Verfahren zum Erfassen und Auswerten eines Reibungs zustands an einem Gelenk, Roboterarm und Computer programmprodukt Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Erfassen und Auswer ten eines Reibungszustands an wenigstens einem Gelenk eines Roboterarms mit mehreren Gelenken und die Gelenke miteinander verbindenden mehreren Gliedern, wobei der Roboterarm mit ei ner Robotersteuerung verbunden ist, die ausgebildet und ein- gerichtet ist, den Gelenken des Roboterarms zugeordnete meh rere elektrische Motoren des Roboterarms und zugeordnete Bremsen des Roboterarms anzusteuern, um den Roboterarm zu be wegen.
Die EP 1239 354 Bl offenbart ein Verfahren zur Steuerung und Überwachung einer Bremseinrichtung mit einem Nennmoment, die einer Antriebseinheit einer technischen Anlage wie Handha bungsgerät zugeordnet ist, wobei ein einem Haltemoment ent sprechender Haltestrom der Antriebseinheit bei geöffneter Bremseinrichtung gemessen und gespeichert wird, und die An- triebseinheit bei geschlossener Bremseinrichtung mit einem achsspezifischen Stromwert beaufschlagt wird, der die Brems einrichtung mit einem Moment belastet, das gleich oder klei ner als das Nennmoment der Bremseinrichtung ist, wobei der Antrieb gleichzeitig auf Stillstand überwacht wird. Die WO 2007/008940 A2 beschreibt ein System zur Zustandsüber wachung und Fehlerdiagnose, umfassend eine Datenerfassungs funktion, die Zeitverläufe ausgewählter Variablen für eine oder mehrere der Komponenten erfasst, eine Vorverarbeitungs funktion, die bestimmte Merkmale der Zeitverläufe berechnet,
eine Analysefunktion zum Bewerten der Merkmale, um eine oder mehrere Hypothesen eines Zustands der einen oder mehreren Komponenten zu erzeugen, und eine Argumentationsfunktion zum Bestimmen des Zustands der einen oder mehreren Komponenten aus der einen oder den mehreren Hypothesen. Dieses System zur Zustandsüberwachung und Fehlerdiagnose ist insbesondere für Roboter vorgesehen.
Aufgabe der Erfindung ist es, einen Reibungszustand in we nigstens einem Gelenk eines Roboterarms auf einfache und kos tengünstige Weise automatisch erfassen und auswerten zu kön nen.
Die Aufgabe wird gelöst durch ein Verfahren zum Erfassen und Auswerten eines Reibungszustands an wenigstens einem Gelenk eines Roboterarms mit mehreren Gelenken und die Gelenke mit einander verbindenden mehreren Gliedern, wobei der Roboterarm mit einer Robotersteuerung verbunden ist, die ausgebildet und eingerichtet ist, den Gelenken des Roboterarms zugeordnete mehrere elektrische Motoren des Roboterarms und zugeordnete Bremsen des Roboterarms anzusteuern, um den Roboterarm zu be wegen, aufweisend die Schritte:
- automatisches Ausführen eines dem Roboterarm zugeordneten Bremsentestverfahrens, das vorgesehen ist, die elektrische Motoren und die Bremsen des Roboterarms mittels der Roboter steuerung anzusteuern, um die Glieder des Roboterarms gemäß eines durch das Bremsentestverfahren vorgegebenen Bremsen testprogramms automatisch zu bewegen und die Bremsen automa tisch anzusteuern,
- im Rahmen des Bremsentestprogramms automatisches Antreiben wenigstens eines Motors der mehreren elektrischen Motoren in einer ersten Drehrichtung und Erfassen eines ersten Motormo-
ments an dem angetriebenen Motor während seiner Drehung in der ersten Drehrichtung, und anschließendes automatisches An treiben des wenigstens einen Motors in einer der ersten Dreh richtung entgegengesetzten zweiten Drehrichtung und Erfassen eines zweiten Motormoments an dem angetriebenen Motor während seiner Drehung in der zweiten Drehrichtung,
- automatisches Auswerten des ersten Motormoments und des zweiten Motormoments, um das Reibungsmoment des dem angetrie benen Motor zugeordneten Gelenks zu erhalten.
Das Erfassen erfolgt dabei ohne gesonderte, spezielle Senso ren. Insbesondere erfolgt das Erfassen ohne gesonderte, spe zielle Sensoren, welche ausschließlich dazu eingerichtet und ausgebildet sind, die Reibung in dem Gelenk zu erfassen. Vielmehr kann der Reibungszustand in dem jeweiligen Gelenk auf indirekte Weise erfasst werden und zwar insbesondere dadurch, dass die elektrische Stromaufnahme an demjenigen elektrischen Motor erfasst wird, welcher dem zu erfassenden und auszuwertenden Gelenk zugeordnet ist. Besonders vorteil haft ist es, wenn die elektrischen Ströme an den jeweiligen Motoren nicht durch eine spezielle, separate Strommessung er fasst werden, sondern die bereits im Rahmen der sowieso be reits durchzuführenden Bremsentestverfahren erfassten elektrischen Ströme an den jeweiligen Motoren, lediglich in zusätzlicher Weise gemäß dem erfindungsgemäßen Verfahren aus gewertet werden. Insoweit können eigenständige, zusätzliche Messungen der elektrischen Ströme an den jeweiligen Motoren entfallen .
Das Auswerten betrifft nicht nur alleine das Heranziehen der im Rahmen der Bremsentestverfahren bereits erfassten elektri schen Ströme an den jeweiligen Motoren, sondern auch gegebe nenfalls eine darüber hinausgehende Auswertung der erfassten
elektrischen Ströme an den jeweiligen Motoren, beispielsweise hinsichtlich eines Vergleichs der erfassten elektrischen Ströme an den jeweiligen Motoren mit vorgegebenen Maximalmo menten, mit Ursprungs-Reibungsmomenten im Inbetriebnahmezu stand oder mit Reibungsmomenten aus früheren Bremsentestver fahren, d.h. gespeicherten elektrischen Strömen an den jewei ligen Motoren.
Der Reibungszustand an wenigstens einem Gelenk des Roboter arms lässt sich demgemäß ableiten aus früheren und/oder aktu ellen erfassten elektrischen Strömen an den jeweiligen Moto ren des betreffenden Gelenks.
Der Roboter umfasst den Roboterarm und eine Robotersteuerung. Mittels der Robotersteuerung sind die mehreren Glieder durch die Bewegungen der Gelenke des Roboterarms gegeneinander ver stellbar, wobei jedem angetriebenen Gelenk ein Motor und eine Bremse zugeordnet sind. Der jeweilige Motor ist ausgebildet, das ihm zugeordnete Gelenk, angesteuert durch die Roboter steuerung, zu verstellen und zwar durch automatisches Ansteu ern des Motors. Die Robotersteuerung ist insoweit ausgebildet zum automatischen Ansteuern der Motoren, um die Glieder des Roboterarms durch angetriebenes Bewegen der Gelenke automa tisch und individuell gegeneinander zu verstellen. Die Robo tersteuerung dient auch zum automatischen Ansteuern der Brem sen, um die Gelenke des Roboterarms individuell abzubremsen und arretiert halten zu können. Die Robotersteuerung führt auch die entsprechenden Bremsentestverfahren gemäß einem Bremsentestprogramm automatisch aus.
Die elektrischen Motoren können Servomotoren sein, die von der Robotersteuerung bzw. von mit der Robotersteuerung ver bundenen Antriebsverstärkern angesteuert und angetrieben wer den.
Die Bremsen können insbesondere elektro-mechanische Bremsen sein, die elektrisch angesteuert, d.h. aktiviert werden kön nen, so dass elektrisch angetrieben, mechanische Bremselemen te, wie Bremsbacken oder Bremsklötze bewegt werden, welche das zugeordnete Gelenk des Roboterarms bremsen und arretie ren.
Das Bremsentestprogramm gibt vor, auf welche Art und Weise die Bremse des jeweiligen Gelenks getestet, d.h. untersucht wird, um die momentane Funktion der Bremse erfassen zu kön nen.
Im ersten Schritt, der im Rahmen eines entsprechenden Brem sentestprogramms bereits ausgeführt wird, erfolgt ein Bewegen des Gelenks, dem die zu testende Bremse zugeordnet ist, in einer ersten Drehrichtung. Dabei wird ein erstes Motormoment an dem angetriebenen Motor während seiner Drehung in der ers ten Drehrichtung erfasst.
Im zweiten Schritt, der im Rahmen eines entsprechenden Brem sentestprogramms ebenso ausgeführt wird, erfolgt ein an schließendes automatisches Antreiben des wenigstens einen Mo tors in einer der ersten Drehrichtung entgegengesetzten zwei ten Drehrichtung. Dabei wird ein zweites Motormoment an dem angetriebenen Motor während seiner Drehung in der zweiten Drehrichtung erfasst.
Je nach momentaner Stellung des betreffenden Gelenks, d.h. je nach momentaner Achsstellungskonfiguration des Roboterarms wird durch das Drehen in der ersten Drehrichtung und durch das Drehen in der zweiten Drehrichtung, das Gelenk einmal mit einer Richtungskomponente in Schwerkraftrichtung belastet und einmal mit einer Richtungskomponente entgegen der Schwer- kraftrichtung belastet. Das Reibungsmoment ist jedoch in bei-
den Drehrichtungen zumindest annähernd gleich. Aus dem ersten Gesamtmoment in der einen Drehrichtung und aus dem zweiten Gesamtmoment in der anderen Drehrichtung kann demgemäß das Gravitationsmoment eliminiert werden. Da das Gesamtmoment dem Antriebsmoment am Motor entspricht, und dieses insbesondere mit dem Antriebsstrom am Motor korreliert, kann das Gravita tionsmoment herausgerechnet und das verbleibende Reibungsmo ment des betreffenden Gelenks bestimmt werden.
Im dritten Schritt erfolgt demgemäß ein automatisches Auswer- ten des ersten Motormoments und des zweiten Motormoments, um das Reibungsmoment des dem angetriebenen Motor zugeordneten Gelenks zu erhalten.
In der Regel werden bei einem Robotersystem Bremsen vorgese hen, um im energielosen Zustand des Roboterarms die Position des Roboterarms zu halten. Geschlossene Bremsen an den Gelen ken des Roboterarms können demgemäß als Gelenke interpretiert werden, die eine hohe Gelenkreibung aufweisen. Bei geöffneten Bremsen sollen im energiebehafteten Zustand des Roboterarms Bewegungen möglichst leicht ausgeführt werden können. Geöff- nete Bremsen an den Gelenken des Roboterarms können demgemäß als Gelenke interpretiert werden, die eine niedrige Ge lenkreibung aufweisen.
Weitere bewegliche Teile, wie beispielsweise Gelenklager, Mo torwellenlager und Getriebe, sind generell darauf ausgelegt, möglichst geringe Reibung zu erzeugen.
Der Fall einer defekten Bremse, also in dem Sinne eine Brem se, die im energielosen Zustand zu wenig Reibungsmoment auf bringt, kann durch einen zyklisch ausgeführten Bremsentest festgestellt werden. Somit ist sichergestellt, dass ein ener-
gieloses System beispielsweise nicht durch gravitationsbe dingte Einflüsse unbeabsichtigt zusammensackt.
Jedoch wird bisher nicht der Fall einer defekten Bremse ge prüft, in dem Sinne, dass diese Bremse im Betrieb ein zu ho- hes Moment aufbringt, beispielsweise wenn die Bremse mecha nisch nicht korrekt öffnet oder wenn die elektrische Verkabe lung defekt ist.
Bisher müssen daher sekundäre Symptome beispielsweise durch einen Servicetechniker entsprechend richtig gedeutet werden. Die sekundären Symptome können auftretende Meldungen folgen der Art umfassen: Beispielsweise „Motorüberlast", „Leistungs überwachung", „Getriebeüberwachung".
Auch der Fall einer zusätzlich unerwünscht hohen wirkenden Reibung im Betrieb, wie beispielsweise der Lagerreibung, wird bisher nicht direkt erfasst.
Es sollen in der Regel aus Kostengründen keine zusätzlichen Sensoren im System verbaut werden, welche die Reibung direkt erfassen können, wodurch derartige Sensorwerte direkt ausge wertet werden könnten. Mit der Erfindung soll eine möglichst automatische Erkennung dieses beschriebenen zweiten Fehlerfalls erreicht werden, oh ne dass zusätzliche Sensoren verwendet werden.
Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren kann eine gegebenenfalls langfristig unerkannt wirkende latente Überlastung des Robo- ters vermieden werden. Eine unerwünschte Überlastung kann ei nen erhöhten Verschleiß und/oder einen höherer Energiever brauch zur Folge haben. Außerdem kann ein drohender länger fristiger Ausfall des Roboters aufgrund eines stärker wirken-
den Fehlers vermieden werden. Ein Servicetechniker kann schneller der tatsächlichen Ursache der Störung auf den Grund gehen und gezielter defekte Bauteile tauschen oder den Fehler anderweitig beheben, wie beispielsweise die betroffene Bremse wieder gangbar machen, das Getriebe schmieren.
Die Erkennung des Fehlers kann in bestehenden Abläufen und Produktionsprogrammen beim Anwender des Roboters einfach in tegriert werden, beispielsweise durch eine erweiterte Auswer tung eines bestehenden Bremsentests. Während eines regelmäßig ausgeführten und vorgeschriebenen Bremsentests kann es zur Bewertung der Bremse zu Beginn des Bremsentestverfahrens vorgesehen sein, dass das Gelenk zu nächst bei geöffneter Bremse in beide Richtungen bewegt wird, um den Reibungszustand des Gelenks in beide Richtungen aufzu- nehmen, solange die Bremse noch nicht geschlossen ist.
Aus beiden Testbewegungen, erst in die eine Drehrichtung und dann in die entgegengesetzte Drehrichtung, kann dann nähe rungsweise über die beiden gemessenen Motormomente:
M+ = Mg + Mr und M = Mg + Mr das Gravitationsmoment Mg und das Reibungsmoment Mr ermittelt werden:
Mg = (M+ + M ) : 2
Mr |(M+ - M ) : 2|
Mit diesen Daten wird im weiteren Verlauf des Bremsentestver fahrens - mit der Bedingung, dass sich der Antrieb während des Tests nicht bewegt - über ein aufgeschaltetes Motormoment auf ein wirksames Bremsenmoment geschlossen. Erfindungsgemäß umfasst das Bremsentestverfahren eine Erwei terung der bestehenden Auswertung dahingehend, dass das er mittelte, wirkende Reibungsmoment Mr selbst ausgewertet wird.
Eine erste Näherung für eine sinnvolle automatisch gültige Grenze kann bereits das zu testende Soll-Bremsenhaltemoment selbst sein. Sinngemäß ergibt sich folgende Überlegung. Wenn die Reibung eines Systems in der Größenordnung der von einer eingesetzten Bremse zu verursachenden Reibung selbst liegt, wäre die Bremse nicht notwendig. Folglich ist das Vorhanden sein einer Reibung entsprechender Größe ein Fehler. Bei Ermittlung eines Reibungsmoments, das größer als ein ge gebenenfalls konfigurierbarer oder sich mittels prozentualem Wert aus dem Testmoment der Bremse ergebender Grenzwert ist, kann frühzeitig eine zielgerichtete Fehlermeldung ausgegeben werden. Eine solche zielgerichtete Fehlermeldung kann dann beispielsweise lauten: „Reibung Achse 3 zu hoch" oder „Bitte Bremse/Getriebe prüfen".
Das Reibungsmoment des dem angetriebenen Motor zugeordneten Gelenks kann aus dem ersten Motormoment und dem zweiten Mo tormoment bestimmt werden, indem das Reibungsmoment als der Betrag von der Hälfte der Differenz aus erstem Motormoment und zweitem Motormoment automatisch errechnet wird.
Das Verfahren kann in einer ersten Ausführungsvariante derart durchgeführt werden, dass der Reibungszustand des wenigstens einen Gelenks automatisch als fehlerbehaftet bewertet wird,
wenn das automatisch bestimmte Reibungsmoment ein vorgegebe nes Maximalmoment überschreitet.
Es wird also zunächst, wie weiter oben beschrieben ist, das aktuelle Reibungsmoment ermittelt. Eine einfache Auswertung kann derart erfolgen, dass auf einen Fehler im Gelenk ge schlossen wird, wenn das aktuell erfasste Reibungsmoment ein bestimmtes Maximalmoment überschreitet. Das Maximalmoment kann empirisch, beispielsweise durch Versuche ermittelt wer den. Der Wert des Maximalmoments kann beispielsweise so fest gelegt werden, dass gewisse Varianzen im tatsächlichen Rei bungsmoment zugelassen sind und erst deutlich einen durch schnittlichen Wert übersteigende Reibungsmomente als unzuläs sige Werte betrachtet werden.
Zur Bestimmung des vorgegebenen Maximalmoments kann insbeson dere das bauartbedingte Nennmoment derjenigen Bremse herange zogen werden, die dem Gelenk zugeordnet ist, das von dem Mo tor angetrieben wird, an dem das erste Motormoment und das zweite Motormoment erfasst wurde. Es kann davon ausgegangen werden, dass die konstruktiv vorgesehene Bremse an die Anfor derungen des Gelenks des Roboterarms hinsichtlich seines Nennmoments angepasst ist, also die Bremse weder überdimensi oniert noch unterdimensioniert ist. Insoweit gibt das Nennmo ment der Bremse, die dem betreffenden Gelenk zugeordnet ist, einen guten Hinweis auf die Größenordnung, die ein vorhande nes Reibungsmoment sinnvoller Weise nicht erreichen sollte. Ist das tatsächliche Reibungsmoment in der Größenordnung des Nennmoments der Bremse, kann das betreffende Gelenk nicht ordnungsgemäß funktionsfähig sein.
Als Wert des vorgegebenen Maximalmoments kann insbesondere ein Wert zwischen 20% und 40% des bauartbedingten Nennmoment wertes derjenigen Bremse herangezogen werden, die dem Gelenk
zugeordnet ist, das von dem Motor angetrieben wird, an dem das erste Motormoment und das zweite Motormoment erfasst wur de.
Das Verfahren kann in einer zweiten Ausführungsvariante der art durchgeführt werden, dass der Reibungszustand des wenigs tens einen Gelenks automatisch als fehlerbehaftet bewertet wird, wenn bei einem Vergleich des automatisch bestimmten Reibungsmoments mit einem im Auslieferungszustand des Robo terarms bestimmten Ursprungs-Reibungsmoment eine Abweichung des automatisch bestimmten Reibungsmoments von dem im Auslie ferungszustand des Roboterarms oder Inbetriebnahmezustand des Roboterarms bestimmten Ursprungs-Reibungsmoments festgestellt wird, die einen vorgegebenen Schwellenwert überschreitet.
In dieser zweiten Ausführungsvariante wird das im Rahmen des Bremsentestverfahrens automatisch bestimmte Reibungsmoment also nicht mit einem fest vorgegebenen Maximalwert statisch verglichen, sondern es erfolgt ein Vergleich mit einem Rei bungsmoment, das zu einem Zeitpunkt bestimmt wurde, von dem angenommen werden kann, dass zu diesem Zeitpunkt die Bremse und das Gelenk jedenfalls in einem ordnungsgemäßen Zustand waren. Dieser sicher ordnungsgemäße Zustand kann somit dem Inbetriebnahmezustand des Roboterarms entsprechen.
Das Verfahren kann in einer dritten Ausführungsvariante der art durchgeführt werden, dass der Reibungszustand des wenigs tens einen Gelenks automatisch als fehlerbehaftet bewertet wird, wenn bei einem Vergleich eines im Rahmen eines Ausfüh rens eines zweiten Bremsentestverfahrens zu einem späteren Zeitpunkt automatisch bestimmten späteren Reibungsmoments mit einem im Rahmen eines Ausführens eines ersten Bremsentestver fahrens zu einem früheren Zeitpunkt automatisch bestimmten früheren Reibungsmoment eine Abweichung des später bestimmten
Reibungsmoments von dem früher bestimmten Reibungsmoments festgestellt wird, die einen vorgegebenen Schwellenwert über schreitet.
In dieser dritten Ausführungsvariante wird das im Rahmen des Bremsentestverfahrens automatisch bestimmte Reibungsmoment also nicht mit einem fest vorgegebenen Maximalwert statisch verglichen, und auch nicht mit einem (statischen) Reibungsmo ment in einem ordnungsgemäßen Zustand verglichen, sondern es erfolgt ein Vergleich mit einem beliebigen Reibungsmoment, das während des Betriebs des Roboterarms zu einem früheren Zeitpunkt bestimmt worden ist. Es können mehrere früher be stimmte Reibungsmomente, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten erfasst worden sind, berücksichtigt werden. So kann sogar ei ne Tendenz abgeleitet werden, in welchem Maße sich das Rei bungsmoment an dem Gelenk und in welcher Geschwindigkeit sich das Reibungsmoment an dem Gelenk verschlechtert. Daraus kann eine automatische Empfehlung abgeleitet werden, wann eine Wartung durchgeführt werden sollte bzw. wie lange der Robo terarm noch betrieben werden kann, ohne dass eine Wartung durchgeführt wird.
In allen Ausführungsformen kann das erste Motormoment des an getriebenen Motors und das zweite Motormoment des angetriebe nen Motors aus den jeweiligen elektrischen Motorströmen des Motors während seiner Drehung in der ersten Drehrichtung und in der zweiten Drehrichtung automatisch bestimmt werden.
Demgemäß kann der Reibungszustand in dem jeweiligen Gelenk auf indirekte Weise erfasst werden und zwar insbesondere dadurch, dass die elektrische Stromaufnahme an demjenigen elektrischen Motor erfasst wird, welcher dem zu erfassenden und auszuwertenden Gelenk zugeordnet ist. Besonders vorteil haft ist es, wenn die elektrischen Ströme an den jeweiligen
Motoren nicht durch eine spezielle, separate Strommessung er fasst werden, sondern die bereits im Rahmen der sowieso be reits durchzuführenden Bremsentestverfahren erfassten elektrischen Ströme an den jeweiligen Motoren, lediglich in zusätzlicher Weise gemäß dem erfindungsgemäßen Verfahren aus gewertet werden. Insoweit können eigenständige, zusätzliche Messungen der elektrischen Ströme an den jeweiligen Motoren entfallen.
Die Aufgabe wird auch gelöst durch einen Roboter, aufweisend einen Roboterarm mit mehreren Gelenken und mehreren Gliedern, die durch die Bewegungen der Gelenke des Roboterarms gegenei nander verstellbar sind, wobei jedem angetriebenen Gelenk ein Motor und eine Bremse zugeordnet ist, wobei der jeweilige Mo tor ausgebildet ist, das ihm zugeordnete Gelenk zu verstellen und zwar durch automatisches Ansteuern des Motors, und auf weisend eine Robotersteuerung, die ausgebildet ist zum auto matischen Ansteuern der Motoren, um die Glieder des Roboter arms durch angetriebenes Bewegen der Gelenke automatisch und individuell gegeneinander zu verstellen, und zum automati schen Ansteuern der Bremsen, um die Gelenke des Roboterarms individuell abzubremsen und arretiert halten zu können, wobei die Robotersteuerung ausgebildet und eingerichtet ist, zum Durchführen eines Verfahrens, gemäß einer Ausführung oder mehreren Ausführungen, wie beschrieben.
Die Aufgabe wird außerdem gelöst durch ein Computerprogramm produkt, aufweisend einen maschinenlesbaren Träger, auf dem Programmcode gespeichert ist, der von einer Robotersteuerung eines Roboters, wie beschrieben, auslesbar ist und der die Robotersteuerung ausbildet und/oder einrichtet, ein Verfah ren, gemäß einer Ausführung oder mehreren Ausführungen, wie
beschrieben, durchzuführen, wenn der Programmcode von der Ro botersteuerung ausgeführt wird.
Das Computerprogrammprodukt kann beispielsweise eine CD, eine DVD oder ein USB-Stick sein. Das Computerprogrammprodukt kann aber auch eine Steuerungskarte sein, auf der Mikroprozessoren eingebunden sind. Das Computerprogrammprodukt kann jedoch auch in Form eines Downloads realisiert sein, der über das Internet oder ein anderes Netzwerk angeboten und verkauft werden kann. Der maschinenlesbare Träger kann somit eine CD, eine DVD oder ein Mikroprozessor sein, auf dem der Programmcode gespeichert ist. Der maschinenlesbare Träger kann aber auch eine Fest platte oder ein SSD-Laufwerk sein, auf das der Programmcode heruntergeladen wurde, beispielsweise mittels eines Down- loads, insbesondere in Form von Datenpaketen.
Der Programmcode kann durch ein editiertes Programm und/oder Daten repräsentiert sein, die auf dem maschinenlesbaren Trä ger gespeichert sind.
Durch ein Auslesen des editierten Programms und/oder der Da- ten wird die auslesende Robotersteuerung ausgebildet und/oder eingerichtet, das erfindungsgemäße Verfahren ausführen zu können.
Das erfindungsgemäße Verfahren wird durchgeführt, wenn die Robotersteuerung den Programmcode d.h. das editierte Programm tatsächlich entsprechend ausführt und/oder die Daten tatsäch lich entsprechend verarbeitet.
Ein konkretes Ausführungsbeispiel der Erfindung ist in der nachfolgenden Beschreibung unter Bezugnahme auf die beigefüg-
ten Figuren näher erläutert. Konkrete Merkmale dieses exemp larischen Ausführungsbeispiels können unabhängig davon, in welchem konkreten Zusammenhang sie erwähnt sind, gegebenen falls auch einzeln oder in weiteren Kombinationen betrachtet, allgemeine Merkmale der Erfindung darstellen.
Es zeigen:
Fig. 1 einen beispielhaften Roboter, umfassend einen Robo terarm mit mehreren Gliedern und mehreren Gelenken, wobei jedem Gelenk ein eigener Motor und eine eigene Bremse zugeordnet ist, und umfassend eine Roboter steuerung zum Ansteuern des Roboterarms, insbesonde re der Motoren und Bremsen der Gelenke,
Fig. 2 eine schematische Darstellung des grundlegenden er finderungemäßen Verfahrens,
Fig. 3 eine schematische Darstellung des Zusammenhangs von Gravitationsmoment, Reibungsmoment und Bremsenhal- temoment während der Durchführung eines beispielhaf ten Bremsentestverfahrens,
Fig. 4 eine schematische Darstellung eines Verlaufs der Ge lenkbewegung während der Durchführung eines bei spielhaften Bremsentestverfahrens in einem v/t- Diagramm, und
Fig. 5 eine schematische Darstellung eines repräsentativen Verlaufs des Gesamtmoments an dem jeweiligen Gelenk während der Durchführung eines beispielhaften Brem sentestverfahrens.
Die Fig. 1 zeigt einen Industrieroboter 8, der einen Roboter- arm 9 und eine Robotersteuerung 10 aufweist. Der Roboterarm 9 umfasst im Falle des vorliegenden Ausführungsbeispiels mehre re, nacheinander angeordnete, und mittels Gelenke LI bis L6 drehbar miteinander verbundene Glieder Gl bis Gl.
Der Industrieroboter 8 weist die Robotersteuerung 10 auf, die ausgebildet ist, ein Roboterprogramm auszuführen und die Glieder G1-G7 und Gelenke L1-L6 des Roboterarms 9 automatisch zu bewegen. Eines der mehreren Glieder G1-G7 bildet ein End glied (G7) des Roboterarms 9, das einen Werkzeugflansch 11 aufweist.
Die Robotersteuerung 10 des Industrieroboters 8 ist ausgebil det bzw. eingerichtet, ein Roboterprogramm auszuführen, durch welches die Gelenke LI bis L6 des Roboterarms 9 gemäß des Ro boterprogramms automatisiert oder in einem Handfahrbetrieb automatisch verstellt bzw. drehbewegt werden können. Dazu ist die Robotersteuerung 10 mit ansteuerbaren elektrischen An trieben, den Motoren Ml bis M6 verbunden, die ausgebildet sind, die jeweiligen Gelenke LI bis L6 des Roboterarms 9 zu verstellen.
Bei den Gliedern Gl bis G7 handelt es sich im Falle des vor liegenden Ausführungsbeispiels um ein Robotergrundgestell 13 und ein relativ zum Robotergrundgestell 13 um eine vertikal verlaufende Achse Al drehbar gelagertes Karussell 14. Weitere Glieder des Roboterarms 9 sind eine Schwinge 15, ein Armaus leger 16 und eine vorzugsweise mehrachsige Roboterhand 17 mit einer als Werkzeugflansch 11 ausgeführten Befestigungsvor richtung zum Befestigen eines Werkzeugs. Die Schwinge 15 ist am unteren Ende, d.h. an dem Gelenk L2 der Schwinge 15, das auch als Schwingenlagerkopf bezeichnet werden kann, auf dem
Karussell 14 um eine vorzugsweise horizontale Drehachse A2 schwenkbar gelagert.
Am oberen Ende der Schwinge 15 ist an dem einen Gelenk L3 der Schwinge 15 wiederum um eine ebenfalls vorzugsweise horizon tale Achse A3 der Armausleger 16 schwenkbar gelagert. Dieser trägt endseitig die Roboterhand 17 mit ihren vorzugsweise drei Drehachsen A4, A5, A6. Die Gelenke LI bis L6 sind durch jeweils einen der elektrischen Motoren Ml bis M6 über die Ro botersteuerung 10 programmgesteuert antreibbar und sind mit tels den Gelenken LI bis L6 bzw. den Motoren Ml bis M6 zuge ordneten Bremsen Bl bis B6 abbremsbar und arretiert festhalt bar.
Die Fig. 2 veranschaulicht das Verfahren zum Erfassen und Auswerten eines Reibungszustands an wenigstens einem Gelenk LI bis L6 des Roboterarms 9 mit mehreren Gelenken L1-L6 und die Gelenke L1-L6 miteinander verbindenden mehreren Gliedern G1-G7, wobei der Roboterarm 9 mit der Robotersteuerung 10 verbunden ist, die ausgebildet und eingerichtet ist, den Ge lenken L1-L6 des Roboterarms 9 zugeordnete mehrere elektri sche Motoren M1-M6 des Roboterarms 9 und zugeordnete Bremsen B1-B6 des Roboterarms 9 anzusteuern, um den Roboterarm 9 zu bewegen.
Im ersten Schritt S1 erfolgt im Falle des vorliegenden Aus führungsbeispiels ein automatisches Ausführen eines dem Robo terarm 9 zugeordneten Bremsentestverfahrens gemäß einem Brem sentestprogramm 1, das vorgesehen ist, die elektrische Moto ren M1-M6 und die Bremsen B1-B6 des Roboterarms 9 mittels der Robotersteuerung 10 anzusteuern, um die Glieder G1-G7 des Ro boterarms 9 gemäß des durch das Bremsentestverfahren vorgege benen Bremsentestprogramms 1 automatisch zu bewegen und die Bremsen B1-B6 automatisch anzusteuern.
Im zweiten Schritt S2 erfolgt im Falle des vorliegenden Aus führungsbeispiels und im Rahmen des Bremsentestprogramms 1 ein automatisches Antreiben wenigstens eines Motors der meh reren elektrischen Motoren M1-M6 in einer ersten Drehrichtung und ein Erfassen eines ersten Motormoments M_1 an dem ange triebenen Motor während seiner Drehung in der ersten Dreh richtung, und ein anschließendes automatisches Antreiben des wenigstens einen Motors in einer der ersten Drehrichtung ent gegengesetzten zweiten Drehrichtung und ein Erfassen eines zweiten Motormoments M_2 an dem angetriebenen Motor während seiner Drehung in der zweiten Drehrichtung.
Im dritten Schritt S3 erfolgt im Falle des vorliegenden Aus führungsbeispiels ein automatisches Auswerten des ersten Mo tormoments M_1 und des zweiten Motormoments M_2, um das Rei bungsmoment Mr des dem angetriebenen Motor zugeordneten Ge lenks zu erhalten.
Das Reibungsmoment Mr des dem angetriebenen Motor zugeordne ten Gelenks kann aus dem ersten Motormoment M_1 und dem zwei ten Motormoment M_2 bestimmt werden, indem das Reibungsmoment Mr als der Betrag von der Hälfte der Differenz aus erstem Mo tormoment M_1 und zweitem Motormoment M_2 automatisch errech net wird.
Der Reibungszustand des wenigstens einen Gelenks wird automa tisch als fehlerbehaftet bewertet, beispielsweise dann, wenn das automatisch bestimmte Reibungsmoment Mr ein vorgegebenes Maximalmoment überschreitet.
Zur Bestimmung des vorgegebenen Maximalmoments kann das bau artbedingte Nennmoment derjenigen Bremse herangezogen werden, die dem Gelenk zugeordnet ist, das von dem Motor angetrieben
wird, an dem das erste Motormoment M_1 und das zweite Mo tormoment M_2 erfasst wurde.
Als Wert des vorgegebenen Maximalmoments kann beispielsweise ein Wert zwischen 20% und 40% des bauartbedingten Nennmoment- wertes derjenigen Bremse herangezogen werden, die dem Gelenk zugeordnet ist, das von dem Motor angetrieben wird, an dem das erste Motormoment M_1 und das zweite Motormoment M_2 er fasst wurde.
Der Reibungszustand des wenigstens einen Gelenks kann automa- tisch als fehlerbehaftet bewertet werden, beispielsweise dann, wenn bei einem Vergleich des automatisch bestimmten Reibungsmoments Mr mit einem im Auslieferungszustand des Ro boterarms 9 bestimmten Ursprungs-Reibungsmoment eine Abwei chung des automatisch bestimmten Reibungsmoments Mr von dem im Auslieferungszustand des Roboterarms 9 oder Inbetriebnah mezustand des Roboterarms 9 bestimmten Ursprungs- Reibungsmoments festgestellt wird, die einen vorgegebenen Schwellenwert überschreitet.
Der Reibungszustand des wenigstens einen Gelenks kann automa- tisch als fehlerbehaftet bewertet werden, beispielsweise dann, wenn bei einem Vergleich eines im Rahmen eines Ausfüh rens eines zweiten Bremsentestverfahrens zu einem späteren Zeitpunkt automatisch bestimmten späteren Reibungsmoments mit einem im Rahmen eines Ausführens eines ersten Bremsentestver- fahrens zu einem früheren Zeitpunkt automatisch bestimmten früheren Reibungsmoment eine Abweichung des später bestimmten Reibungsmoments von dem früher bestimmten Reibungsmoments festgestellt wird, die einen vorgegebenen Schwellenwert über schreitet.
Das erste Motormoment M_1 des angetriebenen Motors und das zweite Motormoment M_2 des angetriebenen Motors können aus den jeweiligen elektrischen Motorströmen des Motors während seiner Drehung in der ersten Drehrichtung und in der zweiten Drehrichtung automatisch bestimmt werden.
In Fig. 3 ist eine schematische Darstellung des Zusammenhangs von Gravitationsmoment, Reibungsmoment und Bremsenhaltemoment während der Durchführung eines beispielhaften Bremsentestver fahrens gezeigt. Das Gravitationsmoment Mg wirkt stets in gleicher Größe und in derselben Richtung. Das Bremsmoment Mb erhöht sich in der einen Drehrichtung bis zu einem Maximal wert. Danach wird in die andere Drehrichtung gewechselt, in dem das Bremsmoment Mb kontinuierlich verringert wird. Das Reibungsmoment entspricht der Hälfte des Drehmomentunter schieds in der einen Richtung und in der anderen Drehrich tung. Dies ist insbesondere auch in Fig. 5 veranschaulicht.
Die Fig. 4 zeigt eine schematische Darstellung eines Verlaufs der Gelenkbewegung während der Durchführung eines beispiel haften Bremsentestverfahrens in einem v/t-Diagramm. Der Motor wird zunächst angefahren, d.h. er beschleunigt, um dann das Gelenk mit einer konstanten Geschwindigkeit in die erste Drehrichtung zu bewegen. Anschließend wird abgebremst und in die andere Drehrichtung beschleunigt, um dann das Gelenk mit einer entsprechend entgegengesetzten konstanten Geschwindig keit in die andere, die zweite Drehrichtung zu bewegen. Gemäß diesem Beschleunigungs- und Geschwindigkeitsprofil des bei spielhaften Bremsentestverfahrens stellt sich ein Verlauf des Gesamtmoments am Motor ein, wie er schematisch in Fig. 5 ge zeigt ist.
In Fig. 5 ist eine schematische Darstellung eines repräsenta tiven Verlaufs des Gesamtmoments M an dem jeweiligen Gelenk
während der Durchführung eines beispielhaften Bremsentestver fahrens gezeigt. Die unterschiedlich hohen Plateauphasen des Gesamtmoments M ergeben sich dadurch, dass sowohl bei der Drehbewegung in der ersten Drehrichtung, als auch bei der entgegengesetzten Drehbewegung in die zweite Drehrichtung das Gravitationsmoment in gleicher Weise wirkt. Die Momentendif- ferenz zwischen den beiden Plateauphasen des Gesamtmoments M entspricht dem zweifachen Reibungsmoment.