STUETZSTRUKTUR
Die vorliegende Erfindung betrifft eine Stützstruktur, ein Prothesenbauteil enthaltend diese Stützstruktur, ein Verfahren zur Herstellung dieses Prothesenbauteils sowie die Verwendung der Stützstruktur.
Als Prothese wird in der Medizin der künstliche Ersatz von Gliedmaßen beziehungs weise Körperteilen bezeichnet. Ziel ist es, dass die Prothesen dabei dem Organ oder Körperteil in der Funktion möglichst ähnlich sind. Allgemein bekannte Prothesenvarian ten sind Exoprothesen (außerhalb des Körpers) und Endoprothesen (vollständig vom Körpergewebe umschlossen). Exoprothesen sind beispielsweise Bein-, Fuß-, Arm- oder auch Handprothesen. Eine Beinprothese beispielsweise weist hauptsächlich drei Be standteile auf, nämlich einen Schaft, über den die Prothese mit einem verbliebenen Extremitätenstumpf verbunden ist, ein Adapterstück und ein Fußteil. Neben den Pro thesen sind auch so genannte Orthesen bekannt, diese dienen zur Stabilisierung, Ent lastung, Ruhigstellung, Führung oder Korrektur von Gliedmaßen oder des Rumpfes. Weiterentwicklungen der Orthesen sind sogenannte Exoskelette, dabei handelt es sich um am Körper tragbare Roboter oder Maschinen, die die Bewegung des Trägers unter stützen oder verstärken.
Das Herstellen von Fachwerken als Stützstruktur ist in der Technik allgemein eine be kannte Methode, um Strukturen zu stabilisieren. In der Medizintechnik für die Human- und Veterinärmedizin, werden Stützstrukturen zur Stabilisierung und Reponierung von Frakturen oder beim Knochenaufbau eingesetzt. Die Stützstrukturen können aus Titan Kunststoff oder Stahl sowie resorbierbaren Materialien bestehen. Nachteilig ist aber da bei, dass eine individuelle Verstärkung zwar technisch möglich ist, jedoch mit hohen Kosten und aufwendigen Prozessschritten verbunden sind.
Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher, eine Stützstruktur bereitzustellen, welche beispielsweise bei Anwendung in einer Prothese eine gezielte Verstärkung bie tet, wodurch Material eingespart wird und der Tragekomfort des Trägers der Prothese
durch die gezielte Verstärkung erhöht wird, als auch eine gezielte Steifigkeit und Festig keit erreicht werden.
Erfindungsgemäß ist eine Stützstruktur vorgesehen, die mindestens einen Verbund werkstoff umfasst, wobei die Stützstruktur als schalenförmiger Körper, 3D-Struktur oder Freiformfläche, bevorzugt als schalenförmiger Körper ausgebildet ist.
Die beschriebene Stützstruktur ist keine Vollflächenstruktur, sondern eine Stützstruktur, die nur gezielt an den benötigten Stellen vorliegt und somit nur teilflächig ist.
Im Rahmen der Erfindung wird als Verbundwerkstoff ein faserverstärkter Kunststoff an gesehen, wobei die Fasern aus der Gruppe Carbonfasern, Glasfasern, Aramidfasern, Metallfasern, Keramikfasern, Basaltfasern oder Naturfasern, bevorzugt Carbonfasern ausgewählt werden. Unter Naturfasern werden Flachs-, Jute-, Sisal- und Hanffasern verstanden. Die Fasern können als Kurz-, Lang-, Endlosfasern oder Mischungen davon, bevorzugt Endlosfasern, verwendet werden. Dabei werden Fasern mit einer Länge von 0,1mm - 1mm als Kurzfasern, 1mm - 50mm als Langfasern und mit mehr als 50mm als Endlosfasern bezeichnet. Für den faserverstärkten Kunststoff werden als Matrix Duro- mere wie beispielsweise Epoxidharze, Thermoplaste wie beispielsweise Polyamide und Elastomere wie beispielsweise Acrylnitril-Butadien-Kautschuk oder Mischungen davon verwendet, bevorzugt Duromere. Thermoplaste sind Kunststoffe, die sich in einem be stimmten Temperaturbereich verformen lassen, wobei der Vorgang reversibel ist, so lange nicht durch thermische Überhitzung die Zersetzung des Thermoplastes auftritt.
In einer bevorzugten Ausführungsform umfasst die Stützstruktur einen carbonfaser verstärkten Kunststoff, wobei die Carbonfasern als Endlosfasern vorliegen und die Matrix als Duromer. Dieses Verstärkungsmaterial bietet den Vorteil eines geringen Gewichts, einer sehr hohen gewichtsspezifischen Steifigkeit und Zugfestigkeit, sowie geringen thermischen Ausdehnung, welche sich durch individuelle Auslegung der Fa serrichtung lastspezifisch ideal anpassen lassen und besticht daher mit hervorragen den, einstellbaren mechanischen Eigenschaften für die genannte Anwendung.
Unter einer 3D-Struktur werden jegliche dreidimensionalen Gebilde verstanden. Ein schalenförmiger Körper ist eine 3D-Struktur, wobei diese einseitig offen ausgebildet ist und mindestens eine gekrümmte Fläche aufweist, so dass eine halbierte Hohlkugel aus gebildet wird. Unter Freiformflächen werden dreidimensionale, gekrümmte Flächen ver standen. Gekrümmte Flächen sind Flächen, die in Teilbereichen der Fläche um eine be liebige Gradzahl von der geraden Fläche abweichen.
Nach einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform wird der Verbundwerkstoff aus der Gruppe carbonfaserverstärkter Kunststoff, glasfaserverstärkter Kunststoff, aramidfaser verstärkter Kunststoff, metallfaserverstärkter Kunststoff, keramikfaserverstärkter Kunst stoff, basaltfaserverstärkter Kunststoff, naturfaserverstärkter Kunststoff oder Mischun gen dieser, bevorzugt carbonfaserverstärkter Kunststoff, ausgewählt wird. Der Verbund werkstoff aus carbonfaserverstärktem Kunststoff weist die höchste gewichtsspezifische Steifigkeit auf.
Unter einem Prothesenbauteil werden eine oder mehrere Komponenten verstanden, die in Prothesen jeglicher Art verwendet werden. Die Stützstruktur ermöglicht eine gezielte Verstärkung in den Bereichen, in denen sie benötigt wird. Dadurch erhöht sich der Tragekomfort der Prothese für den Träger.
Ein weiterer Gegenstand der Erfindung ist ein Prothesenbauteil umfassend eine Hülle und die Stützstruktur, wobei die Stützstruktur innen und/oder außen an der Hülle, bevor zugt außen befestigt ist. Im Rahmen der Erfindung wird unter der Hülle ein schalenför miger Körper, eine 3D-Struktur oder Freiformfläche, bevorzugt ein schalenförmiger Kör per verstanden, wobei die Form der Hülle abhängig von der Form der Stützstruktur ist. Bei einem Prothesenbauteil für eine Beinprothese ist die Hülle ein schalenförmiger Kör per, wobei die Hülle den Amputationsstumpf umgibt. Die verschiedenen Stützstrukturen ermöglichen eine gezielte Verstärkung, angepasst auf das jeweilige Prothesenbauteil und den Träger der Prothese, so dass der Tragekomfort erhöht wird und eine langlebigere Prothese erhalten wird.
Gemäß der Erfindung ist die Hülle aus Kunststoff, Keramik, Metall oder Mischungen dieser, bevorzugt Kunststoff gebildet. Kunststoff weist den Vorteil auf, dass die Hülle besonders flexibel ist, was den Tragekomfort der Prothese für den Träger erhöht. Weiterhin erlaubt die Verwendung eines Kunststoffes das vergleichsweise einfache, schnelle und kostengünstige Anwenden eines entsprechenden Fertigungsverfahrens.
Vorteilhafterweise weist die Stützstruktur mindestens zwei Ausformungen auf. Unter Ausformungen werden im Rahmen dieser Erfindung Teilbereiche verstanden, die durch Bereiche, die keine Stützstruktur aufweisen, getrennt sind. Die Ausformungen weisen den Vorteil auf, dass nicht durch eine Vollflächen-Stützstruktur, sondern eine bereichs weise angebrachte Stützstruktur, nur die Stellen gestützt werden, die eine Stützung be nötigen, wodurch Materialkosten eingespart werden und im Falle einer Stützstruktur, die Anwendung in Prothesen findet, eine Verbesserung des Tragekomforts für den Träger vorliegt, da so die Flexibilität der Prothese erhöht wird.
In einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform sind die Ausformungen der Stütz struktur in Abhängigkeit der Krafteinleitungen in einem Punkt miteinander verbunden. Dies ermöglicht, dass die Stützstruktur nicht vollflächig ausgebildet sein muss, sondern Stützung nur an den benötigten Stellen aufweist.
Erfindungsgemäß sind die Hülle und die Stützstruktur in diesem Punkt kraft- und/oder form- und/oder stoffschlüssig miteinander verbunden, bevorzugt kraft und/oder stoff schlüssig. Denn bei einer stoffschlüssigen Verbindung werden die Kräfte vollflächig übertragen und die kraftschlüssige Verbindung kann wieder gelöst werden und ein Ein fluss auf die Verbindungsfestigkeit ist möglich.
Vorteilhafterweise ist bei einer kraft- und/oder formschlüssigen und/oder stoffschlüs sigen Verbindung von Hülle und Stützstruktur ein Befestigungsmittel aus der Gruppe Schrauben oder Nieten für kraftschlüssige Verbindungen und/oder aus der Gruppe der
Klebstoffe für stoffschlüssige Verbindungen und/oder Klemmen für formschlüssige Ver bindungen ausgewählt, bevorzugt Schrauben und/oder Klebstoffe.
Unter Klebstoffen werden Adhäsivfilme mit einer Dicke von 0 bis 250 gm, Adhäsivfolien mit einer Dicke von >250 gm bis 1 mm oder Adhäsivlagen mit einer Dicke von >1 mm bis 5 mm und Adhäsivpasten verstanden. Bei Adhäsivfilmen, Adhäsivfolien und Adhäsivlagen handelt es sich um zweidimensionale, flächige Gebilde mit einer homo genen Dickenverteilung. Mit Adhäsivpasten können beispielsweise Ungenauigkeiten bei der Herstellung von Hülle und Stützstruktur ausgeglichen werden. Unter Befestigungs mittel werden sowohl zusätzlich Elemente wie Schrauben, Nieten, Klebstoffe, Adhäsiv filme, Adhäsivschichten, Adhäsivfolien oder Adhäsivlagen verstanden, aber auch in direkte Befestigungen wie durch Klemmen, was durch Hinterschneidungen ermöglicht wird. Unter Hinterschneidungen wird verstanden, dass sich die Stützstruktur um und über konvexe Auswölbungen an der Hülle fortpflanzen bzw. umgeben.
Ein weiterer Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren eines Prothesenbauteils, umfassend die folgenden Schritte a) Formen der Hülle durch additive Fertigung, Spritzguss oder Gießen, b) Vorbehandeln der Oberfläche der Hülle, c) Auf der in Schritt b) oberflächenvorbehandelten Hülle, Bilden der Stütz struktur, wobei mindestens zwei Lagen aus jeweils mindestens einem Ver bundwerkstoffteilstück aufgebracht werden, d) Aushärten bzw. Konsolidieren der Stützstruktur gemäß Schritt c) bei Tem peraturen in einem Bereich von 80 bis 150°C und einem Druck von 1 bis 10 bar für 3 bis 240 min, e) Trennen von Hülle und Stützstruktur,
f) Nachbearbeiten der Stützstruktur, g) Zusammenführen von Hülle und Stützstruktur, h) Kraft- und/oder form- und/oder stoffschlüssiges Verbinden von Hülle und Stützstruktur mittels eines Befestigungsmittel.
Das Formen der Hülle in Schritt a) kann durch verschiedene Formgebungsverfahren, wie additive Fertigung, Spritzguss oder Gießen erfolgen. Unter Oberflächenbehandlung der Hülle wird im Rahmen der Erfindung verstanden, dass die Hülle derart vorbereitet wird, so dass die in Schritt c) aufgebrachte und in Schritt d) ausgehärtete Stützstruktur in Schritt e) von der Hülle getrennt werden kann. Zum Vorbehandeln der Oberfläche können Trennmittel, Wachse, Folien oder auch Trennschichten verwendet werden. Trennmittel sind daher niederviskose, pastöse oder als Spray auftragbare Substanzen, beispielsweise semi-permanente Polymerharze, Silikone oder Fluor-Chlor-Kohlen- wasserstoffe, welche mittels Wischens, Sprühens, oder Tauchens aufgetragen werden können und einen dünnen Film bilden, welcher als Haftungsbarriere dient. Alternativ können auch Wachse verwendet werden, welche in Lösungsmitteln dispergiert sind. Daneben ist es auch möglich, die Oberfläche mittels Folien oder dünnen Trennschich ten zu versehen, beispielsweise Silikon oder PTFE (Polytetrafluorethylen) Folien, wel che im weiteren Schritt weder mit der Hülle noch mit der Verstärkungsstruktur eine che misch-physikalische Verbindung ausbilden und daher zu einem beliebigen Zeitpunkt wieder abgezogen werden können.
In Schritt c) wird auf der oberflächenvorbehandelten Hülle die Stützstruktur gebildet. Da für werden mindestens zwei Lagen aus jeweils mindestens einem Verbundwerkstoffteil stück aufgebracht. Unter einem Verbundwerkstoffteilstück wird im Rahmen der Erfin dung ein noch nicht ausgehärteter bzw. noch nicht konsolidierter Verbundwerkstoff ver standen, der im einfachsten Fall die Gesamtform der Stützstruktur darstellt und in die sem einfachsten Fall zwei Lagen davon übereinander aufgebracht werden. Unter Lagen
wird eine Schicht eines Verbundwerkstoffes aus einem oder mehreren nebeneinander liegenden Verbundwerkstoffteilstücken verstanden. Die Stützstruktur kann aber auch aus vielen einzelnen Verbundwerkstoffteilstücken in mindestens zwei übereinander liegenden Lagen zusammengesetzt werden. Der noch nicht ausgehärtete bzw. nicht vollständig konsolidierte Verbundwerkstoff wird aus der Gruppe carbonfaserverstärkter Kunststoff, glasfaserverstärkter Kunststoff, aramidfaserverstärkter Kunststoff, metall faserverstärkter Kunststoff, keramikfaserverstärkter Kunststoff, basaltfaserverstärkter Kunststoff, naturfaserverstärkter Kunststoff oder Mischungen dieser, bevorzugt carbon faserverstärkter Kunststoff, ausgewählt.
Der Schritt c) kann auch durch ein automatisiertes Verfahren durchgeführt werden, dazu wird zunächst berechnet wo die einzelnen Verbundwerkstoffteilstücke aufgebracht werden sollen und mit Hilfe von Fiber-Placement-Verfahren entsprechend aufgebracht.
In Schritt d) erfolgt das Aushärten der Stützstruktur bei Temperaturen in einem Bereich von 80 bis 150°C und einem Druck von 1 - 10 bar für 3 bis 240 min. Dadurch nimmt die Stützstruktur die endgültige Form an und erhält ihre Festigkeit.
In Schritt f) erfolgt das Nachbearbeiten der Stützstruktur. Hierunter wird feilen, fräsen, schleifen, entgraten verstanden. Darüber hinaus kann auch optional noch ein Lackieren oder versiegeln der Stützstruktur mit beispielsweise einem Lack erfolgen. Dies hat optische Gründe. Das optionale Lackieren kann auch erst am Prothesenbauteil durch geführt werden.
Vorteilhafterweise wird die Hülle in Schritt a) aus Kunststoff, Keramik oder Metall, be vorzugt Kunststoff gebildet wird. Kunststoff hat den Vorteil, dass die Hülle sehr flexibel und weich ist, was beispielsweise bei Prothesen oder Orthesen den Tragekomfort der Prothese oder Orthese für den Träger erhöht. Weiterhin erlaubt die Verwendung eines Kunststoffes das vergleichsweise einfache, schnelle und kostengünstige Herstellung.
Nach einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform wird die Hülle in Schritt a) aus Kunststoff, ausgewählt aus der Gruppe Thermoplaste, Elastomere oder Duromere, bevorzugt Thermoplaste, gebildet. Thermoplaste bieten den Vorteil, dass sie mittels 3D- Druck druckbar sind.
Gemäß einem weiteren alternativen Verfahren wird in Schritt a) beim Formen der Hülle und in Schritt c) beim Bilden der Stützstruktur der berechnete thermische Verzug beim Aushärten des Prothesenbauteils aus Hülle und Stützstruktur berücksichtigt, so dass die Schritte b) und e) - g) entfallen. Die Berechnung des thermischen Verzuges kann durch verschiedene Verfahren wie beispielsweise mittels FEM-Modelle/Simulation (Finite-Elemente Methode), Handrechnungen, Verhaltensmodelle, ROM (Reduced Order Model) berechnet und somit bereits in der Herstellung der Hülle derart mitein- bezogen werden, dass diese eine vom gemessenen Modell abweichende Form auf weist und mittels des berechneten Verzugs die gewünschte Geometrie des Endbauteils erreicht wird. Die Berechnung des thermischen Verzuges erleichtert weiterhin den Her stellungsprozess des gesamten Bauteils, da aufwendige Nachbearbeitung entfällt. Zudem werden keinerlei Befestigungsmittel für die Hülle und Stützstruktur benötigt, da durch das gemeinsame Aushärten bereits eine stoffschlüssige Verbindung zwischen Hülle und Stützstruktur geschaffen wird.
Gemäß einem weiteren alternativen Verfahren werden in Schritt a) die Hülle an der In nenseite gemäß der ermittelten individuellen Form des Amputationsstupfes angepasst und die Außenkontur entspricht einer Standardform und die Stützstruktur in Schritt c) wird auf einem separaten Werkzeug gebildet, wobei mindestens zwei Lagen aus jeweils mindestens einem Verbundfaserwerkstoffteilstück aufgebracht werden, so dass der Schritte b und e) entfallen. Durch Verwendung von standardisierten Außenkontouren ist es möglich, Stützstrukturen auf Vorrat zu produzieren, wodurch die Wirtschaftlichkeit er höht wird und durch die Anpassung der Innenseite der Hülle an den Amputationsstumpf trotzdem die individuelle Anpassung erhalten bleibt.
Vorteilhafterweise wird bei einer kraft- und/oder formschlüssigen und/oder stoffschlüs sigen Verbindung von Hülle und Stützstruktur ein Befestigungsmittel aus der Gruppe Schrauben oder Nieten für kraftschlüssige Verbindungen und/oder aus der Gruppe der Klebstoffe für stoffschlüssige Verbindungen und/oder Klemmen für formschlüssige Ver bindungen ausgewählt, bevorzugt Schrauben und/oder Klebstoffe.
Die Stützstruktur findet allgemein Verwendung in Ausrüstungen für die Medizintechnik, Rehabilitationshilfsmittel, Sport- und Veterinärmedizin, als auch für Hilfsmittel für sta tisch-dynamische Belastungen, für Patienten-Bergetechnik im Notfallbereich und dem Patiententransport. Insbesondere findet die Stützstruktur Verwendung zur Verstärkung von Prothesen, Orthesen, Exoskeletten, Mobilitätshilfen, Operationsequipment, Helmen und Nackenstützen. Bei all diesen Verwendungen umfasst die Stützstruktur die oben beschriebenen Verbundwerkstoffe.
Nachfolgend wird die vorliegende Erfindung rein beispielhaft anhand vorteilhafter Aus führungsformen und unter Bezugnahme auf die beigefügten Zeichnungen beschrieben.
Figur 1a zeigt eine Hülle (1) und eine Stützstruktur (3) in perspektivischer Darstellung Figur 1b zeigt ein Prothesenbauteil umfassen eine Hülle (1) und eine Stützstruktur (3) in perspektivischer Darstellung.
Figur 2 zeigt den Querschnitteines Prothesenbauteils umfassend eine Hülle (1) mit standardisierten Stützstrukturen (3), (3') und (3").
Figur 3 zeigt eine Hülle (1) und Hülle (1') in perspektivischer Darstellung.
Figur 1a zeigt eine Hülle (1) und eine Stützstruktur (3) mit Ausformungen (7).
Figur 1 b zeigt ein Prothesenbauteil umfassend eine Hülle (1) und eine Stützstruktur (3) mit Ausformungen (7).
Figur 2 zeigt ein Prothesenbauteil umfassend einer Hülle (1) mit standardisierten Stütz strukturen (3), (3') und (3"). Welche der standardisierten Stützstrukturen (3), (3') und (3") für das Prothesenbauteil verwendet wird, hängt von der Größe der Hülle (1), die an den Amputationsstumpf angepasst ist, ab. In diesem Falle ist es die standardisierte Stützstruktur (3). Die standardisierten Stützstrukturen (3') und (3") sind in diesem Fall nur zu Verdeutlichung dargestellt. Es wird die standardisierte Stützstruktur (3) gewählt, da die geringste Aufdickung (8) im Vergleich zu standardisierten Stützstrukturen (3') und (3") notwendig ist.
Figur 3 zeigt eine Hülle (1) und eine Hülle (T) in perspektivischer Darstellung. Die Hülle (1 ) stellt die finale Hülle dar. Die Hülle (T) beinhaltet beispielhaft den für die Hülle (1 ) einberechneten thermischen Verzug, so dass nach dem Aushärten der nicht dargestell ten Stützstruktur mit der Hülle (T) die Hülle (1) erhalten wird.
Nachfolgend wird die vorliegende Erfindung anhand von Ausführungsbeispielen erläu tert, wobei die Ausführungsbeispiele keine Einschränkung der Erfindung darstellen.
Die Herstellung eines Prothesenbauteils kann wie unten beschrieben erfolgen.
Ausführungsbeispiel 1
Es wurde der Amputationsstumpf des Patienten gescannt und digital aufgearbeitet, wo bei über eine passende Software die Geometrie der zu druckenden Hülle (1) für das Prothesenbauteil sowie die Form und Dicke der benötigten Stützstruktur generiert wur den. Auf Basis dieses Modells wurde eine personalisierte Hülle (1) aus Kunststoff (Poly amid 12) mittels eines 3D-Druck-Verfahrens hergestellt. Diese Hülle (1) diente im wei teren Prozess ebenfalls als Werkzeug für die Herstellung Stützstruktur (3). Dazu wurde die Hülle (1) mit einer 0,1 mm dicken PVA (Polyvinylalkohol)-Folie (Trennschicht) (2) fal tenfrei überzogen. Zur Herstellung der Stützstruktur (3) wurde mittels eines automati-
sierten Placement-Verfahrens die Stützstruktur an den berechneten Stellen schicht weise durch alternierende Anordnung von vier Verbundwerkstoffteilstücken (4) (nicht ausgehärteter Verbundwerkstoff auf duromerer Epoxidharzbasis mit Endloscarbon fasern der Länge 55 mm) in 0/90° und +45/-45°-Orientierung gelegt. Im nächsten Schritt wurden Verbundwerkstoffteilstücken zur Stützstruktur ausgehärtet. Dazu wurden die Hülle (1) mit aufgebrachter Trennschicht (2) und zur Stützstruktur abgelegten Verbund werkstoffteilstücken (4) in einem Autoklav-Prozess mit einer Heizrampe von 2K/min bei 110°C unter einem Druck von 6bar über eine Haltedauer von zwei Stunden ausgehär tet. Die dadurch entstehende Stützstruktur (3a) wurde anschließend durch Verwendung der Trennschicht (2) von der Hülle (1) getrennt. Anschließend wurde auf Basis der Da ten aus dem digitalen Modell mittels eines Fräsverfahrens die Randkontur und die Oberfläche der Stützstruktur (3a) bearbeitet, sodass daraus die Stützstruktur (3b) ent stand. Diese wurde mit einem Lack versiegelt, bevor die Stützstruktur (3) im an schließenden Schritt mit der Hülle (1) verbunden wurde. Dazu wurde als Befesti gungsmittel ein thixotroper 2-K PUR Klebstoff (5) auf die Stützstruktur (3) aufgetragen, die Stützstruktur (3) mit der Hülle (1) verbunden und unter mechanischem Anpress druck über 24h gehärtet, so dass ein stoffschlüssig verbundenes Prothesenbauteil er halten wurde.
Ausführungsbeispiel 2:
Es wurde der Amputationsstumpf des Patienten gescannt und digital aufgearbeitet, wo bei über eine Software die Geometrie der benötigten Hülle (1) als individuelles Pro thesenbauteil sowie die Form und Dicke einer benötigten Stützstruktur (3). Um die Stützstruktur (3) direkt auf der Hülle (1) zu fertigen wurde mittels eines FEM-Modells der zu erwartende thermische Verzug ermittelt und in die Formgestaltung von Hülle und Stützstruktur so miteinbezogen, dass die Bauteile abweichend von der mittels Scan er mittelten Form hergestellt werden konnten und der Verzug dazu genutzt wurde, um Kombination aus Stützstruktur und Hülle in die final gewünschte Form zu bringen. Das
so ermittelte Modell der Hülle (1') wurde mittels eines 3D-Druck-Verfahrens aus Kunst stoff (Polyamid 12) hergestellt. Zur Herstellung der Stützstruktur (3) wurde mittels eines automatisierten Placement-Verfahrens die Stützstruktur an den berechneten Stellen schichtweise durch alternierende Anordnung von vier Verbundwerkstoffteilstücken (4) (nicht ausgehärteter Verbundwerkstoff auf duromerer Epoxidharzbasis mit Endlos carbonfasern der Länge 55 mm) in 0/90° und +45/-45°-Orientierung auf die Hülle (1') gelegt. Im nächsten Schritt wurden Verbundwerkstoffteilstücken zur Stützstruktur (3) ausgehärtet. Dazu wurden die Hülle (1') mit zur Stützstruktur gelegten Zuschnitten (4) in einem Autoklav-Prozess mit einer Heizrampe von 2K/min bei 110°C unter einem Druck von 6 bar über eine Haltedauer von zwei Stunden ausgehärtet. Durch den direkten Kon takt der beiden Materialien aus Hülle (1') und zur Stützstruktur gelegten Zuschnitten (4) erfolgt simultan der Materialverzug zur gewünschten Endgeometrie sowie die Anhaftung zwischen Stützstruktur und Hülle aufgrund der Klebeeigenschaften und der Penetration des Harzes in das Hüllenmaterial während der Aushärtung. Aus optischen Gründen wurde das Prothesenbauteil mit einem Lack lackiert. Es wurde somit ein individuell an gepasstes und stoffschlüssig verbundenes Prothesenbauteil aus Hülle (1) und Stütz struktur (3) hergestellt.
Ausführungsbeispiel 3:
Es wurde der Amputationsstumpf des Patienten gescannt und digital aufgearbeitet, wo bei über eine passende Software die Geometrie einer zu druckenden Hülle (1) für das Prothesenbauteil sowie die Form und Dicke einer benötigten Stützstruktur (3) generiert wurden. Diese Hülle (1) wies als Innenkontur eine passgenaue Oberfläche zum ge scannten Amputationsstumpf auf und wurde durch eine Aufdickung (8) an der Außen seite jedoch so angepasst, damit diese Außenseite einer zuvor definierten Standard form entspricht. Auf Basis dieses Modells wurde eine Hülle (1) mittels eines 3D-Druck- Verfahrens aus Kunststoff (Polyamid 12) hergestellt. Von der genannten Standardform der Außenkontur wurden unabhängig vom genannten Scan mehrere Modelle festgelegt. Von dieser Standardform existiert ein Werkzeug (6), auf welchem die zur Hülle (1) be nötigte Stützstruktur (3) gefertigt wurde. Das Werkzeug (6) wurde vorab mittels eines
Trennmittels (semi-permanentes Polymerharz) vorbereitet, um das spätere Ablösen der Stützstruktur (3) vom Werkzeug (6) sicherzustellen. Zur Herstellung der Stützstruktur (3) wurde mittels eines automatisierten Herstellungsprozesses die Stützstruktur gezielt schichtweise durch alternierende Anordnung von vier Verbundwerkstoffteilstücken (4) (nicht ausgehärteter Verbundwerkstoff auf duromerer Epoxidharzbasis mit Endlos carbonfasern der Länge 55 mm) in 0/90° und +45/-45°-Orientierung auf das vorbereitete Werkzeug gelegt. Im nächsten Schritt wurden Verbundwerkstoffteilstücken zur Stütz struktur (3) ausgehärtet. Dazu wurde das Werkzeug (6) mit zur Stützstruktur gelegten Verbundwerkstoffteilstücken (4) in einem Autoklav-Prozess mit einer Heizrampe von 2K/min bei 110°C unter einem Druck von 6 bar über eine Haltedauer von zwei Stunden ausgehärtet. Die dadurch entstehende Stützstruktur (3a) wurde anschließend von dem mit Trennmittel versehenen Werkzeug (6) getrennt. Anschließend wurde auf Basis der Daten aus dem digitalen Modell mittels eines Fräsverfahrens die Randkontur und die Oberfläche der Stützstruktur (3a) bearbeitet, sodass daraus die finale Stützstruktur (3) entstand. Als Befestigungsmittel wurde ein thixotroper 2-K PUR Klebstoff (5) auf die Stützstruktur (3) aufgetragen, die Stützstruktur (3) mit der Hülle (1) verbunden und unter mechanischem Anpressdruck über 24h gehärtet, so dass ein Prothesenbauteil erhalten wurde.
Bezugszeichenliste 1 , 1' Hülle
2 Trennschicht
3, 3', 3" Stützstruktur
3a Stützstruktur vor der Bearbeitung
3b Stützstruktur nach der Bearbeitung
4 Verbundwerkstoffteilstücke
5 Klebstoff
6 Werkzeug
7 Ausformungen
8 Aufdickung