Nutzfahrzeug mit Brennstoffzelleneinrichtung Beschreibung
Die Erfindung betrifft ein Nutzfahrzeug, vorzugsweise einen Lastkraftwagen, mit einer Brenn stoffzelleneinrichtung.
Die DE 10 2016224 484 A1 offenbart ein Elektrofahrzeug mit einer Traktionsbatterie und ei nem Range-Extender. Der Range-Extender ist so ausgebildet, dass eine Abwärme des Range-Extenders zur Erwärmung des Fahrzeuginneren und/oder der Traktionsbatterie bei trägt. Der Range-Extender kann Brennstoffzellen umfassen.
Aus der DE 10 2015 011 274 A1 ist ein Brennstoffzellenfahrzeug bekannt, bei welchem der Brennstoffzellenstapel als Range-Extender eingesetzt wird, also um im elektrischen Fährbe trieb die mit der Batterie oder Traktionsbatterie erreichbare Reichweite des Fahrzeugs zu ver größern. Es wird beschrieben, dass die Abwärme einer Brennstoffzelle im Winter dazu genutzt werden kann, den Innenraum des Fahrzeugs zu heizen. Zudem steht die Wärme zur Verfü gung, um die Traktionsbatterie im Fahrzeug zu temperieren.
Der bekannte Stand der Technik widmet sich vorrangig der Integration einer Brennstoffzelle in einem Personenkraftfahrzeug. Die Integration in ein Nutzfahrzeug, wie z. B. einen Lastkraft wagen mit Aufbau oder Anhänger, kann hingegen alternative oder zusätzliche Anforderungen stellen.
Batteriebetriebene Nutzfahrzeuge nutzen ausschließlich elektrische Energiespeicher zur Spei cherung der notwendigen Antriebsenergie. Demzufolge sind diese allerdings durch die langen Ladezeiten im Betrieb beeinflusst bzw. zu längeren Standzeiten gezwungen. Wird das Nutz fahrzeug nun um einen Aufbau oder Anhänger erweitert, der elektrische Energie benötigt, re duziert sich die zum Antrieb zur Verfügung stehenden Energie maßgeblich. Bei konventionel len Fahrzeug kann die Zusatzenergieversorgung durch einen mechanischen Nebenabtrieb re alisiert sein.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zu Grunde, eine alternative und/oder verbesserte Technik für ein Nutzfahrzeug mit Brennstoffzelleneinrichtung zu schaffen.
Die Aufgabe wird gelöst durch die Merkmale des unabhängigen Anspruchs 1. Vorteilhafte Wei terbildungen sind in den abhängigen Ansprüchen und der Beschreibung angegeben.
Ein Aspekt der vorliegenden Offenbarung betrifft ein (z. B. batterieelektrisches oder Hybrid-) Nutzfahrzeug, vorzugsweise einen Lastkraftwagen. Das Nutzfahrzeug weist einen (z. B. lös baren oder wechselbaren) Aufbau oder einen Anhänger (z. B. Sattelanhänger bzw. Sattelauf lieger) mit (mindestens) einem (z. B. elektrischen und/oder thermischen) Verbraucher auf. Das Nutzfahrzeug weist eine Brennstoffzelleneinrichtung auf, die dazu ausgebildet ist, als ein Reichweitenverlängerer des Nutzfahrzeugs zuschaltbar zu sein und/oder den Verbraucher mit elektrischer Energie und/oder Abwärme zu versorgen (z. B. durch bedarfsgerechte Zuschal tung oder kontinuierlichen Betrieb).
Vorzugsweise kann die Brennstoffzelleneinrichtung somit sowohl als Range-Extender (Reich weitenverlängerer) als auch als eine Art multifunktionaler Nebenabtrieb des Nutzfahrzeugs verwendet werden, mit dem ein Verbraucher des Aufbaus oder Anhängers mit Wärme und/o der elektrischer Energie versorgt werden kann. Dies ermöglicht bspw. den Entfall eines me chanischen Nebenabtriebs am Antriebsstrang des Nutzfahrzeugs. Es kann auch auf eine se parate Energieversorgungseinheit (z. B. Dieselaggregat) am Aufbau oder Anhänger verzichtet werden. Es ist auch nicht notwendig, die Traktionsbatterien des Nutzfahrzeugs zu entladen und damit eine elektrische Reichweite des Nutzfahrzeugs zu beeinträchtigen.
In einem Ausführungsbeispiel ist die Brennstoffzelleneinrichtung dazu ausgebildet, beim Par ken des Nutzfahrzeugs (z. B. separat oder unabhängig) betrieben zu werden. Auch bei z. B. längeren Stillstandzeiten, z. B. Parken aufgrund von gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten für den Fahrer, kann der Verbraucher des Aufbaus oder des Anhängers mit Abwärme und/oder elektrischer Energie versorgt werden. Hierbei werden wiederum die Traktionsbatterien nicht entladen und somit eine elektrische Reichweite des Nutzfahrzeugs nicht beeinträchtigt. Es ist möglich, dass der Betrieb des Verbrauchers beim Parken des Nutzfahrzeugs notwendig ist oder sogar nur beim Parken des Nutzfahrzeugs überhaupt möglich ist.
In einem weiteren Ausführungsbeispiel ist die Brennstoffzelleneinrichtung dazu ausgebildet, eine Traktionsbatterie des Nutzfahrzeugs mit elektrischer Energie zu laden und/oder mit Ab wärme zu temperieren. Das Temperieren kann einen Entfall von separaten Hochvolt-Heizern für die Traktionsbatterie ermöglichen, wodurch Kosten, Gewicht und Bauraum eingespart wer den können. Die Traktionsbatterie des Nutzfahrzeugs kann mit elektrischer Energie geladen werden, um eine elektrische Reichweite des Nutzfahrzeugs zu erhöhen.
In einem weiteren Ausführungsbeispiel ist die Brennstoffzelleneinrichtung dazu ausgebildet, eine Fahrerhausheizung und/oder mindestens ein Nebenaggregat (z. B. Pumpe, Verdichter, Motor, Aktor) des Nutzfahrzeugs mit Abwärme und/oder elektrischer Energie zu versorgen.
In einer Ausführungsform ist die Brennstoffzelleneinrichtung dazu ausgebildet, beim Parken des Nutzfahrzeugs die Traktionsbatterie mit Abwärme zu temperieren, die Fahrerhausheizung mit Abwärme zu versorgen, den Verbraucher mit Abwärme zu versorgen und/oder das Neben aggregat mit Abwärme zu versorgen. Gleichzeitig kann die Traktionsbatterie mit elektrischer Energie geladen, der Verbraucher mit elektrischer Energie versorgt, die Fahrerhausheizung mit elektrischer Energie versorgt und/oder das Nebenaggregat mit elektrischer Energie ver sorgt werden. Beispielsweise kann beim Parken im Winter die Traktionsbatterie geladen und/oder der Verbraucher mit elektrischer Energie versorgt und gleichzeitig mit der Abwärme das Fahrerhaus geheizt werden.
In einer weiteren Ausführungsform ist die Brennstoffzelleneinrichtung dazu ausgebildet, beim Fahren des Nutzfahrzeugs die Traktionsbatterie mit Abwärme zu temperieren, die Fahrerhaus heizung mit Abwärme zu versorgen, den Verbraucher mit Abwärme zu versorgen und/oder das Nebenaggregat mit Abwärme zu versorgen und gleichzeitig die Traktionsbatterie mit elektrischer Energie zu laden, den Verbraucher mit elektrischer Energie zu versorgen, die Fah rerhausheizung mit elektrischer Energie zu versorgen und/oder das Nebenaggregat mit elektri scher Energie zu versorgen. Die Brennstoffzelleneinrichtung kann somit auch vorteilhaft wäh rend des Fahrens des Nutzfahrzeugs eingesetzt werden.
In einer Ausführungsvariante weist das Nutzfahrzeug eine Steuereinheit auf, die dazu ausge bildet ist, ein Aktivieren, ein Deaktivieren und/oder einen Betrieb der Brennstoffzelleneinrich tung (z. B. zum elektrischen und/oder thermischen Versorgen des Verbrauchers, der Trakti onsbatterie, der Fahrerhausheizung und/oder des mindestens einen Nebenaggregats), vor zugsweise automatisch, zu steuern. Die Steuerung kann auf einer geplanten Route des Nutz fahrzeugs, einer geplanten (z. B. gesetzlich vorgeschriebenen) Lenkzeit, Ruhezeit und/oder Pausenzeit eines Fahrers des Nutzfahrzeugs, vorzugsweise bereitgestellt von einem (z. B. digitalen) Tachographen, einer aktuellen und/oder geplanten Beladung des Nutzfahrzeugs, vorzugsweise des Aufbaus oder Anhängers, und/oder eines aktuellen und/oder prognostizier ten Klimas (z. B. Umgebungstemperatur), vorzugsweise auf einer geplanten Route des Nutz fahrzeugs, basieren. Damit kann vorzugsweise ein intelligenter Betrieb der Brennstoffzellen einrichtung umgesetzt werden.
Vorzugsweise kann sich der Begriff „Steuereinheit“ auf eine Elektronik (z. B. mit Mikroprozes soren) und Datenspeicher) und/oder mechanische Steuerung beziehen, die je nach Ausbil dung Steuerungsaufgaben und/oder Regelungsaufgaben übernehmen kann. Auch wenn hie rin der Begriff „Steuern“ verwendet wird, kann damit gleichsam zweckmäßig auch „Regeln“ bzw. „Steuern mit Rückkopplung“ umfasst sein.
In einer Ausführungsvariante weist das Nutzfahrzeug ferner eine Aufbau-/Anhänger-Schnitt- stelle auf, die von der Brennstoffzelleneinrichtung mit elektrischer Energie und/oder Abwärme versorgbar ist und an die der Verbraucher angeschlossen ist. Die Aufbau-/Anhänger-Schnitt- stelle kann vom Nutzfahrzeughersteller extra für die Aufbautenhersteller oder Anhängerher steller vorgesehen sein, die die Aufbau-/Anhänger-Schnittstelle als Nebenabtrieb zur Versor gung des Verbrauchers des Aufbaus oder Anhängers nutzen können.
In einer Weiterbildung ist die Aufbau-/Anhänger-Schnittstelle eine standardisierte Schnittstelle, an die eine Vielzahl von unterschiedlichen Aufbauten oder Anhängern für das Nutzfahrzeug, vorzugsweise lösbar, anschließbar ist.
In einem Ausführungsbeispiel ist der Verbraucher lösbar an die Aufbau-/Anhänger-Schnitt- stelle angeschlossen, vorzugsweise angesteckt und/oder aufgeschraubt.
In einem weiteren Ausführungsbeispiel ist die Aufbau-/Anhänger-Schnittstelle in einem, vor zugsweise hinteren, Bereich (z. B. Rückwand) eines Fahrerhauses des Nutzfahrzeugs ange ordnet. Somit kann bspw. ein Anschluss an den Aufbau oder Anhänger erleichtert werden.
In einem weiteren Ausführungsbeispiel weist die Aufbau-/Anhänger-Schnittstelle eine elektri sche Schnittstelle zum Versorgen des Verbrauchers mit elektrischer Energie auf.
In einem weiteren Ausführungsbeispiel weist die Aufbau-/Anhänger-Schnittstelle eine Fluid schnittstelle zum Versorgen des Verbrauchers mit Abwärme auf, wobei vorzugsweise die Flu idschnittstelle in Fluidverbindung und/oder in Wärmekopplung mit einer Kühlung der Brenn stoffzelleneinrichtung ist.
In einer Ausführungsform weist das Nutzfahrzeug ferner einen Leiterrahmen auf, wobei die Brennstoffzelleneinrichtung innerhalb des Leiterrahmens angeordnet ist, vorzugsweise direkt unterhalb eines Fahrerhauses des Nutzfahrzeugs. Vorzugsweise ergibt sich so eine ge schützte Anordnung der Brennstoffzelleneinrichtung zwischen den beiden Längsträgern des Leiterrahmens.
In einer Weiterbildung weist die Brennstoffzelleneinrichtung einen Brennstoffzellenstapel und einen Brennstofftank auf, wobei der Brennstofftank innerhalb des Leiterrahmens und/oder be züglich einer Vorwärtsfahrtrichtung des Nutzfahrzeugs hinter dem Brennstoffzellenstapel an geordnet ist. Vorzugsweise ergibt sich so auch eine geschützte Anordnung des Brenn stofftanks zwischen den beiden Längsträgern des Leiterrahmens.
In einer Ausführungsvariante weist das Nutzfahrzeug mehrere Traktionsbatterien auf. Vor zugsweise kann die Brennstoffzelleneinrichtung im Wesentlichen gleiche Abmessungen und/der Anbindungspunkte aufweisen wie jede der mehreren Traktionsbatterien, sodass die Brennstoffzelleneinrichtung und die mehreren Traktionsbatterien austauschbar anordenbar sind. Je nach Kundenanforderung bzw. Einsatzzweck des Nutzfahrzeugs kann somit eine An zahl und/oder eine Anordnung der Brennstoffzelleneinrichtung(en) und der Traktionsbatte riein) auf einfache Weise angepasst werden.
In einer weiteren Ausführungsvariante ist die Brennstoffzelleneinrichtung als vormontiertes und/oder eigenständig prüfbares Modul ausgeführt, das eine Kühlfluid-Schnittstelle, eine elekt rische Schnittstelle (z. B. Hochvoltanschluss) und/oder eine Steuerschnittstelle aufweist. Die Funktionsfähigkeit der Brennstoffzelleneinrichtung kann somit noch vor der Montage am Nutz fahrzeug über die Schnittstellen geprüft werden, und die Montage kann schnell und einfach erfolgen.
In einem Ausführungsbeispiel ist die Brennstoffzelleneinrichtung als eine reversible Brennstoff zelleneinrichtung zum Herstellen von Wasserstoff während eines Rekuperierens beim Brem sen des Nutzfahrzeugs, vorzugsweise während eines zuschaltbaren Dauerbremsmodus des Nutzfahrzeugs, ausgeführt. Dies ermöglicht beispielsweise den Entfall von zusätzlichen ge kühlten Bremswiderständen beim Dauerbremsbetrieb.
In einem Ausführungsbeispiel weist die Brennstoffzelleneinrichtung eine Polymerelektrolyt brennstoffzelle (PEMFC - polymer electrolyte fuel cell), eine Direktmethanolbrennstoffzelle (DMFC - direct methanol fuel cell) und/oder eine Reformer-Methanolbrennstoffzelle (RMFC - reforming methanol fule cell) auf.
In einer Ausführungsform ist der Aufbau auf einem Rahmen (z. B. Leiterrahmen) des Nutzfahr zeugs abgestützt und/oder hinter einem Fahrerhaus des Nutzfahrzeugs angeordnet.
In einer weiteren Ausführungsform ist der Aufbau ein Tankaufbau (z. B. Milchtankaufbau, Kraftstofftankaufbau, Betonmischeraufbau), ein Einsatzfahrzeugaufbau (z. B. Feuerwehrauf bau, Militäraufbau, Polizeiaufbau, Technisches-Hilfswerk-Aufbau), ein Reinigungsaufbau (z. B. Spülfahrzeugaufbau, Saugfahrzeugaufbau), ein Ladeaufbau (z. B. Heckladeaufbau, Seiten ladeaufbau), ein Kühlaufbau oder ein Heizaufbau.
In einer weiteren Ausführungsform weist der Anhänger einen Tank, eine Ladefläche, einen Laderaum, ein Kühlaggregat, ein Heizaggregat und/oder eine Pumpe auf.
In einer weiteren Ausführungsform ist der Anhänger ein Sattelanhänger.
In einer weiteren Ausführungsform ist das Nutzfahrzeug ein Hängerzug oder ein Sattelzug.
In einer weiteren Ausführungsform weist der Verbraucher eine elektrisch angetriebene Ma schine (z. B. Elektromotor, Pumpe, Verdichter, Arbeitszylinder, Aktor) und/oder einen Wärme überträger auf.
In einem Ausführungsbeispiel weist der Verbraucher einen elektrischen Energiespeicher auf. Vorzugsweise kann der elektrische Energiespeicher von der Brennstoffzelleneinrichtung gela den werden, vorzugsweise wenn der Anhänger oder Auflieger an das restliche Nutzfahrzeug angekoppelt ist. Vorteilhaft kann damit ermöglicht werden, dass im Anhänger oder Aufbau elektrische Energie im vom restlichen Nutzfahrzeug abgekoppelten Zustand verfügbar ist und eine elektrisch angetriebene Maschine des Anhängers oder Aufbaus mit elektrischer Energie von dem elektrischen Energiespeicher des Anhängers oder Aufbaus versorgt werden kann. Bspw. kann so auch ein abgekoppelter Kühlaufbau oder Kühlanhänger eine elektrisch ange triebene Kühlung im abgekoppelten Zustand aufrecht erhalten.
In einem weiteren Ausführungsbeispiel weist der Anhänger eine elektrisch antreibbare Achse (z. B. starr oder lenkbar) auf, die mit elektrischer Energie von dem elektrischen Energiespei cher des Verbrauchers betreibbar ist. Vorzugsweise ist elektrisch antreibbare Achse mit elektrischer Energie von dem elektrischen Energiespeicher im abgekoppelten Zustand des Anhängers von einer Zugmaschine des Nutzfahrzeugs betreibbar. Es ist auch möglich, dass die elektrisch antreibbare Achse im Fährbetrieb durch Rekuperation den elektrischen Energie speicher lädt. Vorteilhaft kann damit der Anhänger unabhängig von der Zugmaschine bspw. auf einem Betriebshof zum Bewegen angetrieben werden, z. B. vollkommen autark oder zum Lenken gekoppelt an ein fahrerloses Transportfahrzeug.
In einem weiteren Ausführungsbeispiel weist der Verbraucher ferner einen Wärmeübertrager zum Temperieren des elektrischen Energiespeichers auf.
In einem weiteren Ausführungsbeispiel weist der Verbraucher ferner eine elektrisch angetrie bene Maschine (z. B. Elektromotor, Pumpe, Verdichter, Arbeitszylinder, Aktor) auf, die mit elektrischer Energie von dem elektrischen Energiespeicher des Verbrauchers betreibbar ist, vorzugsweise im abgekoppelten Zustand des Anhängers oder Aufbaus von dem Nutzfahr zeug.
In einem weiteren Ausführungsbeispiel ist der elektrische Energiespeicher mittels eines elektri schen Ladeanschlusses extern (von dem Nutzfahrzeug) ladbar, wobei der elektrische Lade anschluss vorzugsweise am Nutzfahrzeug separat von dem Anhänger oder Aufbau angeord net ist (z. B. an einer Zugmaschine, einem Fahrerhaus und/oder einem Fahrzeugrahmen des Nutzfahrzeugs). Vorteilhaft kann somit auf einen extra Ladeanschluss mit entsprechendem Bordladegerät am Anhänger oder Auflieger verzichtet werden. Es ist zusätzlich oder alternativ auch möglich, dass der Anhänger oder Aufbau einen eigenen elektrischen Ladeanschluss (z. B. mit Bordladegerät) zum externen Laden des elektrischen Energiespeichers aufweist.
Die zuvor beschriebenen bevorzugten Ausführungsformen und Merkmale der Erfindung sind beliebig miteinander kombinierbar. Weitere Einzelheiten und Vorteile der Erfindung werden im Folgenden unter Bezug auf die beigefügten Zeichnungen beschrieben. Es zeigen:
Figur 1 eine schematische Seitenansicht eines beispielhaften Nutzfahrzeugs mit einer Brennstoffzelleneinrichtung und einem Aufbau;
Figur 2 eine schematische Ansicht eines beispielhaften Rahmens eines Nutzfahrzeugs mit einer Brennstoffzelleneinrichtung; und
Figur 3 eine schematische Seitenansicht eines beispielhaften Nutzfahrzeugs mit einer Brennstoffzelleneinrichtung und einem Anhänger.
Die in den Figuren gezeigten Ausführungsformen stimmen zumindest teilweise überein, so dass ähnliche oder identische Teile mit den gleichen Bezugszeichen versehen sind und zu deren Erläuterung auch auf die Beschreibung der anderen Ausführungsformen bzw. Figuren verwiesen wird, um Wiederholungen zu vermeiden.
Figur 1 zeigt ein Nutzfahrzeug 10. Das Nutzfahrzeug 10 ist bevorzugt als ein Lastkraftwagen ausgeführt.
Das Nutzfahrzeug 10 weist eine Brennstoffzelleneinrichtung 12 und eine Steuereinheit 14 auf.
Die Brennstoffzelleneinrichtung 12 ist dazu ausgebildet, aus einem Brennstoff, z. B. Wasser stoff oder Methanol, elektrische Energie zu erzeugen. Im Betrieb produziert die Brennstoffzel leneinrichtung 12 zudem Abwärme.
Die Brennstoffzelleneinrichtung 12 kann bspw. eine Polymerelektrolytbrennstoffzelle (PEMFC - polymer electrolyte fuel cell), eine Direktmethanolbrennstoffzelle (DMFC - direct methanol fuel cell) und/oder eine Reformer-Methanolbrennstoffzelle (RMFC - reforming methanol fule cell) aufweisen. Somit kann bspw. auch ein Betrieb mittels reformierten Methanol möglich sein, sodass der Betrieb mit konventionellen Biokraftstoffen möglich ist. Dadurch kann eine welt weite Kraftstoffverfügbarkeit gesichert sein.
Die Brennstoffzelleneinrichtung 12 kann einerseits elektrische Energie zur Verfügung stellen. Andererseits kann die Brennstoffzelleneinrichtung 12 Abwärme zur Verfügung stellen, die beim Erzeugen der elektrischen Energie anfällt und ebenfalls genutzt werden kann. Zur Nut zung der Abwärme der Brennstoffzelleneinrichtung 12 kann bspw. eine Fluidverbindung und/o der eine Wärmekopplung zum Kühlkreislauf der Brennstoffzelleneinrichtung 12 vorgesehen sein.
Die Brennstoffzelleneinrichtung 12 ist auf vielfältige Weise einsetzbar, wie nachfolgend an hand von miteinander kombinierbaren Beispielen, die - wenn gewünscht - auch jeweils einzeln anwendbar sind, erläutert ist.
Die Brennstoffzelleneinrichtung 12 kann als ein Reichweitenverlängerer bzw. Range-Extender des Nutzfahrzeugs 10 verwendet werden. Die Brennstoffzelleneinrichtung 12 kann als Reich weitenverlängerer zugeschaltet werden, wenn gewünscht. Die Zuschaltung kann von der Steu ereinheit 14 gesteuert sein. Die Brennstoffzelleneinrichtung 12 kann bspw. mindestens eine Traktionsbatterie 16 des Nutzfahrzeugs 10 mit elektrischer Energie laden. So kann eine elektrische Reichweite des Nutzfahrzeugs 10 erhöht werden.
Die Brennstoffzelleneinrichtung 12 kann zum Temperieren der Traktionsbatterie 16 verwendet werden. Die Traktionsbatterie 16 wird mit Abwärme von der Brennstoffzelleneinrichtung 12 versorgt. Beispielsweise kann ein Temperierungskreislauf der Traktionsbatterie 16 mit einem Kühlkreislauf der Brennstoffzelleneinrichtung 12 gekoppelt sein, z. B. mittels Wärmeübertra ger.
Die Brennstoffzelleneinrichtung 12 kann mindestens ein Nebenaggregat 18 des Nutzfahr zeugs 10 mit elektrischer Energie und/oder Abwärme versorgen. Das mindestens eine Neben aggregat 18 kann beispielsweise eine Fahrerhausheizung des Nutzfahrzeugs 10, die mit elektrischer Energie und/oder mit Abwärme versorgt werden kann, aufweisen. Die Fahrerhaus heizung kann die Abwärme der Brennstoffzelleneinrichtung 12 zum Heizen eines Fahrerhau ses 26 des Nutzfahrzeugs 10 verwenden. Alternativ oder zusätzlich kann die Fahrerhaushei zung eine elektrische Heizeinheit aufweisen, die mit elektrischer Energie von der Brennstoff zelleneinrichtung 12 versorgbar ist, um das Fahrerhaus 26 zu heizen. Das Nebenaggregat 18 kann allerdings auch andere Einrichtungen wie eine Pumpe, einen Motor, einen Verdichter, einen Aktor, einen Wärmeübertrager und/oder eine Steckdose usw. aufweisen.
Die Brennstoffzelleneinrichtung 12 kann mindestens einen Verbraucher 20 eines Aufbaus 22 des Nutzfahrzeugs 10 mit elektrischer Energie und/oder Abwärme versorgen. Bevorzugt kann die Brennstoffzelleneinrichtung 12 durch Hydrolyse die notwendige Energie zum Betrieb des Aufbaus 22 bzw. des Verbrauchers 20 zur Verfügung stellen. Die elektrische Reichweite des Nutzfahrzeugs 10 wird somit nicht beeinflusst. Die Brennstoffzelleneinrichtung 12 kann zudem als thermischer Nebenabtrieb genutzt werden. Die Abwärme von der Brennstoffzelleneinrich tung 12 kann bspw. ein Heizsystem des Aufbaus 22 mit Wärme versorgen.
Der Aufbau 22 ist auf einem Leiterrahmen 24 des Nutzfahrzeugs 10 abgestützt. Der Aufbau 22 ist bezüglich einer Vorwärtsfahrtrichtung des Nutzfahrzeugs 10 hinter dem Fahrerhaus 26 des Nutzfahrzeugs 10 angeordnet. Der Aufbau 22 kann von einem sogenannten Aufbauer bzw. Aufbautenhersteller hergestellt sein. Typischerweise ist der Aufbau 22 nach der Herstel lung des Nutzfahrzeugs 10 durch den Nutzfahrzeughersteller auf den Leiterrahmen 24 durch den spezialisierten Aufbautenhersteller aufgesetzt. Beispielsweise kann der Aufbau 22 einen Tankaufbau (z. B. Milchtankaufbau, Kraftstofftankaufbau, Betonmischeraufbau), ein Einsatz fahrzeugaufbau (z. B. Feuerwehraufbau, Militäraufbau, Polizeiaufbau, Technisches-Hilfswerk- Aufbau), ein Reinigungsaufbau (z. B. Spülfahrzeugaufbau, Saugfahrzeugaufbau), ein La deaufbau (z. B. Heckladeaufbau, Seitenladeaufbau), ein Kühlaufbau oderein Heizaufbau sein. Der Aufbau 22 kann mindestens eine elektrisch angetriebene Maschine (z. B. Elektromotor, Pumpe, Verdichter, Arbeitszylinder, Aktor) und/oder einen Wärmeüberträger als den mindes tens einen Verbraucher 20 aufweisen.
Der Verbraucher 20 des Aufbaus 22 kann an eine Aufbau(er)/Anhänger-Schnittstelle 28, 30 des Nutzfahrzugs 10 zur Versorgung mit Abwärme und/oder elektrischer Energie angeschlos sen sein.
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Die Schnittstelle 28, 30 kann standardisiert sein, um den Anschluss einer Vielzahl unterschied licher Aufbauten zu ermöglichen. Die Schnittstelle 28, 30 kann eine elektrische Schnittstelle 28 und/oder eine Fluidschnittstelle 30 aufweisen. Über die elektrische Schnittstelle 28 kann elektrische Energie von den Brennstoffzelleneinrichtung 12 an den Verbraucher 20 übertragen werden. Über die Fluidschnittstelle 30 kann ein von der Brennstoffzelleneinrichtung 12 direkt oder indirekt erwärmtes Fluid zu dem Verbraucher 20 übertragen werden. Das Fluid kann bspw. direkt aus einem Kühlkreislauf der Brennstoffzelleneinrichtung 12 stammen oder über einen Wärmeübertrager mit dem Kühlkreislauf der Brennstoffzelleneinrichtung 12 gekoppelt sein. Bevorzugt kann der Verbraucher 20 lösbar mit der Schnittstelle 28, 30 verbunden sein, z. B. mittels einer Schraubverbindung und/oder einer Steckverbindung. Die elektrische Schnitt stelle 28 kann beispielsweise eine Stecker-Steckdose-Schnittsteile sein. Die Fluidschnittstelle 30 kann beispielsweise eine Rohrflansch-Schnittstelle sein.
Die Schnittstelle 28, 30 kann bevorzugt im Bereich des Fahrerhauses 26 des Nutzfahrzeugs 10 angeordnet sein. Zum Beispiel kann die Schnittstelle 28, 30 in einem hinteren Bereich des Fahrerhauses 26 angeordnet sein, z. B. an einer Rückwand des Fahrerhauses 26.
Es ist möglich, dass die Brennstoffzelleneinrichtung 12 beim Parken des Nutzfahrzeugs 10 betrieben wird, wobei die Antriebseinrichtung (z. B. elektrische Antriebseinheit(en), Brennkraft maschine usw.) des Nutzfahrzeugs 10 deaktiviert ist. Somit können der Verbraucher 20, das Nebenaggregat 18 und/oder die Traktionsbatterie 16 beim Parken des Nutzfahrzeugs 10 mit elektrischer Energie und/oder Abwärme von der Brennstoffzelleneinrichtung 12 versorgt wer den, je nach Anforderung.
Beispielsweise kann die Traktionsbatterie 16 mit elektrischer Energie von der Brennstoffzel leneinrichtung 12 geladen werden. So kann die elektrische Reichweite des Nutzfahrzeugs 10 erhöht werden, ohne dass die Traktionsbatterie 16 extern geladen werden muss. Mit der ent stehenden Abwärme der Brennstoffzelleneinrichtung 12 kann das Nebenaggregat 18, der Ver braucher 20 und/oder die Traktionsbatterie 16 versorgt werden.
In einem anderen Beispiel kann der Verbraucher 20 mit elektrischer Energie versorgt werden. Mit der Abwärme der Brennstoffzelleneinrichtung 12 kann wiederum die Traktionsbatterie 16, das Nebenaggregat 18 und/oder der Verbraucher 20 versorgt werden. Die Brennstoffzellen einrichtung 12 kann je nach momentaner Anforderung entsprechend von der Steuereinheit 14 betrieben werden.
Es ist auch möglich, dass die Brennstoffzelleneinrichtung 12 beim Fahren des Nutzfahrzeugs 10 betrieben wird, z. B. wie obenstehend beschrieben.
Der Betrieb der Brennstoffzelleneinrichtung 12 kann von der Steuereinheit 14 entsprechend gesteuert werden. Bspw. kann die Steuereinheit 14 die Brennstoffzelleneinrichtung 12 wie ge wünscht aktivieren und deaktivieren. Es ist möglich, dass die Steuereinheit 14 z. B. eine Zu schaltung und Abschaltung der Brennstoffzelleneinrichtung 12 automatisch steuert, um elektrische Energie und Abwärme wie gewünscht zu erzeugen. Damit kann die Gesamteffizi enz des Nutzfahrzeugs 10 erhöht werden. Die Zuschaltung kann von unterschiedlichen, mitei nander kombinierbaren Parametern abhängig sein, die auch jeweils nur einzeln anwendbar sind, wenn gewünscht.
Die Zuschaltung kann abhängig von einer geplanten Route des Nutzfahrzeugs 10 sein. Infor mationen zur bevorstehenden Route können z. B. von einem Navigationssystem des Nutz fahrzeugs bereitgestellt werden. Die Informationen können Ladestationspositionen, Tankstati onspositionen, Streckenlängen, Gefälle, Steigungen, Verkehrsdaten und/oder Verkehrsregeln usw. aufweisen. Ist die elektrische Reichweite der Traktionsbatterie 16 für die geplante Route nicht oder nicht mehr ausreichend, oder sind unzureichende Lademöglichkeiten vorhanden, so kann die Brennstoffzelleneinrichtung 12 im Hintergrund als Range-Extender aktiviert wer den. Ist die elektrische Reichweite hingegen ausreichend und kann das Nutzfahrzeug 10 bspw. im Anschluss geladen werden, so ist eine Zuschaltung als Range Extender nicht notwendig.
Die Zuschaltung kann abhängig von einer geplanten (z. B. gesetzlich vorgeschriebenen) Lenk zeit, Ruhezeit und/oder Pausenzeit des Fahrers des Nutzfahrzeugs 10 sein. Informationen zu diesen Zeiten können von einem digitalen Tachographen (Fahrtenschreiber) des Nutzfahr zeugs 10 bereitgestellt werden. Anhand der Informationen kann die Steuereinheit 14 abschät zen, wann das Nutzfahrzeug 10 einen Stopp einlegen wird und wie lange dieser Stopp min destens dauern wird. Während des Stopps kann bspw. eine Versorgung des Verbrauchers 20 oder des Nebenaggregats 18 mit Abwärme und/oder elektrischer Energie von der Brennstoff zelleneinrichtung 12 notwendig sein, ohne dass hierfür die elektrische Reichweite des Nutz fahrzeugs beeinträchtigt wird, d.h. die Traktionsbatterie 16 entladen wird.
Es ist bspw. auch möglich, dass die Steuereinheit 14 bestimmt, dass die Aktivierung der Brenn stoffzelleneinrichtung 12 z. B. zur Reichweitenverlängerung erst erfolgt, wenn das Nutzfahr zeug 10 parkt, und eine Abwärme der Brennstoffzelleneinrichtung 12 bspw. zur Heizung des Fahrerhauses 26 und/oder zum Temperieren derTraktionsbatterie(n) 16 genutzt werden kann,
z. B. im Winter. Beispielsweise kann ein Außenthermometer des Nutzfahrzeugs 10 oder eine empfangene Temperaturvorhersage dazu verwendet werden, zu erkennen, dass ein Heizen des Fahrerhauses 26 im Stillstand notwendig sein wird. Das bevorstehende Parken kann die Steuereinheit 14 bspw. aus Informationen bezüglich der aktuellen bzw. geplanten Lenkzeit, Ruhezeit und/oder Pausenzeit erkennen und/oder in Abhängigkeit der geplanten Route (z. B. geplante Zwischenstopps zur Beladung, Entladung usw.).
Die Zuschaltung kann abhängig von einer aktuellen und/oder geplanten Beladung des Nutz fahrzeugs 10, vorzugsweise des Aufbaus 22, sein (z. B. bis zu 40 t oder leer). Hierbei kann bspw. ein sich verändernder Energieverbrauch zum Antreiben des Nutzfahrzeugs 10 und/oder ein sich verändernder Energieverbrauch des Verbrauchers 20 (z. B. nur Kühlung notwendig, wenn beladen) berücksichtigt oder prognostiziert werden. Informationen bezüglich der geplan ten Beladung des Nutzfahrzeugs 10 können z. B. über eine Benutzerschnittstelle des Nutz fahrzeugs 10 eingegeben und/oder mittels einer Kommunikationsschnittstelle des Nutzfahr zeugs 10 empfangen werden, z. B. von einer Leitstelle. Informationen bezüglich einer aktuellen Beladung des Nutzfahrzeugs 10 können z. B. von Beladungssensoren erfasst, von einem be schleunigungsbasierten Masseschätzer geschätzt, über einer Benutzerschnittstelle eingege ben und/oder mittels einer Kommunikationsschnittstelle empfangen werden.
Die Zuschaltung kann abhängig von einem aktuellen und/oder prognostizierten Klima (länder- übergreifend) auf einer geplanten Route des Nutzfahrzeugs 10 sein. Hierbei kann bspw. ein Energieverbrauch der Fahrerhausheizung und/oder des Verbrauchers 20 berücksichtigt oder prognostiziert werden, z. B. in Abhängigkeit von einer Außentemperatur entlang der geplanten Route.
Nutzfahrzeuge werden im Gegensatz zu Personenkraftwagen kontinuierlich und planbar be trieben. Dies kommt dem Betrieb der Brennstoffzelleneinrichtung 12 zu Gute. Die für eine Brennstoffzelle kritischen Betriebsbereiche Start-Stopp sowie kurzzeitige Betriebe können weitestgehend reduziert werden, um die Lebensdauer der Brennstoffzelleneinrichtung 12 zu erhöhen.
Vorzugsweise ist die Brennstoffzelleneinrichtung 12 als vormontiertes und eigenständig prüf bares Modul ausgeführt. Das Modul kann bspw. eine Kühlfluid-Schnittstelle, eine elektrische Schnittstelle (z. B. Hochvoltanschluss) und/oder eine Steuerschnittstelle aufweisen. Das Mo dul kann auf Funktionsfähigkeit außerhalb des Nutzfahrzeugs 10 noch vor einer Montage am Nutzfahrzeug 10 über die Schnittstellen geprüft werden. Die Montage am Nutzfahrzeug 10
kann durch die Modulbauweise schnell und einfach erfolgen. Neben der Anbringung müssen lediglich noch die Schnittstellen mit entsprechenden Leitungen am Nutzfahrzeug verbunden werden. Das Modul kann z. B. auch einen Brennstofftank aufweisen.
Es ist auch möglich, dass die Brennstoffzelleneinrichtung 12 als reversible Brennstoffzellen einrichtung zum Herstellen von Wasserstoff während eines Rekuperierens beim Bremsen des Nutzfahrzeugs 10 ausgeführt ist, vorzugsweise während eines zuschaltbaren Dauerbremsmo dus des Nutzfahrzeugs 10. Bspw. kann ein Dauerbremsmodus des Nutzfahrzeugs 10 manuell oder automatisch aktiviert werden, wenn das Nutzfahrzeug 10 ein z. B. längeres Gefälle be fährt. Die reversible Brennstoffzelleneinrichtung ist dazu ausgebildet, aus überschüssigem Strom Wasserstoff zu erzeugen (Elektrolyse). Da beim Bremsbetrieb im Nutzfahrzeug sehr hohe Bremsleistungen, z. B. Bergabfahrt, anfallen, kann die Brennstoffzelleneinrichtung 12 genutzt werden, um die überschüssige elektrische Energie in Form von Wasserstoff zu reku- perieren. Damit kann bspw. auf gekühlte Bremswiderstände verzichtet werden.
Figur 2 zeigt eine beispielhafte Integration der Brennstoffzelleneinrichtung 12 in ein Nutzfahr zeug 10.
Bevorzugt kann die Brennstoffzelleneinrichtung 12 unterhalb des Fahrerhauses 26 angeordnet sein. Die Brennstoffzelleneinrichtung 12 kann geschützt zwischen zwei Längsträgern des Lei terahmens 24 angeordnet sein.
Die Brennstoffzelleneinrichtung 12 kann einen Brennstoffzellenstapel 12A und einen Brenn stofftank 12B aufweisen. Der Brennstofftank 12B weist einen Tankstutzen 32 auf, über den der Brennstofftank 12B extern mit Brennstoff gefüllt werden kann. Der Brennstofftank 12B kann innerhalb des Leiterrahmens 24 bezüglich der Vorwärtsfahrtrichtung des Nutzfahrzeugs 10 hinter dem Brennstoffzellenstapel 12A angeordnet sein.
Der Brennstoffstank 12B kann ein Drucktank sein, z. B. zur Speicherung von z. B. 5-10 kg Wasserstoff bei 350 bar oder mehr (z. B. bis zu 700 bar). Der Brennstoffzellenstapel 12A kann bspw. eine Leistung von ca. 60 kW aufweisen.
Der Brennstofftank 12B kann über mindestens eine Leitung mit dem Brennstoffzellenstapel 12A verbunden sein. Wenn die Brennstoffzelleneinrichtung 12 als reversible Brennstoffzellen einrichtung 12 ausgeführt ist, kann zusätzlich ein Verdichter (nicht dargestellt) umfasst sein. Der Verdichter kann den von der Brennstoffzelleneinrichtung 12 erzeugten Wasserstoff ver dichten und zu dem Brennstofftank 12B leiten.
Eine Kühlung der Brennstoffzelleneinrichtung 12 kann mit einem Kühl-/Heizkreislauf 34 ver bunden sein, der einen Kühler 36 aufweisen kann. Der Kühler 36 kann frontseitig am Nutzfahr zeug 10 zur Kühlung mittels Fahrtwind angeordnet sein. Der Kühlkreislauf 34 und/oder der Kühler 36 können vorzugsweise von einem konventionellen Lastkraftwagen mit Verbren nungskraftmaschine ohne wesentliche Modifikationen übernommen werden (sogenannte „carry-over parts“).
Das Nutzfahrzeug 10 kann mehrere Traktionsbatterien 16, z. B. in Form von Hochvoltbatterien mit jeweils eigenem Batteriemanagementsystem, aufweisen. Die Traktionsbatterien 16 kön nen bspw. an den Außenseiten des Leiterrahmens 24 und/oder zwischen den Längsträgern des Leiterrahmens 24 angeordnet sein. Die Traktionsbatterien 16 können bspw. jeweils eine Kapazität von 100 kWh aufweisen. Die Traktionsbatterien 16 können beispielsweise Lithium- lonen-Batterien sein.
Bevorzugt weist die Brennstoffzelleneinrichtung 12 (mit oder ohne Brennstofftank 12B) im We sentlichen die gleichen Abmessungen und/der Anbindungspunkte auf wie jede der mehreren Traktionsbatterien 16. Die Brennstoffzelleneinrichtung 12 und die mehreren Traktionsbatterien 16 können somit austauschbar angeordnet werden. Je nach Kundenwunsch kann somit eine unterschiedliche Anzahl von Traktionsbatterien 16 und Brennstoffzelleneinrichtungen 12 ver baut werden. Durch eine auf den jeweiligen Einsatzzweck des Nutzfahrzeugs 10 abgestimmte Anzahl von Traktionsbatterien 16 und Brennstoffzelleneinrichtungen 12 kann ein möglichst ge ringes Fahrzeuggewicht erreicht werden, das nicht durch unnötige Traktionsbatterien usw. er höht wird. Durch die Austauschbarkeit kann auch eine Anzahl und Betriebskonfiguration der Brennstoffzelleneinrichtung(en) 12 durch den Kunden frei gewählt werden. Ist beispielsweise eine anschließende Anpassung durch einen Aufbauhersteller gewünscht, welche Energie be nötigt (z. B. Kühlaufbau), so kann dies in der Fahrzeugauslegung berücksichtigt werden, um die gewünschte Fahrzeugreichweite zu erhalten. Es können auch Plätze freigelassen werden, z. B. rechte Rahmenseite des Leiterrahmens 24 frei für Milchsammler. Das Verhältnis von Wasserstoff-Speicher (Brennstofftank 12B) zu elektrischem Speicher (Traktionsbatterie 16) kann je nach Anwendungsfall optimal abgestimmt werden.
Das Nutzfahrzeug 10 kann ferner einen elektrischen Ladeanschluss 38 zum externen Laden der Traktionsbatterien 16, einen Hochvolt-Verteiler 40, einen Inverter 42 und einen elektri schen Antriebsstrang 44 aufweisen. Wie dargestellt ist, kann der elektrische Antriebsstrang 44 bspw. eine zentrale elektrische Antriebseinheit, ein Getriebe, eine Gelenkwelle usw. aufwei sen. Es ist auch möglich, dass mehrere elektrische Antriebseinheiten vorhanden sind, z. B. als
Radnabenmotoren oder als radnahe Motoren. Es ist übrigens auch möglich, dass die Brenn stoffzelleneinrichtung 12 in einem Nutzfahrzeug mit Verbrennungskraftmaschine eingesetzt wird, z. B. als Reichweitenverlängerer, zum Versorgen des Verbrauchers 20 und/oder der Ne benaggregate 18.
Nachfolgend verdeutlichen einige Rechenbeispiele die Anwendbarkeit des oben beschriebe nen Systems.
Die Energiedichte einer Lithium-Ionen-Batterie kann bei 1-2kWh/kg liegen. Komprimierter gas förmiger Wasserstoff (ca. 350 bar) hingegen hat eine Energiedichte von ~30kWh/kg. Demzu folge sind 7-8 kg Wasserstoff bzw. ca. 2001 Wasserstoff ausreichend, um die doppelte Energie einer Lithium -lonen-Batterie mit 100 kWh mitzuführen.
Durch elektrochemische Umwandlung der Energie des Wasserstoffs in der Brennstoffzellen einrichtung 12 können die Traktionsbatterien 16 während der Fahrt geladen werden. Dadurch erhöht sich die Reichweite des Nutzfahrzeugs 10 erheblich. Ein Nutzfahrzeug benötigt ca. 100- 130 kWh pro 100 km. Demzufolge ermöglicht eine Lithium-Ionen-Batterie mit 100 kWh Ener gieinhalt (bis zum nächsten Laden in 4h) realistisch eine Reichweite von ca. 80 km. Mit einer Brennstoffzelle mit 60 kW Leistung können über einen Zeitraum von 4 h 240 kWh umgewan delt werden. Die Reichweite wird somit um mindestens 200 km erhöht.
Mit einer maximalen elektrischen Ladeleistung von 200 kW können die Traktionsbatterien 16 innerhalb von 1 h mit 200 kWh extern geladen werden. Um die gleiche Energie Wasserstoff „nachzutanken“ sind nur 6-7kg komprimierter Wasserstoff notwendig. Dies geschieht in weni gen Minuten (< 5min). Dadurch wird der Fahrer niemals zu einem längeren Stillstand gezwun gen.
Die Abwärme der Brennstoffzelleneinrichtung 12 kann bei kalten Außentemperaturen (z. B. auch im Stillstand) genutzt werden, um Batterie- und Faherhaus-Kreislauf zu erhitzen. (P_therm = 15-20kW bzw. p_td = 83%) Dadurch können bspw. die Hochvolt-Heizer entfallen, wodurch Energie, Bauraum und Kosten gespart werden können. Dadurch, dass der Kühlkreis lauf der Brennstoffzelle mit dem Hochvolt-Kühlkreislauf kombiniert werden kann, kann die Komplexität im Vergleich zu einem reinen batterieelektrischen Fahrzeug reduziert werden. Bei warmen Temperaturen kann die Kühlfähigkeit (z. B. mittels Chiller bzw. Zwischenkühler) des komprimierten Wasserstoffs genutzt werden, um die Temperatur im Kühlkreislauf zu senken.
Eine Lithium-Ionen-Batterie mit einem Energieinhalt von 100 kWh wiegt ca. 640 kg. Demzu folge ergibt sich ein pro kg der Batterie weniger als 1 kWh Kapazität. Der Brennstoffzellensta pel 12A wiegt ca. 250 kg. Der Brennstofftank 12B wiegt ca. 150 kg. Demzufolge kann das Packagegewicht im Vergleich zu einem reinen batterieelektrischen Nutzfahrzeug um bis zu 250 kg reduziert werden, obwohl die Reichweite erhöht wird.
Es ist möglich, dass das Nutzfahrzeug 10 einen Anhänger 46 mit einem Verbraucher 20 auf weist, wie in Figur 3 dargestellt ist. Die Schnittstelle 28, 30 wäre demzufolge eine Anhänger- Schnittstelle. Sämtliche hierin beschriebenen Merkmale bezüglich des Aufbaus 22 mit dem Verbraucher 20 sind ebenfalls bei dem Nutzfahrzeug 10 mit dem Anhänger 46 und dem Ver braucher 20 realisierbar. Der Anhänger 46 kann bspw. ein Sattelanhänger bzw. Sattelauflieger sein, wie in Figur 3 dargestellt ist. Der Anhänger 46 kann bspw. auch ein Anhänger eines Hängerzugs sein.
Es ist auch möglich, dass der Verbraucher 20 einen elektrischen Energiespeicher aufweist. Mittels des elektrischen Energiespeichers kann bspw. eine elektrisch antreibbare Achse des Anhängers 46 mit elektrischer Energie versorgt werden, z. B. wenn der Anhänger 46 von einer Zugmaschine des Nutzfahrzeugs 10 abgekoppelt ist. Mittels des elektrischen Energiespei chers können alternativ oder zusätzlich auch andere elektrisch angetriebene Maschine des Anhängers 46 (oder des Aufbaus 22) mit elektrischer Energie versorgt werden, vorzugsweise ebenfalls im abgekoppelten Zustand des Anhängers 46 oder Aufbaus 22 von dem Nutzfahr zeug 10. Der elektrische Energiespeicher kann von einem Wärmeübertrager temperiert wer den, der bspw. mit Abwärme von der Brennstoffzelleneinrichtung 12 versorgt wird. Der elekt rische Energiespeicher kann auch mittels des elektrischen Ladeanschlusses 38 extern gela den werden. Der elektrische Energiespeicher kann auch durch Rekuperation der elektrisch antreibbaren Achse des Anhängers 46 geladen werden.
Die Erfindung ist nicht auf die vorstehend beschriebenen bevorzugten Ausführungsbeispiele beschränkt. Vielmehr ist eine Vielzahl von Varianten und Abwandlungen möglich, die ebenfalls von dem Erfindungsgedanken Gebrauch machen und deshalb in den Schutzbereich fallen. Insbesondere beansprucht die Erfindung auch Schutz für den Gegenstand und die Merkmale der Unteransprüche unabhängig von den in Bezug genommenen Ansprüchen. Insbesondere sind die einzelnen Merkmale des unabhängigen Anspruchs 1 jeweils unabhängig voneinander offenbart. Zusätzlich sind auch die Merkmale der Unteransprüche unabhängig von sämtlichen Merkmalen des unabhängigen Anspruchs 1 und beispielsweise unabhängig von den Merkma len bezüglich des Vorhandenseins und/oder der Konfiguration des Aufbaus oder Anhängers
und/oder der Brennstoffzelleneinrichtung des unabhängigen Anspruchs 1 offenbart. Alle Be reichsangaben hierin sind derart offenbart zu verstehen, dass gleichsam alle in den jeweiligen Bereich fallenden Werte einzeln offenbart sind, z. B. auch als jeweils bevorzugte engere Au ßengrenzen des jeweiligen Bereichs.
Bezugszeichenliste
10 Nutzfahrzeug
12 Brennstoffzelleneinrichtung
12A Brennstoffzellenstapel
12B Brennstofftank
14 Steuereinheit
16 Traktionsbatterie
18 Nebenaggregat
20 Verbraucher
22 Aufbau
24 Leiterrahmen
26 Fahrerhaus
28,30 Aufbau-/Anhänger-Schnittstelle
32 Tankstutzen
34 Kühl-/Heizkreislauf
36 Kühler
38 Ladeanschluss
40 Hochvoltverteiler
42 Inverter
44 Elektrischer Antriebsstrang
46 Anhänger