Beschreibung
Verfahren zum Bereitstellen einer Fahrwegsvorgabe
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum Bereitstellen einer Fahrwegsvorgabe für ein Fahrwegsystem eines Fahrzeugs. Ferner betrifft die vorliegende Erfindung ein
Fahrwegsystem für ein Fahrzeug.
Fahrzeuge, welche über Fahrassistenzsysteme verfügen, die den Fahrer bei der Führung des Fahrzeuges in Quer- und/oder Längsrichtung unterstützen, sind aus dem Stand der Technik bekannt. Als Eingabedaten dienen den Fahrassistenzsystemen Messwerte umfangreicher Sensoriksysteme, beispielsweise GPS, Radar, Ultraschall oder Kameras. Somit kann einerseits die Position des Fahrzeuges als auch die anderer Fahrzeuge und Gegenstände sowie die Begrenzung der Fahrbahn ermittelt werden. Damit kann eine Fahrzeugführung anhand aktueller Daten erfolgen.
Aus der DE 10 2016 209 281 A1 , der DE 10 2013 207 658 A1 und der DE 10 2016 216 335 A1 ist ebenfalls bekannt, die gefahrenen Trajektorien anderer Verkehrsteilnehmer zu nutzen. Diese können als Trajektorienvorgabe dienen, um auf der Basis von Daten aus vorangegangenen Fahrten die Fahrzeugführung durchzuführen.
Allerdings ist es ein Nachteil, dass die Trajektorienvorgabe anhand dieser historischen Daten oft aufgrund der aktuellen Fahrtsituation nur eine geringe Signifikanz für die Fahrzeugführung aufweist. Ein weiterer Nachteil ist, dass bei Vorliegen vieler gefahrener Trajektorien unklar ist, wie voneinander abweichende Trajektorien bewertet und genutzt werden können. Daher ist der Nutzung einer solchen Trajektorienvorgabe häufig begrenzt, insbesondere für die Bereitstellung eines sicheren und/oder komfortablen Fahrwegs.
Es ist daher die Aufgabe der vorliegenden Erfindung, die oben beschriebenen Nachteile im Stand der Technik zumindest teilweise zu beheben. Insbesondere ist es die Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren zum Bereitstellen einer Fahrwegsvorgabe für ein Fahrwegsystem eines Fahrzeuges sowie ein Fahrwegsystem für ein Fahrzeug bereitzustellen, welches die Signifikanz und den Nutzen der Trajektorienvorgabe bspw. in Bezug auf den Komfort und die Sicherheit verbessert.
Die voranstehende Aufgabe wird durch die Patentansprüche gelöst. Insbesondere wird die Aufgabe gelöst durch ein Verfahren zum Bereitstellen einer Fahrwegsvorgabe für ein
Fahrwegsystem eines Fahrzeuges gemäß den Merkmalen des unabhängigen Anspruchs 1. Ferner wird die Aufgabe gelöst durch ein Fahrwegsystem für ein Fahrzeug mit den Merkmalen des nebengeordneten Anspruchs 8. Weitere Vorteile und Details der Erfindung ergeben sich aus den Unteransprüchen, der Beschreibung und den Zeichnungen. Dabei gelten Merkmale und Details, die im Zusammenhang mit dem erfindungsgemäßen Verfahren beschrieben sind, selbstverständlich auch im Zusammenhang mit dem erfindungsgemäßen Fahrwegsystem und jeweils umgekehrt, sodass bezüglich der Offenbarung zu den einzelnen Erfindungsaspekten stets wechselseitig Bezug genommen wird bzw. werden kann.
Gemäß einem ersten Aspekt der Erfindung wird die Aufgabe gelöst durch ein Verfahren zum Bereitstellen einer Fahrwegsvorgabe bei einem Fahrzeug, insbesondere für ein Fahrwegsystem des Fahrzeuges, welches die folgenden Schritte umfasst:
- Bereitstellen von einer Mehrzahl von erfassten Trajektorien weiterer Fahrzeuge in einem zu befahrenden Wegabschnitt, vorzugsweise durch einen Empfang mittels eines Empfangsmoduls des Fahrzeuges, bevorzugt von einer Datenbank, oder alternativ bereitgestellt bei einer zentralen Verarbeitungsvorrichtung, wobei besonders bevorzugt die Trajektorien durch die weiteren Fahrzeuge erfasst worden sind,
- Ermitteln einer Trajektorienvorgabe aus den erfassten Trajektorien, bspw. durch eine Recheneinheit des Fahrzeuges oder durch die zentrale Verarbeitungsvorrichtung, wobei optional die Trajektorienvorgabe anschließend an das Fahrzeug übertragen und/oder dort bereitgestellt wird,
- Ermitteln einer Abweichungszone aus den erfassten Trajektorien, bspw. durch die
Recheneinheit des Fahrzeuges oder durch die zentrale Verarbeitungsvorrichtung, wobei die Abweichungszone bestimmt wird anhand einer Abweichung zumindest einzelner erfasster Trajektorien von der Trajektorienvorgabe,
- Bestimmen der Fahrwegsvorgabe zumindest anhand der Trajektorienvorgabe und der Abweichungszone.
Die vorgenannten Schritte können dabei erfindungsgemäß nacheinander in der angegebenen Reihenfolge oder in beliebiger Reihenfolge durchgeführt werden. Einzelne und/oder sämtliche Schritte können ggf. auch wiederholt durchgeführt werden.
Mittels der Fahrwegsvorgabe kann durch die zusätzliche Bereitstellung der Abweichungszone der Nutzen der Trajektorienvorgabe verbessert werden. Insbesondere kann anhand der Abweichungszone eine Aussage über die Signifikanz der Trajektorienvorgabe getroffen werden, um die Fahrzeugführung basierend auf die Fahrwegsvorgabe durchzuführen. Darüber hinaus
kann die Fahrwegsvorgabe auch genutzt werden, um die Trajektorienvorgabe im Rahmen der Abweichungszone für die Fahrzeugführung, insbesondere Querführung und/oder Längsführung des Fahrzeuges, einzusetzen. Damit ist eine Kombination mit der Fahrzeugführung anhand aktueller Daten möglich, da die Abweichungszone einen Bereich vorgeben kann, in welchem die aktuellen Daten die Fahrzeugführung beeinflussen können.
Ein Fahrwegsystem eines Fahrzeuges kann die Art und Weise, wie das Fahrzeug sich in einem zu befahrenden Wegabschnitt bewegt, autonom oder zumindest teilweise autonom bestimmen. Mit der Art und Weise ist insbesondere die Querführung, bzw. Lenken, und/oder die
Längsführung, also das Steuern der Geschwindigkeit des Fahrzeuges gemeint. Dabei kann die Fahrwegsvorgabe, welche vom erfindungsgemäßen Verfahren bereitgestellt wird, der tatsächlich gefahrenen Trajektorien entsprechen. Es ist jedoch auch denkbar, dass es weitere Fahrwegsvorgaben für das Fahrwegsystem eines Fahrzeuges gibt, welche miteinander im Verbund ausgewertet und entweder eine der Fahrwegsvorgaben ausgewählt oder eine weitere Fahrwegsvorgabe auf Basis mehrerer Fahrwegsvorgaben errechnet wird.
Als Trajektorie kann im weiteren Sinne der Bewegungspfad eines Objektes in einem Raum verstanden werden. Im engeren Sinne kann es sich bei der Trajektorie um den Fahrweg eines Fahrzeuges in einem Wegabschnitt handeln, insbesondere gekennzeichnet durch Positionen des Fahrzeuges in Querrichtung und/oder die Längsgeschwindigkeit des Fahrzeuges entlang einer Fahrbahn. Bei erfassten Trajektorien kann es sich mit anderen Worten um die
Bewegungspfade handeln, welche von Fahrzeugen bereits durchquert wurden und z. B. durch diese Fahrzeuge erfasst und/oder gespeichert und/oder an eine zentrale
Verarbeitungsvorrichtung übertragen wurden. Bei dem zu befahrenden Wegabschnitt handelt es sich um den Raum, welcher von dem Fahrzeug durchquert werden soll, für den die
Fahrwegsvorgabe bereitgestellt wird. Bei den weiteren Fahrzeugen handelt es sich um
Fahrzeuge, welche zeitlich zuvor in dem zu befahrenen Wegabschnitt einen Bewegungspfad durchlaufen haben. Dabei kann es sich durchaus auch um das Fahrzeug handeln, für den die Fahrwegsvorgabe nach dem erfindungsgemäßen Verfahren bereitgestellt wird. Bei einer Trajektorienvorgabe kann es sich um eine Bahn oder einen Bewegungspfad und/oder ein Geschwindigkeitsprofil des Fahrzeugs in dem zu befahrenden Wegabschnitt handeln. Bei der Abweichungszone kann es sich um einen Bereich handeln, welcher aus den erfassten
Trajektorien bestimmt wird und welche die Trajektorienvorgabe umgeben kann. Die
Abweichungszone ist ggf. eindimensional ausgeführt, und umfasst somit z. B. nur einen Bereich in Querrichtung oder einen Bereich, der die Abweichung bzgl. der durchschnittlichen
Längsgeschwindigkeit beschreibt. Die Fahrwegsvorgabe, welche für ein Fahrwegsystem bereitgestellt wird, kann zumindest anhand der Trajektorienvorgabe und der Abweichungszone
bestimmt werden, wobei insbesondere die Abweichungszone die Trajektorienvorgabe umgibt und einen Bereich beschreibt, in dem sich das Fahrzeug bevorzugt aufhalten kann.
Es kann vorgesehen sein, dass das Fahrzeug, welches grundsätzlich jede Art von Fahrzeug sein kann, ein Landfahrzeug, insbesondere ein Kraftfahrzeug und bevorzugt ein Pkw sein kann.
Weiterhin kann vorgesehen sein, dass die Schritte zum Bereitstellen einer Fahrwegsvorgabe wiederholt werden. Dabei kann vorgesehen sein, dass der zu befahrende Wegabschnitt weiter in Teilstücke unterteilt wird, und dass das Verfahren zum Bereitstellen der Fahrwegsvorgabe zumindest an jedem Punkt der Unterteilung durchgeführt wird. Dies bietet den Vorteil, dass der Rechenaufwand zum Bereitstellen der Fahrwegsvorgabe reduziert ist. Alternativ dazu kann auch vorgesehen sein, dass das Verfahren zum Bereitstellen einer Fahrwegsvorgabe kontinuierlich abläuft, was das Bereitstellen einer besonders sicheren und genauen
Fahrwegsvorgabe ermöglicht.
Erfindungsgemäß kann weiterhin vorgesehen sein, dass die erfassten Trajektorien durch mobile Datenübertragung und/oder per Fahrzeug-zur-Fahrzeug-Kommunikation und/oder zwischen dem Fahrzeug und/oder einer Infrastruktur übertragen werden. Die mobile Datenübertragung bietet den Vorteil, dass diese nahezu an jedem Ort verfügbar ist und somit eine besonders sichere Bereitstellung der erfassten Trajektorien ermöglicht. Die Fahrzeug-zu-Fahrzeug- Kommunikation bietet den Vorteil, dass auf diese Weise besonders aktuelle erfasste
Trajektorien übertragen werden können. Die Übertragung über eine Infrastruktur bietet den Vorteil, dass insbesondere an Gefahrenstellen oder besonderen Fahrumgebungen erfasste Trajektorien sicher übermittelt werden können.
Es kann vorgesehen sein, dass die erfassten Trajektorien dezentral, also beispielsweise in einzelnen Mobilgeräten, Fahrzeugen oder einer Infrastruktur abgelegt sind, was den Vorteil bietet, dass eine erhöhte Datensicherheit gewährleistet ist.
Ebenfalls kann vorgesehen, dass die Ermittlung der Trajektorienvorgabe und/oder der
Abweichungszone und/oder die Bestimmung der Fahrwegsvorgabe auf einem Server außerhalb des Fahrzeugs erfolgt. Dies bietet den Vorteil, dass auch aufwändigere Berechnungen durchgeführt werden können, wodurch sich die Qualität der Fahrwegsvorgabe und die
Sicherheit erhöht.
Weiter kann auch vorgesehen sein, dass die ermittelten Trajektorien zentral auf einem Server hinterlegt sind, was insbesondere den Vorteil bietet, dass die Daten zusammengefasst, optimiert und besonders sicher gespeichert werden können. Dabei kann auch vorgesehen sein,
dass die Daten anonymisiert werden, sodass ein Rückschluss auf einzelne Personen nicht möglich ist.
Erfindungsgemäß kann weiter vorgesehen sein, dass die Trajektorienvorgabe eine mittlere Trajektorie der erfassten Trajektorien ist, wobei bevorzugt eine Mittelung über das arithmetische Mittel der erfassten Trajektorien erfolgt und/oder die Abweichungszone über die
Standardabweichung der erfassten Trajektorien berechnet wird. Bei der Mittelung kann es sich prinzipiell um jedes mathematische Mittel handeln, beispielsweise das geometrische oder quadratische Mittel. Ebenfalls kann vorgesehen sein, dass der Median zu Mittelung gebildet wird. Das arithmetische Mittel bietet den Vorteil, dass es einfach berechnet werden kann, und eine gleichmäßige Berücksichtigung der Daten ermöglicht. In Bezug auf die Abweichungszone kann vorgesehen sein, dass diese ein Bruchteil oder ein ganzzahliges Vielfaches der berechneten Standardabweichung beträgt. Weiterhin kann vorgesehen sein, dass eine
Verteilungsfunktion der erfassten Trajektorien ermittelt wird, und basierend auf einer
mathematischen Analyse der Verteilungsfunktion eine entsprechend angepasste Varianz berechnet wird. Dies bietet den Vorteil, dass eine besonders genaue Abweichungszone ermittelt werden kann. Ebenfalls kann vorgesehen sein, dass die Größe der Abweichungszone zum Teil über eine Benutzereingabe gesteuert werden kann, was den Vorteil bietet, dass der Führer des Fahrzeuges die Abweichungszone an seine individuellen Bedürfnisse anpassen kann, wodurch der Komfort beim Bereitstellen der Fahrwegsvorgabe erhöht ist.
Im erfindungsgemäßen Verfahren kann weiterhin vorgesehen sein, dass folgende Schritte durchgeführt werden:
- Erfassen von Sensorinformationen über eine Umgebung des Fahrzeuges im Fahrweg,
- Ermitteln einer sensorbasierten Trajektorienvorgabe anhand der Sensorinformationen,
- Anpassung der Fahrwegsvorgabe anhand der sensorbasierten Trajektorienvorgabe und der Abweichungszone, insbesondere wenn die Sensorinformationen dafür spezifisch sind, dass sich ein Hindernis im zu befahrenden Wegabschnitt des Fahrzeuges befindet.
Die Sensorinformationen können dabei insbesondere von einem Sensorsystem im Fahrzeug erfasst werden, wobei bevorzugt Kamera und/oder Radar und/oder Ultraschallsysteme zum Einsatz kommen können. Dies bietet den Vorteil, dass Informationen um die unmittelbare Umgebung des Fahrzeuges vorliegen, welche typischerweise die höchste Relevanz für die Fahrwegsvorgabe aufweisen. Alternativ oder in Ergänzung kann auch vorgesehen sein, dass Sensorinformationen über die Umgebung des Fahrzeuges auf Sensorsystemen von anderen Fahrzeugen oder Infrastruktur erfasst werden. Dies bietet den Vorteil, dass auch solche
Informationen zugänglich sind, welche zwar für die Bestimmung der Fahrwegsvorgabe relevant,
aber aus der Perspektive des Fahrzeuges für die dort angebrachten Sensoren nicht ermittelbar sind. Beispielsweise kann es sich dabei um die Anwesenheit von Objekten im Fahrweg des Fahrzeuges hinter einer Kurve handeln. Es kann vorgesehen sein, dass die Fahrwegsvorgabe, welche anhand der Trajektorienvorgabe und der Abweichungszone bestimmt wurde, mithilfe der sensorbasierten Trajektorienvorgabe und der Abweichungszone dahin gehend geändert wird, dass bei Vorliegen eines Hindernisses dieses so umfahren wird, dass das Fahrzeug zumindest teilweise innerhalb der Abweichungszone das Hindernis umfährt. Sollte sich anhand der ermittelten Trajektorien und der Abweichungszone ergeben, dass eine Umfahrung des
Hindernisses nicht innerhalb der Abweichungszone möglich ist, kann vorgesehen sein, dass die Fahrwegsvorgabe vorsieht, in die Längsführung des Fahrzeuges einzugreifen und das
Fahrzeug so zu verlangsamen oder insbesondere zum Stehen zu bringen, dass eine Kollision vermieden wird.
In einer die Erfindung weiter verbessernden Maßnahme kann vorgesehen sein, dass bei der Ermittlung der Trajektorienvorgabe und/oder der Abweichungszone ein Gewichtungsfaktor berücksichtigt wird, wobei ein Gewichtungsfaktor die Zeit zwischen der Ermittlung der erfassten Trajektorien und einer geplanten Befahrung des Wegabschnitts durch das Fahrzeug und/oder die Art der weiteren Fahrzeuge der erfassten Trajektorien berücksichtigt wird.
Dabei kann weiter vorgesehen sein, dass besonders aktuelle Daten bevorzugt behandelt werden, also der Gewichtungsfaktor entsprechend hoch ist. Dies bietet den Vorteil, dass kurzfristig auftretende Gefahrensituationen oder Umleitungen bei der Bestimmung der
Fahrwegsvorgabe bevorzugt berücksichtigt werden. Alternativ und in Ergänzung hierzu kann ebenfalls vorgesehen sein, dass die Art der weiteren Fahrzeuge mit dem Gewichtungsfaktor berücksichtigt werden. Dabei kann es Vorkommen, dass gewisse Fahrzeugeigenschaften wie beispielsweise die Breite oder der Wendekreis berücksichtigt werden müssen. Dies bietet den Vorteil, dass eine besonders sichere Fahrwegsvorgabe erstellt werden kann. Es kann vorgesehen sein, dass die Trajektorienvorgabe mit Berücksichtigung des Gewichtungsfaktors dadurch berechnet wird, dass einzelne ermittelte Trajektorien und/oder die Abweichungszone mit einem Gewichtungsfaktor multipliziert werden. Dies bietet den Vorteil, dass auf besonders einfache Art und Weise die Gewichtung berücksichtigt werden kann.
Des Weiteren ist bei dem erfindungsgemäßen Verfahren denkbar, dass ein Abstand, in denen die Fahrwegsvorgabe bestimmt wird, abhängig ist von einer Fahrgeschwindigkeit des
Fahrzeugs. Mit anderen Worten kann vorgesehen sein, dass die Fahrwegsvorgabe je nachdem, ob sich das Fahrzeug schnell oder langsam fortbewegt, häufig oder selten bestimmt wird. Dies bietet den Vorteil, dass bei Abschnitten, bei denen wenige Änderungen erforderlich sind, beispielsweise auf der Autobahn, unnötige Rechenoperationen vermieden werden. Wenn
hingegen eine besonders genaue Ermittlung der Fahrwegsvorgabe erforderlich ist, wie beispielsweise in engen Gassen oder bei einer dynamischen Verkehrsführung, kann der Abstand, in dem die Berechnungen durchgeführt werden, verringert werden, sodass eine besonders zuverlässige Bestimmung der Fahrwegsvorgabe ermöglicht wird.
Es kann weiter vorgesehen sein, dass die Fahrwegsvorgabe durch eine zumindest teilweise autonome Fahrzeugsteuerung verwendet wird, um das Fahrzeug in Querrichtung und/oder Längsrichtung zu führen. Mit anderen Worten kann die Fahrwegsvorgabe dazu genutzt werden, das Fahrzeug zu beschleunigen, zu bremsen und zu lenken. Dies kann sowohl komplett autonom geschehen, wodurch der Führer des Fahrzeuges entlastet wird, oder zumindest teilweise autonom erfolgen, sodass der Fahrer insbesondere in anstrengenden Fahrsituationen, beispielsweise einem Stau, entlastet wird.
Ein weiterer Gegenstand der Erfindung ist ein Fahrwegsystem für ein Fahrzeug, aufweisend:
- ein Empfangsmodul zum Empfangen von erfassten Trajektorien in einem zu
befahrenden Wegabschnitt,
- eine Recheneinheit, an welche das Empfangsmodul die erfassten Trajektorien sendet, welche dazu geeignet ist, eine Trajektorienvorgabe aus den erfassten Trajektorien und eine Abweichungszone anhand einer Abweichung zumindest einzelner erfasster Trajektorien von der Trajektorienvorgabe zu ermitteln, und eine Fahrwegsvorgabe zumindest anhand der Trajektorienvorgabe und der Abweichungszone zu bestimmen.
Das Empfangsmodul kann sich im Fahrzeug befinden, und bevorzugt zumindest teilweise bereits vorhandene Empfangselemente, wie beispielsweise Antennen für den Radioempfang, halten. Ebenso kann sich die Recheneinheit am Fahrzeug befinden und zumindest teilweise aus Elementen zusammensetzen, wie beispielsweise Prozessoren, die für ein
Infotainmentsystem bestimmt sind. Dies bietet den Vorteil, dass Teile und damit Gewicht für das Fahrwegsystem bzw. das Fahrzeug eingespart werden können.
Es kann von Vorteil sein, wenn beim erfindungsgemäßen Fahrwegsystem Sensoren, welche dazu geeignet sind, eine Umgebung um das Fahrzeug zu erfassen, mit der Recheneinheit verbunden sind, um Sensorinformationen an die Recheneinheit zu senden, wobei die
Recheneinheit geeignet ist, aus den Sensorinformationen eine sensorbasierte
Trajektorienvorgabe zu ermitteln, um zusätzlich anhand dieser sensorbasierten
Trajektorienvorgabe eine Fahrwegsvorgabe zu bestimmen.
Bei den Sensoren kann es sich insbesondere um Kameras, Radarsensoren,
Ultraschallsensoren und/oder ein GPS-Modul handeln. Sie sind besonders dazu geeignet, die Position und die Umgebung um das Fahrzeug zu erfassen, wobei insbesondere Gegenstände in der Fahrzeugumgebung ermittelt werden können. Ebenfalls kann vorgesehen sein, dass Sensoren anderer Fahrzeuge oder Infrastruktur genutzt werden, um Sensorinformationen über Bereiche zu erhalten, welche den am Fahrzeug befindlichen Sensoren nicht zugänglich sind. Dies bietet den Vorteil, dass eine besonders sichere Fahrwegsvorgabe ermöglicht wird.
Weiterhin kann vorgesehen sein, dass das Fahrwegsystem geeignet ist, ein Verfahren zum Bereitstellen einer Fahrwegsvorgabe nach einem der Ansprüche 1 bis 7 auszuführen.
Anhand der beigefügten Zeichnungen wird die Erfindung nachfolgend näher erläutert. Sämtliche aus den Ansprüchen, der Beschreibung oder den Figuren hervorgehenden Merkmale, einschließlich konstruktiver Einzelheiten und räumlicher Anordnungen, können sowohl für sich als auch in beliebigen verschiedenen Kombinationen erfindungswesentlich sein. Elemente mit gleicher Funktion und/oder Wirkungsweise sind in den Figuren 1 und 2 jeweils mit denselben Bezugszeichen versehen. Es zeigen schematisch:
Figur 1 eine Darstellung des zu befahrenden Wegabschnittes mit verschiedenen
Trajektorien, und
Figur 2 ein Fahrzeug beim Durchfahren eines Wegabschnittes.
Fig. 1 zeigt ein Koordinatensystem mit einer ersten Achse 10 und einer zweiten Achse 20, in dem ein zu befahrender Wegabschnitt 150 als Teilbereich des Koordinatensystems 10, 20 markiert ist. Ebenfalls in den Fig. 1 dargestellt sind ein erster Wegpunkt 30 und ein zweiter Wegpunkt 40, zwischen denen sich mehrere Trajektorien 101 , 102 sowie eine
Fahrwegsvorgabe 100 erstreckt. Erfindungsgemäß ist vorgesehen, dass eine Mehrzahl von erfassten Trajektorien 101 weiterer Fahrzeuge 320 in dem zu befahrenden Wegabschnitt 150 bereitgestellt werden. Diese erfassten Trajektorien 101 sind anhand zweier Beispiele in der Fig.
1 dargestellt. Aus diesen erfassten Trajektorien 101 wird in einem weiteren Schritt eine
Trajektorienvorgabe 102 ermittelt, welche in der Fig. 1 zwischen den erfassten Trajektorien 101 liegt. Zusätzlich wird aus den erfassten Trajektorien 101 eine Abweichungszone bestimmt anhand der Abweichung zumindest einzelner erfasster Trajektorien 101 von der
Trajektorienvorgabe 102. Wie in der Fig. 1 dargestellt ist, kann es also vorgesehen sein, dass die Abweichungszone 110 die T rajektorienvorgabe 102 umgibt, und somit einen Bereich innerhalb des zu befahrenden Wegabschnittes 150 bildet, in dem das Fahrzeug 300 sich
bevorzugt aufhalten kann, wenn es von einem ersten Wegpunkt 30 zu einem zweiten Wegpunkt 40 bewegt werden soll.
Es kann vorgesehen sein, dass die Trajektorienvorgabe 102 eine mittlere Trajektorie der erfassten Trajektorien 101 ist, wobei bevorzugt eine Mittelung der erfassten Trajektorien 101 erfolgt und/oder die Abweichungszone über die Standardabweichung der erfassten Trajektorien 101 berechnet wird. Dies ist soweit in der Fig. 1 veranschaulicht, als dass bei der oberen der beiden erfassten Trajektorien 101 eine Art Ausweichbewegung erkennbar ist, wodurch sich sowohl die Trajektorienvorgabe 102 als auch die Abweichungszone 110 gegenüber der weiteren erfassten Trajektorie 101 , welche keine Ausweichbewegung umfasst, anpasst.
Fig. 2 zeigt schematisch eine Fahrsituation in einem zu befahrenden Wegabschnitt 150, bei dem ein Fahrzeug 300 anhand einer Fahrwegsvorgabe 100 bzw. mit einem Fahrwegsystem um ein Hindernis 50 herumgeleitet wird. Darüber hinaus sind weitere Fahrzeuge 320 dargestellt, welche erfasste Trajektorien 101 bereitstellen. Dabei können die erfassten Trajektorien 101 zum einen durch mobile Datenübertragung und/oder per Fahrzeug-zu-Fahrzeug- Kommunikation und/oder zwischen dem Fahrzeug 300 und/oder einer Infrastruktur 400 übertragen werden. Bei der Infrastruktur kann es sich beispielsweise um
Streckenbegrenzungen, Straßenschilder, Ampelsysteme oder weitere Gegenstände handeln, welche sich in der Nähe der Fahrbahn befinden. Das Fahrwegsystem für ein Fahrzeug kann ein Empfangsmodul 301 zum Empfangen von erfassten Trajektorien 101 in einem zu befahrenden Wegabschnitt 150 sowie eine Recheneinheit 302, an welcher das Empfangsmodul 301 die erfassten Trajektorien sendet, aufweisen. Dabei ist die Recheneinheit 302 dazu geeignet, eine Trajektorienvorgabe 102 aus den erfassten Trajektorien 101 und eine Abweichungszone 1 10 anhand einer Abweichung zumindest einzelner erfasster Trajektorien 101 von der
Trajektorienvorgabe 102 zu ermitteln. Anhand der Trajektorienvorgabe 102 und der
Abweichungszone 1 10 bestimmt die Recheneinheit 302 weiterhin eine Fahrwegsvorgabe 100.
Weiterhin kann das Fahrwegsystem Sensoren 303 umfassen, welche dazu geeignet sind, eine Umgebung in das Fahrzeug 300 zu erfassen, wobei die Sensoren mit der Recheneinheit 302 verbunden sind, um Sensorinformationen an die Recheneinheit 302 zu senden. Die
Recheneinheit 302 kann wiederum geeignet sein, aus den Sensorinformationen eine
sensorbasierte Trajektorienvorgabe 103 zu ermitteln, wie dies in der Fig. 2 dargestellt ist. Hier erkennen die Sensoren 303 das Hindernis 50, welches sich auf der Trajektorienvorgabe 102 befindet. In Fig. 2 ist weiter dargestellt, dass aufgrund der Tatsache, dass die
Sensorinformationen dafür spezifisch sind, dass sich ein Hindernis 50 im zu befahrenden Wegabschnitt 150 des Fahrzeuges 300 befindet, die Fahrwegs vorgabe 100 so angepasst wird, dass das Hindernis 50 umfahren und gleichzeitig die Abweichungszone 1 10 nicht verlassen
wird. Ebenfalls wird in der Fig. 2 verdeutlicht, dass eine Ausbuchtung in der Fahrbahn, wie sie im rechten Teil der Fig. 2 zu sehen ist, von der Fahrwegsvorgabe 100 unberücksichtigt bleibt. Wenn beispielsweise die Sensoren 303 lediglich dazu geeignet sind, eine sensorenbasierte Trajektorienvorgabe 103 lediglich auf Basis eines Fahrbahnrandes zu ermitteln, so kann das erfindungsgemäße Verfahren verhindern, dass das Fahrzeug 300 die Abweichungszone 110 verlässt und somit eine unnötige Anpassung des Fahrweges vermieden wird. Sollten die Sensoren 303 feststellen, dass bei der Umfahrung des Hindernisses 50 innerhalb der Abweichungszone eine Kollision mit einem weiteren Fahrzeug 320 oder einem weiteren Gegenstand 50 droht, so kann die Anpassung der Fahrwegsvorgabe 100 selbstverständlich auch umfassen, dass das Fahrzeug 300 gebremst oder sogar zum Stillstand gebracht wird.
Bezugszeichenliste erste Achse
zweite Achse
erster Wegpunkt
zweiter Wegpunkt
Hindernis Fahrwegsvorgabe
erfasste Trajektorien
Trajektorienvorgabe
sensorbasierte Trajektorienvorgabe
Abweichungszone
zu befahrender Wegabschnitt Fahrzeug
Empfangsmodul
Recheneinheit
Sensoren
weitere Fahrzeuge Infrastruktur