Gießkern für Gießformen sowie Verfahren zu dessen Herstellung
Die vorliegende Erfindung betrifft einen Gießkern für Gießformen, wobei der Gießkern mit einem Silikasol gebundene Keramik-Partikel enthält oder hieraus besteht. Der Gießkern weist eine Porenstruktur auf, bei welcher die mittlere
Porengröße der Poren zumindest abschnittsweise von außen nach innen im Gießkern zunimmt. Die vorliegende Erfindung betrifft zudem ein Verfahren zur Herstellung des erfindungsgemäßen Gießkerns sowie die Verwendung des erfindungsgemäßen Gießkerns.
Gießkerne bzw. Kerne werden beim Gießen von Bauteilen in Formen einge setzt, um im späteren Bauteil vorgesehene Hohlräume beim Befüllen der Form freizuhalten. Hierfür müssen die Gießkerne die notwendige Festigkeit besitzen und während des Gießprozesses formstabil bleiben. Ein Durchträn- ken der Gießkerne mit Schmelze beim Gießen mit erhöhtem Druck muss aus geschlossen sein. Um eine gute Gussoberfläche zu erhalten, werden zusätzli che Anforderungen an den Kernwerkstoff gestellt. Hier ist eine möglichst ge-
ringe Benetzung zwischen Schmelze und Gießkern und eine glatte, chemisch geeignete Oberfläche vorteilhaft. Besonders bei Gießkernen zur Herstellung einer komplexen inneren Form, wird eine gute Zerfallsfähigkeit benötigt, um die Entfernung des Kernmaterials nach dem Guss aus dem Bauteil sicherzu stellen.
Zur Herstellung von Gießkernen werden üblicherweise feuerfeste Füllstoffe (z.B. Quarzsand, Zirkonsand, Aluminosilikate, aber auch anorganische Hohlkü gelchen) mit einem organischen (z.B. Kunstharze, Proteinbinder) oder anorga nischen Binder (silikatische Binder, Phosphatbinder) in die benötigte Form gebracht. Dies kann durch Pressen, Kernschießen oder Gießen geschehen. Die Oberfläche der Kerne kann durch das Aufträgen von Schlichten verbessert werden. Die thermische Zersetzung der organischen Binder während des Gießvorgangs schwächt das Kerngefüge und ermöglicht das Entfernen des Kernmaterials aus dem Gussstück, ist aber auch mit der Emission von umwelt schädlichen Gasen verbunden. Als anorganischer silikatischer Binder wird häu fig Wasserglas verwendet. Wasserglas kann durch eine Begasung mit C02 oder durch den Zusatz von Estern oder Säuren oder durch Trocknung verfestigt werden. Anstatt Wasserglas können auch handelsübliche Silikasole verwendet werden und mit den gleichen Methoden verfestigt werden. Bei anorganischen Bindersystemen muss neben einer ausreichenden Kernfestigkeit auch eine gute Entformbarkeit gegeben sein. Der Wärmeeintrag muss das Gefüge lo ckern und eine Versinterung ausgeschlossen sein.
Ausgehend hiervon war es die Aufgabe der vorliegenden Erfindung einen Gießkern anzugeben, der einerseits während dem Gießprozess formstabil bleibt und andererseits nach dem Gießprozess auf einfache Weise aus dem gegossenen Bauteil entfernt werden kann.
Diese Aufgabe wird bezüglich eines Gießkerns mit den Merkmalen des Pa tentanspruchs 1 und bezüglich eines Verfahrens zur Herstellung eines solchen Gießkerns mit den Merkmalen des Patentanspruchs 11 gelöst. Patentan spruch 18 gibt Verwendungsmöglichkeiten des erfindungsgemäßen Gießkerns an. Die jeweilig abhängigen Patentansprüche stellen dabei vorteilhafte Wei terbildungen dar.
Erfindungsgemäß wird somit ein Gießkern für Gießformen angegeben, der mit einem Silikasol gebundene Keramik-Partikel enthält oder hieraus besteht. Der Gießkern weist eine Porenstruktur auf, bei welcher die mittlere Porengröße der Poren zumindest abschnittsweise von außen nach innen im Gießkern zu nimmt.
Die mittlere Porengröße und/oder der Verlauf der mittleren Porengröße in nerhalb des Gießkerns kann z.B. bestimmt werden mittels
Quecksilberporosimetrie und/oder mikroskopischen Aufnahmen.
Vorzugsweise ist das Silikasol ein kolloidales Silikasol.
Die vorliegende Erfindung zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass der Gießkern eine Porenstruktur aufweist, bei welcher die mittlere Porengröße der Poren zumindest abschnittsweise von außen nach innen im Gießkern zu nimmt. Durch die geringere mittlere Porengröße im äußeren Bereich des Gießkerns weist der Gießkern eine dichte und mechanisch feste Oberfläche auf, die für den Kontakt mit der Schmelze im Gießprozess geeignet ist, wes wegen der Gießkern während dem Gießprozess formstabil bleibt. Aufgrund der höheren mittleren Porengröße im inneren Bereich des Gießkerns weist der Gießkern im Inneren eine sehr poröse bzw. instabile Stützstruktur auf, die ein Entfernen des Gießkerns nach dem Gießprozess erleichtert. Somit kann der erfindungsgemäße Gießkern nach dem Gießprozess auf einfache Weise aus dem gegossenen Bauteil entfernt werden. Der erfindungsgemäße
Gießkern weist somit eine für die Verwendung in Gießverfahren sehr vorteil hafte hierarchische Porenstruktur auf.
Diese vorteilhafte Porenstruktur kann durch ein spezielles Herstellungsverfah ren erreicht werden, welches auf dem Gefriergelieren keramischer Suspensi onen beruht. Hierfür ist der Einsatz von Silikasolen als Binder der Keramik- Partikel von wesentlicher Bedeutung. Die Silikasole können durch Gefrieren irreversibel in den Gelzustand überführt werden, so dass ein Zerlaufen der keramischen Suspensionen nach dem Auftauen verhindert wird. Der gefrier induzierte Sol-Gel Übergang führt dabei zu einer Verfestigung des Materials. Die Gefrierfront startet durch das Abkühlen der Formoberfläche an der Gieß kernoberfläche. Die anfänglich hohe Gefrierkinetik führt zur Ausbildung einer
dichten Struktur mit kleinen Poren an der Oberfläche des Gießkerns. Mit zu nehmender Entfernung von der Gießkernoberfläche wird die Kristallisations wärme langsamer abgeführt, was den Eiskristallen mehr Zeit zum Wachsen gibt und zur Bildung von zunehmend größeren Porenkanälen führt. Diese Kernstruktur mit einer dichten Oberfläche und großen Porenkanälen im Inne ren ist ideal für den Gießprozess und die anschließende Entfernung des Kern materials aus dem Gusskörper geeignet.
Der gefrierinduzierte Sol-Gel Übergang und das anschließende Trocknen bei erhöhter Temperatur ist mit keiner nennenswerten Volumenveränderung oder Verformung verbunden. Die anorganische Bindung führt bei der thermi schen Belastung während des Gusses zu keiner schädlichen Emission oder Gasbildung. Das gebrauchte Kernmaterial kann nach dem Zerkleinern und Klassieren erneut als Füllstoff eingesetzt werden.
Erfindungsgemäß weist der Gießkern eine Porenstruktur auf, bei welcher die mittlere Porengröße der Poren zumindest abschnittsweise von außen nach innen im Gießkern zunimmt, vorzugsweise kontinuierlich zunimmt. Beispiels weise kann somit die mittlere Porengröße der Poren von der äußeren Ober fläche des Gießkerns bis hin zum Mittelpunkt des Gießkerns zunehmen, vor zugsweise kontinuierlich zunehmen. Gemäß einem alternativen Beispiel kann die Porengröße aber auch nur in einem oder in mehreren Abschnitten zwi schen der äußeren Oberfläche und dem Mittelpunkt des Gießkerns zuneh men. Hierbei ist es insbesondere möglich, dass der Gießkern von außen nach innen, bzw. von der äußeren Oberfläche zum Mittelpunkt hin, in mehrere Ab schnitte, z.B. eine Kernseele und mindestens einen Kernmantel, unterteilt ist, wobei in jedem der Abschnitte die Porengröße der Poren von außen nach in nen im Gießkern zunimmt. Dabei können die Poren eines äußeren Bereichs eines weiter innen liegenden Abschnitts des Gießkerns eine geringere mittlere Porengröße aufweisen als die Poren eines inneren Bereichs eines weiter au ßen liegenden Abschnitts des Gießkerns.
Die zuletzt genannte Variante kann beispielsweise dadurch realisiert werden, dass der Gießkern abschnittsweise von innen nach außen durch das genannte Gefriergelierungsverfahren hergestellt wird.
Eine bevorzugte Ausführungsform des erfindungsgemäßen Gießkerns zeichnet sich dadurch aus, dass die mittlere Porengröße der Poren von außen nach innen im Gießkern zunimmt und die mittlere Porengröße der Poren in einem äußeren Bereich, vorzugsweise an einem äußeren Rand, des Gießkerns 3 miti bis 20 miti, bevorzugt 3 miti bis 8 miti, beträgt und/oder die mittlere Porengrö ße der Poren in einem inneren Bereich, vorzugsweise am Mittelpunkt, des Gießkerns 100 miti bis 1500 miti, bevorzugt 100 miti bis 1000 miti, besonders bevorzugt 500 miti bis 1000 miti, beträgt. Der äußere Bereich liegt hierbei wei ter außen, d.h. weiter entfernt vom Mittelpunkt des Gießkerns, als der innere Bereich. Die mittlere Porengröße kann z.B. bestimmt werden mittels
Quecksilberporosimetrie oder mikroskopischen Aufnahmen.
In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Gießkerns sind die Keramik-Partikel anorganische Keramik-Partikel, die vor zugsweise ausgewählt sind aus der Gruppe bestehend aus Mullit-Partikeln, Zirkonsand-Partikeln, Quarzsand-Partikeln, Aluminosilikat-Partikeln, anorgani schen Hohlkügelchen, Aluminiumoxidpartikeln und Mischungen hiervon.
Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform weisen die Keramik- Partikel einen mittleren Partikeldurchmesser von 0,5, pm bis 300 pm auf. Der mittlere Partikeldurchmesser kann z.B. bestimmt werden mittels Laserbeu gung.
In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Gießkerns ist das Silikasol ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Wasser glas, kolloidalen Nanosolen und Mischungen hiervon. Das Silikasol kann Natri um-, Kalium- oder Lithium-stabilisiert sein. Vorzugsweise ist das Silikasol ein kolloidales Silikasol.
Weiterhin ist es bevorzugt, dass das Silikasol in Form von Partikeln mit einem mittleren Partikeldurchmesser von 8 nm bis 40 nm, bevorzugt von 15 nm bis 40 nm, besonders bevorzugt von 20 nm bis 40 nm, vorliegt. Sole mit größeren Partikeln ermöglichen einen höheren Feststoffgehalt. Der mittlere
Partikeldurchmesser kann z.B. bestimmt werden mittels Laserbeugung. Mul timodale Partikelgrößenverteilungen der Silikasol-Partikel können die Dichte des keramischen Gefüges erhöhen.
Eine weitere bevorzugte Ausführungsform des erfindungsgemäßen Gießkerns ist dadurch gekennzeichnet, dass der Gießkern eine Kernseele, welche mit einem Silikasol gebundene Keramik-Partikel enthält, und mindestens einen um die Kernseele herum angeordneten Kernmantel , welcher mit einem Silikasol gebundene Keramik-Partikel enthält, umfasst, wobei die Kernseele eine Porenstruktur aufweist, bei welcher die mittlere Porengröße der Poren von außen nach innen im Gießkern zunimmt, wobei der mindestens eine Kernmantel jeweils eine Porenstruktur aufweist, bei welcher die mittlere Po rengröße der Poren von außen nach innen im Gießkern zunimmt, und wobei die mittlere Porengröße der Poren in einem äußeren Bereich, vorzugweise einem äußeren Rand, der Kernseele kleiner ist als die mittlere Porengröße der Poren in einem inneren Bereich, vorzugsweise einem inneren Rand, des Kernmantels.
Bei einem sehr großen Kernvolumen besteht im Inneren des Gießkerns die Gefahr der Rissbildung, da bei der Herstellung des erfindungsgemäßen Gieß kerns mittels Gefriergelieren die Gefriergeschwindigkeit mit zunehmendem Abstand von der Gefrierfläche abnimmt und die Größe der sich beim Gefrie ren bildenden Eiskristalle zunimmt. Sehr große Eiskristalle können eine Riss bildung im Bauteil begünstigen. Dies kann durch einen schalenweisen Aufbau des Gießkerns verhindert werden. Hierzu wird zuerst ein Teilvolumen aus der Mitte des Kerns, d.h. die Kernseele, gegossen und eingefroren. Nach dem Aus formen wird dieser innere Kernbereich, d.h. Kernseele, in die Kernform einge setzt und mit einer äußeren Schale, d.h. dem Kernmantel, umgossen und ein gefroren. Ein übermäßiges Wachsen der Eiskristalle wird so unterbunden. Hierbei kann der Gießkern auch aus mehr als zwei Teilen aufgebaut werden, d.h. aus einer Kernseele und mehreren Kernmänteln.
Ein so erhaltener Gießkern weist somit eine Kernseele und mindestens einen Kernmantel auf, wobei sowohl für die Kernseele als auch für jeden der Kern mäntel gilt, dass sie jeweils eine Porenstruktur aufweisen, bei welcher die mittlere Porengröße der Poren von außen nach innen im Gießkern zunimmt. Mit anderen Worten weist die Kernseele eine Porenstruktur auf, bei welcher die mittlere Porengröße ihrer Poren von außen nach innen in der Kernseele zunimmt, wobei auch jeder der Kernmäntel jeweils eine Porenstruktur auf-
weist, bei welcher die mittlere Porengröße ihrer Poren von außen nach innen im jeweiligen Kernmantel zunimmt. Die erwähnte schalenweise Herstellung hat zudem zur Folge, dass die mittlere Porengröße der Poren in einem äuße ren Bereich, z.B. einem äußeren Rand, der Kernseele kleiner ist als die mittlere Porengröße der Poren in einem inneren Bereich, z.B. einem inneren Rand, des Kernmantels bzw. von einem der Kernmäntel.
Eine weitere bevorzugte Ausführungsform des erfindungsgemäßen Gießkerns zeichnet sich dadurch aus, dass die mittlere Porengröße der Poren in einem äußeren Bereich, vorzugsweise an einem äußeren Rand, der Kernseele und in einem äußeren Bereich, vorzugsweise an einem äußeren Rand, des Kernman tels 3 pm bis 20 pm, bevorzugt 3 pm bis 8 pm, beträgt und/oder die mittlere Porengröße der Poren in einem inneren Bereich, vorzugsweise am Mittel punkt, der Kernseele und in einem inneren Bereich, vorzugsweise an einem inneren Rand, des Kernmantels 100 pm bis 1500 pm, bevorzugt 500 pm bis 1500 pm, besonders bevorzugt 500 pm bis 1000 pm, beträgt. Die mittlere Porengröße kann z.B. bestimmt werden mittels Quecksilberporosimetrie oder mikroskopischen Aufnahmen.
Weiterhin ist es bevorzugt, dass
sich die Zusammensetzung der Kernseele von der Zusammenset zung des Kernmantels unterscheidet, und/oder
der Kernmantel eine höhere Packungsdichte aufweist als die Kern seele, und/oder
sich das Material der in der Kernseele enthaltenden Keramik- Partikel vom Material der im Kernmantel enthaltenen Keramik- Partikel unterscheidet, und/oder
sich der mittlere Partikeldurchmesser der in der Kernseele enthal tenden Keramik-Partikel vom mittleren Partikeldurchmesser der im Kernmantel enthaltenen Keramik-Partikel unterscheidet.
Der zuvor erläuterte schalenweise Aufbau, d.h. ein Aufbau des Gießkerns aus einer Kernseele und mindestens einem Kernmantel, bietet zudem den Vorteil, gefriergelierbare Suspensionen unterschiedlicher Zusammensetzung verwen-
den zu können, sodass die die Kernseele und der Kernmantel bzw. Kernmäntel in der Folge ebenfalls unterschiedliche Zusammensetzungen aufweisen. Hier durch kann beispielsweise über einen höheren Feststoffgehalt und/oder einer höheren Packungsdichte (angepasste Partikelgrößenverteilung der Füllstoffe) eine dichtere Struktur für die äußere Schale, d.h. für den Kernmantel, die mit der Schmelze in Kontakt kommt, erhalten werden. Für den inneren Bereich des Kerns, d.h. die Kernseele, können dagegen beispielsweise gefriergelierba- re Suspensionen mit anderen Füllstoffpartikeln, Partikelgrößen oder geringe ren Feststoffgehalt eingesetzt werden, so dass nach der Konsolidierung eine Struktur beispielsweise mit einer höheren Porosität und niedrigeren mechani schen Kennwerten entsteht. Es können andere Füllstoffe für den äußeren Kernbereich, d.h. für den Kernmantel, als für den inneren Kernbereich, d.h. für die Kernseele, gewählt werden. Hieraus können sich wirtschaftliche Vorteile ergeben, wenn beispielsweise für den äußeren Bereich hochpreisige Materia lien (z.B. Zirkonsand, Aluminosilikate) eingesetzt werden müssen und für den inneren Bereich ein günstiger Füllstoff (z.B. Quarzsand) gewählt werden kann.
Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform ist der Gießkern mit mindestens einer Schlichte und/oder mindestens einer verstärkenden Kom ponente infiltriert und/oder beschichtet. Hierdurch wird eine noch höhere Stabilität der Oberfläche des Gießkerns während dem Gießprozess erreicht.
Die vorliegende Erfindung betrifft zudem ein Verfahren zur Herstellung eines erfindungsgemäßen Gießkerns, bei welchem
a) mindestens eine wässrige, keramische Suspension hergestellt wird, die Keramik-Partikel, ein Silikasol als Binder und Wasser umfasst, b) die keramische Suspension in eine Gießform gegossen wird, die die negative Kontur des herzustellenden Gießkerns oder eines Teils des herzustellenden Gießkerns aufweist,
c) die sich in der Gießform befindende keramische Suspension einer Kältebehandlung unterzogen und dabei eingefroren wird, wobei es zu einer Verfestigung der keramischen Suspension zu einem Gießkern oder zu einem Teil eines Gießkerns kommt,
d) der Gießkern bzw. der Teil des Gießkerns im gefrorenen Zustand aus der Gießform entnommen und anschließend getrocknet wird.
In Schritt a) wird somit zunächst eine wässrige, keramische Suspension herge stellt, welche Keramik-Partikel, einen Binder in Form eines Silikasols sowie Wasser umfasst. Die so in Schritt a) hergestellte wässrige, keramische Suspen sion wird in Schritt b) in eine Gießform gegossen, wobei diese Gießform die negative Kontur des Gießkerns aufweist, der hergestellt werden soll. In Schritt c) wird die Gießform bzw. die sich die sich in der Gießform befindende wässri ge, keramische Suspension einer Kältebehandlung unterzogen, bei welcher die wässrige, keramische Suspension eingefroren wird, wobei es zu einer Ver festigung der wässrigen, keramischen Suspension zu einem Gießkern kommt. Bei diesem Gefrieren werden die Silikasole irreversibel in den Gelzustand überführt (Gefriergelieren), so dass ein Zerlaufen der keramischen Suspensio nen nach dem Auftauen des hergestellten Gießkerns verhindert wird. Der ge frierinduzierte Sol-Gel Übergang führt somit zu einer Verfestigung des Materi als. In Schritt d) wird schließlich der in Schritt c) erhaltene Gießkern im gefro renen Zustand aus der Gießform entnommen und anschließend getrocknet wird. Der gefrierinduzierte Sol-Gel Übergang und das anschließende Trocknen bei erhöhter Temperatur ist mit keiner nennenswerten Volumenveränderung oder Verformung verbunden. Die anorganische Bindung führt bei der thermi schen Belastung während des Gusses zu keiner schädlichen Emission oder Gasbildung.
Durch dieses spezielle auf dem Gefriergelieren beruhende Verfahren kann letztlich die besondere Porenstruktur des erfindungsgemäßen Gießkerns er halten werden. Beim Gefrieren in Schritt c) startet die Gefrierfront durch das Abkühlen der Formoberfläche an der Gießkernoberfläche. Die anfänglich hohe Gefrierkinetik führt zur Ausbildung einer dichten Struktur mit kleinen Poren an der Oberfläche des Gießkerns. Mit zunehmender Entfernung von der Gieß kernoberfläche wird die Kristallisationswärme langsamer abgeführt, was den Eiskristallen mehr Zeit zum Wachsen gibt und zur Bildung von zunehmend größeren Porenkanälen führt. Diese Kernstruktur mit einer dichten Oberfläche und großen Porenkanälen im Inneren ist ideal für den Gießprozess und die anschließende Entfernung des Kernmaterials aus dem Gusskörper geeignet.
Gemäß einer bevorzugten Variante des erfindungsgemäßen Verfahrens wird bei der Kältebehandlung in Schritt c) die keramische Suspension mit einer Ge schwindigkeit von 0,1 K/min bis 15 K/min, bevorzugt von 1 K/min bis 10 K/min, besonders bevorzugt von 3 K/min bis 7 K/min, bis auf eine Temperatur < -10 °C, bevorzugt auf eine Temperatur < -20 °C, ganz besonders bevorzugt auf eine Temperatur < -40 °C, abgekühlt.
Vorzugsweise können der wässrigen, keramischen Suspension in Schritt a) zusätzlich Substanzen zugesetzt werden, die das Kristallisationsverhalten der wässrigen, keramischen Suspension beeinflussen, wie z.B. sogenannte cryoprotektive Substanzen (siehe U.S. Patent US 4341725 A).
Das Trocknen in Schritt d) erfolgt vorzugsweise bei einer Temperatur von 50 °C bis 300 °C, besonders bevorzugt von 90 °C bis 200 °C, und/oder über ein Dauer von 0,1 bis 10 Stunden, bevorzugt von 0,5 bis 5 Stunden, besonders bevorzugt von 1 bis 3 Stunden. Das Trocknen kann über mehrere Schritte er folgen, wobei beispielsweise im ersten Trocknungsschritt einen niedrige Tem peratur und im zweiten Trocknungsschritt eine höhere Temperatur gewählt wird.
In einer weiteren bevorzugten Variante des erfindungsgemäßen Verfahrens wird der Gießkern im Anschluss an Schritt d) mit mindestens einer Schlichte und/oder mindestens einer verstärkenden Komponente infiltriert und/oder beschichtet.
Eine weitere bevorzugte Variante des erfindungsgemäßen Verfahrens ist da durch gekennzeichnet, dass
a) mehrere wässrige, keramische Suspension hergestellt werden, die jeweils Keramik- Partikel, ein Silikasol als Binder und Wasser umfas sen,
bl) eine erste der keramischen Suspensionen in eine erste Gießform gegossen wird, die die negative Kontur einer Kernseele des herzu stellenden Gießkerns aufweist,
cl) die sich in der ersten Gießform befindende erste keramische Sus pension einer ersten Kältebehandlung unterzogen und dabei einge-
froren wird, wobei es zu einer Verfestigung der ersten keramischen Suspension zu einer Kernseele eines Gießkern kommt, dl) die Kernseele des Gießkerns im gefrorenen Zustand aus der ersten Gießform entnommen,
b2) die aus der ersten Gießform entnommene Kernseele des Gießkerns in eine zweite Gießform eingesetzt wird, die die negative Kontur des herzustellenden Gießkerns oder eines Teils des herzustellen den Gießkerns aufweist und anschließend eine zweite der kerami schen Suspensionen in diese zweite Gießform gegossen wird, c2) die sich in der zweiten Gießform befindende zweite keramische Suspension einer zweiten Kältebehandlung unterzogen und dabei eingefroren wird, wobei es zu einer Verfestigung der zweiten ke ramischen Suspension zu einem Kernmantel des Gießkerns oder zu einem Teil des Kernmantels des Gießkerns kommt,
d2) der die Kernseele und den Kernmantel umfassende Gießkern bzw. der die Kernseele und den Teil des Kernmantels umfassende Teil des Gießkerns im gefrorenen Zustand aus der zweiten Gießform entnommen und anschließend getrocknet wird.
Diese spezielle Verfahrensvariante wird ein schalenweiser Aufbau des Gieß kerns erreicht. Somit wird in den Schritten bl), cl) und dl) zunächst die Kern seele eines erfindungsgemäßen Gießkerns und im Anschluss in den Schritten b2), c2) und d2) ein Kernmantel oder mehrere Kernmäntel des erfindungsge mäßen Gießkerns hergestellt. Die Schritte bl), cl), dl), b2), c2) und d2) wer den dabei in der oben genannten Reihenfolge durchgeführt, d.h. Schritt cl) kommt nach bl), Schritt dl) kommt nach Schritt cl), Schritt b2) kommt nach Schritt dl), Schritt c2) kommt nach Schritt b2), Schritt d2) kommt nach Schritt c2). Die in Schritt a) hergestellten Suspensionen müssen nicht alle gleichzeitig oder direkt nacheinander hergestellt werden. Die in Schritt a) hergestellten Suspensionen müssen (bis aus die erste Suspension) auch nicht alle vor Schritt bl) hergestellt werden. Die Herstellung der zweiten Suspension bzw. der wei teren Suspensionen in Schritt a) kann irgendwann vor Schritt b2) bzw. dem jeweiligen Schritt b), also z.B. auch erst direkt vor Schritt b2) bzw. dem jewei ligen Schritt b), erfolgen.
Durch diese spezielle Verfahrensvariante des schalenweisen Aufbaus kann somit ein Gießkern hergestellt werden, der eine Kernseele, welche mit einem Silikasol gebundene Keramik-Partikel enthält, und mindestens einen um die Kernseele herum angeordneten Kernmantel , welcher mit einem Silikasol ge bundene Keramik-Partikel enthält, umfasst, wobei die Kernseele eine Poren struktur aufweist, bei welcher die mittlere Porengröße der Poren von außen nach innen im Gießkern zunimmt, wobei der mindestens eine Kernmantel jeweils eine Porenstruktur aufweist, bei welcher die mittlere Porengröße der Poren von außen nach innen im Gießkern zunimmt, und wobei die mittlere Porengröße der Poren in einem äußeren Bereich, vorzugweise einem äußeren Rand, der Kernseele kleiner ist als die mittlere Porengröße der Poren in einem inneren Bereich, vorzugsweise einem inneren Rand, des Kernmantels.
Bei einem sehr großen Kernvolumen besteht im Inneren des Gießkerns die Gefahr der Rissbildung, da bei der Herstellung des erfindungsgemäßen Gieß kerns mittels Gefriergelieren die Gefriergeschwindigkeit mit zunehmendem Abstand von der Gefrierfläche abnimmt und die Größe der sich beim Gefrie ren bildenden Eiskristalle zunimmt. Sehr große Eiskristalle können eine Riss bildung im Bauteil begünstigen. Dies kann durch einen schalenweisen Aufbau des Gießkerns verhindert werden.
Gemäß einer bevorzugten Variante des erfindungsgemäßen Verfahrens wird bei der Kältebehandlung in Schritt cl) und/oder Schritt c2) die keramische Suspension mit einer Geschwindigkeit von 0,1 K/min bis 15 K/min, bevorzugt von 1 K/min bis 10 K/min, besonders bevorzugt von 3 K/min bis 7 K/min, bis auf eine Temperatur < -10 °C, bevorzugt auf eine Temperatur < -20 °C, ganz besonders bevorzugt auf eine Temperatur < -40 °C, abgekühlt. Bei der ersten Kältebehandlung in Schritt c2) kann es sich um die gleiche Kältebehandlung wie bei der Kältebehandlung in Schritt cl) oder um eine andere Kältebehand lung handeln als bei der Kältebehandlung in Schritt cl) handeln.
Gemäß einer weiteren bevorzugten Verfahrensvariante werden nach Schritt d2) die Schritte b2), c2) und d2) mindestens einmal wiederholt. Wird ein Gießkern mit mehr als einem Kernmantel hergestellt, weist das Verfahren nach Schritt d2) weitere entsprechende Schritte b), c) und d) auf, d.h. die Schritte b2), c2) und d2) werden wiederholt. Beispielsweise kann das Verfah-
ren bei der Herstellung eines Gießkerns mit zwei Kernmänteln nach Schritt d2) noch die entsprechenden Schritte b3), c3) und d3) aufweisen.
Eine weitere bevorzugte Verfahrensvariante zeichnet sich dadurch aus, dass in Schritt dl) die Kernseele des Gießkerns im gefrorenen Zustand aus der ersten Gießform entnommen und anschließend getrocknet wird, und in Schritt b2) die getrocknete Kernseele des Gießkerns in die zweite Gießform eingesetzt wird, oder
in Schritt dl) die Kernseele des Gießkerns im gefrorenen Zustand aus der ersten Gießform entnommen wird, und in Schritt b2) die noch gefrorene Kernseele des Gießkerns in die zweite Gießform eingesetzt wird.
Die hergestellte Kernseele kann nach der Entnahme aus der ersten Gießform also entweder getrocknet oder nicht getrocknet werden, wobei im ersteren Fall in Schritt b2) die getrocknete Kernseele des Gießkerns in die zweite Gieß form eingesetzt wird und wobei im letzteren Fall in Schritt b2) die nicht ge trocknete, noch gefrorene Kernseele des Gießkerns in die zweite Gießform eingesetzt wird.
Weiterhin ist es bevorzugt dass,
sich die Zusammensetzung der ersten keramischen Suspension von der Zusammensetzung der zweiten keramischen Suspension unter scheidet, und/oder
die zweite keramische Suspension einen höheren Feststoffgehalt aufweist als die erste keramische Suspension, und/oder die zweite keramische Suspension eine höhere Packungsdichte aufweist als die erste keramische Suspension, und/oder sich das Material der in der ersten keramischen Suspension enthal tenden Keramik-Partikel vom Material der in der zweiten kerami schen Suspension enthaltenen Keramik-Partikel unterscheidet, und/oder
sich der mittlere Partikeldurchmesser der in der ersten kerami schen Suspension enthaltenen Keramik-Partikel vom mittleren Partikeldurchmesser der in der zweiten keramischen Suspension enthaltenen Keramik-Partikel unterscheidet.
Vorzugsweise ist der erfindungsgemäße Gießkern mit dem erfindungsgemä ßen Verfahren herstellbar oder hergestellt.
Die vorliegende Erfindung betrifft auch die Verwendung des erfindungsgemä ßen Gießkerns in einem Verfahren zum Gießen von einem oder mehreren Bauteilen.
Anhand der nachfolgenden Beispiele soll die vorliegende Erfindung näher er läutert werden, ohne diese auf die hier gezeigten spezifischen Ausführungs formen und Parameter zu beschränken.
Ausführungsbeispiel 1
Es werden 46,7 % Mullit (Symulox M72 K0, Nabaltec, mittlere Partikelgröße zwischen 7-15 pm) und 20 % Aluminiumoxid (CT 3000 SG, Almatis, mittlerer Partikeldurchmesser 500 nm) in 33,3 % natriumstabilisiertes Siliciumoxid Nanosol (Nyacol 1440, Akzonobel, mittlerer Partikeldurchmesser 14 nm, Fest stoffgehalt 40 %) eingerührt. Die erhaltene homogene Suspension wird in eine teilbare Form aus Silikon eingefüllt und mit einer Einfriergeschwindigkeit von 3 K/min bis -40 °C eingefroren. Das gefrorene Bauteil wird entformt und in eine teilbare Aluminiumform als Kern eingelegt, so dass das gefrorene Bauteil einen inneren Volumenanteil der durch die Aluminiumform gebildeten Geo metrie darstellt. In die Aluminiumform wird die oben beschriebene Suspensi on eingefüllt, und so das innenliegende gefrorene Bauteil umgossen. Die Alu miniumform wird mit einer Geschwindigkeit von 7K/min bis -40 °C abgekühlt. Das gefrorene Bauteil wir aus der Form entnommen und bei 90 °C getrocknet.
Ausführungsbeispiel 2
Es wird eine Suspension aus 56,8 % Quarzmehl (Siligran, Euroquarz, Siebfrak tion 63 pm) und 43,2 % Silikasol (Begosol K, Bego, Partikelgröße 8 nm) herge stellt und in einer Silikonform mit etwa 3K/min bis -40°C eingefroren. Das ge- frorene Bauteil wird entformt und getrocknet (nach einer ersten Trocknung bei 90 °C wird die Temperatur auf 200 °C erhöht und für zwei Stunden gehal ten). Das getrocknete und auf RT abgekühlte Bauteil wir in eine teilbare Alu miniumform eingesetzt. Es wird eine Suspension aus 75 % Mullit (Symulox M72 K0, Nabaltec, mittlere Partikelgröße zwischen 7-15 pm) und 25 % Silikasol (Nyacol 1440, Akzonobel, mittlerer Partikeldurchmesser 14 nm, Fest stoffgehalt 40 %) hergestellt und in die Aluminiumform gefüllt und damit das getrocknete Bauteil umgossen. Die Aluminiumform wird mit einer Geschwin digkeit von 7K/min bis -40 °C abgekühlt. Das gefrorene Bauteil wir aus der
Form entnommen und bei 90 °C getrocknet.