depolymerisierten und/oder entflochtenen polymerisierbaren Material mittels Energiezufuhr aufweisen. Dabei kann die Energiezufuhr mittels Zuführens von thermischer Energie und/oder mittels Zuführens von elektromagnetischer Strahlung erfolgen. Ein Entflechten des elektrisch leitfähigen Polymers (auch als engl.: „disentanglement“ bezeichnet) kann beispielsweise so verstanden werden, dass sich eine Faser, die aus mehreren verwobenen Polymerketten besteht, entflechtet, was anschaulich als eine Art Glasübergang bei Polymeren verstanden werden kann. FIG.6A, FIG.6B und FIG.6C zeigen ein elektronisches Bauelement 100 in einer schematischen
Ansicht während dessen Herstellung, gemäß verschiedenen Ausführungsformen.
Gemäß verschiedenen Ausführungsformen kann das elektronische Bauelement 100 zusätzlich zu den Ausgabe-Elektroden 104 und den Eingabe-Elektroden 106 ferner mindestens eine weitere Elektrode 120 (auch als freibewegliche Elektrode oder zweite Elektrode bezeichnet) aufweisen.
Das elektrisch leitende Netzwerk 110 kann ausgebildet werden mittels Anlegens eines Wechselstromsignal über eine der Eingabe-Elektrode 106 (auch als erste Elektrode bezeichnet) oder der Ausgabe-Elektrode 104 (auch als dritte Elektrode bezeichnet) und einer freibeweglichen Elektrode 120 (auch als zweite Elektrode bezeichnet), wie in FIG.6A, FIG.6B und FIG.6C veranschaulicht ist. Die Elektroden 106, 104, 120 sind dabei von einem Elektrolytmaterial 108 umgeben, dass ein durch das Wechselstromsignal polymerisierbares Material enthält. Das polymerisierbare Material ist im polymerisierten Zustand elektrisch leitfähig. Das polymerisierbare
Material ist beispielsweise ein Monomer, beispielsweise 3,4-Ethylenedioxythiophene (EDOT), und das daraus gebildete elektrisch leitende Polymer beispielsweise Poly-3,4-Ethylenedioxythiophene (PEDOT). Die freibewegliche zweite Elektrode 120 wird in dem Elektrolytmaterial, während das
Wechselstromsignal über die erste und zweite Elektrode 106, 120 angelegt ist, von der ersten Elektrode 106 zu der dritten Elektrode 104 geführt (in FIG.6A-6C veranschaulicht), um die elektrische Verbindung durch das elektrisch leitfähige Polymer auszubilden. Das Wechselstromsignal ist eingerichtet, beispielsweise hinsichtlich der angelegten Spannung, das Monomer (beispielsweise EDOT) zu oxidieren und die Polymerisation zwischen der ersten und zweiten Elektrode 106, 120 auszulösen bzw. zu triggern. Dadurch wächst das elektrisch leitende Polymer mittels Elektropolymerisation auf oder über der Oberfläche 102s des Substrates 102 in Richtung der freibeweglichen, zweiten Elektrode 120 (siehe FIG.6A, 6B). Mit anderen Worten: die Wachstumsrichtung des wachsenden Polymers folgt der Bewegungsrichtung der zweiten Elektrode in dem Elektrolytmaterial 108.
Um eine durchgehende bzw. zusammenhängende elektrische Verbindung auszubilden, kann die zweite Elektrode 120 die dritte Elektrode 104 kontaktieren oder, alternativ, dicht in deren Nähe positioniert werden, damit sich das elektrisch leitende Polymer mit der dritten Elektrode 104 verbinden kann (siehe FIG.6C). In diesem Fall liegt das Wechselstromsignal mittels der zweiten Elektrode über der ersten Elektrode 106 und der dritten Elektrode 104 an.
Die Form des Netzwerkes 110 kann durch das Bewegungsprofil bzw. die Bewegung der zweiten Elektrode 120 beeinflusst werden. Beispielsweise kann durch eine präzise eingestellte bzw. vorprogrammierte Bewegung der zweiten Elektrode 120 in dem Elektrolytmaterial ein präzise ausgebildetes Netzwerk 110 ausgebildet werden. Alternativ, falls anwendungsspezifisch ein willkürliches Netzwerk 110 erforderlich ist, kann die zweite Elektrode 120 manuell oder automatisch willkürlich durch das Elektrolytmaterial 108 geführt werden. Die zweite Elektrode 120 kann zudem beispielsweise analog zur Form und Ansteuerung der
Messnadel eines Rasterkraftmikroskops eingerichtet sein, beispielsweise hinsichtlich der Anordnung einer Nadel an einer Biegefeder, der Schwingungsdämpfung und Abstandskontrolle zum Substrat. Die zweite Elektrode 120 (beispielsweise der nadelförmige Abschnitt) kann jedoch eine größere räumliche Ausdehnung aufweisen, beispielsweise im Bereich einiger mhi bis mm, als die herkömmliche Messnadel an der Biegefeder für ein Rasterkraftmikroskop.
Das Elektrolytmaterial 108 kann in verschiedenen Ausführungsformen, nach dem das Netzwerk 110 ausgebildet wurde, entfernt werden. Das Netzwerk 110 kann anschaulich somit trocken auf dem
Substrat 102 verbleiben. Optional kann eine andere Flüssigkeit, ein Gel oder ein Harz aufgebracht werden, um das Netzwerk zu umschließen. Dadurch kann die elektrische Leitfähigkeit und die mechanische und optische Stabilität (beispielsweise hinsichtlich Elektro- und/oder Fotodegradation) des Netzwerkes 110 eingestellt werden.
Wenn das elektronische Bauelement 100 in einem ersten Betriebszustand 100a ist, siehe beispielsweise FIG.1A, kann ein Elektrolytmaterial 108 zumindest in einem Raumbereich zwischen den Eingabe-Elektroden 106 und Ausgabe-Elektroden 104 angeordnet sein. Das Elektrolytmaterial 108 kann mindestens ein polymerisierbares Material aufweisen. Gemäß verschiedenen Ausführungsformen kann das Elektrolytmaterial 108 eine Elektrolytlösung aufweisen, und das polymerisierbare Material kann in der Elektrolytlösung gelöst und/oder dispergiert sein. Gemäß verschiedenen Ausführungsformen kann das Elektrolytmaterial 108 eine Trägerflüssigkeit aufweisen, wobei das Elektrolyt in der Trägerflüssigkeit gelöst und/oder dispergiert sein kann und wobei auch das polymerisierbare Material in der Trägerflüssigkeit gelöst und/oder dispergiert sein kann.
In verschiedenen Ausführungsformen können mehrere freibewegliche Elektroden 102 vorgesehen sein, um mehrere Polymer-Fasern, die jeweils eine Eingabe-Elektrode mit einer Ausgabe-Elektrode verbindet, auszubilden. Gemäß einigen Ausführungsformen kann das Bilden der mindestens einen elektrischen Verbindung wie folgt erfolgen:
Es kann beispielsweise eine elektrische Spannung von weniger als 2 V verwendet werden. An ein oder mehrere Elektroden kann ferner eine niedrigere elektrische Spannung (z.B. von -1 V) angelegt werden, um das elektrische Feld und/oder die Salzverteilung in dem Elektrolytmaterial, und somit die
Direktionalität des Polymerisierens, zu kontrollieren. Dies ermöglicht beispielsweise mehrere Verbindungen zu bilden und ihr Wachstum mit externen Stimuli auszulösen.
Das daraus gebildete künstliche neuronale Netzwerk aus einem elektrisch leitfähigen Polymer kann anschaulich beispielsweise der dendritischen Topologie einer Synapse ähneln und das Wachstum kann vergleichbar sein mit einem synaptogenetischen Prozess.
Das Wechselstromsignal (AC) kann in einem Bereich von ungefähr 1 V bis ungefähr 6 V liegen und kann an die mindestens zwei Elektroden angelegt sein oder werden, wobei die mindestens zwei Elektroden mit einer Lösung in Kontakt sind enthaltend:
• Acetonitrile (MeCN),
• 1 mM Natrium-Tetrabutylammonium-Hexafluorophosphat (TBAPF6), und
• 50 mM 3,4-Ethylenedioxythiophen (EDOT).
Die Polymerisation kann beispielsweise zu der Bildung von Poly-3,4-Ethylenedioxythiophen (PEDOT) Fasern führen, die mit Hexafluorophosphate PF6- dotiert sind. Die Amplitude des elektrischen Signals kann, gemäß verschiedenen Ausführungsformen, wenig Einfluss auf die Bildung der mindestens einen elektrischen Verbindung haben, sofern genug elektrische Spannung bereitgestellt ist, um die oxidative Polymerisation in PEDOT zu unterstützen.
Allerdings kann die Frequenz des elektrischen Signals einen maßgeblichen Einfluss auf die Bildung der mindestens einen elektrischen Verbindung haben. Es wurde beispielsweise erkannt, dass eine starke Korrelation zwischen Frequenz und Abzweigungsgrad der mindestens einen elektrischen Verbindung 100 besteht, wie beispielsweise in FIG.2 gezeigt ist. Frequenzen von beispielsweise mehr als 200 Hz können zur Bildung höher verzweigter elektrischer Verbindungen führen, wobei eine Erhöhung der Periodendauer der Wechselspannung die Abzweigungen reduzieren und den Querschnitt der mindestens einen elektrischen Verbindung erhöhen kann.
Diese Variationen in den physikalischen und elektrischen Eigenschaften der mindestens einen elektrischen Verbindungen können beispielsweise aus der miteinander verknüpften Bewegungsdynamik der Monomere und der Ionen aus dem Elektrolytmaterial resultieren. Die Monomere können beispielsweise von der elektrischen Spannung beeinflusst sein und die Ionen können einer Braunschen-Bewegung unterliegen.
Gemäß verschiedenen Ausführungsformen kann die Reaktion des Polymerisierens beispielsweise mittels Oxidierens des Monomers ausgelöst werden, wobei dotierte, mit PF6- stabilisierte Oligomere, gebildet werden, die wiederum mit bereits gebildeten PEDOT-Fasern reagieren können. Die
Anwesenheit von dem Elektrolytmaterial und der lokalen, z.B. positiven Spannung, die größer als das Oxidierungspotential des Monomers ist, kann hilfreich sein, um die elektrochemische Reaktion zu realisieren. Anschaulich können sich Ionen an dem Interface zwischen mindestens einer Eingabe- Elektrode und mindestens einer Ausgabe-Elektrode und dem Elektrolytmaterial mit einer bestimmten Widerstand-Kondensator-Zeitdauer (engl.: „RC-time“) sammeln. Eine längere Zeitdauer ermöglicht es beispielsweise, dass an den Extremitäten der Fasern mehr Reaktionen ablaufen. Dies kann zu breiteren Fasern führen. Während des folgenden kathodischen Moments können nur die neu gebildeten Extremitäten der Fasern reaktiv werden. Dieser Effekt bietet beispielsweise die Möglichkeit, die Leitfähigkeit der mindestens einen elektrischen Verbindung aus elektrisch leitfähigem Polymer mittels struktureller Veränderungen zu steuern.
Im Folgenden werden einige Beispiele beschrieben, die sich auf das hierin Beschriebene und in den Figuren Dargestellte beziehen.
Beispiel 1 ist ein elektronisches Bauelement, aufweisend: ein Substrat, wobei das Substrat eine Vielzahl von Eingabe-Elektroden und eine Vielzahl von Ausgabe-Elektroden aufweist, die auf und/oder in dem Substrat in einem Abstand voneinander angeordnet sind; und ein elektrisch leitfähiges Netzwerk aus einem oder mehreren elektrisch leitfähigen Polymeren, wobei das elektrisch leitfähige Netzwerk eingerichtet ist, die Vielzahl von Eingabe-Elektroden mit der Vielzahl von Ausgabe-Elektroden elektrisch zu vernetzen.
Das elektrisch leitfähige Netzwerk kann jeweils mindestens eine Faserstruktur aus dem einen elektrisch leitfähigen Polymer oder den mehreren elektrisch leitfähigen Polymeren aufweisen, die sich von mindestens einer Eingabe-Elektrode zu mindestens einer Ausgabe-Elektrode erstreckt.
Die Faserstruktur kann einen mittleren Durchmesser in einem Bereich von ungefähr 1 mhi bis ungefähr 50 mhi aufweisen, beispielsweise in einem Bereich von 3 mhi bis 10 mhi. Die Faserstruktur kann eine im Wesentlichen geradlinige Struktur aufweisen.
In Beispiel 2 kann das elektronische Bauelement gemäß Beispiel 1 optional ferner ein Elektrolytmaterial aufweisen, das zumindest teilweise im Raum zwischen der Vielzahl von Eingabe- Elektroden und der Vielzahl von Ausgabe-Elektroden angeordnet ist, wobei zumindest ein Teil des elektrisch leitfähigen Netzwerks in dem Elektrolytmaterial angeordnet ist.
In Beispiel 3 kann das elektronische Bauelement gemäß Beispiel 1 oder 2 optional ferner aufweisen, dass zumindest ein elektrisch leitfähiges Polymer des elektrisch leitfähigen Netzwerks, das eine Eingabe-Elektrode mit einer Ausgabe-Elektrode verbindet, mindestens eine Abzweigung aufweist, deren Ende mit keiner der Ausgabe-Elektroden elektrisch verbunden ist.
In Beispiel 4 kann das elektronische Bauelement gemäß Beispiel 3 optional ferner aufweisen, dass die Abzweigung zu einem weiteren elektrisch leitfähigen Polymer des elektrisch leitfähigen Netzwerks hin ausgerichtet ist.
In Beispiel 5 kann das elektronische Bauelement gemäß einem der Beispiel 1 bis 4 optional ferner aufweisen: mindestens eine Eingabe-Elektrode der Vielzahl von Eingabe-Elektroden; und mindestens eine erste Ausgabe-Elektrode und eine zweite Ausgabe-Elektrode der Vielzahl von Ausgabe-Elektroden; wobei die Eingabe-Elektrode eine elektrische Verbindung mit der ersten und zweiten Ausgabe-Elektrode aufweist.
In Beispiel 6 kann das elektronische Bauelement gemäß einem der Beispiel 1 bis 5 optional ferner aufweisen: mindestens eine erste Eingabe-Elektrode und eine zweite Eingabe-Elektrode der Vielzahl von Eingabe-Elektroden; und mindestens eine Ausgabe-Elektrode der Vielzahl von Ausgabe- Elektroden, wobei die erste und zweite Eingabe-Elektrode eine elektrische Verbindung mit der Ausgabe-Elektrode aufweist.
In Beispiel 7 kann das elektronische Bauelement gemäß einem der Beispiele 1 bis 6 optional ferner einen Rückkopplungskanal aufweisen, der eigerichtet ist, zumindest eine Ausgabe-Elektrode mit einer Eingabe-Elektrode elektrisch leitend zu verbinden.
In Beispiel 8 kann das elektronische Bauelement gemäß einem der Beispiele 1 bis 7 ferner optional aufweisen, dass eine oder mehrere elektrisch leitfähige Polymer-Faser des elektrisch leitfähigen Polymers in einem Abstand über dem Substrat angeordnet sind. In Beispiel 9 kann das elektronische Bauelement gemäß Beispiel 8 optional aufweisen, dass eine oder mehrere elektrisch leitfähige Polymer-Faser zumindest in einem Abschnitt vollumfänglich frei von einem körperlichen Kontakt mit dem Substrat ist.
In Beispiel 10 kann das elektronische Bauelement gemäß einem der Beispiel 1 bis 9 optional eingerichtet als ein neuromorpher Chip und/oder eine synaptische Verbindung in einer Hirn- Computer-Schnittstelle eingerichtet sein.
Beispiel 11 ist ein künstliches neuronales Netzwerk, aufweisend: ein oder mehrere elektronische Bauelemente gemäß einem der Beispiele 1 bis 10, wobei das künstliche neuronale Netzwerk eingerichtet ist zum Ausführen mindestens einer Rechenfunktion mittels des einen elektronischen
Bauelementes bzw. mittels der mehreren elektronischen Bauelemente.
Beispiel 12 ist ein Verfahren zum Fierstellen eines elektronischen Bauelements, das Verfahren aufweisend: Bereitstellen eines Elektrolytmaterials zumindest in einem Raumbereich zwischen einer ersten Elektrode und einer zweiten Elektrode, wobei die erste Elektrode auf und/oder in einem
Substrat und die zweite Elektrode freibeweglich in dem Elektrolytmaterial angeordnet ist, wobei die zweite Elektrode in einem Abstand zu der ersten Elektrode und dem Substrat angeordnet ist, und wobei das Elektrolytmaterial mindestens ein polymerisierbares Material aufweist, Bilden mindestens einer elektrischen Verbindung zwischen der ersten Elektrode und der zweiten Elektrode mittels Polymerisierens des mindestens einen polymerisierbaren Materials zu einem elektrisch leitfähigen Polymer.
In Beispiel 13 kann das Verfahren gemäß Beispiel 12 optional ferner aufweisen: Bewegen der zweiten Elektrode in dem Elektrolytmaterial, so dass der Abstand zu der ersten Elektrode vergrößert wird, wobei die räumliche Ausdehnung des elektrisch leitfähigen Polymers vergrößert wird. In Beispiel 14 kann das Verfahren gemäß Beispiel 12 oder 13 ferner optional aufweisen: Bewegen der zweiten Elektrode zu einer dritten Elektrode, die auf und/oder in einem Substrat und in einem Abstand zu der ersten Elektrode angeordnet ist, wobei die zweite Elektrode die dritte Elektrode derart elektrisch kontaktiert, dass das elektrisch leitfähige Polymer eine elektrische Verbindung zwischen der ersten Elektrode und der dritten Elektrode ausbildet
In Beispiel 15 kann das Verfahren gemäß Beispiel 14 optional aufweisen, dass die zweite Elektrode die dritte Elektrode außerhalb des Elektrolytmaterials kontaktiert oder dass die zweite Elektrode die dritte Elektrode innerhalb des Elektrolytmaterials kontaktiert. In Beispiel 16 kann das Verfahren gemäß einem der Beispiele 12 bis 15 optional aufweisen, dass das Bilden der mindestens einen elektrischen Verbindung mittels Anlegens eines elektrischen Signals zwischen zumindest der ersten Elektrode und der zweiten Elektrode erfolgt.
In Beispiel 17 kann das Verfahren nach einem der Beispiele 12 bis 16 optional aufweisen, dass das Bilden der mindestens einen elektrischen Verbindung zwischen der ersten Elektrode und der zweiten Elektrode ein Bilden einer einzigen Faserstruktur mittels Polymerisierens des mindestens einen polymerisierbaren Materials aufweist, wobei die Faserstruktur einen körperlichen Kontakt zu der ersten Elektrode aufweist. In Beispiel 18 kann das Verfahren nach einem der Beispiele 14 bis 17 optional aufweisen, dass das
Bilden der mindestens einen elektrischen Verbindung zwischen der ersten Elektrode und der dritten Elektrode ein Bilden einer einzigen Faserstruktur mittels Polymerisierens des mindestens einen polymerisierbaren Materials aufweist, wobei die Faserstruktur einen körperlichen Kontakt zu der ersten und dritten Elektrode aufweist.
In Beispiel 19 kann das Verfahren nach einem der Beispiel 12 oder 18 optional ein Wiederholen der Schritte gemäß einem der Beispiele 12 bis 18 für mindestens eine oder mehrere weitere Eingabe- Elektroden und eine oder mehrere Ausgabe-Elektroden aufweisen, so dass ein elektrisch leitfähiges Netzwerk mit der Vielzahl elektrischer Verbindungen zwischen der Vielzahl von Eingabe-Elektroden und der Vielzahl von Ausgabe-Elektroden ausgebildet wird.
In Beispiel 20 kann das Verfahren nach Beispiel 19 optional ferner ein Maschinenlernen des elektrischen Netzwerks aufweisen, wobei ein oder mehrere vorbestimmte Signale an eine oder
mehrere Eingabe-Elektroden angelegt wird und in Reaktion ein oder mehrere Signale an einer oder mehreren Ausgabe-Elektroden ermittelt wird, wobei das Maschinenlernen ein als Reservoir Computing, Echo State Network oder Liquid State Machine bezeichnetes Maschinenlern-Verfahren ist.