Beschreibung
Verfahren zur automatischen Prozessüberwachung und Prozessdiagnose eines stückbasierten Prozesses (batch-Fertigung), insbesondere eines Spritzgießprozesses und eine den Prozess durchführende Maschine oder ein den Prozess durchführender Maschinenpark
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur automatischen Prozessüberwachung und zur Diagnose eines stückbasierten Prozesses sowie eine den Prozess durchführende Ma schine, insbesondere eine Spritzgießmaschine, oder ein den Prozess durchführender Maschinenpark.
Eine Prozessüberwachung und/oder eine Prozessdiagnose basiert im Allgemeinen auf festen Grenzen, die zunächst manuell festgelegt werden müssen. Dies bedeutet, dass eine Prozessgröße oder eine Kennzahl einen oberen und unteren Grenzwert hat, die beispielsweise auf Erfahrung des Bedienpersonals basierend ermittelt und insbesonde re manuell in der Steuerung oder in einem Betriebsdatenerfassungssystem gesetzt werden müssen. Weiterhin ist es bekannt, eine Grenzwertüberschreitung mehrstufig erkennbar zu machen, beispielsweise mittels einer dem Alarm vorgeschalteten War nung.
Ausgehend von diesem wird die Stabilität des Prozesses oder die Prozessfähigkeit, das heißt die Lauffähigkeit des Prozesses bewertet und im Falle des Verlassens des gewoll ten Prozesses, z. B. bei Überschreiten oder Unterschreiten des oberen oder unteren Grenzwertes werden Maßnahmen eingeleitet, die z. B. eine Ausschuss-Sortierung und eine Alarmierung umfassen können.
Aus der Fachveröffentlichung vom 14.07.2015 mit dem Titel Priamus FILL CONTROL 1.13 Release Hinweise der Priamus System Technologies AG, Schaffhausen, Schweiz wird ein Konzept für eine Prozessüberwachung mittels eines sogenannten Q-Buttons
der Firma Priamus System Technologies AG in 8200 Schaffhausen, Schweiz vorge stellt. Bei dieser Technologie wird die Grenzwertfindung des oberen und/oder unteren Grenzwertes halbautomatisch mittels eines sogenannten Q-Buttons vollzogen. Dies ist eine Bedieneinrichtung, die auf Basis von "six-sigma-Werten", die bei einem optimierten Prozess eine sinnvolle Einstellung für die Überwachung gewährleisten, Grenzwerte au tomatisch einstellt.
Weiterhin ist es aus den Western Electric Company (1956), Statistical Quality Control handbook; 1.ed., Indianapolis, Indiana: Western Electric Co. bekannt, aus einer Refe renz die Standardabweichung zu bestimmen und basierend darauf mit festen Regeln Alarme betreffend Parameter oder Regelgrößen zu generieren.
Allen Vorgehensweisen aus dem Stand der Technik ist gemeinsam, dass sie für jede Toleranzüberschreitung eines bestimmten Parameters singuläre Alarme oder anderwei tige Aktionen generieren, ohne dass eine mögliche Wechselwirkung der einzelnen Pa rameter/Grenzwertüberschreitungen berücksichtigt wird. Mit anderen Worten, es wird keine ursächliche Verbindung zwischen den Grenzwertverletzungen gezogen, sodass eine gegebenenfalls vorhandene Störgröße, die z. B. Auswirkungen auf verschiedene Werte haben kann, nicht zuverlässig erkannt werden kann.
Methoden auf Basis von maschinellem Lernen sind in der Lage, automatisiert Anoma lien zu erkennen und sogar Diagnosen zu stellen. Allerdings benötigen diese zuvor Da ten, die die entsprechenden Störungen sowie die zugehörigen Ursachen wiederspie geln. Daher sind sie nur in der Lage, bekannte bzw. bereits aufgetretene Diagnosen zu stellen und gegebenenfalls zu wiederholen. Daneben ist es schwierig, allgemein gültige Modelle durch diese Verfahren zu erstellen, da sie nicht zwischen speziellen und allge mein gültigen Zusammenhängen unterscheiden können.
Eingesetzt werden solche Verfahren bereits, um Qualität vorherzusagen (vergleiche US 7,216,005 B2). Bei derartigen Methoden muss allerdings der Algorithmus zunächst spe ziell auf einen Prozess angelernt werden. Die vorgeschlagenen Methoden sind daher nicht selbstständig lern- und lauffähig.
Des Weiteren sind Expertensysteme und auf qualitativen Modellen basierende Diagno severfahren beispielsweise unter dem Begriff "Model-Based Diagnosis " bekannt (ver gleiche R. Reiter, A theory of diagnosis from first principles, Artificial Intelligence 32 (1 ) (1987) 57—95).
Der oben skizzierte Stand der Technik hat eine Vielzahl von Nachteilen. Aufgrund der manuellen Festlegung der Grenzwerte müssen zwei Bedingungen für eine wirkungsvol le Überwachung gegeben sein:
1. Es muss ein Grenzwert festgelegt werden und
2. Die Überwachung muss angewendet werden.
Grenzwerte können über Versuche ermittelt werden und/oder aus diesen automatisch abgeleitet werden. Dennoch muss der Versuchszeitraum und/oder die Daten hierzu ex plizit dem Programm, welches die Maschinensteuerung/Prozesssteuerung übernimmt, mitgeteilt werden.
Am Beispiel eines Spritzgussprozesses sei Folgendes erläutert. Bei den ca. 100 Pro zessgrößen einer modernen Spritzgießmaschine (vgl. IST-Wert-Zyklen) werden in der Praxis nur für die wenigsten Prozessgrößen Grenzwerte festgelegt. Ebenso werden die in der Maschine und in externen Systemen (MES) integrierten Überwachungsmöglich keiten nicht immer genutzt, da sich die Grenzwerte auch in Abhängigkeit der verwende ten Maschine, von Umwelteinflüssen und von Material/Materialeigenschaften für einen Prozess verändern können bzw. verändern müssen, um eine gleich bleibende Quali tätsüberwachung zu erzielen.
In Folge des hieraus resultierenden nötigen hohen Arbeitsaufwandes zum aktuell Hal ten der Grenzwerte, bleiben eine Vielzahl von Prozessgrößen der oben genannten ca. 100 Prozessgrößen in der Praxis meist unüberwacht.
Es werden lediglich die allerwichtigsten Funktionen dahingehend aktualisiert, dass an momentane Umgebungsbedingungen angepasste Grenzwerte manuell eingegeben werden.
Somit bleibt das Steuerungspotential, insbesondere was eine theoretisch mögliche Grenzwertüberwachung angeht, in weiten Bereichen ungenutzt, da eine volle Nutzung des Potentials einen sehr hohen Aktualisierungsaufwand und Betreuungsaufwand durch das bedienende Personal bedeutet.
Ein weiterer Nachteil ist, dass aus der Information, welche Toleranzüberschreitungen auftreten oder in welcher Art die Toleranzen überschritten werden (z. B. einmalig, dau erhaft, schleichend und/oder immer stärker werdend und/oder abnehmend, usw.), keine weiteren automatischen Rückschlüsse aus diesen Informationen gezogen werden. So mit kann es also durchaus möglich sein, dass mehrere Toleranzüberschreitungen gleichzeitig auftreten, die eine gemeinsame eindeutige Ursache haben, ohne dass die se benannt, erkannt und somit zielgerichtet analysiert wird.
Vielmehr liegt es im Erfahrungsschatz des Bedieners, bei einer bestimmten charakteris tischen Kombination von Toleranzüberschreitungen einzelner Werte von Prozessgrö ßen aufgrund seines Fachwissens eine mögliche gemeinsame Ursache zu erkennen und diese zu beheben.
Aufgabe der Erfindung ist es daher, die oben genannten Nachteile des Standes der Technik zu vermeiden und/oder zumindest abzumildern. Insbesondere soll eine vollau tomatische Prozessüberwachung und Prozessdiagnose, insbesondere für einen stück basierten Prozess, der insbesondere ein Spritzgießprozess sein kann, angegeben wer den, wobei das Verfahren in der Lage sein soll, automatisiert und insbesondere selbst lernend Referenzwerte und Grenzwerte für Prozessgrößen festzulegen, um aus Grenz wertüberschreitungen und Anomaliebewertungen Ursachen zu erkennen, diese zumin dest zu melden, gegebenenfalls sogar abzustellen und Rückschlüsse auf gegebenen falls sinnvolle neue Referenzen bzw. Grenzwerte zu ziehen.
Diese Aufgabe wird mit einem Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs 1 gelöst. Vorteilhafte Ausführungsformen sind in den Unteransprüchen angegeben.
Ein erfindungsgemäßes Verfahren zur automatisierten Prozessüberwachung und/oder Prozessdiagnose eines stückbasierten Prozesses, insbesondere eines Fertigungspro-
zesses von insbesondere Gleichteilen, insbesondere eines Spritzgießprozesses weist die Schritte auf: a) Durchführen einer automatisierten Referenzfindung zum Erhalt von Referenzwer ten n ... rn aus Werten x0 ... Xj mindestens einer Prozessgröße;
b) Durchführen einer Anomalie-Erkennung auf der Basis der im Schritt (a) gefunde nen Referenzwerte r-i ... rn;
c) Durchführung einer automatisierten Ursachenanalyse und/oder einer automati sierten Fehlerdiagnose auf einer Basis eines qualitativen Modells von Prozess zusammenhängen und/oder auf Basis von Abhängigkeiten verschiedener Pro zessgrößen voneinander.
Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren gelingt es, trotz einer Vielzahl von anfallenden möglichen Anomalien, diese Anomalien zu sortieren und in eine für den Bediener ange nehme, übersichtliche Darstellung zu bringen, so dass der Bediener auch aufgrund ei ner Vielzahl von Anomalien eine bevorzugt eindeutige Ursachenangabe an die Hand bekommt, anhand der er eine störende Ursache, also z. B. eine Prozessstörgröße oder eine anderweitige Störung des Prozesses beheben kann.
Des Weiteren wird der Bediener davon entlastet, zu unterschiedlichen Prozessgrößen manuell Grenzwerte festzulegen, auch wenn sich gegebenenfalls Umgebungsbedin gungen oder dergleichen ändern. Dies kann das erfindungsgemäße Verfahren automa tisch bewältigen und somit für eine weitere automatisierte Prozessverbesserung und somit eine Qualitätserhöhung der hergestellten Stücke, z. B. Spritzgussteile sorgen.
Weil entsprechende Grenzwerte automatisiert für eine Vielzahl von Prozessgrößen vor liegen, kann das erfindungsgemäße Verfahren auch eine automatisierte Überwachung aller Prozessgrößen bewerkstelligen und durch eine Vielzahl dieser überwachten Pro zessgrößen eine verbesserte Ursachenanalyse und Ursachenangabe automatisiert zur Verfügung stellen.
In einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird ein Ergebnis der Ursachenanalyse und/oder der Fehlerdiagnose an einer Ausgabeeinrich-
tung für einen Bediener ausgegeben oder ein Ergebnis der Ursachenanaly se/Fehlerdiagnose wird automatisiert weiterverarbeitet. Dies kann z. B. dadurch ge schehen, dass das Ergebnis der Ursachenanalyse einer Maschinensteuerung und/oder einer Maschinenparksteuerung und/oder einer Steuerung zur Beeinflussung einer Ma schinenumgebung, z. B. einer Werkhalle, z. B. deren Heizung/Klimatisierung oder der gleichen zur Verfügung gestellt wird. Hierdurch gelingt es, es entweder dem Bediener besonders augenscheinlich zu machen, welche Ursachen für eine bestimmte Anomalie vorliegen oder es kann gelingen, ein automatisiertes Abwenden dieser Anomalien zu erreichen, wenn beispielsweise eine Maschinensteuerung oder eine Maschinenhallen steuerung oder eine Maschinenparksteuerung entsprechend auf Ergebnisse der Ursa chenanalyse reagieren.
In einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens kann der Schritt a) mindestens einen oder mehrere der nachfolgend aufgelisteten Unterschritte umfassen: a1 ) Bewertung von Prozesswerten x0 ... Xj von Prozessgrößen über mehrere Prozesszyklen hinweg hinsichtlich ihrer Eignung zur Verwendung als Refe renz durch die Berechnung von Bewertungskennzahlen bi ... b, und Anwendung von festgelegten Regeln, wobei als Bewertungskennzahlen bi ... bi beispielsweise der Änderungstrend der Werte x0 ... Xj der Prozessgrößen, und/oder Schwankungen der Prozessgrößenverwendet werden oder a2) als Referenz der automatischen Prozessüberwachung und/oder automati schen Prozessdiagnose automatisch bestimmte Referenzwerte n ... rn ver wendet werden, welche z. B. das "natürliche" Rauschen oder Unsicherheit der Prozessgröße wiederspiegeln, das jede Prozessgröße aufgrund von Umweltbedingungen und/oder Sensorrauschen hat oder
aß) wenn die aus den Prozesswerten x0 ... Xj von Prozessgrößen gebildeten vor läufigen Referenzwerten r*i ... r* n auf Basis von Kriterien und Regeln besser als die aktuell besten gefundenen Referenzwerten r-i ... rn sind, diese als neue besten gefundenen Referenzwerten r-i ... rn eingerichtet werden oder
a4) die Referenzwerte r-i . . . rn aus Schritt a3) verwendet werden, um automa tisch z. B. Sprünge, Steigungen, Ausreißer als Anomalien zu erkennen, zu bewerten und/oder gegebenenfalls zu markieren oder
a5) wobei die automatische Referenz, das heißt die Referenzwerte x^ ... rn bei vorbestimmten Ereignissen zwingend neu gebildet wird, wobei derartige vor bestimmte Ereignisse beispielsweise ein längerer Stillstand der den Prozess ausführenden Maschine oder ein Werkzeugwechsel sein kann.
In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens ist jeder Prozessgröße ein Referenzgenerator zur Bildung von Referenzwerten r-i ... rn zu geordnet, der bevorzugt herstellerseitig mit einer Initialreferenz ausgestattet ist, von der aus dann die Entwicklung weiterer zukünftiger Referenzen, das heißt Referenzwerte n ... rn erfolgen kann. Die Initialreferenz stellt dabei eine erste aktuelle Referenz mit den Referenzwerten r-i ... rn dar, welche mit dem erfindungsgemäßen Verfahren, insbeson dere im Schritt a) abänderbar ist.
In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens besteht eine Referenz aus mehreren Werten r-i ... rn, wobei die Werte r-i . . . rn Eigen schaften eines Werteverlaufs von Werten x0 ... Xj einer Prozessgröße wiederspiegeln, z. B. die Standardabweichung oder den Median der Werte.
Eine weitere Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens ist gekennzeichnet, dadurch, dass während des Ablaufs des Prozesses die Referenzwerte auf den Werte verlauf der Werte x0 ... Xj der Prozessgröße, der durch Messung ermittelt wird, ange passt wird, wobei hierzu ein Fenster von j Werten betrachtet wird.
In einer weiteren Ausführungsform werden aus den j Werten der Prozessgröße vorläufi ge Referenzwerte r-i* ... rn * und Bewertungszahlen bi ... b, gebildet, wobei die Bewer tungszahlen bi ... bi z. B. die Steigung oder die Krümmung der j Werte und/oder des Werteverlaufs über der Zeit sein können.
Weiterhin vorteilhaft kann es sein, aus den Bewertungszahlen bi ... b, der aktuellen Referenz (Werte x^ . . . rn) sowie der vorläufigen Referenz (Werte n* ... rn *) mittels vor-
bestimmter Regeln festzulegen, ob die aktuelle Referenz r^ . . . rn beibehalten wird oder die vorläufige Referenz r-i* ... rn * zukünftig als neue aktuelle Referenz r-i ... rn verwendet wird und somit die vorläufige Referenz r-i* ... rn * die bisherige aktuelle Referenz r-i ... rn ersetzt.
Zweckmäßig ist es, dass für jede Prozessgröße eine Anomalieerkennung vorgesehen wird, welche aktuelle Referenzwerte . . . rn und/oder zurückliegende Werte Xi ... Xj der Prozessgröße verwendet, um einen außergewöhnlichen Wert, d. h. eine Anomalie, fest zustellen oder einem außergewöhnlichen Wert einer Anomaliewahrscheinlichkeit zu ordnet.
Weiterhin ist es bevorzugt, einen Wert, welcher z. B. mehr als drei Referenz- Standardabweichungen vom Referenzmittelwert entfernt liegt, als Anomalie zu kenn zeichnen oder zu bewerten z.B. durch Angabe der Abweichungen vom Referenzmittel wert in Vielfachen der Referenz-Standardabweichung. Diese Ausführungsform ist nicht alleine auf das Dreifache der Referenzstandardabweichung beschränkt. Es können ge gebenenfalls abhängig vom betrachteten Wert, d. h. abhängig von der betrachteten Prozessgröße eine geeignete Abweichung vom Referenzmittelwert festgelegt werden. Dies kann gegebenenfalls auch im Wege von Versuchen erfolgen.
Weiterhin ist es vorteilhaft, dass als das im Schritt c) verwendete qualitative Modell ein qualitatives Modell eines Spritzgießprozesses verwendet wird, in dem Zusammenhänge zwischen den Prozessgrößen und/oder Abhängigkeiten zwischen den Prozessgrößen z. B. in Form von Regeln, z. B. ein Regelwerk bildend, enthalten sind.
Ein solches Regelwerk oder eine solche Anhäufung von Regeln ermöglicht eine zuver lässige Ursachenanalyse und somit die Ausgabe einer möglichst geringen Anzahl mög licher Ursachen für den Bediener, auch wenn beispielsweise eine Vielzahl von Anoma lien festgestellt wurde.
Eine weitere Aufgabe der Erfindung ist es, eine Maschine, insbesondere eine Spritz gießmaschine anzugeben, mit der das erfindungsgemäße Verfahren zur automatischen Prozessüberwachung und/oder Prozessdiagnose durchgeführt werden kann.
Diese Aufgabe wird mit einer Maschine nach Anspruch 13 gelöst, welche eingerichtet und ausgebildet ist, das erfindungsgemäße Verfahren auszuführen. Eine derartige Ma schine ist insbesondere als Spritzgießmaschine ausgebildet.
Ebenso ist es Aufgabe der Erfindung, einen Maschinenpark, insbesondere einen Ma schinenpark aufweisend Spritzgießmaschinen anzugeben, mit dem das erfindungsge mäße Verfahren zur automatischen Prozessüberwachung und/oder Prozessdiagnose durchgeführt werden kann.
Diese Aufgabe wird mit einem Maschinenpark mit den Merkmalen des Anspruchs 14 gelöst. Ein derartiger Maschinenpark ist eingerichtet und ausgebildet, das erfindungs gemäße Verfahren durchzuführen/auszuführen.
Im Folgenden wird die Erfindung beispielhaft anhand der Zeichnung näher erläutert. Es zeigen:
Figur 1 : ein schematisches Strukturdiagramm einer Anomalieerkennung für eine bestimmte Kennzahl durch das erfindungsgemäße Verfahren;
Figur 2: eine Referenzaktualisierung nach einem Wertesprung, erhalten durch ein erfindungsgemäßes Verfahren;
Figur 3: beispielhafte Zusammenhänge, die Einfluss auf eine Prozesskennzahl haben können, insbesondere am Beispiel eines Kunststoffspritzgießpro zesses.
Figur 4: ein Ablaufdiagramm zur Ermittlung einer neuen Referenz in einem erfin dungsgemäß verwendeten Referenzgenerator;
Figur 5: Ablaufschema betreffend eine Anomaliebewertung.
In Figur 1 ist stark schematisiert in Form eines Strukturdiagrammes eine Anomalieer kennung, insbesondere eine selbstreferenzierende Anomalieerkennung gemäß Schritt b) des erfindungsgemäßen Verfahrens dargestellt. Beispielhaft ist dies anhand einer Prozessgröße (Kennzahl 1 ) stellvertretend für eine beliebige Datenquelle, insbesondere für Prozesskennzahlen oder Prozessparameter oder deren Messwerte dargestellt. Eine solche Datenquelle (Kennzahl 1 ) liefert Werte x0 ... Xj der Prozessgröße und wird einem Referenzgenerator und einer Anomalieerkennung zugeführt. Der Referenzgenerator enthält eine sogenannte aktuelle Referenz mit aktuellen Referenzwerten n ... rn und damit ist die Anomalieerkennung in der Lage, einen außergewöhnlichen Wert durch Vergleich der Prozessgröße (Kennzahl 1 ) mit den aktuellen Referenzwerten r-i ... rn und/oder mit zurückliegenden Werten x-i ... xk der Prozessgröße festzustellen. Bei spielsweise ist festgelegt, dass ein aktueller Wert x0 der Prozessgröße (Kennzahl 1 ) dann als Anomalie gekennzeichnet oder bewertet wird, wenn mehr als drei Referenz- Standardabweichungen zwischen dem zu beurteilenden Wert x0 der Prozessgröße (Kennzahl 1 ) und dem Referenz-Mittelwert liegen. Der Referenz-Mittelwert kann z. B. Mittelwert der Teil der aktuellen Referenzwerte n ... rn ist und/oder berechnet aus den zurückliegenden Werten Xi ... Xj der Prozessgröße sein. Hierbei kann es sich bevorzug ter Weise um einen arithmetischen Mittelwert handeln. Zum Erhalt einer Referenz, das heißt von aktuellen Referenzwerten r-i ... rn zum Ersatz einer aktuellen Referenz durch eine zukünftige Referenz wird auf die Beschreibung der Figur 4 weiter unten hingewie sen, anhand der die Funktionsweise eines Referenzgenerators erläutert wird.
Der Referenzgenerator ist bevorzugt für jede Prozessgröße (Kennzahl) vorhanden, die einer Anomalieerkennung unterworfen werden soll. Der Referenzgenerator ist bei spielsweise vom Hersteller der den Prozess durchführenden Maschine mit einer Initial referenz versehen, die erste Referenzwerte n ... rn für den Wert x0 der Prozessgröße (Kennzahl 1 ) darstellt. Eine solche Referenz kann aus mehreren Werten r-i ... rn beste hen, wobei beispielsweise n = 10 ist. Die Referenz kann z. B. eine Standardabweichung und/oder der Mittelwert und/oder dergleichen eines Wertverlaufes der Prozessgröße, d. h. der Kennzahl 1 sein. Die Werte x0 ... Xj des laufenden Prozesses werden in den Re ferenzgenerator eingelesen, wobei die Referenz auf den Prozessgrößenverlauf ange passt wird. Der Prozessgrößenverlauf ist dabei ein zeitlicher Verlauf der Messwerte be treffend die Prozessgröße/die Kennzahl 1.
Zur Anpassung der Referenz wird hierbei ein Fenster von z. B. j Werten betrachtet, wo bei j beispielsweise 10 ist. j kann aber ohne Weiteres auch Werte zwischen 2 und 50 oder 100 annehmen, je nachdem wie genau eine Ermittlung erfolgen soll.
Aus diesen j Werten werden vorläufige Referenzwerte r-i* ... rn * und Bewertungszahlen bi ... bi gebildet. Die Bewertungszahlen bi ... b, dienen z. B. zur Bewertung der Güte oder der Eignung der vorläufigen Referenz r-i* ... rn * zur Bewertung der Anomalieerken nung.
Die Bewertungszahlen bi ... b, sind beispielsweise eine Abteilung, z. B. eine Steigung oder eine Krümmung oder ein anderer Parameter der Aufeinanderfolge der entspre chenden j Werte. Aus den Bewertungszahlen bi ... bi, der aktuellen Referenz n ... rn sowie der vorläufigen Referenz r-i* ... rn * wird aufgrund von vorbestimmten Regeln fest gelegt und ermittelt, ob die aktuelle Referenz h ... rn beibehalten wird oder ob sich bei spielsweise die Umgebungsbedingungen so geändert haben, dass die vorläufige Refe renz r-i* ... rn * die aktuelle Referenz n ... rn ersetzt und im Folgenden mit der bisherigen vorläufigen, nunmehr aktuellen Referenz gearbeitet wird (n*-> n ... rn * -> rn).
Als Beispiel sei hierzu angegeben, dass wenn z. B. die Steigung über j = 10 Werte klei ner ist als eine Standardabweichung aus der aktuellen Referenz n ... rn und die vorläu fige Standardabweichung nicht größer als das Doppelte der aktuellen aktuellen Refe renz r-i ... rn ist, die vorläufige Referenz r-i* ... rn * übernommen wird. Ist dies nicht der Fall, wird die vorläufige Referenz r-i* ... rn * verworfen und die Schritte des Wertesam melns und des Vergleichens beginnen von vorne. Der Prozess wird bis dahin mit der unveränderten aktuellen Referenz n ... rn weitergeführt.
Eine so festgelegte, aktuelle Referenz r-i ... rn wird zusammen mit den zurückliegenden Werten x-| ...xk der Prozessgröße der Anomalieerkennung übergeben, um einen außer gewöhnlichen Wert xa festzustellen. Dabei ist k das Fester von Werten, die zur Anoma- lierkennung betrachet werden, wobei k z.B. 20 ist. Liegt ein Wert xa z. B. mehr als 3 Re ferenzstandardabweichungen vom Referenzmittelwert entfernt, so wird er als Anomalie gekennzeichnet. Gleichwohl kann anstelle oder zusätzlich zur vorbeschriebenen Ano-
malieerkennung, bei der es den Status Anomalie (ja) oder Anomalie (nein) gibt, auch einer Anomaliewahrscheinlichkeitsermittlung zugeführt werden. Einen bestimmten au ßergewöhnlichen Wert xa kann je nach Abweichung von der entsprechenden aktuellen Referenz n ... rn eine gewisse Anomaliewahrscheinlichkeit, z. B. 70 oder 75% zugeord net werden. Eine derartige Anomaliekennzeichnung wird dann an eine Ursachenanaly se weitergegeben. Eine derartige Anomalieerkennung auf der Basis von Werten ver schiedener Prozessgrößen erfolgt analog zu oben erläuterter Anomalieerkennung für weitere Prozessgrößen parallel. Die Ergebnisse der Anomalieerkennung werden jeweils der Ursachenanalyse übergeben.
Bei dieser Vorgehensweise kann es sein, dass gleichzeitig oder in kurzen Abständen eine Vielzahl von Anomaliemeldungen/Anomaliekennzeichnungen/Anomaliewahr scheinlichkeiten entstehen und somit eine Vielzahl von Meldungen/Warnungen/Alarme generiert werden, da eine Vielzahl von Prozessgrößen (Kennzahlen 1 ) parallel verarbei tet werden und ein Prozessproblem sich meist nicht nur in einer einzigen Prozessgröße, also in einer einzigen Kennzahl widerspiegelt.
Eine solche Vielzahl von Meldungen/Warnungen/Alarme wird dann erfindungsgemäß durch eine Ursachenanalyse kanalisiert und für einen Nutzer/Bediener leicht verständ lich aufbereitet oder an automatisiert reagierende Systeme (Steuerungen) weitergege ben. Die Ursachenanalyse ist als sogenannte nutzerorientierte Zusammenfassung der Anomaliemeldungen und auch der nachfolgend erläuterten Stabilitätsmeldungen aus gebildet und als solche erfindungswesentlich notwendig. Der Bediener/Nutzer oder der Prozessführer ist meist nur an den Ursachen der Prozessgrößenänderung, nicht so sehr an der einzelnen Prozessgrößenänderung als solcher interessiert.
Die Ursachenanalyse erfolgt als dritter Schritt des erfindungsgemäßen Verfahrens ba sierend auf dem Wissen um die Zusammenhänge zwischen den Prozessgrößen, wel ches in einem bestimmten Prozess vorhanden ist. Dieses Wissen ist oftmals im Erfah rungsschatz von Herstellern entsprechender Maschinen oder bei Bedienern vorhanden und wird einmal in Form eines Datenladevorganges der Ursachenanalyse zur Verfü gung gestellt und dort abgespeichert. Die Ursachenanalyse nutzt dieses Wissen um die
Zusammenhänge zwischen den Prozessgrößen, um auf Ursachen zu schließen bzw. eine gezielte Diagnose zu stellen oder Diagnoseempfehlungen abzugeben.
Hierzu wird ein qualitatives Modell des Prozesses, insbesondere eines Spritzgießpro zesses verwendet, welches Zusammenhänge unter den Prozessgrößen enthält. Hierzu liegen in den Fachkreisen umfangreiche Erfahrungswerte vor. Diese müssen in der Ur sachenanalyse insbesondere in Form von "Wenn-Dann-Beziehungen" abgelegt werden.
So kann es z. B. bei einem Spritzgießprozess sein, dass eine gestiegene Zylindertem peratur zu einer flüssigeren Kunststoffschmelze im Plastifizierungszylinder führt und damit zu einem niedrigeren Druckniveau beim Einspritzvorgang bzw. bei druckgeregel tem Einspritzen zu einer höheren Einspritzgeschwindigkeit führt. Somit wird eine Viel zahl von erkannten Anomalien für einzelne Werte, beispielsweise für eine zu flüssige Kunststoffschmelze im Plastifizierungszylinder, ein zu niedriges Druckniveau beim Ein spritzvorgang oder eine zu hohe Einspritzgeschwindigkeit durch die Anomalieerken nung detektiert, wobei hieraus aufgrund entsprechender Erfahrungswerte die Ursa chenanalyse eine einzige Ursache ermitteln kann, nämlich diejenige, dass alle drei die ser Folgen beispielsweise auf eine gestiegene Zylindertemperatur zurückgeführt wer den können. Ein solches Regelwerk kann sehr viele Regeln umfassen und ist im We sentlichen von dem zu beurteilenden bzw. automatisiert zu analysierenden Prozess ab hängig. Ein solches aus vielen Regeln bestehendes Regelwerk bewerkstelligt es erfin dungsgemäß, dass auf dessen Basis die Diagnose stark eingeschränkt werden kann und trotz einer Vielzahl von erkannten Anomalien dem Benutzer/Bediener konkretes, zu diesen Anomalien passendes Diagnoseergebnis geliefert wird, welches einen gezielten Eingriff in den Prozess ermöglicht. So bekommt der Nutzer also nur die Diagnosemel dung, die für ihn interessant ist und kann so schneller die Ursache der Änderungen und damit der Störung identifizieren und beheben.
In Figur 2 ist der erfindungsgemäße Schritt der automatisierten, selbstreferenzierenden Anomalieerkennung anhand eines Beispiels eines Wertes x0 dargestellt, der im Laufe einer Vielzahl von Zyklen nach einem bestimmten Zyklus (hier z. B. Zyklus 25) einen plötzlichen Wertesprung vollzieht.
Während der ersten 24 Zyklen ist der Wert x, der beispielsweise ein Druckwert, eine Viskosität oder ein anderer Wert eines Spritzgießprozesses, also allgemein gesagt ein Wert einer Prozessgröße sein kann, innerhalb eines Wertebereichs von 20 bis 21 an geordnet. Diesen Werten x ist eine Mittelwertreferenz (strichpunktierte Linie) zugeordnet und eine Mittelwertstandardabweichung (strichlierter Linie). Ab dem Zyklus 25 findet ein Wertesprung nach oben in den Bereich zwischen 23 und 24 statt, wobei im weiteren Verlauf ab dem Zyklus 25 alle Werte in diesem Bereich liegen.
Somit stellt also der Wertesprung vom Zyklus 25 auf den Zyklus 26 eine Anomalie dar, die aber keine singuläre Anomalie ist, sondern eine fortdauernde Anomalie darstellt. Somit handelt es sich also nicht um einen Ausreißer, sondern - wie oben bereits er wähnt - um einen Wertesprung, der beispielsweise, wenn sich der Wert auf eine Visko sität bezieht, auf eine Änderung der Einspritzgeschwindigkeit der Spritzgießmaschine zurückgeführt werden kann.
Im Folgenden wird anhand der Figur 2 die selbstreferenzierende Anomalieerkennung kurz erläutert. Eine Batchfertigung von Gleichteilen (Serienteilen) im stückbasierten Prozess, wie z. B. bei einer Spritzgießmaschine hat die Eigenschaft, dass ein Prozess nur dann stabil ist, wenn die Prozesskenngrößen für jeden Zyklus ohne T rend und ohne zu große Schwankungen sind. Diese Eigenschaft kann dazu genutzt werden, um auto matisch alle abweichenden Ereignisse, z. B. Sprünge, Steigungen, Ausreißer, Gefälle, überlagerte Schwingungen und dergleichen zu erkennen und als Anomalien zu bewer ten und so zu markieren oder zu bewerten. Für eine automatische Referenz wird dabei die "natürliche" Schwankung verwendet, wobei jeder Wert eine solche natürliche, ins besondere unvermeidbare Schwankung hat, die beispielsweise auf geringfügig schwankende Umweltbedingungen oder ein Sensorrauschen zurückzuführen sind. Eine solche natürliche Schwankung stellt die bestmöglich erreichbare Stabilität der Prozess kenngröße dar und wird als solche definiert. Als Maß hierfür kann beispielsweise die beste erreichte Stabilität in der Vergangenheit verwendet werden. Diese kann ohne Weiteres extrapoliert werden, um einen angenommenen besten erreichbaren Stabili tätswert für die Zukunft zu ermitteln.
Diese Referenz muss bei gewissen Ereignissen aber zwingend neu gebildet werden, beispielsweise dann, wenn sich Umgebungsbedingungen und/oder andere wesentliche Prozessparameter geändert haben. Solche Änderungen können z. B. ein längerer Still stand der Maschine oder ein Werkzeugwechsel oder ein Werkstoffwechsel oder ein Aufstellen der Maschine in anderen Umgebungsbedingungen sein. Durch eine solche Automatisierung der Überwachung und ein Entfallen der manuellen Grenzwertfestle gung können alle Werte des Prozesses überwacht werden. Das System ist somit selbs- treferenzierend bzw. selbstlernend und stellt derartige Anomalien im Verhältnis zu einer Referenz dar und entscheidet selbstständig über die Verwendung einer gegebenenfalls neu zu verwendenden vorläufigen Referenz im Vergleich zu einer bisherigen aktuellen Referenz.
Anhand der Figur 3 soll nunmehr im Zusammenhang mit Figur 1 beschriebener Anoma liefall eines Spritzgießprozesses kurz erläutert werden. Im Spritzgießprozess kann man beispielsweise mit einfacher Sensorik das Plastifizierdrehmoment der Plastifizierschne- cke messen. Dies stellt einen ersten Wert aus einer ersten Datenquelle (Prozessgröße: "Plastifizierdrehmoment") dar. Auch kann der Massedruck der Kunststoffschmelze an einer Vielzahl von Stellen einfach gemessen werden. Der Massedruck ist somit eine weitere Kennzahl bzw. eine weitere Prozessgröße. Auch die Werkzeugwandtemperatur ist in einer einfachen Art und Weise eine messbare und im vorliegenden Beispiel eine gemessene Prozessgröße. Alle gemessenen oder messbaren Prozessgrößen sind in der Figur 3 in geschlossen Kreissymbolen dargestellt. Man weiß nunmehr auch, dass z. B. eine Materialviskosität, welche im konkreten Prozess nicht so einfach zu messen ist, auf das Plastifizierdrehmoment wie auch auf den Massedruck Auswirkungen hat, nicht aber auf die Werkzeugwandtemperatur.
Stellen die Anomalieerkennungsmodule der einzelnen Kennzahlen (Prozessgrößen) "Plastifzierdrehmoment" und "Massedruck" für deren Werte x0 ... Xj eine Auffälligkeit fest, die "Werkzeugwandtemperatur" bleibt aber unauffällig, kann ein vorhandenes Computersystem automatisch den Schluss ziehen, dass das im Modell enthaltene aber nicht gemessene Material (und/oder dessen geänderte Viskosität) die Ursache sein muss. Diese Aufgabe fällt der Ursachenanalyse zu und ist dort mit entsprechendem Regelwerk abgelegt. Zeigen dagegen die Parameter "Werkzeugwandtemperatur" und
"Massedruck" Anomalien und das "Plastifizierdrehmoment" nicht, wird die Ursache in der "Werkzeugwandtemperatur" liegen. Auch eine solche Wenn-Dann- Beziehung ist in Form von Regeln im Regelwerkt der Ursachenanalyse des erfindungsgemäßen Verfah rens abgelegt.
Durch eine entsprechende systematische Abarbeitung bekommt der Nutzer erfindungs gemäß direkt einen Hinweis auf die Ursache und muss nicht erst die oftmals vorhande ne Vielzahl von Einzelanomalien analysieren, gewichten und bewerten, um selbst zu einem entsprechenden Ursachenergebnis zu kommen.
Das erfindungsgemäße Verfahren kann ohne Weiteres z. B. über eine Schnittstelle an einer Spritzgießmaschine ausgeführt werden, wobei die Schnittstelle Kennwerte für je den Zyklus an ein externes oder auch internes Computersystem z. B. einer Rechenein heit/Steuerung an oder in einer Spritzgießmaschine sendet. Ein solches Computersys tem enthält beispielsweise Algorithmen zur Bewertung verschiedener Anomalien auf Basis der automatisch gebildeten Referenz. Die Muster sich ergebender Anomalien werden von dem zweiten Algorithmus interpretiert und zu einer Diagnose zusammenge fasst. Diese Diagnose wird dann dem Bediener über die Maschinenanzeige oder auch über ein Netzwerk/Internet an z. B. mobiles Gerät wie ein Smartphone oder einen Tab- letcomputer gesendet und gegebenenfalls dort angezeigt. Dort können sie z. B. auch gesammelt oder auch über eine größere Anzahl von Maschinen hinweg empfangen und sortiert werden, so dass das erfindungsgemäße Verfahren beispielsweise bei gleichzei tigem Auftreten ein und derselben Ursachen an einer Mehrzahl von Maschinen auch eine vereinfachte Ursachenanalyse und Ursachenforschung und Instandsetzung bei größeren Maschinenansammlungen, z. B. in einem Maschinenpark, in einfacher Art und Weise ermöglicht.
In Figur 4 ist ein Ablaufdiagramm eines Referenzgenerators schematisch dargestellt. Ein solcher Referenzgenerator ist erfindungsgemäß einer Vielzahl, jedenfalls den aller wichtigsten Prozessgrößen, die für eine Anomalieerkennung notwendig sind, zugeord net. Der Referenzgenerator wird eingangsseitig mit einem neuen Wert x0 beaufschlagt. Auf der Basis des neuen Wertes x0 werden neue, zu diesem Wert x0 gehörende Refe renzkennzahlen r-i* ... rn * ermittelt. Beispiele für solche Referenzkennzahlen können
beispielsweise - wie bereits erwähnt - ein arithmetischer Mittelwert oder eine Stan dardabweichung oder weitere bevorzugt rechnerisch aus den Werten x0 zu ermittelnde Größen sein.
Parallel hierzu wird auf der Basis des neuen Wertes x0 mindestens eine Bewertungs kennzahl bi ... bi berechnet. Als Bewertungskennzahl kann beispielsweise eine Stei gung der Werteverläufe der Werte x0 ... Xj sein.
In die Berechnung der neuen Referenzkennzahlen r-i* ... rn * und in die Berechnung der Bewertungskennzahlen bi ... b, fließen naturgemäß und besonders bevorzugt auch die letzten Werte Xi ... Xj der Prozessgröße ein, die gegenüber dem neu eingegebenen Wert x0 in der Vergangenheit liegen.
Mit den neuen Referenzkennzahlen r-i* ... rn * und den berechneten Bewertungskenn zahlen bi ... bi wird ein Vergleich mit der aktuellen Referenz, die aus dem oder einer Vielzahl von früheren zurückliegenden Werten Xi ... Xj gebildet wurden, durchgeführt. Zusammen mit dem Vergleich erfolgt eine Bewertung von zusätzlichen Kriterien, die beispielsweise mittels der Bewertungskennzahlen bi ... b, erfolgen können. Ein solches zusätzliches Kriterium kann beispielsweise die Stabilität des Prozesses sein. Im Rah men des Vergleichs der berechneten neuen Referenzkennzahlen r-i* ... rn * mit der vor handenen aktuellen Referenz n - rn wird die Frage beantwortet, ob die neue Referenz besser ist als die bisherige (aktuelle) Referenz, insbesondere ob die neue Referenz den Prozess bzw. den Verlauf oder den zu erwartenden Verlauf der entsprechenden Pro zessgröße in der Zukunft besser abbilden oder repräsentieren kann als die aktuelle Re ferenz n ... rn. Ist dies der Fall (ja), wird die aktuelle Referenz n ... rn durch die neue Referenz r-i* ... rn * ersetzt, sodass die neue Referenz r-i* ... rn * die neue aktuelle Refe renz r-i ... rn wird.
Ist dies nicht der Fall, wird die alte Referenz, also die alte aktuelle Referenz n ... rn, beibehalten.
Die weitere Prozessbeobachtung geschieht nunmehr mit der bisherigen (aktuellen) Re ferenz n ... rn oder mit der erneuerten aktualisierten Referenz r-i ... rn.
Der neue Wert x0 der in Rede stehenden Prozessgröße wird - wie in Figur 5 schema tisch dargestellt - zusammen mit der geltenden, also der aktuellen Referenz oder der aktuell ersetzten Referenz n ... rn der Anomaliebewertung zugeführt. Der neue Wert x0 wird durch Vergleich mit den entsprechenden geltenden Referenzwerten n ... rn und gegebenenfalls unter Berücksichtigung zurückliegender Werte Xi ... xk im Rahmen der Anomaliebewertung als Anomalie klar gekennzeichnet oder mit einer gewissen Anoma liewahrscheinlichkeit versehen. Eine solche Anomaliewahrscheinlichkeit wird dem auf tretenden abweichenden Wert x0 - sofern es denn einer ist - zugeordnet, sodass der Wert x0 entweder als Anomalie gekennzeichnet wird oder nicht (0 oder 1 Entscheidung) oder der Wert x0 der entsprechenden Prozessgröße mit einer gewissen Anomaliewahr scheinlichkeit (0 bis 100%) versehen wird.