Verfahren und Anordnung zum Erstellen eines digitalen Gebäude- modells
Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Anordnung zum Erstellen eines digitalen Gebäudemodells für ein bestehendes Gebäude .
Im Vorfeld der Erstellung eines virtuellen Abbilds für ein Ge- bäude (digitaler Zwilling, digital twin) , bzw. für eine An- sammlung von Gebäuden, werden bestehende Gebäude mit Scannern, insbesondere Laserscannern erfasst. Beim Scannen eines Gebäu- des werden Vermessungspunkte im Gebäude durch geeignete Geräte erfasst und verarbeitet. Diese Vermessungspunkte müssen aber vorher von einem Vermesser festgelegt und im Gebäude scan- gerecht angebracht werden.
Der Vermesser setzt dabei üblicherweise mit Hilfe eines Tachy- meters oder einer Totalstation Vermessungspunkte (Ankerpunkte, Marker), welche beim Scanvorgang miterfasst werden. Dieser vorbereitende Vorgang nimmt annähernd ähnlich viel Zeit in An- spruch wie der eigentliche nachfolgende Scan-Vorgang. Durch diese Massnahme wird der Gebäudestandort „eingenordet", sprich dessen Standort mittels Koordinaten platziert. Weiterhin wer- den durch die Ankerpunktsetzung im Inneren des Gebäudes die systemtechnischen Probleme eines Laserscanners kompensiert. Diese Geräte neigen bei langen Scan-Flächen (z.B. die Wände grosser und langer Räume) zum sogenannten „Drift", d.h. die eigentliche Laserpunkt-Gerade weisst eine Krümmung auf. Bei sehr grossen Gebäuden kommt hier sogar die Erdkrümmung zu tra- gen. Bei Nutzung von durch einen Vermesser platzierten und vorab ausgemessenen Ankerpunkten, können diese in einer Nach- bearbeitung softwareseitig zur Korrektur (Driftkorrektur) ge- nutzt werden. Neben der Platzierung der Ankerpunkte übergibt der Vermesser den im Prozess nachfolgenden Dienstleistern wel- che den Scan des Gebäudes vornehmen die Informationen (insbe- sondere die Positionen) zu den jeweiligen Ankerpunkten bzw. Markern. Im Gebäude bewegbare Scan-Trolleys (z.B. Geräte von der Firma NavVis) können mit Lasertechnologie die im Gebäude
angebrachten Marker erfassen, einiesen, und für eine digitale Weiterverarbeitung zur Verfügung stellen, insbesondere für ei- ne Verwendung in einem digitalen Gebäudeinformationsmodell für das entsprechende Gebäude.
Das bekannte Vorgehen zum Bestimmen der Vermessungspunkte in einem Gebäude und das Einscannen der Vermessungspunkte für die Verwendung in einem digitalen Gebäudeinformationsmodell ist aber mühsam und zeitintensiv .
Es ist daher die Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein effi- zientes Verfahren für die Verwendung von eingescannten Vermes- sungspunkten für ein digitales Gebäudeinformationsmodell be- reitzustellen .
Die Aufgabe wird gelöst durch ein Verfahren zum Erstellen ei- nes digitalen Gebäudemodells (z.B. als „digital twin", d.h. als digitaler Zwilling) für ein bestehendes Gebäude, das Ver- fahren umfassend:
- Festlegen von Ortspunkten (z.B. Marker, Ankerpunkte im Ge- bäude) im Gebäude durch Referenzierung (insbesondere durch op- tische Referenzierung und entsprechende Vermessung z.B. durch ein Lasertachymeter oder eine Totalstation) von offiziellen Ankerpunkten ausserhalb des Gebäudes (z.B. durch Hineinmessen mit einem Tachymeter) für ein Referenzstockwerk des Gebäudes;
- Anbringen von maschinenlesbaren Markern im Referenzstockwerk an den festgelegten Ortspunkten;
- Einlesen der Marker im Referenzstockwerk durch ein entspre- chend eingerichtetes mobiles Lesegerät (Scangerät, z.B. ein Gerät von der Firma NavVis) , wobei, basierend auf der Ortspo- sition der eingelesenen Marker, ein Driftausgleich der Geomet- rie des Referenzstockwerks erfolgt;
- Erstellen eines insbesondere digitalen Volumenmodells für die Räume im Referenzstockwerk in einem Gebäudeinformationsmo- dell (BIM) in einer geeigneten Notation, wobei das digitale
Volumenmodell des Referenzstockwerkes als Referenzvolumenmo- dell bei der Erstellung von digitalen Volumenmodellen für im Wesentlichen identische Stockwerke des Gebäudes verwendet wird. Mit dem mobilen Lesegerät (z.B. Scangerät von der Firma NavVis) muss nur ein einziges Stockwerk als Referenzstockwerk gescannt und in einem digitalen Modell hinterlegt werden. Dies erfolgt in einer geeigneten Notation, z.B. in IFC-Notation (Industry Foundation Class) . Das Modell des Referenzstockwerks wird für die Modellerstellung für baugleiche oder für im We- sentlichen baugleiche Stockwerke verwendet. Die baugleichen bzw. die im Wesentlichen baugleichen Stockwerke müssen nicht physikalisch vermessen und eingescannt werden, da für deren Modellierung das Referenzmodell des Referenzstockwerks verwen- det werden. Dieses Vorgehen ist auch dann noch effizient, wenn das Referenzmodell des Referenzstockwerks für ein weiteres Stockwerk nicht immer eins-zu-ein verwendet werden kann, und eventuell von einem Modellierer manuelle Anpassungen (z.B. durch Tailoring) notwendig sind. Mit Vorteil liefert das mobi- le Lesegerät (Scangerät) eine krümmungskorrigierte 3- dimensionale Punktewolke mit Fotos, Sensorinformationen, Erd- magnetfeld, Accesspoints und Textdatei für das Referenzstock- werk. Mit Vorteil als Volumenmodell für die Räume im Referenz- stockwerk .
Das Verfahren optimiert den zeitlichen Ablauf vor-Ort, der bislang durchgängig eingesetzte Vermesser muss nur noch in Teilbereichen Vermessen und Marken setzen, z.B. ausserhalb des Gebäudes, sowie die nichtuniformen Strukturen innerhalb des Gebäudes. Das Optimierungspotential des vorliegenden Verfah- rens lässt sich insbesondere bei uniformen Gebäuden bzw. Ge- bäudesegmenten, z.B. oftmals Büro-Neubauten, heben. Alle uni- formen Stockwerke werden als „Gleichteil" behandelt. Es genügt eines dieser gleichförmigen Stockwerke zu vermessen, vermarken und einzuscannen. Alle Stockwerke welche „dupliziert" aufei-
nander aufbauen, werden nach dem Scan durch die verarbeitende Software als „identisch" erkannt, und die korrigierenden Mass- nahmen welche beim Referenz-Stockwerk (welches vermessen I vermarkert wurde) auf diese „identischen" Stockwerke übertra- gen. Wenn im Referenzstockwerk nach der Verarbeitung durch ei- ne Recheneinheit/Software eine Wand geradegezogen wurde, wird eine solche „Wandlinie" (aus Grundrissbetrachtung) bzw. "Wand- fläche" (Punktewolkenbetrachtung) auf die gleichartigen Stock- werke angewandt .
Wird ein durchgehendes BIM-Modell (Gebäudeinformationsmodell, mit Nutzung der Objekte und deren Eigenschaften, verwendet, kann weiterhin deren Information mit einfliessen (Objekteigen- schaften von Wänden; z.B. vorgefertigte Aussenwand mit den Di- mensionen x y z und optional weiteren Merkmalen) . Sind neben den Aussenwänden / Grundriss weitergehende Merkmale durchge- hend vorhanden, dies könnte z.B. der Lift-Bereich sein - und wird ein solcher in den gescannten Daten von einer Software erkannt, kann auch dieses Merkmal mit einfliessen, um gleich- artige Stockwerke automatisch „Stock für Stock" auszurichten und im Gebäudemodell (BIM) zu modellieren bzw. zu integrieren. Für ein Stockwerk, insbesondere für das Referenzstockwerk, liegen jeweils eigenständige Datensätze (einer oder mehrere pro Stockwerk) vor, welche in der Weiterverarbeitung mit den anderen Datensätzen aneinander ausgerichtet werden. Dies er- folgt mit Vorteil automatisch, mit Vorteil unter Anwendung von entsprechenden Plausibilitätskriterien (z.B. Aufzugstüren für einen Aufzug liegen in derselben vertikalen Achse) .
Die vom Vermesser ermittelten Positionen / Koordinaten der Re- ferenzflächen können auf die darauf aufbauenden „Stockwerk- Clone" übergeben werden (x und y) . Die z-Achsen-Information könnte ebenfalls automatisch anhand weiterer Stockwerke ermit- telt und erfasst werden, bzw. durch BIM-Objektinformationen
definiert, korrigiert, oder verfeinert werden. Stockwerkshöhen unterscheiden sich „im Gebäudesandwich" (Lobby und Loft sind oftmals abweichend) für gewöhnlich nicht.
Mit Vorteil erfolgt das Erstellen der Modelle für die Stock- werke durch ein benutzerfreundliches „drag and drop"- Verfahren: „Legosteinartig" kann somit ein Gebäude im Modell aufschichtet werden. Den Stockwerksschichten können somit im Modell Information mitgeben werden, z.B. durch einen Vererb- ungsmechanismus, der Parameter (z.B. Ausrichtungs- und Quali- tätsparameter, Eigenschaften, oder Attribute vom Referenz- stockwerk auf die darauf basierenden Clon-Stockwerke (d.h. den Kopien des Referenzstockwerks) vererbt.
Mit Vorteil verwendet das mobile Lesegerät (Scan-Gerät) Soft- ware zur Lösung von SLAM-Problemen . (SLAM: Simultaneous Loca- lization and Mapping, Simultane Positionsbestimmung und Kar- tenerstellung) . Das mobile Lesegerät (Scan-Gerät) kann somit als mobiler Roboter fungieren, der beim Einlesen der Messpunk- te und der dazugehörigen Ortskoordinaten gleichzeitig einen Plan für das Referenzstockwerk erstellt. Mit Vorteil ist der Plan als Teil des Gebäudeinformationsmodells (BIM) verwendbar.
Eine erste vorteilhafte Ausgestaltung der Erfindung liegt da- rin, dass das Referenzvolumenmodell des Referenzstockwerkes bei der Erstellung von digitalen Volumenmodellen für im We- sentlichen identische Stockwerke eines weiteren Gebäudes ver- wendet wird. In jedem Gebäude gibt es uniforme Gebäudesegmen- te. Die vorliegende Erfindung ermöglicht es u.a. diese unifor- men Gebäudesegmente als Gleichteile zu behandeln. Es genügt somit eines dieser gleichförmigen Stockwerke zu vermessen und vermarken. Alle Stockwerke welche „dupliziert" aufeinander aufbauen, werden nach dem Scannen durch die verarbeitende Software als „identisch" erkannt, und eventuell korrigierende
Massnahmen, welche beim Referenz-Stockwerk (welches vermessen bzw. vermarkert wurde) auf diese „identischen" Stockwerke übertragen. Wenn im Referenzstockwerk nach der Verarbeitung durch eine Recheneinheit mit entsprechender Software eine Wand geradegezogen wurde, wird eine solche „Wandlinie" (aus Grund- rissbetrachtung) bzw. eine „Wandfläche" (hinsichtlich Punkte- wolkenbetrachtung) auf die gleichartigen Stockwerke angewandt.
Eine weitere vorteilhafte Ausgestaltung der Erfindung liegt darin, dass basierend auf dem Referenzvolumenmodell des Refe- renzstockwerkes ein BIM Modell erstellt oder erweitert wird. Gebäudedatenmodellierung (Building Information Modeling) ist ein Verfahren zur integrierten und damit optimierten Planung, Erstellung und Betreibung von Gebäuden. Gebäudedaten werden in einem virtuellen, digitalen Gebäudemodell (BIM Modell, Gebäu- deinformationsmodell) in einer maschinenlesbaren Notation hin- terlegt und gepflegt, z.B. in einer entsprechenden Datenbank, auf die die Beteiligten (Architekt, Planer, Bauausführer, Hau- stechnik, Facility-management, etc.) zugreifen können. Das di- gitale Gebäudemodell kann z.B. in IFC-Notation (Industry Foun- dation Classes) erstellt sein.
Eine weitere vorteilhafte Ausgestaltung der Erfindung liegt darin, dass die Referenzierung der offiziellen Ankerpunkte zum Festlegen der Ortspunkte für die Marker durch eine Laser- Tachymeter-Messung oder durch Triangulation erfolgt. Mit elektronischen Tachymetern (Totalstationen) können die Messun- gen sehr genau und schnell durchgeführt werden. Die ermittel- ten Daten (z.B. in Form von dreidimensionalen Messpunkten) werden mit Vorteil auf entsprechende Speichermedien oder di- rekt in entsprechende Computerprogramme oder Datenmodelle ge- laden .
Eine weitere vorteilhafte Ausgestaltung der Erfindung liegt darin, dass die maschinenlesbaren Marker eine optisch lesbare Kennung (z.B. QR-Code, Barcode) umfassen. Die maschinenlesba- ren optischen Kennungen der Marker können leicht an zugängli- chen Stellen im Gebäude angebracht werden und von einer opti- schen Erfassungseinheit (z.B. Laserscanner; z.B. Scan- Vorrichtung der Firma NavVis) eingelesen werden. Die Erfas- sungseinheit kann mit entsprechenden Verarbeitungsmitteln (Prozessor, Software) , um die eingelesenen Daten (Messpunkte für Ortsdaten) weiterzuverarbeiten, um z.B. einen Driftaus- gleich vorzunehmen.
Eine weitere vorteilhafte Ausgestaltung der Erfindung liegt darin, dass die maschinenlesbaren Marker einen RFID-Tag umfas- sen. RFID-Tags können z.B. unter Putz angebracht werden. Mit Vorteil erkennt die Erfassungseinheit im Gebäude vorhandene Marker, die durch RFID-Tags gekennzeichnet bzw. referenziert sind .
Die Aufgabe wird weiterhin gelöst durch eine Anordnung zum Er- stellen eines digitalen Gebäudemodells (digital twin) für ein bestehendes Gebäude, die Anordnung umfassend:
- Mittel zum Festlegen von Ortspunkten (Marker, Ankerpunkte im Gebäude) im Gebäude durch Referenzierung von offiziellen An- kerpunkten ausserhalb des Gebäudes (durch Hineinmessen) für ein Referenzstockwerk des Gebäudes;
- Mittel zum Einlesen von an den festgelegten Ortspunkten im Referenzstockwerk angebrachten maschinenlesbaren Markern, wo- bei, basierend auf der Ortsposition der eingelesenen Marker, ein Driftausgleich der Geometrie des Referenzstockwerks er- folgt, und wobei ein insbesondere digitales Volumenmodell für die Räume im Referenzstockwerk in einem Gebäudeinformationsmo- dell (BIM) in einer geeigneten Notation erstellbar und in ei- nem Speichermedium hinterlegbar ist;
- entsprechend eingerichtete Verarbeitungsmittel, um das digi- tale Volumenmodell des Referenzstockwerkes als Referenzvolu- menmodell bei der Erstellung von digitalen Volumenmodellen für im Wesentlichen zum Referenzstockwerk identische Stockwerken des Gebäudes oder eines weiteren Gebäudes zu verwenden. Die zur Realisierung der Anordnung erforderlichen Mittel sind bei einer Gebäudeplanung bzw. Erstellung üblicherweise vorhanden oder es kann auf diese leicht zugegriffen werden, z.B. durch Beauftragung von entsprechenden Fachfirmen (z.B. für das Aus- messen der Ankerpunkte oder das Scannen der Marker) .
Eine weitere vorteilhafte Ausgestaltung der Erfindung liegt darin, dass das Speichermedium eingerichtet ist, dass das Re- ferenzvolumenmodell als BIM-Modell hinterlegbar ist. Dadurch kann das Referenzvolumenmodell direkt für eine Gebäudedatenmo- dellierung verwendet werden. Gebäudedatenmodellierung (Buil- ding Information Modeling) ist ein Verfahren zur integrierten und damit optimierten Planung, Erstellung und Betreibung von Gebäuden. Gebäudedaten werden in einem virtuellen, digitalen Gebäudemodell (BIM Modell) in einer maschinenlesbaren Notation hinterlegt und gepflegt, z.B. in einer entsprechenden Daten- bank, auf die die Beteiligten (Architekt, Planer, Bauausfüh- rer, Haustechnik, Facilitymanagement, etc.) zugreifen können. Das digitale Gebäudemodell kann z.B. in IFC-Notation (Industry Foundation Classes) erstellt sein. Für die Gebäudedatenmodel- lierung gibt es entsprechende computerunter-stützte Werkzeuge (z.B. CAD Tools ) .
Eine weitere vorteilhafte Ausgestaltung der Erfindung liegt darin, dass die digitalen Volumenmodelle für die im Wesentli- chen zum Referenzstockwerk identischen Stockwerke als BIM- Modell hinterlegbar sind. In jedem Gebäude gibt es uniforme Gebäudesegmente. Die vorliegende Erfindung ermöglicht es u.a. diese uniformen Gebäudesegmente als Gleichteile zu behandeln.
Es genügt somit eines dieser gleichförmigen Stockwerke zu ver- messen und vermarken. Die Hinterlegung der zum Referenzstock- werk identischen Stockwerke im BIM-Modell ermöglicht eine ef- fiziente Erstellung des BIM-Modells.
Die Erfindung sowie vorteilhafte Ausführungen der vorliegenden
Erfindung werden am Beispiel der nachfolgenden Figur erläu- tert . Dabei zeigt :
FIG 1 einen beispielhaften Auszug eines Stadtplans mit
beispielhaften behördlich vermessenen Ankerpunkten,
FIG 2 eine beispielhafte Anordnung zum Erstellen eines di- gitalen Gebäudemodells für ein bestehendes Gebäude,
FIG 3 einen beispielhaften Marker für einen festgelegten
Ortspunkt in einem Gebäude,
FIG 4 beispielhafte Modellsichten für ein beispielhaftes
Gebäude, und
FIG 5 ein beispielhaftes Flussdiagramm für ein Verfahren zum Erstellen eines digitalen Gebäudemodells für ein bestehendes Gebäude.
Figur 1 zeigt einen beispielhaften Auszug eines Stadtplans mit beispielhaften behördlich vermessenen Ankerpunkten OAP1 - OAP4. Solche Ankerpunkte OAP1 - OAP4 werden im Fachgebiet der Geodäsie, insbesondere der Ingenieurgeodäsie, z.B. für die Landesvermessung, Katastervermessung oder die Bauwerksvermes- sung bestimmt oder verwendet. Ankerpunkte OAP1 - OAP4 werden auch als Vermessungspunkte oder Messpunkte bezeichnet. Sie
können z.B. durch Triangulation als Trigonometrischer Punkt mit entsprechenden Koordinaten festgelegt werden. Je nach An- wendung werden Ankerpunkte auch als Höhenfestpunkt, geodäti- scher Festpunkt, Höhenmarke, Lagefestpunkt, etc. bezeichnet. Die Ankerpunkte OAP1 - OAP4 können z.B. als Lagekoordinaten in einem Gauss-Krüger-Koordinatensystem oder in einem UTM- Koordinatensystem (Universal Transverse Mercator) definiert werden .
Durch Referenzierung der offiziellen Ankerpunkte OAP1 - OAP4, z.B. durch Hineinmessen von offiziellen Ankerpunkten OAP1 - OAP4 in ein Gebäude werden Ortspunkten (Marker) im Gebäude festgelegt. Diese Ortspunkte (Marker) im Gebäude sind durch entsprechende Kennungen (z.B. QR-Code) markiert. Diese Orts- punkte (Marker) im Gebäude können durch geeignete Lesevorrich- tungen (z.B. Scan-Vorrichtung der Firma NavVis) eingelesen, ausgewertet und in ein Gebäudeinformationsmodell hinterlegt werden .
Figur 2 zeigt eine beispielhafte Anordnung zum Erstellen eines digitalen Gebäudemodells (digital twin) BIM für ein bestehen- des Gebäude GB .
Die Anordnung umfasst:
- Mittel LT zum Festlegen von Ortspunkten (Marker, Ankerpunkte im Gebäude) im Gebäude GB durch Referenzierung Ref1, Ref2 von offiziellen Ankerpunkten OAP5, OAP6 ausserhalb des Gebäudes GB (durch Hineinmessen) für ein Referenzstockwerk des Gebäudes GB;
- Mittel MG1, AV1, MG2, AV2 zum Einlesen von an den festgeleg- ten Ortspunkten im Referenzstockwerk angebrachten maschinen- lesbaren Markern M1, M2, wobei, basierend auf der Ortsposition der eingelesenen Marker M1, M2, ein Driftausgleich der Geomet- rie des Referenzstockwerks erfolgt, und wobei ein digitales
Volumenmodell BIM für die Räume im Referenzstockwerk in einer geeigneten Notation erstellbar und in einem Speichermedium DB hinterlegbar ist;
- entsprechend eingerichtete Verarbeitungsmittel S, um das di- gitale Volumenmodell BIM des Referenzstockwerkes als Referenz- volumenmodell bei der Erstellung von digitalen Volumenmodellen für im Wesentlichen zum Referenzstockwerk identische Stockwer- ken des Gebäudes GB oder eines weiteren Gebäudes zu verwenden.
Das Modell des Referenzstockwerks wird für die Modellerstel- lung für baugleiche oder für im Wesentlichen baugleiche Stock- werke verwendet. Die baugleichen bzw. die im Wesentlichen bau- gleichen Stockwerke müssen nicht physikalisch vermessen und eingescannt werden, da für deren Modellierung das Referenzmo- dell des Referenzstockwerks verwendet werden. Dieses Vorgehen ist auch dann noch effizient, wenn das Referenzmodell des Re- ferenzstockwerks für ein weiteres Stockwerk nicht immer eins- zu-ein verwendet werden kann, und eventuell von einem Model- lierer manuelle Anpassungen (z.B. durch Tailoring) notwendig sind. Mit Vorteil liefert das mobile Lesegerät (Scangerät, Trolley, Drohne) MG1, MG2 eine krümmungskorrigierte dreidimen- sionale Punktewolke mit Fotos, Sensorinformationen, Erdmagnet- feld, Accesspoints und Textdatei für das Referenzstockwerk.
Mit Vorteil ist das Speichermedium DB eingerichtet, dass das Referenzvolumenmodell als BIM-Modell BIM hinterlegbar ist.
Dies erfolgt in einer geeigneten Notation, z.B. in IFC- Notation (Industry Foundation Class) .
Mit Vorteil ist das Speichermedium DB eingerichtet, dass die digitalen Volumenmodelle für die im Wesentlichen zum Referenz- stockwerk identischen Stockwerke als BIM-Modell BIM hinter- legbar sind, z.B. in IFC-Notation (Industry Foundation Class) .
Das Festlegen von Ortspunkten M1, M2 (Marker, Ankerpunkte im Gebäude) im Gebäude GB durch Referenzierung Ref1, Ref2 von of- fiziellen Ankerpunkten OAP5, OAP6 erfolgt z.B. durch ein La- sertachymeter LT oder durch Triangulation. Mit einem mobilen Lesegerät MGI (z.B. Scangerät von der Firma NavVis) muss nur ein einziges Stockwerk als Referenzstockwerk gescannt und in einem digitalen Modell hinterlegt werden. Das mobile Lesegerät MGI umfasst z.B. eine optische Aufnahmevorrichtung AV1 zum Einlesen von an den festgelegten Ortspunkten im Referenzstock- werk angebrachten maschinenlesbaren Marker M1, M2. Im Prinzip kann auch eine Drohne (unbemanntes Luftfahrzeug) MG2 mit einer entsprechenden Aufnahmevorrichtung AV2 zum Einlesen von an den festgelegten Ortspunkten angebrachten maschinenlesbaren Mar- kern M1, M2 verwendet werden. Die mobilen Lesegeräte MG1, MG2 können sich selbständig autonom im Gebäude bewegen, oder ge- steuert durch einen Bediener B.
Als mobiles Gerät MG1 kann z.B. ein Trolley mit entsprechendem Messequipment AV1 verwendet werden, der von einem Bediener B durch das Gebäude GB geschoben wird, wie z.B. der Trolley M3 der Firma Navvis GmbH. Als mobiles Gerät zum Erfassen des Sollzustandes kann auch ein mobiler Roboter verwendet werden, z.B. ein Fahrroboter mit entsprechenden Messgeräten, der auto- nom bzw. semi-autonom im entsprechenden Gebäude herumfährt.
Als mobiles Gerät MG2 zum Erfassen des Sollzustandes kann auch eine Drohne (unbemanntes Luftfahrzeug) mit entsprechenden Messgeräten verwendet werden, die sich autonom im Gebäude GB und/oder um das Gebäude GB herum bewegt. Der Vorteil in der Verwendung einer Drohne MG2 liegt u.a. darin, dass sie sehr leicht in Treppen oder Treppenhäuser verwendet werden kann. Eine Drohne kann autonom (mit entsprechender Programmierung und Steuerung), semiautonom, oder manuell (d.h. durch einen Bediener gesteuert) eingesetzt werden.
Über geeignete Kommunikationsverbindungen KV1, KV2 (z.B. über entsprechende Funkverbindungen, WLAN, Internet, Mobilfunkver- bindung) können die von den Aufnahmevorrichtungen AV1, AV2 ge- lesenen Ortspunktdaten (Ortspunkten) OPD1, OPD2 der Marker M1, M2 an einen Sever S weitergeleitet werden. Die Ortspunktdaten OPD1, OPD2 aller eingelesenen Marker im Gebäude GB können beim Server S als Punktwolke an. Der Sever S (Computer mit entspre- chenden Verarbeitungs- und Speichermittel) analysiert die Punktwolke und bildet diese in ein Gebäudeinformationsmodell BIM ab, z.B. in Form eines digitalen Volumenmodells.
Ein Vorteil der Erfindung liegt darin, dass ein Referenzvolu- menmodell eines Referenzstockwerkes bei der Erstellung von di- gitalen Volumenmodellen für im Wesentlichen identische Stock- werke des Gebäudes verwendet wird. In jedem Gebäude gibt es uniforme Gebäudesegmente. Die vorliegende Erfindung ermöglicht es u.a. diese uniformen Gebäudesegmente als Gleichteile zu be- handeln. Es genügt somit eines dieser gleichförmigen Stockwer- ke zu vermessen und vermarken.
Das Gebäudeinformationsmodell BIM wird in einer geeigneten Da- tenbank DB abgelegt, z.B. in einer In-Memory-Datenbank, was einen schnellen Zugriff ermöglicht. Mit Vorteil ist der Server S in einer Cloud-Infrastruktur C realisiert.
Figur 3 zeigt einen beispielhaften Marker M3 für einen festge- legten Ortspunkt in einem Gebäude. Mit Vorteil umfasst der Marker M3 eine maschinenlesbare oder eine optisch lesbare Ken- nung (z.B. QR-Code, Barcode) . Die maschinenlesbaren optischen Kennungen der Marker können leicht an zugänglichen Stellen im Gebäude angebracht werden und von einer optischen Erfassungs- einheit (z.B. Laserscanner; z.B. Scan-Vorrichtung der Firma NavVis) eingelesen werden. Die Erfassungseinheit kann mit ent- sprechenden Verarbeitungsmitteln (Prozessor, Software) , um die
eingelesenen Daten (Messpunkte für Ortsdaten) weiterzuverar- beiten, um z.B. einen Driftausgleich vorzunehmen.
Mit Vorteil ist der Marker M3 geeignet für die Lösung von SLAM-Problemen (SLAM: Simultaneous Localization and Mapping, Simultane Positionsbestimmung und Kartenerstellung) . Das mobi- le Lesegerät (Scan-Gerät) kann somit als mobiler Roboter fun- gieren, der beim Einlesen der Messpunkte (Marker) und der da- zugehörigen Ortskoordinaten gleichzeitig einen Plan für das entsprechende Gebäudestockwerk erstellt.
Mit Vorteil umfasst der Marker M3 ein Kreuz-Zeichen für eine exakte Lokalisierung und einen Pfeil für die Orientierung (z.B. Ausrichtung gemäss Himmelsrichtung) . Mit Vorteil umfasst der Marker M3 eine eindeutige Identifizierungskennung (z.B. ID-Nummer) . Mit Vorteil besteht der Marker M3 aus einem robus- ten Material, das auch an einer Gebäudeaussenwand einsetzbar ist. Mit Vorteil umfasst der Marker M3 bibliografische Daten (z.B. Zeitpunkt der Ortsreferenzierung, Zeitpunkt der Anbrin- gung, zuständige Firma, zuständiger Bearbeiter, offizieller Ankerpunkt auf dessen Basis die Referenzierung erfolgte) .
Figur 4 zeigt beispielhafte Modellsichten SM1 - SM4 für ein beispielhaftes Gebäude auf einer beispielhaften Bedienoberflä- che UI. Die beispielhafte Bedienoberfläche UI kann z.B. auf einem Display (z.B. Touchscreen) eines Computerdisplay darge- stellt werden. Die beispielhaften Modellsichten SM1 - SM4 zei- gen unterschiedliche Sichten oder Darstellungsarten von digi- talen Volumenmodellen als Aspekte (Teile) eines Gebäudeinfor- mationsmodells. Die Sichten SM1 - SM4 zeigen beispielhafte 2D- oder 3D-Sichten des Gebäudemodells. Die Ortskoordinaten des Modells basieren auf den eingelesenen und ausgewerteten Mar- kern beim Scannen des zum Modell gehörigen Gebäudes. Die Be- dienoberfläche UI umfasst eine Menüleiste ML für benutzerein- gaben oder Benutzerauswahlen.
Figur 5 zeigt ein beispielhaftes Flussdiagramm für ein Verfah- ren zum Erstellen eines digitalen Gebäudemodells für ein be- stehendes Gebäude. Das Verfahren umfasst:
- Festlegen von Ortspunkten (Marker, Ankerpunkte im Gebäude) im Gebäude durch Referenzierung von offiziellen Ankerpunkten ausserhalb des Gebäudes (durch Hineinmessen) für ein Referenz- stockwerk des Gebäudes;
- Anbringen von maschinenlesbaren Markern im Referenzstockwerk an den festgelegten Ortspunkten;
- Einlesen der Marker im Referenzstockwerk durch ein entspre- chend eingerichtetes mobiles Lesegerät (z.B. Scangerät, Navis- Gerät der Firma NavVis) , wobei, basierend auf der Ortsposition der eingelesenen Marker, ein Driftausgleich der Geometrie des Referenzstockwerks erfolgt;
- Erstellen eines insbesondere digitalen Volumenmodells im di- gitalen Gebäudemodell (BIM) für die Räume im Referenzstockwerk in einer geeigneten Notation; wobei das digitale Volumenmodell des Referenzstockwerkes als Referenzvolumenmodell bei der Er- stellung von digitalen Volumenmodellen für im Wesentlichen identische Stockwerke des Gebäudes verwendet wird. Das Festle- gen von Ortspunkten (Marker, Ankerpunkte im Gebäude) im Gebäu- de durch Referenzierung von offiziellen Ankerpunkten erfolgt z.B. durch ein Lasertachymeter oder durch Triangulation.
Mit einem mobilen Lesegerät (z.B. Scangerät von der Firma Na- vVis) muss nur ein einziges Stockwerk als Referenzstockwerk gescannt und in einem digitalen Modell hinterlegt werden. Dies erfolgt in einer geeigneten Notation, z.B. in IFC-Notation (Industry Foundation Class) . Das Modell des Referenzstockwerks wird für die Modellerstellung für baugleiche oder für im We- sentlichen baugleiche Stockwerke verwendet. Die baugleichen bzw. die im Wesentlichen baugleichen Stockwerke müssen nicht physikalisch vermessen und eingescannt werden, da für deren
Modellierung das Referenzmodell des Referenzstockwerks verwen- det werden. Dieses Vorgehen ist auch dann noch effizient, wenn das Referenzmodell des Referenzstockwerks für ein weiteres Stockwerk nicht immer eins-zu-ein verwendet werden kann, und eventuell von einem Modellierer manuelle Anpassungen (z.B. durch Tailoring) notwendig sind. Mit Vorteil liefert das mobi- le Lesegerät (Scangerät) eine krümmungskorrigierte dreidimen- sionale Punktewolke mit Fotos, Sensorinformationen, Erdmagnet- feld, Accesspoints und Textdatei für das Referenzstockwerk.
Beispielhafter Inhalt einer Punktewolkedatei: ply
format ascii 1.0
element vertex 363
property float x
property float y
property float z
property float scalar_scan_time_from_start
property float scalar_roll
property float scalar_pitch
property float scalar_yaw
property uint scalar_confidence_metric
comment UTC time at Start 1528458354.284151
end_header
-0.000374 -0.000614 0.000247 10.016065 -0.000821 -0.037225 - 0.013847 0
0.001295 0.016669 -0.016714 10.916214 0.000584 -0.048837 - 0.016327 26907
-0.000672 0.002347 0.001899 11.816589 -0.000535 -0.039471 - 0.015925 50000
-0.001323 0.009148 -0.010352 12.716636 -0.001709 -0.044635 - 0.016510 50000
0.001556 0.003548 -0.001648 13.616427 0.000603 -0.036830 - 0.013826 50000
0.004702 0.013384 .008795 14.541398 0.004530 0.03876
0.013606 50000
0.001446 0.004157 0.000075 15.466380 0.003677 0.04219
0.014400 50000
0.005786 0.004428 .008930 16.466257 0.002561 0.04060
0.013492 50000
0.003914 0.002555 0.002479 17.466155 0.004913 0.03935
0.013419 50000
0.003208 0.002262 .003176 18.466278 0.004496 0.04410
0.012279 50000
.000103 0.005178 0.004468 19.466257 0.006104 0.04361 0.010986 50000
0.003960 0.004793 0.007028 20.466523 0.007117 0.041868 0.002362 50000
Eine Punktewolkedatei kann durch einen entsprechenden Konver- ter in die Notation eines Gebäudeinformationsmodells (BIM- Modell) übersetzt bzw. umgesetzt werden.
Mit Vorteil wird, basierend auf dem Referenzvolumenmodell des Referenzstockwerkes, ein BIM Modell erstellt oder erweitert, z.B. in IFC-Notation .
Das erfindungsgemässe Verfahren kann mit entsprechend einge- richteten Hardware- und Softwarekomponenten (z.B. Prozesso- reinheit, Speichermittel, Ein-/Ausgabeeinheiten, Softwarepro- gramme) realisiert werden. Das erfindungsgemässe Verfahren er- möglicht insbesondere eine optimierte und effiziente Umsetzung bzw. Erstellung eines digital twins (Dgitaler Zwilling) . Dies ermöglicht bei der Gebäudeerstellung und beim Gebäudemanage- ment u.a. eine Kosten- und Zeitpositionsverbesserung für u.a. ausführende und offerierende Vertriebseinheiten.
Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Anordnung zum Erstellen eines digitalen Gebäudemodells für ein bestehendes Gebäude, wobei Ortspunkte im Gebäude durch Referenzierung von offiziellen Ankerpunkten ausserhalb des Gebäudes für ein Refe- renzstockwerk des Gebäudes festgelegt werden; wobei maschinen- lesbare Marker im Referenzstockwerk an den festgelegten Orts- punkten angebracht werden; wobei die Marker im Referenzstock- werk durch ein entsprechend eingerichtetes mobiles Lesegerät (Scangerät) eingelesen werden, wobei, basierend auf der Orts- position der eingelesenen Marker, ein Driftausgleich der Geo- metrie des Referenzstockwerks erfolgt; wobei ein digitales Vo- lumenmodell für die Räume im Referenzstockwerk in einer geeig- neten Notation erstellt wird; und wobei das digitale Volumen- modell des Referenzstockwerkes als Referenzvolumenmodell bei der Erstellung von digitalen Volumenmodellen für im Wesentli- chen identische Stockwerke des Gebäudes verwendet wird.
Bezugszeichen
MAP Stadtplan
OAP1 - OAP 6 Offizieller Ankerpunkt LT Lasertachymeter
M1 - M3 Marker
GB Gebäude
C Cloud
S Server
DB Datenbank
BIM Gebäudeinformationsmodell
KV1 , KV2 Kommunikationsverbindung B Bediener
MG1, MG2 Mobiles Gerät
AV1 , AV2 Aufnähmevorrichtung
OPD1 , OPD2 Ortspunkt
Ref1 , Ref2 Referenzierung
ML Menüleiste
UI Bedienoberfläche
SM1 - SM4 Site Model (Plan-Modell)