VERFAHREN UND MESSVORRICHTUNG ZUR UNTERSUCHUNG DER WASSERSTOFF¬
PERMEABILITÄT EINES UNTERSUCHUNGSGEGENSTANDS
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Untersuchung der Wasserstoffpermeabilität eines Unter suchungsgegenstands. Die Erfindung betrifft auch eine Messvorrichtung zur Untersuchung der Wasserstoffpermeabilität eines Untersuchungsgegenstands. Anwendungen der Erfindung sind z.
B. bei der Untersuchung und/oder Überwachung von Materialien, z. B. von Behältern oder Leitun gen für Fluide oder Gase, und/oder in der Materialwissenschaft gegeben.
Es ist allgemein bekannt, zur Prüfung von Gegenständen auf Dichtheit, z. B. zur Prüfung von Lecks in Gefäßwänden, deren Durchlässigkeit (d.h. deren Permeabilität) für Testgase zu untersuchen.
Als Testgase werden aufgrund ihrer geringen Nachweisgrenze und ihrer relativ kostengünstigen Anschaffung insbesondere Wasserstoff und Helium verwendet. Zur Dichtheitsprüfung werden bis her insbesondere die folgenden Techniken verwendet.
Aus EP 936465 A2 ist ein Messverfahren zur Erfassung der Wasserstoffdurchlässigkeit einer Me tallprobe bekannt. Dabei werden eine Vorderseite der Metallprobe mittels eines protonenleiten den Festkörperelektrolyten durch Anlegen einer Spannung mit Wasserstoff beaufschlagt und an einer Rückseite der Metallprobe mittels eines protonen- oder sauerstoffionenleitenden Kontakts in Gestalt eines Festkörperelektrolyten ein elektrischer Messwert erfasst. Aus dem elektrischen Messwert lässt sich die Wasserstoffdurchlässigkeit der Metallprobe ableiten.
Bei der in DE 10 2007 057 944 Al beschriebenen Technik wird ein mit Testgas befüllter Prüfling in eine evakuierbare Prüfkammer eingesetzt. Das aus dem Prüfling austretende Testgas bildet in der Prüfkammer ein Gasgemisch mit einem Trägergas und kann anhand eines Testgassensors erfasst werden.
DE 10 2007043382 Al und DE 10 2013 218 506 Al offenbaren jeweils einen Schnüffellecksucher, der durch Erzeugung eines Vakuums ein durch einen Prüfling diffundierendes Testgas ansaugt und anhand eines Testgassensors und einer Analyseeinheit die Testgas-Konzentration ermittelt und aus dieser Testgas-Konzentration eine Leckrate bestimmt.
Die genannten Techniken zur Dichtheitsprüfung haben generell den Nachteil, dass sie komplexe und kostenintensive Vorrichtungen erfordern. Ferner sind diese Techniken auf momentane Dicht heitsprüfungen beschränkt, jedoch nicht zur dauerhaften, insbesondere kontinuierlichen Überwa chung der Dichtheit eines Gegenstands geeignet. Schließlich besteht ein weiterer Nachteil darin, dass ortsaufgelöste Messungen nur beschränkt möglich sind. So müssten bei den Verfahren aus EP 0936465 A2, DE 102007 043 382 Al und DE 102013 218 506 Al die Messung an verschiede nen Stellen des Untersuchungsgegenstands zeitlich aufeinanderfolgend wiederholt werden, um eine ortsabhängige Aussage über die Dichtheit des Untersuchungsgegenstands treffen zu können. Des Weiteren ist eine Ortsabhängigkeit lediglich lateral und nicht etwa in Dickenrichtung des un tersuchten Materials erfassbar. Mit dem Messverfahren aus DE 102007 057 944 Al ist überhaupt keine Aussage möglich, an welchen Positionen am Untersuchungsgegenstand Testgas austritt.
Des Weiteren sind Festkörpersensoren bekannt, die zum Nachweis von Wasserstoffgas in der Um gebungsluft verwendet werden. Diese Festkörpersensoren zeichnen sich durch eine auf einem Substrat aufgebrachte wasserstoffsensitive Sensorschicht aus, die bei der Aufnahme von Wasser stoff eine ihrer physikalischen Eigenschaften ändert und beispielsweise durch eine Farbänderung anzeigen kann, dass sich Wasserstoffgas in der Umgebungsluft befindet.
Beispielsweise wird in US 2003/0153088 Al ein Sensor mit einer Sensorschicht, die ein Seltenerd metall aufweist, und einer Mikroheizplattenstruktur zum selektiven Erwärmen der Sensorschicht beschrieben. Die Erwärmung der Sensorschicht führt zu verbesserten Sensoreigenschaften, wobei die Aufnahme von Wasserstoff beispielsweise eine Änderung der optischen Eigenschaften der Sensorschicht von Opazität zu Transparenz bewirkt. Aus US 8758 691 B2 ist ein Sensor mit einer Sensorschicht, die eine Legierung auf Mg-Ni-Basis und eine Legierung auf Zr-Ti-Basis aufweist, und Katalysatorschichten bekannt, welche die Hydrierung der Sensorschicht beschleunigen können. Auch hier führt die Aufnahme von Wasserstoff zu einer visuell wahrnehmbaren Transparenz der Sensorschicht.
Von B. Wang et al. wird in „Materials Chemistry and Physics" 2017, Bd. 194, S.231, eine Sensor schicht beschrieben, die aus einer Palladium-Yttrium-Legierung hergestellt ist. Der elektrische Wi derstand weist eine Abhängigkeit von der Wasserstoffkonzentration in der Umgebung auf, so dass Wasserstoff durch Bestimmung des elektrischen Widerstands der Sensorschicht festgestellt wer den kann. P. Ngene et al. beschreiben in „Advanced Functional Materials" 2014, Bd. 24, S. 2374, einen Sensor mit einer Sensorschicht aus einer dünnen Yttrium-Schicht und mit einem dünnen
Palladiumfilm zur Hydrierung bzw. Dehydrierung der Sensorschicht. In Abhängigkeit von der Auf nahme von Wasserstoffs reagiert das Yttrium zu YHi.g, YH2.1 und YH3, wobei die verschiedenen Hydride unterschiedliche optische Eigenschaften in Gestalt verschiedener Grau-Blau-Töne aufwei sen.
Da das geruchs- und farblose Wasserstoffgas leicht entzündbar ist und eine hochexplosive Gasmi schung mit Luft bildet und des Weiteren ein Einatmen von Wasserstoffgas zu Gesundheitsschäden führen kann, werden die bekannten Festkörpersensoren zum Nachweis von Wasserstoffgas in der Umgebung z. B. für Sicherungsmaßnahmen genutzt. Beispielsweise wird in US 2003/0153088 Al beschrieben, dass ein Festkörpersensor in einem tragbaren Gerät vorgesehen ist. Bei einer Eigen schaftsänderung der Sensorschicht des Festkörpersensors wird ein Signal erzeugt, um den Anwen der zu warnen, dass sich Wasserstoffgas in der Umgebungsluft befindet.
Im Unterschied zu den oben genannten Dichtheitsprüfungen, bei denen Wasserstoffgas als Test gas absichtlich lokal freigesetzt wird und mit hoher Präzision erfasst werden soll, sind die Festkör persensoren insbesondere für den schnellen Wasserstoffnachweis in einer Umgebung, typischer weise mit relativ hohen Nachweisgrenzen vorgesehen.
Die Aufgabe der Erfindung ist es, ein verbessertes Verfahren zur Dichtheitsprüfung und insbeson dere zur Untersuchung der Wasserstoffpermeabilität eines Untersuchungsgegenstands bereitzu stellen, mit dem Nachteile herkömmlicher Techniken vermieden werden. Das Verfahren soll ins besondere einfacher und kostengünstiger anwendbar als herkömmliche Dichtheitsprüfungen sein, geeignet sein, die Wasserstoffpermeabilität des Untersuchungsgegenstands dauerhaft, insbeson dere kontinuierlich zu untersuchen bzw. überwachen, und/oder eine Untersuchung mit Ortsauflö sung verbessern. Die Aufgabe der Erfindung ist es auch, eine verbesserte Messvorrichtung zur Dichtheitsprüfung und insbesondere zur Untersuchung der Wasserstoffpermeabilität eines Unter suchungsgegenstands bereitzustellen, mit der Nachteile herkömmlicher Messvorrichtungen ver mieden werden und dies sich insbesondere durch einen einfachen und kostengünstigen Aufbau und/oder einfachen Betrieb auszeichnet und/oder für einen dauerhaften Betrieb geeignet ist und/oder eine Messung mit Ortsauflösung vereinfacht. Des Weiteren soll die Erfindung neue An wendungen der Dichtheitsprüfung an Untersuchungsgegenständen ermöglichen.
Diese Aufgaben werden durch ein Verfahren bzw. eine Messvorrichtung zur Untersuchung der Wasserstoffpermeabilität eines Untersuchungsgegenstands gelöst, welche die Merkmale der un abhängigen Ansprüche aufweisen. Bevorzugte Ausführungsformen und Anwendungen der Erfin dung ergeben sich aus den abhängigen Ansprüchen.
Gemäß einem ersten allgemeinen Gesichtspunkt der Erfindung wird die obige Aufgabe durch ein Verfahren zur Untersuchung der Wasserstoffpermeabilität eines Untersuchungsgegenstands ge löst, bei der eine Sensoreinrichtung an einer ersten Seite des Untersuchungsgegenstands bereit gestellt wird und eine zweite Seite des Untersuchungsgegenstands mit einem Testgas, das Was serstoff enthält, beaufschlagt wird. Die Begriffe „erste Seite" und „zweite Seite" beziehen sich auf zueinander gegenüberliegende Abschnitte des Untersuchungsgegenstands, welche durch festes Material des Untersuchungsgegenstands, wie z. B. ein Wandmaterial eines Gefäßes oder einer Lei tung oder eine Materialprobe, voneinander getrennt sind. Der Untersuchungsgegenstand kann eine jegliche Dicke und Form besitzen und aus einem jeglichen festen Material hergestellt sein.
Die Untersuchung der Wasserstoffpermeabilität erfolgt durch die Detektion von durchtretendem Wasserstoff, der durch den Untersuchungsgegenstand von der zweiten Seite zur ersten Seite hin durchtritt, mit der Sensoreinrichtung. Die Wasserstoffpermeabilität bezeichnet die Durchlässigkeit des Untersuchungsgegenstands für Wasserstoffmoleküle des Testgases.
Gemäß der Erfindung umfasst die Sensoreinrichtung mindestens eine Wasserstoff aufnehmende Sensorschicht. Die mindestens eine Sensorschicht ist in unmittelbarem Kontakt mit dem Material des Untersuchungsgegenstands. Je nach Form des Untersuchungsgegenstands und Position der Sensorschicht kann diese eben oder gekrümmt sein. Durch eine Reaktion von Wasserstoff mit der Sensorschicht wird die Sensorschicht einer Zustandsänderung, wie z. B. einer Veränderung von physikalischen und/oder chemischen Eigenschaften, unterzogen. Die Zustandsänderung ist an hand mindestens einer Eigenschaft der Sensorschicht erfassbar, z. B. sichtbar und/oder messbar. Die Detektion des durchtretenden Wasserstoffs umfasst die Erfassung der Zustandsänderung der Sensorschicht in Reaktion auf die Aufnahme von Wasserstoff in der Sensorschicht. Im Ergebnis lie fert die Untersuchung der Wasserstoffpermeabilität eine qualitative Information, ob Wasserstoff von der zweiten Seite her die Sensorschicht erreicht hat, und/oder eine quantitative Information über die Menge des zu der Sensorschicht durchgetretenen Wasserstoffs.
Gemäß einem zweiten allgemeinen Gesichtspunkt der Erfindung wird die obige Aufgabe durch eine Messvorrichtung zur Untersuchung der Wasserstoffpermeabilität eines Untersuchungsge genstands gelöst. Die Messvorrichtung umfasst eine Sensoreinrichtung und eine Testgasquelle.
Die Sensoreinrichtung ist zur Detektion von Wasserstoff auf einer ersten Seite eines Untersu chungsgegenstands angeordnet. Die Testgasquelle dient zur Beaufschlagung einer der ersten Seite gegenüberliegenden zweiten Seite des Untersuchungsgegenstands mit einem Testgas, das Wasserstoff enthält. Gemäß der Erfindung umfasst die Sensoreinrichtung mindestens eine Wasserstoff aufnehmende Sensorschicht, die für eine Zustandsänderung in Reaktion auf eine Aufnahme von Wasserstoff eingerichtet ist. Ferner kann optional eine Analyseeinrichtung vor gesehen sein, mit der die Zustandsänderung der mindestens einen Sensorschicht erfassbar ist. Vorzugsweise ist die Messvorrichtung zur Durchführung des Verfahrens gemäß dem ersten all gemeinen Gesichtspunkt der Erfindung oder einer seiner Ausführungsformen eingerichtet.
Im Vergleich zu den herkömmlichen Dichtheitsprüfungen stellen das erfindungsgemäße Verfahren und die erfindungsgemäße Vorrichtung wesentlich vereinfachte Techniken dar. So kann die Sen soreinrichtung aus einer einzigen wasserstoffsensitiven Sensorschicht bestehen, die bei Auf nahme von Wasserstoff ihren Zustand ändert und dem Anwender direkt anzeigen kann, dass zu mindest in dem Abschnitt des Untersuchungsgegenstands, an dem die Sensorschicht angeordnet ist, Wasserstoff durchgetreten ist. Mit der Erfassung der Zustandsänderung kann insbesondere festgestellt werden, dass der Untersuchungsgegenstand zwischen der ersten und der zweiten Seite nicht Wasserstoff-dicht ist. Der Nachweis kann in-situ, in Echtzeit und nicht destruktiv erfol gen.
Zudem ist die mindestens eine Wasserstoff aufnehmende Sensorschicht im Gegensatz zu den be kannten Festkörpersensoren nicht auf einem zusätzlichen Substrat aufgebracht, um mit einer frei liegenden Seite Wasserstoff aus der Umgebungsluft aufnehmen zu können. Vielmehr ist bildet der zu untersuchende Gegenstand ein Substrat, an dem die mindestens eine Sensorschicht gemäß der Erfindung angeordnet ist.
Gemäß bevorzugten Ausführungsformen der Erfindung umfasst die mindestens eine Sensor schicht ein Metall oder eine chemische Verbindung, die mit dem aufgenommenen Wasserstoff reagiert und dadurch die Zustandsänderung der Sensorschicht hervorruft. Bevorzugte Sensor schichtmaterialien sind das Metall Yttrium und die chemische Verbindung Wolframtrioxid. Wei tere Metalle sind z. B. Flafnium und Magnesium. Vorteile ergeben sich bei den genannten Materi alien insbesondere für eine hohe Sensitivität der Sensorschicht.
Gemäß weiteren bevorzugten Ausführungsformen der Erfindung ist die mindestens eine Sensor schicht vorzugsweise eine Dünnschicht, beispielsweise mit einer Dicke im Bereich von 15 nm bis 100 nm.
Abhängig vom gewählten Metall oder der chemischen Verbindung können verschiedenartige Zu standsänderungen auftreten, von denen mindestens eine erfasst wird. Die Zustandsänderung kann gemäß einer ersten Variante eine Änderung der optischen Eigenschaften der mindestens ei nen Sensorschicht, vorzugsweise eine Farbänderung, umfassen. Die Farbänderung (insbesondere Änderung der spektralen Reflektivität) kann vorteilhafterweise besonders einfach erfasst und/ oder überwacht werden. Beispielsweise kann die Farbänderung vom Anwender mit dem bloßen Auge erkannt werden. Alternativ oder ergänzend kann die Farbänderung mit einer Kamera und/ oder einem Lichtmikroskop erfasst werden. Weitere Möglichkeiten der Detektion der Farbände rung sind ellipsometrische Messungen.
Alternativ oder zusätzlich kann die erfasste Zustandsänderung eine Strukturänderung der mindes tens einen Sensorschicht umfassen. Die Strukturänderung kann beispielsweise eine Dichteände rung des Sensorschichtmaterials sein, die mit einer Elektronenmikroskopieeinrichtung erfasst wer den kann. Die Untersuchung der Wasserstoffpermeabilität anhand der Dichteänderung des Sensor schichtmaterials hat insbesondere bei der Untersuchung von Gegenständen mit besonders kleinen Dimensionen, z. B. im sub-pm-Bereich, Vorteile.
Gemäß einer weiteren Alternative oder zusätzlich zu den genannten Varianten kann die erfasste Zustandsänderung eine Änderung mindestens einer elektrischen Eigenschaft der mindestens einen Sensorschicht, beispielsweise der elektrischen Leitfähigkeit oder des elektrischen Widerstands, um fassen. Diese Zustandsänderung kann beispielsweise durch eine Strommessung an der mindestens einen Sensorschicht mit einer Strommesseinrichtung erfasst werden.
Bei zahlreichen Anwendungen der Erfindung kann die qualitative Information, ob Wasserstoff von der zweiten Seite her die Sensorschicht erreicht hat, ausreichend für die Untersuchung der Was serstoffpermeabilität des Untersuchungsgegenstands sein. Wenn gemäß einer weiteren Ausfüh rungsform der Erfindung die Detektion des durchtretenden Wasserstoffs eine quantitative Erfas sung des Wasserstoffs umfasst, können zusätzliche Vorteile hinsichtlich der Charakterisierung der Wasserstoffpermeabilität erzielt werden. Beispielsweise kann ein Maß einer Materialermüdung oder -versprödung erfasst werden. Für die quantitative Erfassung des Wasserstoffs wird das Ma-
terial der mindestens einen Sensorschicht so gewählt, dass unterschiedliche Mengen des durch tretenden und von der Sensorschicht aufgenommenen Wasserstoffs in der Sensorschicht zu quan titativ und/oder qualitativ unterschiedlichen Zustandsänderungen führt. Beispielsweise kann die Detektorschicht ein Metall, wie z. B. Yttrium, umfassen, wobei das Metall in Abhängigkeit von der vorhandenen Wasserstoffmenge verschiedene chemische Verbindungen mit dem Wasserstoff eingehen kann. Diese chemischen Verbindungen zeichnen sich durch unterschiedliche optische Eigenschaften aus. Beispielsweise kann mit einer Kamera eine Farbänderung erfasst werden, die aufgrund der erfassten Farbe eine quantitative Aussage über die Menge des durch den Untersu chungsgegenstand durchgetretenen Wasserstoffes liefert.
Gemäß einer weiteren, besonders vorteilhaften Ausführungsform der Erfindung kann die Detek tion des durchtretenden Wasserstoffs mit Ortsauflösung erfolgen. Dies ermöglicht, verschiedene Abschnitte des Untersuchungsgegenstands zu untersuchen und mögliche Lecks zu lokalisieren. Die Erfassung der Wasserstoffpermeation mit Ortsauflösung, d. h. die gleichzeitige Detektion an meh reren Positionen am Untersuchungsgegenstand, stellt einen wesentlichen Vorteil der Erfindung dar. Ortsaufgelöste Messungen werden mit den bekannten Dichtheitsprüfungen nicht oder nur zeitlich aufeinanderfolgend ermöglicht. Es bestehen vorteilhafterweise verschiedene Varianten, die ortsauflösende Detektion umzusetzen.
Gemäß einer ersten Variante umfasst die Sensoreinrichtung eine Vielzahl von Sensorschichten, die mit gegenseitigen Abständen an verschiedenen Positionen an der ersten Seite des Untersu chungsgegenstands angeordnet sind. Die Sensorschichten können einzeln an verschiedenen Posi tionen am Untersuchungsgegenstand, beispielsweise als eine Zeilenanordnung oder eine Matri xanordnung, angeordnet sein, um mit dem Ansprechen einzelner Sensorschichten, d. h. durch die Erfassung der Zustandsänderung der einzelnen Sensorschichten, festzustellen, an welchen Positio nen im Material des Untersuchungsgegenstands Wasserstoff durchtreten kann. Entsprechend kann die Ortsauflösung der Detektion des durchtretenden Wasserstoffs durch eine Erfassung des durchtretenden Wasserstoffs an den verschiedenen Positionen erzielt werden.
Alternativ oder ergänzend kann gemäß einer weiteren Variante die mindestens eine Sensor schicht eine Unterteilung in einzelne Strukturelemente (oder: Sensorelemente) aufweisen, zwi schen denen lateral innerhalb der Schicht ein Wasserstoffaustausch unterbunden, d. h. be schränkt oder ausgeschlossen, ist. Bei der Aufnahme von Wasserstoffgas in einem Strukturele ment der Sensorschicht wird eine Verteilung des aufgenommenen Wasserstoffs in benachbarte Strukturelemente unterbunden. Die Unterteilung der Sensorschicht in einzelne Strukturelemente
hat den besonderen Vorteil, dass die Wasserstoffpermeabilität mit erhöhtem Auflösungsvermö gen entsprechend der Dimension der Strukturelemente erfasst werden kann. Die Unterteilung der Sensorschicht kann zudem die Empfindlichkeit durch ein früheres Erreichen der Zustandsänderung in einzelnen Strukturelemente erhöhen und selbst bei langen Einwirkzeiten eine hohe räumliche Auflösung liefern.
Für die Bereitstellung der Strukturelemente wird das Material der Sensorschicht so gewählt, dass die Strukturelemente strukturiert hergestellt werden können. Die Bildung der Strukturelemente kann additiv durch eine lokale Materialabscheidung oder subtraktiv durch einen lokalen Material abtrag aus einer geschlossenen Schicht erfolgen. Es sind verschiedene Methoden verfügbar, die Strukturelemente auf dem Untersuchungsgegenstand aufzubringen, beispielsweise durch geeig nete Maskensysteme, Lithographiemethoden oder Aufdampfen. Die Strukturelemente können vor zugsweise diskrete Pixel oder diskrete Linien (z.B. Rechtecke) umfassen. Entsprechend kann die Ortsauflösung der Detektion des durchtretenden Wasserstoffs durch eine Erfassung des durchtre tenden Wasserstoffs in den einzelnen Strukturelementen erzielt werden.
Das Auflösungsvermögen, d.h. die Genauigkeit der Ortsauflösung, hängt von der Größe der ver wendeten Sensorschichten bzw. der Größe der Strukturelemente und dem Abstand zwischen den Sensorschichten bzw. den Strukturelementen ab. Eine hohe Ortsauflösung kann beispielsweise durch diskrete Pixel mit charakteristischen Dimensionen im Bereich von rd. 10 nm bis 100 pm er zielt werden. Eine geringere Ortsauflösung, z. B. im cm-, dm- oder m-Bereich kann durch die Ver wendung einer Vielzahl von Sensorschichten bzw. Strukturelementen realisiert werden, wobei eine gleichzeitige Untersuchung entsprechend ausgedehnter großer Bereiche und vielfältiger Geomet rien des Untersuchungsgegenstands ermöglicht wird.
Die ortaufgelöste Detektion des durchtretenden Wasserstoffs mit einer Sensorschicht, die in ein zelne Strukturelemente unterteilt ist, ermöglicht, das lokale Auftreten von Wasserstoff zweidi mensional, d.h. in der Flächenausdehnung der mindestens einen Sensorschicht, aufgelöst nachzu weisen. Damit können Regionen mit hoher Permeation von solchen mit niedrigerer Permeation un terschieden werden. Durch die Akkumulation von Wasserstoff in der mindestens einen Sensor schicht können dabei bei hinreichend langer Einwirkzeit des Wasserstoffs auch extrem kleine Per meationsraten untersucht werden.
Zur erhöhten Haftung der Sensoreinrichtung an der ersten Seite des Untersuchungsgegenstands erfolgt gemäß einer weiteren Ausführungsform vor der Bereitstellung der Sensoreinrichtung
(d.h. dem Aufbringen der mindestens einen Sensorschicht an der ersten Seite des Untersu chungsgegenstands) eine Reinigung des Untersuchungsgegenstands, insbesondere mindestens der ersten Seite des Untersuchungsgegenstands, mittels Oberflächenzerstäubungsbehandlung, bevorzugt durch Argon-Ionen.
Gemäß einer weiteren Ausführungsform wird die mindestens eine Sensorschicht der Sensorein richtung mittels eines Beschichtungsverfahrens, vorzugsweise einer Dünnschicht-Abscheidung, auf der ersten Seite des Untersuchungsgegenstands aufgebracht. Die Dünnschicht-Abscheidung kann beispielsweise ein Elektronenstrahlverdampfen im Ultrahochvakuum umfassen. Die An wendung eines Beschichtungsverfahrens hat den Vorteil, dass die Gestaltung der Sensoreinrich tung besonders einfach an den Untersuchungsgegenstand angepasst werden kann.
Die Erfindung ist nicht darauf beschränkt, die Sensoreinrichtung direkt auf der ersten Seite an der Oberfläche des Untersuchungsgegenstands aufzubringen und dort Untersuchungen durch zuführen. Alternativ oder zusätzlich ist es möglich, eine Untersuchung der Wasserstoffpermea bilität innerhalb des Untersuchungsgegenstands, d. h. in Dickenrichtung im Material zwischen der ersten und der zweiten Seite des Untersuchungsgegenstands, durchzuführen. Hierzu um fasst die Bereitstellung der Sensoreinrichtung gemäß einer bevorzugten Ausführungsform eine Einbettung der mindestens einen Sensorschicht an der ersten Seite des Untersuchungsgegen stands in dessen Material. Zur Detektion des durchtretenden Wasserstoffs wird die mindestens eine Sensorschicht mittels Materialabtrag freigelegt und die Zustandsänderung der freigelegten Sensorschicht erfasst. Aufgrund des Materialabtrags ist diese Untersuchung destruktiv und kann daher nur für einmalige Messungen verwendet werden.
Gemäß einer besonders bevorzugten Variante der Messung im Material wird nicht nur eine Sensorschicht, sondern eine Vielzahl von Sensorschichten in verschiedenen Tiefen an der ersten Seite des Untersuchungsgegenstands eingebettet. Es können beispielsweise Sensorschichten und Schichten des Untersuchungsgegenstands alternierend aufeinander aufgebracht werden. Dadurch ist es nicht nur möglich, die Wasserstoffpermeabilität des Untersuchungsgegenstands in einer Ebene zu untersuchen, sondern ein Tiefenprofil der Wasserstoffpermeabilität zu ermit teln. Für die Erfassung des Tiefenprofils werden die Sensorschichten nach einer Beaufschlagung der zweiten Seite des Untersuchungsgegenstands mit dem Testgas aufeinanderfolgend freige legt, wobei beispielsweise elektrochemische Verfahren angewendet werden. An jeder freige legten Sensorschicht wird die zu erfassende Zustandsänderungen bestimmt.
Vorteilhaft ist es somit anhand des erfindungsgemäßen Verfahrens und der erfindungsgemä ßen Messvorrichtung möglich, die Wasserstoffpermeabilität in einer bestimmten Tiefe oder zur Ermittlung eines Tiefenprofils in mehreren Tiefen des Untersuchungsgegenstands zu bestim men. Diese Möglichkeit bieten die bekannten Dichtheitsprüfungen nicht, bei denen lediglich er mittelt werden kann, ob Wasserstoff an einer Oberfläche des Untersuchungsgegenstands aus- tritt.
Wenn gemäß einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform der Erfindung vorgesehen ist, dass die Sensoreinrichtung Wasserstoff ausschließlich aus dem Material des Untersuchungsgegen stands aufnimmt, wird vorteilhafterweise eine Verfälschung der Untersuchung durch die Auf nahme von Wasserstoff aus der Umgebung des Untersuchungsgegenstands vermieden. Hierzu trägt die mindestens eine Sensorschicht vorzugsweise auf einer vom Untersuchungsgegenstand abgewandten Seite der Sensoreinrichtung eine für Wasserstoff undurchlässige Deckschicht. Bei spielsweise wird die mindestens eine Sensorschicht nach Aufbringen auf dem Untersuchungsge genstand mit der für Wasserstoff undurchlässigen Deckschicht überzogen. Die Deckschicht kann z. B. eine Oxidschicht, bevorzugt Yttriumoxid, umfassen, die bei Luftkontakt der Sensorschicht entsteht oder mit einem Dünnschichtverfahren abgeschieden wird. Alternativ oder zusätzlich kann Gold verwendet werden, das beispielsweise durch Elektronenstrahlverdampfen aufge bracht wird.
Vorteilhafterweise kann die Deckschicht eine Doppelfunktion erfüllen. Erstens kann sie, wie oben beschrieben ist, als Barriere gegen Umgebungs-Wasserstoff wirken. Zweitens kann sie die Sensoreinrichtung gegen chemische Umwelteinflüsse zu schützen, so dass die Sensoreinrichtung in frei wählbaren Umgebungen einsetzbar ist, beispielsweise im Hochvakuum, an atmosphäri scher Luft und oder in nasschemischen Medien.
Die Erfindung bietet vorteilhafterweise eine Vielzahl von Anwendungen. Beispielsweise kann das Verfahren zur zerstörungsfreien Überwachung von Bauteilen, beispielsweise Gasrohrleitungen, deren Festigkeiten durch Wasserstoffdurchlässigkeit beeinträchtigt werden könnte, durchge führt werden. Potenzielle Schadstellen könnten damit bereits frühzeitig erkannt und vorsorglich repariert werden. Ferner kann der erfindungsgemäße Nachweis von Wasserstoffpermeabilität, beispielsweise in der Forschung und Entwicklung, zur Untersuchung der Ursachen von Wasser stoffversprödung angewendet werden. Des Weiteren ist die Erfindung bei der Lecksuche, z. B. an evakuierten Behältern oder Vakuumanlagen, anwendbar. Bei Verfahren unter Verwendung von
Wasserstoff (Wasserstofftechnologie) liefert die Erfindung einen Sensor für Wasserstoff-Gas- lecks.
Weitere Einzelheiten und Vorteile der Erfindung werden im Folgenden unter Bezug auf die beige fügten Zeichnungen beschrieben. Es zeigen schematisch:
Figur 1: eine Darstellung des erfindungsgemäßen Verfahrens zur Untersuchung der Wasserstoff permeabilität eines Untersuchungsgegenstands;
Figur 2: eine Illustration einer Ausführungsform der erfindungsgemäßen Messvorrichtung; und
Figur 3: eine Illustration einer optischen Detektion der Wasserstoffpermeabilität eines Untersu chungsgegenstands gemäß einer Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens.
Ausführungsformen der Erfindung werden im Folgenden unter beispielhaftem Bezug auf eine Sen soreinrichtung mit mehreren Yttrium-basierten Sensorschichten oder einer strukturierten Yttrium-basierten Sensorschicht beschrieben. Es wird betont, dass die Umsetzung der Erfindung nicht auf diese Varianten beschränkt ist, sondern entsprechend anders ausgebildeten Sensorein richtungen, beispielsweise mit Sensorschichten und/oder Strukturelementen mit anderen Grö ßen, Formen, Anordnungen und/oder Materialien, beispielsweise aus Wolframtrioxid, verwendet werden können. Der Untersuchungsgegenstand kann eine jegliche Dicke und Form besitzen, und kann zusätzlich aus einem frei wählbaren Material bestehen, sofern eine Oberfläche des Untersu chungsgegenstands mit der mindestens einen Sensorschicht beschichtet werden kann. Es sind ins besondere Abwandlungen der Dimensionen der Sensoreinrichtung, z. B. zur Anpassung an eine spezielle Anwendung, möglich. Einzelheiten der Färb- oder Strukturerfassung, z. B. mit einer Ka mera, einem Mikroskop oder einem Elektronenmikroskop, werden hier nicht beschrieben, da sie an sich von herkömmlichen Techniken bekannt sind.
Figur 1 zeigt mit den Schritten S1 bis S3 schematisch das erfindungsgemäße Verfahren zur Unter suchung der Wasserstoffpermeabilität eines Untersuchungsgegenstands. Bei Schritt S1 wird die Sensoreinrichtung an der ersten Seite des Untersuchungsgegenstands bereitgestellt, wobei die Sensoreinrichtung mindestens eine Wasserstoff aufnehmende Sensorschicht umfasst. Dabei kann die mindestens eine Sensorschicht an der Oberfläche der ersten Seite aufgebracht oder an der ersten Seite im Material des Untersuchungsgegenstands eingebettet werden.
Die Bereitstellung der Sensoreinrichtung umfasst z. B. eine Dünnschicht-Abscheidung der mindes tens einen Sensorschicht auf einer Oberfläche, welche die erste Seite des Untersuchungsgegen stands bildet. Optional kann diesem Schritt die Reinigung des Untersuchungsgegenstands mittels Oberflächenzerstäubungsbehandlung vorausgehen.
Bei Schritt S2 wird die zweite Seite des Untersuchungsgegenstands mit einem Testgas, das Was serstoff enthält, beaufschlagt. Das Testgas umfasst z. B. Wasserstoff, der über die Oberfläche an der zweiten Seite des Untersuchungsgegenstands gegenüberliegend zur Sensoreinrichtung gelei tet wird.
Bei Schritt S3 wird der durchtretendem Wasserstoff, der von der zweiten Seite zur ersten Seite durch den Untersuchungsgegenstand hindurchtritt, mit der Sensoreinrichtung detektiert. Diese Detektion umfasst eine Erfassung einer Zustandsänderung der Sensorschicht. Die Zustandsände rung kann eine Farbänderung oder Strukturänderung der mindestens einen Sensorschicht umfas sen, wobei die Erfassung der Farbänderung beispielsweise visuell oder mit einer Kamera oder mit einem Lichtmikroskop und die Erfassung der Strukturänderung beispielsweise mit einem Elektro nenmikroskop erfolgen kann.
Die Detektion kann unmittelbar durch Erfassen der Zustandsänderung der auf der ersten Seite aufgebrachten Sensoreinrichtung erfolgen. Wenn die Sensorschicht im Material der ersten Seite des Untersuchungsgegenstands eingebettet ist, so ist zunächst eine Freilegung der Sen sorschicht mittels Materialabtrag vorgesehen.
Die Detektion bei Schritt S3 kann auch eine quantitative Erfassung des durchtretenden Wasser stoffs umfassen. Dazu kann die mindestens eine Sensorschicht derart ausgebildet sein, dass unter schiedliche Mengen des durchtretenden Wasserstoffs in der mindestens einen Sensorschicht zu unterschiedlichen oder unterschiedlich starken Zustandsänderungen führen.
Die Detektion gemäß Schritt S3 kann ferner mit Ortsauflösung erfolgen. Dazu wird in Schritt S1 eine ortsauflösende Sensoreinrichtung bereitgestellt, wobei eine Vielzahl Sensorschichten mit ge genseitigen Abständen an verschiedenen Positionen und/oder Tiefen an der ersten Seite des Un tersuchungsgegenstands angeordnet wird, und/oder die mindestens eine Sensorschicht eine Strukturierung in einzelne Strukturelemente aufweist. Die Ortsauflösung der Detektion des durch tretenden Wasserstoffs wird durch eine Erfassung des durchtretenden Wasserstoffs an den ver schiedenen Positionen und/oder Tiefen und/oder an den Strukturelementen erzielt.
Figur 2 zeigt schematisch eine Illustration einer optischen Detektion der Wasserstoffpermeabilität am Beispiel eines rohrförmigen Untersuchungsgegenstands 1 und Komponenten einer Ausfüh rungsform der erfindungsgemäßen Messvorrichtung 100. Der Untersuchungsgegenstand 1 ist z. B. ein Stahlrohr einer Vakuumanlage oder einer chemischen Produktionsanlage, dessen Wand ge prüft werden soll. Die Ausführung des erfindungsgemäßen Verfahrens ist mit der in Figur 2 gezeig ten offenen Konfiguration des Untersuchungsgegenstands 1 oder alternativ an einem geschlosse nen System möglich, bei dem der Untersuchungsgegenstand 1 abgesehen von der Testgaszufuhr evakuiert ist.
Die Messvorrichtung 100 umfasst eine Sensoreinrichtung 110, eine Testgasquelle 120 und eine Analyseeinrichtung 130. Die Sensoreinrichtung 110 wird durch eine Reihe von Sensorschichten 111 gebildet, die auf einer ersten Seite 3 (hier z. B. Außenoberfläche) des Untersuchungsgegen stands 1 angeordnet sind. Die Sensorschichten 111 bestehen z. B. aus Yttrium mit einer Dicke von 50 nm, das auf der ersten Seite 3 abgeschieden ist. Jede Sensorschicht 111 hat eine Ausdehnung von z. B. 1 mm * 1 mm, und die Sensorschichten 111 sind über eine Länge von einigen Dezimetern bis einigen Metern auf der ersten Seite 3 verteilt. Alternativ können die Sensorschichten 111 eine Ausdehnung von z. B. 1 mm * 10 mm oder 10 mm * 10 mm haben.
Die Testgasquelle 120 umfasst ein Testgasreservoir, ein Stellelement, wie z. B. ein Stellventil, und eine Zufuhrleitung (Einzelheiten nicht gezeigt), über die das Testgas 5, wie z. B. eine Wasserstoff- Luft-Mischung, zur Beaufschlagung der zweiten Seite 4 (hier z. B. Innenoberfläche) des Untersu chungsgegenstands 1 zugeführt wird.
Als Analyseeinrichtung 130 ist z. B. eine farbempfindliche Kamera vorgesehen, deren Sichtfeld die Sensorschichten 111 abdeckt. Die Analyseeinrichtung 130 ist mit einer Steuer- und Auswertungs einrichtung 140 verbunden oder ausgestattet, mit der Bildsignale der Kamera ausgewertet und Farbänderungen der Sensorschichten 111 erfasst werden. Wenn die Sensorschichten 111 Wasser stoff 2 akkumulieren, der mit dem Testgas 5 innen zugeführt und durch das Wandmaterial des Untersuchungsgegenstands 1 durchgetreten ist, tritt ein Farbumschlag z. B. von hellgrau nach dunkelblau auf. Die Steuer- und Auswertungseinrichtung 140 kann auch mit der Testgasquelle 120 verbunden sein, z. B. um deren Stellelement für die Testgas-Zufuhr anzusteuern.
Figur 3 zeigt eine weitere Anwendung der Erfindung bei der Untersuchung eines Untersuchungs gegenstands 1 in Gestalt einer dünnen Folie, z. B. aus Wolfram, mit einer Dicke von z. B. 50 pm. Es
ist eine Schnittansicht der Folie mit einer ersten Seite 3, auf der die Sensorschicht 110 angeordnet ist, und einer zweiten Seite 4 gezeigt. Die zweite Seite 4 wird bei Durchführung des Verfahrens mit dem Testgas 5 beaufschlagt, das Wasserstoff 2 enthält.
Auf der ersten Seite 3 des Untersuchungsgegenstands 1 ist die Sensoreinrichtung 110 in Gestalt einer Sensorschicht 111 aufgebracht, die einzelne Strukturelemente 112, wie z. B. diskrete Pixel umfasst. Die Strukturelemente 112 bestehen z. B. aus Yttrium(Y)-Dünnschichten. Die Strukturele mente 112 sind mit einer schematisch gezeigten Deckschicht 113, z. B. aus Yttriumoxid, bedeckt.
Die zweiten Seite 4 des Untersuchungsgegenstands 1 wird aus einer schematisch dargestellten Testgasquelle 120 mit einem Testgas 204, das Wasserstoff enthält, beaufschlagt. Der Wasserstoff 2 dringt auf der zweiten Seite 4 ein und diffundiert durch das Material des Untersuchungsgegen stands 1. Korngrenzen 6 fangen den diffundierenden Wasserstoff 2 ein und leiten ihn zur ersten Seite 3 des Untersuchungsgegenstands 1 durch. Nur solche Pixel der Strukturelemente 112, die von Korngrenzen 6 getroffen werden, werden mit Wasserstoff 2 gesättigt und ändern durch die Bildung von Yttriumhydrid (YH2) ihre Farbe. Diese Farbänderung kann mit einer schematisch dar gestellten Analyseeinrichtung 130, beispielweise einem Lichtmikroskop, erfasst werden und zeigt die horizontal (d.h. zweidimensional) aufgelöste Verteilung des Wasserstoffdurchtritts (Permea tion) und über die Intensität der Färbung auch die Menge des Wasserstoffs 2 an, der durch das Material durchgetreten ist. Mit dieser Anwendung der Erfindung kann somit ermittelt werden, wo Korngrenzen 6 lokalisiert sind und wieviel Wasserstoff 2 sie transportiert haben, d. h. welche Di mensionen die Korngrenzen 6 haben.
Mit den in den Figuren 2 und 3 gezeigten Ausführungsformen können Regionen mit hoher Perme ation von solchen mit niedrigerer Permeation unterschieden werden. Durch die Akkumulation von Wasserstoff in der Sensorschicht 110 können bei hinreichend langer Einwirkzeit des Wasserstoffs auch extrem kleine Permeationsraten untersucht werden. Die Strukturierung der Sensorschicht 110 verhindert eine Verteilung des Wasserstoffs zwischen benachbarten Strukturelementen 112. Die Verfahren können je nach konkreter Anwendung in-situ, in Echtzeit und nicht destruktiv erfol gen. Für die Erstellung eines Tiefenprofils an einem dickeren Material wäre ein Probenabtrag vor gesehen, um vergrabene Sensorschichten freizulegen und ihre Zustandsänderung zu erfassen.
Die in der vorstehenden Beschreibung, den Zeichnungen und den Ansprüchen offenbarten Merk male der Erfindung können sowohl einzeln als auch in Kombination oder Unterkombination für die Verwirklichung der Erfindung in ihren verschiedenen Ausgestaltungen von Bedeutung sein.