Fahrzeugkomponente zur Bereitstellung wenigstens eines Dienstes in einem
Fahrzeug mit einer Vorfiltereinheit
Beschreibung
Die vorliegende Erfindung betrifft eine Fahrzeugkomponente und ein Verfahren zur Bereitstellung wenigstens eines Dienstes in einem Fahrzeug.
Es ist aus dem Stand der Technik bekannt, dass Fahrzeugkomponenten in einem Fahrzeug mittels einer Service-Orientierten Architektur (SOA) miteinander verbunden werden können. Beispielhaft wird hier auf die Schrift WO 2018/127790 A2 verwiesen, in welcher die Verwendung einer SOA und entsprechender Dienste in einem Fahrzeug offenbart ist. Dies führt zu einer Änderung in der Kommunikationsstruktur (Schnittstellen und Protokollen), die in die elektronischen Fahrzeugkomponenten Einzug erhalten. Ein Merkmal der SOA ist der Service-Discovery (SD) Dienst, welcher gemäß AUTOSAR (AUTomotive Open System ARchitecture) in der SOME/IP (Scalable Service-Oriented Middleware over IP) Struktur über den Bus gesendet wird. SOME/IP ist ein aus dem Stand der Technik bekanntes Kommunikationsprotokoll, welches im Zusammenhang mit AUTOSAR verwendet wird. Mit dieser Funktionalität „SOME/IP-SD“ ist es möglich, flexible Dienste/Services im Netzwerk zu koordinieren, um gewünschte Dienste zu identifizieren und zu abonnieren. Hinsichtlich der Spezifikationen des vorgenannten SOME/IP und SOME/IP-SD Protokolls wird auf die entsprechende öffentlich zugängliche Dokumentation (AUTOSAR, „SOME/IP Service DiscoveryProtocol Specification,“ 2017) verwiesen.
Im SD-Protokoll findet die Koordination der Dienste typischerweise durch Nachrichten (nachfolgend auch als Diensterkennungsnachrichten bezeichnet) statt, welche als Multicast versendet werden. Das führt dazu, dass die Nachrichten von den meisten Steuergeräten im Netzwerk ausgewertet werden müssen, obwohl sie ggf. den entsprechenden Dienst weder anbieten noch benötigen. Diese Logik ist
herkömmlicherweise eine reine Softwarelösung und erzeugt daher eine große Auslastung auf den Mikrocontrollern.
Es ist daher eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung, die voranstehend beschriebenen Nachteile zumindest teilweise zu beheben. Insbesondere ist es Aufgabe der vorliegenden Erfindung, die Belastung der Auswertung von Diensterkennungsnachrichten wie den SD-Nachrichten zu reduzieren.
Die voranstehende Aufgabe wird gelöst durch eine Fahrzeugkomponente mit den Merkmalen des Anspruchs 1 und durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs 13. Weitere Merkmale und Details der Erfindung ergeben sich aus den jeweiligen Unteransprüchen, der Beschreibung und den Zeichnungen. Dabei gelten Merkmale und Details, die im Zusammenhang mit der erfindungsgemäßen Fahrzeugkomponente beschrieben sind, selbstverständlich auch im Zusammenhang mit dem erfindungsgemäßen Verfahren, und jeweils umgekehrt, sodass bezüglich der Offenbarung zu den einzelnen Erfindungsaspekten stets wechselseitig Bezug genommen wird bzw. werden kann.
Die Aufgabe wird insbesondere gelöst durch eine Fahrzeugkomponente zur Bereitstellung wenigstens eines Dienstes in einem Fahrzeug, wobei die Fahrzeugkomponente nachfolgende Teile aufweisen kann: wenigstens eine (insbesondere elektronische) Verarbeitungseinheit, wie ein Prozessor, zur Durchführung einer Datenverarbeitung, um (über die Datenverarbeitung) den wenigstens einen Dienst auszuführen, vorzugsweise sodass dieser Dienst durch die Fahrzeugkomponente für weitere Fahrzeugkomponenten des Fahrzeuges bereitgestellt werden kann, welche den Dienst somit für eigene und/oder übergeordnete Dienste nutzen können, bevorzugt gemäß der SOA und/oder SOME/IP (letztere insbesondere als Möglichkeit, die SOA in die Steuergeräte des Fahrzeuges zu integrieren), wenigstens eine (insbesondere elektrische und/oder elektronische) Datenschnittstelle zur Verbindung mit wenigstens einem
Datenübertragungsnetzwerk des Fahrzeuges, um Daten für die Datenverarbeitung bei der Ausführung des Dienstes zu empfangen und/oder zu senden, und/oder um (wenigstens) eine Diensterkennungsnachricht zur Dienstkoordination (insbesondere also Koordination im
Datenübertragungsnetzwerk bspw. gemäß SOA bzw. SOME/IP) zu empfangen, eine (insbesondere elektronische) Vorfiltereinheit zur Durchführung einer Relevanzprüfung der (wenigstens einen) empfangenen Diensterkennungsnachricht, insbesondere anhand einer Dienstvorgabe (der Fahrzeugkomponente), um die Diensterkennungsnachricht in Abhängigkeit von der Relevanzprüfung an die Verarbeitungseinheit weiterzuleiten.
Damit kann die Vorfiltereinheit der Verarbeitungseinheit vorgeschaltet sein, um die Relevanz der Diensterkennungsnachricht für die Verarbeitungseinheit zu prüfen, noch bevor die Verarbeitungseinheit die Diensterkennungsnachricht auswerten muss.
Sofern hierbei durch die Vorfiltereinheit festgestellt wird, dass die Relevanz der Diensterkennungsnachricht für die Verarbeitungseinheit unzureichend ist, kann die Weiterleitung unterbunden werden. Dies hat den Vorteil, dass die Auslastung der Verarbeitungseinheit drastisch reduziert werden kann. Die Vorfiltereinheit kann hierzu wenigstens einen integrierten Schaltkreis umfassen, oder in einen Mikrocontroller integriert sein. Weiter kann die Vorfiltereinheit die Relevanzprüfung ohne Unterstützung der Verarbeitungseinheit - und damit insbesondere autark zur Verarbeitungseinheit - durchführen.
Die Fahrzeugkomponente kann bspw. als ein Steuergerät oder ein Sensor oder ein Aktuator des Fahrzeuges ausgebildet sein, um ein oder mehrere Fahrzeugfunktionen bereitzustellen. Das Fahrzeug ist z. B. ein Personen kraftfahrzeug oder ein Lastkraftfahrzeug, welches ggf. wenigstens einen Fahrassistenten und/oder eine autonome Fahrfunktion und/oder einen Radarsensor zur Überwachung der Umgebung des Fahrzeuges und/oder ein elektronisches Lenksystem und/oder dergleichen umfasst, welche jeweils durch den wenigstens einen Dienst betrieben werden können. Entsprechend kann der Dienst beispielhaft als eine Radardetektion oder als eine
Lenkradwinkelbestimmung oder dergleichen ausgeführt sein. Durch die Nutzung einer SOA, d. h. einer serviceorientierten Architektur (englisch service-oriented architecture) können diese Dienste gekapselt und koordiniert werden. Damit können die Dienste, welche durch einzelne Fahrzeugkomponenten angeboten werden, zu höheren Diensten (wie den vorgenannten Fahrzeugfunktionen, z. B. einer Fahrassistenzfunktion) zusammengefasst werden. Auch ist die dynamische Einbindung von Diensten möglich. Ein Dienst ist damit dynamisch gebunden, d. h. bei der Erstellung einer Anwendung (wie bei den vorgenannten Fahrzeugfunktionen), die einen Dienst nutzt, braucht der Dienst zunächst nicht vorhanden zu sein. Er wird erst bei der Ausführung lokalisiert und eingebunden. Damit ist es notwendig, die Koordination der Dienste durch die Diensterkennungsnachrichten durchzuführen. Im Datenübertragungsnetzwerk können die Fahrzeugkomponenten, welche Dienste zur Verfügung stehen, miteinander in Kommunikationsverbindung stehen. Die Aussendung der Diensterkennungsnachrichten in diesem Datenübertragungsnetzwerk kann dabei als Multicast erfolgen, sodass sämtliche der mit dem Datenübertragungsnetzwerk verbunden Fahrzeugkomponenten die ausgesendeten Diensterkennungsnachrichten empfangen können und ggf. immer eine Auswertung der empfangenen Nachrichten vorgesehen ist. Da diese häufige Auswertung - insbesondere bei Fahrzeugkomponenten - zu massiven Problem hinsichtlich der Auslastung der Fahrzeugkomponente führen kann, ist erfindungsgemäß die Vorfiltereinheit vorgesehen. Diese ermöglicht es, ohne Verwendung der Verarbeitungseinheit bereits eine Relevanzprüfung der Diensterkennungsnachricht durchzuführen, und somit zur Koordination der Dienste beizutragen. Die Verarbeitungseinheit kann z. B. als eine Datenverarbeitungsvorrichtung wie ein Prozessor einer Elektronikanordnung der Fahrzeugkomponente ausgebildet sein. Die Vorfiltereinheit kann ebenfalls ein Elektronikbestandteil (d. h. eine Elektronikkomponente wie eine Anordnung von elektronischen Bauelementen oder ein separater integrierter Schaltkreis oder ein separater Teil eines Mikrocontrollers) der Elektronikanordnung der Fahrzeugkomponente sein, und zur Datenverarbeitung ausgeführt sein. Ferner kann die Elektronikanordnung wenigstens einen Speicher mit wenigstens einem Computerprogramm aufweisen, welches Befehle umfasst, um bei
der Ausführung durch die Verarbeitungseinheit und/oder die Vorfiltereinheit das erfindungsgemäße Verfahren auszuführen.
Es kann möglich sein, dass das Datenübertragungsnetzwerk dazu ausgeführt ist, die Datenübertragung mittels SOME/IP durchzuführen, sodass auch die Datenschnittstelle als eine SOME/IP Schnittstelle ausgebildet sein kann. Damit kann die Datenschnittstelle dazu dienen, die Verwendung der Fahrzeugkomponente innerhalb einer AUTOSAR-gemäßen Architektur zu ermöglichen.
Gemäß der Erfindung kann eine SOA (Service-Orientierte Architektur) im Fahrzeug vorgesehen sein. Dabei sind verschiedenen Steuergeräte, Sensoren und Aktuatoren im Fahrzeug über die SOA-Struktur miteinander vernetzt. Um dies zu ermöglichen, können die teilnehmenden elektronischen Fahrzeugkomponenten, insbesondere also die Steuergeräte, die entsprechenden Schnittstellen und Protokolle unterstützen. In entsprechender Weise kann auch die erfindungsgemäße Fahrzeugkomponente als eine solche teilnehmende elektronische Fahrzeugkomponente, insbesondere als ein Steuergerät, ausgeführt sein, welche als die Schnittstelle die Datenschnittstelle zum Datenübertragungsnetzwerk aufweist. Die erfindungsgemäße Fahrzeugkomponente kann somit einen der Clients im SOA Netzwerk ausbilden. Zum Auffinden bzw. Anbieten von Diensten (Services), die im dem SOA-Netzwerk verteilt abgelegt sind, durch die Clients bzw. durch einen Server werden sogenannte Find- bzw. Offer- Services genutzt. Diese werden typischerweise im sogenannten Multicast-Betrieb ausgeführt, d.h. die Nachrichtenübertragung erfolgt von einem Punkt zu einer Gruppe von Teilnehmern (Mehrpunktverbindung). Für das Auffinden von Diensten werden somit Diensterkennungsnachrichten im Datenübertragungsnetzwerk versendet, welche von mehreren uns insbesondere sämtlichen Clients empfangen werden. Diese Nachrichten umfassen eine Dienstanfrage, welche hierzu eine Information über den angefragten Dienst wie bspw. eine Dienst-ID umfasst. Dies führt nun wiederum dazu, dass die entsprechenden Dienstanfragen und auch Dienstangebote auch von Teilnehmern (Fahrzeugkomponenten) des Fahrzeuges ausgewertet werden, obwohl diese den entsprechenden Service nicht anbieten oder benötigen. Dies wiederum
bringt eine nachteilige starke Auslastung der Mikrocontroller mit sich. In vorteilhafter Weise kann daher erfindungsgemäß die entsprechenden Anfrage-/Angebots- Nachrichten gefiltert werden, bspw. anhand von Daten im Header und/oder in sogenannten Service Entries gefiltert werden, und so eine unnötige Weiterverarbeitung verhindert werden.
Es kann ferner möglich sein, dass die Verarbeitungseinheit dazu ausgeführt ist, den wenigstens einen Dienst als Teil eines Dienstangebots der Fahrzeugkomponente auszuführen, und/oder dass die Vorfiltereinheit zur Durchführung der Relevanzprüfung über einen Vergleich der Diensterkennungsnachricht mit dem Dienstangebot ausgeführt ist, um die Diensterkennungsnachricht in Abhängigkeit von dem Vergleich an die Verarbeitungseinheit weiterzuleiten. Im geschilderten Fall wird somit durch die Diensterkennungsnachricht nach einem Dienst gesucht. Es handelt sich dann um einen Find-Service, sodass die entsprechende Diensterkennungsnachricht auch als Dienstanfragenachricht bezeichnet werden kann. Die Vorfiltereinheit kann somit als ein SD-Filter für den Find-Service aufgefasst werden. Es ist aber auch denkbar, dass SD-Filter für die anderen Services (wie Offer-Services) nach der gleichen Struktur angelegt werden. Dann kann der Vergleich durch die Vorfiltereinheit dahingehend erweitert werden, dass die Diensterkennungsnachricht (dann in der Form einer Dienstangebotsnachricht) mit einem Dienstwunsch verglichen wird. Sowohl der Dienstwunsch als auch das Dienstangebot können (z. B. in der Form von Lookup- Tabellen) in einer Dienstvorgabe hinterlegt sein.
Es kann optional möglich sein, dass die Datenschnittstelle dazu ausgeführt ist, die Diensterkennungsnachricht in der Art einer Dienstanfragenachricht zur Anfrage eines gewünschten Dienstes zu empfangen, und die Vorfiltereinheit dazu ausgeführt ist, die Diensterkennungsnachricht in Abhängigkeit von dem Vergleich an die Verarbeitungseinheit weiterzuleiten, wenn der angefragte Dienst in dem Dienstangebot vorhanden ist. Damit kann zuverlässig einerweiteren SOA-fähigen Fahrzeugkomponente mitgeteilt werden, wenn der gewünschte Dienst vorhanden ist,
um in Zusammenarbeit dieser Fahrzeugkomponenten einen übergeordneten Dienst bereitzustellen.
Gemäß einer vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung kann vorgesehen sein, dass die Vorfiltereinheit dazu ausgeführt ist, die Diensterkennungsnachricht nur dann in Abhängigkeit von dem Vergleich an die Verarbeitungseinheit weiterzuleiten, wenn der angefragte Dienst in dem Dienstangebot vorhanden ist, und somit dem wenigstens einen bereitgestellten Dienst der Fahrzeugkomponente entspricht. Somit kann eine deutliche Reduzierung der Arbeitsbelastung für die Verarbeitungseinheit stattfinden.
Vorteilhafterweise kann bei der Erfindung vorgesehen sein, dass die Vorfiltereinheit und die Verarbeitungseinheit als separate Elektronikkomponenten einer Elektronikanordnung der Fahrzeugkomponente ausgebildet sind. Diese hardwaremäßige Trennung ermöglicht es, zuverlässig die Last für die Verarbeitungseinheit zu verringern.
Bevorzugt kann im Rahmen der Erfindung vorgesehen sein, dass die Vorfiltereinheit und die Verarbeitungseinheit gemeinsam an einer Leiterplatte der Fahrzeugkomponente, insbesondere in einen gemeinsamen Mikrocontroller, integriert sind. Somit kann die Elektronikanordnung als eine kompakte und leicht zu montierende Elektronikbaugruppe für die Fahrzeugkomponente bereitgestellt werden.
Gemäß einer vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung kann vorgesehen sein, dass die Verarbeitungseinheit in der Form eines Prozessors ausgebildet ist, und/oder die Vorfiltereinheit in der Form eines dediziert für die Relevanzprüfung und die Weiterleitung ausbildeten Schaltkreises ausgebildet ist. Somit kann die Vorfiltereinheit zuverlässig die Vorfilterung der Diensterkennungsnachrichten durchführen.
Es kann bei der Erfindung vorgesehen sein, dass das Datenübertragungsnetzwerk als ein Netzwerk für eine SOA ausgebildet ist. Ebenfalls ist es denkbar, die Datenschnittstelle als eine Service Orientierte Schnittstelle ausgeführt ist, um die
Verbindung zum Datenübertragungsnetzwerk herzustellen. Beispielhaft kann die Datenschnittstelle hierzu als eine Ethernet-Schnittstelle ausgebildet sein.
Vorzugsweise kann vorgesehen sein, dass das Datenübertragungsnetzwerk als ein Ethernet ausgebildet ist. Das heißt, die Datenschnittstelle kann dazu ausgeführt sein, die Verbindung zum Datenübertragungsnetzwerk in der Form des Ethernets herzustellen, sodass die Datenschnittstelle als eine Ethernet-Schnittstelle ausgebildet sein kann. Alternativ oder zusätzlich ist es denkbar, dass das Datenübertragungsnetzwerk als CAN-Bussystem (Controller Area Network Bussystem) ausgebildet ist. Das heißt, die Datenschnittstelle kann dazu ausgeführt sein, die Verbindung zum Datenübertragungsnetzwerk in der Form des CAN- Bussystems herzustellen, sodass die Datenschnittstelle als eine CAN-Bus- Schnittstelle ausgebildet sein kann.
Außerdem kann es im Rahmen der Erfindung von Vorteil sein, dass die Vorfiltereinheit dazu ausgeführt ist, bei der Diensterkennungsnachricht eine Datenstruktur entsprechend einer SOA des Fahrzeuges auszuwerten, um die Relevanzprüfung durchzuführen. Die Datenstruktur gibt dabei bspw. vor, an welcher Position sich das dienstbezogenes Feld befindet, welches eine Information über einen gewünschten Dienst aufweist. Anhand dieser Information kann somit der Vergleich für die Relevanzprüfung stattfinden.
Vorteilhaft ist es darüber hinaus, wenn im Rahmen der Erfindung die Fahrzeugkomponente und/oder die Verarbeitungseinheit dazu ausgeführt ist, den Dienst als einen Dienst innerhalb einer SOA des Fahrzeuges bereitzustellen. Die Fahrzeugkomponente kann damit SOA-geeignet sein, um eine flexible und dynamische Bereitstellung von Diensten im Fahrzeug zu ermöglichen.
Es kann von Vorteil sein, wenn im Rahmen der Erfindung die Vorfiltereinheit als ein ASIC (Anwendungsspezifische integrierte Schaltung, engl application-specific integrated Circuit) oder ein FPGA (engl. Field Programmable Gate Array) oder ein
SOA-Adapter für die Fahrzeugkomponente ausgebildet ist. Damit kann die Verarbeitungseinheit, bspw. in der Form eines Prozessors, zuverlässig entlastet werden.
Ebenfalls Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zur Bereitstellung wenigstens eines Dienstes in einem Fahrzeug. Hierbei ist vorgesehen, dass die nachfolgenden Schritte durchgeführt werden, vorzugsweise nacheinander oder in beliebiger Reihenfolge, wobei einzelne und/oder sämtliche Schritte auch wiederholt werden können:
Durchführen einer Datenverarbeitung durch eine Verarbeitungseinheit einer Fahrzeugkomponente (des Fahrzeuges), um den wenigstens einen Dienst auszuführen,
Bereitstellen einer Verbindung mit einem Datenübertragungsnetzwerk des Fahrzeuges durch eine Datenschnittstelle der Fahrzeugkomponente, um Daten für die Datenverarbeitung bei der Ausführung des Dienstes zu empfangen und/oder zu senden, und/oder um eine Diensterkennungsnachricht zur Dienstkoordination im Datenübertragungsnetzwerk zu empfangen,
Durchführen einer Relevanzprüfung der empfangenen Diensterkennungsnachricht, insbesondere anhand einer Dienstvorgabe, durch eine Vorfiltereinheit der Fahrzeugkomponente, um die Diensterkennungsnachricht in Abhängigkeit von der Relevanzprüfung an die Verarbeitungseinheit weiterzuleiten.
Damit bringt das erfindungsgemäße Verfahren die gleichen Vorteile mit sich, wie sie ausführlich mit Bezug auf eine erfindungsgemäße Fahrzeugkomponente beschrieben worden sind. Zudem kann die bei dem erfindungsgemäßen Verfahren verwendete Fahrzeugkomponente als eine erfindungsgemäße Fahrzeugkomponente ausgebildet sein.
Auch ist es optional denkbar, dass das Durchführen der Relevanzprüfung die nachfolgenden Schritte umfasst:
Durchführen einer Datenextrahierung der Daten bei der empfangenen Diensterkennungsnachricht, vorzugsweise in Abhängigkeit von einer SOA Datenstruktur, bevorzugt gemäß SOME/IP, besonders bevorzugt aus einem SOME/IP Header nach AUTOSAR,
Durchführen einer Überprüfung der Nachrichtenart der Diensterkennungsnachricht anhand der extrahierten Daten, insbesondere aus einem Feld Message ID des SOME/IP Headers,
Durchführen einer Extrahierung mindestens eines dienstbezogenen Feldes der Diensterkennungsnachricht, insbesondere des Find Service Entrys des SOME/IP Headers,
Durchführen eines Vergleichs mindestens eines Inhalts des dienstbezogenen Feldes mit einem Inhalt der Dienstvorgabe, wobei die Dienstvorgabe Informationen über ein Dienstangebot und/oder eines Dienstwunsches der Fahrzeugkomponente umfassen kann,
Durchführen der Weiterleitung der Diensterkennungsnachricht in Abhängigkeit von dem Vergleich.
Dies hat den Vorteil, dass zuverlässig die relevanten von den nicht-relevanten Nachrichten getrennt werden können, um die nicht-relevanten Nachrichten herauszufiltern. Konkret können bei der Datenextrahierung die Daten gemäß einem SOME/IP Protokoll extrahiert werden. Die Überprüfung der Nachrichtenart kann derart erfolgen, dass überprüft wird, dass es sich bei der Diensterkennungsnachricht tatsächlich um eine solche handelt, bspw. eine SOME/IP SD (Service-Discovery) Nachricht. Mit dieser Funktionalität (wie SOME/IP-SD) ist es möglich, flexible Dienste/Services im Datenübertragungsnetzwerk zu identifizieren und ggf. zu abonnieren. Damit ein Client wie die Fahrzeugkomponente weiß, welche Dienste momentan verfügbar sind, stellt SOME/IP-SD zwei Mechanismen zur Verfügung, die das dynamische Auffinden von Services erlauben. Ein Offer-Service ermöglicht dem Server, alle von ihm angebotenen Services im Netzwerk anzubieten. Der „Find- Service“ erlaubt es den Clients stattdessen, nach verfügbaren Services zu fragen, welche bei der Fahrzeugkomponente dann z. B. im Dienstwunsch hinterlegt werden.
Weitere Vorteile, Merkmale und Einzelheiten der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung, in der unter Bezugnahme auf die Zeichnungen Ausführungsbeispiele der Erfindung im Einzelnen beschrieben sind. Dabei können die in den Ansprüchen und in der Beschreibung erwähnten Merkmale jeweils einzeln für sich oder in beliebiger Kombination erfindungswesentlich sein. Es zeigen:
Fig. 1 eine schematische Darstellung von zwei erfindungsgemäßen Fahrzeugkomponenten bei einem Fahrzeug,
Fig. 2 eine schematische Darstellung einer erfindungsgemäßen Fahrzeugkomponente,
Fig. 3 eine weitere schematische Darstellung einer erfindungsgemäßen Fahrzeugkomponente,
Fig. 4 eine schematische Darstellung einer Leiterplatte einer erfindungsgemäßen Fahrzeugkomponente,
Fig. 5 eine schematische Darstellung zur Visualisierung eines erfindungsgemäßen Verfahrens,
In den nachfolgenden Figuren werden für die gleichen technischen Merkmale auch von unterschiedlichen Ausführungsbeispielen die identischen Bezugszeichen verwendet.
In Figur 1 sind beispielhaft zwei und in den Figuren 2 bis 4 ist jeweils beispielhaft eine erfindungsgemäße Fahrzeugkomponente 10 zur Bereitstellung wenigstens eines Dienstes in einem Fahrzeug 1 gezeigt. Die in Figur 1 dargestellten Fahrzeugkomponenten 10 können dabei unterschiedliche Dienste anbieten, und daher auch unterschiedlich ausgebildet sein. In gleicher Weise können die
Fahrzeugkomponenten 10 gemäß den Figuren 1 bis 4 jedoch wenigstens eine Verarbeitungseinheit 20 zur Durchführung einer Datenverarbeitung aufweisen, um den wenigstens einen bereitgestellten Dienst auszuführen. Weiter kann eine Datenschnittstelle 30 zur Verbindung mit einem Datenübertragungsnetzwerk 2 des Fahrzeuges 1 vorgesehen sein, um Daten für die Datenverarbeitung bei der Ausführung des Dienstes zu empfangen und/oder zu senden, und um eine Diensterkennungsnachricht 210 zur Dienstkoordination im Datenübertragungsnetzwerk 2 zu empfangen.
Eine erfindungsgemäße Besonderheit ist bei den Fahrzeugkomponenten die Verwendung einer Vorfiltereinheit 40. Diese dient zur Durchführung einer Relevanzprüfung 110 der empfangenen Diensterkennungsnachricht 210, um die Diensterkennungsnachricht 210 in Abhängigkeit von der Relevanzprüfung 110 an die Verarbeitungseinheit 20 weiterzuleiten. Damit ist eine Entlastung der Verarbeitungseinheit 20 möglich, welche ansonsten selbst eine ggf. sehr hohe Anzahl an Diensterkennungsnachrichten 210 auswerten müsste, auch wenn diese keine Relevanz für den bereitgestellten Dienst haben.
Die Verarbeitungseinheit 20 kann dazu ausgeführt sein, den wenigstens einen Dienst als Teil eines Dienstangebots 220 der Fahrzeugkomponente 10 auszuführen, wobei die Vorfiltereinheit 40 zur Durchführung der Relevanzprüfung 110 über einen Vergleich 150 der Diensterkennungsnachricht 210 mit dem Dienstangebot 220 ausgeführt sein kann, um die Diensterkennungsnachricht 210 in Abhängigkeit von dem Vergleich 150 an die Verarbeitungseinheit 20 weiterzuleiten. Weiter kann die Datenschnittstelle 30 dazu ausgeführt sein, die Diensterkennungsnachricht 210 in der Art einer Dienstanfragenachricht 210 zur Anfrage eines gewünschten Dienstes zu empfangen, wobei die Vorfiltereinheit 40 dazu ausgeführt ist, die Diensterkennungsnachricht 210 in Abhängigkeit von dem Vergleich 150 an die Verarbeitungseinheit 20 weiterzuleiten, wenn der angefragte Dienst in dem Dienstangebot 220 vorhanden ist. Die Diensterkennungsnachricht 210 kann hierbei nur dann in Abhängigkeit von dem Vergleich 150 an die Verarbeitungseinheit 20
weitergeleitet werden, wenn der angefragte Dienst in dem Dienstangebot 220 vorhanden ist, und somit dem wenigstens einen bereitgestellten Dienst der Fahrzeugkomponente 10 entspricht.
Wie in den Figuren 2 bis 4 gezeigt ist, können die Vorfiltereinheit 40 und die Verarbeitungseinheit 20 als separate Elektronikkomponenten einer Elektronikanordnung 60 der Fahrzeugkomponente 10 ausgebildet sein. Dennoch können gemäß Figur 4 die Vorfiltereinheit 40 und die Verarbeitungseinheit 20 gemeinsam an einer Leiterplatte 62 der Fahrzeugkomponente 10 angeordnet sein. Im gezeigten Beispiel in den Figuren 3 und 4 sind die Vorfiltereinheit 40 und die Verarbeitungseinheit 20 physikalisch getrennt, beabstandet angeordnet, und ggf. lediglich durch Leiterbahnen elektrisch verbunden. Alternativ ist es gemäß Figur 2 vorgesehen, dass die Vorfiltereinheit 40 und die Verarbeitungseinheit 20 in einen gemeinsamen Mikrocontroller 61 integriert sind. Dennoch handelt es sich auch hier um separate Komponenten, welche jeweils selbstständig die Datenverarbeitung durchführen können. Besonders vorteilhaft ist es, wenn die Vorfiltereinheit 40, im Gegensatz zur Verarbeitungseinheit 20, in der Form eines dediziert für die Relevanzprüfung 110 und die Weiterleitung ausbildeten Schaltkreises ausgebildet ist.
In Figur 5 ist mit weiteren Einzelheiten ein erfindungsgemäßes Verfahren dargestellt. Dabei kann das Durchführen der Relevanzprüfung 110 die nachfolgenden Schritte umfassen:
Durchführen einer Datenextrahierung 120 der Daten bei der empfangenen Diensterkennungsnachricht 210,
Durchführen einer Überprüfung 130 der Nachrichtenart der Diensterkennungsnachricht 210 anhand der extrahierten Daten,
Durchführen einer Extrahierung 140 eines dienstbezogenen Feldes 230 der Diensterkennungsnachricht 210,
Durchführen eines Vergleichs 150 eines Inhalts des dienstbezogenen Feldes 230 mit einem Inhalt einer Dienstvorgabe 215, welche wenigstens eine Information über ein Dienstangebot 220 der Fahrzeugkomponente 10 umfasst,
Durchführen der Weiterleitung 160 der Diensterkennungsnachricht 210 in Abhängigkeit von dem Vergleich 150.
Gemäß der Überprüfung 130 können z. B. die Daten im SOME/IP Header ausgewertet werden, welche definieren, ob es sich bei der empfangenen Nachricht generell um eine Diensterkennungsnachricht 210 (SOME/IP-SD Message) handelt oder nicht. Dies kann als erster Indikator verwendetet werden um auf „SD Messages“ zu filtern. Zudem können bei der Extrahierung 140 noch die „Service Entries“ ausgewertet werden (z. B. Offer, Find, ...). Das dienstbezogene Feld 230 kann bspw. das Feld „Find Service Entry“ umfassen, welches wiederum aus mehreren Feldern bestehen kann. Diese können den gesuchten Service definieren. Diese Felder können durch die Vorfiltereinheit 40 auf Hardwareebene ausgewertet werden. Konkret können dann bei dem Vergleich 150 die Felder „Type“ und „Service ID“ des dienstbezogenen Feldes 230 mit den unterstützten Services der Fahrzeugkomponente 10 in der Dienstvorgabe 215 verglichen werden. Mit diesen beiden Feldern wird schon ein Großteil der nicht relevanten Anfragen herausgefiltert. Nur im Falle einer Übereinstimmung kann die Diensterkennungsnachricht 210 weiter in die nachgelagerten Auswertelogiken - also die Verarbeitungseinheit 20 - geleitet werden. Optional können auch weitere relevante Felder aus dem „Find Service Entry“ bei dem Vergleich berücksichtigt werden. Diese sind bspw. Instance ID, Major Version und Minor Version. Weitere SD-Filter können für die anderen Services (Offer, ...) nach der gleichen Struktur angelegt werden.
Die voranstehende Erläuterung der Ausführungsformen beschreibt die vorliegende Erfindung ausschließlich im Rahmen von Beispielen. Selbstverständlich können einzelne Merkmale der Ausführungsformen, sofern technisch sinnvoll, frei miteinander kombiniert werden, ohne den Rahmen der vorliegenden Erfindung zu verlassen.
Bezugszeichenliste
1 Fahrzeug
2 Datenübertragungsnetzwerk 10 Fahrzeugkomponente
20 Verarbeitungseinheit
30 Datenschnittstelle
40 Vorfiltereinheit
60 Elektronikanordnung
61 Mikrocontroller
62 Leiterplatte
110 Relevanzprüfung
120 Datenextrahierung 130 Überprüfung
140 Extrahierung 150 Vergleich 160 Weiterleitung
210 Diensterkennungsnachricht, Dienstanfragenachricht, Dienstangebotsnachricht 215 Dienstvorgabe
220 Dienstangebot 230 dienstbezogenes Feld