Verfahren und Röntgenprüfsystem zur Prüfung von baugleichen Bauteilen mittels Röntgenstrahlung
Die Erfindung betrifft ein Verfahren und ein Röntgenprüfsystem zur Prü- fung von baugleichen Bauteilen mittels Röntgenstrahlung.
Die automatische und zerstörungsfreie Prüfung von Bauteilen mittels Röntgenstrahlung ist ein wichtiger Bestandteil in der Prüfkette von sicherheitsrelevanten Bauteilen, wie beispielsweise von Fahrwerksteilen im Au- tomobilbereich. Materialfehler, wie beispielsweise Poren oder Lunker können mittels eines Röntgenprüfsystems detektiert und Schlechtteile automatisch aus dem Produktionsprozess aussortiert werden. Die Unterscheidung zwischen Gut- und Schlechtteilen erfolgt durch einen Soll-Ist- Vergleich, bei dem ein zu einem Gutteil gehöriger Referenz-Datensatz mit einem ent- sprechenden Prüf-Datensatz des zu prüfenden Bauteils verglichen wird. Werden bei diesem Soll-Ist- Vergleich inakzeptable Fehlstellen detektiert, wird das zu dem Prüf-Datensatz gehörige Bauteil als Schlechtteil klassifiziert und aussortiert. Anderenfalls wird das zu dem Prüf-Datensatz gehörige Bauteil als Gutteil klassifiziert, das den gewünschten Qualitätsanforde- rungen entspricht. Nachteilig bei diesem Verfahren ist, dass es im Laufe des Produktionsprozesses der Bauteile vermehrt zu Pseudodetektionen kommt, also Bauteile als Schlechtteile klassifiziert werden, die jedoch den Qualitätsanforderungen entsprechen. Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Prüfung von baugleichen Bauteilen mittels Röntgenstrahlung zu schaffen, bei dem Pseudodetektionen zuverlässig vermieden werden.
Diese Aufgabe wird durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs 1 gelöst. Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren werden während des Produktionsprozesses der Bauteile dynamisch aus mehreren gleichartigen Prüf-Datensätzen jeweilige Referenz-Datensätze berechnet, die dann zur Prüfung eines jeweils aktuell hergestellten Bauteils verwendet werden. Der Prüf-Datensatz zu einem aktuell hergestellten Bauteil wird mit dem aktuellen Referenz-Datensatz verglichen und das Bauteil anhand des Vergleichs als Gut- oder Schlechtteil klassifiziert. Im Gegensatz zu dem aus dem Stand der Technik bekannten Verfahren, bei dem ein Referenz- Datensatz zu einem initialen Gutteil zur Prüfung aller Bauteile verwendet wird, werden bei dem erfindungsgemäßen Verfahren während des Produktionsprozesses durch die Einbeziehung des jeweils aktuell ermittelten Prüf- Datensatzes fortwährend aktualisierte Referenz-Datensätze berechnet. Hierdurch können Pseudodetektionen vermieden werden, da schleichende Veränderungen der Bauteile im Laufe des Produktionsprozesses, die innerhalb der Qualitätsanforderungen bzw. der Spezifikation der Bauteile liegen, in den Referenz-Datensätzen berücksichtigt werden, so dass tolerierbare Veränderungen nicht dazu führen, dass ein Gutteil als Schlechtteil klassifiziert wird.
Zulässige Veränderungen der Bauteile können sich beispielsweise aus einer Abnutzung des zur Herstellung der Bauteile dienenden Formwerkzeugs ergeben. Dies ist beispielsweise bei der Herstellung von Metall- bzw. Alu- miniumdruckguss-Bauteilen der Fall. Während der Laufzeit eines entspre- chenden Gießwerkzeugs verändern sich die Druckguss-Bauteile durch Abrasionsprozesse und regelmäßige Sandstrahlvorgänge des Gießwerkzeugs. Diese Veränderungen des Gießwerkzeugs führen zu schleichenden Veränderungen der mit diesem hergestellten Druckguss-Bauteile, die sich in dem jeweiligen Prüf-Datensatz niederschlagen. Durch diese schleichen-
den Veränderungen führt ein Vergleich eines aktuellen Prüf-Datensatzes zu einem zu prüfenden Bauteil mit einem initialen Referenz-Datensatz zu einem im Produktionsprozess länger zurückliegenden Bauteil regelmäßig zu Pseudodetektionen. Dies gilt nicht nur für die Herstellung von Druckguss- Bauteilen, sondern auch für andere Ur- und Umformverfahren und unterschiedlichste Werkstoffe entsprechend.
Dadurch, dass bei dem erfindungsgemäßen Verfahren die Referenz- Datensätze im Laufe des Produktionsprozesses ständig mit aktuellen Prüf- Datensätzen aktualisiert werden, werden derartige zulässige Veränderungen in den ständig neu berechneten Referenz-Datensätzen berücksichtigt und führen somit nicht zu Pseudodetektionen.
Bei den Referenz-Datensätzen und den Prüf-Datensätzen kann es sich um zweidimensionale Datensätze handeln, die jeweils eine Projektion des Bauteils in einer bestimmten Projektionsrichtung charakterisieren. Hierbei wird aus mehreren Prüf-Projektionsdatensätzen ein Referenz-Projektionsdatensatz errechnet und dieser mit einem aktuellen Prüf-Projektionsdatensatz zur Prüfung des entsprechenden Bauteils verglichen. Weiterhin kann es sich bei den Referenz-Datensätzen und den Prüf-Datensätzen um dreidimensionale Datensätze handeln, die jeweils ein Volumen des zu untersuchenden Bauteils charakterisieren. Hierbei wird aus mehreren Prüf- Volumendatensätzen ein aktueller Referenz- Volumendatensatz errechnet, der mit einem Prüf- Volumendatensatz eines aktuell zu prüfenden Bauteils verglichen wird. Die Volumendatensätze werden in üblicher Weise aus einer Vielzahl von Projektionsdatensätzen, die das Bauteil in verschiedenen Projektionsrichtungen charakterisieren, rekonstruiert.
Durch die ständige, dynamische Anpassung der Referenz-Datensätze werden Veränderungen und Schwankungen in der Herstellung der Bauteile ausgeglichen. Dies führt zu einer extrem zuverlässigen Prüfung der Bauteile, die sich einerseits durch eine extrem geringe Anzahl an Pseudodetektio- nen und andererseits durch eine zuverlässige Fehlerdetektion auszeichnet.
Ein Verfahren nach Anspruch 2 ermöglicht auf einfache und zuverlässige Weise die Berechnung von geeigneten Referenz-Datensätzen. Die Mittelungsfunktion kann beispielsweise die Median- und/oder die Mittelwert- funktion sein. Durch die Mittelungsfunktion wird zu jeder Datensatzeinheit eines Referenz-Datensatzes, also bei zwei dimensionalen Datensätzen zu jedem Pixel oder bei dreidimensionalen Datensätzen zu jedem Voxel, aus den Werten bzw. Grauwerten zu den entsprechenden Datensatzeinheiten der Prüf-Datensätze ein Referenz- Wert bzw. Referenz-Grauwert berechnet. Bei der Medianfunktion wird beispielsweise als Referenz- Wert der Median bzw. Zentralwert der Werte der Prüf-Datensätze zu einer bestimmten Datensatzeinheit ermittelt. Demgegenüber wird bei der Mittelwertfunktion als Referenz- Wert der arithmetische Mittelwert der Werte der Prüf-Datensätze zu einer bestimmten Datensatzeinheit berechnet. Zusätzlich kann mittels der Mittelungsfunktion eine Gewichtung der Werte der Prüf-Datensätze erfolgen, so dass Ausreißer bzw. Messfehler in den Werten nicht oder nur in geringem Ausmaß berücksichtigt werden.
Ein Verfahren nach Anspruch 3 gewährleistet eine zuverlässige Berech- nung von geeigneten Referenz-Datensätzen. Durch die Verwendung der Medianfunktion bzw. des nichtlinearen Medianoperators werden Ausreißer bzw. Messfehler in den Prüf-Datensätzen ignoriert. Auf diese Weise wird verhindert, dass Defekte in einem Bauteil, die als extreme Werte bzw. Grauwerte in den zugehörigen Prüf-Datensatz eingehen, sich in dem Refe-
renz-Datensatz niederschlagen. Somit wird ausgeschlossen, dass entsprechende Defekte in nachfolgenden Prüf-Datensätzen nicht detektiert werden. Darüber hinaus erzeugt ein derartiges Verfahren Referenz-Datensätze, die für alle Bereiche der zu prüfenden Bauteile geeignete Referenz- Werte enthalten, so dass die Referenz-Datensätze ein idealisiertes Abbild der Bauteile darstellen, die dem Durchschnitt der Bauteile in einem Produkti- onsprozess deutlich näher kommen, als ein einzelner Prüf-Datensatz, der zum Referenz-Datensatz für alle nachfolgend hergestellten Bauteile deklariert wird. Bei einer ungeraden Anzahl an Prüf-Datensätzen ergibt sich der Referenz- Wert unmittelbar als Median bzw. Zentralwert der Werte der Prüf-Datensätze. Bei einer geraden Anzahl an Prüf-Datensätzen wird beispielsweise aus den beiden mittleren Werten bzw. Zentralwerten der Prüf- Datensätze der arithmetische Mittelwert als Referenz- Wert berechnet. Ein Verfahren nach Anspruch 4 gewährleistet eine zuverlässige Berechnung von geeigneten Referenz-Datensätzen, da eine ausreichende Anzahl an Prüf-Datensätzen verwendet wird. Vorzugsweise werden zwischen 3 und 15, insbesondere zwischen 5 und 13 und insbesondere zwischen 7 und 11 Prüf-Datensätze zur Berechnung der Referenz-Datensätze verwendet.
Ein Verfahren nach Anspruch 5 vereinfacht die Berechnung der Referenz- Datensätze mittels der Medianfunktion. Der jeweilige Referenz- Wert ergibt sich unmittelbar als Median bzw. Zentralwert der Werte der Prüf- Datensätze.
Ein Verfahren nach Anspruch 6 gewährleistet eine zuverlässige Berechnung von geeigneten Referenz-Datensätzen. Prüf-Datensätze zu Bauteilen, die auf Grund von Defekten als Schlechtteile klassifiziert werden, gehen nicht in die Berechnung der Referenz-Datensätze ein. Hierdurch ist sicher-
gestellt, dass als Gütekriterium lediglich Prüf-Datensätze zu Bauteilen, die als Gutteil klassifiziert werden, in die Berechnung der Referenz-Datensätze eingehen. Dies ist insbesondere dann von Vorteil, wenn als Mittelungsfunktion die Mittelwertfunktion verwendet wird und als Referenz- Werte arithmetische Mittelwerte berechnet werden und somit auch Ausreißer in die Berechnung der Referenz- Werte einfließen würden. Gleichartige Defekte in Prüf-Datensätzen zu nachfolgend hergestellten Bauteilen können somit zuverlässig detektiert werden. Ein Verfahren nach Anspruch 7 erhöht die Zuverlässigkeit bei der Berechnung von geeigneten Referenz-Datensätzen. Neben dem Gütekriterium, dass ein Prüf-Datensatz zu einem Gutteil gehören muss, können noch weitere Gütekriterien definiert werden, die erfüllt werden müssen, damit ein Prüf-Datensatz in die Berechnung eines Referenz-Datensatz eingehen darf. Auf diese Weise kann ausgeschlossen werden, dass ein Prüf-Datensatz in die Berechnung eingeht, der den zu berechnenden Referenz-Datensatz verschlechtern würden. Derartige Gütekriterien können beispielsweise eine maximal zulässige Positionsverschiebung des Bauteils zu einer Referenz- Position, eine maximal zulässige Strukturabweichung des Bauteils von dem durch den Referenz-Datensatz definierten virtuellen Referenz-Bauteil oder eine maximal zulässige Abweichung der Helligkeit der Werte bzw. Grauwerte des Prüf-Datensatzes zu den Referenz- Werten des Referenz- Datensatzes sein. Derartige Abweichungen können beispielsweise durch eine Korrelationsanalyse berücksichtigt werden, bei der als Gütekriterium ein Ähnlichkeitsmaß zwischen dem Prüf-Datensatz und dem Referenz- Datensatz berechnet wird, das mit einem Schwellwert verglichen wird. Vorzugsweise wird mit jedem Prüf-Datensatz, der die vordefinierten Gütekriterien erfüllt, eine neue Berechnung angestoßen, mit der ein aktualisierter Referenz-Datensatz berechnet wird.
Ein Verfahren nach Anspruch 8 erhöht die Zuverlässigkeit bei der Berechnung geeigneter Referenz-Datensätze. Durch die Registrierung wird sichergestellt, dass die Werte der Prüf-Datensätze, die jeweils die gleiche Stelle bzw. Durchstrahlungsrichtung der Bauteile repräsentieren, zur Deckung gebracht werden. Basis für die Registrierung kann beispielsweise ein initialer Referenz-Datensatz oder ein aktueller Referenz-Datensatz bzw. ein früherer Prüf-Datensatz sein. Als Registrierverfahren kann beispielsweise eine Landmarken basierende Registrierung oder eine auf Momenten basie- rende Registrierung verwendet werden. Derartige Registrierverfahren sind grundsätzlich bekannt.
Ein Verfahren nach Anspruch 9 gewährleistet eine einfache und zuverlässige Registrierung der Prüf-Datensätze. Dadurch, dass als Basis ein initialer Referenz-Datensatz verwendet wird, der sich über den gesamten Produkti- onsprozess nicht ändert, wird ein Wegdriften der Basis für die Registrierung verhindert.
Ein Verfahren nach Anspruch 10 ermöglicht auf einfache Weise die Bereit- Stellung von Prüf-Datensätzen zur Berechnung der Referenz-Datensätze.
Ein Verfahren nach Anspruch 11 gewährleistet eine hohe Aktualität der berechneten Referenz-Datensätze. Der eine konstante Anzahl an Speicherplätzen aufweisende Zwischenspeicher arbeitet nach dem FIFO-Prinzip (First In First Out). Der Zwischenspeicher arbeitet bei vollständig belegten Speicherplätzen somit derart, dass der älteste und am längsten im Zwischenspeicher sich befindliche Prüf-Datensatz überschrieben wird, wenn ein aktueller Prüf-Datensatz neu in dem Zwischenspeicher gespeichert wird.
Ein Verfahren nach Anspruch 12 gewährleistet eine zuverlässige Prüfung der Bauteile zu Beginn des Produktionsprozesses. Wenn zu Beginn des Produktionsprozesses noch keine ausreichende Mindestanzahl an Prüf- Datensätzen zur Verfügung steht, wird ein initialer Referenz-Datensatz zur Prüfung der Bauteile verwendet. Als initialer Referenz-Datensatz kann beispielsweise ein vor der Prüfung ermittelter Prüf-Datensatz zu einem Gutteil verwendet werden. Die Berechnung der Referenz-Datensätze startet, wenn in dem Zwischenspeicher eine ausreichende Mindestanzahl an Prüf- Datensätzen gespeichert ist.
Ein Verfahren nach Anspruch 13 gewährleistet eine zuverlässige Berechnung von geeigneten Referenz-Datensätzen zu Beginn des Produktionsprozesses. Wird der Zwischenspeicher zu Beginn des Produktionsprozesses mit Prüf-Datensätzen gefüllt, so wird ab einer Mindestanzahl an gespeicherten Prüf-Datensätzen die Berechnung der Referenz-Datensätze gestartet. Ab der Mindestanzahl wird die Berechnung mit einer zunehmenden Anzahl an Prüf-Datensätzen durchgeführt, bis alle Speicherplätze des Zwischenspeichers belegt sind und die Berechnung der Referenz-Datensätze mit einer konstanten Maximalanzahl an Prüf-Datensätzen durchgeführt wird. Während der Füllung des Zwischenspeichers kann die Berechnung der Referenz-Datensätze immer mit der maximal gespeicherten Anzahl an Prüf-Datensätzen durchgeführt werden. Alternativ kann die Berechnung ausschließlich bei einer geraden oder ungeraden Anzahl an Prüf- Datensätzen durchgeführt werden. Wird zur Berechnung der Referenz- Datensätze die Medianfunktion verwendet, so kann eine Berechnung beispielsweise ausschließlich dann angestoßen werden, wenn eine ungerade Anzahl an Prüf-Datensätzen gespeichert ist.
Ein Verfahren nach Anspruch 14 gewährleistet eine gleichbleibende Güte der berechneten Referenz-Datensätze.
Der Erfindung liegt ferner die Aufgabe zugrunde, ein Röntgenprüfsystem zur Prüfung von baugleichen Bauteilen mittels Röntgenstrahlung zu schaffen, mittels dem Pseudodetektionen zuverlässig vermeidbar sind.
Diese Aufgabe wird durch ein Röntgenprüfsystem mit den Merkmalen des Anspruchs 15 gelöst. Die Vorteile des erfindungsgemäßen Röntgenprüfsys- tems entsprechen den bereits beschriebenen Vorteilen des erfindungsgemäßen Verfahrens. Insbesondere kann das Röntgenprüfsystem entsprechend den Ansprüchen 2 bis 14 weitergebildet werden.
Weitere Merkmale, Vorteile und Einzelheiten der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung eines Ausführungsbeispiels. Es zeigen:
Fig. 1 eine schematische Darstellung einer Inline-Prüfanlage mit einem Röntgenprüfsystem zur Prüfung von baugleichen Bauteilen,
Fig. 2 eine schematische Darstellung einer Auswertevorrichtung des Röntgenprüf Systems in Fig. 1,
Fig. 3 eine schematische Darstellung des Verfahrensablauf zur Prüfung der Bauteile, und
Fig. 4 eine schematische Darstellung der Berechnung eines Referenz- Datensatzes aus mehreren gleichartigen Prüf-Datensätzen.
Eine Inline-Prüfanlage 1 weist eine Herstellungsvorrichtung 2, ein Handhabungsgerät 3 und ein Röntgenprüfsystem 4 auf. Die Inline-Prüfanlage 1 dient zur Prüfung von baugleichen Bauteilen 5, unmittelbar nach deren Herstellung. Bei den Bauteilen 5 handelt es sich um Metalldruckguss- Bauteile 5, die mittels eines nicht näher dargestellten Formwerkzeuges in der Herstellungsvorrichtung 2 herstellbar sind. Mittels des Handhabungsgeräts 3 sind die in der Herstellungsvorrichtung 2 hergestellten Bauteile 5 dem Röntgenprüfsystem 4 zuführbar, das eine Prüfung der hergestellten Bauteile 5 durchführt.
Das Röntgenprüfsystem 4 weist eine Röntgenquelle 6 und einen zugehörigen Röntgendetektor 7 auf. Das Röntgenprüfsystem 4 dient zur Prüfung der Bauteile 5 mittels Röntgencomputertomografie und/oder Radioskopie. Zwischen der Röntgenquelle 6 und dem Röntgendetektor 7 ist eine Positio- niervorrichtung in Form eines Bauteilträgers 8 angeordnet, mittels dem die zu prüfenden Bauteile 5 positionierbar sind. Alternativ kann als Positioniervorrichtung das Handhabungsgerät 3 dienen, sodass die zu prüfenden Bauteile 5 unmittelbar mit dem Handhabungsgerät 3 zwischen der Röntgenquelle 6 und dem Röntgendetektor 7 positioniert werden und auf einen Bauteilträger verzichtet werden kann.
Die Röntgenquelle 6 dient zum Erzeugen einer in Richtung der Bauteile 5 kegelförmig austretenden Röntgenstrahlung 9. Die Röntgenstrahlung 9 verläuft im Wesentlichen in Richtung einer Mittellängsachse 10 des Röntgen- prüf Systems 4. Die Röntgenquelle 6 ist beispielsweise als Röntgemöhre oder als Linearbeschleuniger ausgebildet, deren Aufbau bekannt ist.
Der Röntgendetektor 7 erstreckt sich im Wesentlichen in einer x-y-Ebene, die durch eine x-Richtung und eine senkrecht dazu verlaufende y-Richtung
definiert ist. Die Mittellängsachse 10 definiert eine z-Richtung, die senkrecht zu der x-y-Ebene verläuft. Der Röntgendetektor 7 weist in x- und y- Richtung eine Vielzahl von Pixeln p auf, die im Einzelnen mit p (x, y) bezeichnet werden, wobei für x = 1 bis nx und für y = 1 bis ny gilt. Der Rönt- gendetektor 7 ist beispielsweise als Flachbilddetektor ausgebildet, dessen Aufbau bekannt ist.
Der Bauteilträger 8 ist mittels eines elektrischen Antriebsmotors 11 um eine parallel zu der y-Richtung verlaufende Drehachse 12 drehbar. Die Verdrehstellung des Bauteilträgers 8 und somit des darauf angeordneten Bauteils 5 wird durch einen Verdrehwinkel φ gekennzeichnet, der eine Projektionsrichtung definiert. Die Projektionsrichtung wird nachfolgend ebenfalls mit φ bezeichnet. Die Röntgenquelle 6, der Röntgendetektor 7 und der Antriebsmotor 11 sind über Signalleitungen 13 mit einer Auswertevorrich- tung 14 verbunden. Die Auswertevorrichtung 14 dient einerseits zur Steuerung der Röntgenquelle 6 sowie des Antriebsmotors 11 und andererseits zur Auswertung der mittels des Röntgendetektors 7 detektierten Röntgenstrahlung 9. Die Auswertevorrichtung 14 weist eine Recheneinheit 15, eine Speichereinheit 16 und eine Vergleichseinheit 17 auf. Die Speichereinheit 16 weist eine Vielzahl von Speicherplätzen 18 auf, wobei eine Anzahl bzw. Maximalanzahl N von Speicherplätzen 18 einen Zwischenspeicher 19 ausbilden. Im vorliegenden Beispiel ist N = 11. Die entsprechenden Speicher- plätze 18 des Zwischenspeichers 19 werden nachfolgend mit Ζ bis Zn bezeichnet.
Nachfolgend wird die Prüfung der baugleichen Bauteile 5 während des Herstellungsvorgangs bzw. Produktionsprozesses beschrieben. Vor dem
Beginn des serienmäßigen Produktionsprozesses wird mittels der Herstellungsvorrichtung 2 ein Bauteil 5 hergestellt und geprüft, dass ein Gutteil ist und als initiales Referenz-Bauteil definiert wird. Hierzu wird das Bauteil 5 mittels des Handhabungsgerätes 3 aus der Herstellungsvorrichtung 2 ent- nommen und auf dem Bauteilträger 8 angeordnet. Alternativ kann das Bauteil 5 unmittelbar mit dem Handhabungsgerät 3 zwischen der Röntgenquelle 6 und dem Röntgendetektor 7 positioniert werden. Mittels der Röntgenquelle 6 wird das Bauteil 5 in üblicher Weise mit Röntgenstrahlung 9 bestrahlt. Der Röntgendetektor 7 detektiert die auf ihn treffende Röntgen- Strahlung 9. Für jedes Pixel p(x y) wird die detektierte Röntgenstrahlung 9 in einen entsprechenden Wert bzw. Grauwert g(x, y) gewandelt. Der entsprechende Prüf-Projektionsdatensatz Ρ(φ) mit diesen Grauwerten g(x, y) wird an die Auswertevorrichtung 14 übertragen. Anstelle der Bezeichnung Prüf-Projektionsdatensatz wird nachfolgend die kürze Bezeichnung Prüf- Datensatz verwendet.
Der Prüf-Datensatz Ρ(φ) wird beispielsweise manuell durch einen Benutzer auf Defekte des Bauteils 5 untersucht. Weist das Bauteil 5 Defekte auf, wird dieses als Referenz-Bauteil verworfen und ein weiteres Bauteil 5 in entsprechender Weise überprüft. Weist das Bauteil 5 keine Defekte auf, so wird dieses als Referenz-Bauteil definiert und der zugehörige Prüf- Datensatz Ρ(φ) als initialer Referenz-Datensatz Ro(cp) auf einem nicht zu dem Zwischenspeicher 19 gehörigen Speicherplatz 18 gespeichert. Sind für die Prüfung der Bauteile 5 Prüf-Datensätze Ρ(φ) erforderlich, die zu verschiedenen Projektionsrichtungen φ gehören, so wird für jede Projektionsrichtung φ der zugehörige Prüf-Datensatz Ρ(φ) als initialer Referenz- Datensatz Ro(cp) gespeichert. Nachfolgend wird davon ausgegangen, dass für die Prüfung der Bauteile 5 ein Prüf-Datensatz Ρ(φ) für eine bestimmte
Projektionsrichtung φ ausreichend ist, um das jeweilige Bauteil 5 als Gutteil oder Schlechtteil zu klassifizieren. Dementsprechend werden Prüf- Datensätze kurz mit P und der initiale Referenz-Datensatz mit Ro bezeichnet.
Zu Beginn des serienmäßigen Produktionsprozesses ist in der Speichereinheit 19 der initiale Referenz-Datensatz Ro gespeichert. Die Speicherplätze ix bis Zn sind zunächst leer. Ein zu prüfendes Bauteil 5 wird zunächst in der beschriebenen Weise mittels des Handhabungsgeräts 3 aus der Herstel- lungs Vorrichtung 2 entnommen und in der zu dem Referenz-Bauteil entsprechenden Position auf dem Bauteilträger 8 angeordnet. Anschließend wird mittels des Röntgenprüfsystems 4 in der beschriebenen Weise ein gleichartiger erster Prüf-Datensatz P2 ermittelt und an die Auswertevorrichtung 14 übermittelt.
Mittels der Vergleichseinheit 17 wird im Schritt Si als Gütekriterium zunächst überprüft, ob das zu dem Prüf-Datensatz P2 gehörige Bauteil 5 ein defektfreies Gutteil ist. Hierzu vergleicht die Vergleichs einheit 17 den Prüf-Datensatz P2 mit dem aktuellen Referenz-Datensatz, der zu Beginn des Produktionsprozesses der initiale Referenz-Datensatz Ro ist. Ergibt der Vergleich, dass das Bauteil 5 nicht in Ordnung und ein Schlechtteil ist, so gibt die Auswertevorrichtung 14 im Schritt S2 eine Meldung aus. Das Bauteil 5 kann dann automatisch oder manuell aussortiert werden. Ergibt der Vergleich, dass das Bauteil 5 in Ordnung und ein Gutteil ist, so überprüft die Recheneinheit 15 im Schritt S3, ob als weiteres Gütekriterium ein Ähnlichkeitsmaß zwischen dem Prüf-Datensatz Px und dem initialen Referenz- Datensatz Ro eine vordefinierte Anforderung erfüllt. Hierzu führt die Recheneinheit 15 eine Korrelationsanalyse zwischen dem Prüf-Datensatz P2 und dem Referenz-Datensatz RQ durch. Zwischen dem Prüf-Datensatz P2
und dem Referenz-Datensatz Ro wird ein Ähnlichkeitsmaß berechnet, dass mit einem Schwellwert verglichen wird. Weist das Ähnlichkeitsmaß nicht die geforderte Beziehung zu dem Schwellwert auf, so wird der Prüf- Datensatz P2 im Schritt S3 verworfen.
Weist das Ähnlichkeitsmaß die geforderte Beziehung zu dem Schwellwert auf, so wird im Schritt S4 eine Registrierung des Prüf-Datensatzes Pi zu dem initialen Referenz-Datensatz Ro durchgeführt. Durch die Registrierung wird der Prüf-Datensatz P2 relativ zu dem initialen Referenz-Datensatz Ro ausgerichtet. Als Registrierverfahren wird eine Landmarken basierende Registrierung verwendet, bei der markante Bereiche zueinander ausgerichtet werden.
Anschließend wird im Schritt S5 mittels der Recheneinheit 15 abgefragt, ob der Zwischenspeicher 19 bereits vollständig gefüllt ist, also die Sollanzahl bzw. Maximalanzahl N an Prüf-Datensätzen P bereits im Zwischenspeicher 19 gespeichert ist. Da der Zwischenspeicher 19 noch leer ist, wird im Schritt S6 der Prüf-Datensatz P2 auf dem ersten freien Speicherplatz Ζ gespeichert.
Daraufhin wird im Schritt S7 mittels der Recheneinheit 15 abgefragt, ob bereits eine vordefinierte Mindestanzahl M an Prüf-Datensätzen P in dem Zwischenspeicher 19 gespeichert ist. Im vorliegenden Beispiel ist M=5. Nachdem die Mindestanzahl M an gespeicherten Prüf-Datensätzen P noch nicht erreicht ist, teilt die Recheneinheit 15 der Vergleichseinheit 17 im Schritt S8 mit, bei der Prüfung des nächsten Bauteils 5 im Schritt Si weiter den initialen Referenz-Datensatz RQ ZU verwenden.
Das beschriebene Verfahren wiederholt sich bei der Prüfung nachfolgender Bauteile 5 solange, bis die Abfrage im Schritt S7 ergibt, dass die Mindestanzahl von M = 5 Prüf-Datensätze Pi bis P5 in dem Zwischenspeicher 19 erreicht ist. Ist die Mindestanzahl M erreicht, so wird im Schritt S9 mittels der Recheneinheit 15 ein aktueller bzw. aktualisierter Referenz-Datensatz Ri aus den Prüf-Datensätzen P2 bis P5 berechnet. Hierzu wird im Schritt S9 zunächst abgefragt, ob die Anzahl der in dem Zwischenspeicher 19 gespeicherten Prüf-Datensätze Ϋι bis P5 ungerade ist. Da dies der Fall ist, wird aus den Prüf-Datensätzen P2 bis P5 durch eine Mittelungsfunktion der aktuelle Referenz-Datensatz Ri berechnet. Für die Berechnung wird als Mittelungsfunktion die Medianfunktion verwendet. Die Berechnung ist in Figur 4 veranschaulicht.
Die Prüf-Datensätze Ϋι bis P5 weisen einander entsprechende Datensatz- einheiten di(x, y) bis d5(x, y) auf, die in ihrer Anzahl den Pixeln p(x, y) des Röntgendetektors 7 entsprechen. Zu jeder der Datensatzeinheiten di(x, y) bis d5(x, y) ist ein zugehöriger Wert bzw. Grauwert gi(x, y) bis g5(x, y) gespeichert. Beginnend mit den Koordinaten x = 1 und y = 1 wird zu den Werten g^x, y) bis g5(x, y) an diesen Koordinaten der Median bzw. Zent- raiwert ermittelt. Der zu berechnende Referenz-Datensatz Ri ist entsprechend den Prüf-Datensätzen Ϋι bis P5 in Datensatzeinheiten D^x, y) unterteilt. Diesen Datensatzeinheiten D^x, y) muss bei der Berechnung ein zugehöriger Referenz- Wert Gi(x, y) zugeordnet werden. Die Datensatzeinheit Di(x, y) mit den Koordinaten x = 1 und y = 1 erhält als zugehörigen Refe- renz-Wert Gi(x, y) mit x = 1 und y = 1 den ermittelten Zentralwert zu den Datensatzeinheiten di(x, y) bis d5(x, y) mit x = 1 und y = 1. Ist der Zentralwert an den Koordinaten x = 1 und y = 1 beispielsweise der Wert g5(x, y), so wird der Referenz- Wert Gi(x, y) gleich diesem Wert g5(x, y) gesetzt. Entsprechend erfolgt die Ermittlung der Referenz- Werte Gi(x, y) für die
weiteren Koordinaten x und y der Prüf-Datensätze Pi bis P5, also für x = 1 und nx und y = 1 bis ny
Nach der Berechnung des Referenz-Datensatzes Ri teilt die Recheneinheit 15 der Vergleichseinheit 17 im Schritt S9 mit, dass bei der Prüfung des nachfolgenden Bauteils 5 im Schritt Si der Referenz-Datensatz Ri zu verwenden ist.
Die Prüfung des nachfolgend hergestellten Bauteils 5 erfolgt daraufhin in der beschriebenen Weise durch einen Vergleich des zugehörigen Prüf-
Datensatzes P6 mit dem Referenz-Datensatz Ri. Wird nach der Prüfung des Bauteils 5 der Prüf-Datensatz P6 in dem Zwischenspeicher^ gespeichert, so wird im Schritt S9 zunächst wieder abgefragt, ob die Anzahl der im Zwischenspeicher 19 befindlichen Prüf-Datensätze Pi bis P6 ungerade ist. Da dies nicht der Fall ist, wird keine neue Berechnung durchgeführt. Die Recheneinheit 15 teilt der Vergleichseinheit 17 im Schritt S9 mit, dass zur Prüfung des nachfolgenden Bauteils 5 im Schritt Si der Referenz-Datensatz Ri zu verwenden ist. Bei der Prüfung nachfolgend hergestellter Bauteile 5 wird zu den gespeicherten Prüf-Datensätzen Pi bis P7 ein aktualisierter Referenz-Datensatz R2, zu den gespeicherten Prüf-Datensätzen Pi bis P9 ein aktualisierter Referenz- Datensatz R3 und zu den gespeicherten Prüf-Datensätzen Pi bis Pn ein aktualisierter Referenz-Datensatz R4 in der beschriebenen Weise berechnet. Der jeweils aktuelle Referenz-Datensatz Ri bis R3 wird im Schritt Si solange zur Prüfung nachfolgend hergestellter Bauteile 5 verwendet, bis ein aktuellerer Referenz-Datensatz R2 bis R4 berechnet wird. Während der Füllung des Zwischenspeichers 19 werden die Referenz-Datensätze Ri bis R4
somit mit einer zunehmenden Anzahl an Prüf-Datensätzen Px bis Pn berechnet.
Nachdem der Zwischenspeicher 19 vollständig gefüllt ist und die Speicher- plätze 7 bis Zn mit den Prüf-Datensätzen P2 bis Pn belegt sind, wird die Berechnung der nachfolgenden Referenz-Datensätze R mit einer konstanten Anzahl an Prüf-Datensätzen P durchgeführt, nämlich mit der Maximalanzahl N. Nach der Prüfung des nachfolgend hergestellten Bauteils 5 ergibt die Abfrage im Schritt S5, dass die Maximalanzahl N an Prüf- Datensätzen P2 bis Pn im Zwischenspeicher 19 erreicht ist. Deswegen werden zunächst im Schritt S10 die Prüf-Datensätze P2 bis Pn sukzessive auf den Speicherplätzen Ζ bis Z10 gespeichert, so dass der Speicherplatz Zn frei wird. Hierdurch wird der älteste sich im Zwischenspeicher 19 befindliche Prüf-Datensatz P2 gelöscht bzw. überschrieben. Auf dem Spei- cherplatz Zn wird im Schritt S6 der aktuelle Prüf-Datensatz P12 gespeichert. Im nachfolgenden Schritt S9 wird ein aktueller Referenz-Datensatz R5 in der beschriebenen Weise aus den Prüf-Datensätzen P2 bis P12 berechnet. Das beschriebene Verfahren wiederholt sich bei der Prüfung nachfolgend hergestellter Bauteile 5 jedes Mal, wenn ein aktueller Prüf-Datensatz P in dem Zwischenspeicher 19 gespeichert und der älteste sich darin befindliche Prüf-Datensatz P gelöscht wird. Somit berechnet das Verfahren anhand von ständig aktualisierten Prüf-Datensätzen P einen aktualisierten Referenz- Datensatz R, der zur Prüfung mindestens eines darauffolgend hergestellten Bauteils 5 verwendet wird. Bei einem vollständig gefüllten Zwischenspeicher 19 wird ein Referenz-Datensatz R nur dann mehrfach zur Prüfung von Bauteilen 5 verwendet, wenn ein Prüf-Datensatz P in den Schritten S2 oder S3 verworfen wird. Dadurch, dass ständig aktuelle Referenz-Datensätze R
aus den im Zwischenspeicher 19 befindlichen Prüf-Datensätzen P berechnet werden, können schleichende Veränderungen der Bauteile 5, die jedoch innerhalb der Qualitätsanforderungen liegen, berücksichtigt werden, so dass Pseudodetektionen zuverlässig vermieden werden.
Prinzipiell kann für die Berechnung der Referenz-Datensätze R eine beliebige Anzahl und eine beliebige Kombination von Prüf-Datensätzen P verwendet werden, solange ständig aktuelle Prüf-Datensätze P in die Berechnung der Referenz-Datensätze R einfließen. Das erfindungsgemäße Ver- fahren kann mit zweidimensionalen Projektionsdatensätzen oder dreidimensionalen Volumendatensätzen durchgeführt werden. Wird das Verfahren mit zweidimensionalen Projektionsdatensätzen durchgeführt, so kann die Prüfung der Bauteile 5 anhand einer Projektionsrichtung φ oder anhand von mehreren Projektionsrichtungen φ erfolgen. Hierbei ist das beschrie- bene Verfahren für jede Projektionsrichtung φ anzuwenden.