Verfahren, Computerprogramm, System, und Beatmungsmaschine, zur Ermittlung patientenspezifischer Beatmungsparameter an einer Beatmungsmaschine
Die Erfindung bezieht sich auf ein computerimplementiertes Verfahren, ein Computerpro- gramm, ein System und eine Beatmungsmaschine, zur Ermittlung eines patientenspezifi- schen Beatmungsparameters zur Einstellung einer Beatmungsmaschine, mittels welcher der Patient beatmet werden soll.
Bei schwerwiegenden Erkrankungen der Lunge und der damit oftmals einhergehenden Mangelversorgung des Blutes mit durch die Lunge aufgenommenem Sauerstoff bzw. der ungenügenden Reduzierung von über die Lunge abgegebenem Kohlenstoffdioxid muss der Patient in vielen Fällen mithilfe von Geräten am Leben erhalten werden, welche den hinreichenden Gasaustausch zwischen Umwelt und Organismus, genauer gesagt dem Blut des Organismus, zur Aufrechterhaltung der Vitalfunktionen gewährleisten. Das häu- figste gewählte Hilfsmittel zur Aufrechterhaltung eines hinreichenden Gasaustauschs ist hierbei die Beatmungsmaschine, welche über eine druck- oder volumengesteuerte Pumpvorrichtung ein Gasgemisch mit einem präzise veränderbaren Sauerstoffanteil in die Lunge des Patienten hinein- und wieder heraus befördert, bspw. anhand eines sich zyk- lisch wiederholenden Druck- oder Volumenverlaufs.
Bei manchen Erkrankungen der Lunge wie z.B. im Falle des akuten Lungenversagens oder Acute Respiratory Distress Syndrome (ARDS) muss die Beatmung in Form der ver- änderbaren Parameter am Beatmungsgerat präzise und hochindividuell auf den jeweiligen Patienten angepasst werden. Diese Personalisierung der Beatmung gestaltet sich oft der- art komplex, dass im Zuge des mehrfach notwendigen Nachjustierens der Parameter be- atmungsinduzierte Schäden an der Lunge auftreten können, welche bis zum Tod des Pa- tienten führen können. Dieses Problem stellt sich insbesondere auch bei schweren Fällen von Coronavirus- (COVID-19) Erkrankungen. Die Feineinstellung der Beatmungsparame- ter ist der Schlüssel zur Reduktion der enorm hohen Mortalität bei ARDS von bis zu 40% selbst in spezialisierten Kliniken. Die Beurteilung der Beatmung in Bezug auf deren
Schädlichkeit für die beatmete Lunge ist gegenwärtig nur indirekt und in sehr groben Zü- gen möglich. Der medizinische Goldstandard arbeitet mit statistisch validierten Beat- mungswerten und Richtgrößen sowie Behandlungsempfehlungen im Rahmen der sog. lungenprotektiven Beatmung, welche auf Grundlage von Erfahrungswerten heuristisch am Patienten getestet werden, d.h. auf Daten der Vergangenheit beruhen.
Die vorliegende Erfindung stellt sich die Aufgabe, für eine maschinelle Beatmung eines Patienten den Beatmungsparameter einer Beatmungsmaschine systematisch zu bestim- men, um nachfolgend eine möglichst effiziente und schonende Beatmung zu erreichen.
Diese Aufgabe wird gelöst durch das Verfahren gemäß Anspruch 1 , das Computerpro- grammprodukt gemäß Anspruch 22, das System gemäß Anspruch 24 und die Beatmungs- maschine gemäß Anspruch 25.
Das erfindungsgemäße Verfahren dient der automatisierten Ermittlung optimaler Beatmungsparameter θb, opt zur maschinellen Beatmung von Patienten, und weist die computerimplementierten, d.h. mittels mindestens einer Datenverarbeitungs- einrichtung umsetzbaren, Schritte auf:
• Bereitstellen eines patientenspezifischen digitalen Lungenmodells, Eingabe initialer Input - Beatmungsparameter 0b, als Beatmungsparameter θb,i = θb, init;
• Iteratives Durchführen der folgenden Schritte (i) bis (iii), bis zur Erfüllung eines Abschlusskriteriums, welches das Erreichen optimaler patientenspezifischer Beatmungsparameter θb,i = θb, opt prüft und/oder das Erreichen einer vorbe- stimmten Anzahl von Iterationen vorsieht; i) Auswerten der am Lungenmodell in Abhängigkeit von dem Beatmungspara- meter θb,i simulierten maschinellen Beatmung, durch Ermitteln des Wertes mindestens einer patientenspezifischen Zielfunktion F = F(θb,i) aus dem Lungenmodell, wobei
, die Zielfunktion F eine Lungenreaktion auf die simulierte maschinelle Beat- mung in Abhängigkeit von mindestens einem Output-Parameter des Lungen- modells beschreibt, ii) Bewerten des mindestens einen ermittelten Wertes der Funktion F anhand mindestens einer vorbestimmten Referenzgröße, und
Auswahl mindestens eines nächsten Beatmungsparameters θb ,next, unter Ver- wendung eines von mindestens einem zuvor verwendeten Beatmungspara- meter θb,i abhängigen Auswahlverfahrens; iii) Verwendung des mindestens einen nächsten Beatmungsparameters θb ,next als Beatmungsparameter θb,i zur Ermittlung von F = F(θb,i = θb ,next ) in Schritt i);
• Bereitstellen des patientenspezifischen optimalen Beatmungsparameters 0b, opt.
Die Erfindung beruht auf der Idee, die Einstellungen einer Beatmungsmaschine bzgl. ihrer Eignung für den individuellen Patienten systematisch und unter Verwendung einer modell- basierten, personalisierten, rechnerbasierten Vorhersage zu ermitteln, bevor diese am Be- atmungsgerät appliziert werden, so dass der Patient schließlich möglichst ideal, d.h. scho- nend und effizient beatmet wird. Die Beatmungseinstellungen der Beatmungsmaschine werden insbesondere parametrisiert und können als vektorwertige Größe (Beatmungspa- rameter θb) beschrieben werden. Sie werden als Modellinputgrößen verwendet (Schritt (i)) und sukzessive (iterativ in den Schritten (i) bis (iii)) verbessert, indem sie anhand einer dem Schritt (i) nachgelagerten Bewertung (ii) der simulierten bzw. physikalischen Lungen- reaktion bzw. Ergebnisgrößen (Output-Größen des Modells der Lunge) sukzessive, d.h. von Iteration zu Iteration, mithilfe eines Auswahlverfahrens geändert werden, das insbe- sondere nicht auf das Lungenmodell zurückgreift das insbesondere weniger Rechenauf- wand als das Lungenmodell erzeugt und und das deshalb schneller ausführbar ist.
Das erfindungsgemäße Verfahren ist nicht zu verwechseln mit dem therapeutischen Ver- fahren der (künstlichen) Beatmung des Patienten durch eine Beatmungsmaschine, insbe- sondere beinhaltend die Schritte des Anschließens oder Trennens des Patienten von einer Beatmungsmaschine, - dieses therapeutische Verfahren ist nicht Gegenstand der Erfin- dung.
Als optimaler Beatmungsparameter θb, opt wird insbesondere ein solcher Beatmungspara- meter angesehen, der zu einer für den Patienten physiologisch akzeptablen Beatmung bzw. Lungenreaktion F führt, was mittels der medizinisch indizierten, vorbestimmten Re- ferenzgrößen geprüft wird. Selbst wenn bereits ein in diesem Sinne geeigneter Beat- mungsparameter gefunden ist, kann das Verfahren noch weiter verbesserte, d.h. zu einer schonenderen bzw. effizienteren Beatmung führende Beatmungsparameter auffinden, wenn die Iterationen (i) bis (iii) weiter fortgesetzt werden, z.B. bis zum Erreichen einer vorbestimmten Anzahl von Iterationen.
Das Verfahren ist vorzugsweise dazu eingerichtet, d.h. insbesondere programmiert, dass mindestens eine Iteration durchgeführt wird, d.h. dass das Verfahren nach dem Schritt (iii) mindestens einmal zum Schritt (i) zurückkehrt. Das Verfahren ist vorzugsweise dazu ein- gerichtet, d.h. insbesondere programmiert, um nach dem Schritt (iii) mindestens einmal zum Schritt (ii) zurückzukehren. Das Verfahren ist vorzugsweise dazu eingerichtet, d.h. insbesondere programmiert, um mindestens einen nächsten Beatmungsparameterθb ,next auszuwählen und als Input-Größe für das Lungenmodell zu verwenden. Das Ver- fahren ist vorzugsweise dazu eingerichtet, d.h. insbesondere programmiert, dass der Op- timierungsdurchlauf (i) bis (iii) der Optimierungsschleife (Iteration) mindestens einmal, zweimal, vorzugsweise K-mal durchgeführt wird, z.B. K = 10, 15, 20, 25, 30, 50, 100.
Vorzugsweise ist das erfindungsgemäße Verfahren, insbesondere das Lungenmodell und/oder das Auswahlverfahren dazu eingerichtet, d.h. insbesondere programmiert, einen oder mehrere optimale Beatmungsparameter θb, opt in möglichst kurzer Zeit zu bestimmen. Auf diese Weise wird Rechenleistung gespart, bzw. der apparative Aufwand zur Imple- mentierung des erfindungsgemäßen Verfahrens sinkt.
Die Vorhersage des optimalen Beatmungsparameters gemäß der Erfindung verwendet ein personalisiertes Berechnungsmodell der Lunge, das zur Erzeugung von Daten bezüg- lich der Eignung und Auswahl der bestmöglichen Beatmungseinstellungen für den Patien- ten dient. Ein zur Ausführung der Erfindung geeignetes, digitales Lungenmodell wird be- schrieben im Dokument von „C. J. Roth et al. , A comprehensive computational human lung model incorporating inter-acinar dependencies: Application to spontaneous breathing and mechanical Ventilation, Journal of Numerical Methods in Biomedical Engineering 2016; e02787 DOI: 10.1002/cnm.2787“. Dieses Lungenmodell wird weiter unten noch beschrie- ben. Die Erfindung lässt sich aber auch mit Abwandlungen dieses Lungenmodells, oder mit jedem anderen digitalen Lungenmodell ausführen, das geeignet ist, die Reaktion der Lunge auf die Beatmung, also in Abhängigkeit von den Beatmungsparametern einer Be- atmungsmaschine, als Zielfunktion F zu quantifizieren.
Die aus dem Lungenmodell berechnete Lungenreaktion bzw. Zielfunktion F ist patientenspe- zifisch, da das Lungenmodell patientenspezifisch ist. Das Lungenmodell ist insbesondere des- halb patientenspezifisch, weil es basierend auf Messdaten der Patientenlunge gewonnen wurde, insbesondere basierend auf Bilddaten der Patientenlunge gewonnen wurde und/oder durch Einstellung mindestens eines Lungenmodellparameters θm an eine patientenindividu- elle Eigenschaft, insbesondere an die physische Eigenschaft der Lunge eines Patienten (siehe Kalibrierung), durch eine Patienten- bzw. Krankheitshistorie oder genetische Merk- male, angepasst wurde. Insbesondere wird vor dem Starten des Verfahrens das Lungenmo- dell, welches insbesondere basierend auf Bilddaten der Patientenlunge ermittelt worden sein kann, mittels einer Beatmungskurve des Patienten, die mindestens einen Atemzug des Pati- enten, und/oder einem speziellen Beatmungsmanöver, wie bspw. einem Low-Flow-Manöver aufweist und/oder einer Ösophagusdruckmessung kalibriert. Eine Beatmungskurve im Sinne der Erfindung besteht aus einer Druck-Zeit-Kurve ptrachea (t) und/oder einer Fluss-Zeit-Kurve θtrachea (t) und/oder einer Volumen-Zeit-Kurve vtrachea(t) und/oder einer Atemgasgemisch- zusammensetzungs-Zeit-Kurve oder daraus abgeleiteten Kurven oder insbesondere Kombi- nationen dieser Messkurven. Die Kurven ergeben sich hierbei aus der Einstellung des Beat- mungsgeräts und des beispielsweise metabolischen, biologischen, bio-chemischen, insbeson- dere physikalischen Antwortverhaltens des Patienten. Bei der Kalibrierung werden mindestens einer, mehrere oder alle Parameter θm angepasst. Insbesondere die Materialparameter der Aveolen-Cluster (ACs) und/oder weitere Materialparameter. Insbesondere kann auch eine
,atientenspezifische, volumenabhängige Pleuraldruckrandbedingung kalibriert sowie weitere Parameter θm.
Für einen Fachmann sind beispielweise aus „C.J. Roth et al. , Coupling of EIT with compu- tational lung modeling for predicting patient-specific Ventilator responses, Journal of Ap- plied Physiology 122: 855-867, 2017; DOI: 10.1152/japplphysiol.00236.2016“ aus den An- gaben auf Seite 856 ff. „Method Part“ die Modellparameter θm welche für eine Kalibrierung benützt werden, entnehmbar.
Vorzugsweise ist das mindestens eine Lungenmodell patientenspezifisch, indem es insbeson- dere von einem Mediziner für diesen Patienten aus einer Datenbank von vorbestimmten Lun- genmodellen ausgewählt wurde, die in Kategorien unterteilt sein können, z.B. in Abhängigkeit von Geschlecht, Alter, Gewicht, Erkrankung, und/oder Körperzustand, wobei der Mediziner die Zuordnung des Patienten zu einer dieser Kategorien von Lungenmodellen vornimmt, so dass das Lungenmodell (auch) für den individuellen Patienten verwendbar ist.
Das Lungenmodell wird insbesondere als digital bezeichnet, weil mindestens eine physische Eigenschaft der Lunge durch Daten und/oder mindestens einen Algorithmus beschrieben wird.
Die mindestens eine Zielfunktion F ist vorzugsweise eine Zielfunktion B und/oder eine Ziel- funktion N, wobei N die Anreicherung von Gas im Blut der Lunge beschreibt als Funktion min- destens eines Output-Parameters des Lungenmodells, wobei der mindestens eine Output-Pa- rameter einen Gaspartialdruck im Blut des Patienten beschreibt, und B die mechanische Be- lastung der Lunge beschreibt als Funktion mindestens eines Output-Parameters des Lungen- modells wobei der mindestens eine Output- Parameter eine mechanische Belastungsgröße der Lunge des Patienten beschreibt. Vorzugsweise verwendet das Verfahren genau die beiden Zielfunktionen B und N. Es ist aber auch möglich und bevorzugt, dass das Verfahren andere Zielfunktionen, oder statt B oder N mindestens eine andere oder weitere Zielfunktion zur Be- schreibung einer Lungenreaktion verwendet.
Vorzugsweise beschreibt die Funktion B die durch die Beatmung hervorgerufene mechanische Belastung mittels einer Dehnung e(c, t) des Lungengewebes und/oder eines in der Lunge herr- schenden Drucks p(x, t). Vorzugsweise beschreibt die Funktion B eine Abhängigkeit von der
Dehnung B(e(c, t)) und/oder dem Druck B(p(x, t)) in der Lunge. Vorzugsweise beschreibt die Funktion B zusätzlich, oder beschreibt eine weitere Funktion B2 die durch die Beatmung her- vorgerufene mechanische Belastung mittels dem Kollaps c(x, t) und/oder der Wiedereröffnung r(x,t) (auch als „re-opening“ bezeichnet) der Atemwege und/oder Alveolen und/oder eines grenzflächenaktiven Faktors der Lungenbläschen sf(x, t). Vorzugsweise beschreibt die Funk- tion B zusätzlich, oder B2 zusätzlich, oder beschreibt eine weitere Funktion B3 die durch die Beatmung hervorgerufene mechanische Belastung mittels eines grenzflächenaktiven Faktors der Lungenbläschen sf(x, t), insbesondere eines lung Surfactant. Der Lung Surfactant ist ins- besondere bekannt als eine von Pneumozyten Typ II in der Lunge produzierte und auf die Oberfläche des alveolären Epithels als Sekret abgesonderte, oberflächenaktive Substanz.
Vorzugsweise beschreibt die Funktion N mindestens den durch die Beatmung hervorgerufe- nen Gaspartialdruck von Sauerstoff m(02) und/oder Kohlendioxid μ(C02) im venösen oder arteriellen Blut der Lunge.
Vorzugsweise beinhaltet das Auswahlverfahren zur Auswahl nächster Beatmungsparameter- werte θb ,next einen Algorithmus, insbesondere ein Optimierungsverfahren nach Bayes, der/das insbesondere unter Verwendung einer oder mehrerer Gaußprozesse, Random For- rests, künstlicher neuronaler Netze oder anderer Regressionsmodelle umgesetzt wird, einen Fuzzylogic-Algorithmus, einen auf einem Evolutionsverfahren basierenden Algorithmus, einen Gradientenverfahren beinhaltenden Algorithmus, und/oder einen auf stochastischen Techni- ken basierenden Algorithmus.
Ein Optimierungsverfahren nach Bayes wird beschrieben von „Snoek, J. etal. Practical Bayes- ian Optimization of Machine Learning Algorithms, Advances in Neural Information Processing Systems, 2012. Weitere Beschreibungen, insbesondere von den Regressionsmodellen finden sich in “B. Shahriari, K. Swersky, Z. Wang, R.P. Adams, N. de Freitas, Taking the human out ofthe loop: A review ofbayesian optimization, Proceedings of the IEEE, 2016; vol. 104, no. 1, pp. 148-175.” Ein auf die vorliegende Erfindung angewandtes Verfahren nach Bayes wird nachfolgend noch beschrieben.
Weitere Algorithmen, insbesondere einen Gradientenverfahren beinhaltenden Algorithmus, werden beschrieben in Fletcher R., Practical Methods of Optimization, Print
iSBN:9780471915478, Online ISBN:9781118723203, D0l:10.1002/9781118723203, 1987 by John Wiley & Sons, Ltd. Auf stochastischen Techniken basierende Algorithmen werden be- schrieben in Spall, J. C., Introduction to Stochastic Search and Optimization, 2003; Wiley. ISBN 978-0-471-33052-3.
Vorzugsweise basiert das Auswahlverfahren zur Auswahl mindestens eines nächsten Beat- mungsparameters θb ,next auf einem probabilistischen Regressionsverfahren, das von mindes- tens einem, zuvor ermittelten Datensatz T, = (θb,i , F(θb,i)) abhängt, und einer Akquisitionsfunk- tion zur Auswahl nächster Beatmungsparameterwerte θb ,next , insbesondere ein Regressions- verfahren auf Basis von einem Gaußprozess.
Vorzugsweise beinhaltet das Auswahlverfahren zur Auswahl mindestens eines nächsten Be- atmungsparameters θb ,next , eine Akquisitionsfunktion, die den Erwartungswert der Verbesse- rung verwendet („expected-improvement Funktion“), insbesondere unter Berücksichtigung von Nebenbedingungen („expected-constrained-improvement Funktion“).
Vorzugsweise beinhaltet das Auswahlverfahren zur Auswahl mindestens eines nächsten Be- atmungsparameters 9b next, eine Akquisitionsfunktion, die eine Entropiesuche verwendet, o- der die einen Knowledge-Gradienten verwendet.
Vorzugsweise wird der Beatmungsparameter 0b,i durch eine Menge von Parametern beschrie- ben, die den Druck-Zeit-Verlauf und/oder den Volumen-Zeit-Verlauf eines Atemzugs beschrei- ben, wobei insbesondere 0b ausgewählt ist aus der Gruppe möglicher und bevorzugter Para- meter θb,i = {pinsp,PEEP, tinsp, texp, tplataue, f , Fi02, pup, pdown orzugsweise ist in Schritt (ii) vorgesehen, mindestens einen nächsten Beatmungsparameter 9b next zu bestimmen, vor- zugsweise mehrere nächste Beatmungsparameter 9b next zu bestimmen, insbesondere durch parallele Berechnung. Die Parameter eines Beatmungsparameters können verschiedene Werte aufweisen, im Einzelnen auch bezeichnet als „Parameterwerte“ und insgesamt auch bezeichnet als „Beatmungsparameterwerte“. Mit „Bestimmung eines nächsten Beatmungspa- -ameters“ ist im Rahmen dieser Erfindung gemeint, dass der aus mehreren Parametern bestehende vektorwertige, insbesondere eindeutig dimensionierte, Beatmungsparameter so
geändert wird, dass sich dessen Beatmungsparameterwerte in Bezug auf zumindest einen Parameterwert von bereits zuvor getesteten Beatmungsparametern unterscheiden.
Vorzugsweise wird in Schritt (ii) des Verfahrens die patientenspezifische Funktion B bewertet, unter Berücksichtigung der mindestens einen Nebenbedingung, dass die patientenspezifische Funktion N eine vorbestimmte Referenzgröße nicht unterschreitet oder überschreitet, wobei insbesondere N den Output-Parameter „Sauerstoffpartialdruck m(02)“ berücksichtigt und die Nebenbedingung beinhaltet, dass der Sauerstoffpartialdruck m(02) die Referenzgröße So2der Anreicherung, des im Blut des Patienten angereicherten Sauerstoffs nicht unterschreitet, und wobei insbesondere S02, insbesondere als eine patientenspezifische Referenzgröße vorbe- stimmt ist. Bewertet im Sinne der Erfindung bedeutet insbesondere einen Vergleich mit bisher erhaltenen Werten für andere Beatmungsparameter 0b oder/und ein Abgleich mit Werten oder Grenzen für B aus der Literatur oder der medizinischen Praxis.
Vorzugsweise beinhaltet Schritt (ii) des Verfahrens, dass, als eine patientenspezifische Refe- renzgröße, insbesondere eine maximale Dehnung Bmax( (x, t)) und/oder Druck Bmax(p(x, t)) innerhalb der Lunge nicht überschritten werden darf, und/oder eine Sauerstoffsättigung S02 nicht unterschritten werden darf.
Vorzugsweise wird in Schritt (iii) mindestens ein neuer Beatmungsparameter 0b durch einen Bayes’schen Optimierungsschritt bestimmt. Alternative kann der Beatmungsparameter auch über systematische (stochastische oder deterministische) Verfahren variiert werden. Eine sys- tematische Variation ist einer Rastersuche (grid-search) vorzuziehen, da dadurch ein Effizi- enzgewinn bzw. eine verkürzte Laufzeit und reduzierter Rechenaufwand des Verfahrens zur Auffindung geeigneter Beatmungsparameter resultiert.
Vorzugsweise wird ein Satz initialer Input - Beatmungsparameter 0b 1;j init mittels eines zufäl- ligen oder quasi-zufälligen Verfahrens, insbesondere Monte-Carlo oder Latin-Hyper-Cube Sampling erstellt.
Vorzugsweise werden in Schritt (ii) die Funktionswerte der Funktion B, die aus dem mindes tens einen Output - Parameter durch Simulation des Satzes der initialen Input - Beatmungs parameter 0b,i:j,init berechnet wurden, zum Trainieren eines Gaußmodells verwendet.
Vorzugsweise werden in Schritt (ii) die Funktionswerte der Funktion B, die aus dem mindes tens einen Output - Parameter durch Simulation des Satzes nächster Input - Beatmungspara meter 0b,next berechnet wurden, zum weiteren Trainieren des Gaußmodells verwendet wer den, in Ergänzung zu den aus den vorherigen Auswertungen erhaltenen Funktionswerten der Funktion B, so dass das Gaußmodell sukzessive an einer größeren Datenmenge trainiert wird. Anders ausgedrückt tragen alle ermittelten Funktionswerte dazu bei, die Form der Funktion B zu bestimmen, so dass durch das mehr und mehr trainierte Gaußmodell immer zutreffender abgeschätzt wird, welche Parameter erfolgsversprechend sind, ohne dabei über tatsächlich berechnete Funktionswerte in allen Bereichen der Funktion B zu verfügen.
Vorzugsweise ist in Schritt (ii) die Auswahlfunktion eine Akquisitionsfunktion, welche mindes tens einen nächsten Beatmungsparameterwert 0b next unter Berücksichtigung einer Verbes serungsfunktion \{ßb next ) auswählt und die Verbesserungsfunktion wie folgt berechnet wird:
- R(ßb,next )), wobei B{ ) die Posterior-Verteilung des Ersatzmo dells an der Stelle 0b next und
den Funktionswert mit bisher geringster mechanischer Belastung als Funktion des bisher geeignetsten Beatmungsparameters 0b darstellen, und die Akquisitionsfunktion sich als Produkt aus dem Erwartungswert der Verbesserungsfunktion l{ßb,next ), gemäß EI = E[l(0bAext ) I 0bAext ] und einer zusätzlichen Funktion l(ebAext ) zu sammensetzt zu {ßbAext ) * E[l(ßb next ) \eb Tiext ], wobei sich D ergibt aus einer Indikatorfunk tion D , die 1 ist, falls die Funktion N(ßbAext) kleiner oder größer als eine vorbestimmte Refe renzgröße ist und null sonst, und dem Einsetzen eines probabilistischen Ersatzmodells N(ßbAext), insbesondere auf Basis eines Gaußprozesses.
Vorzugsweise ist das patientenspezifische Lungenmodell patientenspezifisch, indem es in Ab hängigkeit gemessener Bilddaten der Lunge des Patienten erstellt worden ist. Vorzugsweise wurden die Bilddaten durch ein bildgebendes Verfahren am Patienten gewonnen, insbeson dere mittels Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT) Ultraschall, Röntgenaufnahme oder Elektroimpedanztomographie (EIT)
Vorzugsweise ist das patientenspezifische Lungenmodell patientenspezifisch, indem es mit tels Messdaten von Patienten erstellt worden ist, indem vorzugsweise vor dem Starten des Verfahrens das patientenspezifische Lungenmodell mittels einer Beatmungskurve des Patien ten, die mindestens einen Atemzug des Patienten aufweist, und/oder einem speziellen
Beatmungsmanöver, wie bspw. einem Low-Flow-Manöver und/oder einer Ösophagusdruck messung kalibriert wird. Hierbei werden mindestens einer, mehrere oder alle Parameter θm kalibriert, d.h. die Werte der Modellparameter werden mittels der Beatmungsparameter min destens teilweise festgelegt.
Vorzugsweise ist die mindestens eine vorbestimmte Referenzgrößen patientenspezifisch, in- dem sie insbesondere von einem Mediziner für diesen Patienten festgelegt wurde, indem sie sich aus medizinischen Erfahrungswerten für eine Patientenkategorie (Geschlecht, Alter, Ge- wicht, Erkrankung, Körperzustand) ableitet, zu der der Patient gerechnet wird, oder indem sie durch separate Messung am Körper des Patienten ermittelt wurde.
Die Erfindung betrifft auch ein Computerprogrammprodukt, verwendend ein digitales Lun genmodell, aufweisend Befehle, die, wenn sie auf einem Prozessor einer Datenverarbei tungseinheit ausgeführt werden bewirken, dass die folgenden Schritte (i) bis (iii) iterativ, bis zur Erfüllung eines Abschlusskriteriums durchgeführt werden, welches das Erreichen optima ler patientenspezifischer Beatmungsparameter θb,i = 0b, oPt prüft und/oder das Erreichen einer vorbestimmten Anzahl von Iterationen prüft: i) Auswerten der am Lungenmodell in Abhängigkeit von dem Beatmungspara meter θb,i simulierten maschinellen Beatmung, durch Ermitteln des Wertes mindestens einer patientenspezifischen Zielfunktion F = F(θb i,) aus dem Lungenmodell, wobei die Zielfunktion F eine Lungenreaktion auf die simulierte maschinelle Beat mung in Abhängigkeit von mindestens einem Output-Parameter des Lungen modells beschreibt, ii) Bewerten des mindestens einen ermittelten Wertes der Funktion F anhand mindestens einer vorbestimmten Referenzgröße, und
Auswahl mindestens eines nächsten Beatmungsparameters θb n, ext, unter Ver wendung eines von mindestens einem zuvor verwendeten Beatmungspara meter θb,i abhängigen Auswahlverfahrens;
iii) Verwendung des mindestens einen nächsten Beatmungsparameters 9b next als Beatmungsparameter 0b, , zur Ermittlung von F = F( θb,i = 0b next ) in Schritt i). Die Erfindung betrifft auch ein computerlesbares Medium, auf dem ein Computerprogramm produkt gespeichert ist, welches ein digitales Lungenmodell verwendet, und Befehle aufweist, die, wenn sie auf einem Prozessor einer Datenverarbeitungseinheit ausgeführt werden bewir ken, dass die folgenden Schritte (i) bis (iii) iterativ, bis zur Erfüllung eines Abschlusskriteriums durchgeführt werden, welches das Erreichen optimaler patientenspezifischer Beatmungspara- meter θb,i = 0b, opt prüft und/oder das Erreichen einer vorbestimmten Anzahl von Iterationen prüft: i) Auswerten der am Lungenmodell in Abhängigkeit von dem Beatmungspara meter 0b, i simulierten maschinellen Beatmung, durch Ermitteln des Wertes mindestens einer patientenspezifischen Zielfunktion F = F(θb,i ) aus dem Lungenmodell, wobei die Zielfunktion F eine Lungenreaktion auf die simulierte maschinelle Beat- mung in Abhängigkeit von mindestens einem Output-Parameter des Lungen modells beschreibt, ii) Bewerten des mindestens einen ermittelten Wertes der Funktion F anhand mindestens einer vorbestimmten Referenzgröße, und
Auswahl mindestens eines nächsten Beatmungsparameters θb ,next, unter Ver wendung eines von mindestens einem zuvor verwendeten Beatmungspara meter 0b,i abhängigen Auswahlverfahrens; iii) Verwendung des mindestens einen nächsten Beatmungsparameters θb ,next als Beatmungsparameter 0b, , zur Ermittlung von F = F(θb,i = θb ,next ) in Schritt i).
Die Erfindung betrifft auch ein System aufweisend mindestens eine Datenverarbeitungsein richtung und ein Computerprogrammprodukt, wobei die mindestens eine
Datenverarbeitungseinrichtung eingerichtet ist, das Computerprogrammprodukt auszuführen und insbesondere Daten zur Steuerung der Beatmungsmaschine mit einer Beatmungsma schine auszutauschen, wobei das Computerprogrammprodukt ein digitales Lungenmodell ver wendet, und das Computerprogrammprodukt Befehle aufweist, die, wenn sie auf einem Pro zessor der Datenverarbeitungseinrichtung ausgeführt werden bewirken, dass die folgenden Schritte (i) bis (iii) iterativ, bis zur Erfüllung eines Abschlusskriteriums durchgeführt werden, welches das Erreichen optimaler patientenspezifischer Beatmungsparameter θb,i = 0b, oPt prüft und/oder das Erreichen einer vorbestimmten Anzahl von Iterationen prüft: i) Auswerten der am Lungenmodell in Abhängigkeit von dem Beatmungspara meter θb,i simulierten maschinellen Beatmung, durch Ermitteln des Wertes mindestens einer patientenspezifischen Zielfunktion F = F(θ b,i) aus dem Lungenmodell, wobei die Zielfunktion F eine Lungenreaktion auf die simulierte maschinelle Beat mung in Abhängigkeit von mindestens einem Output-Parameter des Lungen modells beschreibt, ii) Bewerten des mindestens einen ermittelten Wertes der Funktion F anhand mindestens einer vorbestimmten Referenzgröße, und
Auswahl mindestens eines nächsten Beatmungsparameters θb ,next, unter Ver wendung eines von mindestens einem zuvor verwendeten Beatmungspara meter 0b,i abhängigen Auswahlverfahrens; iii) Verwendung des mindestens einen nächsten Beatmungsparameters θb ,next als Beatmungsparameter 0b, , zur Ermittlung von F = F(θb,i = θb ,next ) in Schritt i).
Vorzugsweise beinhaltet das System mindestens eine Beatmungsmaschine, welche insbe sondere für den Datenaustausch mit der Datenverarbeitungseinrichtung des Systems einge richtet ist. Die Datenverarbeitungseinrichtung des Systems kann Bestandteil der Beatmungs maschine sein. Vorzugsweise beinhaltet das System mindestens eine Messvorrichtung zur Gewinnung von Messdaten, insbesondere Bilddaten, insbesondere CT-, MRT-, Röntgen, EIT- oder Ultraschall-Daten, aus denen das Lungenmodell ermittelbar ist, wobei die
Messvorrichtung insbesondere für den Datenaustausch mit der Datenverarbeitungseinrich tung des Systems eingerichtet ist. Die Datenverarbeitungseinrichtung des Systems kann Be standteil der Messvorrichtung sein.
Die Erfindung betrifft auch eine Beatmungsmaschine mindestens aufweisend eine Steue rungseinheit und eine Datenverarbeitungseinrichtung, die geeignet ist mindestens ein Compu terprogrammprodukt einzulesen und auszuführen, und wobei die mindestens eine Datenver arbeitungseinrichtung eingerichtet ist, Daten zur Steuerung der Beatmungsmaschine an die Steuerungseinheit zu liefern und/oder mit der Steuerungseinheit zur Steuerung der Beatmung eines Patienten auszutauschen, wobei das Computerprogrammprodukt ein digitales Lungen modell verwendet, und das Computerprogrammprodukt Befehle aufweist, die, wenn sie auf einem Prozessor der Datenverarbeitungseinrichtung ausgeführt werden bewirken, dass die folgenden Schritte (i) bis (iii) iterativ, bis zur Erfüllung eines Abschlusskriteriums durchgeführt werden, welches das Erreichen optimaler patientenspezifischer Beatmungsparameter θb,i = 0b, oPt prüft und/oder das Erreichen einer vorbestimmten Anzahl von Iterationen prüft: i) Auswerten der am Lungenmodell in Abhängigkeit von dem Beatmungspara meter θb,i simulierten maschinellen Beatmung, durch Ermitteln des Wertes mindestens einer patientenspezifischen Zielfunktion F = F(Qb i) aus dem Lungenmodell, wobei die Zielfunktion F eine Lungenreaktion auf die simulierte maschinelle Beat mung in Abhängigkeit von mindestens einem Output-Parameter des Lungen modells beschreibt, ii) Bewerten des mindestens einen ermittelten Wertes der Funktion F anhand mindestens einer vorbestimmten Referenzgröße, und
Auswahl mindestens eines nächsten Beatmungsparameters θb ,next, unter Ver wendung eines von mindestens einem zuvor verwendeten Beatmungspara meter 0b,i abhängigen Auswahlverfahrens; iii) Verwendung des mindestens einen nächsten Beatmungsparameters θb ,next als Beatmungsparameter 0b, , zur Ermittlung von F = F(θb,i = θb ,next ) in Schritt i).
Weitere bevorzugte Ausgestaltungen des erfindungsgemäßen Verfahrens, des erfindungsgemäßen Computerprogrammprodukts, des erfindungsgemäßen Systems und der erfindungsgemäßen Beatmungsmaschine ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung der Ausführungsbeispiele in Zusammenhang mit den Figuren und deren Beschreibung. Merkmale dieser Gegenstände der Erfindung können jeweils aus der Beschreibung der jeweils anderen Gegenstände der Erfindung und deren Ausgestaltung abgeleitet werden. Gleiche Bauteile der Ausführungsbeispiele werden im Wesentlichen durch gleiche Bezugszeichen gekennzeichnet, falls dies nicht anders beschrieben wird oder sich nicht anders aus dem Kontext ergibt. Es zeigen:
Fig. 1 zeigt schematisch eine Druck-Zeit-Kurve mit einem exemplarisch gewählten Beatmungsparameter, beinhaltend Parameter wie den endexspiratorischen Druck PEEP, den inspiratorischen Druck pinsp, die Druckrampen ,pup, pdown, sowie die In- spirations- und Exspirationszeiten tinsp , texp .
Fig. 2 zeigt das Prinzip des iterativen Vorgehens zur Verbesserung des Beatmungs parameters schematisch.
Fig. 3 zeigt die Schritte i) bis iii) für eine Bestimmung eines optimalen Beatmungs parameters, ausgehend vom Bereitstellen eines Satzes initialer Beatmungsparame ter mittels Monte Carlo oder Latin-Hyper-Cube Verfahren.
Fig. 4a-c zeigen schematisch drei unterschiedliche Ausführungsformen der Erfin dung, bei welchen je nach Ausführungsform die Ermittlung der Beatmungseinstel lungen als datenlogistische Prozesskette an unterschiedlichen Orten stattfindet, ins besondere auf einem Rechenserver eines Cloud-Computing-Anbieters auf einem Server in einer Klinik oder im Beatmungsgerät selbst.
Fig. 5 zeigt eine Ausführungsform des Systems zur Bestimmung eines optimalen Beatmungsparameters schematisch.
Fig. 6 zeigt eine Ausführungsform der Beatmungsmaschine schematisch, wobei die Beatmungsmaschine eine Datenverarbeitungseinrichtung zum Durchführen der Si mulation und der Optimierung aufweist.
Fig. 7 zeigt eine Ausführungsform, bei welcher ohne patientenspezifische Bildge- bung rein auf Basis zusätzlicher, von der Bildgebung unterschiedlicher patientenspe zifischer Daten ein Rechenmodell der Lunge parametrisiert wird und im Anschluss mindestens einmal ausgewertet wird, um den Beatmungsvorschlag seines Nutzers hinsichtlich seiner Eignung für den vorliegenden Patienten zu bewerten und zu ver bessern In diesem Fall müssten die 3D Strukturdaten aufgrund eines bereits beste henden „Templates“ an den Patienten auf Basis der verfügbaren Daten angepasst werden. Beispielsweise durch Berücksichtigung von Faktoren wie Körpergröße und/oder BMI. Die 3D Strukturdaten könnten auch in einer Art Datenbank vorliegen und es würde derjenige Datensatz ausgewählt, der am besten zu dem Patienten passt.
Detaillierte Beschreibung der Erfindung im Ausführungsbeispiel
Unter einem Lungenmodell wird nachfolgend ein digitales, d.h. computerimplementiertes Modell einer menschlichen Lunge verstanden, das geeignet ist, die Physiologie einer menschlichen Lunge zu simulieren. Es kann sich hierbei um ein Lungenmodell handeln, welches auf den CT-Daten eines Patienten basiert, d.h. für diesen spezifisch ist. Alternativ kann das Lungenmodell auf der Auswertung von CT Daten einer Patientengruppe oder allgemein auf der Auswertung von Lungendaten aus einer Datenbank basieren. Unter ei nem patientenspezifischen Lungenmodell wird nachfolgend auch ein Lungenmodell ver standen, das auf einen Patienten kalibriert ist, beispielsweise durch Kalibrierung des Lun genmodells mittels einer realen Beatmungskurve des Patienten. Die Beatmungskurve stellt sich insbesondere als Druck-Zeit-Kurve und/oder Fluss-Zeit-Kurve eines oder meh rere Atemzüge oder Beatmungsmanöver des Patienten bei künstlicher Beatmung dar. Die Beatmungskurve lässt sich als Funktion bestimmter die Beatmung kennzeichnende
Parameter verstehen, d.h. die gemessene Beatmungskurve am Patienten wird über eine Menge von Parametern parametrisiert dargestellt. Insbesondere sind hierbei die wichtigs ten Parameter der Beatmungskurve die folgenden:
PEEP, beschreibt das Druckniveau am Ende der Ausatmung (positive-end-exspiratory pressure), pinsp, definiert als inspiratorischer Druck beschreibt das Druckniveau, welches den Zieldruck bei der Einatmung vorgibt.
Die beiden Druckrampen pup, pdown beschreiben den Anstieg bzw. den Abfall des Drucks bei Ein- Ausatmung, d.h. wie rasch der Druck zu bzw. abnehmen soll.
Die Parameter tinsp texp beschreiben die Einatmungszeit und die Ausatmungszeit, d.h. wie lange eingeatmet und ausgeatmet wird.
Die Atemfrequenz/, bzw. die Periodendauer eines Atemzugs 1/f gibt an, wie viele Atem züge während einer Zeiteinheit, zumeist innerhalb einer Minute durchgeführt werden. Der Parameter Fi 02 beschreibt den Sauerstoffanteil im Atemgas. Dieser Wert besagt wie viele Gase-Perzentile im Atemgasgemisch Sauerstoff sind. Die angegebenen Parameter sind nicht vollumfänglich dargestellt. Vielmehr sind hier die wichtigsten Parameter genannt, welche an einer Beatmungsmaschine bei einer Druckkontrollierten Beatmung eingestellt werden. Es kann jedoch bspw. Volumenkontrolliert beatmet werden. In diesem oder an deren Beatmungsmodi sind die Parameter andere. Ein Ziel der Erfindung ist es, diese Parameter, welche an einer Beatmungsmaschine einstellbar sind, so zu verbessern, d.h. so zu optimieren, dass der Patient auf schonendste Weise durch die Beatmungsmaschine beatmet wird. Des Weiteren können auch Parameter, die nicht an der Beatmungsma schine eingestellt werden können, jedoch die Beatmung beeinflussen, wie bspw. die La gerung des Patienten (bspw. Rücken- oder Bauchlage), berücksichtigt werden.
Der Input in das Lungenmodell umfasst mindestens einen Beatmungsparameter 0 , wel cher in Vektorform die Parameter der Beatmungskurve 0b = {Pinsp, PEEP, tinsp, texp, f, Fi02, pup, pdown} enthält. Ein Beatmungsparameter 0b beschreibt demnach eine Vielzahl jeweils möglicher Einstellungen der Beatmungsmaschine. Anders
ausgedrückt, die Parameter {pinsP,PEEP, tinsp, texp,f,Fi02,pup,pdown, ... } spannen einen In put-Raum des mathematischen Modells auf, welcher durch Simulation auf einen Output- Raum des Modells abgebildet wird. Ziel der Erfindung ist es, im Input-Raum diejenigen, bzw. denjenigen Vektor 0b,opt, bzw. Parameter zu finden, durch welchen für Patienten re levante Ausgangsgrößen des Simulationsmodells minimiert und/oder maximiert werden, unter Berücksichtigung vorbestimmter und/oder patientenspezifischer Vorgaben, d.h. Re ferenzgrößen. Diese sind zum Beispiel der Sauerstoffgehalt und der Kohlendioxidgehalt im venösen und/oder arteriellen Blut des Patienten.
Ausgangsgrößen des Simulationsmodells der Lunge können beispielsweise die Dehnung des Lungengewebes c(x,t), der Druck p(x,t), die Flussraten Q(x,t), und/oder ein grenzflä chenaktiver Faktor der Lungenbläschen sf(x,t) und/oder ein Kollaps c( x,t) und/oder ein Re-Opening r( x,t) sein. In Abhängigkeit des Verlaufs der für den Patienten relevanten simulierten Ausgangsgrößen wird die nächste zu simulierende Eingangsgröße, d.h. der nächste Beatmungsparameter 0b next bestimmt. Dabei erfolgt die Auswahl eines nächsten Beatmungsparameter 0b next so, dass möglichst schnell, d.h. nach einer geringen Anzahl von Iterationen, d.h. Simulationsdurchläufen nächster Beatmungsparameter, ein idealer Beatmungsparameter 0b,opt gefunden ist. Alternativ kann auch in einer anderen Ausfüh rungsform nach einer vorbestimmten Anzahl von Iterationsschritten das Modell beispiels weise abgebrochen und der bis dahin geeignetste gefundene Beatmungsparameter aus gegeben werden.
Im Lungenmodell berücksichtigt werden (i) die Atemwege, die aus der Luftröhre, sowie den Bronchien und Bronchiolen bestehen, (ii) Alveolencluster (AC), die die Alveolen (Lun genbläschen) und die zu den Alveolarsäckchen verbundenen Alveolen umfassen, sowie die darin enthaltenen Anteile der Bronchiolen und (iii) die AC-Wechselwirkung welche die viskoelastische Kopplung von zueinander benachbarten ACs berücksichtigt. Beim Einat men vergrößert sich das Lungenvolumen wodurch unter anderem die Lungenbläschen gedehnt werden. Dabei sind zueinander benachbarte Lungenbläschen aufgrund des sie miteinander verbindenden Lungengewebes in ihrer Dehnung verknüpft.
Das Modell berücksichtigt die dreidimensionale geometrische Struktur der Lunge eines Patienten. Dazu wird ein Datensatz, der die 3D Strukturgeometrie einer Patientenlunge bildet, als Inputgröße in das Lungenmodell eingelesen. In einer Ausführungsform kann der Datensatz alternativ über die Strukturgeometrie mehrerer Patienten gemittelt sein. Bei spielsweise kann für Patienten mit einer bestimmten Lungenvorerkrankung ein gemittelter Strukturdatensatz erzeugt und in das Lungenmodell eingelesen werden, um für Patienten dieser Vorerkrankung spezifische Beatmungsparameter bereitzustellen. Ebenso können die Input-Beatmungsparameter aus einer Datenbank gemittelte Parameterwerte darstel len. Basierend auf dem Strukturdatensatz konstruiert das Modell ein digitales Abbild der Patientenlunge. In einer Ausführungsform basiert der strukturgeometrische Datensatz auf 3D patientenindividuellen CT-Daten (Computertomographie Aufnahmen, Schichtdicke und Pixelgröße 0,7344 mm) eines 42-jährigen männlichen Patienten mit einer funktionei len Restkapazität (FRC) von FRC = 2,65l und eine Gesamtlungenkapazität (TLC) von TLC = 4,76l. Indem das Modell die Patientenlunge in ihrer dreidimensionalen Form simuliert, können die mechanischen Eigenschaften, wie Gewebsdehnung und Druckverteilung auch als lokal aufgelöste Output-Größen vom Modell ausgegeben werden.
Das Modell ist geeignet, den Effekt lokaler Überdehnung des Lungengewebes, welcher beispielsweise durch eine künstliche Beatmung hervorgerufen werden kann, zu simulie ren, bevor dieser Effekt mittels in der Klinik vorhandener Messgeräte feststellbar ist, oder der Patient durch suboptimale Beatmungseinstellungen irreversibel geschädigt wird.
Modellbasierte Darstellung der Atemwege
Die Atemwege gliedern sich in die Luftröhre, sowie das Bronchialsystem, welches sich in einen rechten und einen linken Bronchienhauptstamm (Hauptbronchus) aufteilt und wel cher jeweils einen der beiden Lungenflügel mit Sauerstoff versorgt. Jeder Bronchienhaupt stamm teilt sich weiter in kleinere Bronchien auf (Bronchien zweiter Ordnung): Der rechte Hauptbronchus verzweigt sich meist zu drei Hauptästen, welche die meist drei Lungenlap pen des rechten Lungenflügels versorgen. Der linke Hauptbronchus gliedert sich meist in zwei Hauptäste für die meist zwei Lungenlappen des linken Lungenflügels. Diese fünf Hauptäste bilden die so genannten Lappenbronchien, die sich weiter zu den Segment bronchien und in immer kleinere Äste (Generationen) verzweigen. Nach etwa 20-25
Teilungsschritten, d.h. Generationen, entsteht so das weit verzweigte System des Bron chialbaums. Dieses System der Bronchien ist über den CT-Bilddatensatz verfügbar und kann beispielsweise mittels eines auf künstlicher Intelligenz basierenden Bilderkennungs algorithmus in einen 3D Strukturdatensatz umgewandelt bzw. segmentiert werden. Dieser wird dann dem Lungenmodell zum Aufbau der Modellgeometrie der Lunge zur Verfügung gestellt.
Je kleiner die Bronchien werden, desto einfacher und dünnwandiger wird ihr innerer Auf bau. Die kleinsten Verzweigungen der Bronchien, die Bronchiolen, haben einen Innen durchmesser von weniger als 1 mm. Daher reicht die CT-Auflösung nicht aus, um diese Strukturen ortsaufgelöst darzustellen. Während die Atemwege der unteren Generation di rekt aus den CT-Daten segmentiert werden, sind die Atemwege der höheren Generation mit Hilfe eines raumfüllenden Algorithmus generiert, wie dies beispielsweise beschrieben ist in „Ismail M, Comerford A, Wall WA. Coupled and reduced dimensional modeling of respiratory mechanics during spontaneous breathing. International Journal of Numerical Methods in Biomedical Engineering 2013; 29:1285-1305“. Die Atemwege (Luftröhre und Bronchialbaum) werden ab der Generation, in der Segmentierung aus den CT -Daten nicht mehr möglich ist oder früher, rekursiv erzeugt, bis die peripheren Atemwege ein Längen abschlusskriterium (lt = 1 ,2 mm), ein Radiusabschlusskriterium (rt = 0,2 mm) oder eine Generation Abbruchkriterien (Ngen = 17) erreichen. Die Skalierung des Radius des Toch- ter-zu-Eltern-Zweiges des linken und des rechten Astes des Bronchialbaumes beträgt 0,876 bzw. 0,686, wie es aus morphologischen Studien des menschlichen Körpers allge mein bekannt ist. Die Radiusskalierung, die Atemwegsausrichtung und die Atemwegs länge kann in Abhängigkeit der ihnen räumlich zugeordneten CT -Daten angepasst werden um die Inhomogenität der Lunge abzubilden. Die segmentierten Atemwege der unteren Generation, welche auf den CT-Daten basieren, werden mit den Atemwegen der höheren Generation, welche mit dem raumfüllenden Algorithmus erzeugt werden, verbunden. Bei spielsweise hat ein digitales Lungenmodell insgesamt 60.143 Atemwege, von denen 30.072 periphere Atemwege, also Atemwege höherer Generationen sind. Die Bronchiolen (höchste Generationen) verzweigen sich noch einmal in mikroskopisch feinste Ästchen (Bronchioli respiratorii), welche in den Azini terminieren. Diese Azini führen schließlich in das eigentliche, für den Gasaustausch verantwortliche Lungengewebe mit insgesamt etwa
300 Millionen Lungenbläschen (Alveolen). Im Lungenmodell werden ein oder mehrere Azini und die darin enthaltenen Bronchiolen zu einem AC zusammengefasst.
In der hier beschriebenen Ausführungsform, erfolgt die mathematische Modellierung der Atemwege durch Implementierung eines dimensionsreduzierten nulldimensionalen (0 - D) Strömungsmodells, welches beschrieben ist in „Pedley TJ, Schroter RC, Sudlow MF. The prediction of pressure drop and Variation ofresistance within the human bronchial airways. Respiration Physiology 1970; 9:387-405“. Damit kann das mittlere Strömungsverhalten der Atemwege effizient und beispielsweise unter Verwendung reduzierter Rechenleistung modelliert werden. Das Modell verfolgt einen Ansatz, bei dem die Druckdifferenz DR ent lang eines Atemweges als linear abhängige Größe des Strömungswidertand R und der Flussrate Q durch den Atemwegskanal als DR = Q * R dargestellt ist. Dieser Ausdruck wird diskretisiert, gemäß APn+1 Rn+1 * Qn+1 mit n = t/Dΐ. Der von „Pedley TJ, Schroter RC, Sudlow MF. The prediction of pressure drop and Variation of resistance within the human bronchial airways, Respiration Physiology 1970; 9:387-405“ formulierte nichtlineare Strö mungswiderstand R berücksichtigt sowohl geometrische als auch turbulente Strömungs verluste im Atemwegssystem der Lunge und wurde an experimentelle Lungendaten ange passt. In Roth C.J. et al. , A comprehensive computational human lung model incorporating inter-acinar dependencies: Application to spontaneous breathing and mechanical Ventila tion, Journal of Numerical Methods in Biomedical Engineering 2016; e02787 DOI: 10.1002/cnm.2787“ Ist eine Erweiterung angegeben, die den Effekt der Querschnittsver änderung der Atemwege beim Ein- bzw. Ausatmen berücksichtigt.
Modellbasierte Darstellung der ACs
Die ACs werden mit dem in „Ismail M, Comerford A, Wall WA. Coupled and reduced di mensional modeling of respiratory mechanics during spontaneous breathing. International Journal of Numerical Methods in Biomedical Engineering 2013; 29:1285-1305“ entwickel ten inversen Ansatz generiert. Da sich die CT-Daten im endexspiratorischen Zustand be finden, wird für die 3D - Lungengeometrie ein konstanter Pleuraldruck von 5,3 cm H20 angenommen. Nach den morphologischen Daten der menschlichen Alveolengröße, die bei einem transpulmonalen Druck von 25 cm H20 in allgemein bekannter Literatur gemes sen wurden, und dem von „Ismail M. et al.“ entwickelten inversen Ansatz, wird in der in
dieser Ausführungsform bespielhaft berechneten Lunge eine Anzahl Nai von 797 Millionen Alveolen festgestellt. Die Anzahl der Lungenbläschen pro Lungenlappen ist N-b =
wobei Vilb das Volumen eines Lappens und Vlung das Gesamtvolumen der Lunge ist. Die Anzahl der Lungenbläschen an jedem peripheren Atemweg ist N“lv = Nlb
wo bei Af die Austrittsfläche des peripheren Atemweges und Alb die Summe aller Austritts flächen der peripheren Atemwege innerhalb eines Lappens ist. Die Anzahl der Lungen bläschen N?lv kann zur weiteren Präzisierung mit einem Faktor basierend auf den Alveo len räumlich zugeordneten CT-Daten multipliziert werden. Schließlich werden die Lungen bläschen, d.h. die Alveolen, an jedem peripheren Atemweg (sog. Alveolengang) zu einem Azinus gruppiert. D.h. ein Azinus ist aus einer Anzahl von Alveolen und Alveolengängen gebildet, wobei sich die Alveolen um das Ende eines jeweiligen Alveolenganges gruppie ren, welcher diese mit Luft zum Gasaustausch versorgt. Physiologisch liefert somit ein Alveolengang immer einer gewissen Anzahl von Alveolen Luft. Mehrere Alveolengänge bilden einen Azinus. Ein Azinus oder mehrere Azini, sowie diese verknüpfende Bronchio len, sind zu einem Alveolencluster zusammengefasst. Durch diese physiologische Grup pierung kann die Auflösung des Modells variiert werden und erlaubt es, die mathematische Simulation in der beschriebenen Ausführungsform vereinfacht umzusetzten.
In der hier beschriebenen Ausführungsform, erfolgt die mathematische Umsetzung der Alveolencluster mittels eines in „Ismail M, Comerford A, Wall WA. Coupled and reduced dimensional modeling of respiratory mechanics during spontaneous breathing. Internatio nal Journal of Numerical Methods in Biomedical Engineering 2013; 29:1285-1305“ be schriebenen AC Modells, welches auf einem rheologischen Modell mit parallel geschalte ten Maxwell-Elementen basiert. Dieses rheologische Modell wurde kalibriert, um das me chanische Verhalten des in „Denny E, Schroter RC. Viscoelastic behavior of a lung alveo lar duct model. Journal of Biomechanical Engineering 2000; 122:143-151“ entwickelten Alveolengangmodells umzusetzen. Vereinfachend wird hier angenommen, dass jeder AC von jeweils einem Atemweg mit Luft versorgt wird und sich alle darin enthaltenen Alveo lengänge identisch verhalten. Dieser Ansatz ermöglicht es weiter, den gesamten AC als null dimensionales (0-D) - Element zu modellieren, unter Beibehaltung seiner viskoelasti- schen Eigenschaften. Das daraus resultierende lineare AC-Modell ist ausreichend, um das
mechanische Verhalten von gesundem Lungengewebe bei der Spontanatmung korrekt zu modellieren. Um mit dem Lungenmodell sowohl große Lungentidalvolumen, als auch Druckvariationen simulieren zu können, ist das lineare Modell auf ein nichtlineares Modell erweitert worden. Dazu wurde die, die Elastizität des Lungengewebes benachbarter Alve olen beschreibende Federkonstante (lineares Federmodell) durch einen nichtlinearen Ausdruck ersetzt, welcher zwei exponentielle Terme enthält. Dieses zweifach exponentiell versteifende Materialgesetz ist wie folgt definiert:
E1 = E? + El
E[ = kleTl(Vi~v^
Hierbei ist ^ die Steifigkeit (Federkonstante), vt das Volumen eines Alveolengangs und vf das Volumen eines Alveolengangs im spannungsfreien Zustand. Kalibrierung der T auf simulierte quasi-statische p-V-Kurven des salzgewaschenen Alveolargangs wie in „Denny E, Schroter RC. Viscoelastic behavior of a lung alveolar duct model. Journal of Biomechanical Engineering 2000; 122:143-151“, beschrieben und auf eine dynamische Belastung bei 1 Hz resultieren in den folgenden Parametern:
E = 6.51 x 10 4 cmH20 cm~3 b = 35.23 x 107cmH20 cm~6 ku = 6.79 x 10 ~scmH20 cm~ 3 th = 14.47cm s-1 kl = 5.32 x 10 scmH20 cm~ 3 ti = —9.0 cm s 1
ln der hier beschriebenen Ausführungsform kann damit unter Verwendung weiterer Terme aus „Ismail M., Comerford A, Wall WA. Coupled and reduced dimensional modeling of respiratory mechanics during spontaneous breathing. International Journal of Numerical Methods in Biomedical Engineering 2013; 29:1285-1305“, beispielsweise die Steifigkeit der ACs als Funktion des alveolaren Volumens berechnet werden und somit die Druckdif ferenz zwischen Atemwegseinlass des AC und der Umgebung in Abhängigkeit des AC- Volumens bestimmt werden.
Für die Lösung des vollständig gekoppelten Gleichungssystems aus nichtlinearen Atem wegen und nichtlinearen ACs kann ein klassisches Newton-Raphson-Schema verwendet werden oder man verwendet ein fixpunktartiges Iterationsverfahren oder ein anderes ge eignetes Lösungsverfahren.
Modellbasierte Darstellung der AC-Wechselwirkung
Mittels Alveolencluster-Linker-Elemente (ACL) wird die Wechselwirkung benachbarter ACs und zwischen ACs und Atemwegen modelliert. Diese ACL verknüpfen jeweils paar weise oder in Gruppen diejenigen ACs (und Atemwege), welche sich gegenseitig beein flussen. Diese Wechselwirkung kommt zum einen durch die Volumenkonkurrenz der ACs innerhalb der Lunge und zum anderen durch das Gewebe, dass sich angrenzende ACs teilen, zustande. Die daraus resultierende gegenseitige Beeinflussung wird durch zusätz liche Kräfte an den an ACL liegenden ACs (und Atemwegen) realisiert. Dadurch können AC gedehnt werden, selbst wenn der Druck nur auf die sub-pleuralen ACs ausgeübt wird. Anders ausgedrückt findet die Randbedingung des Pleuraldrucks nur auf die an den Pleuraspalt tatsächlich angrenzenden ACs Anwendung.
Dieses Merkmal des Lungenmodells spielt eine wichtige Rolle bei heterogenen Lungen. Folglich ist eine mathematische Beschreibung der zwischen den ACs bestehenden Ab hängigkeiten im Lungenmodell eine Notwendigkeit zur realistischen Simulation einer pati entenspezifischen Lunge. Eine mathematische Beschreibung zur Implementierung dieser Abhängigkeiten ist in „Roth C.J. et al., A comprehensive computational human lung mode! incorporating inter-acinar dependencies: Application to spontaneous breathing and
mechanical Ventilation, Journal of Numerical Methods in Biomedical Engineering 2016; e02787 DOI: 10.1002/cnm.2787“ gegeben.
In der hier beschriebenen Ausführungsform, erfolgt die mathematische Umsetzung der ACL wie folgt. ACLs werden generiert, indem alle zu einem AC benachbarten ACs und Atemwege bestimmt werden. Hierzu wird ein Algorithmus verwendet, welcher ausgehend von jeweils einem AC alle dazu benachbarte ACs geometrisch detektiert, was unter ande rem über ein Abstandskriterium oder über die Nachbarschaft raumfüllender Zellen erreicht werden kann. Des Weiteren werden diejenigen ACs detektiert, welche in direkter Verbin dung zur lungenseitigen Pleura, bzw. dem Pleuraraum (Pleuralspalt) stehen, also zumin dest teilweise keine benachbarten ACs aufweisen. Sind die Nachbarschaftsverhältnisse der ACs berechnet, wird zwischen den ACs (und den Atemwegen) ein Kopplungsglied als „AC-Linker-Element“ eingefügt. Dieses ACL Kopplungsglied modelliert das korrekte Zu sammenspiel zwischen benachbarten ACs, indem es als fiktiver „Inter-AC-Druck“ Pintrein geführt wird, der dafür sorgt, dass Druckheterogenitäten sich über benachbarte ACs hin weg ausbreiten. Dies erlaubt es, den Pleuraldruck nur an den sub-pleuralen ACs, anzule gen. Dadurch wird eine physiologisch korrekte Druckverteilung in der Lunge erreicht. Im Vergleich zu früheren Modellen, bei denen der Pleuraldruck auf alle ACs gleichermaßen angewendet wird, zeigt sich dann keine Abweichung, wenn der Pleuraldruck und die Ma terialeigenschaften wie z.B. bei einer gesunden Lunge, homogen verteilt ist. Bei heteroge nem Pleuraldruck, zum Beispiel aufgrund des Einflusses der Schwerkraft, sowie bei hete rogener Verteilung der Materialeigenschaften der Lunge, werden Kräfte, die auf eine Al veolarwand ausgeübt werden, in Abhängigkeit von der Anzahl der benachbarten ACs auf diese verteilt. Folglich kann durch Einführung eines fiktiven „Inter-AC-Drucks“ eine patien tenspezifische heterogene Druck- und Materialeigenschaftsverteilung physiologisch simu liert werden. In einer Ausführungsform wurden beispielsweise 5981 ACs bestimmt, die an den Pleuraspalt angrenzen und eine Anzahl von 140.135 ACLs entsprechend eingeführt.
Kalibrierung
Nachfolgend werden die zentralen Aspekte der Kalibrierung des Modells beschrieben. Die geometrische Struktur des patientenspezifischen Lungenmodells, wird in der hier be schriebene Ausführungsform in einem ersten Schritt mittels Bildauswertealgorithmen
eines vorliegenden Satzes von computertomographischen Schichtaufnahmen eines Pati enten erstellt. Das Modell kann abstrakt wie folgt als Funktion betrachtet werden, wobei in der vorliegend beschriebenen Ausführungsform als Output-Größen des Modells der Druck p(x, t), die Flussrate Q(x, t), die Dehnung e(c, t) des Lungengewebes und die Gaspartial drücke Pco2 (x, t) und Po2 (x, t) berücksichtigt werden:
Das Modell liefert somit für gegebene Beatmungsparameter 0b und Modellparameter 0m eine Aussage über die Dehnung den Druck und verschiedene Gaspartialdrücke in Abhän gigkeit des Ortes x und der Zeit t. Auf die vektorielle Schreibweise des Ortsvektors wird im Folgenden verzichtet. Aus diesen Modell-Output-Größen (die in der Regel nicht direkt ex perimentell gemessen werden können) lassen sich andere experimentell messbare Grö ßen, wie beispielsweise das Tidalvolumen Vt der Atmung (d.h. das tatsächliche geatmete Volumen) berechnen.
Im nächsten Schritt werden die Modellparameter 0m so angepasst, dass die experimentell messbaren Tidalvolumendruckverläufe Vt;exp(t) mit den simulierten Tidalvolumendruckver- läufen Vt;Sim(t) übereinstimmen: D.h. die Modellparameter werden so angepasst, dass Vt;sim(t) = Vt;exp(t). Hierfür wird der Patient mit einem oder mehreren speziellen Manöver be atmet, das sich in einen Satz Beatmungsparameter 0b übersetzen lässt. In der hier be schriebenen Ausführungsform ist der vektorwertige Beatmungsparameter 0b = {Pinsp, PEEP, tinsp, texp, f, Fi02, pup, pdowm}· Es können auch weitere, nicht direkt mit dem Be atmungsgerät verknüpft Messgrößen als Parameter einfließen, wie bspw. der Ösophagus druck. Nach dieser Anpassung der Modellparameter ist das Modell für eine bestimmte Lunge kalibriert. Das Lungenmodell kann patientenspezifisch sein, kann aber auch ein Modell einer standardisierten Lunge oder eine Mischform sein, beispielsweise durch Mit telung der Lungendaten einer Patientendatenbank. Dabei erschöpfen sich die möglichen Parameter des Beatmungsparameters nicht in den hier aufgeführten Größen. Vielmehr lässt sich mit einem beliebig großen Parametersatz jegliche Art von Beatmungskurve
parametrisieren. Beispielsweise kann die Druck-Zeit-Kurve ptrachea(t) = fp(0b) parametrisiert werden. Diese Druck-Zeit-Kurve wird dann in Form einer Druckrandbedingung an der Trachea aufgebracht. Weiterhin kann die Beatmung auch hinsichtlich anderer Parameter, wie bspw. der Lagerung des Patienten variiert werden.
Fig. 1 zeigt eine parametrisierte Druck-Zeit-Kurve. Diese Kurve wird nun am Lungenmodell als Randbedingung berücksichtigt, in der vorliegenden Ausführungsform am Neumann- Rand des zu lösenden Differentialgleichungssystems. Zuvor müssen die Modellparame ter, beispielsweise die Gewebesteifigkeit, in Form von Materialparametern systematisch angepasst werden. Mithilfe dieses kalibrierten Modells ist ein Arzt in der Lage eine be stimmte Beatmungseinstellung der Beatmungsmaschine zu simulieren, bevor er diese am Patienten einstellt. Damit kann der Arzt vor Beatmung eines eventuell mit einer Lungener krankung belasteten Patienten, mit Hilfe des Modells bestimmen, wie hoch beispielsweise die Gewebedehnungen e(c; t) für dieses Einzelszenario, d.h. den gewählten Beatmungs parameter 0b in der Lunge des Patienten tatsächlich wären und zwar bevor eine eventuelle Schädigung der Lunge durch eine Überdehnung, ein Barotrauma und/oder häufiges Öff nen und Verschließen von Atemwegen und Alveolen oder weiterer Schädigungsmecha nismen aufgrund falsch gewählter Beatmungsparameter auftreten kann. Ein Arzt verfügt nach derzeitigem Stand der Technik über kein intuitives Mittel, um einen geeigneteren Satz von Beatmungsparametern aus der Vielzahl „i“ der möglichen Einstellungen 0b, , zu bestimmen, d.h. um einen optimalen Beatmungsparameter 0b, opt zu bestimmen.
Optimierung
Um einen solchen optimalen Beatmungsparameter 0b, o t aus der Vielzahl möglicher Be atmungsparameter θb,i zu bestimmen, werden Gütekriterien festgelegt, mittels derer in der vorliegenden Ausführungsform ein Algorithmus in die Lage versetzt werden kann zu ent scheiden, ob ein ausgewählter Beatmungsparameter für die Beatmung geeigneter ist als ein anderer Beatmungsparameter.
Im Folgenden wird eine Ausführungsform zur systematischen Verbesserung der Beat mungseinstellungen dargestellt.
Fig. 2 zeigt eine Ausführungsform des Verfahrens, um Beatmungsparameter im Rahmen eines mathematischen Optimierungsproblems iterativ zu verbessern. Ausgehend von der initialen Beatmungskurve, welche mittels 8b, mit = {PinsP,PEEP, tinsp, texp,f,Fi02,pup, pdown} definiert wird, wird der Beatmungsparameter 0b sukzessive in Iterationen i in den Schritten S2 - S5 angepasst. Zuerst werden dabei die anfangs in Schritt S1 ausgewählten Einstel lungen im Schritt S2 getestet, d.h. mit diesen Einstellungen wird eine Simulation am Lun genmodell durchgeführt. Im folgenden nächsten Schritt S3, werden die Ergebnisse des Modells ausgewertet. In einer Ausführungsform kann dies die Berechnung von Dehnungs werten sein, die als Maß der mechanischen Belastung der Lunge dienen. Zusätzlich dazu wird die Sättigung des Bluts des Patienten mit Sauerstoff und Kohlendioxid anhand weite rer Output-Größen des Modells berechnet. Dies geschieht beispielsweise durch Auswer ten des simulierten Sauerstoffpartialdrucks p(Ü2) und des Kohlendioxidpartialdrucks p(C02) im venösen oder arteriellen Blut des Patienten. Das Erreichen einer vorbestimm ten, aus den Sauerstoff- bzw. Kohlendioxidpartialdrücken abgeleiteten Gassättigung im Blut, stellt eine Zwangsbedingung dar, um physiologisch sinnvolle Simulationsergebnisse zu gewährleisten. Im folgenden Schritt S4 findet eine Bewertung der berechneten Output- Größen statt, sowie eine Auswahl mindestens eines nächsten Beatmungsparameters. D.h. es können insbesondere auch mehrere nächste Beatmungsparameter parallel be stimmt werden.
In dem Bewertungs- und Auswahlschritt S4 wird unter anderem überprüft, ob die Zwangs- bzw. Nebenbedingungen erfüllt sind. Beispielsweise wird der Sauerstoffgehalt im But mit dem Referenzwert verglichen. Alternativ und/oder zusätzlich können auch für das Lungen gewebe berechnete Dehnungswerte mit vorgegebenen Dehnungsmaxima (Referenzwer ten) verglichen werden. Ausgehend von einer Verbesserungsfunktion, wird ein nächster Beatmungsparameter vorgeschlagen, welcher die Nebenbedingungen erfüllt.
Das Ziel einer möglichst optimalen, d.h. für den Patienten schonenden, Beatmung ist dann erreicht, wenn die Bewertung und Auswahl der Optimierungsgrößen in Schritt S4, an allen Orten x im Lungenmodell ein Minimum oder ein vorgebendes Gütemaßes bzw. eine vor gegebenen Referenzgröße erreicht hat und gleichzeitig die simulierte Sauerstoffsättigung im Blut des Patienten einem geforderten Mindestmaß entspricht. Die Anpassung bzw. die
Verbesserung der Parameter folgt dabei mathematischen Regeln, die im Rahmen der Er findung festgelegt und nachfolgend näher beschrieben werden. Ist ein optimaler Beat mungsparameter 0 , opt gefunden, wird dieser in Schritt S6 ausgegeben.
Das Optimierungsproblem wird im Folgenden anhand eines Beispielalgorithmus beschrie ben. Allgemein wird zunächst eine Zielfunktion F in Abhängigkeit bestimmter Output-Grö ßen des Modells definiert. Während des Optimierungsverfahrens werden die Funktions werte der Zielfunktion iterativ so verbessert, dass sich diese dem Minimum oder einer vor gegebenen Referenzgröße annähern oder diese beispielsweise unterschreiten. Dabei liegt dem Auswahlverfahren zur Bestimmung eines nächsten Beatmungsparameters das Konzept zugrunde, die Funktionswerte der Zielfunktion B über einen Gaußprozess anzu nähern, so dass mit Hilfe des Erwartungswertes des Gaußprozesses und einer Akquisiti onsfunktion eine Abschätzung zur Auswahl des nächsten geeigneten Beatmungsparame ters vorgenommen werden kann.
Im hier beschriebenen Ausführungsbeispiels wird die maximale Gewebedehnung max e(c, t) optimiert, so dass beim optimalen Beatmungsparameter ein vorgegebener Ma- x,t ximalwert für die maximale Dehnung des Lungengewebes nicht überschritten wird, bzw. alternativ ein Minimum von ma x s(x, t) bezüglich Qb gefunden wird. Die zu optimierende x,t
Funktion B ist somit nicht explizit bekannt, da kein analytischer Ausdruck der Output- Größe vorliegt. Beispielsweise sind Werte für die Gewebedehnung e(c, t) ja nur über die Simulation zugänglich.
Die Optimierung erfolgt unter Berücksichtigung von Nebenbedingungen, z.B. der Sauer stoffsättigung im Blut des Patienten, für die ebenfalls kein einfacher analytischer Ausdruck bzw. Zusammenhang zu den Eingangsgrößen des Modells existiert und deren Erfüllung daher ebenfalls nur mit Hilfe des Modells bewertet werden kann.
In eine Ausführungsform des patientenspezifischen Lungenmodells zur Bestimmung opti maler Beatmungseinstellungen existieren daher zwei Funktionen, die zur Bewertung der Ergebnisgrößen des Lungenmodells dienen. Zum einen eine Funktion B, die die
mechanische Belastung der Lunge durch die Beatmung beschreibt B (s(x, t),p(x, t)) . Die mechanische Belastung ist hier als eine Funktion von Druck und Gewebedehnung aufge fasst, kann aber auch in einer anderen Ausführungsform den Kollaps bzw. das Re-opening von Teilen der Lunge beinhalten. Zum anderen eine Funktion N, die zur Bewertung der Erfüllung einer Nebenbedingung dient N
(x, ί ,m0z c, t)). Beide Funktionen sind von den Eingangsgrößen des Modells { pinsp , pinsp, PEEP, tinsp, texp, f, Fi02, pup, pdown, ... } abhän gig·
Das Problem lässt sich grundsätzlich als nichtlineares Optimierungsproblem „O“ ohne Ne benbedingung, d.h. min(0(B, N)) formulieren oder als nichtlineares Problem mit Nebenbe dingung, d.h. min(B), N > b. Wobei b eine untere Grenze für, z.B. die Sauerstoffsättigung darstellt. In der im Folgenden beschrieben und besonders bevorzugten Ausführungsform ist das Optimierungsproblem als nichtlineares Optimierungsproblem mit Nebenbedingung formuliert, welches nach dem Ansatz der Bayes’schen Optimierung gelöst wird, so wie er in „Gardner et al. , Bayesian Optimization with Inequality Constraints“ Proceedings oft he 31 st International Conference on Machine Learning, Beijing China. JMLR: W&CP volume 32,” beschrieben ist.
Vorzüge der Bayes’schen Optimierung im Kontext der Optimierung des Beatmungspara meters einer Lungenmaschine sind seine Eigenschaften als globales Optimierungsverfah ren. Ein weiterer Vorteil für die vorliegende Anwendung wird darin gesehen, dass kein Gradient der zu optimierenden Funktion benötigt wird, bzw. das Verfahren muss diesen nicht mittels eines Finite-Differenzen-Verfahren approximieren. Der größte Vorteil der Op timierung nach Bayes für das vorliegende Optimierungsproblem wird darin gesehen, dass das Verfahren sehr effizient ist, d.h. es sind relativ wenige Modellauswertungen nötig, um einen optimierten Parameter bereit zu stellen und das Verfahren kann zur weiteren Effi zienzsteigerung noch parallelisiert werden. Folglich können einem Patienten in kurzer Zeit, beispielsweise nach einer Anfrage einer Klinik bei einem dieses Optimierungsmodell be reitstellenden Dienstleister, optimierte Beatmungsparameter geliefert werden.
In der hier beschriebenen Ausführungsform wird ein „optimaler“ Parameter 0 , o t wie folgt definiert. Die Menge an Sauerstoff, die von der Lunge in den Körper des Patienten
transportiert wird muss so groß sein, dass die Sauerstoffsättigung im Blut über einem vor bestimmten Referenzwert liegt. Dieser ist z.B. als Schwellenwert festgelegt mit bspw. S02 = 90%, kann in anderen Szenarien jedoch auch niedriger oder höher sein. Diese Neben bedingung zur Lösung des Optimierungsproblems in H{m£q2 (c, ί), mq2 (c, ΐ)) zusammenge fasst. In Fig. 2 wird in Schritt S3 „Auswertung des Lungenmodells“ diese Bedingung über prüft. Weiter soll bei dem „optimalen“ Parameter 0b, opt bspw. die maximale Dehnung der ACs Cmax in der Lunge des Patienten möglichst klein sein. Hierbei wird zum Beispiel das absolute Maximum der in der Lunge auftretenden Dehnung ausgewertet, beispielsweise sowohl bzgl. des Ortes x als auch bezüglich der zeit t. Zur Auswertung wird mindestens ein kompletter Atemzug betrachtet. Da es sich bei dem im Lungenmodell verwendeten Elastizitätsmodells der ACs um ein dimensionsreduziertes Modell mit der Dimension Null („D-0“) handelt, ist die Dehnung keine Tensor sondern ein Skalar. Dies verringert die Re chenzeit oder die zur Auswertung benötigte Rechenleistung. Betrachtet wird die soge nannte volumetrische Dehnung der ACs, d.h. es wird das Verhältnis zwischen Ausgangs volumen und aufgeblähtem Volumen berechnet. Bei der hier beschriebenen Ausführungs variante wäre entsprechend die zu optimierende Funktion B definiert als
B = max e(x, t) xen.teT
Die eingeführten mathematischen Funktionen B und N definieren damit ein Optimierungs problem bezüglich des Beatmungsparameters 0b und nicht bzgl. der Modellparameter 0m. Die Werte der Funktion B werden nun unter Berücksichtigung der Nebenbedingung N > S02, d.h. der Werte der Funktion N(0b), auf eine vorgegebene Bedingung optimiert.
Der Algorithmus zum Auffinden eines optimalen Beatmungsparameters 0b, o t basiert im Wesentlichen auf zwei Teilen: einer Methode zur Erstellung probabilistischer Regressions modelle und einer sog. Akquisitionsfunktion. Dabei findet das Konzept der Bayes’schen Optimierung Anwendung, um das folgende Optimierungsproblem zu lösen:
Q b,opt arg min
& B(6 N(0b)>A) h)
In Fig. 3 ist der Ablauf einer Optimierungsschleife schematisch dargestellt. In einem ersten Schritt wird mittels einer Monte Carlo oder Latin-Hyper-Cube Sampling ein Satz initialer Datenpunkte
} bestimmt. Der Satz umfasst z.B. J = 30 unterschiedliche Beatmungsparameter 9b init. Mit diesen statistisch bestimmten Beatmungsparametern wird das Simulationsmodell durchlaufen. Die Output-Größen des Modells werden dann in Schritt i) für die Berechnung der definierten Funktionen B und N verwendet. D.h. es ergibt sich eine statistische Verteilung der jeweils 30 Funktionswerte von N und B. Basierend auf dem Satz initialer Datenpunkte {
} werden zwei Gaußpro zesse trainiert. Im Anschluss werden mit einer Akquisitionsfunktion sukzessive weitere vielversprechende Punkte im Parameterraum ausgewählt, das Simulationsmodell ausge wertet und die Gaußprozessmodelle anschließend mit Hilfe der neuen Datenpunkte ver bessert. Dieser Vorgang wird für eine bestimmte Anzahl [1, K] = {k e N 1 1 < k < K] von Iterationen wiederholt. Folglich wird bei der Bayes’schen Optimierung immer zwischen dem Trainieren von Regressionsmodellen und der Nutzung dieser zur Vorhersage von vielversprechenden Kandidaten für das Optimum iteriert. Dabei wird in der hier beschrie bene Ausführungsform ausgehend von dem initialen Satz von J = 30 Beatmungsparame tern jeweils nur ein weiter Beatmungsparameter 9b next bestimmt und für die nächste Si mulation verwendet. Die Regressionsmodelle umfassen dann in der hier gezeigten Aus führungsform diesen weiteren Beatmungsparameter, d.h. die Modelle werden von Iteration zu Iteration immer genauer, da die Auswertung auf immer mehr Datenpunkten beruht, wodurch sich die Aussagekraft verbessert.
Im Folgenden wir nun zunächst der verwendete Regressionsansatz beschrieben und da nach die verwendete Akquisitionsfunktion.
Zunächst wird die Annahme getroffen, dass die zu optimierende Funktion B und die Ne benbedingung N jeweils als Gauß’scher Prozess modelliert werden kann, d.h. N,B~GP(ß(-), k(·)). Hierbei stellt ß(9b) = E[ß(·)] die Mittelwertfunktion bzw. den Erwar tungswert E dar und k ,· ) die Covarianzfunktion des Gaußprozesses, die wie folgt defi niert ist:
Als Konsequenz der Modellierung als Gaußprozess ergibt sich bei einem Satz gegebener Eingangsgrößen F = {0b l, 0b 2, ..., 0b H} und dazugehöriger Funktionswerte von 5(F) =
... , B 6b H)}, die folgende a posterior Wahrscheinlichkeits-Verteilung für ei nen neuen Testpunkt eb Uext. B(eb next)~p(B(eb next)\eb next, <P,B(<P ).
Da es sich um eine Gaußverteilung handelt, kann diese über den Mittelwert und die Vari anz charakterisiert werden:
Mittels der dargestellten Formeln ist nun folglich möglich, die a posterior Verteilung für einen beliebigen Punkt mit Hilfe neuer Daten zu aktualisieren. Die beschriebene Regres sionsmethode wird nun genutzt, um zwei Regressionsmodelle zu trainieren: eines für N ) und eines fürß(-).
Akquisitionsfunktion
Der wichtigste Schritt bei der Bayes’schen Optimierung ist die Bestimmung des nächsten bzw. der nächsten Kandidaten 0b next Dies geschieht mit Hilfe der Akquisitionsfunktion. Hier wird die sog. „Expected - Constrained - Improvement Funktion“ verwendet. Diese modifizierte Akquisitionsfunktion lässt sich wie folgt aus der „Expected - Improvement - Funktion“ ableiten. Dieser Vorgang ist in „Gardner et al. , Bayesian Optimization with Ine- quality Constraints“ Proceedings of the 31 st International Conference on Machine Learn- ing, Beijing China. JMLR: W&CP Volume 32,” ausführlich beschrieben. Zunächst wird hier für der bisher besten Punkt im bis dato evaluierten Datensatz T B definiert als q . Nun kann die Verbesserung, die durch einen neuen Kandidaten erreicht wird, ausgedrückt werden als:
Der Erwartungswert der Verbesserung ergibt sich dann wie folgt zunächst als:
· Nach Umformung erhält man den folgenden analyti schen Ausdruck El(ßb
wobei F die Kumulative Vertei lungsfunktion und f die Dichtefunktion einer Standardnormalverteilung darstellen. Außer- dem ist
Zur Erfüllung der Nebenbedingungen, nämlich dass gemäß der hier beschriebene Aus führungsform die Sauerstoffsättigung S02 eine untere Schwelle nicht unterschreiten darf, wird eine Erweiterung der vorgestellten Akquisitionsfunktion nach Gardner et. al vorge- schlagen. Das sogenannte „Constraint Improvement“ für einen Kandidaten 0b next ist dem nach:
wobei (ßb next) e {0,1} eine Indikatorfunktion darstellt, die 1 ist falls N(ßb next ) > Z und ansonsten Null ist, d.h. die Indikatorfunktion sortiert durch Multiplikation mit Null alle mög lichen Beatmungsparameter aus, wenn die Nebenbedingung l der Sauerstoffsättigung nicht erfüllt ist. Nachdem die Berechnung von N(ßb next) ebenso rechenaufwändig ist wie die Berechnung von B(ßb next), wird auch für N(ßb next) ein Ersatzmodell in Form eines Gaußprozesses eingeführt und anstelle des Simulationsmodells verwendet. D.h. das Gaußmodell ist ein Ersatzmodell, wobei die Suche nach einem neuen Kandidaten auf das Ersatzmodell ausgelagert wird. Dies geschieht mittels Suche des Minimums/Maximums der Aquisitonsfunktion. Durch die Gauß’sche Marginalverteilung von B(ßb next ) ergibt sich für die „Expected - Constrained Improvement“ Akquisitionsfunktion der folgende Aus- druck, der in der Optimierung verwendet wird:
wobei PF(ßb next) definiert ist als:
ln Fig. 3 ist der Ablauf einer Optimierungsschleife schematisch dargestellt. Die tatsächli che Optimierungsschleife bezieht sich auf die Verfahrensschritte i) bis iii). Zunächst wird ein Beatmungsparameter definiert, der optimiert werden soll. Hier werden bspw. die fol genden fünf Parameter zur Festlegung eines vektorwertigen Beatmungsparameters 0b gewählt. 0b — { PEEP ,pinSp, tinSp, teXp , F O }.
Nun wird für diesen Beatmungsparameter ein initiales Latin-Hyper-Cube-Design mit 30 Kandidaten
{eb init, i:3o} erstellt. Für diese 30 Punkte wird nun das Simulationsmodell ausgewertet, d.h. es werden 30 Simulationsdurchläufe gemacht und der Wert der Optimierungsfunktion B und der Nebenbedingung N berechnet. Entsprechend existiert nun der initiale Daten satz T = {0b l,3O,
Auf Basis dieses Datensatzes T wird nun jeweils ein Gaußprozessmodell trainiert. Dann werden die in Fig. 3 schematisch dargestellten folgen den drei Schritte i) bis iii) z.B. K = 20 Mal in der angegebenen Reihenfolge wiederholt wobei hier mit Schritt ii) begonnen werden soll: Schritt ii): Mithilfe der Akquisitionsfunktion wird in Schritt ii) „Bewertung und Auswahl“ ein neuer Kandidat θb ,next berechnet bzw. ausgewählt. Ebenso kann eine Bewertung der be rechneten Funktionswerte B(ßb next) erfolgen, um zu prüfen, ob eine vorbestimmten Referenzgröße der mechanischen Belastung B(e(ßb next),-p(ßb next)) der Lunge von dem aktuellen Beatmungsparameter erfüllt wird, oder ob eine vorgegebene maximale Anzahl von Iterationen erreicht ist.
Schritt iii): Der in Schritt ii) vorgeschlagene nächste Kandidat 6b next wird an das Modell zur erneuten Berechnung bzw. Simulation übergeben. Schritt i): Es folgt die Berechnung von N(ßb next), B(ßb next).
Am Ende des Algorithmus, d.h. des Optimierungsverfahrens, wird derjenige Parameter 0b opt zurückgegeben, für den die Nebenbedingung erfüllt ist und für die die Optimierungs funktion den geringsten Wert, d.h. die geringste mechanische Belastung aufweist.
ln dieser Ausführungsform beendet der Algorithmus die Optimierung nach K = 20 Durch läufen. K wird dazu vom Anwender festgelegt. Dabei kann der Anwender zusätzlich auch ein Abbruchkriterium anwenden, wobei durch Finden eines ersten Beatmungsparameters der die Bedingungen erfüllt, das Verfahren automatisch beendet und der Beatmungspara meter an die Beatmungsmaschine ausgegeben wird.
In Fig. 4a ist eine bevorzugte Ausführungsform des Systems zur patientenspezifischen Bestimmung eines optimalen Beatmungsparameters schematisch dargestellt. Die Einzel schritte der Fig. 4a sind wie folgt beschrieben: 4a_1: Bildgebung, Erfassung zusätzlicher Daten; 4a_2: Freigabe, Pseudonymisierung; 4a_3: Datentransfer von Klinikserver an Ex tern, bspw. an Cloud-Computing-Umgebung; 4a_4: Rechenmodellerzeugung; 4a_5: Opti mierung der Beatmungseinstellungen bzw. Auffinden von 0ö opt; 4a_6: Datentransfer PEEP, pinsp, f, tinsp, texp, Fi02, etc.; 4a_7: Autorisierung; 4a_8: Anwendung. In der hier dar gestellten Ausführungsform Fig. 4a wird das Modell durch Daten eines Computertomogra phen patientenspezifisch aufgebaut. Zudem wird eine patientenspezifische Beatmungs kurve an das Modell zur patientenspezifischen Kalibrierung geliefert. Die patientenspezifi schen Daten werden von der Klinik digital an eine externe Computing Umgebung übertra gen, welche beispielsweise in Form eines Rechenservers bei einem Cloud-Computing An bieter, oder als lokaler Rechenserver bereitgestellt wird. Alternativ könnte auch nur die Modellberechnung, d.h. der rechenintensive Teil des Modells bei einem Cloud-Computing Anbieter erfolgen und die tatsächliche Optimierung der Beatmungsparameter beispiels weise von einem weiteren Anbieter oder in der Klinik erfolgen. Insbesondere sind darunter sogenannte „Software as a Service“ Konzepte zu verstehen, welche einer Klink oder ei nem Arzt zum Betreiben des Beatmungsgerätes die optimierten Beatmungsparameter des Patienten bereitstellen. Diese können dann auf patientenspezifischen, d.h. beispielsweise auf mittels CT-Daten, Beatmungsmessungen gewonnen Daten basieren oder aus einer patientenspezifischen Datenbank resultieren, oder aus einer die Vorerkrankung typisie renden allgemeinen Patientendatenbank.
Der von dem Modell für den Patienten bestimmte spezifisch optimale Beatmungsparame ter wird dann wieder digital an die Klinik zurück geliefert. Von dort gelangen die Daten an
eine Beatmungsmaschine, die mittels des berechneten optimalen Beatmungsparameters konfiguriert wird.
Alternativ kann das Modell auch auf einer Recheneinheit der Beatmungsmaschine direkt implementiert sein wie in Fig. 4b schematisch dargestellt. Die Einzelschritte der Fig. 4b sind wie folgt beschrieben: 4b_1: Bildgebung, Erfassung zusätzlicher Daten; 4b_2: Frei gabe, Pseudonymisierung; 4b_3: Datenzugriff auf Klinikserver von Beatmungsmaschine bzw. in Klinik; 4b_4: Rechenmodellerzeugung; 4b_5: Optimierung der Beatmungseinstel lungen bzw. Auffinden von 0ö opt; 4b_6: Datenbereitstellung PEEP, pinsp, f, tinsp, texp, Fi02, etc.; 4b_7: Autorisierung; 4b_8: Anwendung. Hier werden die patientenspezifischen Da ten, mindestens umfassend die ausgewerteten computertomographischen Aufnahmen der Patientenlunge, von einem Klinikserver direkt an die Beatmungsmaschine übertragen. Das Beatmungsgerät kann im Anschluss voll automatisch für eine optimale patientenspe zifische Beatmung sorgen, indem die Berechnung der optimalen Parameter auf einer Re cheneinheit der Beatmungsmaschine durchgeführt wird. D.h. das Lungenmodell kann auf einer Recheneinheit der Beatmungsmaschine implementiert sein, so dass auf der Beat mungsmaschine simuliert wird, oder alternativ sorgt die Beatmungsmaschine dafür, dass eine externe Recheneinheit zur Simulation hinzugezogen wird und die Auswahl des/der nächsten Beatmungsparameter(s) auf der Beatmungsmaschine durchgeführt wird, d.h. insbesondere der Simulationsschritt ii) zur Bewertung und Auswahl des/der nächsten Be- atmungsparameter(s).
In einer weiteren in Fig. 4c gezeigten Alternative ist das Modell auf einem Simulationsser ver, welcher sich in der Klinik befindet implementiert, wie auch der Computertomograph und die Beatmungsmaschine. Die Einzelschritte der Fig. 4c sind wie folgt beschrieben: 4c_1 : Bildgebung, Erfassung zusätzlicher Daten; 4c_2: Freigabe, Pseudonymisierung; 4c_3: Datenzugriff auf Klinikserver; 4c_4: Rechenmodellerzeugung; 4c_5: Optimierung der Beatmungseinstellungen bzw. Auffinden von 0b opt 4c_6·. Datentransfer, Datenzugriff PEEP, pinsp, f, tnsp, texp, Fi02, etc.; 4c_7: Autorisierung; 4c_8: Anwendung. Die patienten spezifischen Daten, z.B. Bilddaten werden an diesen Simulationsserver geliefert. Der Si mulationsserver kann die Bilddaten zu 3D Strukturdaten aufbereiten, auf welchen das Lun genmodell aufbaut, bspw. mittels eines auf künstlicher Intelligenz oder Maschinenlernen
basierendem Algorithmus. Die Optimierungs- und Simulationsschritte durch welche der optimale Parameter bestimmt wird, erfolgen auf dem Simulationsserver der Klinik und wer den im Anschluss an das Beatmungsgerät geliefert.
Fig. 5 zeigt eine Ausführungsform eines Systems 100 aufweisend die folgenden Kompo nenten: eine Datenverarbeitungseinheit 120 eine Beatmungsmaschine 130, einen Com putertomographen (CT) 140 sowie einen Server 150. Die aufgezählten Einheiten sind mit einander vernetzt, so dass digitale Daten zwischen den Einheiten des Systems 100 aus getauscht werden können, im Sinne einer datenlogistischen Prozesskette. Die Komponen ten des Systems 100 können an unterschiedlichen Räumlichkeiten lokal voneinander ge trennt arbeiten, wie es durch die gestrichelten Linien 160 angedeutet ist. D.h. die Kompo nenten des Systems bilden ein Netzwerk, welches den Austausch digitaler Daten unterei nander ermöglicht. Insbesondere unter Berücksichtigung eines verschlüsselten, z.B. per sonalisierten Zugriffs, insbesondere patientenspezifischer Daten beim Austausch der Da ten zwischen den Komponenten des Systems 100. Zum Beispiel befindet sich der CT 140 in einer Klinik A und der Server 150 befindet sich in einer weiteren Klinik B oder bei einem Dienstleister, beispielsweise einem Anbieter einer Rechen-Cloud. Die Beatmungsma schine 130 befindet sich innerhalb derselben Klink A wie der CT 140 oder an derselben Klinik B wie der Server 150 oder an einer weiteren, anderen Klinik C. In einer bevorzugten Ausführungsform befindet sicher der CT 140 zusammen mit der Beatmungsmaschine 130 in der Klinik A. Der Server 150 befindet sich ebenfalls innerhalb der Klinik A. Der Server 150 umfasst mindestens eine Speichereinheit 152, sowie mindestens eine Recheneinheit (CPU) 151. Der Server 150 transferiert die patientenspezifischen „CT“ Bilddaten auf An frage, beispielsweise durch Anfrage der Datenverarbeitungseinrichtung 120 an die Daten verarbeitungseinrichtung 120. Die Datenverarbeitungseinrichtung 120 weist eine Bedien einheit 121 , sowie einen Recheneinheit 124 auf. Die Bedieneinheit 121 umfasst einen Pro zessor (CPU) als auch eine Speichereinheit. Die Bedieneinheit 121 ist beispielweise durch einen Personalcomputer umgesetzt und erlaubt es einem Benutzer die Anfrage zum Transfer patientenspezifischer Daten zu initialisieren. Weiter ermöglicht die Bedieneinheit 121 dem Benutzer den Start der Optimierung zum Auffinden optimaler Beatmungseinstel lungen. Die Recheneinheit 122 der Datenverarbeitungseinrichtung 120 kann lokal getrennt von der Bedieneinheit sein. Die Recheneinheit 122 ist idealer Weise durch einen Server
ausgebildet, welcher insbesondere über eine hohe Rechenkapazität verfügt. Die Rechen einheit besteht daher aus mindestens einer CPU 123 und mindestens einer Speicherein heit 124, wobei in dieser bevorzugten Ausführungsform, das Lungenmodell auf der Re cheneinheit 122 implementiert ist, oder auf dieser von außerhalb der Datenverarbeitungs einrichtung 120 auf dieser installiert werden kann.
Die Bedieneinheit kann dabei auch T eil des Servers 122 sein. Ein Benutzer empfängt über die Bedieneinheit 121 einen Satz von CT-Bilddaten des Servers 150. Von der Bedienein heit 121 wird der Satz an Bilddaten an die Recheneinheit 122 weitergeleitet und der Be nutzer initialisiert über die Bedieneinheit 121 die Auswertung des Satzes von CT- Bilddaten, um den zur Modellierung notwendigen 3D geometrischen Strukturdatensatzes der Lunge dem Modell bereit zu stellen. Zusätzlich empfängt oder lädt der Benutzer über die Bedieneinheit 121 eine patientenspezifische Beatmungskurve von dem Server 150 herunter. Dieser Vorgang kann insbesondere auch automatisiert von der Software ausge führt werden. Alternativ kann die Beatmungskurve auch von einer beliebigen Patientenda tenbank heruntergeladen werden. Nach Kalibrierung des Modells mit der Beatmungskurve startet der Benutzer die Simulation, welche idealerweise automatisch den optimalen Be atmungsparameter bereitstellt und über den Server 150 an die Beatmungsmaschine 130 liefert.
In einer alternativen Ausführungsform kann die Recheneinheit 122 beispielsweise bei ei nem Dienstleister, welcher insbesondere zur Simulation des Lungenmodells eine hohe Rechenkapazität zur Verfügung stellt ausgelagert sein, wobei insbesondere die parallele Berechnung mehrerer optimaler Beatmungsparameter erfolgen kann, beispielsweise durch mehrfaches, paralleles Auswählen nächster Kandidaten mittels einer oder mehrerer Akquisitionsfunktionen. Die beispielsweise als Simulationsserver ausgebildete Rechen einheit 150 umfasst in einerweiter bevorzugten Ausführungsform ebenfalls einen Algorith mus zur Bereitstellung der Strukturdaten aus den transferierten, patientenspezifischen CT- Daten, insbesondere basierend auf einer künstlichen Intelligenz zum Erkennen relevanter Lungenspezifischer Merkmale aus den CT -Schichtaufnahmen eines Patienten. Der Server 150 transferiert diese Daten an die Recheneinheit 122. Alternativ kann der Simulations server 150 auch die Simulation des Lungenmodells ausführen, wenn dieser mit
entsprechender Rechenkapazität ausgestattet ist, oder auf diese zurückgreifen kann und die Optimierung der Beatmungsparameter erfolgt durch einen externen Dienstleister, wel cher über die Datenverarbeitungseinheit 120 verfügt.
In Fig. 6 ist eine bevorzugte Ausführungsform einer Beatmungsmaschine 230, welche diese schematisch darstellt. Die Beatmungsmaschine 230 umfasst dabei eine Steuerungs einheit 235, zur Steuerung der Beatmung mittels Beatmungsparameter. Weiter umfasst die Beatmungsmaschine 230 eine Datenverarbeitungseinrichtung 231. Wie mittels der ge strichelten Linien 260 angedeutet, ist die Beatmungsmaschine 230 von einem Server 250 und dem CT 240 räumlich getrennt angeordnet. Beispielsweise befindet sich der CT 240 und der Server 250 gemeinsam in einer Klinik A, wobei die sich Beatmungsmaschine 230 in einerweiteren Klinik B befinden kann. Die Beatmungsmaschine 230 bildet mit dem CT 240 und dem Server 250 ein Netzwerk zum Austausch von Daten, insbesondere von pa tientenspezifischen Daten, umfassend die Zugriffsrechte zur Übertragung der patienten spezifischen Informationen, die mit dem Datenaustausch verbunden sind.
Die Beatmungsmaschine 230 weist eine Datenverarbeitungseinrichtung 231 auf, die wie derum eine Bedieneinheit 234 umfasst, mit der ein Benutzer, beispielsweise ein Arzt, die Beatmungsmaschine 230 bedient und insbesondere die Bestimmung optimaler Beat mungsparameter initialisieren kann und insbesondere die mindestens eine Beatmungs kurve zur Kalibrierung des Lungenmodells erzeugen und auswerten kann. In dieser be sonders bevorzugten Ausführungsform ist das Lungenmodell und das Optimierungsver fahren auf der Beatmungsmaschine implementiert, so dass die Optimierungsschritte zum Auffinden optimaler patientenspezifische Daten auf der Beatmungsmaschine 230 mindes tens teilweise oder vollständig durchgeführt oder koordiniert werden können. Beispiels weise kann die Beatmungsmaschine 230 Datensätze oder Berechnungen auch auf einen externen Datenserver auslagern, welcher geeignet ist, Lungensimulationen auszuführen. Dazu verfügt die Beatmungsmaschine über eine Recheneinheit 232 mit einer Speicher einheit 235 und mindestens einem Prozessor (CPU), der über eine hohe Rechenleistung verfügt, so dass die Optimierungsschritte i) - iii), umfassend das Bereitstellen der initialen Parameter mittels Monte Carlo oder Latin-Hyper-Cube Sampling, ausgeführt werden kön- nen.
Zusätzlich kann idealerWeise die Datenverarbeitungseinrichtung die 3D CT-Bilddaten zur benötigten Strukturgeometrie des Lungenmodells aufbereiten. In einem konkreten Anwen dungsfall, befindet sich die Beatmungsmaschinen 230 in einem Krankenhaus, in welchem sich sowohl der CT 240 als auch der Server 250 befinden. Auf Anfrage eines Arztes über die Bedieneinheit 234 der Beatmungsmaschine 230 werden die patientenspezifischen CT - Bilddaten an die Maschine 230 von dem Tomographen 240 über den Server 250 transfe riert oder befinden sich bereits auf dem Server 250 und werden im Anschluss direkt von Datenverarbeitungseinrichtung 231 der Beatmungsmaschine 230 für das Modell struktu rell aufbereitet. Idealerweise kann parallel dazu eine Beatmungskurve des Patienten für die Kalibrierung des Modells am Patienten mit der Beatmungsmaschine 230 aufgezeich net und ausgewertet werden. Die auf der Beatmungsmaschine 230 implementierte Soft ware verarbeitet im Anschluss daran die inzwischen bereit gestellten 3D CT-Bilddaten und baut damit die 3D-Geometrie des Lungenabbilds digital auf. Idealerweise wird eine Kalib rierung mittels der Beatmungskurve automatisch von der Recheneinheit 232 durchgeführt. Ein Arzt kann dann die Optimierung auf der Beatmungsmaschine 230 durchführen, so dass im Anschluss der optimale Beatmungsparameter direkt an die Steuereinheit 235 der Beatmungsmaschine 230 geliefert wird.
Fig. 7 zeigt eine weitere Ausführungsform der Erfindung, bei welcher keine Bildgebung stattfindet. Stattdessen macht der Bediener einen Beatmungsvorschlag, welcher mindes tens zwei Beatmungsparameter umfasst und welcher gleichzeitig als Signal für eine Frei gabe und Pseudonymbildung des Austausche patientenspezifisch Daten gelten kann. Die Einzelschritte der Fig. 7 sind wie folgt beschrieben: 7_1 : Beatmungsvorschlag PEEP, pinsp, f.tinsp, texp, Fi02, etc.; 7_2: Datentransfer PEEP, pinsp, f.tnsp, Fi02, etc.; 7_3: Rechenmo dellerzeugung; 7_4: Modellauswertung; 7_5: Datentransfer, Rückmeldung bzgl. Auswir kungen der Einstellungen auf die Patientenlunge, z.B. max. Dehnung, 02-Perfusion etc.; 7_6: Entscheidung ja nein; 7_7: ggf. Anwendung. Die Daten des Beatmungsparameter vorschlags, beispielsweise eines Arztes, welcher sich in diesem Falle auch an einem an deren Ort als dem, der Beatmungsmaschine befinden kann, werden dann an den Spei cher- bzw. Berechnungsort, zumeist an einen Cloud-Server für die Simulation und Opti mierung, übermittelt. Dabei kann das Beatmungsgerät durch den
Beatmungsparametervorschlag idealerweise über das Netzwerk von dem externen Bedie ner konfiguriert und hinsichtlich des erzielten Ergebnisses in Form beispielsweise patien tensensitiver Lungendaten, wie der Gewebedehnung überwacht werden. Der externe Be diener kann in dieser Ausführungsform die Optimierung insbesondere nach einer Anzahl von Iterationen abbrechen. Zu dem gemachten Beatmungsparametervorschlag können idealerWeise zusätzliche Patientendaten anderer Ausführungsformen mit übermittelt wer den, um das Rechenmodell der Lunge zu erzeugen bzw. zu personalisieren, z.B. struktur geometrische Daten der Lunge des Patienten. Im anschließenden Schritt erfolgt mindes tens eine Modellauswertung, welche Ergebnisdaten in Form von fluid- und strukturmecha- nischen Größen, Daten zum Gasaustausch, chemischer Reaktionen und weitere mit dem Berechnungsmodell der Lunge ermittelbaren Informationen generiert. Hierbei ergibt eine erste Auswertung eine punktuelle Abfrage des Lungenverhaltens bzgl. des Beatmungs vorschlags, woraufhin die Optimierung weitere idealere Beatmungsparameter erzeugt und dem externen Bediener in Bezug auf deren patientenspezifische Wirkung anzeigt, bei- spielsweise als kontinuierliche, sich mit jeder Iteration erweiternde Graphik eines oder mehrerer patientenrelevanter Größen. Damit kann das Modell dem Benutzer ein auf sei nem Vorschlag basierenden Gegenvorschlag unterbreiten.
Bezugszeichen und Variablen
100,200 System
120.231 Datenverarbeitungseinrichtung
121.234 Bedieneinheit
122.232 Recheneinheit
123.233 Prozessor (CPU)
124.235 Speichereinheit
130,230 Beatmungsmaschine
140,240 Computertomograph (CT)
160,260 Räumliche Trennungslinie
150.250 Server
151.251 Recheneinheit
152.252 Speichereinheit